Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Nachdruck verboten.) Erstes Capitel. Das zusammengesunkene Feuer leuchtete durch einen schmalen Spalt an der Thür und einen zickzackförmigen Riß in der Platte des stattlichen Herdes nur noch mit ermattender Gluih hervor. Aber doch war die Küche im ersten Stockwerk des alten Hauses an diesem Winterabend voller Wärme und Licht, während draußen der Wind ein leichtes Schneegestöber vor sich hertrieb und zuweilen mit heulendem Ton hineinfuhr in den viereckig trichterförmigen, mächtigen Schlot, der über der ehemals offenen Feuerstelle in die Höhe führte. Jetzt war dieser Rauchfang mit fester, sicherer Platte geschloffen und wehrte dem ungestümen Besucher den Eintritt. So war es ruhig und hell in dem behaglichen, niedrigen Raum, — niedrig wie alle übrigen Räume in dem vor Jahrhunderten errichteten Gebäude. Die Küche war von unregelmäßiger Gestalt/ beim Eingang vom Corridor her nicht allzu breit, erweiterte sie sich von der Mitte ab durch einen Vorsprung nach rechts um die Breite eines Fensters, dem zu Liebe man diesen Ausbau geschaffen hatte. Es war das einzige, das bei Tage direct von außen Licht hereinsührte/ zwar befand sich rein Fenster (BH wJ|gÄ|||s|i MWH ragst mich, wo doch das Glück mag wohnen — Sag' Dir die Antwort bündig und gut: Träume Du nicht von verlorenen Kronen, Nächtlich durchscheinend des Waldsees Fluch. Such' Dich nicht müd' nach der blauen Blume, Die in welteinsamer Wildniß blüht, Glaub' es auch nicht Deiner alten Muhme, Daß in der Felswand ein Goldschatz glüht. Träume nicht, halte die Augen offen, Jedem begegnet einmal das Glück; Kommt Dir's entgegen, dann sei nicht betroffen, Laß' es vorüber nicht, weich' nicht zurück. Lach' es frisch an und thu' nicht erschrocken, Sprich Deinen Spruch, 's ist die richtige Stund', Pack' es beherzt bei den goldenen Locken, Küss' es nur keck auf den blühenden Mund! A. W. auch in der Thür, doch kam von hier nur die gedämpfte Helle vom Corridor. Vier Personen waren beim Schein einer Petroleumlampe aus weißem Milchglas hier versammelt, deren Licht im blinkendem Kupfer von Kasserollen und Kesseln, im Messingbeschlag des Herdes, im blankem, blauweißen Porzellan der Börte sich freundlich spiegelte. Am Tische zur Linken, der die Lampe trug, saß eifrig strickend eine weibliche Person von nahezu fünfzig Jahren in altmodischer Köchiunentracht, eine weiße, den Kopf dichtumschließende Haube auf dem noch ungebleichten, braunen Haar, die Röthe der Gesundheit auf dem vollen, zufriedenen Gesicht. Nicht weit von ihr, dem Herde näher, aber doch noch im vollen Scheine der Lampe saß ein Mädchen von einigen zwanzig Jahren, ein wenig koketter, aber doch einfach gekleidet mit blassem, gutmütigem Gesichte, das im Schnitt und Ausdruck, mit seinen hervor- quellenden Augen an den eines Fisches erinnerte. Sie las eifrig in der neuen Lieferung eines Colportagerornans, abgewandt von den anderen, die Füße gegen den Kohlenkasten gestemmt. In der äußersten Ecke zur Rechten, dicht neben dem einzigen Außenfenster befand sich auch ein männliches Wesen, das auf einem unbequemen Sitz, einem steinernen Ausguß, über den ein Brett gelegt war, eine kurze Pfeife rauchend, mit herabhängenden Beinen behaglich dasaß. Er mochte so alt sein wie die Köchin, und sein Gesicht war ebenso voll und rund wie das ihre, die kurzgeschnittenen Haare waren aber bereits ergraut, und um die Augen herum waren Falten in die wettergebräuute Haut eingegraben. Die vierte der anwesenden Personen hatte sich so tief in die Ecke der Küche zur Rechten der Thür hineingedrückt, daß ein Eintretender sie leicht übersehen hätte. Es war ein Mädchen, ein Kind noch, von dreizehn Jahren vielleicht, aber lang aufgeschossen für sein Alter und von erschreckender Magerkeit. Aus dem zu kurz gewordenen, dürftigen Kleide schauten Arme und Beine lang hervor; das hagere, an den Schläfen eingefallene Gesicht war von gelblicher Farbe, große braune Augen blickten angstvoll umher. Das Haar von mattem Blond' war glatt an den Kopf gestrichen und hinten in einem einfachen Knoten zusammengehalten. Die Tracht war sauber, aber trotzdem ging ein Hauch von Armuth, Noth und Entbehrung von dem Kinde aus. Es saß auf einem niedrigen Schemel zusammengekauert da und aß mit beinahe thierischer Gier aus einer braunen, irdenen Schüssel, die allerlei Reste vom Mittagessen enthielt, und die es mit den dürren Fingern der linken Hand eifersüchtig umklammerte. Zuweilen warf das Mädchen einen Blick voll scheuer Furcht 2 und mit ge- ganz ich mich mit Erlaubniß atto* - ä 4« L y* Tug-L^zü M.”" m" btWW' ®a8“ 16 »ich mein, -gerbtnanb, ba§ is mich benn doch zweifelhaft." i r, ’^8 ®i($ fa9e/ es is mich zweifelhaft. Siebst Du un ehe ich mrr in biese Punkte nich ganz fest auf Dir veL lassen kann, ba werbe ich auch nich Deine Frau. Es patzte Herrn ^Dotto/^ck. ®“. oben im Zweiten Stock ^beim unten iJ’ L'J W me™e Küche im ersten, ober Du unten in n Stall, un ich wieber hier in meine Küche, bas - ! konnte ne ganz glückliche Ehe geben. Aber unser Seliaer d-, Herr R-gie-nngs-ath, ^t8[tI6fl „t Ju S Ä un rö«5 a«rt,‘ffieM6f°S‘' ,'®e r'"? '-m-i. 'ne a»iiBe bl, aani, enlangt, ba giebt es keine zweite in g nze Stadt, aber mit ne Accurativ und David steben L »ÄZten 1?U6e/ .Ziehst Du, Ferdinand das " w fh?/V ,Utt toetI § für wir selber nu doch mal zu spat is wegen die jugendliche Schweinerei, da will ich wenigstens einem gebildeten Manne haben." saate'EbiZ? M?/^"^anne- ist auch falsch, Caroline," Lkz77ewL"' “r »m '->» --'s»--- 1-°-" die Köckin^Z ^ÖS mich wieder zweifelhaft," entgegnete ilt Z \i'£W* 9Qn8 ^er gehe/ da kann ich ?°n Ärb .anb ^ o leid es mich thut. Halte Dir »«ttnl rnb bm ®h "aratM> b-m ®te kam nicht zu Ende,- denn iu niesem Augenblick ließ Ät Zr b/r SS/" Personen, um bann mit verdoppelter Hast über bie Mahlzeit herzufallen. >°Ic6fVeine. »’l Q.uS Lebest, da könntest ®u ja leicht abhelfen. ^Warum willst Du mich denn nu eigentlich immer noch nicht heiratben? „gerhinanb,. wie oft soll ich Dich das sagen?"^entqeWet ste „Du bist mich noch nich gebildet genug." 9 9 * f e’ „Karoline, Du bist zu anspruchsvoll." „Mag woll sein. Aber ich bin nu mal selber 'ne gebildete Person, was ja auch keinem Wunder is, weil ich doch sozusagen gewissermaßen bei die Schweine hergekomwe» 6'"’ ba§ 6i" icb/// ^gte sie mit Nachdruck hchm hnS ?°arf emen zornigen Blick auf das lesende Mädchen -d^Et^^ ungeduldig auf seinem Eitze^h"n eilt ei vom ( Hildes Eintre Livree Gesicht bart u die Ar gebilde vom P acht at funden Treppe nich! U bin ick weil id 'ne Thi bet is daß 'ne jegangei Der Di haben, 1 sich 'n 9 für die „R rath He „N und lach „D De: und nied die Köch überirdis Hauses 1 offenem Da gewicht : noch ern Haus do „W „D sein? Ni //Hl //Jc von 'ner Ihren B is es M so 'ne I noch gut ganz verl Un das i von Gesi klar zu s staben üb //Ca Sitze her „Fe brach sie voll betör auch mal hieße gar das is m deutlich st „Na k *) Hi der,spott'. 3 ein eiliger Schritt sich draußen vernehmen, und die Thür vom Corridor her wurde hastig geöffnet. „Donnerwetter, is bet 'n verteufelter oller Kasten! Euer Hildesheim scheint ja en verrackertes Nest zu sind," rief der Eintretende, ein junger Diener in einfacher, dunkelblauer Livree, die nur sparsam mit Silber besetzt war. Sein hübsches Gesicht mit frischen Farben, sorgsam aufgewirbeltem Schnurrbart und hellen Augen schaute ein wenig frech in die Welt. „Wer mich in meine Küche kömmt, der wünscht mich un die Anderen guten Abend, un übrigens, was 'n halbwegs gebildeter Mensch is, der spricht nich von Hildesheim, sondern vom Potte,*)" fugte Caroline - der Diener aber gab nicht acht auf ihre Worte. „Sechsmal habe ick mir verloofen, bis ick hierher je- funden bin," sprudelte er hervor. „So wat von Jängen un Treppen un Ecken und dunkle Löcher, bet lebt ja weiter jar nich! Un niedrig is et überall, niedrig, — zehnmal mindestens 6in ick heute schon irjendwo mit dem Kopfe jegenjeloofen, weil ick vergessen hatte, mich zu bücken. Vorhin mache ick 'ne Thür auf, da sehe ick wieder so 'n dunkles Loch, denke, det is en Wandschrank oder so wat, auf einmal merke ick, daß 'ne Treppe drin nach oben führt. Die bin ick aber nich jegangen, die Jeschichte war mir denn doch zu unheimlich. Der Deubel weiß, wat die Kerle, die diese Häuser jebaut haben, mit all' diesen kleenen Löchern jewollt hoben, in denen sich 'n Mensch kaum umdrehen kann. Die sind doch nur iut für die Ratten." „Ratten giebt es nich in das Haus von Frau Regierungsrath Henninger," bemerkte Caroline streng. „Na, denn vielleicht für Jespenster," sagte der Diener und lachte. „Das könnte eher möglich sein." Der junge Bursche war bisher lebhaft in der Küche auf- und nieder gegangen, als er aber jetzt hörte, wie ernsthaft die Köchin seinen Scherz beantwortete und die Möglichkeit überirdischer Genossen in den Gängen und Winkeln des alten Hauses zugab, blieb er stehen und schaute verdutzt, mit halb- offenem Munde zn ihr hin. Da sie erkannte, daß sie auf dem Wege sei, ein Ueber- gewicht über den Kecken zu gewinnen, legte sie ihr Gesicht in noch ernsthaftere Falten und sagte: „Na, umsonst wird unser Haus doch woll seinen Namen nich haben." „Welchen Namen?" „Das wissen Sie noch nich? Un wollen hier Diener sein? Nee, so was! Das Haus der Schatten nennen sie ihm." „Haus der Schatten?" „Jawoll. Un genau genommen kommt dieser Bezeichnung von ’ner Inschrift her, die über die Hausthür steht. In Ihren Berlin mag das ja woll nich Mode sein, aber hier is es Mode un is es immer gewesen, un darum setzen sie so 'ne Inschriften über den Thüren. Un meistens sind sie noch gut zu lesen, aber hier bei unserer Thür is sie schon ganz verwischt, als hätte man ihr mal mit Absicht ausgekratzt. Un das is sonderbar, denn was sonst noch an die Thür is von Gesichtern und Sckmörkeleien un so was, das is allens klar zu sehen. Da oben sind aber nur noch 'n paar Buchstaben übrig geblieben un die lesen sich wie ,Schattenfl" „Caroline," — begann der Kutscher würdevoll von seinem Sitze herab, den er nicht verlassen hatte. „Ferdinand, ich weiß, was Sie sagen wollen," unterbrach sie ihn, indem sie das ,Sie^ in der Anrede bedeutungsvoll betonte. „Der Herr Regierungsrath selig hat es mich auch mal gesagt, es wäre Unsinn un das wäre lareinisch un hieße gar nich Schatten. Aber, sein Andenken in Ehren, das is mich denn doch zweifelhaft. Für mich heißt es ganz deutlich so, auch wenn ich mit die Brille hinsehe." „Na, also weiter hat det mit dem Namen nichts auf *) Hildesheim heißt im Bolksmund Pott - Hilmsen, oder kur-weq 6er ,Potv. sich?" fragte der Diener, und ein Ausdruck der Erleichterung zeigte sich auf seinem Gesichte. „Das will ich nich behaupten," gab Caroline mit gedämpfter Stimme zur Antwort. „Man könnte allerlei erzählen, wenn man wollte." (Fortsetzung folgt.) Uebcr das Riesen. Von Eugen Jsolani. ------- (Nachdruck verboten.) Schon im Alterthum sah man das Niesen für eine gute Vorbedeutung an; als Telemach nieste, da Penelope von der Rückkehr des Odysseus sprach, nahm sie es für ein glückliches Zeichen hinsichtlich ihres Wunsches. Man kann dies nur der plötzlichen unwillkürlichen Bewegung des Niesens zuschreiben, wofür den Alten damals die Erklärung fehlte. Aber auch heute noch gilt das Niesen als ein günstiges Omen. „Du hast es bemeßt, es wird wahr!" so sagen auch wir. Die Alten legten das Nie en verschieden aus: und zwar günstig in der Zeit von Mittag bis Mitternacht, ungünstig im umgekehrten Falle. Auch war es en Zeichen des Glücks oder Unglücks, je nachdem man rechts oder lmks nieste. Stets aber betrachtete man das Niesen als etwas Heiliges, und es ging Cie Legende, daß der erste Mensch als erstes Lebenszeich n geniest haben soll; die Erschütterung habe befürchten lassen, daß die Menscheng statt darüber zerbersten werde, daher denn die Götter gerufen haben: „Jupiter sei dir gnädig!" Freilich war dies nicht die einzige Legende,- die man an das Niesen knüpfte. Schon im Alterthum ging die Meinung, warum das Niesen als gute oder böse Vorbedeutung gilt, vielfach auseinander, und als Alexander der G>oße Aristoteles nach dem Ursprung der Sitte, sich beim Niesen Gesundheit zu wünschen, fragte, wußte dieser ihm die Erklärung nicht zu geben. Die Siamesen erklären die Bedeutung des Nietens in folgender Weise: In der Hölle ist ein Tribunal mit einer schwarzen Canzlei unausgesetzt beschäftigt, die Süitdenregister der Menschen zu führen und sie vollständig zu erha ten. Der Vorsitzende dieser unheimlichen Behörde liest fortwährend die eingereichten Conduitenlisten der Sterblichen; Diejenigen nun, mit deren Sünden er gerade beschäftigt ist, müssen auf Erden in dem Augenblick, wo er ihren Namen nennt, niesen. Es ist daher sehr angebracht, wenn man, um die Macht des Teufels zu brechen, dem Niesenden ein „Gott helft!" zuruft. Die Sitten, die beim Niesen befolgt wurden und werden, sind ungemein mannigfaltig. Die Soldaten des Cyrus mußten den Hut abnehmen, wenn ihr Führer nieste. Unter dem Kaiser Tiberius war es Sitte, sich, wenn Majestät nieste, stumm zu verbeugen. Im Königreich Senuaar in Afrika dagegen ist es üblich, sich, wenn der König niest, umzudrehen und sich auf den rechten Oberschenkel einen lautschallenden Schlag zu geben, um das Geräusch des Niesens zu überbieten. Noch weit umständlicher ist die Sitte in Monomotapa am Zarnbeza. Sobald dort der Kaiser niest, müssen die Hofleute ein dem Niesen ähnliches Geräusch machen; dasselbe aber muß von allen nachgemacht werden, die es hören, sodaß es von Zimmer zu Zimmer, von Haus zu Haus, von Straße zu Straße fortklmgt, bis die ganze Residenz davon erschallt. Bei einem Schnupfen des Kaisers muß der Aufenthalt in Monomotapa demnach recht angenehm sein. Bei uns sind die Wünsche „Zur Gesundheit!" oder „Gott Helf!" auch wohl mehr Formeln der Höflichkeit, als an den Himmel gerichtete Bitten. In früheren Jahren rief man dem Niesenden vielfach, wenn man besonders höflich lein wollte, zu: „Ein schönes Haupt hat sich geneigt!" Hierauf hatte dieser zu erwidern: „Ein schöneres hat es angezeigt." 4 Der höfliche Pole ruft dem Riesenden zu: „Hundert Jahre!" Worauf selbiger erwidert: „Ich bitte um Be- gräbniß!" Jean Paul behauptet, jeder Mensch bleibe wenigstens in einer Sache original — in der Weise zu niesen. Und er hat recht. Wer einmal darauf achtet, wie seine Mitmenschen niesen, wird sehr bald finden, daß Jeder in einer anderen Weise niest. Dieser macht seinem Riechwerkzeuge in derartig dröhnender Weise Luft, daß Alles um ihn herum bebt und erzittert, jener wiederum niest so, als ob er nur den Versuch mache zu niesen- der Eine niest ein-, höchstens zweimal, ein Anderer gleich, ohne gerade den Schnupfen zu haben, ein paar Dutzend Mal hintereinander. Das Letztere ist insbesondere bei älteren Herren der Fall. Die Mehrzahl der Menschen huldigt beim Niesen dem Dualismus und niest zweimal hintereinander. Auch die Bewegungen, welche die verschiedenen Menschen beim Niesen machen, erhöhen durch ihre Bersch edenartigkeit noch die Berechtigung des Jean Paul'schen Ausspruchs. Ich bin in meinem Leben mit vielen eigenthümlichen Niesern zusammengekommen. Im Hause der verwittweten Frau Hofrath -E. hatte ich auch deren Vater, einen stemalten Gelehrten kennen gelernt, einen lieben lustigen Herrn, der mit vielem Humor aus seinem reichbewegten Leben zu erzählen wußte. Wenn dieser erst einmal in's Niesen kam, so hörte der rüstige Achtziger auch so bald nicht wieder auf. Marie, die reizende, jüngere Enkelin, behauptete allen Ernstes einmal, drei Dutzend „Hatzi" hintereinander gezählt zu haben, und wußte in ihrer an- muthigen Weise immer neue Scherze über die Nieslust des Großvaters zu machen. Das eine Mal schlug sie vor, während des Niesanfalles des lieben Alten einen Spaziergang zu unternehmen, oder sie entrirte Wetten über die Anzahl der „Hatzis", und unerschöpflich war der kleine Kobold trotz des oftmaligen Verweises der Mutter in derartigen Fällen, die den alten Herrn selbst erheiterten, und ihn keineswegs störten, seiner Nieslust freien Lauf zu lassen. Da warf ein Unfall den Greis aufs Krankenlager. Eine bei einem Falle zugezogene Verletzung, die ein Jüngerer leicht überwunden hätte, machte dem Arzt bange Sorge. Der Zustand des Kranken der- schlimmer.-e sich von Tag zu Tag, sodaß die Angehörigen über das baldige Ende desselben wohl nicht mehr im Zweifel waren. Die Familie war mit dem Arzt am Sterbelager versammelt. Da plötzlich regt es sich in dem Sterbenden, es arbeitet lebhafter in seinen Zügen, die Frauen blicken unwillkürlich auf, ein convulsivisches Zucken ergreift den Daliegenden, er beginnt zu niesen- er niest ein Mal, er niest ein zweites Mal, zum dritten, vierten und fünften Male. Die vier das Sterbelager umstehenden Personen blicken mit gespannter und stummer Aufmerksamkeit auf den Niesenden. Da unterbricht der Arzt die peinliche Stille — er glaubte in dem Niesenden wohl ein besonderes Symptom der Krankheit zu erblicken und er richtet daher an die Tochter des Kranken die Frage: „Niest Ihr Vater immer so stark?" Da blicken sich unwillkürlich die trauernden Frauen an, ein schelmisches Zucken leuchtet in den blitzenden Augen des jüngeren Mädchens auf, all die froh verlebten Stunden mögen in. den Gedanken der Drei aufdämmern, und während Frau Hofrath £. die Frage des Arztes mit einem stummen Nicken beantwortet, müssen Alle plötzlich so unwillkürlich in sich hineinlachen, daß ein ordentlicher Lachschauer sie ergreift. Unterdessen niest der Greis fort und fort, wohl schon überein Dutzend Male, noch einmal hebt er dazu an, aber schon verläßt ihn die letzte Krack, er fällt, indem er niesen will, in d-e Kissen zurück — und ist tobt. Unter dem Lachen snner nächsten Angehörigen hat er den Lebensathem ausgehaucht. (Schluß folgt.) Gemeinnützig-s. Sttt Hygiene des Radfahrens. Nachdem so oft seitens englischer Aerzte gegen Radfahren im Allgemeinen und das der Damen insbesondere geeifert worden ist, hat sich auf dem kürzlich in Newcastle versammelten Kongreß ffo Gesundheitspflege ein Dr. Turner einmal sehr entschieden zu Gunsten des Radfahrens für das weibliche Geschlecht ausgesprochen. Dr. Turner bezeichnete es, der „Franks. Ztg? zufolge, nicht nur als seine eigene Meinung, sondern als die Ueberzeugung sehr vieler seiner Berufsgenossen, die Gelegenheit hatten, derartige Wahrnehmungen zu machen, daß!sich der Gesundheitszustand von Frauen, die sich dem Radfahren ergeben, regelmäßig bedeutend verbessert. Viele Damen haben nicht nur kleine Leiden verloren, sondern bei organischen Fehlern große Erleichterung empfunden, seitdem sie dem Sport zu huldigen anfingen. Das Radfahren wurde von dem Bor- ; tragenden als diejenige Uebung bezeichnet, die wirksamer als alle anderen den Stoffwechsel befördere, die Hautthätigkeit anrege, auf die Athmungsorgane wirke, jeden Muskel kräftige Allerdings fordert Dr. Turner von den radfahrenden Damen die Benutzung eigener Kleidung für das Fahren, wollenes Unterzeug, sowie ganz lose sitzende Kleider, und hält die Betheiligung von Damen an Wettfahrten für sehr schädlich. Literarisches Der Streit um die Sixtinische Madonna, der während der letzten Wochen die gesammte Kunstwelt so lebhaft erregt hat, d»rs nunmehr nach Zurückweisung der von Herrn Badrutt in ®t Moritz für sein Bild erhobenen Ansprüche für immer als erledigt gelten. Sieg, reicher als je hat sich bei der vorgenommenen Nebeneinanderstellung beider Bilder die Dresdener Madonna als Raffaels Originalschöpfung bewährt und es haben dabei vor Allem die inneren Vorzüge des Bildes die Entscheidung auch nicht einen Augenblick zweifelhaft gemacht. Nicht uninteressant ist es, daß gerade in diesem Momente eine zu weitester Verbreitung bestimmte Nachbildung der Dresdener Madonna hervortritt, die sie mit allen ihren Vorzügen im hellsten Lichte erscheinen läßt. Es ist das em als Kunstbeilage der jüngsten Nummer von „Uebtr Land Mttft Me-r" beigegebener, mit acht Farbenplatten hergestellter bunter Holzschnitt nach einer von dem Münchener Maler Moritz Roebbecke eigens dafür an Ort und Stelle aufgenommenen Oelcopie, ein Blatt, das als eine Meisterleistung der modernen Buntdrucktechnik bezeichnet werden muß. In dankenswerther Weise hat die Leitung der altbewährten Zeitschrift den Anlaß benutzt, um in klarer, allgemein verständlicher Weise dem großen Publikum einen Einblick in die Art zu gewähren, wie derartige farbige Schnitte hergestellt werden. Auf einer großen Tafel wird uns an fünfzehn, dem großen Bilde als Ausschnitte entnommenen Farbenbildchen veranschaulicht, wie die verschiedenen Farben in entsprechender Reihenfolge geschnitten und gedruckt werden und das Bild wie aus einem Nebelschleier herauswächst, dabei immer deutlicher und greifbarer, bis es zuletzt in seiner ganzen Abrundung und in seinem vollen Farbenschmuck vor uns steht. Zur hundertjährigen Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms I., bei welcher so vielfach zum Ausdruck gebracht werden soll, was das deutsche Volk für seinen großen Kaiser empfindet, hat auch das im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W. 35, erscheinende herrsche Familienblatt »Mod« nnh Haus* eine hierauf bezügliche Ge dichtconcurrenz mit baaren 200 Wt. ausgeschrieben. Es entspricht das nur der Tendenz dieses echt deutschen Familienblattes, dessen Vielseitigkeit sowohl wie die Vorzüglichkeit des Gebotenen seine Verbreitung über die ganze bewohnte Erde erwirkt haben. Die 3. Januar-Nummer bringt u. a. Ballkleider, Maskenkostüme. Gesellschaftstoiletten rc. Der mit jeder istägigen Nummer erscheinende Schnittbogen weist 86 Figuren auf, ferner naturgroße Handarbeiten-Vorlagen und Monogramm-Alphabei. In der illustrirten Bellestitik finden wir den Namen Nataly von Esch- strutb, Dr. Adalbert von Hanstein u. a. m Andere Beilagen, wie: Haustheil, Meinungsaustausch 10 Psg. pro Zeile), illustrirtes Damen- Witzblatt „Humor", Aerztlich-r Rathgeber, Juridischer Rathgeber (Kostenlose Rathertheilung von erfahrenem Rechtsanwalt an Abonnentem, Briefkasten 2C. machen „Mode und Haus" zu 1 Mk. vierteljährlich für die deutsche Familie unentbehrlich. Besonders zu empfehlen ist die Ausgabe zu 1V* Mk. mit farbigem Modenbild, eleganten Handarbeiten-Ko- lorit, Musterfrisuren und 8 fettiger Romanbeilage: „Aus besten Federn." Von dem laufenden Roman: „Nach uns die'Sündfluth", von E. von Wald-Zedtwitz, erhalten die neu hinzutretenden Abonnenten der Ausgabe zu V» Mk. 56 Seiten Roman gratis nachgeliefert Abonnements durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. Gratis-Probenummern durch erstere und den Verlag. Redaction: SL Scheyda. ®ru(t und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«-