Der Majoratsherr. Stemmt een Nataly ». Eschstruth. (Fortsetzung.) Hellmuth lächelte, sein strahlender Blick suchte Pias Auge. ,,Das begreife ich nicht!" antwortete er leise,- „ich habe bei dem Gedanken an Scheffels herrliche Dichtung nie eine traurige Empfindung, denn ich weiß ja, daß Margaretha und Jung Werner doch nach allem Leid noch glücklich wurden, und das „Behüt Dich" verschmilzt sich in meinen Träumereien stets mit dem himmelaufjauchzenden Liebesjubel: „Jung Werner ist der glückseligste Mann im römischen Reiche geworden, — doch wer ihm solches Glück gethan, das sagt er nicht mit Worten, — er legt es nur in Töne ein — wie wunderschön ist's doch im Maien, — Feinslieb ich thue Dich grüßen!" — — — O — Sie kennen dieses Duett auch, Miß Lilian?" Pia hatte unwillkürlich die Melodie leise angehoben, jetzt verstummte sie erschrocken. „Bitte, singe laut, Lilian! ach, thu mir den Gefallen und singe!" bat Fränzchen in ihrer stürmischen Weise, und der Assessor blieb unwillkürlich stehen und schaute wie in stummer, heißer Bitte in ihr Auge. Pia sah an ihm vorüber, neigte das Köpfchen mit sinnendem Lächeln zurück und blickte empor zu dem tiefblauen Himmel, an welchem bereits die Mondsichel wie ein einsames Schifflein auf endloser Fluth schwamm, und wo die ersten matten Sterne wie verschleierte Augen auf sie niederblickten. „Jetzt nicht — nein, jetzt nicht! später!" sagte sie leise, und um seine Lippen huschte ein Lächeln, wie bei einem Kind, welchem man baldige, glückselige Weihnacht verheißt. Schneller schritten sie aus, und es war gut, daß Fränzchen just einen illuminirten kleinen Dampfer auf dem Rhein erscheinen sah und voll lebhaften Interesses constatirte, daß er auch Musik an Bord habe. Das nahm ihre Aufmerksamkeit vollends in Anspruch 1897. Samstag dm 4. December W m fte Liebe, lagt man, wäre blind; Ich will den Satz nicht ganz bestreiten; Doch wo die meisten Thaler sind, Sah sie recht gut zu allen Zeiten. Schücking. und die lustigen Weisen, welche immer deutlicher durch die Abendstille zu ihnen herüberschallten, verscheuchten schnell auch den letzten Rest einer Sentimentalität, welche ihrem ganzen Wesen so durchaus zuwider war. Als der Dampfer dicht an den felsigen Bergen vorüberfuhr, schien einem der Fahrgäste das Verlangen anzukommen, noch ein neues Echo in dieser Gegend zu entdecken. Mitten in all die Heiterkeit hinein krachte ein Schuß. Fränzchen verzog den Mund zu breitem, schmunzelndem Lachen: „Ein Schuß, Kinder, ich glaube, da hat sich Einer gehängt!" rief sie übermüthig und war selig, daß daS schweigsame Paar neben ihr diesen Witz wirklich belachte. „Diese Neuigkeit müssen Sie Ihren Eltern erzählen, Miß Francis!" sagte der Assessor dringlich. „Es war wirklich sehr spaßhaft, und Ihr Herr Vater lacht so gern!" Aber seine kleine List, das störende Geleite zu entfernen, glückte ihm leider nicht. Pia preßte den Arm der Cousine in jäher Angst fest an sich, und Fränzchen, welche diese unvermuthete Innigkeit entzückte, drückte aus Leibeskräften wieder, blickte der angebeteten Gefährtin zärtlicher wie je in die Augen und sagte mit Stolz: „'n alte Nachtkappe! dazu ist auch ^nachher noch Zeit!" * * * Wie sanft und weich der Kahn über die kräuselnde Fluth glitt! Nahe an dem Ufer spiegelte das Wasser in mächtiger Ruhe und schaffte dem Fährmann keine Mühe,- inmitten des Stromes aber wogte es pfeilschnell dahin, und der Assessor griff schweigend nach den beiden anderen Rudern, um die Anstrengung des Schiffers zu unterstützen. Der köstliche Frühlingsabend hatte alle Gemüther nachdenklich gestimmt, nur Fränzchen war übermüthigster Laune, spritzte ihrem Freund die Wassertropfen ins Gesicht und versicherte ihm: „So ohne Hut, mit den verwehten Haaren, sehe er wirklich zum Verlieben aus, und wenn er nicht bereits so stark verheirathet wäre, würde sie ihn auf der Stelle nehmen!" Keckheiten, tbelche zu Pias Staunen durch lachendes Kopfschütteln von den Eltern gerügt wurden. Plötzlich neigte sich die Kleine jählings vor, sah starr auf die beiden schöngeformten Männerhände, welche die Ruder führten und fragte athemlos vor Ueberraschung: „Wo ... wo ... ei — wo haben Sie denn eigentlich Ihren Trauring?!" „In der Westentasche," lachte der Graf hell auf, und Hellmuth antwortete achselzuckend: „Ich habe ihn vorhin in den Fluß geworfen, das Rheingold um einen Schatz zu der- 666 mehren! Der Ring des Nibelungen brachte nur Unheil, mein Ring soll das wieder ausgleichen und dafür der süßen, goldhaarigen Nixe, welche ihn auffangen und an das Fingerchen stecken wird, nur Glück, großes, sonniges Glück bringen!" Pia wandte das Gesicht und neigte sich so tief zu der schlimmernden Fluth nieder, daß ihr Antlitz und ihre weißgekleidete Gestalt ihr Bild auf derselben malten. „Da kommt schon eine Rheintochter, welche ihn holen will!" lachte der Graf abermals harmlos und wies scherzend auf das Spiegelbild im Wasser. „Sieh doch nur, Pia, wie Wogelinde Dir so täuschend ähnlich sieht! sag ihr 'mal, wenn sie des Assessors goldenen Hort aufgefischt hätte, soll sie ihn besser bewachen, wie ehemals den des Nibelungen! Der Geist des tückischen Alberich macht immer noch die Welt unsicher und lauert, wo er Glück und Ring stehlen kann!" Der Sprecher hatte sich wohl selber nicht viel bei diesen Worten gedacht und war um so überraschter, daß nur allgemeines Schweigen darauf antwortete/ trotz der Dämmerung konnte man bemerken, wie Pias Antlitz heiß erröthete, wie es verrätherisch in Hellmuths Augen aufleuchtete, während sein Blick auf der Geliebten ruhte. Fränzchens scharfer Blick flog zwischen Beiden hin und her, eine namenlose Betroffenheit malte sich auf ihrem Gesicht, Schein um Schein erblaßten ihre sonst so frische Wangen. Wäre es möglich, wäre er überhaupt nicht verheirathet, wäre zwischen Pia und ihm . . . Sie riß jählings den Hut vom Kopf und strich die Haare aus der Stirn, wie in hülfloser Angst starrte sie die Mutter an. Auch diese saß wie in tiefen Gedanken und blickte noch immer auf die Rechte des Affeffors. Nein, er trug keinen Trauring, und nicht das kleinste Mal am Finger zeigte, daß je ein Goldreif seine Spur hineingegraben. Seltsam, daß kein Mensch zuvor darauf geachtet hatte. Da fühlte sie Fränzchens Blick. Sie sah auf und lächelte. Wie tröstend griff sie nach der Hand ihres Kindes und drückte sie. Der Schiffer war der Einzige, welcher den Faden der Unterhaltung aufnahm. „Ja, gnädiger Herr, das Rheingold!" sagte er nachdenklich, „viele behaupten ja, es läge in der Nähe des Lurleifelsens, wo sich die Strudel im Wasser gebildet haben. Darum sei dort immer so viel Unglück passirt. Denn das Gold sei auf der ganzen Welt ein verfluchtes Teufelszeug, welches nur Glück und Frieden morden thäte! Na, die es haben, mögen es ja wohl besser wissen, wie unsereins/ ich hätte kxin Angst davor, wenn es mir 'mal eine Nixe in den Schooß werfen wollte!" Man näherte sich dem Ufer, und Graf Willibald zog lächelnd die Börse. „Eine Rheintochter bin ich zwar nicht," sagte er heiter, „aber ich denke, mein Gold nehmen Sie ebenso gern wie das ihre!" Sprach's und drückte dem freudig Ueberraschten ein Zehnmarkstück in die Hand. An der Anlegestelle stand bereits Friedrich und eilte den Nahenden voll außergewöhnlicher Hast entgegen. „Na, Alter, hattest Du schon Sehnsucht nach uns, oder glaubtest Du, der Rheinstein habe uns in Hast behalten?" „Um Vergebung, Mr. Luxor, hier ist soeben eine Depesche von daheim nachgeschickt!" stotterte der Getreue in sichtlicher Erregung. „Eine Depesche?!" „Um Himmelswillen, vom wem, Onkel?!" Der Graf riß das Papier schnell auseinander und über- flog den Inhalt. „Hm . . . nichts allzu Trauriges, wenn auch für Lilian wohl nicht angenehm, da sie ihre Reisedisposition völlig ändern muß! Hier, lies selber, Darling!" Das junge Mädchen griff hastig nach dem Papier. „Pia soll nicht nach Holland reisen, sondern hierher zurückkehren. Onkel Robert ist als Gesandter nach Persien versetzt und hält es selber nicht für rathsam, Pia sogleich nach dort mitzunehmen," las sie und dann athmete sie wie von Centnerlasten der Angst befreit auf. „Gott sei Dank — Sie lächeln, Miß Lilian!" - Hellmuth stand vor ihr und blickte ängstlich forschend in ihr Gesicht: „So sind es doch keine schlimme Nachrichten gewesen, welche Sie erhielten!" Sie schüttelte hastig das Köpfchen und folgte an seiner Seite dem vorauseilenden Grafen, welcher seiner Gattin und Fränzchen den Inhalt des Telegramms mitzutheilen schien. „Nein, glücklicherweise ist es nichts Schlimmes!" sagte sie und zum ersten Mal wieder traf ihn ihr leuchtender Blick: „Ich sollte nach unserer Rheinfahrt Verwandte im Ausland besuchen, erhalte aber soeben die Mittheilung, daß dieselben genöthigt sind, eine lange Reise über die See zu machen, dadurch bin ich meinen Verpflichtungen enthoben und kann Gottlob hier in Deutschland bleiben!" „In Deutschland bleiben, ja — Gott sei Lob und Dank dafür! — O, Miß Lilian — eine liebere und bessere Nachricht hätte die Depesche ja niemals bringen können!" Welch ein Jubel lag in seiner Stimme! wie sagte ihr Klang so tausendmal mehr noch wie seine Worte! „Miß Lilian, darf ich . .?" Er verstummte, denn Fränzchen hatte sich jählings um gewandt und eilte mit hastigen Schritten an Pias Seite zurück. Ihr mißtrauischer Blick flog prüfend über die Gesichter und Beide empfanden in diesem Augenblick den Schatten der Syringensträuche, in welchen sie eintraten, als Wohlthat. Fränzchen aber heftete sich wie eine Klette an die Seite der Cousine, war still und einsilbig und wich während des ganzen Abends nicht mehr aus der Nähe der beiden jungen Leute. Selten hatte man so wenig während des Abendessens geplaudert wie heute. Das unermüdliche Scherzen und Lachen des Backfischchens war verstummt. Mr. Luxor klagte über ein wenig Kopfweh, und Pia war zerstreut und wortkarg, wenngleich ihr Antlitz, rosig und lächelnd, keinerlei körperliche Ermüdung verrieth. Die beiden Herren sprachen zumeist über Jagd, und oft erhaschte Pia einen Blick der Comtesse, wie er düster, beinah feindselig den ehedem so guten Freund streifte. Ein jäher Schreck durchbebte sie. Was sie gefürchtet, war eingetroffen. Fränzchen hatte sich mit der ganzen Leidenschaftlichkeit ihres Characters in Hellmuth verliebt. Die Ueberzeugung, daß er verheirathet sei, hatte ihre Schwärmerei harmlos gestaltet und sie scherzte sich selber den Ernst ihrer Empfindungen von der Seele. Plötzlich durchzuckt sie wie ein Blitz die Erkenntniß, daß der junge Forstmann kein Gatte und Familienvater ist, und just in dem Augenblick, als wohl ihr junges Herz voll himmelhochjauchzenden Entzückens erbebt, muß sie beobachten, daß der Mann ihrer Liebe sein Herz einer Anderen geschenkt hat, — daß sie ihn in dem Augenblick, wo sie ihn zu gewinnen glaubte, — für immer verloren. Nun scheinen sie Qualen der Eifersucht zu foltern! Sie grollt ihm, — sie haßt ihn vielleicht, und ebenso eigenwillig, wie sie ihn zu dem Familienkreise heranzog, wird sie ihn wieder von sich stoßen und Alles thun, den Verräther so schnell wie möglich zu entfernen. Nun ist es vorbei mit dem selig stillen Glück dieses Zusammenlebens, — soll es auch für immer zwischen ihnen aus sein? — Nein, nie und nimmermehr! heiß und leidenschaftlich wallt es in Pias Herzen auf, sie liebt ihn! sie liebt ihn, so wie sie denjenigen Mann lieben muß und will, welchem sie sich für ein ganzes Leben zu eigen giebt! — das fühlt und empfindet sie jetzt, in der Angst, ihn zu verlieren. Und auch sie ist seinem Herzen theuer, das weiß sie nun gewiß. Keine Macht der Welt soll mehr hindernd zwischen sie treten, die Rosenknospe ihrer Liebe ist voller und voller entsprossen, — wer weiß, — ob sie nicht schon am morgenden Tag i steigen an, - knospei 5 zurückz deuten 8 Bromk reichen recht c zur T! die Ha als G> A scheint festem noch bt er so s Sie M Fenster nicht zi zauberi Miß L W Legt er Le den erl P> liebevol Fränzel und tot, mittheil unserer „9 wo rot Friinzch älter al „2 mit sich Euch!" Wunsch, „3 im Hau und die Co Blick ta „Gut," sehe ich bewacht De Er lehrt so lieber er verbi und erfr Wi Ruhe be Heimkon So Als bemerkt und zwe Er 567 Lag ihren Kelch zur vollen Blüthe erschließt? Dunkle Wolken steigen am Himmel auf, — sie künden Sturm und Wetter an, — und just diese sprengen voll Zaubermacht die Lenzes- knospen. Die Gräfin wünscht sich allsozleich nach dem Thee zurückzuziehen,- man sagt sich Gutenacht und trennt sich bedeutend früher wie sonst. Fränzchen behauptet grollend, ihre „Flossen" seien vom Brombeergelee so klebrig, daß sie keinem Menschen die Hand reichen könne. — Statt dessen wirst sie dem Assessor einen recht grimmigen Blick zu, nimmt Pia am Arm und zieht sie zur Thür. „Komm — wir lesen noch ein wenig den Trompeter!" Fräulein von Nördlingen reicht dem jungen Forstmann die Hand, — Auge ruht in Auge und sagt so viel mehr als Gutenacht! Auch Hellmuth scheint die Situation zu begreifen, scheint es zu empfinden, daß eine Entscheidung drängt. Mit festem Druck umfaßt er die schlanken Finger. „Sie lesen noch den Trompeter, mein gnädiges Fräulein?" — sagte er so scherzend, wie es ihm möglich ist. „Nun dann haben Sie Mitleid mit dem armen Burschen, der Nachts vor dem Fenster der Geliebten seine Lieder bläst! Er konnte anders nicht zu ihr reden, und baute sich darum aus Tönen die zauberische Leiter zu Söller und Thurm! Gutenacht, Miß Lilian!" Wie bedeutsam er sie bei diesen Worten anblickte? Legt er ihnen einen tieferen Sinn zu Grund? Langsam, schweigend schreitet sie mit Fränzchen durch den erleuchteten schmalen Corridor. Plötzlich bleibt sie stehen und legt dem Backfischchen mit liebevollem Blick die Hände auf die Schultern. „Hör, Fränzel, erlaß mir heut das Lesen! es wird sehr viel besser und wichtiger sein, wenn ich nach Hause schreibe und Mama mittheile, daß ich die Depesche empfangen habe und nach unserer beendigten Rheinfahrt direct zu den Eltern heimkehre!" „Nein — Du gehst wieder ipit uns nach Niedeck oder wo wir sonst Hinreisen — Du bleibst bet uns!" trotzt Fränzchen mit rauher Stimme und sieht plötzlich sehr viel älter aus. „Wenn Deine Eltern mich nicht so lange als Ueberfracht mit sich Herumschleppen wollen, so bleibe ich gewiß gern bei Euch!" nickte Pia beschwichtigend, nur mit dem sehnsüchtigen Wunsch, die unliebsame Gesellschaft ein wenig los zu werden, — „schreiben muß ich doch auf jeden Fall!" „Ich setze mich zu Dir!" „Das stört mich ja, bestes Herz! Du weißt, daß ich im Hause des Onkels an gar keinen Verkehr gewöhnt war und die Einsamkeit am Schreibtisch benöthige!" Comteßchen kneift die Lippen ein. Ein wunderlicher Blick taucht scharf und forschend in die Augen der Sprecherin. „Gut," sagt sie kurz, „ich gehe, aber von Zeit zu Zeit sehe ich einmal nach Dir!" „Das wird mir sehr lieb sein! also auf Wiedersehen!" Pia muß lächeln. Fraglos, das eifersüchtige Mädel bewacht sie. Der Assessor verabschiedet sich auch von dem Grafen. Er lehnt die Cigarre, welche dieser ihm anbietet, ab. „Ich möchte gern noch ein wenig im Kurhaus mit dem so liebenswürdigen jungen Arzt der Anstalt plaudern!" sagt er verbindlich. „Vielleicht schließen Sie sich an, Mr. Luxor, und erfreuen uns durch Ihre so liebenswürdige Gesellschaft!" Willibald lehnt dankend ab, seine Frau bedürfe größter Ruhe bei ihren Migräneansällen und da würde ein späteres Heimkommen sie stören. So trennt man sich. Als der junge Forstmann eilig die Treppe hinabsteigt, bemerkt er nicht, daß sich eine Thür ein klein wenig öffnet und zwei blitzende Augen ihm nachschauen. Er sieht auch nicht, daß eine Gestalt leise hinter ihm her huscht und ihm in dem Schatten der Gartenanlagen folgt, bis zum Kurhaus. Dort bleibt sie stehen und beugt nur den Kopf behutsam hinter den Zweigen hervor, um zu spähen, ob die hohe Männerfigur wirklich hinter der Kurhausthür verschwindet. Sie thut es. Da athmet Fränzchen tief auf und wandelt langsamen Schrittes auf den Gartenwegen hin und her. Es ist einsam, noch sind nicht viele Kurgäste, der frühen Jahreszeit wegen, hier. — Außer der Familie Luxor wohnt wohl nur der Forstassesfor in der Dependence, da ist nicht viel Verkehr in dem jungbelaubten Garten. Comteßchen scheint recht befriedigt von dem Ergebniß ihrer Beobachtung, — sie Pfeift leise und triumphirend „Die Wacht am Rhein" vor sich hin und macht dazu ein Gesicht, welchem nur der Schnurrbart fehlt, um einem Krieger auf Vorposten täuschend ähnlich zu sein. Nach kurzer Zeit paßt sie einen Moment ab, wo es besonders still im Kurhause ist, tritt muthig in den Corridor und weicht schnell wieder zurück, als Schritte und Stimmen auf der Treppe laut werden. „Aha! da ist er." „Gehen wir doch noch eine Stunde in die Krone! Der Wirth ist sehr musikalisch und spielt uns etwas vor, dieweil wir uns seinen vortrefflichen rothen Aßmannshäuser munden lassen." Die Stimme des jungen Badearztes, und richtig, nun erscheinen sie Beide im Laternenschein und wandern dem Dorfe zu. Kränzchens Augen blitzen befriedigt auf. Nun sitzt er „Nummer Sicher" bei dem rothen Aßmannshäuser und läßt sich jeden Rendez-vous-Gedanken mit Pia vergehen. Und morgen? — Nun, da wird sie wieder rechtzeitig zur Stelle sein, um die Beiden zu trennen, und wird dafür Sorge tragen, daß die Eltern schleunigst weiter reisen und jede Beziehung zu dem Falschen, Hinterlistigen abbrechen! Giebt er vor, verheirathet zu sein, nur um desto ungenierter die Cour machen zu können, ihr, der Pia! — als ob ein Mädchen mit sechzehn Ahnen nichts Besseres zu thun hätte, als einen Herrn Hellmuth zu heirathen! Fränzchen krampft zornig die Hände zusammen und stiefelt im Sturmschritt nach der Villa zurück, um bei halbgeschlossener Thür jeden Schritt im Corrivor zu überwachen. — Vorsicht ist immer gut, und Liebe und Effersucht schlafen selbst mit offenen Augen! Capitel 20. „Feinslieb — ich thue Dich grüßen I" I. 33. v. Scheffel. Nun behüt' Dich Gott, herztausiger Schatz, Du sichst mich nimmermehr! — Volkslied. In dem Thurmzimmerchen, welches Pia bewohnt, hatte lange das Licht gebrannt. Spät nach Mitternacht erst war es erloschen, als letztes in der Burgvilla. Nun stand der Mond im voller Silberpracht am Himmel und malte einen breiten Silberstreifen auf das Wasser, langhin wallend bis nach Sonneck und Falkenburg hinüber, deren Runen grell beleuchtet wie Märcheugebilde über den dunklen Bergen schwebten. Weich und warm wogte die Luft, Ströme von Duft quollen aus den blühenden Gebüschen, in welchen die Nachtigall von wonnigen Qualen der Liebe sang. Stern an Stern funkelte am klaren Himmel, tiefer, zauberhafter Frieden ruhte auf dem schönsten aller landschaftlichen Bilder und selten nur, lautlos wie ein Traum, glitt ein Schiff mit gelbglühenden Lichtern den Rhein hinab. Wie ein Schatten zieht es dem Ufer zu — ein kleines Boot, welches vorsichtige Ruderschläge treiben. Wie funkelnder Thau sprüht es auf, wenn sich die Ruder heben — und wo das Steuer in das klare Wafferband einschnitt, zieht sich ein blinkender Schweif lang und zitternd hinter dem Schiffchen her. (Forts, folgt.) 568 Gein-knnütziges. Um unsere lieben Kleinen im Winter nach Möglichkeit vor Halskrankheitert zu schützen, sie aber doch nach Herzenslust in der kalten Winterluft mit Schneeballwerfen und Schlittenfahren spielen lassen zu können, empfiehlt es fich, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, daß die Kinder vor jedem Ausgange den Mund mit frischem Trinkwasser gurgeln, wohl auch langsam Wasser trinken, damit die Rachenschleimhäute schon genügend abgekühlt und dadurch unempfindlicher sind, wenn die Kinder in üppiger Lebensfreude laut jnbiliren und der schneidend kalten Luft ungehinderte Berührung mit den inneren Luftwegen gestatten, wodurch so oft schwere Krankheiten entstehen. Auch lasse man die Kinder nie direct von der warmen Stube ins Freie, sondern halte sie stets etwas im Hausgange auf. Durch diese kleinen Mittelchen kann manche Krankheit verhütet werden. • * • Förderung der Obstbaumzncht durch die Schule. „Ich bin der Ansicht, so schreibt ein Lehrer einem bayerischen Blatt, daß die Schule in erster Linie berufen ist, die Obstbaumzucht zu fördern und ich erachte es als eine Pflicht der Lehrer, bei den Kindern Lust und Liebe zur Obstbaumzucht zu wecken. Wenn dies allgemein geschieht, so bin ich überzeugt, daß die Obstbaumfrevel ganz verschwinden und die Obstbaumzucht zum allgemeinen Nutzen großen Aufschwung erfährt. Um nun bei den Kindern Lust und Freude am Obstbau zu erzielen, muß in meiner Schule jeder Knabe der 3. Klasse außer den allgemeinen Arbeiten im Schulobstgarten ein eigenes Bäumchen pflanzen, veredeln und pflegen. Beim Austritte aus der Schule erhält dann der betreffende Knabe feinen Pflegling zum Geschenke und kann denselben im elterlichen Anwesen nutzbringend verpflanzen. Ich glaube, daß Hunderte von Collegen dieses Mittel anwenden, um bei den Kindern Lust und Liebe zum Obstbau zu fördern, und ich zweifle nicht, daß stets der Zweck erreicht wird." — Dazu bemerkt der „Practische Wegweiser", Würzburg, folgendes: Es wäre nur zu wünschen, daß der geschenkte Pflegling auch thatsächlich den Anforderungen, welche man von einem pflanzfähigen Obstbaume verlangt, entspricht. Bekanntlich tragen solche Versuchsobjecte noch lauge die Spuren einer erfolglosen Behandlung seitens ihres Erziehers als abschreckendes Beispiel: „wie der Baum nicht sein soll." Da wäre es freilich besser, wenn die Knaben den Schnitt und die Pflege an „fertigen" Obstbäumen, wie sie unsere Handelsbaum- fchulen liefern, erlernen würden und die Veredlung und Umpfropfung an älteren Bäumen versuchen würden. Das wäre vvrtheilhafter für das Verständniß der Knaben und der kürzere Weg zur Förderung des Obstbaues. * * * Der Schellfisch wird, frisch vom Einkauf heimgebracht, eine Weile gewässert, — nicht geschuppt, in kaltem Wasser (nicht viel Salz) zum Feuer gesetzt, einmal leicht aufgekocht und noch etwas ziehen lassen. Frische Butter wird (wenn ungesalzen mit ein paar Körnchen Salz) hellbraun gemacht, mit einigen Tropfen Citronensast und Maggi abgeschmeckt, über den mit in Salzwasser abgekochten Kartoffeln garnirten Fisch gegossen. » * * Schutz der Mistbeetkästchen vor Holzfäule. Zur Verhinderung der Holzsäule bewährt sich von allen angepriesenen Mitteln immer noch am besten das natürlichste aus Holz gewonnene Erzeugniß, der Holztheer. Bei kühlem Wetter muß derselbe he^ß aufgetragen werden, damit er von dem Holz, das gut trocken sein muß, aufgesogen wird. Auch für die Rahmen der Mistbeetfenster, Gewächshäuser und für Deckläden empfiehlt sich derselbe. Oelfarbe hält zwar die Feuchtigkeit ab, verhindert aber den Zutritt der Luft, infolgedessen da- Holz sozusagen „nicht athmen" kann, und dann wie man e- häufig bei sorgfältig mit Oelfarbe geestichenen Rahmen bemerkt, von innen heraus stockt! * * * Apfeltorte. Rolle einen Boden von Mürbteig außen mit einem Rand und backe ihn nur etwas an, dämpfe hierauf etwas gute mürbe Aepfel mit einem Gläschen Arac, etwas Zimmt und Zucker, schütte die gedämpften Aepfel in einen Seiher, damit der Saft abläuft und bestreiche den Boden mit dieser Füllung - hierauf kommt ein Gitter von Mürbteig darüber, die leeren Fugen des Gitters fülle man mit gelber Arac- glasur. • * * Apfeltorte anderer Art. Ein Springreif mit Mürbteig ausgelegt, geschälte und würflig gehackte Aepfel hineingefüllt, etwas reine Weinbeeren oder Sultaninen, ein Gitter von Mürbteig darüber, mit Eigelb gestrichen und gebacken. Können auch Kirschen rc. statt Aepfel verwendet werden. * * * Käskuchen. Lege eine Springform mit Mürbteig aus, dann werden 350 Gramm süßer Käs ganz zart in einer Schüssel verrieben, rühre erst 70 Gramm feinstes Mehl, dann drei Eigelb und 100 Gramm Zucker dazu, verdünne diese Masse nach und nach unter fortwährendem Rühren mit l/t Liter Milch, schlage dann 4 Eiweiß zu festem Schnee und das Ganze in den Schneekessel und vermenge es recht gut (Form vorher mit Mübteig etwas anbacken), schütte die Masse in die Form, streue etwas Rosinen resp. Sultaninen darauf, sodann wird das Ganze auf einem Unterschiebblech bei starker Hitze gebacken. Sobald der Käskuchen oben eine braungelbe Farbe hat, muß er behutsam aus dem Ofen genommen werden, damit sich die Masse nicht setzt und speckig wird. Hrrinovistisches. Zwischen Pensionärinnen. Erna: „Deine Mama ist heute schon wieder inS Burgtheater gegangen?" — Elise: „Natürlich! Meine Mama läßt kein Drama aus!" — Erna: „Schrecklich! Das ist ja die reine Dramamama!" * * * Mißverständntß. „Sehen Sie, der Mann, der da reitet, ist vor zehn Jahren mit einem Paar zerrissener Hosen nach Berlin gekommen und jetzt hat er zwei Millionen." — /,Aber ich bitte Sie, was fängt der Mann mit zwei Millionen zerrissener Hosen an?" * ♦ * Galant. Herr: „Gnädige wollen sich also dem Studium der Medicin widmen?" — Dame: „Allerdings!" — Herr: „Dann werden männliche Patienten aber wohl nie unter Ihrer Behandlnng gesund werden." — Dame: „Warum denn nicht?" — Herr: „Sie werden alle herzkrank werden." * * * Unter Sonnenbrüdern. Lude: „Na, Ede, wat loofste denn so, wo willste denn hin?" — „Jn't Leihhaus, wat versetzen!" — Lude: „Daß Du bet Renommiren nich lassen kannst!" * * • Zeit genug. Principal: „Müller, schon wieder kommen Sie eine halbe Stunde zu spät, was soll das heißen?" — Commis: „Herr Schulze, meine alte Großmutter ist gestorben." — Principal: „So, ist da denn außer den Geschäftsstunden nicht Zeit genug dazu?!" Sebartie»; «l, GH-Ydg. ~ ®ru