bwi Smüttli- huldigungen. seiner Mirn bot er der ine und ihre t denn doch ngen hatten, chweres ®e= Tisch. Kein c. Die köst- und Weber te die Magd tenen Fisch! !eber aß für e er heiterer >s Glas und ter, auf das n, aber ein 'er bei dem ruhen und Solche einen jedem Tage :er verlangt ie, auf dem am wohlsten lter an ihr Kinde, M e Tage, an :nug. Was :bar." d man nicht tte ich mich i zu lernen, ui sein, das Zilhelminens en sah und ganz verlach hinzu: hütz! Papa ebuch Manuel erschienen ist auch für die aßerordentlich hrt das Ver- -oßen Vereine »er Vortrags- ». Der Ber- ■ Hausfrauen übermüthige des köstlichen er Vorlesung bei einzelnen gleiteten die em heitersten Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Endlich war er fertig, die Polizeileute hatten auch die zurückgelassenen Kleidungsstücke noch an sich genommen, der Marsch konnte beginnen. Der Führer mit einem der Beamten setzte sich an die Spitze, Neuert folgte, zwei Mann gingen hinter ihm. So bewegte sich der Zug aus dem Zimmer hinaus, die Treppe hinunter in ruhigem, gleichmäßigem Tempo. Nur einmal, auf einer der Treppen, machte Neuert für einen Augenblick Halt und klammerte sich an das Geländer an, als verließen ihn die Kräfte. Rasch aber raffte er sich wieder empor und ging weiter, doch war zwischen ihm und den : beiden Vordermännern, fast ohne daß sie es bemerkten, ein Zwischenraum von einigen Schritten entstanden. So hatte der Verhaftete mit seinen Hütern das erste Stockwerk des Hauses erreicht, als dicht an einer Thür, die in einer Vertiefung der Wand lag, Neuerts Hand ein Gegenstand entglitt, der mit hartem Klang auf dem Boden aufschlug. „Was ist da gefallen?" fragte der führende Beamte, indem er stehen blieb. „Er hat etwas von sich geworfen," rief einer der hinter Neuert befindlichen Polizisten. „Suchen Sie," lautete der Befehl, der als Antwort kam, und „Suchen Sie doch!" klang es wie ein lautes, höhnisches Echo aus Neuerts Munde, so laut, daß es selbst den Commando- ton des führenden Mannes übertönte. Aber als wäre dieses Wort ein Signal für eine unsichtbare Kraft gewesen, so öffnete sich unmittelbar darauf leise die Thür in der Vertiefung der Wand, und während einer der Polizisten mit niedergesenktem Licht am Boden umhersuchte, stieß Neuert einen anderen, ;• der sich unmittelbar neben ihm befand, mit wohlberechneter Bewegung vor die Brust, daß er-zurücktaumelte und schlüpfte i gewandt in den dunklen Spalt hinein, der sich hinter ihm schloß. eamsta, dm 6. Niq. om WemböcH v-Ci f W IIHfP» pp säte icht Jeder, der ein Pferd besteigt, Ist darum schon ein Ritter; Nicht jede Phrase, hohl und seicht, Schon ein „Gedankensplitter". W. Elftes Capitel. Wildes Rufes und Fluchen erhob sich unter den Betrogenen, das sich nur verstärkte, als sie in dem fortgeworfenen Gegenstand ein bedeutungsloses Metallstück erkannten. Sie rüttelten an der schweren, eichenen Thür, durch die Neuert verschwunden war, und die sich nun fest verschlossen zeigte, während sie einander in laut ausgestoßenen Verwünschungen und Vorschlägen zur Verfolgung überboten. Der Lärm der Männer auf dem Corridor ließ endlich Frau Henninger aus ihrem Zimmer hervorkommen und fragen, was geschehen sei. „Ein Verbrecher ist uns entwischt, hier durch diese Thür. Wohin führt sie?" Wir müssen ihn wieder haben." „Die Thür führt auf eine Nebentreppe, die aber nur nach unten, nicht nach oben geht. Er kann schon ans dem Hause sein, wenn Sie sich hier aufgehalten haben." „Das wäre das Beste, was er hätte thun können. Dann wäre er unserem College» unten in die Hände gelaufen. So dumm sind wir nicht, ein Haus ohne Wache zu lassen." Ohne ein weiteres Wort stürmten die Männer die Treppe hinunter, während die Lichter, die sie hielten, einen wechselnden, ermattenden Schein in das Geschoß zurückwarfen, das sie eben mit ihrem geräuschvollem Suchen erfüllt hatten. Auf die Straße hinaus trugen sie Lärm und Hast und vermehrten das laute, wilde Treiben da draußen. Denn Frau Henninger hatte recht prophezeit, und richtig hatte der Polizeibeamte geantwortet. Neuert war über die Nebentreppe zum Ausgang des Hauses gestürzt und hatte die Freiheit zu gewinnen geglaubt, indem er die Straße gewann. Er hatte keine Wache vor dem Hause vermuthet und war zurückgeprallt beim Anblick des Polizisten. Aber das Glück schien ihm günstig, denn der draußen Postirte, ein hübscher, strammer Mensch, der als Mädchenjäger galt, hatte auch jetzt wieder, seinen braunen Schnurrbart durch die Finger wirbelnd, mit einem der Dienstmädchen von gegenüber kokeltet und stand abgewandt von der Hausthür, als Neuert herauskam. Ein Schrei des Mädchens aber, das vor dem wild Hervorstürmenden erschrak, machte ihn auf seine Pflichtversäumniß aufmerksam, und durch doppelten Eifer in der Verfolgung suchte er jetzt wieder gut zu machen, was er verfehlt hatte. Die Jagd begann. Eine tobende, erbarmungslose, athemlose Jagd von Mensch auf Mensch. Durch die Schatten des feuchten Abends ging sie dahin, — es hatte zu regnen aufgehört, aber ein schwerer, weißlicher Dunst hing noch in der Luft, — unter den Laternen hinweg, die für einen Augenblick die vorüberhastenden Gestalten mit einem blitzgleich aufleuchtenden und wieder verschwindenden Schimmer über« Gießm. — ein S konnte, - Flasche l Ma sicht und fahren, i zugleich dem verl nntrügln der Wel mit dem siihrerisä Köhler r besangen bald schc Liebe wi hervor, d hätte nietti wollte ma wieder drc einen der von der C suchung ze psorte wai So mußte gegenüber Er hatte gewölbe n gethan, ihi wurde jed durchspäht, entdecken. Schauder getrieben brecher se langsam, gang zu. flammten i Dämmer» gemalten schwimmet Dunkel zr Der gegen ihn Haftungen zum Bors genommer Spuren z aus dem heiligten alte, halb von einen aus weit sollte, do Gerücht, war aufz Im eine tiefe förmliche Umsturzv Töne, de und erfal Vorkomm Bombe g immer m uhren. ! thut es nervöser das Zim 106 — I einmal mit größerer, beinahe triumphirender Helle die Finster- I m"' &le unter &en Mauern der Kirche zusammengeballt laa Von Schmerzen gepeinigt, die der Sturz ihm verursacht hatte, von Wuth getrieben, von Enttäuschung beinahe rasend gemacht, warf sich der große Bursche mit einem thierischen Zorneslaut gegen die Thür. Aber sie war fest verschlossen und widerstand seinem Drängen. Zähneknirschend, von einem Fuß auf den anderen tretend in der grimmigen Lust, die Verfolgung wieder aufzunehmen, stand er davor und schlua mit den Fäusten gegen das Holz. So fanden ihn die I Änderen, die hinter ihm zurückgeblieben waren und jetzt herankamen, athemlos, in der Hoffnung, einen Gefangenen m Empfang zu nehmen, und nun Verwünschungen und Fragen in wildern Durcheinander ausstießen, als sie sahen, daß er entkommen war. Entkommen, — wohin? Gab es dort ein I Versteck, tvar er in die Kirche hineingedrungen, oder war er durch die andere Thür, die nach der Straße zu lag, entwischt? Man fragte und siuchte und widersprach, als Plötz- I bine kreischende, weibliche Stimme aus einem der gegenüberliegenden Häuser vom Fenster herunterrief: „Ich habe es gesehen, er ist in der Krypta!" Schon vorher waren Einzelne, das Gesträuch durchbrechend, von der Erhöhung hinuntergesprungen auf die Straße, um durch die andere, dorthin gelegene Thür Einlaß zu suchen: aber auch sie war verschlossen, und ein erneutes Geheul der I Wuth und Enttäuschung drang empor. Mit immer wachsender Macht stürzten sich die kräftigsten der Verfolger auf die I kleinere, vom Alter schon morsch gewordene Mauerpforte, bis I sie einem der heftigsten Stöße vereinter Kräfte endlich ge- horchte und aufsprang. Nun stürmten sie hinein, zerstampften I die Psianzen in dem engen, mauerumzogenen Gärtchen vor I der Krypta und rüttelten an der festen Thür vor dem Grabgewölbe. Aber die Todten wachten nicht auf, und der I Lebende, der an dieser Stätte des Todes verschwunden war, gab keine Antwort. War er wirklich in der Krypta? War er so thöricht gewesen, sich dort hinein zu flüchten, von wo es keinen Ausweg für ihn gab? War es die Angst des Todes, die ihn hierher getrieben hatte, und suchte er vielleicht nur einen ruhigen Platz, um zu sterben? Nicht so heftig wie bisher | drängte die in dem engen Raum zusammengepreßte Menschenwoge dem Eingang des Grabgewölbes zu. Es schien, als geböten die schwarzen, schweigend n Massen der Kirche ihnen Einhalt und Schonung^ langsamer bewegten die Verfolger sich vorwärts, und ihre durcheinander klingenden Stimmen senkten sich zu halblautem Flüstern. Einer der Polizeibeamten faßte den Griff der Thür und suchte mit unsicher tastenden Händen nach einem Schlüssel. „Sie ist offen," rief er plötzlich und stieß gegen das Holz, daß es zurückflog und den Blick eröffnete in eine tiefe, finstere Höhlung. Eine feuchte Kühlung drang daraus hervor und ließ im Verein mit dem geheimnißvollen Dunkel in der Tiefe die Wüthenden für einen Augenblick Halt machen und auch das letzte, leiseste Geflüster verstummen. Bald aber hatten die Polizisten die Lichter wieder entzündet, die ihnen erloschen waren beim eiligen Lauf, und indem sie behutsam vorwärts drangen, trugen sie die unsichere, flackernde Helle unter die lastenden Wölbungen der Krypta, zwischen die Pfeiler und Säulen, die in dreifachem Halbkreis den Sarkophag des heiligen Bernward schirmend umstehen, auf diesen grauen, verwitterten Steinsarg selbst, der Jahrhunderte lang, vom Wasser umspült, eines großen Mannes letzte Behausung war. Die Suchenden gingen hierhin und dorthin, ließen die Lichter an Wänden und Säulen in die Höhe gleiten, spähten an den unversehrten, wohlverwahrten Fenstern umher und beugten sich nieder zu der ehrwürdigen, vom Hauch der Vergangenheit unverwitterten Grabstätte. Sie suchten und riefen, sie forschten nach Spuren auf dem steinernen Boden, aber Suchen, Rufen und Forschen blieben vergebens, — Neuert war verschwunden. Aus einer großen Seitencapelle schaute die steinerne Gestalt einer heiligen Frau mit weißem Leuchten gossen, durch Wasserlachen, in denen die Straßenlichter sich spiegelten, und die in tausend glänzende Funken auseinander spritzten, wenn der Fuß des Verfolgten oder seiner Verfolger sie traf. Und wie der fallende Schneeball im Sturze zur Lawine anschwillt, so wuchs die Schaar der Jäger auf das menschliche Wild. Wie aus der Erde hervorgestampft waren sie da, Plötzlich, unerwartet, durch ein Zauberwort scheinbar herbeigerufen. Eine dichte, schwarze, bewegte Masse wälzte sich hinter dem Flüchtling her, von gellenden Rusen und Pfiffen durchtönt, von dem wüthenden Verlangen vorwärts getrieben, das lebendige Wesen da vorn, das auf sich allein angewiesen war in dem Kampfe gegen die Menschenwoge, die fast schon seinen flüchtigen Fuß umspielte, niederzustrecken auf die Steine des Pflasters. Sie waren ihm näher und näher gekommen, und das Echo der nächtlichen Straßen hatte ihnen Antwort gegeben auf den dumpfen, raschen Klang ihrer Füße, als Neuert mit einem plötzlichen Seitensprung sich für einen Moment ihren Blicken entzog. Er war in die enge, finstere Gaffe eingebogen, in der des Taubstummen Wohnung lag, und vor dem schwarzen Spalt in der Häuserwand, der sich vor ihnen auf- that, stutzten und zögerten die Verfolger für die Dauer einer Secunde. Dann aber preßten sie sich hinein in die schmale Oeffnung, und für kurze Zeit war der düstere Gang ange- füllt mit den leidenschaftlichen Rufen, die zu immer heißerem Eifer anfeuerten, mit dem glühendem Athem, der von der wüthenden Menge einer sengenden Wolke gleich emporstieq, mit dem tobenden Heulen der Meute, die ihres Wildes Spur- verloren zu haben fürchtete. Aber nein, dort war er! Nicht hineingeflüchtet in eins der Häuser, die nach der engen Gasse zu ihren Ausgang hatten, — dort hinten, im Lichte der I Laternen wieder sichtbar geworden, jetzt eben einbieaend in I dre breitere Seitenstraße. Weiter und weiter, ohne Zögern und Halten. In anderen Straßen, in Höfen und Gängen, die in todtenhafter I SMe dagelegen hatten im Schweigen des Abends, erwachte und verhallte, rasch wieder ersterbend, der Lärm der Jagd. Bis hierher hatte Neuert seinen Vorsprung gewahrt, hatte Entgegenkommende, die ihm in den Weg traten, ihn zu er- gretfen, bei Seite gestoßen, oder war ihnen ausgewichen durch geschickte Wendung. Nun aber schien er doch zu er- I b^ von der Krankheit geschwächte Körper schien auch der Geißel der Angst nicht mehr zu gehorchen, und einer der Verfolger, ein großer, knochiger Bursche, der seinen Athem nicht mit nutzlosem Rufen verschwendete, kam ihm näher und naher. Der Fliehende hörte den Klang der schweren Füße fester und lauter hinter sich ertönen, und wie ein Pferd auf den Zuruf der Reiters flog er noch einmal in erneuter, vermehrter Eile dahin, als er diesen drohenden Klang ver- nahm. Aber trotzdem verringerte die Entfernung zwischen den Beiden sich mehr und mehr. Sie waren nur noch zwanzig seicht auseinander, als Neuert den Platz erreichte, der die Michaeliskirche trägt. Konnte das Gotteshaus ihm Glaiibte der Sündige, eine Zuflucht zu finden im Herligthum? Warum wandte er sich dorthin, warum hüwn? ” b‘e ®tufen ö" ber Erhöhung mit wenigen Schritten er “n bw Treppe kam, war jener erste der Ver- t J,m f$on f° nahe, daß er ihn berühren konnte. Er streckte den Arm nach ihm aus, um ihn zu fassen aber während er den Blick auf sein Opfer Heftes das wie er meinte, ihm nicht mehr entgehen konnte, verfehlte sein Fuß die Stufe, er glitt aus und fiel. Mit einer wilden Verwünschung S 7 ?Lebei in die Höhe, doch Neuert hatte den Vor? f9fpi5UrUCfm7Onnen/ ben er verloren hatte, und stürmte der kleinen Pfortein der Mauer neben dem westlichen Kirchenende zu, durch die in jener Winternacht Georg Sybel )Qttern verschwinden sehen. Der Ton eines ^^ ussels, der eilig, aber mit sicherer Hand in ein Schloß ~ ,fatn. ^rch den Abend herüber, die kleine Thür öffnete sich, siel wieder zu, und jener Klang durchtönte noch | — 107 — hervor, doch auch diese Capelle war leer und verlassen, als hätte niemals der Fuß eines Menschen sie betreten. Schon wollte man von weiterem Suchen abstehen und die Spur wieder draußen verfolgen, als ein Metallschimmer am Boden einen der Polizisten sich bücken ließ. Er hob einen Schlüssel von der Erde empor, und eine schleunig angestellte Untersuchung zeigte, daß es der Schlüssel zu der kleinen Mauerpforte war, die Neuert sich vorhin damit erschlossen hatte. So mußte er hier gewesen sein in der Krypta, die Frau gegenüber hatte sich nicht getäuscht! Aber wo war er jetzt? Er hatte nach dem Zeugniß jener Beobachterin das Grabgewölbe nicht wieder verlassen, — hatte die Erde sich auf- gethan, ihn zu verbergen und ihn zu retten? Noch einmal wurde jeder Winkel, jede Schattenfläche hinter den Säulen durchspäht, aber keine Spur des Verschwundenen war zu entdecken. Die Suchenden verstummten, ein geheimnißvoller Schauder ging über sie dahin, und als würden sie Hinweggetrieben von einer unsichtbaren, an dieser Stätte dem Verbrecher selbst Schutz gewährenden Macht, bewegten sie sich langsam, mit unwillkürlich gedämpften Schritten dem Ausgang zu. Vom frischeren Lufthauch da draußen getroffen, flammten die Lichter wieder unruhig empor, aus der wachsenden Dämmerung der Gewölbe aber schauten die Gestalten der gemalten Heiligen in schwächeren Umrissen und langsam ver- schwimmenden Farben noch einmal hervor, um dann im Dunkel zu verschwinden und unterzutauchen in die Nacht. * * * Der Anarchist blieb unentdeckt. Man hatte die Beweise gegen ihn jetzt in Händen, man konnte ein paar weitere Verhaftungen darauf vornehmen, er selbst aber kam nicht wieder zum Vorschein. Auch eine zweite, am nächsten Mittag vorgenommene Untersuchung der Krypta förderte keine neuen Spuren zu Tage, zeigte keine Möglichkeit des Entkommens aus dem festen Gewölbe, den mächtigen Mauern der geheiligten Grabstätte. In der Bevölkerung freilich tauchten alte, halbvergessene Geschichten wieder auf, die dunkle Sage von einem unterirdischen Gang, der von der Michaeliskirche aus weit unter der Stadt und ihren Häusern dahinführen sollte, doch gab es keine tatsächliche Bestätigung für dieses Gerücht, und keine Spur des angeblich vorhandenen Ganges war aufzufinden. Im Hause der Schatten ließen die Ereignisse jenes Abends eine tiefe Erregung zurück. In Carolinens Küche wurden förmliche Parlamentssitzungen abgehalten, in denen es an Umsturzvorlagen nicht fehlte. Man gedachte der seltsamen Töne, der unheimlichen Erschütterungen, die das Haus gehört und erfahren hatte, und glaubte die Ursachen der räthselhaften Vorkommnisse nun ausgefunden zu haben. „Ihm hat so 'ne Bombe gemacht/' meinte Caroline, „wie sie ihnen in Paris immer mit sich in die Tasche tragen, wie bei uns die Taschenuhren. Ihm hätte uns Alle in die Luft gesprengt un ihm thut es vielleicht heute noch." Das Stubenmädchen war nervöser denn je und schrie auf, sobald eine Fliege durch das Zimmer flog, aber auch die robuste Köchin hatte nervöse Anwandlungen, setzte ihre Pantoffeln kreuzweis' vor's Bett ein Schutz- und Zaubermittel, das sie nicht genug empfehlen konnte, — und nahm häufiger als in ruhigen Zeiten zu der Flasche hinter dem Nähkasten ihre Zuflucht. Martha Wernicke ging ein paar Tage mit bleichem Gesicht und brennenden Augen umher. Sie gedachte der Gefahren, in der Neuerts Liebe sie hätte bringen können, und zugleich empfand sie wider Willen ein tiefes Mitleid mit dem verlorenen Manne, dem sie — das wußte sie durch ein untrügliches Gefühl in ihrer Brust — das Theuerste auf der Welt gewesen war. Sie kämpfte ein paar Tage lang mit dem furchtbar- schönen, für manches Frauenherz verführerischen Gefühl, von einem Verbrecher geliebt zu sein. Köhler war klug und nachsichtig oder auch harmlos und unbefangen genug, ihr Zeit zu lassen, sich wiederzufinden, und bald schaute sie mit den alten, Hellen, von reiner, schuldloser Liebe widerstrahlenden Augen ihm von Neuem entgegen. Bleicher noch, als Martha in diesen rasch vorübergehende») Tagen, fast einer wandelnden Leiche gleich erschien Fräulein Tietjens seit Neuerts Flucht. Aber zugleich war etwas Gehobenes, Elastisches in ihr Wesen gekommen, als trage sie ein großes, gefährliches und zugleich beglückendes Geheimniß mit sich umher. Am wenigsten zeigte Frau Henninger sich von dem Geschehenen berührt. Sie hatte den Entflohenen kaum gekannt, und nachdem der Schrecken des ersten Augenblicks vorüber war, gedachte sie des Vorgefallenen nur noch flüchtig, wie man einer vorüberziehenden^Gewitterwolke nachschaut und sie vergißt. Ihr Wesen war durch die Beichte ihres Bruders und die nachfolgenden Eröffnungen des Taubstummen im Innersten erschüttert und aufgewühlt. Alles Andere verschwand gegenüber diesem Gefühl/ auch für die Wandlung, die mit ihrer Gesellschafterin vorgegangen war, hatte sie kaum Empfindung und Blick. Daß etwas geschehen mußte, daß sie die That ihres Bruders auslöschen, das erschlichene Geld ersetzen wollte, stand bei ihr so fest, wie der Wille zum Guten, einem unverrückbaren Sterne gliech, der über ihrem Lebensweg leuchtete. Aber seit sie den Namen des schuldigsten Mannes kannte, seit sie in die Abgrundstiefen seines Characters hineingeblickt hatte, fühlte sie sich wehrlos und ohnmächtig wie nie zuvor. Konnte sie hoffen, mit ihrer Frauenklugheit und Frauengewandtheit einen Mann zu besiegen, der jetzt, wo ein Kampf um seine Existenz beginnen mußte, kein Mittel scheuen würde, .seine Stellung und seinen Ruf zu wahren? Sie stand allein in diesem Kampf, den sie aufnehmen mußte und den sie noch immer nicht zu beginnen wagte. Georg war fern von ihr, nicht eine einzige arme Zeile hatte er ihr bisher gesandt. An wen konnte sie sich wenden um Hilfe und Rath? Sie grübelte und fragte und fand keine Antwort, bis plötzlich in einer einsamen Stunde, die sie mit finsteren Gedanken geängstigt hatte, ein Name, wie ein Heller, freundlicher Schein, vor ihr auftauchte. Busenius! Dort oben im Giebel wohnte ja der Alte, der Weise, der Milde! Ihm konnte sie vertrauen/ Georg hatte es ihr gesagt, und sie selbst hatte es empfunden mit döm sicheren Gefühl, das ein unsichtbares, aber unzerreißbares Band zwischen guten und reinen Menschen webt. (Fortsetzung folgt.) Der Blinde. Von Felix von Stenglin. —— (Nachdruck verboten.) An einem Frühlingsabend war es. Der Garten der großen Brauerei dort im Norden Berlins war von Besuchern dicht gefüllt. Eine Militärcapelle spielte. Zu zwei Männern, die an einem der Tische saßen, trat eine ältere, wohlgekleidete Frau. „Ist es erlaubt?" fragte sie freundlich, augenscheinlich sehr bereit, bald nach ihrem Niedersetzen eine Unterhaltung zu beginnen. „Bitte!" erwiderte der Aeltere bärbeißig, während der Jüngere starr vor sich hin blickte, ohne ein Wort zu äußern. Das entmuthigte die Dame/ sie nahm zwar Platz — was mit der ganzen Wucht ihrer 180 bis 190 Pfund geschah —, hüllte sich aber in tiefes Schweigen. Eine Viertelstunde später. An dem Glase Bier, das der Kellner ihr gebracht, hatte sie kaum genippt. Sie lauschte den Klängen der Musik, die ihr mancherlei Bilder aus ihrem Leben — heitere und ernste — hervorzaubern mochten. Dazwischen schielte sie zu den beiden Männern hinüber. Was waren denn das eigentlich für Gesichter? Sprachen fast kein Wort zusammen, die Beiden. Wie ein biederer Handwerksmeister sah der ältere von ihnen aus, — konnte das wohl der Vater sein von dem jungen da mit seinem feinen, hübschen Gesicht und den wehmüthigen Augen? Hu, war der Mensch schwermüthig! An der Rechten trug er einen Trauring, — 108 - Literarischer sagte //Ich habe nicht oft Gelegenheit, einem so hübschen jungen Manne gefällig zu sein." Der Blinde lächelte geschmeichelt. „Mein Schwiegervater fürchtet, daß ich den Anstand verletze," sagte er nach einer Weile. werde." Nunmehr erhob der junge Mann das Glas, lächelnd: „Auf Ihr Wohl also!" und trank. „Aber Conrad!" meinte der Alte tadelnd. „Lassen Sie ihn doch!" warf die Frau nun ein. Redaction: L. Scheyda. — Druck und «erlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m freßen. Hauseomödie« für »le Jugand. Eine Sammlung von Theaterstücken, Aufführungen und Vorträgen für alle Gelegenheiten des Familienlebens, gesellige und öffentliche Feiern, sowie zur belehrenden und anregenden Lectüre für das Alter von 6 bis 18 Jahren. IV. Bändchen: Germania. Von A. von Krane. Verlag vonLevy u. Müller in Stuttgart. 56 S. Eleg. cart. 80 Pf Es ist bekannt, daß bei Kindern der Trieb zum Theaterspielen, zum Darstellen des Geschauten oder Erdachten, außergewöhnlich stark ausgebildet ist. Um diesen Trieb nun in richtige Bahnen zu lenken und ihm die geeignete geistige Nahrung zu geben, hat A. von Krane unter dem Titel „Hauscomödien für die Jugend" eine Sammlung von Theaterstücken, Aufführungen und Vorträgen herausgegeben, die ihrem Inhalt und Darstellung nach durchweg dem kindlichen und jugendlichen Gemüth und Verständniß angepaßt sind. Das überaus billige Bändchen (80 Pf.!) dürfte gerade jetzt, wo die Feier des ! 00jährigen Geburtstages Kaiser Wilhelms!, bevorsteht, und wo man sich allenthalben rüstet, dieses Fest so glanzvoll wie möglich zu gestalten, Eltern und Lehrern sehr willkommen sein. * ♦ * (Stftmtt Dich Selbst! Gedenkalbum zur Characteristik der Freunde und Freundinnen. Einundzwanzigste Auflage. Mit 14 Faksimiles namhafter Frauen und Männer ver Gegenwart. Preis in Original- Leinenband 5 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Erkenne Dich Selbst! ist der Titel eines Gedenkalbums zur Characteristik von Freunden und Freundinnen, das nun schon in 21. Auflage in sehr ansprechender Ausstattung erscheint und sich vortrefflich zu Geburtstags-, Fest- und Gelegenheitsgeschenken eignet. Das Vorwort gipfelt in dem Goetheschen Gedanken: das eigentliche Studium des Menschen ist der Mensch. „Erkenne Dich Selbst!" will zur Ausbreitung dieses interessanten Studiums beitragen und macht sich dabei das weitverbreitete Herzens- bedürfniß dienstbar, Erinnerungen an liebe Freunde und verehrte Bekannte in Bild und Wort für alle Zeit sestzuhalten und in einem Buche zu sammeln. „Erkenne Dich Selbst!" vereinigt Stammbuch und Photographie- albuni, zum äußerlichen fügt es das innere Bild des Freundes und der Freundin. 25 geschickt gestellte Fragen veranlassen zu ebenso umfassender als wahrer Generalbeichte, zu einer selbstgelieferten Characterskizze. Vierzehn Faksimiles namhafter Männer und Frauen der Gegenwart, schon an und für sich ein willkommener Anhang des Albums, zeigen nicht nur, wie etwa eine solche Generalbeichte abzulegen ist, sondern auch, welch anschauliche Galerie von Characterskizzen sich Jedermann in „Erkenne Dich Selbst!" anzulegen vermag. »atechlsm«» der »löte un» de» »löttnspie»«. ®n Lehrbuch für Flötenbläser von Maximilian Schwedler. Mrt22Abbildungen, vielen Notenbeispielen und drei Grifftabellen. In Orlgrnal- Leinenband 2 Mk. 50 Pf. Verlag von I. I. Weber in Leipzrg. Als Hauptlehrbuch der gesummten Theorie und Praxis des Flötenspiels existirte das große, sehr kostspielige Werk von A. B. Fürstenau, welches als Hauptziel das Virtuosenthum anstrebt. Dagegen fehlte ein, auch minder Bemittelten zugängliches Lehrbuch mit dem Ziele: Erreichung möglichster Tonreinheit und Virtuosität auf Grund einer einfachen Griffordnung. Der Verfasser lehrt damit eine Methode, die es ihm und der Mehrzayi seiner Schüler ermöglicht, ohne besondere Mühe tonrein zu blasen, währeno sonst oftmals, besonders von Dilettanten und jüngeren Musiker», oie Tonreinheit der Fingerfertigkeit zum Opfer gebracht wird. Außer den, dem Texte zu Hilfe kommenden Abbildungen, Notenbeispielen und Grip- tabellen enthält das Buch die Bildnisse von Joh. Joach. Quantz, Theobw Böhm und A B. Fürstenau. In gedrängter, systematischer Rechenfoig bietet es textlich alles das, was im Laufe mehrjähriger musikallscher Erziehung dem Schüler nur in zerstreuten Mittheilungen gelehrt wer kann und was daher allzuleicht wieder in Vergessenheit geräth. *> jungen Musiker und Dilettanten wird das Buch ebenso willkommen 1 - als es geeignet ist, den Lehrer beim Unterricht zu unterstützen. vielleicht war ihm seine junge Frau gestorben oder sein Kind. — Da erschrak sie. Der junge Mann ergriff ihr BierglaS und trank daraus, als ob eS so sein müffe. Sie war so betroffen, daß sie nichts zu sagen wagte. Was kümmerte sie's schließlich auch, wenn er einmal aus ihrem Glaie trank, hatte sie es sich doch eigentlich nur der Form halber bestellt......Sie sah nochmals zu ihm hinüber. Wie weiß waren seine Hände, — wie die eines Kranken! . . . Nein, das war aber zu arg! Nun nahm er das Glas schon wieder! „Erlauben Sie, das war mein Glas!" sagte sie jetzt. Verwirrt hob er den Kopf. „O, Sie entschuldigen!" entgegnete er leise, und gleich -als ob er sich des Geständnisses schämte, setzte er hinzu: „Ich bin nämlich blind." Ein Ausruf des Bedauerns entfuhr der alten Frau. „Blind? Das sieht man aber gar nicht. Hätte ich es nur ahnen können, so würde ich nichts gesagt haben." „Bitte sehr! Es war sehr recht, daß Sie es gesagt haben, man kann doch nicht verlangen —" Ein bitteres Lächeln umspielte seine Lippen. „Sie müssen den Muth nicht sinken lassen," fuhr sie fort. „Sie sind ja noch jung und es giebt so geschickte Der junge Mann schüttelte den Kopf. „Alles vergebens! Unheilbar!" sagte er resignirt. Nun schwieg sie eine Weile. „Das ist sehr traurig," sprach sie dann. „Sie müssen versuchen, sich zu zerstreuen und nicht daran denken." Und gleich als ob sie ihm behilflich sein wollte, die trüben Gedanken zu verjagen, fing sie an, ihm von der Umgebung zu erzählen. Und er lauschte eifrig; es schien ihm wohl zu thun, daß sie sich so liebevoll mit ihm beschäftigte. Sie beschrieb ihm die Bäume des Gartens, fragte ihn, ob er den Duft der Linden wohl spüre und äußerte, daß sie ihm, wenn es erlaubt wäre, gern ein paar Blüthen abpflücken würde. Ob er sich ein Bild von dem Musikpavillon machen könne? O ja. Dann sprach sie von den Laternen, dem bläulichen electrischen Licht und entwarf eine humoristische Schilderung von einem in der Nähe bedienenden Kellner, dessen paar dünne Haarsträhne int Winde umherflögen wie aufgehängte Wäsche und der die Kniee nach vorne durchdrücke wie ein alter Droschkengaul. Die Gesichter der beiden Männer erheiterten sich sichtlich. Nun glaubte die alte Frau wohl eine Frage zur Befriedigung ihrer Neugierde stellen zu können. „Sie sind verheirathet?" fragte sie. „Ihre Frau ist noch am Leben?" „Ja," erwiderte der junge Mann kurz und ernst. Da war etwas nicht in Ordnung. Der Alte sah besorgt auf seinen Pflegling. Der Blinde wollte nun wieder trinken, und diesmal suchte er unsicher nach seinem Glase. Die Frau schob ihm ihres zu. „Bitte, nehmen Sie nur meines wieder," sagte sie in heiterem Ton, „in Ihrem ist nämlich nur noch ein sehr schäbiger Rest, müssen Sie wissen." „Aber ich kann doch nicht —" „Gewiß! Sie können! Sie dürfen! Ich mache mir nichts daraus und bestelle nur, damit ich nicht hinauSgeworfen Aha! Das war also der Schwiegerpapa, der Vater der Frau,smit der nicht Alles in Ordnung war. „Ach, mit dem Anstand!" sagte die alte Frau. „Ich verletze ihn, glaub' ich, sehr oft. Die Natur geht mit mir durch.....Die Musik spieltAbrigens sehr gut. Hören Sie den Marsch —" „Der Hob' gf. 'ver Blinde sofort. „Ich wäre so gern . geworden," fügte er kleimnüthig hinzu. „Der Soldatenstand hat auch seine Schattenseiten," entgegnete die alte Frau. „Kennen Sie die Beschreibung des Soldaten von einem Schulknaben? Der Soldat ist roth und blau. Es geht ihm schlecht —" Der junge Mann lachte. (Fortsetzung folgt.)