GMStaß dm 5. Juni. PT Mittelgroße, ume befreit, lte Flaschen ach wie frisch Menschen, Ibstständiger chtungen in die Glieder cht werden, änki, wenn nweist, wurde n" 1897 »et: unserer Leser )ie Red. WH» TW werden ge- e geschnitten er Einbrenne d) gedünstet vürzt. Den man ihn al>- ffer und ein mopsen läßt, unstet beides tit beliebiger Gras rein Bedarfes 50 ter Kalk und ser Mischung mege, Plätze, sicherer und ehrere Jahre. )t geduldet chließlich Eier t verschiedene tbem Ersolge Folsäure ge- e und Fuß' da ist eine :i Holzhändler liebe für die Ihren Lieb- „Nee, jnädige uch zu je vcrwittwete chaiterin, wie zweimal wegen in Gießen. t fingsten ist's! In frohem Jubelhall ,-El Künden es die Glocken. V Wecken in den Landen überall Jauchzen und Frohlocken! Gottes wunderbarer Liebesgeist Hat die Welt umflossen; liebet alle Wesen hat er sich Segensvoll ergossen! Nun schmückt mit blühenden Maien das Haus, Laßt aus den Herzen den Unmuth heraus Vom Höchsten bis zum Geringsten. Die Welt steht in Blüthe, kehrt aus den Wust, Es schwelle Hoffnungsfreude die Brust, — Euch Allen fröhliche Pfingsten! Das Kind der Tänzerin. Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann. (Fortsetzung.) „Hast Du nun genug, Poll?" krächzte die Großmutter, als sie ihre Kräfte an mir erschöpft hatte. „Willst Du je wieder Nan's Antheil aus Dich nehmen?" „Ja!" rief ich trotzig,- „lieber magst Du mich tobten als sie anrühren!" Es war nicht ihre Absicht mich zu tobten; ich war ihr zu werthvoll, allein sie warf mir einen bösen Blick zu. „Es ist böses Blut in Dir, Poll," sagte sie; „Du kommst von einer schlimmen Rasse. Nun, wie Du willst; mir ist's gleich, welchen von Euch Bälgen ich dresche; am Ende ist's leister, Einem gleich eine doppelte Portion zu geben. So jetzt nimm eine andere Flasche und hole mir Gin." Ich gehorchte. Nan schlich mir nach und hielt sich an meinem zerlumpten Kleide fest; ich schlang meine zerschlagenen Arme um sie. „Fürchte Dich nicht, Nan," sagte ich frohlockend, „Dich wird sie nicht mehr schlagen; soviel habe ich wenigstens durchgesetzt; ich allein werde fortan alle Prügel kriegen." Es war ein Sieg, der mich theuer zu stehen kam. So oft Großmutter Serag von dieser Zeit an auf Nan zürnte, stürzte sie auf mich zu und prügelte mich unbarmherzig. Sie liebte keine von uns Beiden; gegen mich aber war ihr Haß besonders giftiger Art. Viele grausame Züchtigungen hatte ich um Nan's willen zu erdulden; nie aber lehnte ich mich dagegen auf, nie bereute ich meine Großmuth. Die Schmerzen, die ich für Nan litt, dünkten mich süß. Man muß nun einmal Etwas zu lieben haben. Schon als Kind war ich so unglücklich, eine Natur zu besitzen, der Liebe und Anhänglichkeit unentbehrlich waren. Von Religion wußte ich so wenig wie ein Hottentotte, die Bande der Blutsverwandschast waren mir ein Buch mit sieben Siegeln. So kam es dann, daß Nan mein Alles war. Tag für Tag sandte Großmutter Serag uns zum Betteln aus. Auf den Straßen lernte ich bald die Macht der Schönheit kennen. Mich blickten die Leute unwirsch an und liehen meinen Bitten ein taubes Ohr; wenn sie aber in Nan's zartes, weißes Gesichtchen mit den großen Veilchenaugeit und beit goldgelben Locken blickten, blieben neun unter den zehn stehen und gaben uns einen Cent. Ohne Nan's Gesicht hätte ich an manchen Tagen schlechte Geschäfte gemacht. Zuweilen wurden wir von neugierigen Damen und Dienstmädchen nach unseren Namen und unserer Wohnung gefragt, und dann mußte ich die mir eingebläute Jarnrner- geschichte von unserer armen, lieben, alten Großmutter erzählen, die schwer krank darnieder liege und kein Geld habe, um ihre Miethe zu bezahlen und Arzeneien zu kaufen. Ich war keine gewandte Lügnerin; wenn ich zu scharf ausgefragt wurde, gerieth ich gewöhnlich in's Stocken und ergriff die Flucht. Die schüchterne und furchtsame Nau überließ alles Sprechen mir; sie klammerte sich stets an meine Lumpen an, ließ ihr liebliches Gesichtchen für sie reden, n d dieses war beredter als meine Zunge. Sie war ein zartes, kleines Geschöpf. Noch jetzt denke ich mit Genugthuung daran, daß ich stets mein Bestes für sie that. Wenn es regnete, so bedeckte ich sie mit meinen Lumpen; wenn sie vor Kälte zitterte, so erwärmte ich sie mit meinem Leib, wenn wir Beide hungrig waren und nur wenig zu essen bekamen, so ließ ich ihr die Hälfte von meinem Antheil. Zuweilen wanderten wir durch die Straßen nach einem großen Platze, wo es Bäume und Springbrunnen und Sitze gab, auf denen man ausruhen konnte; weiter hinaus fanden wir einen Park, schattige Bäume, Blumenbeete und einen Teich, auf dem Boote und Schwäne umherschwamen. Es war ein Paradies für uns armen Sin Der aus der Alley. Der Sonnenschein, die Blüthenpracht und all die Schönheit um uns her machten uns meinen. „Oh Polly — liebe Polly! Laß uns hier bleiben und 258 nie wieder zu Großmutter Serag zurückkehren!" bat Nau, als wir eines Tages im Park gewesen waren. Allein in unserem Eden lauerte der Versucher. Eines Tages streckte Nan vermessen ihre Händchen aus und pflückte einige Blumen vom Rande eines prächtigen Beetes. In demselben Augenblick sah ich einen besternten und bcknüppelteu Wächter der öffentlichen Sicherheit herannahen- voll Schrecken riß ich Nan die Blumen aus der Hand, entfloh entsetzt mit ihr davon. Wir wagten es seitdem nie wieder, unser Paradies zu betreten. Und jetzt komme ich, die ehemalige Straßenbettlerin, zu jenem wichtigen Tage, der so entscheidend in unsere Geschicke eingriff. Bevor Großmutter Serag uns am Morgen dieses Tages zum Betteln aussandte, hielt sie es für angezeigt, mir folgende ernste Warnung angedeiyen zu lassen: „Ich bin nicht gesonnen, Euch zwei nichtsnutzige Bälge länger umsonst zu behalten," rief sie- „Poll, Du schwarzer Satan, warum erzählst Du den Leuten nicht von Deiner armen, sterbenden Großmutter, die ihre Miethe nicht zahlen kann? Habe ich Dich nicht Dein ganzes Leben lang ernährt- bin ich nicht Deine Wohlthäterin? Und dennoch wette ich darauf, daß Du keinem Menschen fest in's Auge schauen und Deine Geschichte ohne Stottern und Erröthen erzählen kannst. Daher kommst Du Nacht um Nacht mit nur etlichen Kupfermünzen nach Hause- wird es nicht besser, so werfe ich Dich kopfüber die Treppe hinab!" Ich verließ mit Nan das Haus, um mich an mein Tagewerk zu machen, das ich von ganzer Seele haßte. „Ich bettele heute keinen Menschen an," sagte ich mürrisch. „Oh Polly, thue cs doch- Großmutter bringt Dich sonst um!" flehte Nan. „Mag sie es thun, wenn sie will!" erwiderte ich trotzig. „Was sie wohl damii meint, wenn sie sagt, ich habe böses Blut in mir?" sragte ich meine unglückliche Genossin. „Was hast Du denn für Blut, Nan. Es kann nicht dasselbe sein wie meines, weil Du so weiß und hübsch bist." „Sie wird uns heute kein Abendbrod geben," antwortete Nan- ihr war am Abendbrod mehr gelegen als an irgend einer Blutsfrage. Wir trabten weiter durch die Straßen und hielten endlich in einer der Hauptstraßen der Stadt vor einem ungeheueren Schaufenster, das mit den prächtigsten Maaren angefüllt war, dort wollten wir die feinen Damen aus ihren Equipagen steigen und in ihren reichen Gewändern durch die großen Thüren^treten sehen, die sich ihnen wie durch Zauberkraft öffneten. Dann und wann sahen wir eine dieser vornehmen Damen von einem in Sammet und Seide gekleideten Kinde begleitet, dessen Anblick mein Herz mit lebhaftem Neid erfüllte. „Oh, Nan!" sagte ich, „würdest Du nicht weit prächtiger aussehen, wenn Du wie diese Grasaffen in gestickte Kleider gesteckt und mit Spitzen und Bändern behangen würdest? Du könntest sie Alle beschämen mit Deinem goldgelben Haar, Deinen rosigen Wangen und leuchtenden Augen!" Nan schmiegte ihren kleinen Lockenkopf zärtlich an meinen Arm. „Wir wollen miteinander fortlaufen, wenn wir groß sind," antwortete sie. Dies war unser Licblingstraum, die Hoffnung, die uns in allen Entbehrungen aufrecht erhielt - wir hatten hundert Mal davon gesprochen. Es war fast mein fester Entschluß, sobald ich groß genug zum Arbeiten wäre, die Alleh und Großmutter Serag zu verlassen und mit Nan nach unbekannten Regionen zu entfliehen. Plötzlich kam eine Kutsche daher gerollt- sie hielt vor dem großen Laden, und zwei Frauen — eine Dame und ihre Dienerin — stiegen aus. Die Letztere war dick, braun und hatte ein gemeines Aussehen - ihr breites Gesicht war von Blatternarben entstellt. Dre Dame sah sehr hager, bleich und fast mädchenhaft aus. Sie hatte schöne dunkle Augen und Haare, allein ihre Kleidung war nicht so elegant wie die anderer Damen, die wir gesehen, und sie hinkte stark. „Treten Sie vorsichtig auf, Madame," hörte ich die Dicke sagen, als sie der Dame ihren Arm zur Stütze bot. Plötzlich fiel mir ein, daß ich noch keinen Cent für den alten Hausdrachen eingenommen hatte- ich trat daher rasch vor und streckte meine Hand aus. „Bitte, Madame, geben Sie mir ein Almosen!" sagte ich stammelnd. Die Dame blieb stehen und blickte zuerst mich und dann die kleine Nan an. „Großer Gott!" rief sie plötzlich aus. Die dicke Blatternarbige faßte Nan beim Arm. „Wer ist dieses Kind?" fragte sie mich- auch ihre Stimme bekundete große Ausregnng. Eine unerklärliche Furcht machte mich vom Kopf bis zu den Füßen erbeben - ich wußte mir selbst keine Rechenschaft darüber zu geben, allein ein geheimer Jnstinct flüsterte mir zu, daß Nan in Gefahr sei. „Sie ist meine Schwester," antwortete ich rasch. „Das ist eine Lüge!" sagte die Dicke. „Ihr seht einander ganz und gar nicht ähnlich. Wem gehört das hübsche Kind? „Niemanden," erwiderte ich. „Hat sie keine Eltern?" fragte sie athemlos. „Nein," antwortete ich. Die Dicke wandte sich zu der lahmen Dame und sagte in leisem Tone: „Es ist ein kleines Bettelmädchen ohne Heimath und Angehörige- könnten Sie eine bessere Gelegenheit haben? Handeln Sie entschlossen, Madame, sonst sind Sie verloren!" Die Dame schien zu zögern. „Wenn Sie nichts wagen wollen, Madame, so können Sie auch nichts gewinnen!" sprach die Dicke eindringlich, zog eine kleine, abgenutzte Börse aus der Tasche, nahm eine Silbermünze daraus und reichte mir diese dar. „Hier, Du kleine Schwarze," sagte sie zu mir, „nimm dieses Geld, laufe nach der nächsten Conditorei und kaufe etwas Zuckerwerk für das hübsche Kind- ich will hier bei ihr warten, bist Du zurückkommst." Der Kniff war zu durchsichtig- ich durchschaute ihn auf der Stelle- sie wollte sich meines hübschen Lieblings bemächtigen. Ich warf die Silbermünze wüthend auf das Trottoir und fiel mit Zähnen und Fingernägeln über die Hand her, die des Kindes Arm bereits ergriffen hatte. „Lassen Sie meine Schwester los!" keuchte ich- „was wollen Sie von ihr? Die Hand weg, oder ich beiße!" Nan fing jetzt vor Furcht und Schrecken laut zu weinen an. Die Vorübergehenden blieben stehen, um zu sehen, was es gebe. „Um's Himmels Willen, Hannah, laß sie gehen!" rief die Dame in größter Besorgniß. Mit einem unterdrückten Fluch ließ die Braune Nan los - wir aber machten uns sofort auf die Fersen und flohen. An der ersten Straßenecke gehorchte ich dem Jnstincte aller Flüchtlinge- ich wandte mich um und blickte zurück. Die Straße war voll von Menschen- in ihrer Mitte aber erblickte ich die dicke braune Frau, die uns mit raschen Schritten nachsetzte. Wir wurden also verfolgt. Die Furcht verlieh mir Flügel. Zum Glück drängte sich eine große Menschenmasse auf dem Trottoir hin, und so winzige Geschöpfe wie ich und Nan waren nicht leicht int Auge zu behalten. „Hurtig, Nan," ries ich meiner armen zu Tode geängstigten Begleiterin zu. „Das böse Weib ist hinter uns her - sie will Dich von mir wegnehmen!" Nan wimmerte leise und verdoppelte ihre Anstrengungen. Wie weit wir verfolgt und beobachtet wurden, weiß ich nicht. Jedenfalls hatten wir der dicken Braunen viel zu schaffen gemacht. Ich war sehr flink und zog die kleine Nan energisch mit mir fort. Wir bogen in zahlreiche Nebenstraßen und dnnkle Gäßchen ein, und als wir endlich unsere Alley erreichten, waren wir in Sicherheit. — Nirgends war eine Spur von unserer Verfolgerin zu erblicken- sie mußte der — 289 — langen Hetzjagd müde geworden sein, und wir kletterten nun die Treppe des alten Hauses empor, um Großmutter Serag unsere Gefahr und Errettung zu erzählen. Nie werde ich die A-.te vergessen, wie sie auf einem zerbrochenen Stuhl unter dem „Skylight" saß und mich mit ihren Geieraugen anblickte, während ich meine Geschichte vorbrachte. „Du dummes Ding!" rief sie endlich aus, „warum hast Du die Silbcrmüuze uicht behalten, die die Frau Dir bot? Warum brachtest Du sie nicht hierher zu mir? Sie hätte mir sicher noch mehr Geld gegeben, und ich hätte Euch etwas Gutes gekauft- es hätte ein wahrer Feiertag werden können! Hoffentlich kommt sie noch." Dann forschte sie mich genau über das Aussehen der beiden Frauen aus- ihr Gesicht nahm einen mißvergnügten Ausdruck an, als ich ihr sagte, sie hätten durchaus nicht elegant ausgesehen. „Es waren also keine reichen Leute!" rief sie ärgerlich. Eine gewisse Schadenfreude ergriff mich in diesem Augenblicke, und ich antwortete keck: „Du möchtest Nan wohl wie ein Stück Vieh verkaufen?" Kaum hatte ich dies gesagt, da fiel sie über mich her und prügelte mich braun und blau, dann schickte sie mich wieder auf die Straße zum Betteln, behielt aber Nan bei sich in der Dachstube. Mit wundgeschlagcuem Leib und schwerem Herzen begab ich mich au meine verhaßte Arbeit. Es reute mich jetzt sehr, daß ich der Alten von den Frauen erzählt hatte. Das Elend, das sich in meinem häßlichen, dunklen Gesicht ausprägte, mußte die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden erregt haben, denn, ohne darum zu bitte«, erhielt ich von allen Seiten Cents, eine alte, als geizig verschrieene Obsthändlerin an einer Straßenecke rief mich sogar freundlich zu sich und gab mir einen schönen rothen Apfel. (Fortsetzung folgt.) Maienschmuck am Pfingstfest. Von F. Kunze. ------- (Nachdruck verboten.) „Schmücket das Fest mit Maien!" — so ruft begeisterungsvoll der biblische Palmsänger im Hinblick auf die lieblichen Pfingsttage aus und seine fromme Mahnung, die einstmals den alttestameutlichen Zeitgenossen galt, wird noch heute in unserem deutschen Vaterlande und weit über dessen Grenzen hinaus beh rzigt. Maigrüne Birkenzweige zieren am sommerlichen Pfiugstfeste in zahllosen Orten die mensch- ^chen Wohnungen innen und außen, auf dem Thüringer Walde auch Kirchen und communale Gebäude, ja selbst die vielgestaltigen Brunnen-Einfassungen. Im oldenburgischen Küstengebiete staffiren sogar gemüthvolle Schiffer ihre Fahrzeuge und in anderen Gegenven auch die Maurer ihr Baugerüst, die Locomotivführer ihre Maschine mit den zarten poetischen Büschen der weißen Birke aus. Die belaubten Glieder der „weißen Frau mit dem grünen Schleier", um mit Flouqus in bildlicher Weise zu reden, sind zugleich auf- wllige Zeichen eines freundlichen Grußes und festlichen Empfangs für den langersehnten Frühling, der nun mit Sonnenschein und Vogelsang, mit Blumenpracht und Blüthen- ouft wieder Einkehr bei uns hält. Die frohe Menschheit begrüßt sich dann wohl gegenseitig mit Osterwalds Worten: „Freue Dich mit mir, o Freund: Der Frühling ist wiedergekommen Und zu dem Pfingstfest alles mit Maien geschmückt!" Im Westfälischen begnügt man sich nicht mit der ein« ladjen Ausschmückung der Häuser und Zimmer, sondern es fogar auf solchen Häusern, welche heirathsfähige -v-adchen bergen, größere Birkenbüsche („Maistrüke") von aufmerksamen Burschen angebracht, in Wittgenstein wohl selbst auf dem hohen Dachfirste befestigt, wie denn überhaupt Birken und Calmus in keinem Hause Westfalens fehlen dürfen. Erkenntliche Liebhaber anderer Gegenden Deutschlands suchen wiederum in der hierzu ausersehenen Pfingst- nacht unter Aufbietung jeglicher List und Kraft junge Maienbäume aus Wäldern und Gärten zu entführen und am Hause der Herzallerliebsten, besonders unter ihrem Schlafzimmerfenster, zu befestigen. Während der drei letzten Jahrzehnte ist jedoch aus Anlaß der dabei unausbleiblichen Forstverwüstung eine behördliche Steuerung dieses sonst harmlosen Brauches für dringend erachtet worden. Wenn deshalb heute ein Bursche es noch fertig bringt, seiner Liebsten eine Pfingst- maie zu setzen, so gilt das als eine besondere Auszeichnung. Bekanntlich hat der volksthümliche Berthold Auerbach die sich in der minniglichen Widmung eines Pftngstbaumes bekundende Anschauung zur Grundlage seiner beliebtesten Schwarzwald- Novellen ausersehen, und Hoffmann von Fallersleben erinnert nicht minder an diese unsterbliche Sitte, wenn er singt- „Ueber's Jahr, zu Pfingsten, Pflanz' ich Maien Dir vor's Haus, Bringe Dir aus weiter Ferne Einen frischen Blumenstrauß!" Doch nur den ehrenwerthen und sittlich unbescholtenen Jungfrauen wird die Ehre des Maiensetzens zu theil, während die „etwas anrüchigen", die sich nicht rein und treu in der Liebe erweisen, auch wohl durch ihr sonstiges Betragen Haß und Mißachtung auf sich geladen haben, einen dürren Baum, einen ausgedienten Reisigbesen, eine getrocknete Dornenwelle, Büsche von Hollunder-, Hasel- oder Wachholdersträuchernunterm Fenster finden werden. Ja, solche Dirnen, die gar keine Verehrer aufzuweisen haben, wird auch wohl der bereits sprüchwörtliche „Strohmann" verehrt. „Das wissen auch die Mädchen und legen sich daher in der Pfingstnacht nicht zu Bett, um jeden Versuch, ihnen eine Strohpuppe aus's Dach zu setzen, zu verhindern. Ein Eimer Wasser, aus der Dachluke gegossen, hält die Uebelthäter nicht ab und so kommt es manchmal zu ergötzlichen Kämpfen," wie Rackwitz aus dem Helmegau berichtet. Alle diese vor und auf den Häusern errichteten Maien sind wohl zu unterscheiden von dem größeren Mai oder Pfingstbaum, der auf dem Anger, Plane, Markte re. dieser und jener Ortschaft unter reger Betheiligung der zahlreich versammelten Gemeindeglieder hier und da noch aufgepflanzt wird. Einstimmigkeit der Bewohnerschaft ist zur feierlichen Einholung dieses Baumes in allererster Linie erforderlich. Da zieht die fröhliche Schaar in den frischen, grünen Wald hinaus, um „beit Mai zu suchen" und zugleich Birken oder auch Nadelbäume mitzuführen, wobei es natürlich unter Jubel und Gesang laut hergeht. Innerhalb des örtlichen Weichbildes wird nun der mit Ausnahme des pyramidischen Wipfels entästete und abgeschälte Baum eingegraben, nachdem zuvor noch die „ungeschorene" Krone mit Eiern, Würsten, Kuchen, Naschwaaren, gefüllten Weinflaschen und dergleichen Sachen belastet, auch wohl mit Zierrath, bunten Bändern, Tüchern und grellen Papierschleifen ausgeschmückt ist, aufgepflanzt und fröhlich umjubelt. Wie ist nun aber die Sitte des grünen Birkenschmuckes am Pfingstfeste zu erklären? Zunächst muß berücksichtigt werden, daß sich der eigenartige Brauch ursprünglich auf die Verherrlichung des wonniglichen Maimondes bezog. So setzen noch heute italienische und spanische Jünglinge in der berüchtigten Nacht zum 1. Mai ihrem braunen „Herzblättchen" die übliche Birke vor die Thür, ebenso wie ganz Neapel am Maibeginn mit grünen, duftigen Zweigen der weißen Birke geschmückt. Sagen doch auch die westfälischen Kinder, welche jene mit Bändern und Maiblümchen gezierten Birkenbüsche Gaben heischend in die Wohnungen tragen: „Hi breng'k ju den Mai int Hus." Unter dem personificirten „Mai" ist nämlich der Sommer zu verstehen, der den halsstarrigen Winter vertrieben hat und nun seinen heißersehnten Einzug hält. Ehemals veranstaltete man sogar förmliche Kampfspiele zwischen einem dürren „Strohmann" und einem mit — 260 Gemeinnütziges vielvermögenden Segnungen des Ganzen noch besonders anzueignen oder zu sichern. Sie werden somit gewissermaßen zum baumgestalrigen Schutzgeiste der schmückenden Gemeinde „im verjüngten Maßstabe", der auch die treu erfundene Jungfrau beglückt. Sittlich verwahrloste Mädchen dagegen erblicken in den dürren Bäumen, abgenutzten Strauchbesen und leeren Strohpuppen das groteske Abbild ihres inneren Wesens. Vergleicht doch schon die Bibel ungerechte und gottlose Menschen mit „dürrem Holze", weil sie keine „Frucht der Gerechtigkeit" zeitigen, und Ambrosius sagte einmal: „Du bist durch Adam ein dürres Holz geworden, nun aber bist Du durch Christi Huld ein edler Fruchtbaum." Wer nämlich Lust hat zum lebendigen Worte Gottes, der ist nach dem 1. Psalm „wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit". Auch nach Ps. 92, 13, Spr. Sal. 11, 28 und Jes. 61, 1 werden die Gerechten mit grünen Bäum-n verglichen, ja selbst in nichtchristlichen Religionen gelten immergrüne Bäume und andere Gewächse als Sinnbilder der unnahbaren, makellosen Gottheit. Zugleich sei hier bemerkt, daß im jugendlichen Christen- thum öffentliche Büßer am Tage vor Charfreitag wieder in „die Gemeinschaft der Heiligen" ausgenommen und als gerecht angesehen wurden, weshalb dieser Terinin „Tag der Grünen" (dies viridium) hieß und heute noch als „Gründonnerstag" bekannt ist. Es ist nun leicht begreiflich, daß heirathsfähige Mädchen das nächtliche Setzen von dürren Bäumen, zerfetzten Besen, fratzenhaften Strohpuppen mit aller Gewalt zu verhindern suchten, .denn man spielte auf ihren Lebenswandel an. Werden sie doch auch von einer Nachtigall in Uhlands Schriften eindringlich gewarnt: „Und wenn die Lind ihr Laub verliert, Behält sie nur die Aeste. Daran gedenkt, ihr Mägdlein jung, Und haltet euer Kränzlein feste." Daß gerade die Birke zur heilbringenden „Maie" ausersehen wurde und nicht die ehemals in Deutschland so hochgeehrte und weitverbreitete Eiche, hat jedenfalls darin seinen Grund, daß sie im Frühjahr zuerst ihren grünen Schmuck hervortreten läßt und dadurch ganz besonders vom baumbelebenden Schutzgeiste heimgesucht zu sein schien. Jedenfalls war sie deshalb auch dem allmächtigen Donnergott, dem hohen Spender von Licht und Fruchtbarkeit, besonders heilig. Die junge christliche Kirche hat später dann die heidnische Sitte des Pfingstfestes mit übernommen und für sich besonders zugestutzt. Wohl haben engherzige Behörden früherer Jahrhunderte das „Maiensetzen" durch allerhand Verfügungen zu unterdrücken sich bemüht, jedoch vergebens. Man hielt es vielmehr stets mit den Worten Davids: „Schmücket das Fest mit Maien!" saftigen Büschen umkleideten „Laubmann", wobei letzterer seinen verhaßten Gegner, den symbolischen Winter, besiegen mußte. Häufig wurde auch wohl eine wirkliche Strohpuppe außerhalb der betheiligten Ortschaft in ein nahes Wasser gestürzt. Das nannte man „den Winter verjagen" oder „den Tod austreiben", weil der eisige Winter gleichsam als zeitweiliger Tod der Natur aufgefaßt wurde. Das allgemeine Anstimmen froher Lieder während des Rückzuges hieß „den Maien singen", wie denn beispielsweise in Oberschlesien der dort bekannte „Sommer", jenes am Lätaresonntage einher- g. agene geschmückte Bäumchen, durchgehends „Mai" genannt und omit nach dem der Sache nächstverwandten Brauche bezeichnet wurde. Böhmische Mädchen wiederum begeben sich in den Wald, zieren hier ein bis unter die Krone geschältes Bäumchen mit bunten Eierschalen und hängen dann eine aus Lumpen zusammengebaute Puppe in Gestalt einer weißgekleideten Frau daran, die sie gleich den Zweigen mit rothen und weißen Bändern ausschmücken. Dieses sonderbar zuberettete Bäumchen heißt nun Leto oder Lito (gleich Sommer) und wird unter frohem Grsang von Haus zu Haus getragen. Am Donnerstage nach Pfingsten fällen auch die Bewohner russischer Landocte im nahen Forst eine junge Birke, die sie mit Frauenkleidern schmücken oder mit buntfarbigen Lappen und Bändern ausputzen und dann jubelnd heimsühren. Diese augezogenen Beispiele thun dar, daß jener Maibaum gewisse, maßen als eine Person dargestellt und verehrt wird, mithin die personificirte „schöne Jahreszeit" ist. Nicht nur die alten Germanen, sondern alle heidnischen Völker der Vorzeit dachten sich die Bäume beseelt. Sollen doch unsere altdeutschen Urahnen aus lebenden Bäumen hervorgegangen sein, und gewisse Krankheiten des menschlichen Geschlechts werden ähnlichen Nebeln der Pflanzenwelt gleichbenannt und auch auf Bäume übertragen, ebenso wie man hier und da auch das plötzliche Verdorren einzelner Bäume mit dem Tode des Menschen in prophezeiende Verbindung bringt. Die nach dem kindlichen Volksglauben im Baume befindlichen Geister veranlassen zugleich dessen Wachsthum, ebenso wie die sogenannten „Holzfräulein" der Sage im Gras- und Kornwuchs walten. Wird doch in Schlesien der umjubelte Sommer außer „Mai" noch „Sproß" genannt, eine seltsame Bezeichnung, die sehr deutlich an den vermeintlichen Wachs- thums- oder Vegetationsgeist erinnert. Die gedachte Wirksamkeit desselben erstreckte sich auf das Wachsthum als solches überhaupt, und demgemäß erweiterte sich die Vorstellung von ihm zu der allgemeinen eines wohlwollenden Schutzgeistes für alle möglichen Verhältnisse (Mennhardt, Baumcultus der Germanen). Der große Maibaum, den die gesammte Dorfbevölkerung feierlich einholt, auf freiem Platze in ihrer Mitte aufpflanzt und wie ihren Augapfel bewacht, damit ihn die neidische Bewohnerschaft irgend eines Nachbarortes . nicht meuchlings entwende und damit zugleich den damit verknüpften Segen ererbe, stellt den eigentlichen Lebcnsbaum, das einstens so bedeutungsvolle „Mal" des Weichbildes, ja gleichsam das zweite Ich der ganzen Commune dar. Ihm sich nahen zu dürfen, ist für jedes Glied der Gemeinde ein besonderes Heiligthum, weshalb er feierlich umtanzt und auch zuweilen durch Darbringung von Geschenken ausgezeichnet wird. Bunte Bänder und Kränze schmücken den Wipfel dieses vom allgemeinen Schutzgeiste beseelten und bewohnten Baumes, ebenso wie jene buntscheckigen Lappen und Zeugslücke die Fetischbäume roher Naturvölker. Mit den mancherlei Kleidungsstücken, die man an den communalen Pfingstbaum hängt oder um seine Zweige hüllt, soll gewissermaßen der persönlich gedachte Schutzgeist selbst angethan werden. Alle die zahlreichen Maibäumchen, sowie die kleinen Birkenbüsche verwirklichen ganz denselben Gedanken wie der eigentliche Pfingstbaum. Sie haben aber den volksthümlichen Zweck, jedem einzelnen Hause, den Thieren im Stalle, dem Wasser im Brunnen, dem Schiffe auf dem Meere rc. die Wieder ein neues Preisnusschreiben finden wir in Nr. 31 der Wochenschrift für die deutsche Frauenwetl „Von Haus zu Haus" in Leipzig, an dem sich alle federgewandten Hausfrauen und solche, die es werden wo len, betheiligen können. Auf Grund eigener Erfahrung so e die Leser und Leserinnen gute Bezugsquellen angcben un besprechen, die alles für Haus und Familie Nothwcndige u - fassen, und die auf practische Weihnachstsgeschenke hmwe se - Der erste Preis besteht in einem hocheleganten Sa o - Piano von W. Ritmüller u. Sohn in Göttingen (Wer? 900 Mark), dem sich andere kostbare Preise anschuev ■ Näheres ist aas Nr. 31 der Wochenschrift //Bon Haus z Haus" zu ersehen, welche auf Verlangen von Adolfs «9 Verlag in Leipzig überall kostenfrei und portofrei versandt w Redaction: 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in