LM BIB "Mil ikjsl BÄJi^ W 43#S<'C erkennst Du die Menschen am Besten oft? Wenn Du gehst Und Dich dann plötzlich ganz unverhofft Wieder drehst! W. Herbert. Bedenke dies: Schon manchmal trat ein Segen In der Gestalt des Unglücks Dir entgegen, Dir fehlte nur in jener Zeit des Leidens Der klare Blick des scharfen Unterscheidens. Löwe. ~......................... ..........- ............. Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) Nach einer kurzen Pause fuhr Greylock, zu Polly gewendet, fort: „Und wenn Sie unter Ihrer eigenen Bekanntschaft Freunde haben, so berathen Sie mit denselben, wie Sie den besten Gebrauch von einer solchen Summe machen können. Sollten Sie in Zukunft weiterer Unterstützung bedürfen, so können Sie sich jederzeit an mich wenden." Polly blickte nicht auf den Check, der eine größere Summe Geld repräsentirte, als sie je in ihrem Leben gesehen hatte, sondern auf den hochmüthigen, alten Aristokraten, der ihr seine Freigebigkeit aufzudrängen suchte. Ruhig und gefaßt zerriß sie das Papier in kleine Stücke und ließ dieselben auf den Boden fallen. „Verzeihen Sie, Str," antwortete sic mit leiser, fester Stimme. „In dieser Angelegenheit müssen Sie mir meinen eigenen Willen lassen. Ich wünsche nicht, daß Sie sich mir verpflichtet fühlen; auch kann ich Ihr Geld nicht annehmen. Sie blicken mich groß an? Nun, ich brauche Ihre Hülfe nicht, ich kann mich selbst durch meiner Hände Arbeit ernähren. Vergessen Sie den Dienst, den ich Ihnen geleistet habe! Gott weiß, daß es nicht mein Wunsch ist, daß Sie sich desselben erinnern. Und nun erlauben Sie mir, Ihnen und Miß Greylock Lebewohl zu sagen." Godfrey Greylock war stumm vor Staunen. Daß eine arme Dienstmagd es wagen konnte, diesen Ton gegen ihn anzustimmen und ihm seinen Check zerrissen vor die Füße zu, werfen, war ihm etwas ganz Unerhörtes. Ethel öffnete die Augen wieder und sagte mit mattem Lächeln: „Ach, Polly, es gebricht Ihnen nicht an Stolz! Was soll mit Ihnen geschehen? Nun, Sie müssen natürlich Ihren eigenen Weg haben. Nur um Eins möchte ich Sie bitten: Sollten Sie je der Hülfe bedürfen — wollen Sie dann zu mir kommen?" „Ja," antwortete Polly mit erstickter Stimme, „ja!" „Geben Sie mir Ihre Hand darauf," bat Ethel. Die rauhe Hand der Dienstmagd ruhte einen Augenblick in der sammetweichen der jungen Erbin. „Leben Sie wohl, Polly," sagte Letztere und vergessen Sie nicht, daß ich stets, stets Ihre Freundin sein werde." „Leben Sie wohl, Miß Greylock- ich danke Ihnen für Ihre Güte." So verließ Polly denn mit leeren Händen das prunkvolle Gemach. Grehlocks Kutsche brachte sie nach der „Katzen-Herberge" zurück, wo sie still und ruhig ihre täglichen Arbeiten wieder verrichtete, als ob nichts vorgesallen wäre. Weder Mercy Poole noch Doctor Vandine bestürmten sie mit Fragen. Letzterer betrachtete Polly mit Beifall und Bewunderung. //Ich sehe," sagte er, „daß Du entschlossen bist, eine Heldin zu sein. Bravo, mein Kind! In welchen Wirbelstrom von Gefahren wirst Du Dich zunächst stürzen?" Dann fuhr er fort, indem sein Gesicht einen ernsten und traurigen Ausdruck annahm: „Gott sei Dank, daß Du den Muth hattest, sie zu retten, Polly! Sic kann nie die Meinige werden- nichtsdestoweniger werde ich Dich für die That segnen, so lange ich lebe. Einige nähere Umstände der Geschichte sind mir bekannt. Ihr Angreifer war ein verschmähter Liebhaber. Der arme Teufel! Natürlich war er toll und das ist kein Wunder, da er sie verloren hatte." Polly fühlte sich durch diese Worte im tiefsten Herzen verwundet. „Doctor Vandine," sagte sie, „Sie lieben Miß Greylock, und aus diesem Grunde bin ich froh, daß ich den Stoß empfing, der ihr galt. Ich schulde Ihnen so viel, daß die Person, die Ihnen theuer ist, auch mir theuer sein muß." „Du schuldest mir nichts!" rief Doctor Dick. „Schwatze keinen Unsinn, Polly! Ueb-igens, liebes Kind, thnt es mir im Herzen weh, Dich so bleich und schwach zu sehen. Dein heldemnüthiger Geist wohnt in einem sehr gebrechlichen Körper- als Dein Arzt muß ich Dir anbefehlen, mehr auf Deine Gesundheit bedacht zu sein." Er hatte keine Ahnung, welch unsägliches Elend er selbst dem Mädchen bereitete. Pollys heimliche Liebe war noch 368 immer ein Geheimniß, das er bis jetzt nicht errathen hatte, und ihm vielleicht für immer verborgen blieb. In Bezug auf Regnault wurden keine weiteren Schritte gethan, sondern im Gegentheil, die ganze Geschichte so gut wie möglich vertuscht. Jnwischen schwand der Sommer dahin. Die großen Salzwiesen lagen braun und kahl da, und kalte, herbstliche Winde zogen über sie und den nahen Strand dahin. Ethel schwebte jetzt wie ein lieblicher Geist im großen Herrenhause von Greylocks Woods umher. Zuweilen wandelte sie auf den Terrassen, auf den Arm des alten Mannes gelehnt, der, nachdem er ihr alle Fehler verziehen hatte, sie jetzt mehr als je zu lieben schien. Manchmal fuhr sie mit ihm durch den immer kahler werdenden Park oder am melancholischen Strande entlang. Wer sie beobachtete, konnte ohne Mühe in ihren Zügen einen wehmüthigen Ausdruck entdecken, der indessen nicht die Nachwirkung ihrer Krankheit war. Ihre Kraft und Gesundheit kehrte wieder zurück und mit ihnen ihre frühere Schönheit- dennoch schien sie sehr verändert. Eines Tages fand Doctor Vandine die junge Erbin am Piano sitzen, in demselben Zimmer und demselben Fenster, wo sie aor vielen Wochen die Werbung des Baronets zurückgewiesen hatte. Wiederum stolzirte der prächtige Pfau auf der Terrasse draußen hin und her. Welke Blätter wirbelten durch die Lust und sammelten sich auf der äußeren Fensterbrüstung an. Mit wunderbar klarer, aber unaussprechlich wehmuthvoller Stimme sang Ethel beim Eintritt des Doctors ein Lied von der Liebe Qual und Leid. Vandine blieb regungslos stehen, bis die Schlußstrophen des Liedes verhalten: „Und doch, wiewohl sie Leiden Allzeit zum Lohne giebt. Nie mag von Liebe scheiden, Wer einmal recht geliebt. Er tragt die heißen Schmerzen Viel lieber in der Brust, Als daß er nie im Herzen Von solchem Glück gewußt." Jetzt trat Doctor Dick entschlossen zum Piano und sagte in ärgerlichem Tone: „Es wird heutzutage viel sentimentaler Unsinn von dieser Sorte geschrieben. Ich bedauere, Sie heute so bleich zu sehen, Miß Grehlock- Ihre Genesung macht nicht die günstigen Fortschritte, die ich erwartet hatte." Sie zog ihre Finger langsam von den Tasten zurück und stammelte: „Es kommt von diesem trostlosen October- Wetter." „Ist das Alles?" „Seien Sie nicht zu streng!" bat das schöne Mädchen- „ich fürchte, ich setze Ihre Geduld auf eine starke Probe, Doctor Vandine." „Ja," erwiderte er mit heiserer Stimme- „allein Sie können mich nicht täuschen. Denken Sie sich die Qual, die ich erdulde, wenn ich Sie nach einem fernen Liebhaber schmachten sehe, während Sie gegen Einen, der Ihnen nahe ist, der vor Ihnen steht — taub und blind sind!" Ihr entrüsteter Blick sagte ihm deutlich, daß er jetzt noch weit weniger Hoffnung habe, als bei seiner ersten Liebeserklärung vor einigen Monaten. „Hat ein Mann nicht das Recht, zweimal — ja zwanzig Mal seine Liebe zu gestehen?!" rief er leidenschaftlich aus. „Sie brauchen indessen nicht zu antworten — ich habe Sie nutzlos aufgeregt. Sie bedürfen meine Dienste nicht längeres wird besser für mich sein, wenn ich Sie nicht wiedersehe. Meine einzige Sicherheit besteht in der That darin, mich von Ihnen fern zu halten." Ethel erhob sich mit Würde und sagte: „Sie haben Recht, Doctor Vandine, kommen Sie nicht mehr hierher! Mehr als dies brauche ich nicht zu sagen — weniger wäre fast falsche Schonung." Vandine ging, und Ethel war nun alle ihre Anbeter los. Sie vergoß einige Thränen und bestellte dann, um den auf ihr lastenden Druck abzuschütteln ihren Ponhwagen, in welchem sie, von den Hunden begleitet, eine Fahrt durch den Park antrat. Nicht weit von der Rosen-Villa trat ihr plötzlich Haunah in den Weg und ersuchte sie durch ein Zeichen, Halt zu machen. „Es freut mich, Sie nach so langer Zeit wiederzusehen, Miß Ethel," sagte sie mit einem boshaften Blick auf die junge Erbin. „Sie sind wohl auf dem Wege nach der Rosen-Villa?" „Nein," antwortete Ethel kurz und mit verächtlichem Tone. Hannah Johnson grinste. „Wahrhaftig! Und Sie haben Ihre theure Mama seit Ihrer Krankheit nicht gesehen! Das nenne ich kindliche Liebe! Es ist doch ein schönes Ding^ Mutter und Tochter einander so zärtlich zugcthan zu sehen." „Fort, Lancer!" rief Ethel dem Pony zu- doch Lancer rührte sich nicht von der Stelle, da Hannah Johnson dem Thiere nicht aus dem Wege ging. „Ich hörte, Miß Ethel, daß Sie schwer krank darnieder lagen und Ihre vielen Liebhaber Sie dem Tod nahe brachten," sagte sie mit höhnischem Lachen. „Der alte Mogul hatte Sie wohl beinahe verloren? Nun, es giebt noch schlimmere Dinge als der Tod. Es wäre besser für Sie gewesen, wenn Sie Ihrer Krankheit erlegen wären. Wir wollen sehen, ob Sie nicht in wenigen Wochen eben derselben Ansicht sind!" Mit diesen Worten machte sie eine spöttische Verbeugung und entfernte sich. Das Pserd setzte seinen Weg fort. Eine Ahnung bevorstehenden Unglücks machte Ethels Herz heftig pochen- doch schon im nächsten Augenblick lächelte sie über ihre Schwäche. Diese freche Creatur! Es war thöricht, weiter über ihre Worte nachzudenken. Der Pony trabte weiter unter den Fichten und Tannen und durch die Hohlwege, die jetzt mit welkem Laub angefüllt waren. Ein träumerisches Nebelflor milderte das Sonnenlicht. Kein lebendes Wesen war weit und breit zu erblicken, ausgenommen die Vögel und Eichhörnchen, ans welche die Hunde vergeblich mit lautem Gebell Jagd machten. Ethels Niedergeschlagenheit kehrte auf's Neue zurück. Sie gedachte der Vergangenheit und bebte vor der freudlosen Zukunft, die vor ihr lag. Wo war er an diesem Herbsttag, er, den sie von sich getrieben hatte, obgleich sie ihn liebte? Weilte er noch im fernen Westen, oder befand er sich in seiner eigenen Heimath drüben über dem Meere? Wenn er um den wahren Sachverhalt wußte, so mußte er sie verachten- wußte er nicht darum, so mußte er sie bis zum Ende seiner Tage für eine herzlose Kokette halten. Sie hatte für ihre Thorheit theuer büßen müssen- mit allen ihren Träumen von einer glücklichen Zukunft war es vorüber. Und doch war sie kaum achtzehn Jahre alt! Das Pferd trabte gemüthlich weiter. Ethels Kopf war auf die Brust herabgesunken- sie achtete nicht der hohen, grauen Gestalt, die vor der Eingangspforte her ihr entgegen schritt- in ihre eigenen traurigen Betrachtungen vertieft, vernahm sie nicht das freudige Bellen der Hunde, die dem Ankömmling entgegensprangen. Näher und näher kam die Gestalt, sich mit Mühe der ungestümen Liebkosungen der Hunde erwehrend. Plötzlich blieb dieselbe dicht vor dem Pony stehen. „Um Vergebung!" sagte eine Summe, die Ethels Herz fast zum Stillstehen brachte. Mit Gefühlen, die jeder Beschreibung spotten, sah das junge Mädchen ihren Vetter Gervase Grehlock vor sich stehen. 26. Capitel. Verlobt. Das unvermuthete Zusammentreffen mit Sir Gervase Grehlock benahm Ethel fast den Athem. Er sah so frisch und wettergebräunt aus wie ein Krieger, der eben von einem siegreichen Feldzüge zurückgekehrt. Die Zügel entfielen ihrer Hand. „Dies ist eine große Ueberraschung!" brachte sie mit Mühe hervor. eny i. wend nach sind von i meint mit einen Paar wie Blick preßzt In di das m Mimn To Ich Den ‘ daß tz borge der ! Ob e macht hö flick jetzt sich nebe Auf Dint Ret jetz! möt ges- wö un wa bei uw wa letz imt garnir schneei aus $ eigent! und g leuchte 5 Wir t Dinge jeder A trat licbi 'st Wil Mif woh 859 „Ich verließ dm Westen vor einigen Tagen," sagte er; während ich in Newyork auf die Ankunft eines Gefährten unserer Partie wartete, der in Chicago zuriickgehalten worden war, hörte ich zufällig von Ihrer Krankheit. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, nach Blackport zu kommen, um Ihnen mein Bedauern auszudrücken und meinen Verwandten, die ich wahrscheinlich nie wieder sehen werde, ein letztes Lebewohl zu sagen. Morgen gehe ich mit dem Dampfer nach England ab." Sie reichte ihm die Hand, die er mit Wärme ergriff. „Wie bleich Sie aussehen!" rief er mit theilnehmendem Tone. „Sie müssen tu der That schwer gelitten haben. Ich hatte feine Ahnung von Ihrer Krankheit." Sie athmete erleichtert auf. Er wußte also nichts von Regnault und der Affaire bei den Salzgruben. Es war jetzt ihr einziger Wunsch, daß er nichts davon erfahren möchte — wenigstens nicht, bis er ihr für immer Lebewohl gesagt hätte. Die Hunde sprangen noch immer ungestüm an ihm empor. „Chasseur" schien ihn lebendig verschlingen zu wollen. Sir Gervase nahm die Liebkosungen der Thicre mit traurigem Lächeln hin. „Ihre Hunde haben mich in freund- licbem Angedenken behalten, tote ich sehe," sagte er. „Es ist angenehm, nach längerer Abwesenheit einen so herzlichen Willkomm zu finden. Sind Sie völlig wiederhergestellt, Miß Greylock? Und find Ihr Großvater und Miß Pamela wohl? Werde ich sie im Herrenhaus treffen?" Sie antwortete ihm ziemlich ruhig. Das Blut war jetzt wieder in ihre Wangen zurückgetreten. Lancer setzte sich von selbst wieder in Trab, und Sir Gervase schritt «eben dem Wagen her, bis sie das Herrenhaus erreichten. Auf dem Wege dahin redeten die Beiden von gleichgültigen Dingen. Godfrey Greylock und Miß Pamela nahmen den Baronet mit offenen Armen auf; er hatte keine Ursache, sich über einen frostigen Empfang zu beklagen. Das alte Geschwister- paar blickte indessen trüb drein, als Sir Gervase ankündigte, wie kurz sein Aufenthalt sein sollte. „Was!" rief Godfrey Greylock. „Ist es absolut noth- toenbig, daß Sie schon morgen New York verlassen?" „Ja," antwortete der Baronet ruhig. „Zögerungen sind immer gefährlich. Ich bin jetzt schon seit Monaten von England abwesend, verschiedene wichtige Gründe machen meine sofortige Rückkehr nothwendig." Jedermann vermied, von Ethels Krankheit zu reden. Den Alten war nicht minder darum zu thun als Ethel selbst, daß Gervase in völliger Unkunde über die nach seiner Abreise vorgefallenen Ereignisse bleiben sollte. Glücklicherweise stellte der Baronet keine Fragen; sein Benehmen war tadellos. Ob er seine Enttäuschung verschmerzt hatte oder nicht, vermochte Niemand zu sagen, fein Betragen gegen Ethel war höflich, ruhig und unbefangen. I« fieberhafter Aufregung begab sich die junge Erbin nadj ihrem Zimmer, um Toilette für das Diner zu machen. „Fünf Uhr!" sagte sie zu sich selbst, indem sie einen Blick auf die Uhr warf; „und um neun Uhr geht der Ex- preßzug von Blackport nach New-York ab! Vier Stunden! In dieser kurzen Spanne Zeit muß ich alles Glück drängen, das mir noch bleibt. Ich habe nur noch zweihundertundvierzig Minuten zu leben. Dann mag kommen, was da will!" Sie wählte ein Kleid aus schwarzem Atlas, mit Spitzen garnirt, und eine Krause von gelben Spitzen, aus der ihr schneeweißer Ha's und ihr blasses Gesicht sich wie eine Lilie aus Blättern erhoben. Ihr goldgelbes Haar bildete einen eigenthümlichm Kontrast zu diesem dunklen Costüm. Ruhig und gefaßt begab sie sich in den Speisesaal hinab; nur ihre leuchtenden Augen verriethen innere Erregung. Das Diner verlief wie jede gewöhnliche Mahlzeit. Wir essen, trinken, lachen und sprechen von gewöhnlichen Dingen, selbst wenn unsere Herzen zu brechen drohen und jeder Augenblick das Ende unseres irdischen Glückes bringen mag. Endlich erhob sich die kleine Gesellschaft vom Tische und begab sich nach Godfrey Grehlocks Bibliothek. Wie schnell die Augenblicke verrannen! Ethel hätte aufschreien mögen über diese erbarmungsslose Flucht der Zeit. Bald sollte die Kutsche vor der Thür halten, und dann hieß es für immer und ewig Abschied nehmen. Ihr Herz erhob sich empört gegen das Unglück, das sie über sich selbst gebracht hatte. Oh der entsetzlichen Nothwendigkeit, während dieser schrecklichen Stunde zu lächeln, mit der Gewißheit, daß mit derselben alle ihre Freude auf Erden dahin schwinden würde! Tante Pamela verfiel in einem der tiefen Fauteuills, trotz der Anwesenheit des Baronets, in ein Schläfchen. Zu gleicher Zeit verschwand Godfrey Greylock plötzlich hinter einer Portiöre am anderen Ende des Zimmers. Ethel befand sich jetzt mit Sir Gervase allein, denn Miß Pamela war in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht zu rechnen. Das junge Mädchen stand an eine Glasthür gelehnt, die auf die Terrasse ging; der Tag schwand rasch dahin; schon erhob sich der Mond über den Baumwipfeln; fein silbernes Licht fiel auf ihr schwarzes Atlaskleid und ihr goldenes Haar. Draußen lag die ganze Landschaft in tiefem Schatten; drinnen verkündete das Ticken der Albasteruhr auf dem Kamingesims das rastlose Dahinschwinden der Augenblicke. Einem Träumenden gleich erhob sich Sir Gervase von seinem Stuhle und näherte sich Ethel. Eine geheimnißvolle Macht zog ihn unwiderstehlich zu ihr hin, „Für alle Zeit und Ewigkeit," sagte er, „möchte ich Ihr Bild festhalten, wie Sie jetzt vor mir stehen!" Sie machte eine plötzliche Bewegung, wobei eine Rose, die sie sich als einzigen Schmuck an den Busen gesteckt hatte, auf den Boden fiel. Sie Gervase hob sie auf. „Mit Ihrer Erlaubniß will ich die Rose behalten," fuhr er mit weicher Stimme fort. „Könnte ich wohl ein passenderes Andenken au Grehlocks Woods mitnehmen als eine Handvoll verwelkter Blätter?" Ethel fühlte ihr Herz heftig schlagen. „Ich höre die Kutsche kommen," sagte sie, indem sie durch die Scheiben blickte. „Sie ist noch fern," antwortete er. „Sind Sie in solcher Eile, mir Lebewohl zu sagen? Ich zürnte Ihnen, als wir von einander schieden, Ethel. Sie hatten etliche ungerechte Bemerkungen fallen lassen — erinnern Sie sich noch?" „Ja," entgegnete die Erbin beklommen. „Ich zürnte Ihnen und that mein Bestes, Sie in den westlichen Wildnissen zu vergessen," fuhr er fort. „Gott weiß, wie vergeblich meine Bemühungen waren! Ihr Bild folgte mir überall nach, ich erblickte es während der Nacht am Lagerfeuer, in den ungeheuren Einöden, in den Tiefen der riesigen Schluchten, beim hellen Tageslicht und im Dunkel und Schweigen der Nacht. Und so brachte ich dieselben Dinge wieder nach dem Osten zurück, die ich von hier mit fort nahm: eine Enttäuschung, für die ich keinen Trost finden kann — eine tobte Hoffnung, die mir die Zukunft leer und dunkel erscheinen läßt." „Kamen Sie heute nach Blackport, um mir dies zu sagen, Sir Gervase?" „Nein," antwortete er bitter. „Was konnte mich veranlassen, Sie weiter zu quälen? Sie haben mir diese Worte selbst abgerungen. Ich kam nach Blackport, weil ich es nicht vermeiden konnte. Eine Gewalt, so unwiderstehlich wie der Tod, zog mich hierher, um Sie noch einmal zu sehen." „Die Kutsche kommt — sie ist hier!" keuchte Ethel, als die Köpfe der Pferde unterhalb der Terrasse im Mondlicht austauchten. (Fortsetzung folgt.) Ü60 Gemeinnütziges. Will man Blumenknospen aufbewahren, so daß sie int Winter oder auch noch vorher blühen, so schneide man die reifsten Knospen ab, laste aber einen Stiel von mindestens 8 Zentimeter. Das abgeschnittene Ende siegele man sofort nach dem Abschneiden sorgfältig mit Siegellack zu, wickele eine jede sorgfältig und ohne jedes Drücken und Knutschen in ein recht reines und trockenes Papier. Auf kiese Art kann ran sie recht gut lange Zeit, wenn es sehr sorgfältig gemacht wird, bis ein Jahr lang aufbewahren. Sollen sie im Winter oder zu jeder anderen Jahreszeit blühen, so schneide man Abends das zugesiegelte Stück des Stengels ab und setze die Knospen in Wasser, in welchem man etwas Salz aufgelöst hat. Am anderen Morgen sind die Knospen ausgebrochen und riechen ebenso schön als frisch. * * * Weizenspreu als Gänsefutter. Es dürfte wohl wc> ig bekannt sein, daß man Weizenspreu zur Fütterung hauptsächlich junger Gänse, die bekanntlich immer Hunger haben, benutzen kann. Magermilch wird zu Käse gemacht, dieser gepreßt und ca. mit gleichem Theile Spreu vermengt, was von den Gänsen begierig ausgenommen wird. Sollte der Käse zu trocken sein, so giebt man etwas Magermilch zu und rührt es zu ganz festem Brei. (Auch Kaninchen fressen die Spreu gern, wenn man sie zwischen Schrot, Hafer, etwas Salz und Magermilch ganz dick vermengt.) * * * Brombeerwein. Die möglichst trocken geernteten Beeren werden in einem Gefäße zu einer breiigen Masse zerstampft und bleiben dann drei bis vier Tage stehen. Hierauf werden sie ausgepreßt. Auf 1 Liter Saft mischt man dann folgende Zusätze: 1 Liter Wasser, 3/8 bis J/a Kilo Zucker und 2*/2 Gramm gepulverten Weinstein. » * * Gekochtes Obst wiegt an Nährgehalt die Kartoffeln auf, wird aber im Magen weniger empfunden als diese, weil es leichter verdaulich ist. Im Verhältniß zum Obst sind Kartoffeln eine höchst ungesunde Speise. Das Obst bildet Blut und Knochen und wirkt anregend auf das Gehirn. Kocht darum Obst und lasset namentlich die Kinder Obst esten, so viel sie mögen, rohes und gekochtes. * * * Conbirte Birnen. Die Birnen werden, und zwar mit Belassung des Stieles, nachdem dieselben mit der Maschine geschält wurden, in reines Brunnenwasser gewo-.fen und abgespült, dann herausgenommen, auf ein Sieb oder eine Drahthürde gelegt, in einen Kasten ober Topf gegeben und durch starke Erhitzung (10 bis 20 Minuten lang) weich gedämpft- hierauf kommen dieselben auf die Dörre und nachdem sie halbgedörrt sind, werden sie zwischen einer kleinen Vorrichtung breitgedrückt und zum Fertigdörren nochmals auf die Dörre gebracht, während des Dörrens in eine Zuckerlösung ein- ober zweimal eingetaucht, kurz vor dem fertig« dörren herausgenommen und mit grobgestoßenem Zucker bestreut. * * * Die Pfirsichbowle. Zu vier Liter bedarf mau zehn bis zwölf großer ober einer entsprechenb höheren Anzahl mittlerer unb kleiner reifer Früchte. Diese werben enthäutet, entsteint und in kleine Stücke von der Größe einer Haselnuß zerschnitten, mit Zucker gemischt und in einem Gefäße vorläufig mit einem Liter Wasser und einem Liter leichtem Weißwein (tein Säuerling, sondern trinkbarer leichter Tischwein) übergossen. Das so weit gefüllte Gefäß stelle man mindestens eine Stunde lang in Eis und rühre es einige Male ruhig, aber gründlich um, damit der Zucker schmelze. Zugleich kälte man zwei weitere Liter Weißwein und gieße diese unter Zusatz des noch etwa fehlenden Zuckers hinzu. * * * Kohlsuppe. Gereinigte, in Salzwaffer gebrühte Kohlblätter werden fein gehackt, etwas Mehl in Butter hellgelb geröstet, das Gehackte darin gedämpft, Fleischbrühe daran gegossen, damit gekocht, über geröstete Weckschnitten angerichtet, Museatnuß darauf gegeben und mit einigen Eigelben abgezogen. Zuletzt kommt noch nach folgender Vorschrift gebackener Kohl in die Suppe: Ein festes Krauthäuptchen wird mit den zur Suppe nöthigen Kohlblättern in Salzwasscr gebrüht, ausgedrückt, in Schnitzchen geschnitten, diese in einem guten Pfannkuchenteig umgewendet und in Schmalz gebacken. * * * Körbelsuppe. Der Körbel wird gelesen, gewaschen und gehackt in einer irdenen Kachel mit Butter und ein wenig Mehl gedämpft, dann Fleischbrühe hinzugegossen und mit Eigelb abgezogen. Das Ganze wird über gerösteten und gewürfelten Wecken angerichtet. * * * Wieuer Fleischbecher. Man legt eine Kasserole mit Speck, Wurzel-, Zwiebel- und Schinkenscheiben aus, legt ein Stück mageres Rindfleisch hierauf, salzt es, übergießt es mit einem Glas Rothwein, einem Glas Wasser, fügt 5 Gramm Liebigs Fleischextraet zu und dämpft es langsam weich. Nun wiegt man es nebst 90 Gramm geschälten Pimpernüssen fein, vermischt es mit 125 Gramm schaumig gerührter Butter, sechs Eiern, Salz, Museatnuß, Zitronensaft und etwas abgeriebener Zitronenschale, sowie mehreren in Milch eingeweich- ten und dann wieder fest ausgedrückten Weißbrödchen und treibt nun die Masse durch ein Sieb. Kleine Becherformen werden mit Butter ausgestrichen, mit Reibbrod ausgestreut und bis zu zwei Dritteln mit der Fleischmasse gefüllt, in eine flache Pfanne gestellt und 35 Minuten int Ofen gebacken. Man stürzt die Fleischbecher, garnirt die Schüssel mit aus- gebackener Petersilie und giebt eine Tomatensauee nebenher. * * * Rührkuchen nach Londoner Art. 500 Gramm Butter wird zu Schaum gerührt, 125 Gramm Zucker, 125 Gramm Mehl, 20 Eier und etwas Museatblüthe langsam dazu gethan und eine halbe Stunde nach einer Seite gerührt- zuletzt giebt man 62 Gramm kleine Rosinett hinzu, füllt die Masse in eine mit Butter bestrichene Form und bäckt sie so schnell als möglich. * * * Kraftbrühe aus Liebigs Fleisch Extraet mit Lebernocken. 10 Personen. Bereitungszetr 3 Stunden. Die verschiedensten Fleischabsälle, Knochen, Schinkeureste u. s. w. schneidet man möglichst klein und röstet sie mit Butter in etwa 10 Minuten bräunlich, fügt eine geschnittene Knolle Sellerie, einige Mohrrüben, Petersilenwurzeln, Zwiebeln, ein Kräuterbündchen, Pfeffer und Salz bei, läßt alles unter beständigem Rühren kurz eingehen ohne zu brennen und gießt dann 3 Liter Wasser auf, mit dem das Ganze gut kochen muß. Nun entfettet man die Brühe, seiht sie durch einen Geleebeutel und setzt ihr pro Liter 8 Gramm Liebig's Jleisch- Extraet und 1 Glas Madeira zu. * * * Flaschenlack. Mau schmilzt 500 Gramm reines Harz mit 250 Gramm Wachs und 33 Gramm Talg und färbt die Mischung mit 250 Gramm rothen, gelben ober schwarzen Ocker. In biefe Mischung taucht man den oberen Theil des Flaschenhalses, nachdem derselbe gut verkorkt worden ist, und dreht sie bis zum Erkalten darin herum. Redaction: A. Gcheydq. — Druck unb ©erlog der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ©iejen. Ro „sche war mich — n zu st die n Kreis feinet Arnu ihren gut f gut. Mutl will: meine werd. geblie tljeifti