O 1897. - Nr. 180. Samstag den 6. November r LLLLL führerischen Briefe widerstehen, gnädigste Gräfin, er Meten. WM sramum «ugiFrta»FPTiw:w?rn>Kii uch' durch Selbstüberwindung den Schmerz zu lindern, Durch Klagen wirst Du ihn nicht heilen noch mindern. ne graue schwarze Gütiger macht uns das Glück Und liebevoller und weiser; Aber das Unglück allein Bildet uns edel und groß. Gedichte, ondenten, t Gießen licht hat. ine Tiefe den Tag, cht wohl- : sein uns ches wir und None Schluß - ,Unter der günstigsten ickdorchen", rchen", ein ert. Köst- wrtreffliche dungsring" rzählungen Sardous die Heldin tionen von . Claudius j in durch - , manches Ritterlichkeit größer ist, wie seine Gier nach Reichthum und Ehre! Graf Wulff-Dietrich verzichtet auf ein fürstliches Erbe, weil ein unbekanntes Mädchen ihn zum Schutze ihrer hoffnungslosen Liebe anfleht! Das ist für das fin de siede eine solch märchenhafte Seltenheit, daß Pia nun und nimmer daran glauben würde, wenn nicht jeder Blick auf die Reihen der Tänzer sie davon überzeugte! Welch ein Opfer bringt er um ihretwillen! Welche eine Genugthuung für sie, daß der Mann, welcher sie, durch die Verhältnisse gezwungen, heimführen wollte, doch zu den besten seiner Zeit gehört! Ein Gefühl warmherziger Rührung überkommt Pia/ — wie soll sie ihm solch eine Großmuth jemals danken! Ihn heirathen? doch noch heirathen? nein/ — nie. Sie kann keinen Mann lieben, den sie lieben soll und muß, — ihr ganzes Ich bäumt wild auf gegen solch eine Bevormundung ihres Herzens. Sie ist eine viel zu selbstständige Natur, um sich jemals beeinflussen zu lassen, und darum soll auch die Erkenntlichkeit keinen moralischen Zwang auf sie ausüben. Es würde der schlechteste Dank sein, wollte sie dem Grafen Wulff nun aus Hochachtung dennoch die Hand reichen. Ist er in Wahrheit der edel denkende Mann, welcher die Heiligkeit der Liebe derart respectirt, daß er ihr das eigene Glück, die glänzende Zukunft, die imponirende Größe eines Niedeck'schen Majorats opfert, — so verlangt er auch sür sich in erster Linie diese treue, heilige Liebe, als bestes und wichtigstes Heirathsgut der Frau. Auf die reiche Mitgift würde er verzichten, auf die Liebe nicht, — und gerade diese kann Pia ihm nicht geben. Warum nicht? Sie kennt ihn ja nicht einmal, und weiß es gar nicht, ob er nicht gerade derjenige Mann ist, für welchen ihr Herz voll leidenschaftlicher Zärtlichkeit entflammen würde! Pia kennt ihn zwar nicht, aber sie kennt sich selbst. Sie weiß, daß ihr Oppositionsgeist nie ein anderes Gefühl für den aufgenöthigten Freier zulaffen würde, als den Ingrimm, den empfindsamen Aerger über die Demüthigung, als Waare verhandelt zu sein. Das würde sie nie überwinden, ebensowenig wie sie jemals an die Liebe solches Gatten glauben könnte Andere Frauen würden sich lachend in die Verhältnisse schicken und die Grafenkrone und das blinkende Geld als reiches Entgeld für ihr geopfertes Herz ansehen; sie würden (Fortsetzung.) „Wie bedauere ich das Mißgeschick Ihres Herrn Sohnes!" sagte Pia höflich, ohne im Mindesten traurig dabei auszusehen. „Ein verstauchter Fuß darf wirklich nicht leicht genommen werden, Frau Gräfin, und bedarf der Zeit, um auscurirt zu sein! Hoffentlich wird Ihr Herr Sohn recht vernünftig sein und allen Lockungen Ihrer gewiß recht ver- Der Majoratsherr. Roman von Nataly v. Eschstruth. versäumt wahrlich nichts hier, — und nächstes Jahr giebt es neue Bälle!" Ein paar Dragoner harren der Vorstellung und Gräfin Melanie drückt Pias Hand: „Bitte, besuchen Sie mich recht bald einmal freundschaftlichst, liebste Baroneß! Ich möchte so gern noch recht oft und viel mit Ihnen plaudern!" Pia neigt nur sehr höflich das Köpfchen und küßt abermals die Fingerspitzen der Gräfin, dann verabschiedet sie sich von dem Grafen und muß sich hastig den Herren zuwenden, deren Namen der sehr eilige, vielbeschäftigte Vortänzer mit erstaunlicher Zungenfertigkeit herunterraspelt. Pia feiert Triumphe, und ihr eifrigster Schleppenträger ist Hartwig. Wie eine junge Königin, glühend in stolzer Freude, schwebt sie über das Parkett. Es ist, als ob ein Joch von ihrem Nacken genommen sei, als ob sie von einer drückenden, demüthigenden Last befreit, Schwingen an den Schultern fühlte, welche sie hoch über jede Angst und Sorge hinwegheben. Aber noch etwas Anderes, Unbewußtes erfüllt ihre Seele mit Licht. Sie hat einen Mann entdeckt, dessen stolze, edle lutnal der dergekehrt, neinsamem erzigsten toffes und Gesammt- :ner Leser, muß Von „Stechlin" t die erste Romancier, Aquarellen arbendruck practischen Liebhaberei Eine erste ', die, sehr , das Ent- den Abon- laitpapier- lutzend für Land und reisen will- leber Land d Mannig- sich das damit sie iche Unter« rteljährlich Zwischen. A m W - 518 - das Leben auf ihre Art und Weise genießen und sich mit der Thatsache trösten, daß die meisten modernen Ehen nichts Anderes sind, als eine Speculation, als ein Geschäft, welches ebenso nüchtern abgeschlossen, wie gelöst wird. — Gelöst mit allen inneren Banden, — nur das Firmenschild mit den vereinigten Namen hängt als ein äußerliches Zubehör über der Schwelle. Pia denkt nicht modern. Sie, die in Paris erzogen ist? Gerade darum! weil ihr scharfer Blick allzuviel französisches Elend gesehen, rebellirt ihr deutsches Blut gegen die Sünde solchen Meineids. Die Jugend urtheilt immer schroff, — sie schafft sich Ideale und kämpft für dieselben, und je reiner und gesunder ihr Herz und Seele geblieben, desto tiefer und leidenschaftlicher die Begeisterung, für die eigene Ueberzeugung einzutreten. Nein, sie wollte Graf Wulff-Dietrich nun erst recht nicht heirathen, aber dankbar wollte sie ihm zeitlebens sein. Sie hat ihn arm gemacht, — er macht sie dafür reich, — reich an dem schönen, lieben Kinderglauben, daß es noch Männer auf der Welt giebt, stolz, edel und tugendhaft, wie die Ritter vom heiligen Graal. Die hohen Herrschaften verweilen heute außergewöhnlich lange. Der Cotillon, welcher so selten zu seinem Recht kommt, feiert heute wieder Triumphe. Die Herzogin hat ihre Getreuen durch eine ebenso sinnige wie liebenswürdige Ueberraschung ausgezeichnet. Es werden allerliebste kleine Geschenke, welche sämmtlich den gekrönten Namenszug der hohen Frau tragen, ausgetanzt. Die Vortänzer haben schon zu verschiedenen Malen heimlich auf die Uhr geguckt. Die Stunde, welche zur Abfahrt der Wagen vorgeschrieben, ist längst überschritten. Und es dauert immer noch eine halbe Stunde, bis die ersten Equipagen durch den Schloßhof zurückrollen. Pia hat die Eltern während des Balles so gut wie gar nicht gesehen- jetzt, als sie harrend an der goldzitternden Treppe des Vestibüls stehen, streift ihr Blick forschend die Züge des Vaters. Der Oberstlieutenant sieht mit starrer Falte zwischen den graubuschigen Brauen wortkarg geradeaus, seine Gemahlin läßt die Lider müde und abgespannt über die Augen sinken. „Wagen für Freiherrn von Nördlingen!" schmetterte die Stimme des Huissiers. Mit ungewohnter Hast, zum letzten Male nach rechts und links grüßend, eilt der Oberstlieutenant die Stufen hinab, Pia wechselt noch ein paar heitere Worte mit etlichen Offizieren — Hartwig als erster darunter —, welche neben ihr stehen und voll schwärmerischer Verehrung die Sträuße tragen, welche ihre kleinen Hände nicht mehr fassen konnten. Hartwig folgt galant bis an den Wagen, seine duftende Bürde dort abzugeben, er verabschiedet sich voll auffallender Verbindlichkeit, der Freiherr dankt sehr kühl und kurz und der Wagen rollt davon. „Unverschämte Frechheit von diesem Bengel!" stößt er, kaum noch seine Erregung meisternd, zwischen den Zähnen hervor. „Soll das etwa Hohn sein?" „Wen meinst Du etwa, Papa?" „Nun den charmanten Bruder Deines verunglückten Freiers!" „Meines — — ah — des Grafen Wulff - Dietrich! Man sagt mir, er sei erkrankt. — Seltsam, gerade heute. Kein Mensch schien an diese Krankheit zu glauben und legt sich fern Fernbleiben als einen Korb für mich aus! — und ich wollte so liebenswürdig zu ihm sein." Ein unverständliches Knurren und Wettern antwortete ihr, — Frau von Nördlingen aber drückt plötzlich das Spitzentuch gegen die Augen. „Eine Blamage ist es für uns!" schluchzt sie auf. „Warum bringen Niedecks erst selber unser Kind in aller Leute Mund, wenn sie ihrer Sache nicht sicher sind!" „Aber, Mamachen, — Graf Wulff kommt vielleicht das nächste Mal!" sagt Pia leise und neigt das Antlitz tief in die duftenden Blumen. Der Oberstlieutenant schnellt bebend vor Zorn empor. „Das Kommen steht dem Herrn frei! Aber unser Haus bleibt ihm verschlossen! Bildet sich der Laffe etwa ein, ich biete ihm meine Tochter zum zweiten Male auf dem Präsentir- teller an? — Der soll sich irren! und die Beine soll er sich ablaufen, bis er Dich zu Gesicht bekommt! — Wir brauchen keinen Schwiegersohn mit sechzehn Ahnen, — Du kannst wohl noch andere gute Partien thun und brauchst nicht auf den Herrn Grafen zu warten!" Es ist dunkel im Wagen, der Sprecher kann nicht die Wirkung seiner Worte in dem Gesicht seiner Tochter lesen. „Ich empfinde die Kränkung, welche man mir angethan hat, wohl noch empfindlicher wie Du, Papa, und ich habe eine dringende Bitte an Dich!" „Hm . . sprich . . . welch eine?" „Laß mich jedes weitere Gerede abschneiden und nach dem Haag zurückkehren, — dann kann doch kein Mensch sagen, daß ich hier sitze und auf den Grafen Niedeck warte \“. „Ach, meine Pia, kaum daß wir Dich wieder gehabt haben!" schluchzte Frau von Nördlingen abermals. „Wenn ich geheirathet hätte, hätten wir uns ja doch trennen müssen, Herzensmamachen, und im Sommer sollt Ihr doch Beide nach dem Haag kommen, das haben wir ja längst verabredet!" Einen Augenblick herrscht tiefe Stille, dann sagt der Oberstlieutenant rauh: „Ja, das Kind hat recht- sie soll hier nicht im Wartesalon sitzen und eine glänzende Partie kann sie hier ntcht machen, während im Haag Auswahl darin ist." „Gut, Pia, ich freue mich, daß Du so verständig bist, in vierzehn Tagen reisest Du zu Onkel und Tante zurück." Der Wagen hielt und der Oberstlieutenant stieg schwerfällig heraus, erst das Haus aufzuschließen, ehe sich die leichtgekleideten Damen in den Schneesturm hinauswagten. * * * Tage waren vergangen. Gräfin Niedeck war zu einer Visite vorgefahren, da aber die Herrschaften ausgegangen waren, hatte sie Niemand sehen und sprechen können. Pia erschien wie verwandelt, und obwohl sie sich in Gegenwart der Eltern sehr zusammennahm und ein ernstes Gesicht machte, konnte sie es doch nicht verhindern, daß ihre strahlenden Augen und rosigen Wangen ihre markirte elegische Stimmung Lügen straften. Droben in ihrem einsamen Zimmerchen aber stand sie hochaufathmend und breitete voll schwärmerischer Glückseligkeit die Arme aus- wie ein feierlicher Klang zog die volks- thümliche Weise mit ihren schlichten Worten durch ihr Herz: „Und hätt' ich Gold und Ehre, Und alle Pracht der Welt, Und hält' doch keine Liebe, Schlimm wär's um mich bestellt!" Ja, die Liebe! Sie will nicht auf die Liebe verzichte», um alles Gold der Welt ist sie ihr nicht feil! Die, Liebe in ihrer goldenen, heiligen Freiheit! Eine gute Partie soll sie thun, das verlangt der Vater von ihr. Wird sie jemals seinen Wunsch erfüllen können und einen Mann freien, der in seinen Augen eine gute Partie ist? Sie weiß es nicht und kann nicht dafür gut sagen. Sie, deren Stolz so groß und deren Sinn so spröde ist, sie wird nie nach Rang, Gold und Ehren fragen, wenn jener Eine ihren Weg kreuzt, dessen Auge es ihr mit unerklärlich zwingendem Blicke anthun wird! Und dieser Eine wird kommen, das weiß sie, und darum wartet sie auf ihn. Die Mittagspost brachte einen überraschenden Brief. Der Oberstlieutenant brachte ihn selber der Tochter und rief schon von Weitem ganz aufgeregt: „Pia! Ein 519 Bries von Tante Johanna und woher? Um diese Zeit aus Niedeck! Ob sie etwa den ganzen Winter dort zugebracht haben? Mach 'mal schnell auf, das ist ja riesig interessant!" Das junge Mädchen öffnete mit etwas unsicheren Fingerchen. Alles Blut stieg ihr in die Wangen und die Sorge erfüllte sie, Tante Johanna möchte sich über das verhaßte Heirathsproject aussprechen, welches sie ihr so aufgeregt geschrieben. Aber Gott sei Dank, nein, das Schreiben enthielt nur wenige Zeilen, und bat in sehr herzlichen Worten um Pias recht langen Besuch auf Niedeck. „Wir reisen Anfangs Mai, oder, falls das Wetter günstiger ist, schon früher an den Rhein, um einen kurzen Aufenthalt in Aßmannshausen oder St. Goar zu nehmen- alsdann führt uns der Weg nach Scheveningen. Wir können Dich also sehr bequem nach dem Haag zurückbringen. Ich hoffe, Deine Eltern versagen mir nicht die unendliche Freude, meinen Liebling nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen, — auch Onkel Willibald und meine wilde Hummel Fränzchen erwarten Dich voll Ungeduld. Niedeck ist auch im Winter schön, — freilich recht einsam." „O, die Einsamkeit fürchte ich nicht!" lachte Pia und schlang die Arme voll stürmischen Jubels um den Vater. „Ich habe mir so lauge schon gewünscht, das sagenhafte Niedeck, von welchem alle Leute sprechen und welches doch Niemand kennt, einmal mit Augen zu schauen! Nicht wahr, Papa, Du erlaubst es, daß ich Tante Johanna besuche?" Der Freiherr zuckte mit bitteren Lächeln die Achseln. „Wenn Du das Schloß gern sehen möchtest, mußt Du wohl jetzt schon die Gelegenheit beim Schopfe nehmen, denn ob Du jemals dort Deinen Einzug als Herrin feiern wirst, will mir doch mehr wie fraglich erscheinen. Komm mit zu Mama und ließ ihr den Brief vor, — wenn sie einverstanden ist, kannst Du Anfangs März abreisen, falls Graf Wulff-Dietrich bis dahin nicht das Haus gestürmt hat, um Deine Bekanntschaft zu machen . . .! „Aber, Papa, glaubst Du das wirklich?!" „Je nun, wenn sein Unfall thatsächlich das Kommen zum Hofball verhinderte und es ihm mit seiner Werbung ernst ist, holt er das Versäumte wohl mit doppeltem Eifer nach. In vier Wochen ist ein verstauchter Fuß auskurirt, und wenn nicht, kann er in dieser Zeit schriftlich anfragen und Deine Abreise verhindern, thut er nicht dergleichen, so wird unsererseits jede spätere Annäherung rundweg abgelehnt, — mag er doch sehen, wo er sich sonst die sechzehn Ahnen zusammensucht." Pia nickte nachdenklich vor sich hin. „Gut," sagt sie, ihre schlanke Gestalt zu voller, imponirender Höhe aufrichtend, „vier Wochen magst Du ihm Frist geben, läßt er in dieser Zeit nichts von sich hören, sind wir für immer geschiedene Leute, — versprichst Du mir das, Papa?" „Habe es ja schon gethan, natürlich verspreche ich es," polterte der Oberstlieutenant ingrimmig, „es ist eine Schande, daß wir auf den Monsieur warten müssen, — aber ungerecht dürfen wir auch nicht sein, falls er wirklich krank ist, — bedenke, es handelt sich für ihn wahrlich nicht um ein Butterbrod!" Pias reizendes Köpfchen sank unmerklich tiefer: „Nein, es handelt sich um recht viel für ihn, ich weiß es ja!" flüsterte sie, und wie ein leises Beben des Mitleids ging es um ihre Lippen. „Wer weiß, ob der Goldteufel ihm während dieser vier Wochen nicht noch zusetzen wird!" — und langsam, gedankenvoll folgte sie dem Freiherrn durch den schmalen Flur und über die alte, ausgetretene Treppe hinab zu der Mutter. Ihre Augen, welche soeben noch so zuversichtlich gelächelt, blickten sehr ernst. Vier Wochen sind eine lange Zeit, und manchen helden- und ehrenhaften Entschluß hat die Zeit schon über den Haufen geworfen. Wie werden Graf und Gräfin Rüdiger Alles aufbieten, den Sohn zu der vorschriftsmäßigen Partie zu überreden, wie werden ihm die Eltern sowohl wie der Bruder in wohlweislicher Uebertreibung Wunderdinge über ihre Schönheit berichten! Eine erste Liebe! Was bedeutet sie sonst wohl einem Manne? Vielleicht philosophirt Wulff - Dietrich voll grausamer Skeptik auch: „Ein großer, wilder Schmerz der Jugeud ist Poesie!" Die Gräfin wird ihm schon jede Scrupel ansreden und ihm versichern: „Wie viel Tausende von Mädchen müssen ohne Liebe, mit bitterer Entsagung eines Jugendtraumes heirathen und sie werden dennoch glückliche Frau!" Denn erste Lieb' Du gehst vorbei. Schneller wie ein Sturm im Mai, Bleibst kein ständiger Gast. Frau Melanie würde eine solche Anschauung zuzutrauen sein, denn sie hat wohl sicher nicht aus glühender, zärtlicher Liebe geheirathet und ward ihrer Ansicht nach doch eine glückliche und beneidenswerthe Frau! „Wahrlich beneidcnswerth?" Pia beneidete sie nicht. Wulff - Dietrich wird aber sicherlich die Ansicht der Mutter und die Ueberzeugung von Vater und Bruder für maßgebender halten, als den sentimentalen Geiühlserguß eines jungen Mädchens, welches in seiner Naivetät gar keinen Begriff von dem Werth des Geldes und eines gräflichen Majorats hat. In seiner ersten Aufwallung des Mitleids hat er sich vielleicht versagt, auf den Hofball zu kommen, nun aber, wo er von allen Seiten auf das Heftigste bearbeitet wird, wo ihm selber vielleicht die Reue kommt und er einen Vorwand sucht, sich ihr dennoch zu nähern, ob er auch jetzt noch, vier Wochen lang, standhaft bleiben wird? Es ist so bequem für ihn, zu sagen: „Ich wollte ja zurücktreten, aber der Willen meines Vaters zwingt mich zu der Heirath, welche ich selber, ungefragt, aus tausend schwerwiegenden Gründen schließen muß!" Ja, wer weiß es überhaupt, ob nicht Graf Wulff- Dietrich von Anbeginn solchen diplomatischen Plan ersonnen, der anscheinend auf geradem Wege ihrem Wunsch entgegenkommt, um ihn auf krummen Pfaden desto sicherer zu durchkreuzen ? Pia erbleichte bei diesem Gedanken, welcher ihr ganz plötzlich, ganz überraschend in diesem Augenblick gekommen. Ein Beben geht durch ihre Glieder und die schönen strahlenden Augen sprühen in all der Erregung auf, welche ihrem Wesen nun einmal angeboren ist. Bis jetzt war ihr Graf Niedeck gleichgültig, ja, sie hat sogar seit dem Hofball ein Gefühl warmherzigen, dankbaren Interesses für ihn empfunden. Sie hat seine Person mit einem Glorienschein edelster Ritterlichkeit umgeben. Wenn er sie aber getäuscht hätte, — wenn sein Nicht- kommen nur ein kurzes Nachgeben gewesen, wenn er nun aus irgend eine Weise dennoch sein Ziel zu erreichen und sie zu gewinnen trachtete, — oh — Pia würde ihn hassen darum! Sie hat noch nie einen Menschen gehaßt, — aber dann, ja, dann würde sie es lernen! — Das Stubenmädchen kommt ihnen mit einer Visitenkarte entgegen. „Der junge Herr Graf zu Niedeck." Ein leiser, halberstickter Aufschrei von PiaS Lippen. „Welcher Graf?" herrscht der Oberstlieutenant betroffen. „Der Herr Lieutenant von den Dragonern hier!" knixte das Mädchen mit einem triumphirenden Blick auf das gnädige Fräulein, welches seine Liebe zu dem schönen Verehrer doch auch gar zu nett verrathen hat. Der Freiherr runzelt enttäuscht die Brauen und knäuelt die Karte in der Hand. Er überlegt einen Augenblick. „Sagen Sie, es thut uns sehr leid; die Damen machen Toilette für das Theater und ich sei nicht zu Hause." Ueberrascht zieht sich das Mädchen zurück, das halte sie nicht erwartet. „Zappeln lassen!" knurrt Nördlingen voll Genugthuung- Pia aber preßt aufathmend die Hand gegen das Herz. Oh, entsetzliche vier Wochen, welche Qual werdet ihr für mich sein! — 520 „Wir fahren heute Abend in das Theater!" fährt der Oberstlieutenant fort, „Du bist zu allen Herren sehr liebenswürdig, — den Grafen Hartwig behandelst Du möglichst gleichgültig, verstanden?" •> Pia nickt und schweigt. Das Theater! ein entsetzlich neutraler Boden, wie geschaffen für derartige Begegnungen! Nun, Gott sei Dank, gestatten es die Mitteln der Eltern nicht, daß sie es ost besucht. (Fortsetzung folgt.) Gemeinnützige». Gefälschten Honig zu erkennen. Mau versetze eine Probe des zu prüfenden Honigs mit der doppelten Menge Spiritus und schüttele beides recht stark um. Bildet sich hiernach ein trüber Niederschlag, so ist der Honig mit anderen Stoffen versetzt, da reiner Honig sich in Alkohol völlig auflöst. * * * Selvstgeferttgte Speisekarten. Selten läßt die Hausfrau oder die geschickte Tochter des Hauses sich's heutzutage nehmen, ihre Festtafel durch eigenhändig hergestellte Speisekarten zu vervollständigen. Wer in diesem Genre Originelles schaffen möchte, wählt vielleicht eine Karte in Form eines Pfefferkuchens. Dieselbe wird in Buchform aus dünner, gelbbrauner Lederpappe geschnitten. In die vier Ecken der oberen Deckelsiäche leimt man — Mandeln imi- tirend — je drei kleine halbirte Kürbiskerne, welche zuvor mit elfenbeinweißer Oel- oder Emaillefarbe überzogen sind. Die leere Mitte der oberen Deckelfläche füllt die mit Zuckerguß hergestellte Inschrift: „Für artige Kinder", die mit Hilfe einer Gänsekielfeder mit breiter Spitze aufgetragen wird. Die inneren Deckelflächen werden mit weißem Papier beklebt, auf welchem mit zierlicher Rundschrift oder Frakturschrift die Speisefolge verzeichnet wird. Als Speise- und Tischkarte ferner dienen eine Sectflasche nebst Kelchglas. Erstere wird in ca. 15 Ctm. Höhe aus glattem, grünem Gelatinepapier geschnitten und mit einer blumenverzierten Etikette aus Silberpapier versehen, welcher das Menu auf- georuckt ist. Äie Metallkapsel am Halse wird durch aufgeklebtes Staniol imitirt und an der Rückseite der Flasche eine Gelatinestütze aufgeklebt, welche das Aufstellen der Flasche ermöglicht. Neben der letzteren steht ein ca. 10 Gtnt. hohes, aus weißem Gelatinepapier geschnittenes Kelchglas, auf dem der mit Goldtinte geschriebene Name des Tischgastes vermerkt wird. Eine leichte Blumenmalerei oder Gold Arabesken umgeben denselben. Recht hübsch sind auch kleine, den nämlichen Zweck vertretende Kochbücher. Hierzu besorgt man sich vom Buchbinder rothes, grünes oder gelbliches Skytogen, ein starkes, mit einer Lederschicht überzogenes Papier, schneidet davon eine beliebige Anzahl 9 Ctm. hoher, 13 Ctm. breiter Theile, faltet dieselben in ihrer Mitte nach Art eines Buchdeckels zusammen und klebt die mit Goldtinte auf Glacv- papier geschriebene Speisenfolge hinein. Auf den oberen Buchdeckel schreibt man mit Goldtinte „Gesammelte Koch- recepte" und führt rings herum mit gleicher Tinte zierliche Rokoko-Arabesken aus. * * * Blumentöpfe. Sehr hübsch aussehende Blumentöpfe, die jedem Fenster zur Zierde gereichen, kann man ohne Mühe folgendermaßen Herstellen: Gewöhnliche irdene Blumentöpfe, — solche, die unten leicht gerundet sind, sehen gefälliger aus, — beklebt man mit zierlichem gepreßten Blattwerk, das man in gleichmäßigen Abständen zu vier Sträußen ordnet. Nach dem Festtrocknen übermale man Blätter und Stiele mit verschiedenen Broncefarben, lasse auch diese trocknen und überziehe sodann die ganze Außenfläche des Topfes mit wasserhellem Spirituslack, der die Blätterdecoration vor dem Ablösen schützt und dem Topfe ein porzellanähnliches Aussehen verleiht. Diese hübsche Arbeit bietet namentlich Damen mit schwachen Augen einen angenehmen Zeitvertreib für die langen Herbst- und Winterabende. * * * Hausmütze für Herren. Als Material empfiehlt sich dunkelbrauner Sammet oder feines Tuch, woraus man eine ungefähr 18 Ctm. in der Diagonale messende Rundung für den Boden und einen 60 Ctm. langen, 15 Ctm. hohen Streifen für den Rand schneidet. Nachdem beide Theile mit beliebiger Mustervorzeichnung versehen worden, wird letztere mit Seide im Platt- und Stielstich ausgeführt oder man näht, den Musterconturen folgend, Goldsoutasche auf, was sich vielleicht noch hübscher ausnimmt. Nach Vollendung der Stickerei wird sowohl der Boden als auch der Randstreifen mit Steifgaze unterlegt und mit leichtem dunkelbraunem Seidenfutter versehen. Dem Boden ist zwischen Futter und Gaze eine dünne Watteschicht einzufügen. Dann werden beide Stofftheile zusammengenäht, wobei der Rand beständig eui wenig einzuhalten ist. * * Frisier-Umhang. Wer genöthigt ist, seine Frisur mehrmals am Tage aufzufrischen und die Unbequemlichkeit scheut, welche das Ueberziehen des Frisiermantels über die modernen weiten Aermel mit sich bringt, sollte sich zu diesem Zwecke einen leicht überzuwerfenden Umhang fertigen, der nicht nur sehr leicht herzustellen, sondern auch bedeutend wohlfeiler ist als ein Frisiermantel. Als Material empfiehlt sich cremefarbener LeinencrZpe. Hiervon schneide man zwei je 30 Ctm. hohe, 42 Ctm. breite Theile, schneide sie oben am Halse nach Art eines Kinderlätzchens aus, verbinde sie auf der rechten Achsel mittelst einer schmalen Doppelnaht und säume dann sämmtliche Randsetten schmal um. Die offen gebliebenen linksseitigen Achselränder werden durch Haken und Schürzöse oder Knopf und Knopfloch geschlossen. Sämmtliche Randseiten einschließlich der Halsöffnung werden mit bunter Kreuzstichborde in Maschinenstickerei garnirt. Eine cremefarbene waschbare Franse ergiebt den unteren Randabschluß. Humoristisches. Aus der guten alten Zeit. Alter Soldat (zum Rekruten): „Und wenn Du Dich vor Beginn einer Schlacht orientiren willst, schau, wohin der Herr General reitet — in der entgegengesetzten Richtung steht der Feind." * * * In der Sing st und e. Lehrer in Quarta: „Bis zur nächsten Stunde müßt Ihr Euch Alle den Liederschatz angeschafft haben/ daß mir ja Keiner von Euch ohne Schatz in die Schule kommt!" * * * Trost. Erster Schauspieler: „Mein armer Vater hat mich wohl tausendmal gebeten, ich möchte nicht Schauspieler werden." — Zweiter Schauspieler: „Na, gräm' Dich nicht, alter Freund, Du bist ja auch keiner geworden." * ♦ * Aus dem Tagebuch eines alten Ehemannes. „Das Weib ist das einzige Licht in dem sonst so dunklen Dasein des Mannes/ schade nur, daß er es so oft putzen muß!" * * * Einem Sonntagsjäger in's Stammbuch: „Das Hasentresfen fällt Dir schwer? Recht wohl erklär' ich's mir: Zwei Läufe nur hat Dein Gewehr, Der Has' hat aber vier!" Rcdaction: 8L Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bicßen.