M-'ksi MM IWU M9 geschäst- Sie im —." ) würde, fangen, sn. Ein venigsten — aber ig eines eben mit zunimmt, werden. rz beson- llitterung irt. Die t werden, rühzeitig, hner sind !äßt man t ist die erichteten ist, auf- t größten Mcklichste Gedörrte grob ge- i Bohnen, ;m lauen n Wochen ommenen ehl oder : Sauer- h beliebt, E sehr zu npfer am meckenden i Stielen, ünstet sie sie durch ießt zwei fleißigem und einer ten Weck- d großen jes Stück :en Fische mmen, so :e Pfanne Minuten, dies mit ensaft zu ict hinzu, ißt in ihr : Minuten Sirße«. emkStaß de« 4. Mai, Rr. 51. 18M KntechMngsblM M MeßmrrAnMer BetmtlAllzeizerf Die (Alter Spruch.) Äas Herze fröhlich, $ Den Muth recht ehrlich, ® Die Rede züchtig, Thaten richtig, Auf Gott vertrauen Und auf ihn bauen. Das sind die Waffen, Die Nutzen schaffen. „Gnädige Frau! Der Ruf wälzte weiten Wirthschaftshof schlank, dunkelhaarig in I. Frau Baronin! Gnädige Frau!" sich vom Schlosse fort, über den hinweg, bis die Gerufene, groß, einer Stallthür erschien. „Was falls? Hier bin ich!" fragte sie, indem sie dem kleinen, sie lustig umkreisenden Hund den schwarzen, zottigen Kopf streichelte. „Der Herr Bürgermeister mit dem neuen Doctor tst eben vorgefahren," berichtete der Hofverwalter mit der Mütze in der Hand. Beide möchten der Frau Baronin, wenn auch nur für eine Minute, aufwarten." „Ich komme," sagte sie, flüchtig einige Strohhalme von dem blauen Kleide klopfend. „Aber eins sage tch in allem Ernst, Bentzke, wenn ich meine Ponys und Ziegen noch einmal so schlecht versorgt finde, können Christian und Jochen sich zu Ostern einen anderen Dienst suchen. Schufterle, Du Taugenichts, kommst natürlich mit." Als sie mit jugendlich elastischen Schritten den Schloßhof durcheilte, brummten die Knechte hinter ihr her: „Ja zu Ostern einen anderen Dienst nur deshalb, weil man ihr Viehzeug nicht bedient wie junge Prinzen. Und das sind doch Alle nur unnütze Brodfresser, der kleine schwarze Satan an der Spitze Ja, zu des Herrn Barons Zeiten war es besser auf Soldin. Aber solch ein Weiberregiment!" „Laßt mich solche Reden nicht wieder hören," verwies der Verwalter. „Unsere gnädige Frau ist gerade gut, das zeigt sich am besten, wenn Eins auf dem Hofe krank ist und sie braucht." Als die Baronin auf die Schloßrampe hinaustrat, von der rothglühenden Wintersonne wie von einer Aureole umgeben, blickte der blonde, junge Mann im Schlitten sie rote geblendet an, sodaß es eines leisen Winkes seines Nachbars bedurfte, um ihn zu Gruß und Vorstellung zu bringen. „Nur im Borüberfahren erlauben wir uns heute vorzu- fprechen," nahm der Bürgermeister das Wort. „Den Kranken dürfen wir ja wohl nicht sehen?" „Nein, Onkel Gustav, — dem Baron," verbesserte sie sich, „geht es gar nicht gut, nur künstliche Mittel bringen noch Schlaf. Doch da der Herr Doctor —" „Walter Senglin," vervollständigte dieser mit einer Verbeugung. t . „Uns nun seinen ärztlichen Rath und Betstand widmen will" — , . „ „Doctor Borrmann selbst wünscht sich zu entlasten. „Ich weiß." Sie seufzte. „Gicht, zunehmendes Alter! Onkel Adolf kann nicht mehr wie er will. Ach es ist so traurig, wenn Einen Alles verläßt was man liebt'/ „Nun vorläufig lebt der alte Herr ja noch, und darauf, daß er uns noch recht lange erhalten bleibt, wollen wir heute Abend ein volles Glas leeren," fiel der Bürgermeister jovial ein. „Wir feiern heute Fräulein Minchen Borrmanns Geburtstag und haben hoffentlich bett Vorzug, gnübige Frau in unserer Mitte zu sehen." „Gewiß, wenn mein Kranker nicht zu unruhig ist, komme ich auf ein Stünbchen; Tante Minchen soll nicht ohne meinen persönlichen Glückwunsch sein!" „Das ist ja reizenb," fiel ber Bürgermeister ein. Meine Frau und Tochter haben mir übrigens die angelegentlichsten Empfehlungen für Frau Baronin aufgetragen." Mit einer flüchtigen Bewegung des dunkeln Kopfes dankte sie. Des blonden Bürgermeisterkindes erinnerte sie sich kaum, und sie war viel zu stolz, um für die ihr so wenig zugeneigte Damenwelt des Städtchens irgendwelche Sympathie zu heucheln. „Nun wollen wir aber bte gttabtge Frau nicht langer aufhalten, vom See weht es eisig hinüber, auf bie Nacht können wir leicht noch einmal Schnee bekommen. Hoffentlich also auf Wiedersehen." Sie grüßten verbindlich, und der Schlitten klingelte davon. Bei einer Biegung des Weges blickte sich der junge Doctor verstohlen um. Beide Arme auf die Balustrade gelehnt, stand sie noch immer da und blickte sinnend in bett frühen Sonnenuntergang, Fata Morgana. Novell« von H. Rens. ------- (Nachdruck verboten.) 202 — während Schufterle, den Kopf durch die Eisenstäbe gezwängt, lustig hinausbellte. „Welch fremdartige Erscheinung," sagte der Doctor. „Wie eine Spanierin sieht sie aus." „Ja so etwas Exotisches ist auch dabei," lachte der Bürgermeister. „Ein Musikanten- oder Schauspielerkind, so recht konnte man nie dahinter kommen. Und dann diese wunderbare Heirath! Sagen Sie mal, Senglin, finden Sie sie auch so schön?" " » „Schön," meinte dieser nachdenklich, „das tft wohl mcht der richtige Ausdruck für dieses Gesicht. Anziehend, märchenhaft, hinreißend!" , Lachend drohte der Bürgermetster mit dem Finger. „Wenn Alma das hörte! Nun, nun ich Plaudere nicht aus der Schule. Am heutigen Abend, fürchte ich, werden Sie sich etwas abkühlen- sie ist nicht sehr liebenswürdig in Gesellschaft, etwas einsilbig und thaut eigentlich nur dem alten Borrmann gegenüber auf, der sie seine Theerose, sein altes Mädel nennt. Sonderbare Verhältnisse in Schloß und Stadt Soldin." „Und der Baron?" „Ist lange ein verlorener Mann, seit Jahren an allen Gliedern gelähmt. Ich kannte ihn nicht mehr, und mein Vorgänger, der volles Vertrauen dort genoß, war wenig mittheilsam- er mochte wohl seine guten Gründe dafür haben. Uebrigens soll der Baron ein Edelmann im schönsten Sinne des Wortes gewesen sein. Alles was jetzt im Schlosse Jn- correctes geschieht, kommt auf Rechnung der schönen Therese. „Warum?" . Der Bürgermeister zuckte die Achseln. Tradition! Man hat sich nun einmal gewöhnt, sie als etwas Fremdes, Absonderliches zu betrachten. Ihr Wesen, finster, verschlossen, trägt wohl die Hauptschuld. Außer dem alten Geschwister- paar im Doctorhause steht ihr in der Gegend Niemand nahe." „Und ist die Freundschaft solcher Menschen nicht genügende Bürgschaft?" „Man sollte es glauben, doch sie hat die öffentliche Meinung nun einmal gegen sich. Was man ihr vorwirft? Nun, keine Verbrechen gerade. Sie läuft allein Schlittschuh, acht in keine Kirche, hält sich allerlei Gethier, zahme, weiße Ziegen und dergleichen. Im Mittelalter hätten diese Jndicien genügt, sich öffentlich als Hexe zu verbrennen. Doch hier biegt der Weg nach der Oberförsterei ab. Machen Sie kein verdrießliches Gesicht, diese Besuche sind wir Ihrer Zukunft, Ihrer Praxis schuldig." II. „Sie wollen also wirklich wissen, was Therese von Dahl- ström geb. Kleeman eigentlich ist, Herr College?" „Ich bitte darum. Nicht müßige Neugier, tiefgehendes Interesse läßt mich nach dieses Räthsels Lösung forschen." Der alte Doctor blies dicke Tabakswolken vor sich hin, dann ließ er plötzlich die Pfeife fallen und blickte durchs Fenster gedankenvoll in das leichte Schneegestöber hinaus. „Dann müssen Sie aber auch meine und des Barons Lebensgeschichte mit in den Kauf nehmen- denn wir drei sind untrennbar, unsere Schicksale so eng miteinander verwebt, daß sich nicht eins von dem anderen lösen läßt. Wenn ich Ihnen manchmal zu weitschweifig werde, so halten Sie es wohl dem schwatzhaften Alter zugute. Also, vor länger als sechzig Jahren ließ der damalige Majoratsbesitzer von Wettin, der Baron Walter Dahlström, seinen erstgeborenen Sohn in hiesiger Stadtkirche taufen und nannte ihn zum Andenken an den glorreichen Schwedenkönig, unter dessen Fahnen noch seine Vorfahren gefochten, „Gustav Adolf." Wenige Monate später erzeigte er seinem Wirthschafts- vogt die Ehre, dessen Söhnlein über die Taufe zu halten und legte ihm gleichfalls die Namen „Gustav Adolf" bei. Dieser Täufling war ich. Obgleich in damaliger Zeit noch eine weite Schranke Feudaladel und Bürgerthum schied, so wuchsen wir beide Knaben, der Junker Gustav, ich Adolf genannt, doch wie Brüder miteinander auf. Kein Spiel gab es, das wir nicht theilten, keinen Gedanken, den wir nicht gemeinsam hatten. Derselbe Hofmeister unterrichtete uns, dieselbe Hochschule nahm uns später auf, mich um eines ernsthaften Brodstudiums willen, den Junker, um sich der Familientradition gemäß ür einige Semester kopfüber in das studentische Treiben zu stürzen. Ob es ihn amüsirte, ich wurde mir nie recht klar darüber, aber eins weiß ich, daß ich, nach absolvirtem Examen in das Heimathnest zurückkehrend, ihn neben dem alternden Vater als einen gesetzten, liebenswürdigen Menschen, den alten, ehrlichen Junker Gustav wiederfand. In dem alten schönen Herrenhaus war es recht still geworden, die Baronin gestorben, die älteren Schwestern auswärts ver- heirathet, durch längere Trennung den Ihren bereits ent« remdet. Auch ich kam an eine verschlossene Thür, die Eltern hatten ihre alte Wohnung im Jnspectorhaus mit zwei schmalen, grünen Hügeln auf dem Friedhof vertauscht, und Schwester Minchen that bei fremden Leuten Dienst. War es unter diesen Umständen nicht ganz natürlich, daß die alte Kameradschaft wieder in ihre Rechte trat? Nur nominell besaß ich eine Wohnung mit Schild und Glocke im Städtchen, in Wirklichkeit war das Soldiner Schloß meine Heimath. So lebten wir ruhig, friedlich dahin, bis plötzlich au unserem Himmel ein Stern aufging, dessen Leuchten unser brechendes Ange noch sehen wird. Der alte Baron erhielt aus Schweden, von wo seine Familie stammte, die Nachricht, daß seine einzig verwittwete Schwester, mit Hinterlassung einer mittellosen Tochter dort gestorben sei. Obgleich seine Kasse durch das flotte Leben der sportlustigen Schwiegersöhne stark in Anspruch genommen war, besann er sich doch keinen Augenblick, der verwaisten Nichte sein Haus zu öffnen. Der alte Doctor hielt inne, und seine trüben Augen belebten sich. Die Gedanken mochten wohl weit zurück schweifen, in Vergangenheit und Jugend. „Sie kam hierher," Hub er nach einer Pause wieder an, „und ich sehe es noch vor mir, das schöne, schlanke, tapfere Mädchen, mit den leuchtenden blauen Augen, das bald der Mittelpunkt des Ganzen wurde. Inge Lindblad bemächtigte sich der Wirthschaft, führte dem verwittweten Oheim das Haus und ließ sich durch den Neid und die kleinen Bosheiten der verheiratheten Cousinen nicht schrecken. Brauch ich Ihnen erst noch zu sagen, daß wir Beide sie liebten, heiß, leidenschaftlich, unauslöschlich, wie wohl noch nie ein Weib auf Erden geliebt worden ist. Ich, der junge patientenlose Doctor, der mit dem alten Physicus um die armselige Praxis dort unten verzweifelt kämpfte, kam wohl dabei nicht in Betracht, daß aber auch Gustav, mit düstergefalteter Stirn, wenig einem glücklich Liebenden glich, war wunderbar. Bald kam die Aufklärung. Inge liebte, liebte einen Anderen, hatte sich schon vor Jahren einem armen Musiklehrer, der, um sie zu erringen, auf Virtuosenreisen gegangen war, versprochen. Heute hatte sie dem Baron, als ihrem Beschützer und Vormund davon gesagt. Wir waren keine schwärmerischen Knaben mehr, keine Nichtsthuer, die sich in wohlfeiler Rührung gefielen, aber wir saßen doch die ganze laue Sommernacht stumm nebeneinander im Garten und wünschten, der neue Tag mit seinen Sorgen und seinem Lärm möchte nimmermehr anbrechen. Baron Walter, ein echter Edelmann der alten Schule, wies die Nichte auch zurück, verweigerte seine Einwilligung zu der ungleichen Heirath und verbot, von der Sache u Haupt zu sprechen. , Scheinbar fügte sich Inge, festen Schrittes, das klirrenoe Schlüsselbund an der Seite, ging sie ihren WWen " doch zwei Tage nach ihrem vierundzwanzigsten Geburlsiag/ an welchem sie mündig und Herrin ihrer selbst wurde, >och wie vir nicht i hatten, wchschule studiums gemäß Treiben icht klar solvirtem bett dem Menschen, In dem den, die rts bereits ent« hür, die !üuS mit ertauscht, ienst. natürlich, te trat? nd Glocke r Schloß otzlich an en unser hielt aur Nachricht, terlassung !eich seine iegersöhne och keinen nett. en Augen t zurück nieder an, e, tapsere bald der emächtigte heim das Bosheiten wir Beide wohl noch der junge i um die kam wohl tit düster- flich, war schon vor erringen, eute hatte ;ttb davon ehr, keine eien, aber nm neben« mit seinen »rechen. «n Schule, nwilligung >ache über- s klirrende chten nach, Geburtstag, urde, war — 203 — (Fortsetzung folgt.) ftc verschwunden. Aus Amsterdam kam später ein Brief I tnit dem Trauzeugmß und der Bitte um Verzeihung. Als sei die Sonne ausgelöscht, als tappten wir rathlos im Dunkeln, war uns nach ihrem Weggang zu Muth. Der Baron kränkelte und starb eines Tages ganz unerwartet, den verschuldeten Schwiegersöhnen sehr gelegen, die sich schleunigst in die mäßige Hinterlassenschaft theilten, Gustav um den Besitz des Majorats heimlich beneidend. Jahre vergingen. Haar und Bart ergraute langsam, I doch keinem von uns Beiden war der Gedanke an eine Heirath gekommen. Sollten wir einem anderen, fremden Mädchen alle die heißen Liebesworte zuflüstern, die wir ihr, der Unvergessenen, niemals hatten sagen dürfen. In einem Winter, noch länger und härter wie alle übrigen, schrieb Inge, daß ihr Manu nach langem Siechthum in Petersburg einer Brustkrankhrit erlegen sei, und daß sie I und ihr zehnjähriges Töchterchen von allen Mitteln entblößt, in der Fremde stehe. Wir lasen den Brief gemeinsam, unsere Bucke trafen I sich, und wir wußten, daß für Inge und ihr Kind in Soldin I und in unserem Herzen Raum sei. Trotz Eis und Schnee fuhr Gustav selbst sie zu holen. Eine Woche fieberhafter Spannung verging, dann kamen sie. Inge in der Wittwenhaube bleich und vergrämt. Für andere Augen vielleicht gealtert, in unseren noch immer die Einzig- | geliebte, dieselbe Huldin, die einstens unsere jungen, feurigen Herzen unterjocht. Die kleine, schwarzlockige Therese, ganz das Ebenbild des Vaters, wie die Mutter wehmüthig meinte, fühlte sich bald heimisch in dem großen Hause und dem schattigen Garten, in welchem sich so schön spielen und träumen ließ. In der ärmlichen Krankenstube des Vaters war ihre natürliche Lebendigkeit gedämpft und sie zu einem über ihre Jahre ernsten Kinde geworden. Daß sie bald den Onkel Doctor mit dem Onkel Gustav, der so treu Vaterstelle an ihr vertrat, in ihrem Herzen gleichsteüte, verstand sich von selbst, wetteiferten wir beiden einsamen, alten Narren doch miteinander, ihr jede ihrer kindlichen Launen zu erfüllen. „Ihr verzieht sie mir Beide," schalt wohl Frau Inge, aber aus ihren Augen sprach das Glück, ihr Kind so wohl geborgen zu wissen. Das waren friedliche Jahre. Wenn ich jetzt an jene Zeit zurückdenke, so erscheint sie mir viel schöner, freudenreicher, viel wmtscheloser, als jene Tage unserer leidenschaftlichen, unerwiderten Liebe. Und weil es so schön war, Es mochte wohl schon spät fein, als ich endlich durch die schwüle Herbstnacht nach Hause ging. Ermüdet sank ich auf mein Lager, um im bleichen Morgengrauen durch den schrillen Ton der Kingel wieder anfgeschreckt zu werden. Ein Bote vom Schloß stehe draußen, Frau Inge sei plötzlich erkrankt, bestellte mir Schwester Minchen mit schreckensbleichen Lippen. Ich wußte genug. Wie betäubt lehnte ich im Wagen, der auf der bekannten Straße, zwischen den Ebereschenbäumen dahinrollte- dumpf schlugen die Hufe der Pferde auf, der alte Kutscher, selbst Todesangst im Herzen, hieb unbarmherzig auf sie ein. Und was fand ich? Eine sterbende Frau, die mit seltener Fassung ihr schluchzendes Kind zu trösten suchte, mit großen, halbverklärten Augen uns die Sorge für dasselbe au's Herz legte. Der Arzt konnte hier nichts mehr helfen, aber der Freund lag mit den Anderen auf den Knien, bis die Abeud- glocken, die leise über den See herüberklangen, den letzten letzten Seufzer mit hinwegnahmen. Wenn ich nun sage, daß es nun einsam um uns wurde, so ist das nicht das richtige Wort. Wie in einer Wildniß i verirrte Wanderer erschienen wir uns im eigenen, wohlbekannten Heim. Ohne Steuer und Eompaß trieben wir pfadlos auf hoher See. Und doch verging die Zeit, Jahr reihte sich an Jahr. Unser Kind, unsere süße Theerose, wie wir kosend ihren Namen umgeändert, hatte zwischen uns Alten keine sonnige Jugend. Fern von allem geselligen Verkehr verfloß I ihr Leben. I „Habe ich nicht Euch, meinen lieben Wald, Mamas I Grab," sagte sie stets, wenn wir sie bedauerten. „Ja, wenn ich von Euch fort, in die weite, fremde Welt hinaus sollte, da müßte ich verzweifeln, aber hier bin ich ja glücklich. darum konnte es nicht dauern. Die Mißgunst der Schwestern, die Inge und Therese Eindringlinge nannten, hatte der Freund durch Geldopfer zum Schweigen gebracht, und das Gezisch der bösen Zungen, das sich nah und fern wider uns erhob, kümmerte uns nicht. Was lag uns daran, wenn man sich zuraunte, in Soldin werde ein Liebeshof gehalten, dort säßen zwei alte närrische Minnesänger zu den Füßen ihrer Dame. Was lag uns daran, wußten wir doch selbst, tote schön, von keinem unreinen Hauch getrübt, unser Verhältniß war. Die Menschen schreckten uns nicht, aber der Tod that es. Nach einem heißen, regenlosen Sommer kam ein ungesunder Herbst. Glühende Südwinde brachten uns einen unheimlichen Gast, die Cholera. Ich wurde damals vtel umhergeholt, Alt und Jung hatte Furcht, ein böser Druck lag auf allen Gemüthern, die leichtesten Shmtome wurden für ausbrechende Krankheit gehalten, und so blieb mir weniger Zeit wie sonst für die alten Freunde im Schloß. An einem Sonntagabend — wenn ich fetzt davon spreche, ist es mir, als durchlebte ich jene köstlichen Stunden noch einmal — saßen wir im eifrigen Gespräch in der großen runden Lindenlaube, Inges Lieblingsplatz. Die Georginen- blüthe», das Spargelkraut stand hoch aufgeschossen wie ein kleiner Wald da, und Therese, eben zur Jungfrau erblüht, pflückte auf den Beeten die letzten Resedastengel. Von Ceth eg uS. ----— (Nachdruck verboten.) In dem kleinen aber gewählten Kreise der Philosophen von Fach hat der Name meines einstigen Schulkameraden Fritz Werder einen guten Klang. Es gibt angesehene Gelehrten, die den Träger dieses Namens mehr als einmal Schwarz auf Weiß für einen geborenen Philosophen erklärt haben, und ein solches Lob will besonders viel heißen in einer Wissenschaft, deren Jünger sich jeder übereilten Begeisterung Hier fehlt mir nichts." Damals war sie glücklich! Und wieder rauschten die schwarzen Fittiche des Todes um das Soldiner Schloß, so meinte ich wenigstens und mit mir die Collegen, die rathlos ein vermeintliches Sterbebett umstanden. Der Baron hatte einen leichten Schlaganfall gehabt, dieser wiederholte sich unerwartet schnell in wenigen Tagen und brachte eine halbseitige Lähmung mit sich. Das Schlimmste stand zu befürchten. Der berühmteste Professor der Hauptstadt schüttelte den Kopf und gab ihm nur noch für Stunden Lebensdauer. Es war eine gewitterdurchströmte Hochsommernacht, als ich neben dem Lager des ächzenden Freundes saß und seine mit Todesschweiß bedeckte Hand in der meinen hielt. Wir wußten Beide, was wir dachten. Was wird aus Therese? Das Majorat fällt an eine entfernte Seitenlinie, und in der aefammten freiherrlichen Familie würde sich nirgends ein Plätzchen finden für die Musikantentochter, die Allen längst ein Dorn im Auge. Sie war so weltfremd, ihr ganzes Herz hing an der Scholle, auf der sie aufgewachsen. Da durchblitzte mein Hirn ein Gedanke, und auch des Kranken Augen flackerten unruhig. Die sorgende Liebe, btc verzweifelnde Angst hatte uns zu demselben Ausweg geführt. — 204 - |o zu sagen von Berufswegen enthalten und das Maß ihrer Anerkennung bis auf die Breite eines Gpinnwebsadens genau bestimmen. Was mich angeht, so kann ich bezeugen, daß Fritz Werders philosophischer Zuschnitt, wenn nicht bis in die Zeit seiner ersten Windeln, doch sehr weit zurückreicht. Denn unsere Bekanntschaft leitet sich ja von den Jahren her, da wir zusammen auf der Schulbank saßen und Cicero, Horaz und Demosthenes präparirten. Schon damals war Fritz Werder das vollkommene Bild strenger philosophischer Weltanschauung, soweit sie eben in Gestalt eines preußischen Primaners erscheinen kann; in seinem Sprechen, Handeln und ganzen Wesen herrschte eine Ordnung, die bis dicht an's Unheimliche streifte, und als er bei der Abiturienten-Entlassung die deutsche Festrede zu halten hatte, lautete das von ihm selbst erwählte Thema: „Was heißt und wozu dient methodisches Denken?" Streng methodisch hat sich denn auch das zarte und überaus schlanke Reis von damals zu dem Gewächs entwickelt, welches heute Fritz Werder heißt. Seinem bürgerlichen Berufe nach ist er jetzt königlicher Gymnasialoberlehrer mit einem Gehalte, der für eine Familie ohne allzu weitgehende Ansprüche ausreicht. Kundige werden aus dieser Thatsache unschwer ermessen können, wie viel Jahre Fritz Werder zur Zeit ungefähr zählt, und wie viel oder wenig uns noch fehlt, bis wir da§ silberne Jubiläum unserer Bekanntschaft feiern können, die, wie gesagt, in Unterprima anfing. Die Jahre und Jahrzehnte haben auch an Fritz Werders äußerer Erscheinung ihre Spuren hinterlassen. Sein bartloses Gesicht ist gefurcht in wagerechter und senkrechter Richtung, und seine Haare haben sich vor dem Sturme der Zeit wie ein belagertes Gebirgsvolk auf die höchsten Pässe zurückgezogen ; dort aber liegen sie früh und spät, von des Meisters Hand geordnet, so regelmäßig nebeneinander wie die Striche auf einer Radierung. Was das Runzeln angeht, so folgt deren methodische Anordnung schon daraus, daß sie ja lediglich das Ergebniß methodischen Denkens sind. So ein Philosoph ist doch ein glückliches Wesen. Besonders uns Dichter kann er manchmal recht neidisch machen. Eigentlich gehört doch das Reimen zu unserem Geschäft. In Wirklichkeit aber ist allein er im Stande, sich einen Reim auf Alles zu machen, was ihm geschieht. Und das ist ein großer Vortheil. Denn was geschieht einem mitunter nicht alles auf dieser buckligen Erdkugel! Zum Beispiel, was Fritz Werder neulich, in den vorigen Frühjahrsferien passiert ist. Jemand — nämlich seine Tante — hatte für diese Ferien einen sehr ernsten Anschlag auf Fritz Werders Zeit und Ruhe geplant. Die gute Tante fand, daß ein Gymnastal- Oberlehrer mit ausreichender Besoldung ohne Weib doch eigentlich nur ein halbes Wesen sei- und wie alle Tanten in solchem Falle entdeckte sie auch alsbald für ihren unvollständigen Neffen die bessere Hälfte. Es war eine entfernte Verwandte, die Waise vom Land, mit verschiedenen für den Freier höchst schätzbaren Eigenschaften: jung, hübscki, wohlerzogen und im Besitze einer stattlichen Mitgift. Obendrein aber war sie mit Fritz Werder bereits von klein auf oberflächlich bekannt und schwärmte für Flötenspiel: letzteres aber war, wie wir unmethodisch denkenden Menschen zu sagen belieben, geradezu ein Wink des Schicksals: denn Fritz Werder bläst die Flöte, — freilich unr einigermaßen, aber doch. Die Tante hatte die Geschichte so weit schon ganz fein eingesädelt, das hübsche blonde Mchtchen war zu Besuch bei ihr abgestiegen und freute sich zunächst darauf, den gelehrten Vetter einmal wieder flöten zu hören. Auch Fritz Werder stand dem Plane wohlwollend gegenüber: denn so ordnete er seine Gründe, erstens hatte die Tante nicht Unrecht mit ihrer Ansicht, daß ein Mann in seinen Jahren des Weibes bedürfe,- zweitens lag darin, daß er vom Staate ein familienkräftiges Gehalt empfing, für ihn als Staatsbürger eine Art Verpflichtung, die dabei vorausgesetzte Familie baldmöglichst in's Dasein zu rufen- dritten- durste er dar Wohlwollen der Tante nicht verscherzen, und vierten» war ja Bärchen Elsbeth doch auch wirklich ein ganz artiges Mädchen, wohlerzogen und verständig, soweit er dem seiner Ansicht nach minderwerthigen weiblichen Geschlechte Verstand zuerkennen konnte. Aber — er hatte sich gerade diese Ferien für die endgültige Abfassung einer seit drei Jahren vorbereiteten philosophischen Arbeit vorgenommen- und durfte er sich nun der Wissenschaft entziehen, — entziehen um eines Weibes willen? In dieser Unentschlossenheit verbrachte Fritz Werder einige recht unangenehme Tage. Mehr als einmal hatte er schon den schwarzen Rock aus dem Schranke geholt und das Flöten- futteral in die Ueberziehertasche geschoben, um den Damen einen ersten musikalischen Besuch abzustatten, mindestens ebenso oft hatte er sich Papier und Federn zurechtgelegt, um die Einleitung zu seiner Abhandlung zu schreiben. Aber in beiden Fällen gelangte er nicht zur Freiheit des Entschlusses. Es kam schließlich so weit mit ihm, daß er seinen sonst so philosophisch erhabenen Geist zu dem heimlichen Wunsche erniedrigte, das Schicksal möge ihm durch irgend einen Zufall oder „Wink" die Willensrichtung geben. Kaum aber hatte er sich auf diesem Wunsche ertappt, so nahte auch schon der Schicksalsbote in Gestalt des Schriftstellers Karl Semper. In jedem anderen Falle würde Fritz Werder den Besuch dieses Mannes ungefähr nur mit einem inneren Seufzen ertragen haben- denn er hielt Karl Semper für den Unphilosophischsten und Leichtlebigsten unter seinen Bekannten, und sie paßten auch in der That so zusammen, wie eine Schildkröte und ein Schmetterling. Diesmal aber hatte der flattersinnige Schriftsteller eine verhältnißmäßig solide Absicht. Er wollte sich wieder einmal im Flötenspiel üben, das er vor Zeiten zusammen mit Fritz Werder erlernt hatte, und jammerte, daß seine Flöte ihm beim letzten Umzug abhanden gekommen sei. Bis er sich eine neue zulegen könne, müsse er erst den Empfang des Honorars für einen Roman abwarten, den er nächstens schreiben wolle. Mit kühnem Griff faßte Fritz Werder die Gelegenheit bei der Stirnlocke. Er drängte dem freudig überraschten Schriftsteller sein Instrument zur leihweisen Benutzung ordentlich auf und notirte sich nicht einmal die derzeitige Wohnung deS Entleihers, wie er dies in solchen Fällen sonst stets zu thun pflegte. Dann, sobald jener mit der Flöte abgezogen war, verriegelte er die Thür und machte sich mit erleichtertem Gemüthe an seine Abhandlung. Das Thema lautete: „Die Meinungen der jüngsten Philosophen über Tod und Unsterblichkeit, kritisch beleuchtet." Es war ein sehr schönes Thema, aber auch sehr schwierig, und als Fritz Werder den Punkt hinter den letzten Satz seiner umfänglichen Arbeit gesetzt hatte, waren die Ferien glücklich bis auf einen Tag herum. Ec hattte während dessen das Haus nur zu den nöthigsten Ausgängen verlassen. Drei oder vier dringende Einladungsbriefchen der Tante zu musikalischen Abenden hatte er mit einer kurzen Bitte um Entschuldigung beantwortet, da seine Flöte zur Zeit noch in Reparatur sei. Nun aber beschloß er, für die letzten anderthalb Tage der Ferien sich methodisch und ausschließlich der Geselligkeit und dem Naturgenuß zu widmen- denn wie er sich nach Vollendung seines Werkes zufrieden aufathmend zum Fenster hinaus lehnte, bemerkte er, daß die Kirschbäume draußen in voller Blüthe standen, und hörte die Amseln singen. Daraus schloß er, daß es völlig Frühling geworden sei, und daß es ihm nicht zu verwehren sein werde, wenn er sich nun auch einmal frühlingsmäßig fühle und benehme. (Schluß w Humoristisches. Stimmt auffallend. A.: „Die Tochter der Commerzienräthin paßt sehr gut zu ihrem Pneumaticrad.^ — B.: „Warum beim?" — „Sie ist auch immer aufgeblasen. Scheyda) in Sichen. Redaktion: T. Echeyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch &