!kin noch so 7 im Salon Farben zu daher auch s Mädchen, r schwarzes weiße Ballsehen, wenn der Selbst- , daß das ils was sich n Begriffen in England ßeren Men- kostbar ist . Den be- als elegan- Hdungsstück i, warmen, n gefüttert, an hier des n, eines der welche für rste Modell, i-Bengaline, ,enform ge° x schwarzen jtoerent rosa i" repräsen- , welche sich s dem neu« Den Sattel line-Chiffon, ^ederköpfchen raufe. Das en Mantels en, daß das :m unglaub- wurde, und des Duftes ten erfreuen ß sorglicher wiebeln vor t man sie, :ei bis vier hnen nichts rer Conser- Aufbewahrt m trockenen, mf Wasser- kann man, übt, etwas send wird, lden. Ein- ls gefüllte, icht in das and stehen, nklen Orte Erst dann Gicßm, Der Majoratsherr. Roman von Nataly ». Eschstruth. (Fortsetzung.) In demselben Zimmerche», auf demselben Stuhl, wo einst Tante Johanna saß und gequälten Herzens den Blick zum Himmel hob, saß jetzt ihr Liebling Pia und preßte das Antlitz schluchzend in die Hände. Es waren Thränen der Verzweiflung, der leidenschaftlichsten Empörung, welche so brennend heiß durch die schlanken Finger perlten. Ihre heiligsten, lautersten Gefühle waren verletzt, ihr Stolz zuckte unter dem Keulenschlag, welcher ihn getroffen. Als Waare — als willen- und gefühllose Waare sollte sie verhandelt werden, — wie eine Sclavin schleppte man sie auf den Markt, pries ihre sechzehn Ahnen mit prahlerischem Geschrei an und der Mann, welcher just eine Stammtafel dieses Inhalts gebrauchte, um damit im Eintausch eines Majorats ein gutes Geschäft zu machen, kam mit gleichgültigem Blick, das nothwendige liebel, welches zu dem alten Stammbaum gehörte, in Augenschein zu nehmen! Wozu noch diese entehrende, demüthigende Comödie? Ob sie ihm gefiel oder nicht, — es war ja so gleichgültig! er wählte sie ja doch nie und nimmer aus freiem Antrieb, aus Liebe und herzlicher Zuneigung, er heirathete sie eben nur darum, weil er sie freien mußte, weil ihm keine andere Wahl blieb, weil die rücksichtslose Clausel int Erbfolgerecht ihre Bedingung stellte! Hatte Willibald gezögert, Tante Johanna heimzuführen? Sie, die Alternde, Verkrüppelte, nach welcher sonst nie ein anderer Mann, selbst der bescheidenste nicht, die Hände ausgestreckt hatte? Tante Johanna behauptete ja, sie sei überschwenglich glücklich geworden! Sie aber zur Glücklichsten zu machen, — dazu gehörte nicht viel! Ihre Engelsanstmuth, ihre Bescheidenheit, welche an Unterwürfigkeit grenzte, — ihre namenlose Dankbarkeit Donnerstag den 4. November 1897. ig-ssen. Tfiy Mill chick' nicht in's Leben spähend Deine Blicke, Das Glück erwartend mit der Sehnsucht Pein — Bau' Dir zum Glück mit eig'ner Hand die Brücke; Beglücke Du, so wirst Du glücklich sein. Blüthgen. für die kleinste Freundschaft und Aufmerksamkeit — ja, wie hätte Tante Johanna jemals an der Seite eines Mannes unglücklich werden sollen, wenn derselbe ihr sattsam zu essen gegeben hätte, ohne sie zu prügeln! ! Aber Pia trug nicht die Seraphschwingen dieser Dulderin an den Schultern! So, wie einst Johanna hier geseffen hatte und daS Kommen eines Grafen zum Inbegriff all ihres Glückes, zur Erfüllung ihrer sehnlichsten Träume ward, so saß jetzt ihre Nichte an demselben Platz und zermarterte ihr Köpfchen mit den abenteuerlichsten Plänen, wie sie den verhaßten Unbekannten, den Grafen Niedeck, fernhalten könne! Sie sagte sich selbst, daß sie bei den Eltern kein Ver« ständniß für ihre Herzensnoth finden werde, daß Vorstellungen und Bitten erfolglos bleiben würden, und sie sagte sich ferner, daß Graf Wulff - Dietrich huldvollst ihre Hand acceptiren würde, wenn er sich überzeugt hätte, daß die „offizielle" Gattin, welche er heimführen mußte, kein Ungeheuer an Häßlichkeit oder Bosheit sei! Pia, die Spröde, Feinfühlige, zitterte vor Scham bei dem Gedanken an ihr Begegnen mit dem Grafen. Es durfte nicht stattfinden, nun und nimmermehr! Aber wie sollte sie es verhindern? Von ihr durfte das Vereiteln der elterlichen Pläne nicht ausgehen, — es würde sie das Vaterhaus und die Heimath kosten, es würde alle Baude zwischen ihr und den Menschen zerreißen, welche ihrem Herzen auf der Welt am nächsten standen! An Tante Johanna schreiben? Gerade sie kann in dieser Angelegenheit, wo es sich um ihr Besitzthum handelt, unmöglich für sie eintreten! Was thun?! Plötzlich zuckt es wie ein rettender Gedanke durch ihr Köpfchen/ die rothgeweinten Augen strahlen auf, ein Schimmer rosiger Hoffnung verklärt ihr Antlitz. Sie wird an Graf Wulff-Dietrich selber schreiben! Man sagt ja, er sei ein Ehrenmann, reich an allen Tugenden, ist es tatsächlich der Fall, so ist er vielleicht ritterlich genug, ihr zu Hilfe zu kommen. Pia kräuselt ironisch die Lippen. (Siebt es heutzutage tatsächlich noch Männer, deren Ritterlichkeit noch größer ist, wie ihr Goldgier? Wenn sie ihm schreibt, daß sie die befohlene und erzwungene Ehe zwischen ihnen unmoralisch und entwürdigend, für ihren Stolz geradezu unerträglich findet, so wird er sicher voll diplomatischer Gewandtheit alle möglichen Ausflüchte und Spitzfindigkeiten in das Treffen schicken, wird sich auf die, durch Jahrhunderte geheiligte Tradition berufen, und wird die Couvenienz der Fürstenehen citireu und was es dergleichen mehr an klingenden Phrasen giebt. Nein, damit packt sie ihn nicht bei der Ehre, damit faßt sie nicht jene einzige Ansicht, über welche es für ritterlich denkende Männer kein Disputiren giebt. Sie wird es anders anfangen, jesuitisch — mit dem Wiegenliedlein für ihre Scrupel, daß ja der Zweck die Mittel heiligt,- Pia nimmt mit stürmenden Pulsen Feder und Papier zur Hand und setzt sich nieder, an Wulff-Dietrich zu schreiben: „Sehr geehrter Herr Graf! Es wird Sie überraschen, einen Brief von mir, der Unbekannten, zu erhalten. Ich weiß, daß es durchaus gegen Form und gute Sitte verstößt, wenn eine junge Dame an einen fremden jungen Herrn einen Brief richtet; es giebt aber Lebenslagen, in welchen alle Rücksichten schweigen müssen, in welchen alle Nebensachen vor der großen, ernsten Hauptsache schwinden Verzeihen Sie, wenn ich eine Angelegenheit berühre, welche uns Beiden fremd ist, und nächster Zeit doch zwischen uns hätte erörtert werden müssen. Es betrifft die rein geschäftliche Abmachung unserer Eltern, uns zu ver heirathen. Ich kenne Sie nicht, Herr Graf, also können diese Zeilen Sie auch nicht beleidigen. Meine Ansichten über eine derart gewaltsame Vereinigung zweier Menschen, welche vielleicht in nichts harmoniren und keinen Funken von Sympathie, geschweige von Liebe für einander fühlen, diese Ansichten möchte ich Ihnen gar nicht erst aussprechen, denn ich hoffe, Sie theilen dieselben mit mir. Sicherlich würde es auch Sie sehr unangenehm berührt haben, eine Frau zu heirathen, welche nur auf Befehl der Eltern ihr Jawort gegeben! Wenn ich mich aber jetzt in meiner Verzweiflung an Sie wende, hochgeehrter Herr Graf, mit aller Zuversicht auf Ihren Edelmuth und allem Vertrauen in Ihre Ritterlichkeit, so werden Sie mir gewiß nicht die Hilfe versagen, um welche ich Sie anflehen möchte! „Ich liebe, Herr Graf! Liebe mit der ganzen heißen Innigkeit einer tiefen Neigung einen Mann, welchem ich Treue gelobt habe und welchem ich auch Treue halten will, — bis zum Tode. — Seiner Werbung steht viel, — Alles im Wege, so lange meine Eltern in der unglückseligen Zuversicht leben, in Ihnen den reicheren, und darum willkommeneren Freier begrüßen zu können. Eine Weigerung meinerseits, mit Ihnen auf den Hofball am 14. dieses Monats zusammenzutreffen, würde eine Vernichtung all der heißen Wünsche sein, welche mein Verlobter und ich in die Zukunft setzen, denn der Zorn meines Vaters würde mich zu strafen wissen. Nun wende ich mich an Sie, hochverehrter Herr Graf, und beschwöre Sie bei Allem, was Ihnen heilig ist, erbarmen Sie sich meiner und kommen Sie am 14. dieses Monats nicht auf den Ball. Eine Depesche kann Sie im letzten Moment entschuldigen, ersparen Sie uns Beiden das entsetzlich Peinliche einer persönlichen Begegnung! — Ich würde es Ihnen in unbegrenzter Dankbarkeit zeitlebens gedenken! — Ich weiß, daß ich viel, sehr viel von Ihnen verlange, denn es blieb mir nicht unbekannt, daß sich Ihre reiche Erbschaft an meine sechzehn Ahnen knüpft; aber mein Glaube an Ihren Edelmuth, an Ihren Rittersinn ist größer, wie meine Angst vor Ihrem Trachten nach Gold und Schätzen. Ich bin zu Ende mit meiner Beichte, ich lege sie vertrauend in Ihre Hand. — Schreiben Sie mir keine Antwort. — Antworten Sie mir durch Ihr Fernbleiben, — und ich werde Sie segnen dafür! Pia, Freiin von Nördlingen-Gummersbach." Als die junge Dame diese Zeilen in fliegender Hast zu Papier gebracht, las sie das Geschriebene noch einmal flüchtig durch und lehnte sich alsdann mit glühenden Wangen in den Sessel zurück. Eigentlich war es unerhört, was sie da geschrieben hatte! Lügen, schreckliche Lügen von Siebe — Treue — und einem Verlobten! Wäre sie gar nicht zu aufgeregt und außer sich gewesen, sie würde hell aufgelacht haben!" That sie unrecht? — Ein großes Unrecht I Gewiß nicht, sie kam nur der Lüge des Grafen: „Ich liebe Dich" — geschickt zuvor. Und etwas stark aufgetragen mußte das Schriftstück sein, denn ein Mann, welcher sich überhaupt zu so einem entwürdigenden Menschenhandel hergab, der war nicht so peinlich in seinen Ansichten. Da mußte schon schweres Geschütz aufgefahren werden, sollte in solch ein Herz die Bresche des Mitleids geschossen werden. Pia siegelte und adressirte den Brief, dann hüllte sie sich in Pelzmantel und Kopftuch und eilte, fiebernd vor Ungeduld, in den Schneesturm hinaus, das wichtige Schreiben eigenhändig zu besorgen. Ungesehen kam sie wieder heim und setzte sich in das Fenstereckchen, um sich nun einem Hangen und Bangen in schwebender Pein hinzugeben. Dann schritt sie abermals zu dem Schreibtisch, um einen Brief an Taute Johanna zu verfassen. Sie schüttelte ihr rückhaltslos ihr Herz aus. „Wenn es irgend angeht, Herzenstantchen, lade mich zu Dir ein, damit ich so bald wie möglich von hier wegkomme!" bat sie zum Schluß. Ich kenne Cousine Fränzchen noch nicht, und es wäre doch hohe Zeit, daß wir Freundschaft schlössen." * * * Die Tage vergingen schnell und der Hofball kam. Frau von Nördlingen that Alles, was in ihren Kräften stand, um der Tochter gut zuzureden, und der Oberstlieutenant war die verkörperte Güte und Liebenswürdigkeit, stets von Neuem bewußt, den Glanz des Niedeck'schen Majorats in überschwenglichster Weise auszumalen. Und Pia schien wirklich auch nachgiebiger zu werden, wenn sie auch still und blaß, mit verweinten Augen umherging. „Die ganze Stadt spricht bereits von Graf Wulff- Dietrichs Brautschau!" sagte sie aufgeregt. „Man erwartet unsere Verlobung mit Bestimmtheit, o, Mama, wenn ich ihm nun nicht gefalle, wenn er schon eine Andere erwählt hätte, — Graf Hartwig soll jüngsthin erzählt haben, sein Bruder wolle sich an Landesfürst und Kaiser wenden, daß die Erbschaftsclausel als unhaltbar aufgehoben werde, ach, ich würde sterben vor Scham und Stolz, wenn er sich nicht mit mir verlobte." Der Oberstlieutenant drehte grimmig den Schnurrbart in die Höhe. „Ich wollte es ihm nicht rathen!" wetterte er. „Meine Tochter ist keine Puppe, die man besehen und ungekauft wieder aus der Hand legen kann!" Er sah es in seiner Erregung nicht, daß es um Pias Lippen wie stolze Genugthuung zuckte. Bezaubernder wie je stand die junge Baroneß vor dem Spiegel und starrte mit fiebernden Pulsen auf ihr wunderholdes Bild. Sie empfand es selber, kam Gras Wulff, so trat er freiwillig nicht mehr zurück, eine namenlose, schwindelnde Aufregung folterte sie, mechanisch stieg sie in den Wagen und fühlte, daß ihr Herzschlag stockte bei der quälenden Frage: „Wird er kommen?" Capitel 11. Er lebt vom bloßen Pflichttheil seines Lebens und giebt die volle Erbschaft hin! Tiedge. Als Pia den Saal betrat, mußte sie durch etliche Reihen junger Herren schreiten, welche erwartungsvoll in der Nähe der vergoldeten Flügelthüren Spalier bildeten, und bei dem entzückenden Anblick der „unbekannten Göttin" überrascht zurücktraten. Die wohlfrisirten Häupter neigten sich grüßend, die Sporen klangen mit melodischem Silberklang zusammen, und dann flüsterte es von Mund zu Mund: — „Wer war das?" — brillante Erscheinung! — bildhübsch! Alle Wetter, diese Auffrischung that unserer Blüthenlese noth!" „Baroneß Nördlingen-Gummersbach!" „Thatsächlich? die schöne Pia?" „Ganz frisch aus dem Haag verschrieben! Für Wulff- Dietrich, den Majorathsherrn, welcher sechzehn Ahnen zum Heirathen braucht!" „Gratulire! dann hat er eben einen colossalen Dusel, und kommt besser weg wie sein Onkel Willibald!' „Auf Commando?" „Was hilft's! Vater hat ja die Sache schon vor zwanzig Jahren für ihn abgemacht!" „Merkwürdig! Man erzählt sich doch, Wulff-Dietrich habe eine stille Liebe für die kleine Edda Langenfeldt!" „Habe ich auch gehört! Soll sie glühend lieben und beabsichtigen, die Majoratserbfolge um ihretwillen schießen zu lassen!" „Aha — darum will Vater Rüdiger die Sache etwas gewaltsam zum Abschluß bringen!" „Na, na, wenn es ihm nur glückt! — Der Sohn ist ein Starrkopf par excellence ? Er wäre es im Stande, einen Strich durch die schönen Pläne zu ziehen!" „Aus alle Fälle wird es interessant sein, ihn heute Abend zu beobachten!" „Wenn er überhaupt kommt! Hahaha, ich traue es ihm zu, daß er das Rendezvous ablehnt!" „Pyramidal! — Das kann einen Hauptscherz geben!" Niemand der Herren hatte im Eifer der Unterhaltung bemerkt, daß der Oberstlieutenant von Nördlingen seiner Gemahlin und Tochter in kurzem Abstand gefolgt war und momentan an der Thüre stehen blieb. Der alte Herr hatte Wort für Wort vernommen. Das Blut stieg ihm siedend heiß zu Kopf. Er ärgerte sich unbeschreiblich, und empfand beinahe ein Gefühl ängstlichen Unbehagens bei dem Gedanken an die niedliche Gräfin Edda — dann aber lächelte er ironisch und hob den Kopf noch höher auf den Schultern. Pia nahm den Kampf mit ihr auf! Seine Pia, o, es war ja gar nicht möglich, daß Wulff-Dietrich so blödsinnig sein konnte, um einer sentimentalen Neigung willen ein Majorat wie Niedeck aufzugeben! Es wäre nicht allein rücksichtslos gegen seinen Vater, sondern au ti im höchsten Grade beleidigend gegen Pia — gegen ihn, Nördlingen! Es würde einfach unerhört, geradezu empörend sein! Aber nein. — Es ist ja lächerlich, nur an eine derartige Möglichkeit zu denken! Wäre Graf Rüdiger seines Sohnes nicht gewiß gewesen, würde er doch die ganze Heirathsgeschichte nicht erst eingerührt haben! Allerdings sprach er die dringende Bitte aus, Pia möchte Alles thun, um ihm zu gefallen ... hm — sollte doch etwas an dem Klatsch mit Edda Langenfeldt sein? Das leicht erregbare Blut des Freiherrn wallte auf, sein Auge blitzt wie in stolzer Drohung, — aber er har keine Zeit mehr, seinen Gedanken Audienz zu geben, Bekannte treten grüßend an ihn heran und etliche Herren bitten stürmisch, sie dem Fräulein Tochter vorzustellen. Pia steht gar bald umringt, sie plaudert graziös und anmuthig, und dennoch flackert es wie nervöse Unruhe in ihren Augen, und während sie mit lächelnden Lippen scherzt, schweift ihr Blick verstohlen über die Menge, nach Graf und Gräfin Niedeck auszuschauen. Endlich sieht sie die Brillanten Melanies funkeln. Am Arm ihres Gatten tritt sie — von der Gemälde- gallerie aus, in welcher sich die älteren Herrschaften versammeln und Aufstellung nehmen, in den Saal. Pias Herzschlag stockt. — Mit weit geöffneten Augen, in zitternder Erregung starrt sie auf das gräfliche Paar, — und athmet momentan auf, — Wulff-Dietrich folgt ihm nicht. — Hartwig eilt der Mutter entgegen und begrüßt sie in seiner chevalersken Weise. Melanie tnschelt eifrig hinter dem Fächer mit ihm und der junge Dragoner macht ein betroffenes Gesicht. Dann zuckt er die Achseln und lacht. Graf Rüdiger sieht entschieden verstimmt aus,- er scheint nach Pia zu fragen, Hartwig dreht wenigstens den Kopf hin und her und scheint sie zu suchen. Fräulein von Nördlingen wendet sich voll lebhafter Liebenswürdigkeit einem neu vorgestellten Herrn zu und vertieft sich so sehr in eine Unterhaltung mit ihm, daß sie es gar nicht zu bemerken scheint, wie die Niedecks, mit den Bekannten plaudernd, rechts und links grüßend, immer näher und näher zu ihr herankommen. Die Stimme einer bekannten Dame klingt an ihr Ohr. „Liebe Baroneß — darf ich Sie der Gräfin Niedeck vorstellen!" Pia wendet sich ohne absonderliche Hast, aber mit verbindlichem Lächeln der Genannten zu und küßt die dargebotene Hand! „Endlich lerne ich Sie kennen, mein theuerstes Fräulein von Nördlingen!" begrüßte sie Melanie in ihrer etwas exaltirten Weise. „Bei Besuch und Gegenbesuch haben wir uns natürlich verfehlt, wie das ja meist der Fall ist, — nun endlich kann ich Sie in der Heimath willkommen heißen! — Sieh doch, Rüdiger, welch eine Rose aus dem kleinen Knöspchen erblüht ist, feit wir la petita beim Taufdiner zuletzt gesehen!" Graf Rüdiger scheint in hohem Grade füberrascht von Pias Anblick. Sein entzückter Blick spricht noch mehr Schmeichelhaftes aus wie sein Mund, welcher sich beeifert, der jungen Dame die größten Liebenswürdigkeiten zu sagen! Durch alle charmanten Phrasen des gräflichen Paar s klingt aber dennoch eine gewisse Verlegenheit hindurch, welche Pia nicht entgeht, und während sie stolz und siegesschön vor ihnen steht und mit ganz wunderbar strahlenden Augen lächelt, stottert Graf Rüdiger ziemlich unvermittelt: „Denken Sie doch, welches Mißgeschick, Baroneß! mein armer ältester Sohn telegraphirt mir soeben, daß er bei der Jagd Pech gehabt und gestürzt sei, der Fuß ist verstaucht und wird ihn möglicherweise wochenlang an das Chaiselongue fesseln! Solch ein abscheuliches Mißgeschick! gerade heute, wo er sich so sehr auf den Ball gefreut hatte!" „Und welcher Schmerz erst, wenn ich ihm schreibe, was er Alles versäumt hat!" fügt die Gräfin mit bedeutsamem Blick hinzu: — „Nun, ich hoffe, der Brandbrief, welchen ich verfassen werde, wird die Heilung beschleunigen!" (Fortsetzung folgt.) GsrnsrniMtziges. Um das zu frühe Treiben der Pfirsich- und Aprikosenbäume zu vermeiden, hat man schon im Vorwinter, den Monaten November und December, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Man bedecke, nachdem der Erdboden hart gefroren ist, die Wurzeln der Bäume mit Stroh, Laub oder Dung. Die Erde kann unter dieser Decke von der Sonne nicht erwärmt und daher auch nicht auf- gethaut werden. Die Bäume bleiben in ihrer Entwickelung zurück und das zu frühe Treiben wird verhindert. Außerdem sorge man dafür, daß das Regen- und Thauwasser abgeleitet werde. * * * Die Cttltur -et Champignons. Um jahraus, jahrein reichliche Ernten von diesem kostbaren Pilz zu erzielen, züchte man die Pilze in Pferdeställen und zwar in Holzkästen von 1 Meter Länge, 3 Zentimeter Breite nnd 15 Zentimeter Höhe, welche man übereinander stellt und durch einen Vorhang gegen die Einwirkung des Lichtes schützt. In diese Kästen, die man mit altem, verrottetem Pferdemist und fetter Lauberde füllt, wird die Pilzbrut hineingebracht und dann ganz sich selbst überlassen. * * * Wässerige Kartoffeln mehliger zu machen. Zu diesem Zwecke sind sie vor der Zubereitung einfach in der 516 — Nähe des Ofens auszubreiten. Die Ofenwärme vollzieht den noch fehlenden Reifeprozeß und läßt den Mehlgehalt für den Geschmack und zum Nutzen der Bekömmlichkeit in richtigem Maße hervortreten. * * * Gegen das Hartwerden der Butter, das vielfach nur auf die Verabreichung von Rübenfutter zurückzuführen ist, empfiehlt sich die Zufütterung solcher Stoffe, welche die Eigenschaft besitzen, die Butter weich zu machen, so z. B. Rapskuchen, Reismehl, Haferschrot und Weizenkleie. Bon Rapskuchen dürfen indessen nicht mehr als 1 Kilo und ebenso von Reismehl nicht mehr als Vz Kilo pro Kopf und Tag gegeben werden. Haferschrot und Weizenkleie sind auch in größeren Gaben unbedenklich. Im Uebrigen richtet sich das erforderliche Quantum nach der Menge der verabreichten Rüben. * * * Gefüllter Kohl. Nachdem der Kohl rein geputzt und gewaschen ist, wird er, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, in der Mitte auseinander geschnitten und in Salzwasser nicht zu weich gekocht) dann läßt man ihn auf dem Sieb gut abtropfen. Ueberreste von Fleisch, sei es Kalbs- oder Schweinsbraten, werden mit grüner Petersilie, etwas geweichter Semmel und Mark fein zerschnitten, ein Ei, etwas Salz und einige Löffel Rahm darunter gerührt und damit der Kohl gefüllt. Eine Kasserolle wird nun mit Speck belegt, der Kohl hineingegeben, etwas Rahm, Semmelbrösel und Butter darüber und so gebacken. * ♦ * In wenigen Minuten kann man sich an kalten Winteriagen eine Wärme und Erquickung spendende Erfrischung bereiten, wenn man nur Liebigs Fleisch-Extract zur Hand hat. Eine mehr oder minder große Messerspitze davon mit siedendem Wasser aufgelöst, unter Hinzusügen von Salz und einem Stückchen Butter genügt, um eine Tasse treffliche Fleischbrühe zu erhalten, welche, noch einmal durchgekocht, den Körper mit neuer Kraft, den Geist mit neuer Frische erfüllt und die weit billiger und bekömmlicher ist, als die zu diesem Zweck gang und gäben Spirituosen. * * * Für eingesperrt gehaltene Hühner ist frisches Grün, in nicht zu großer Menge verabreicht, unerläßlich, um die Verdauung zu regeln. Auch für Legehühner ist frisches Grün unerläßlich, weil diese sonst zu fett werden, wenn sie nur Körnerfutter erhalten und dann ja die Eierproduction nachläßt. Geeignet ist jegliches Grünfutter, als Salat, Rübenblätter, Kohl, Spinat und selbst Gras. Wenn es grob ist, werde es zerkleinert/ was in rohem Zustande nicht genossen werden mag, erweist sich in gekochtem Zustande oftmals als Leckerbissen. Auch kleingeschnittene Zucker- und Mohrrüben bekommen unserm Geflügel durchaus und werden stets gern von ihm entgegen genommen. * s * Für zu überwinternde Topfgewächse ist die beste Temperatur eine solche von 2 bis 4 Grad R. Mit der Aufstellung der Gewächse, sei es im Zimmer, Keller, Corridor rc., richte man sich nach der Laubart. Pflanzen mit immergrünen und weichen Blättern bringe man in die Nähe des Fensters, hartblättrige immergrüne Gewächse, wie Lorbeer, Kirschlorbeer, Phormium, Rhododendron, Ilex, Aucca, Agave, Coniferen in den Keller. Laubabwerfende Arten, wie Hortensien, Fuchsien, Granaten u. A., können an ziemlich dunkler Stelle stehen. Das Begießen darf nur gering und selten stattfinden, je nach dem Bedarf der verschiedenen Pflanzensorten. * * » Baumwolle in leinenen Stoffen zn erkennen. Ein Smckchen von dem zu untersuchenden Stück wird in eine Lösung von Zucker und Kochsalz eingetaucht und wenn trocken geworden, verbrannt. Echt leinene Fäden lassen eine graue Kohle zurück, baumwollene hingegen ergeben eine schwarze Kohle. ____________ Literarisches Für „lieber Land und Meer", das alte Lieblingsjournal der gebildeten deutschen Familie, sind die glänzenden Zeiten wiedergekehrt, in denen die Namen Hackländer und Hallberger sich zu gemeinsamem Wirken vereinigten. Das erste Heft des beginnenden vierzigsten Jahrgangs bietet eine solche Fülle ausgesuchten literarischen Stosses und eine so hervorragende illustrative Ausstattung, zeigt in seiner Gesammt- heit ein solch glückliches Eingehen auf den Geschmack moderner Leser, daß cs die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise auf sich ziehen muh. Von dem literarischen Inhalt sei vor Allem der neueste Roman „Stechlin" von Theodor Fontane genannt, dessen ivohlgetroffenes Porträt die erste Seite des Heftes schmückt. Richard Voß, der berühmte Romancier, schrieb den dramatisch packenden Text zu einer Reihe von Aquarellen aus Ischia von R. Dammeier, die in mustergiltigem Farbendruck wicdergegeben sind. Zwei weitere Beigaben, di- von dem practischen Verständniß der deutschen Verlags-Anstalt für Bedürfnis und Liebhaberei moderner Leser zeugen, werden sicher großen Anklang finden: Eine erste Serie von acht illustrirten „Ueber Land und Meer-Postkarten", die, sehr reizvoll mit farbigen Ansichten von Alt-Stuttgart ausgestattet, das Entzücken jedes Sammlers sein müssen, sodann das Anerbieten, den Abonnenten des Blattes jede eingesandte Original-Photographie in Maitpapier- Photographie vervielfältigen zu lassen, und zwar das erste Dutzend für Mk. 2,50, jedes weitere Dutzend für Mk. 1,50. Diese „Ueber Land und Meer-Photographien" werden sicher in allen Abonnenten-Kreisen willkommen geheißen werden. Mit diesem ersten Heft zeigt „Ueber Land und Meer" von Neuem seine unübertroffen- Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit. Wir empfehlen allen unseren verehrlichen Lesern, sich das erste Heft von der nächsten Buchhandlung kommen zu lassen, damit sie sich selbst durch den Augenschein überzeugen, was dieses treffliche Unterhaltungsjournal für seinen billigen Abonnementspreis (vierteljährlich 13 Nummern 3 Mk. 50 Pfg, jedes der in vierzehntägigen Zwischenräumen erscheinenden Hefte 60 Pfg.) Alles bietet. Von W. Heimburgs gesammelten Romanen und Novellen (Leipzig, Verlag von Ernst Keils Nachfolger) liegen die Schlußlieferungen 63 bis 71 vor; sie enthalten die zwölf Novellen „Unter der Linde", welche uns das erzählende Talent der Verfasserin im günstigsten Lichte zeigen. Da finden sich kleine artige Skizzen wie „Flickdorchen", die Herzens-Geschichte einer armen Näherin, und „Großmütterchen", ein Familiengenrebild, das an den „Vetter" von Benedix erinnert. Köstliche Thiermalerei findet sich in „Unser Männe", eine vortreffliche Characterzeichnung in „Nachbars Paul". „Onkel Leos Verlobungsring" hat eine unerwartete wirksame Pointe. Von den größeren Erzählungen hat „Jascha" etwas Rührendes; es ist ein Stoff, der an Sardous „Odette" und ähnliche französische Dramen erinnern mag; die Heldin ist die edle Tochter einer verworfenen Mutter. Die Illustrationen von A. Mandlick, A Zick, E. Koch, I. R. Wehle, C. Zopf, W. Claudius und E. Büchler ergänzen die Schilderungen von W. Heimburg in durchaus entsprechender Weife; sie bringen viel Characteristisches, manches Rührende und manches Drollige. Porste. Rein und tief empfunden sind die Gedichte, welche der Sohn unseres Darmstädter Correspondenten, Hans Fuchs, welcher gegenwärtig die Universität Gießen besucht, schon in Darmstädter Zeitungen veröffentlicht hat. Frei von allem Verszwang legt der junge Dichter eine Tiefe des Empfindens eines seelenvollen Gemüthes an den Tag, welche gegenüber der modernen freien Zeitrichtung recht wohl- thuend berührt. Zum Nachempfinden zwingt geradezu sein uns zugesandtes Gedicht: „Abend im Walde", welches wir nachstehend veröffentlichen: „Heil'ge Stille, tiefes Schweigen — Gottes Geist geht durch den Wald — Von den falben, müden Zweig-n Tönt kein Sang, kein Laut erschallt. Nur die Quelle gurgelt leise In der stillen Einsamkeit, Immerfort die alte Weise, Immer rastlos wie die Zeit. Heil'ge Andacht mich durchbebet Hier vor Gottes Angesicht, Still mein Herz zu Ihm sich hebet, Leise ein Gebet es spricht." Redaction: 8L Echeyda. — Druck und «erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.