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Die Lust war bedrückend,- eine dunkle Wolkenwand stieg langsam herauf hinter der Hecke von Thuja ober Lebensbaum im Parke — wie viel Mühe kostete es doch den Gärtner, diese herrlichen Bäume vor dem Unbill des nordischen Winters zu schützen! Im Süden gediehen solche prächtigen Nadelhölzer in üppigster Fülle: die schlanke Pinie mit der weitaus ladenden, majestätischen Krone; die schwarzgrüne Cypresse und die breitgeästete Ceder. Regine kannte sie alle so genau aus ihren Büchern. Würde sie wohl je etwas von der berühmten Herrlichkeit Italiens zu Gesicht bekommen? Seit sie die Sprache gelernt, war ihre Sehnsucht nach dem Lande neu erwacht. Felix sollte und mußte mit ihr reisen! Der Vorwand, daß er nicht abkömmlich fei, kein Geld habe, war ja kindisch! Hatte er nidjt, ohne ein Wort zu verlieren, schon zum zweiten Male die beträchtlichen Schulden ihres Bruders Bernhard beglichen? Seine Aushülfe war ja freilich natürlich gewesen! er mußte über bedeutende Mittel verfügen und brauchte für sich selbst fast nichts/ es galt also nur festzubleiben und ihr Stück durchzusetzen! Auch Felix machte Zukunftspläne, aber anderer Art. Dieselben drehten sich um ein pustendes Ungeheuer, das die Spreu vom Weizen schied und in eiliger Rührigkeit seinen Arbeitern ihr mühseliges Werk erleichierte — eine DampfLomeMag bett 8. April. 1897. m iQbTII Igmüii. ein Schicksal schafft sich selbst der Manul Genieße mäßig Füll' und Segen; Vernunft sei überall zugegen, Wo Leben sich des Lebens freut. Dann ist Vergangenheit beständig, Das Künftige voraus lebendig, Der Augenblick ist Ewigkeit. Kinkel. Goethe. dreschmaschine. Er stellte noch einmal die Vorzüge von Stiften- und Schlagleistensystem neben einander, überschlug die Höhe seiner Ersparnisse und die voraussichtlichen Einkünfte des Jahres. Würden sie zur Erfüllung des lang gehegten Wunsches ausreichen? Dann rechnete er weiter. Wenn er sie erst hatte, konnte er höhere Preise für das Getreide erzielen, welches dann gleich vom Felde auf den noch spärlich versorgten Markt kam, konnte Speicherräume und Arbeitskräfte sparen. Wie groß war überhaupt der Vortheil einer Locomobile! Sie würde beim Futterschneiden verwendet werden ober in ber Ziegelei. Zwei Male schon war er nahe bran gewesen, sein Ziele zu erreichen, aber beibe Male — er sah scheu zu Regine hinüber, als könne biese seine Gebanken lesen — beibe Male hatte er bas bafür zurückgelegte Capital seinem leichtsinnigen Herrn Schwager mit ben kostspieligen Passionen überlassen, um sich zu arrangiren. Nicht, baß ihn jetzt sein Opfer reute, wenn Regine es nur nicht als so ganz selbstverstänblich hingenommen hätte! So bauten Beibe ihre Luftschlösser, unb fBetben sollten biese balb zu Wasser werben. Ein heftiges Rauschen schreckte sie einige Stunben später aus dem Schlafe auf. Ein wolkenbruchartiger Regen ging nieber über Die bürftenbe Erbe. Unerschöpfliche Wassermassen stürzten aus ben geöffneten Schleusen bes Himmels; balb glich ber Boben bes Parkes einem See. Aber bie verheerenbe Gewalt bes fessellosen Elements wirkte in ihrem Anblick auf Regine nicht beängstigenb, fonbern befretenb. Sie spürte barin eine große, allgewaltige Kraft; ihr war bie Stimme bes Schöpfers im Brausen bes Sturmes immerbar vernehmlicher, als im milben Säuseln. So ftanb sie Stunbe auf Stunde und lauschte in bie Nacht hinaus auf bas Plätschern unb Tosen, bis bie fahle Morgenbärnmerung hereinbrach unb ber Regen langsam nachließ. Da kam eine Schreckensbotschaft. Was seit Jahrzehnten nicht geschehen, hatte bas Unwetter bieser Nacht hervorgebracht — ber Fluß war über bie Ufer getreten, hatte ben festen Damm burchbrochen unb bie umüegenben Felber weithin überschwemmt. Felix eilte hinaus unb Regine folgte ihm balb barauf. Der Anblick war entmuthigenb. Eine schmutzig trübe, weite Wasserfläche, aus ber einzelne Baumstämme hinausragten. Ein Wegweiser mit lang ausgestreckten Armen zeigte wie höhnenb bie Richtung eines versunkenen Pfabes an. Das schöne, unlängst gemähte Korn trieb in zerfetzten Garben in ber Fluch, — ein Bilb traurigster Verwüstung. Regine ftanb auf einer unbeschäbigten Stelle bes Dammes/ 162 an beiden Seiten leckte das Wasser bis dicht zu ihren Füßen herauf und breitete sich so ruhig unbewegt vor ihr aus, als habe eö sich nur sein gutes Recht genommen und gedenke, dasselbe festzuhalten. Fluth und Himmel schienen in dasselbe eintönige Grau getaucht zu sein — sie fühlte sich so machtlos, so niedergedrückt — wie viel mehr mußte das bei Felix der Fall sein, der hier die Frucht seiner anstrengenden Arbeit zerstört sah! Jetzt trat der Director zu ihr und berichtete, daß auch jene Felder, deren Fruchtbarkeit Felix durch künstliche Düngung mühevoll errungen hatte, sein besonderer Stolz, von der Ueberschwemmung nicht verschont geblieben- auch über sie hatte sich der Fluß mit dem Sande und Schlamme, welchen er mit sich führte, schonungslos hinweggewälzt. Da sah Regine auf einer Anhöhe die schlanke Gestalt ihres Gatten im knappen, grauen Anzuge erscheinen und schritt auf ihn zu. Er sah blaß aus, ertheilte aber klar und ruhig seine Befehle an einige Knechte und wandte sich dann zu ihr. Sie hing sich an seinen Arm: „O Felix, welche Zerstörung, welch' schwerer Schlag für Dich!" Er strich ihr freundlich über die Wange und sah sie liebevoll an. „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt!« sprach er langsam, fast feierlich. Regine war erschüttert. Sie wußte, daß Felix ein kindlich gläubiges Gemüth hatte- jeden Sonntag fuhr er zur Kirche — nur gar zu oft allein — aber er sprach nicht viel davon. Er war der Meinung, daß man sein Christen- thum im Herzen und nicht auf den Lippen haben solle. Desto mehr wirkte dann ein solch unwillkürlicher Ausfluß seiner Seelenstimmung. Sie schmiegte sich fester an ihn. Wieder fühlte sie sich klein neben ihrem Gatten, aber ihr war wohl dabei. * * * Es schien aber, als habe das Schicksal beschlossen, Felix für die ihm angethane Unbill zu entschädigen. Die Felder, welche von der Ueberschwemmung unberührt geblieben, hatten doppelt reichliche Ernte geliefert. Die vor Kurzem angelegten Rübenfelder trugen vortrefflich. Felix, der die Bahn in der Nähe und wenig Transportkosten hatte, erzielte gute Preise. Nachdem im Winter die Campagne, nämlich die Verarbeitung in der Fabrik, vorüber war, erhielt er die Rüben- schnitzel, aus der die Centrifuge die Melisse gepreßt, als Viehfutter zurück. Mit diesen und dem Grünkraut wurden die im Sommer gekauften bayrischen Ochsen fett gefüttert und ihr Verkauf füllte seine Kasse von Neuem. Im folgenden Sommer waren die Schäden, die der Wolkenbruch angerichtet, fast schon beseitigt worden. Auf dem Felde aber stand richtig die lang ersehnte, heiß erwünschte — die Dampfdreschmaschine — in emsiger Thätigkeit. Sie war eine unversiegliche Quelle der Freude für Felix und seine Kinder. Hans Max wurde nicht müde, das Wunder anzustaunen. Droben sah man die langen Aehren verschwinden, drunten schütteten fein säuberlich die Weizenkörner heraus, an denen die Kinder gar zu gerne knapperten und jenseits spie das Ungethüm Stroh in langen Halmen von sich. Erst glaubte der Junge, daß kleine Kobolde darinnen geschäftig leien. Aber^ Felix gewährte ihm einen Einblick in das Triebwerk und suchte ihm dasselbe in leicht faßlicher Weise zu erklären. „Wie kannst Du das kleine Hirn mit solch' schweren Explicationen anstrengen!" meinte Regine vorwurfsvoll. Felix schwieg eine Weile. rZ/(Fe*n sst so vollgepfropft mit Märchen und fabelhaften Heldengeschichten, daß es ihm nur gut ist, wenn er einmal einen klaren Begriff von der Wirklichkeit bekommt und sich mit den Dingen beschäftigen lernt, die ihn umgeben," sagte er dann ruhig. Regine war betroffen. Es lag ein versteckter Vorwurf für sie in diesen Worten. Sie hatte sich noch nie klar gemacht daß sie Felix doch eigentlich verantwortlich sei für die Erziehung seiner Kinder. Hätte sie seinen Verkehr mit diesen aufmerksamer beobachtet, würde er ihr zu denken gegeben haben. Wie so manche Eheleute, die die Fehler des andern Theiles schweigend dulden, nachdem sie lange vergeblich dagegen angekampst, suchte er nun seine Kinder vor denselben doppelt ängstlich zu bewahren. Wie unermüdlich hielt er sie zu Fleiß und Ordnung an! Selbst die dreijährige Karin mußte ein Spielzeug erst bei Seite tragen, ehe sie zum neuen griff. Für Regine gab es nichts Langweiligeres, als das Ordnen und Aufkramen- in ihren Bücher- und Kleiderschränken, an die Christinchens Hand nicht tasten durfte, herrschte der größte Wirrwarr. Es war etwa ein Jahr vergangen nach der Ueberschwemmung der Felder, als sie eines Nachmittags eifrig malend im Freien saß. Sie hatte dort ein Motiv gefunden, das sie anzog in seiner Einfachheit. Ein alter, verwitterter Weidenbaum mit mächtigem Stamm und fast kahler Krone streckte im Vordergründe seine spärlichen Aeste aus, an die das schmale, graugrüne Laub sich schmiegte. Dahinter breitete sich die Ebene im gelblichen Schimmer der Stoppelfelder, durch welche der Fluß sich w.-.nd- fern am Horizonte erschien eine ruhende Windmühle. Das Alles erzählte von vergangener Pracht und Fülle, athmete eine wehmüthige Abendruhe nach des Tages reichem Leben- und — als habe die Natur beschlossen, ihr zu Hilfe zu kommen und dem Ganzen die rechte Stimmung zu verleihen — so ballten sich jetzt langsam dunkle Wolken zusammen in der Ferne, nahmen der Sonne ihren Schein und gaben dem Bilde etwas unsagbar Schwermüthiges. Regine war ganz hingenommen von ihi - r Arbeit. Aber die Kinder unterbrachen sie zuweilen. Das Mädchen, welches sie sonst beaufsichtigte, half heute beim Waschen, so hatten sie strengen Befehl erhalten, der Mutter nicht aus den Augen zu gehen. Karin baute ihrer Puppe ein Gärtchen und war seelenvergnügt dabei. Aber ihre tausend Fragen konnte das stumme Ding nicht beantworten, da mußte Regine herhalten. „Mütterchen, was schmeckt schöner, Chocoladeneis oder Königsberger Klops?" „Sage mir doch, Mutti, findest Du Papa hübscher oder Onkel Rechow?" „Hilf mir, Mütterchen, Puppe Lises Kleid zumachen!" Hans Max blieb stumm und thatlos. Eine Kornähre zwischen den Zähnen zermalmend, beobachtete er andächllg seiner Mutter Thun, sah auf dem weißen Papier die Umriffe entstehen und dann den ersten zarten Farbenhauch. „Mutter," fragte er plötzlich in seiner langsamen, bedächtigen Weise, „fühlst Du Dich glücklich bei dieser Beschäftigung?" Ueberrascht blickte Regine auf, sah in ihre eigenen braunen Augen, die so altklug aus dem Kindergesichte schauten, und fühlte sich seltsam berührt. Dann aber lachte sie hell auf. „Närrchen, Du," rief sie amüsirt und strich ihm die Locken aus der Stirne. Er aber fühlte sich gekränkt wie alle Kinder, welche nicht begreifen, durch was sie die Erwachsenen zum Lachen gereizt haben, und trollte sich schmollend. Regine sah ihm nach. Wie schwer war es doch, zu ergründen, was in solchem kleinen Kopfe vorging! Dann gab sie sich wieder ihrer Arbeit hin und ihre Gedanken nahmen eine andere Richtung. Seltsam, welche kleine Rolle die Landschaftsmalerei in der Geschichte der Kunst spielte! Ruysdael Poussin, Claude Lorrain, das waren die einzigen Landschafter vergangener Jahrhunderte, die sie kannte, und wie wenig schienen ihr Ruysdaels zierlich ausgeführte. Wald- und Wasserbilder die Natur so wiederzugeben, wie sie selbst sie sah! In dieser Beziehung war doch die Kunst der Jetztzeit ihres Erachtens nach auf einem bis dahin noch unerreicht hohen Standpunkte angelangt, sowohl was die technische Vollkommenheit, als was die intime Beobachtung der Natur betraf. Ob Lossen wohl auch diese Ansicht theilte? — 188 — Da war sie wieder bei Lossen angekommen, sie führte im Geiste lange Unterhaltungen mit ihm und beachtete es nicht, daß das Gezwitscher der Kinderstimmchen hinter ihr verstummt war und daß keine lästigen Fragen sie mehr störten. Inzwischen war Felix zu Rechows hinüber geritten. Es war ihm ein rechter Genuß, an Frau Lottchens zierlich hergerichtetem Kaffeetische zu sitzen und sich ihre selbstgebackenen Kuchen wohl schmecken zu lassen. Derweilen erzählte sie ihm, was in der Nachbarschaft geschah, in ihrem harmlos fröhlichen Geplauder und er hörte gerne von den Menschen, mit denen er aufgewachsen war, die sich ihm jetzt doch mehr und mehr entfremdeten. Frau Lottchen sah die Welt und ihre Neben- menschen in rosigem Lichte an, interessirte sich eifrig für Anderer Angelegenheiten, und wenn sie in ihrem Drange zu helfen einmal zu weit ging und eine Zurückweisung erfuhr, behielt sie ihren Aerger weislich für sich und machte keine üble Nachrede. Dabet stopfte sie ihrem Richard und ihren zwei Knaben höchst eigenhändig die Socken. Das verstand eben Niemand so gut wie sie und der dicke Gatte schmunzelte behaglich, wenn er auf die kleinen Finger sah, die so emsig für ihn schafften. Als Felix heim ritt, dachte er, was für ein treues, sorgliches Hausmütterchen sie sei. Ein solches hätte er in seinem Hause wohl auch gut brauchen können — aber da schrak er zusammen, als habe er sich auf einem schweren Unrecht ertappt. Er seufzte. Seine schöne, kluge Regine paßte wohl eben nicht zur Landfrau! Dann fielen ihm seine herzigen Kinder ein und er spornte sein Pferd. Als er zu Hause nach seiner Frau fragte, wies man ihm den Weg zu dem alten Weidenbaume. Er fand sie dort mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen, ihr Werk war fast vollendet. Pflichtschuldigst, wenn auch nicht ganz ver- ständnißvoll, bewunderte er die Skizze und blickte sich dann suchend nm. „Wo sind die Kinder? Ich denke, Du wolltest mit ihnen spielen?" Regine erwachte jäh aus ihren Träumen zur Wirklichkeit. Die Kinder! Sie hatte sie ganz vergessen- jetzt erst kam es ihr wieder zum Bewußtsein, daß sie ja die Kleinen beaufsichtigen wollte. Bestürzt rief sie ihre Namen: „Hans Max! Karin!" Aber keine Antwort erfolgte. Felix rief lauter- vergebens. Eilig ihr Malgeräthe hinwerfend, lief Regine zu dem nahen Weidengebüsch, in der Hoffnung, die kleinen Bösewichte hätten ihnen einen Streich gespielt und hielten sich dort versteckt - aber auch hier zwischen den wirren Zweigen fand sie keine Spur. Felix stieg auf eine kleine Höhe, von der aus man die Umgebung weithin übersehen konnte - aber nichts Menschliches war zu erspähen und der Fluß so nahe! Dieser Gedanke kam jetzt mit derselben herzbeklemmenden Angst über Beide. Sie tauschten nur einen flüchtigen Blick aus, der Jedem des Anderen Bermuthung bestätigte, und wurden dann schreckensbleich. „Sie werden nach Hause gelaufen sein, wir finden sie gewiß im Garten oder beim Abendbrod," sagte Felix, indem er sich mühsam zur Ruhe zwang. Hastig legten sie die Strecke bis zum Parke zurück. Aber auch hier waren die Kinder nicht zu sehen und im Hause wußte Niemand von ihrem Verbleib. Was nun? Felix traf mit Umsicht und Ueberlegung seine Maßregeln. Nach den verschiedensten Richtungen sandte er Leute aus, nach den Kleinen zu forschen, die sich dann an einem bestimmten Punkte mit ihm treffen sollten, um ihm Bescheid zu bringen. Regine sah die Hast und Verwirrung um sich her, und die Schreckensrufe, die Jeder ausstieß, der von dem Unfälle erfuhr, vermehrten ihre Qual. Athemlos folgte sie ihrem Gatten durch die Felder, von heißer Angst getrieben, von Selbstvorwürfen gefoltert. Wenn ihren Lieblingen etwas' zugestoßen war, dann trug sie die Schuld daran, sie allein! D, wie sie sich schämte! Mit all' ihrem Geiste, allen ihren Talenten war sie nicht im Stande, ihre eigenen Kinder zu hüten, wie es die ärmste Taglöhnerin in ihrer Einfalt vermag. Sie war es wirklich nicht Werth, Mutter zu heißen, nicht würdig der Gnade, die ihr der Himmel angethan, indem er ihr die Sorge für die beiden süßen Geschöpfchen anvertraute ! Vergeblich hatten sie auf dem nördlich gelegenen Vorwerk nachgefragt, wo Mäxchen sonst so gerne der Arbeit in der Ziegelei zuschaute. Weiter eilten die Eltern, immer stürmischer von immer quälenderer Besorgniß gejagt. Waren sie wirklich in das Wasser gefallen, hatte der plötzliche Schrecken ihren Angstschrei erstickt oder war er ungehört verklungen? Regine wußte selbst nicht mehr, wie ihre Füße sie noch vorwärts trugen. Stunde auf Stunde verrann- die ausgesandten Boten brachten keine Kunde. Erschöpft sank sie endlich auf einen Grabenra n und barg den Kopf in den Händen. Wie sollte sie weiter leben mit dieser Last auf dem Gewissen? Nein, wenn das Furchtbarste geschehen war, dann — sie konnte es nicht ausdenken. Ihr Herz hämmerte zum Zerspringen, ein Pressender Schmerz im Kopfe schien ihr die Schläfen zusammenzudrücken — da hörte sie ihren Namen rufen. Sie fuhr empor: das war die Stimme von Felix und es klang etwas daraus hervor wie verhaltener Jubel! Mit raschen Schritten eilte sie an seine Seite- er stand unweit der Dampfdreschmaschine unter zusammengeschichteten Garben. Behutsam drückte er den Finger an die Lippen, als sich Regine il^m näherte und zog sie leise neben sich, auf ein Strohbündel deutend. Auf demselben lagen sie, die Gesuchten, in friedlichem Schlummer! Die Bäckchen geröthet, die Mündchen leicht geöffnet, athmeten sie tief und regelmäßig, ahnungslos über all' die Unruhe, die sie verursacht. Karin hatte das runde Aermchen um den Hals des Bruders geschlungen, der noch einen Strauß Kornähren in der Hand hielt- nicht weit davon saß friedlich ein Hamster, der seine Backentaschen bereits reichlich mit Körnern gefüllt hatte, eifrig beschäftigt, noch mehr Aehren auszustreifen- aber bei Reginens nun nicht mehr zu dämpfendem Freudenschrei ergriff er schleunigst die Flucht. Sie weckte die Kleinen mit tausend Küssen und Zärtlichkeiten und brach dann in heiße Thränen aus. Die Spannung hatte sich gelöst, das ausgestandene Elend der letzten Stunden sprach sich nun in einem Schluchzen aus, dessen sie so bald nicht Herr wurde. Hans Max, noch schlaftrunken, kniete neben ihr nieder und umschlang sie, bestürzt, sie so fassungslos zu sehen. „Mütterchen, liebes Mütterchen, sei doch nur ruhig, ich will es ja gewiß nie, nie wieder thun, will nie mehr fortlaufen! Ich wollte so furchtbar gerne die Dampfmaschine brummen hören, nur ein ganz kleines Weilchen und dann gleich zurückkommen- aber von dem Laufen waren wir so müde geworden, daß wir uns erst ein bischen ausruhten und dann —" „Seht Ihr wohl ein, Ihr Kinder, was für ein Herzeleid Ihr Eurer guten Mutter angerhan habt durch Euren Ungehorsam? Schämt Ihr Euch nicht?" fragte Felix, indem er sich zur Strenge zwang. Er war so erleichtert, sie nur gesund wieder zu haben, daß er sie am liebsten auch geküßt und geherzt hätte. Aber er hielt es für seine Pflicht, sie ihr Unrecht fühlen zu lassen. Doch wie sie nun kläglich zu schluchzen begannen und reumüthig Besserung gelobten, fühlte er sich beruhigt. Er nahm die vor Müdigkeit taumelnde Karin auf den Arm und trat den Heimweg an. Die schweren Wolken waren inzwischen heraufgekommen, ein Unheil verkündender Wind fegte über die Felder, die ersten Tropfen fielen vom Himmel. Regine strebte mit dem Knaben an der Hand eilig dem Hause zu. Sie fühle sich bedrückt, zerschlagen. Wie sollte sie es wagen, nach diesem Tage ihrem Gatten je wieder offen in das Antlitz zu schauen? Für ihn, der immer an seine Lieblinge dachte, konnte es gar keine Entschuldigung geben für ihre Nachlässigkeit, ihm mußte sie doppelt unbegreiflich sein. Gewiß zürnte er ihr bitter. Aber nun wandte er sich nach ihr um und klopfte ihr freund- 164 lich auf die Schulter. Wie viel mehr sagte ihr doch diese einfache Liebkosung als alle Worte! Kaum war man glücklich unter Dach gelangt, als ein Gewitter mit voller Heftigkeit losbrach. In der Kinderstube tranken die Kleinen ihre Abendmilch, welche Christinchen ihnen brachte. Regine stand am Fenster und folgte den zuckenden Blitzen mit den müden Augen. Bei einem besonders heftigen Donnerschlage setzte Hans Max die erhobene Tasse erschrocken hin und klammerte sich an Christinchen: „Höre nur, wie schrecklich das donnert!" Die Alte nickte bestätigend. „Ja, ja, Junkerchen, der liebe Göttchen schilt!" „Weil wir unartig waren?" fragte Karin schuldbewußt. Regine wußte es besser. Mochte des Himmels Grollen nicht mit mehr Recht der pflichtvergessenen Mutter gelten? (Fortsetzung folgt.) Herrschaften und Dienstboten. Viele mögen wohl glauben, es sei eine höchst überflüssige Sache, nochmals über die bereits vielbesprochene Dienstbotenfrage zu schreiben, und doch ist dem nicht so. Die Oeffentlichkeit findet noch immer viel an dem Verhältnisie zwischen Herrschaften und Dienstboten — besonders in größeren Städten — auszusetzen und dank der Preffe, die ja heute ettft Weltmacht ist, wird dieser sociale Mißstand, wie so viele andere, die — wie Rechtens ohne Rücksicht ans Licht gezogen werden, nach und nach sich verringern, wenn erst der Sitz des Nebels erkannt und demselben tüchtig zu Leibe gegangen wird. Hört man heute zuweilen von der guten alten Zeit sprechen, so zieht man die Achseln in die Höhe, lächelt ungläubig und denkt mit Recht, daß jede Zeit ihre Mängel ihre socialen Schäden gehabt habe, ebenso wie ihre Vorzüge. Eines aber steht fest, wenn anders wir den mündlichen wie schriftlichen Überlieferungen unserer Vorfahren Glauben schenken dürfen, daß das Verhältniß zwischen Herrschaften und Dienstboten ein besseres, ausdauerndes, ja in gewissem Sinn innigeres war als heute. Woher diese tiefgreifende Veränderung? Ganz leicht ist die Antwort darauf nicht zu finden, allein es ist unzweifelhaft, daß, wenn zwei auf einander angewiesene Gesellschaftsklassen nicht zufrieden mit einander sind, jede derselben Bedingungen und Ansprüche stellt und erhebt, die der Andere nicht erfüllen kann oder will. Es liegt in der Natur der socialen Verhältnisse, daß ein großer Theil der ärmeren Klassen genöthigt ist, sein eigenes Heim, schon meist in zartem Alter, zu verlassen, sich in fremdem Haushalt jeglicher verlangten Arbeit zu unterziehen, um dafür Kost, Wohnung und Lohn als Gegenleistung zu empfangen. Daß es nicht ganz leicht ist, jeden Tag und zu jeder Stunde dem Willen fremder Menschen unterthan zu sein, bedarf wohl kaum der Erwähnung, und es ist nur recht und billig, daß die, denen das Geschick die Gewalt in die Hände gegeben, dieselbe nicht mißbrauchen, vielmehr dem minder begünstigten Nebenmenschen das Joch des Dienens erträglich machen. Es ist erstaunlich, mit welch vorzüglichen Eigenschaften manche Hausfrau (es sei hier nur von dem Verhältniß zwischen Hausfrauen und deren weiblichem Dienstpersonale die Rede), und sollte sie in dieser Hinsicht bereits reiche Erfahrungen gemacht haben, sich das neu engagirte Mädchen ausgestattet wünscht,' daher kommen selbstverständlich die unangenehmsten Enttäuschungen und beständiger Wechsel, der weder für Frau noch Mädchen eine Empfehlung ist, ist die Folge davon. Viele Frauen verlangen, daß das Mädchen ohne jeglichen Characterfehler sei: sie soll verträglich, reinlich, fleißig, erfahren in allen Hausarbeiten, moralisch, nachgiebig, gehorsam, anhänglich, mitfühlend, ehrerbietig, ja selbst — männerscheu sein, kurz eine Musterkarte von allen Tugenden! Hand aufs Herz! Ist das nicht ein wenig zu viel verlangt, werthgeschätzte Frauen, und sind denn Ihre eignen Töchter, wenn Sie welche besitzen, so musterhaft erzogene Wesen, von denen man trotz ihrer gewiß höheren Bildung nicht einmal solche Vollendung verlangen könnte, wenn dieselben durch irgend ein widriges Geschick gezwungen würden, ihr bequemes Heim zu verlassen und das saure Brod der Dienstbarkeit wenn auch in höherer Stellung, zu essen? Allerdings nimmt man an, daß ein Dienstmädchen drei Cardinaltugenden besitzen soll: strenges Sittlichkeitsgefühl, Gewissenhaftigkeit (die ja auch die Ehrlichkeit in sich schließt) und Gehorsam. Besitzt ein Mädchen dieselben, dann findet sich alles andere von selbst, und eine einsichtsvolle und humane Frau wird die weitere Character- entwickelung ihrer Untergebenen mit Energie und Geduld in die Hand nehmen und gewiß erfreuliche Resultate erzielen. Vor Allem suche sich die Herrschaft die Achtung ihrer Dienstboten zu erwerben. Vielen Dienstboren imponirt freilich schon der äußere Schein, den Rang, Reichthum, schöne Kleider, kostbare Mobilien, glänzende Gesellschaften u. dgl. um manche Familie verbreiten, aber bald wird eine nicht ganz beschränkte Person auch außer der glänzenden Schale auf den inneren Kern achten lernen, d. h. welch ein Ton unter den Familiengliedern selbst herrscht, welche Achtung sie von außen genießen, wie sie sich gegen ihre Untergebenen benehmen u. s. w. Ohne unpassende Vertraulichkeit komme die Frau dem Mädchen freundlich und aufmunternd entgegen, versage nicht die Anerkennung für eine gute Arbeit und rüge wohl ernst, auch je nach Umständen strenge die Fehler, doch hüte sie sich, h ein fortgesetztes Nörgeln oder gar unwürdiges Schimpfen zu verfallen, was nur ihr Ansehen schädigen wird. Ebenso wenig zeige die Frau eine launenhafte Veränderlichkeit ihres Wesens: lobe heute nicht übermäßig, und tadele morgen nicht ohne Ursache. Eine Herrschaft, die sich nicht um das moralische, physische oder auch ökonomische Wohl ihrer Untergebenen kümmert, ihnen nur Pflichten aufgebürdet, ohne ihre Rechte anzuerkennen, die keine Rücksicht auf körperliche Zustände oder geringere geistige Fähigkeiten nimmt, ihnen nicht reichlich Speise und Trank gewährt, die Arbeitsstunden des Tages häufig noch bis in die Nacht hinein verlegt und ihnen die vorausbedungene kärglich freie Zeit noch abzukürzen sucht solcher Herrschaft, deren Einsicht, Gerechtigkeit und Menschengefühl in sehr trübem Lichte erscheint, gehört von Rechtswegen qar kein Dienstbote und sie sollte ihre Arbeit selbst verrichten. (Schluß folgt.) Hninsvistisches. Gut gewählter Vergleich. Bekannter Millionär (zu einem Bettler): „Machen Sie, daß Sie fortkommen, aber augenblicklich, sonst lasse ich Sie hinauswerfen!" - Bettler Na, na, Männeken, man nich so heftig! Der ;anze Unterschied zwischen Sie un mich besteht doch man blos dadrm, det Sie dabei sind, Ihre zweete Million zu machen, un xa arbeete noch an meine ersckte." * * * Bedingte Großmuth. Soldat: „Ich bitte um einige Tage Urlaub." — Wachtmeister: „Unsinn, giebt r nid)t!" — Soldat: „Herr Wachtmeister, für jeden Tag eme fette Wurst!" — Wachtmeister: „Gut, wie viel Tage? Soldat: „Zehn." — Wachtmeister: „Unsinn, nehmen S zwanzig, damit's lohnt." * * Lohn und Strafe. Vater: „Karlchen, wenn Du heut' schön brav bist, darfst Du die Kisten auspacken- wenn Du aber bös bist, mußt Du sie auspacken/ * * Aus dem Examen. Professor: „Sagen Sie mir, aus wie viel Theilen besteht das preußische Landrecht? Candidat: „Ja, das ist verschieden, je nachdem man 1 ™) einbinden läßt!" Redaction: 8L Echeyda. — Druck und Vertag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Siemdruckerei (Pietsch L Sch-Yd») in Gieß-«.