welcher Spur and entfernen, bt, dann den ächt und nach- ^aus wollenen ian die fleckige »armem Wasser e trocken wird, den Gerbstofj zunehmen und rdesten an. Berlin wird rauenkleidung" ffuchte Sitzung nacht, daß der tellung von :r Ober- und ' ,enau nach den starke Frauen >g anzunehmen, usschreiben im Alter von j chbein-Einlagen ' ckleidung (kein te Kleid erhält e einen solchen nit ehrenvoller Kleider kommen >elt" veröffeni-1 ihere Angaben auch liegt das n und in den Weshalb macht ermiene?" — geht es immer — kannst Du Lürkei muß et chon keene Je- »ch jar nickt st r schon Rath." bet joldene „Warum stehen e krabbelt aus verstanden?!" : „Vaterleben, Standesamt ° „Ja" leichter sagen Sie zu ,Es sind gute t Vater zurück >) in Gießen. 1897. Donnerstag de« 4. RSy. in IÄWM I n^n|]|nruiiriir ■■■■ I pfflBwSai LtSitraiiöijiaüiin.Ss ar leicht zerbrechlich — merk' Dir das, Mein junger Freund, — ist feines Glas. Vorsichtig will's behandelt sein, Nicht wie der harte Krug von Stein. Trittst Du mit Menschen in Verkehr, So merk' Dir diese weise Lehr'I Das Haus der Schatten. Roman von Robert Kohlrausch. (Fortsetzung.) Er war aufgestanden und ging auf der Schattenseite des Zimmers ein Paar Mal auf und nieder. Dann stellte er sich, ein böses, gefährliches Lächeln auf dem Gesicht, nahe vor Fräulein Tietjens hin. „Nun, meine Theure, ich sehe, Du bist ganz gut unterrichtet. Aber ich bin doch immer noch ein wenig rascher und besser au fait, als Du mit Deiner Frauenzimmerklngheit. Was Du mir da als ein großes, neuentdecktes Geheimniß auskramst, ich habe es schon seit vierzehn Tagen gewußt." „Du hast es gewußt?" stammelte sie, von Ueberraschung für einen Moment gelähmt. „Und Du selbst wärest so gütig, mir auf die Spur zu helfen." Er hatte die Schublade seines Schreibtisches geöffnet, das kleine Gebetbuch, das er bei Neuert gefunden hatte, herausgenommen und warf es nun mit einer nachlässigen Bewegung auf die Platte des Tisches. „Dies Buch? Ich verstehe Dich nicht, — ich habe es ihm gegeben, als er noch klein war, als ich ihn das letztemal besuchte." „Und ich habe es bei ihm gefunden, als er ein großer Schlingel geworden war." Sie blickte schweigend in das Buch hinein, das sie emporgehoben und geöffnet hatte, las die Worte, von ihrer eigenen Hand auf die erste Seite geschrieben, und als sie nun wieder sprach, hatte die haltlose Leidenschaft einer ruhigen Würde Platz gemacht. „Du hast es also gewußt! Und hast es über das Herz gebracht, mir nichts davon zu sagen, obwohl es Dir nicht fraglich sein konnte, daß unser Sohn das einzige Band war, das es zwischen uns noch gab. In der Hoffnung, mit Deiner Hilfe ihn doch vielleicht noch einmal wiederzufinden, bin ich in Deiner Nähe geblieben, in der Nähe eines Mannes, den ich verachtete. Um dieses Sohnes Willen habe ich Dich nicht verlassen, wie ich es lange gesollt hätte, und habe Spionendienste bei einer Frau verrichtet, die Du begehrtest, — denn Du kennst keine Liebe. Ja, ich will Dir das Letzte noch sagen: im Herzen habe ich einen Traum genährt, es könnte vielleicht an unserem Lebensabend, wenn Du alle äußeren Ehren erreicht hättest, die Du erstrebtest, eine gemeinsame Aufgabe für uns werden, das Glück unseres wiedergefundenen Sohnes zu fördern. Heute hast Du mir auch diesen Traum genommen. Es gießt nun keine Verbindung mehr zwischen Dir und mir. Meinen Sohn aber fordere ich für mich. Geh' Du Deines Weges und laß' mick meinen gehen, aber vorher soll dieser unglückliche, kranke, verlassene Mensch dort oben erfahren, daß er noch eine Mutter hat." „Ein hübscher Abgang," sagte der Doctor, „Du würdest einen Applaus haben, wenn Du mit dieser Rede von der Bühne abträtest. Aber hier sind wir im Leben, nicht auf der Bühne, und darum muß ich Dir sagen, daß Deine Sentimentalitäten diesem Burschen gegenüber durchaus nicht angebracht sind. Wir wollen nicht darüber streiten, von wem er seine vortrefflichen Eigenschaften geerbt haben mag, — jedenfalls hat er sie mit Virtuosität ausgebildet. Er ist keineswegs ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft geworden." „Hast Du etwa versucht, es aus ihm zu machen?" Ohne auf ihre Unterbrechung zu achten, fuhr er fort: „Nein, er ist überhaupt kein Mitglied der Gesellschaft mehr. Er hat sich selbst von ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen. Er ist — ich habe die Beweise dafür in Händen — ein Feind der öffentlichen Ordnung, ein Mann des Umsturzes, er ist, ich muß es mit Bedauern aussprechen, ein Anarchist geworden." Eine plötzliche, furchtbare Veränderung ging mit ihr vor, Ihr Gesicht verzerrte sich und wurde einer weißen, schmerzentstellten Todtenmaske gleich. Ihre Augen ruhten für einen Augenblick auf dem Buch und einigen Papieren, die der Doctor mit ihm zugleich auf den Tisch gelegt hatte, dann hefteten sie sich mit einem Ausdruck steinernen Entsetzens auf sein Gesicht. Sie hob die Hände hoch empor und griff mit den Fingern, die sich zusammenkrampften, in die leere Luft. Er glaubte zuerst, sie wolle sich auf ihn stürzen, und faßte nach einem scharfen, ärztlichen Instrument, das in seiner Nähe lag, aber sie berührte ihn nicht. Auch dauerte das tiefe Schweigen, das entstanden war, nur einen kurzen Moment. Dann kam ein Schrei aus ihrer Brust, ein wilder - ISS — Ton des Abscheus und der Verzweiflung, und indem sie ihm zurief: „Jetzt weiß ich, was Du mit ihm vor hast!" ergriff sie daS Buch und die Papiere, drückte sie an ihre Brust und stürzte an dem Doctor vorüber zur Thür, die sie aufriß und laut hinter sich zuwarf. „Teufel!" murmelte er. Ein kurzes Nachdenken fesselte ihn noch an seinen Platz, dann griff er eilig nach seinem Hut, eilte gleichfalls zur Thür und stürmte die Treppe hinunter. Abwärts führte ihn sein Weg, aufwärts glitt ihre Gestalt über die knarrenden, ausgetretenen Treppen des alten Gebäudes. Aufwärts, bis sie im Giebelraum vor Neuerts Zimmer Halt machte und einen Augenblick Athem schöpfte nach ihrem eiligen Lauf. Dann klopfte sie leise an die Thür des kleinen Gelasses, das ihr Sohn bewohnte. „Wer ist da?" fragte er mürrisch, halblaut. Sie gab keine Antwort, sondern wiederholte nur ihr Klopfen, bis ein müder, schlürfender Schritt sich näherte, und die Thür von innen geöffnet wurde. Erstaunt trat Neuert in das Zimmer zurück, als er Fräulein Tietjens vor sich erblickte. Sie hatten noch nie, so lange sie gemeinsam in diesem Hause lebten, ein Wort miteinander gewechselt, und auch jetzt standen sie im ersten Moment schweigend, nach einem Anfang suchend. Der Schlosser hatte angekleidet auf seinem Bette gelegen, vom Gang über die vielen Treppen ermüdet, den er zum ersten Male wieder gemacht hatte. Mißgelaunt blickte er auf seine ungeordnete Kleidung und zerrte an den Knöpfen seines Rockes. „Lassen Sie mich hinein," sagte sie leise und fanft; es war ihm, als klängen Thränen in ihrer Stimme. Und vor diesem ungewohnten Tone wich er zurück, trat bei Seite und gab den Eingang frei. Sie schloß die Thür behutsam, ohne Geräusch, um nun, ihm gegenüber, vergeblich nach Worten zu ringen. „Ich habe Ihnen etwas zu sagen," begann sie endlich - „es handelt sich um Sie selbst, um Ihre Freiheit, Ihr Leben vielleicht. Aber es handelt sich auch noch um Jemand Anderes, um eine Frau, die Sie noch nicht kennen, obwohl sie Ihnen näher steht, als irgend ein Wesen sonst in der Welt, — ja, Franz, es handelt sich um Deine Mutter!" „Meine Mutter?" Es war nur Erstaunen und Zweifel, keine Hoffnung und keine Liebe in seiner Frage, mit der er Antwort gab auf ihren letzten, schluchzend hervorgestoßenen Worte. Sie aber ergriff seine Hand, zog sie an ihre Brust und küßte sie unter Thränen. „Gieb mir Deine Hand, sieh, ich habe sie gehalten und geküßt, als sie ganz klein und hilflos war, vor vielen, langen Jahren. Du bist ausgewachsen ohne die Liebe einer Mutter, aber es war nicht meine Schuld, glaube mir, es war nicht meine Schuld!" „Sie also behaupten, meine Mutter zu sein?" Er betrachtete sie aufmerksam, das Mißtrauen aus seinen Augen war noch nicht geschwunden. „Wo sind denn die Beweise dafür?" „Die Frau, die Dich erkannt hat, vorhin, als ich dazu kam, bei der Du aufgezogen bist in den ersten Jahren Deines Lebens, wird Dir bezeugen, von wem sie Dich empfing, und wer Dein Vater ist. Dann aber wird er nicht mehr leugnen können, was Du ihm bist, und was ich ihm gewesen bin." „Ein schöner Vater, wie mir scheint," sagte er mit bitterem Lachen, sie aber hörte nicht auf ihn. „Und wenn es eines äußeren Beweises bedarf, hier ist er, in diesem Buche. Mit meiner eigenen Hand —" Er ließ sie nicht zu Ende reden. Mit einem wilden Laute des Zorns entriß er ihr das Buch so heftig, daß auch die anderen Papiere, die sie gehalten hatte, zur Erde fielen. Und als er diese erblickte, warf er das Buch bei Seite, um, mit den Knieen hart auf den Boden niederstürzend, die verstreuten Blätter an sich zu raffen. „Das ist mir gestohlen!" schrie er, heiser vor Wuth. Gestohlen, geraubt, während ich hier im Fieber gelegen habe und wehrlos war!" Von eineitt plötzlichen Gedanken gepackt, eilte er in die Ecke de- Zimmers schob mit wüthendem Eifer die Kiste von ihrem Platz und schlug die Fingernägel in den Spalt der Dielen, das lockere Brettstück von seinem Platze hebend. „Wer hat das gethan?" schrie er auf, als die Oeffnung frei geworden war, und er erkannte, daß eine fremde Hand seinen geheimen Besitz berührt hatte. Mit einem einzigen Griff riß er die Papiere heraus, die in der Höhlung lagen, und streute sie um sich her in wildem Suchen. „Hier hat das Buch gelegen," rief er, in die leergewordene Oeffnung hinunterstarrend, „und hier haben diese Schriften gelegen, die der Hund mir gestohlen hat. Nur Einer kann es gethan haben, nur Einer ist hier gewesen, solange ich krank war!" „Er hat es gethan!" Sie sagte es ruhig und kalt, ohne Zögern und Ueberlegen. Noch auf den Knieen liegend hob Neuert die geballten Fäuste. „Er soll es mir büßen, der Lump, der hinterlistige Hund! Mit schönen Worten hat er mir geschmeichelt, mein Vertrauen hat er gewinnen wollen, und wie es ihm nicht gelungen ist, hat er mich bestohlen wie ein gemeiner Dieb!" Ec war aufgesprungen und rang nach Athem mit keuchender Brust- Schweißtropfen hingen ihm am verwirrten Haar. Um ihn her aber auf dem Boden lagen die zerstreuten Blätter, und inmitten der Papiere, deren jedes ein Werkzeug der Revolution hatte werden sollen, stand der verzweifelte Mann wie ein geschlagener Feldherr, um den seine Armee gefallen ist. Langsam trat seine Mutter näher zu ihm heran. „Du weißt noch nicht Alles," sagte sie leise, mit Nachdruck, „der Mensch, der Dich beraubt hat, ist Dein Vater." Er antwortete mit keinem Laut, die Arme sanken ihm am Körper herab, der ganze Leib schien zu erstarren, in den Augen allein blieb Leben zurück. In diesen Augen aber malte sich ein Entsetzen, ein Abscheu, ein Haß, für die es keine Worte gab, die nur in schweigender That sich offenbaren konnten. Sein Verstummen in diesem Augenblick bedeutete ein Gelöbniß, das Gelöbniß erbarmungsloser Rache an dem Manne, der ihm das Leben gegeben hatte, um ihn dann von sich zu stoßen aus seiner Nähe und mit Berrath und Diebstahl an ihm zu enden. Sie war es, die zuerst wieder das drohende, furchtbare Schweigen brach. „Ich fürchte, es ist keine Zeit zu verlieren," sagte sie hastig und angstvoll, mit einem Blick aus die Thür, als wenn sie erwarten müsse, behorcht zu werden. „Du weißt nun, wie er an Dir gehandelt hat. Ec wird auf dem Punkte nicht stehen bleiben, wo er jetzt ist. Wie ich ihn kenne, ist er in diesem Augenblick schon dabei, die Mittel gegen Dich zu gebrauchen, die er besitzt. Es bleibt Dir nichts übrig, als zu entfliehen, jetzt gleich. Du mußt fort," — sie warf einen Blick auf seine hagere, von der Krankheit verwüstete Gestalt, auf seine Augen, in denen die Gluth des Fiebers wieder zu erwachen schien, und die Sorge um seine Rettung erstarb für einen Augenblick in mütterlichem Mitgefühl — „so schwach, so hilflos, so ganz allein hinaus in die Welt! Mein Franz, mein Junge, sag' mir, wie ich Dir helfen kann!" Unaufhaltsam brachen ihr die Thränen hervor, und ihn mit den Armen umfassend, zog sie ihn fest an ihre Brust. Und unter dem Beweis einer Liebe, die er nicht gekannt hatte bis zu dieser Stunde, schloß er für ein paar Sekunden die Augen und öffnete, den Kopf in sanfter Erschlaffung zurücklehnend, mit einem fremden, kindlichen Lächeln die Lippe», während der Strom einer zugleich milden und gewaltigen Empfindung seinen erbebenden Köper zu durchfluthen schien- Dann aber schob er wieder die Mutter von sich und riß sich los aus der Umschlingung eines schönen, lähmenden Gefühls. „Dafür ist es sitzt zu spät," sagte er kurz, aber ntd)t hart. „Ich muß fort, es ist wahr." „Laß' uns überlegen, wohin Du gehst. Ich gebe Du Geld, soviel ich habe. Es wird besser sein —" Sie brach ab und wandte das Gesicht horchend zur Thür. — 108 — „WaS giebt's?" fragte et. Sie trat, ohne zu antworten, zum Ausgang des Zimmers, öffnete leise und spähte hinaus in die Dunkelheit. Gedämpft kam unten der Ton durcheinander redender Männerstimmen zu ihr herauf, dazwischen der Klang von schweren Schritten auf hölzernen Stufen. Sie wandte sich in das Gemach zurück und lehnte die Thür an, ohne sie fest zu schließen. „Es ist zu spät, er ist rascher als wir," sagte sie in einem Tone, der Haß und Hoffnungslosigkeit zugleich verrieth. Neuert sah mit wilden Blicken im Zimmer umher, als suche er nach einem neuen Ausgang, nach einem Versteck, in dem er sich vor seinen Verfolgern verbergen könne. Die Mutter trat zu ihm heran und legte den Arme um seine Schultern. „Sle sollen Dich nicht fassen, ich helfe Dir. Hör' mich an." Als ständen die Häscher bereits vor der Thür und könnten jede Silbe vernehmen, die drinnen gesprochen wurde, so begann sie nun zu flüstern, dich: an seinem Ohr, ihm selbst kaum vernehmlich. Aber er mußte sie trotzdem verstehen, denn er nickte zuweilen zu ihren Worten, und als sie geendet hatte, drückte er ihr die Hand. Dann begann auch er, ihr zuzuflüstern, halblaute, hastige Worte, bei denen etwas wie Genugthuung und Hoffnung in ihren Augen aufblitzte. „So wird es gehen," sagte sie, als er schwieg. „Hier ist Geld für den Anfang und wir bleiben ja in Verbindung." Sie hatte ein Portemonnaie hervorgezogen, das sie ihm reichte und das er eilfertig zu sich steckte. „Es ist Zeit, es ist Zeit!" drängte er sie, nun auch gespannt nach unten horchend. Sie wollte noch etwas sagen, aber sie fand keine Worte, und mit einem halberstickten Schluchzen zog sie den gefundenen und schon wieder verlorenen Sohn noch einmal an sich, um ihn zu küssen. Dann gab sie ihn frei, glitt aus der geräuschlos geöffneten Thür und stieg, anstatt in die unteren Räume des Hauses zurückzukehren, wo sie den sich nähernden Männern begegnen mußte, die leiterähnlichen Treppen hinan, die weiter in den Giebel emporführten. Schwere Dunkelheit lag dort oben, nahm sie in ihre Schleier und ließ sie verschwinden. Jetzt klopfte es an Neuerts Thür und bevor er noch antworten konnte, wurde sie aufgerissen. Mit Lichtern in den Händen standen ein paar Polizeibeamte davor, deren Führer in's Zimmer hineintrat und dem Schlosser einen Verhaftsbefehl entgegenhielt. „Sie sind der Schlosser Neuert, nicht wahr?" „Bis jetzt bin ich unter diesem Namen gelaufen," gab Neuert mit grimmigem Lächeln zur Antwort, in dem die Erinnerung an sein Recht, einen andern Namen zu beanspruchen, drohend aufleuchtete. „Das genügt. Ich habe den Auftrag, Sie zu verhaften." „Weshalb, wenn ich fragen dürfte?" „Wegen dringenden Verdachts, einer anarchistischen Vereinigung anzugehören." * Neuert warf einen Blick auf die Papiere, die am Boden lagen; er hatte sich vorhin, während er ein paar andere Gegenstände zu sich steckte, nicht die Mühe gemacht, sie von Neuem zu verbergen. Ec wußte, daß er ohnedies verloren war, daß es einen Zeugen gab, dem die gestohlenen Schriften genügt hatten, ihn zu vernichten. „Ich werde mich doch wohl erst ankleiden dürfen?" fragte er kurz. Der Beamte schaute flüchtig auf seine ungeordnete Kleidung. „Das können Sie, aber machen Sie schnell," gab er zur Antwort. „Ich bin krank gewesen, Herr!" sagte Neuert mit einem Wiedererwachen seines alten Trotzes. „Das wissen wir, sonst hätten wir Sie uns schon eher geholt. Beeilen Sie sich." Während einer der Beamten, die ihrem Führer in das Zimmer gefolgt waren, auf seinen Wink die Papiere und was sonst noch an verdächtigen Gegenständen vorhanden war, an sich nahm, machte Neuert von der ihm gewordenen Er- laubniß Gebrauch. Aber war es die Krankheit, war es die Erregung des Augenblicks, war es absichtliches Zögern, — wie der Polizeibeamte ihm vorwarf, — die Finger wollten hm nicht gehorchen, er warf die Kleidungsstücke hierhin und dorthin, und es dauerte geraume Zeit, bis er seinen Anzug vollendet hatte. (Fortsetzung folgt.) Im Arrest. Eine lustige Geschichte aus dem Leben Carl Maria von Webers. Von Carl Neumann-Strela. ------- (Nachdruck verboten.) Es fiel natürlich auf, daß Carl Maria von Weber, der unsterbliche Componist des „Freischütz", als er einst in einen Familienkreis trat, zur Mutter blondlockiger Knaben und Mädchen sagte: „Vor allen Dingen lehren Sie Ihre Kinder rechts von links unterscheiden, denn deshalb in den Arrest zu kommen, ist wirklich nur eine Kleinigkeit." Was war da erklärlicher, als daß man ihn von allen Seiten förmlich bestürmte, sich näher zu äußert, ein Beispiel zu erzählen. Er selbst, meinte man, müßte bos erlebt haben. Und wirklich — Weber gestand, er habe erst in späteren Jahren gelernt, was rechts und was links sei und dieser Un- kenntniß wegen sei er während eines seiner Besuche in Wien in ein sehr finsteres Gewölbe gesperrt worden. „Wer war dieser ganz abscheuliche Mensch, der Sie deshalb gefangen nahm?" fragte die entrüstete Mutter. „Eine Dame war es," sagte der Tonkünstler lächelnd, „und noch dazu eine Dame, die bald darauf Weltruf erlangte. Es war Wilhelmine Schröder-Devrient." „Unmöglich! O bitte, erzählen Sie," riefen da ein halbes Dutzend Stimmen wie aus einem Munde. Und diese Geschichte, die Weber hinter einer Flasche goldenen Rebensaftes zum Besten gab, war so: Am 7. März 1822 kam er nach Wien, um noch an demselben Abend den „Freischütz" zu dirigiren. Die Proben hatte der ständige Capellmeister geleitet,- Weber mußte aus dem Wagen springen und nach dem Theater eilen. Das Jauchzen der Menge empfing ihn- der Ouvertüre und jeder Arie folgte rauschender Beifall. Doch hatte er kaum ein Ohr dafür und für die Darstellerin des Aennchen kaum ein Auge. Denn wer ihn durch den wunderbaren Gesang fast ausschließlich fesselte, war das siebzehnjährige schlankgebaute Mädchen, das die Agathe sang- ihr Name auf dem Zettel lautete: Mamsell Wilhelmine Schröder. Als die Gardine zum letzten Male gefallen, eilte der Componist auf die Bühne. „Liebstes Kind," rief er Wilhelmine zu, „Sie sind die erste Agathe der Welt und haben Alles übertroffen, was ich in die Rolle hineingelegt." „Wirklich, Herr Weber? Das ist wirklich Ihr Ernst?" rief das Mädchen. „Ich hätt's also ganz leidlich gemacht? — Ach was, Sie dürfen mir's nicht übel nehmen, ich muß Ihnen einen Kuß dafür geben und Sie schlechtweg Papa nennen. Also Papa Weber, ich hab' Sie und Ihre Musik auch sehr lieb, und ich möchte so gern — so recht viel und recht lange mit Ihnen plaudern. Wär's Ihnen recht? Sie müssen morgen meine Mutter besuchen. Bitte, Papachen, kommen Sie zu Tisch und damit Sie einen guten Appetit mitbringen, spielen Sie erst mit mir und meinen Geschwistern unten auf dem Hausflur Soldaten. Schlagen Sie ein?" Herzlich lachend schlug er ein. Da trat Frau Sophie Schröder, die Wilhelminens Worte vernommen hatte, kopfschüttelnd aus der ersten Coulisse. „Ich bitte dringend," sagte sie, „daß Sie Wort halten, Herr Capellmeister, und morgen unsere Mahlzeit theilen. Aber vergeben Sie meiner Tochter das Geschwätz. Sie ist äfc 104 Litevavisches '■ Redaction:.A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch- und Sleindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. hatte der verloren, scheltend. Freude über diesen Streich kaum zu lassen wußte. Als aber eine Viertelstunde vergangen war, Componist auch den letzten Rest seines Humors Mit ganzer Kraft warf er sich gegen die Thür, rufend . . . Endli zurückgelass Marsch ko amten setz gingen hin hinaus, die Nur einmi Augenblick als verlies empor un beiden Vo Zwischenrc So Stockwerk in einer 9 stand entg „Was ist er stehen „Er Neuert be „Su und „Sui Echo aus s. ton des fii Wort ein sich unmit Wand, ur Licht am der sich u Bewegunc gewandt i Frau Schröder hatte schon öfter aus dem Fenster und nach dem Gaste gesehen. Weder von ihm noch von ihren Kindern konnte sie etwas bemerken. Ob die lose Jugend, wie schon einmal geschehen, in den Taubenschlag des Haus- wirths gestiegen war? Die Mutter wurde bedenklich und hielt es geraten, gleich selber nachzusehen. So kam sie in de» Hof, ftL ß auf die bewaffnete Schaar und hörte die Rufe dts Gefangenen. „Wer ist da eingesperrt?" rief sie aus. Lachend drehte sich Wilhelmine auf dem Absatz herum. „Denke Dir, Mutter, er wollte unser General sein und wußte nicht, was rechts und was links ist! Deshalb steckten wir ihn in den Holzstall!" „Ich begreife Dich nicht — wen meinst Du?" „Kannst Du's nicht rathen? — Papa Weber steckt da drin!" Natürlich wurde der Componist schleunigst in Freiheit .«Litze «ttd ich«, das bekannte humorvolle Ehetagebuch Manuel Schnitzers, von welchem bereits das siebente Tausend erschienen ist (Verlag von Fitedrich Schirmer, Berlin), hat sich nun auch für die öffentliche Vorlesung als besonders geeignet und als außerordentlich wirksam erwiesen. Dem Berliner Hausfrauen-Verein gebührt das Verdienst, „Käthe und ich" für die Vortragsabende unserer großen Vereine als neue, glänzende Nummer entdeckt und damit dem Berliner Vortragswesen eine frische und fröhliche Kraft zugeführt zu haben. Der Verfasser selbst las am vorletzten Donnerstag den Berliner Hausfrauen einige Capitel aus „Käthe und ich" vor. Der neckende, übermüthige und zugleich gemüthvolle Humor, der schon bei der Lectüre des köstlichen Buches so erfreulich und erquickend-anmuthet, wirkte bei der Vorlesung noch unmittelbarer und zündender. Die Damen kamen bei einzelnen Käthegeschichten aus dem Lachen gar nicht heraus und begleiteten die lustigen „Erfahrungen und Erlebnisse aus junger Ehe" mit dem heitersten Interesse. gesetzt. Als er mit einem recht sauren Gesicht in bett Sgmmi- schein trat, empfingen ihn Frau Schröder- Entschuldigungen. Er versuchte zu lächeln, aber die Falten auf seiner Stirn drückten noch seine Verstimmnng aus. Stumm bot er der Wirthin den Arm, und stumm schlichen Wilhelmine und ihre jüngeren Geschwister hinterdrein. Sie mochten denn doch wohl fühlen, daß sie etwas recht Dummes begangen hatten und ahnen, daß oben in der Wohnstube ein schweres Gewitter Heraufziehen würde. Ziemlich schweigsam setzte man sich um den Tisch. Kein freundlicher Blick der Mutter fiel auf die Kinder. Die köstlichen Schnitzeln wollten doch nicht recht munden und Weber sah noch immer verdrießlich aus. — Was brachte die Magd nun aber herbei? Sein Leibgericht, einen gesottenen Fisch! Die Andern hatten keinen Appetit, doch Weber aß für Zwei. Es währte auch gar nicht lange, so wurde er heiterer und sein Aerger war Plötzlich vorbei. Er hob das Glas und rief: „Auf die Gesundheit der Mutter und Tochter, auf das Wohl der ganzen Familie!" Frau Schröder dankte mit herzlichen Worten, aber ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust. „Was quält Sie?" fragte der Künstler, der bei dem Fische den Holzstall schon völlig vergessen hatte. Sie ließ das feuchte Auge auf Wilhelmine ruhen und sagte: „Dieses Kind macht mir große Sorge. Solch' einen Streich, wie sie Ihnen spielte, führt sie fast an jedem Tage aus. Wie soll das enden? Und in ihrem Alter verlangt man doch größeren Ernst! Aber auf der Straße, auf dkm Hausflur, in der Hand den Säbel, so ist's ihr am wohlsten und ich fürchte, daß sich das Schicksal einst bitter an ihr rächen wird!" „Mutter!" rief Wilhelmine. „Liebe Frau," sprach Weber, „wohl Ihrem Kinde, daß es noch ein Kind ist. Nur zu bald kommen die Tage, an deren Füßen Bleigewichte hängen. — Doch genug. Was mich betrifft, so bin ich Wilhelminen innigst dankbar." „Dankbar?" Alle horchten gespannt auf. „Sehr erklärlich," fuhr er fort, „denn wird man nicht in Arrest gesteckt, um sich zu bessern? Nie hatte ich mich bemüht, den Unterschied zwischen rechts und links zu lernen, aber von heute an wird es mein größtes Bestreben sein, das leichtsinnig Versäumte nachzuholen." Wie tausend Sonnenstrahlen flog es da über Wilhelminens Antlitz. „Mutter, was sagst Du nun?" Und als sie die Mutter dann herzlich lachen sah und merkte, daß ein günstiger Wind das Gewitter ganz verscheucht, da setzte sie, das Glas schwenkend, noch hinzu: „Hoch lebe der Gebesserte! Hoch lebe der Freischütz! Papa Weber lebe hoch!" ein alberner Kind und ich kann reden, s» viel ich will, es wird nicht ander- mit ihr . . Kaum hatte es am nächsten Mittag auf dem StephanS- thurme zwölf geschlagen, als Weber jenes Haus betrat, in dem Frau Schröder drei Stiegen hoch wohnte. Welch' komischer Anblick bot sich ihm dar! — Eine Kinderschaar in Reih und Glied, mit Stöcken auf den Schultern/ rechts ein kleiner Tambour, links ein lieblicher Mädchen als Marketenderin gekleidet, und davor, den Säbel in der Hand, den dreieckigen Hut mit wallendem Federbusch auf dem Haupte, Wilhelmine, die beste Sängerin der Agathe, als Offizier! Den Componisten sehend, warf sie den Säbel auf den Boden. „Papachen, es giebt Schnitzeln. Noch eine Viertelstunde recht tüchtig marschiert! Sie sind der Aelteste und deshalb unser Commandeur. — Soldaten, hier Euer General. Achtung!" Zwar hegte Weber keine Lust, sein neues Amt anzutreten, aber in seiner Gutmüthigkeit wollte er den Scherz nicht verderben. „Richt Euch! Marsch!" rief er aus. Die kleine Schaar setzte sich gleich in Bewegung, bis die Wand ihren Schritt hemmte. „Rechts um," commandirte Weber. „PaUMen, Sie schwenken nach links," rief Wilhelmine. „Ja w! — Marsch!" Und wieder ging's den Hausflur hinab, bis die Wand abermals Stillstand gebot. „Links um!" „Aber, General, jetzt drehen Sie sich nach rechts," rief Wilhelmine. „Sie wollen commandiren und können nicht rechts von links unterscheiden? — Das fordert schwere Strafe! Ein Kriegsgericht!" „In den Arrest mit ihm," jubelte die Schaar wie aus einem Munde. Der arme, gutmüthige Weber! Er ließ sich die Hände binden, auf den Hof und in den Holzstall führen. Er lachte und nickte sogar, es war doch nur Scherz. Von draußen wurde der Riegel vorgeschoben. „Alle halten Wache," befahl Wilhelmine, „es ist ein sehr berühmter Gefangener!" Einige Minuten verstrichen, da pochte Weber. Jetzt sei es genug des Spiels, eS sei finster und dumpf tu diesem Stalle. Keine Antwort, nur ein Kichern ertönte. Wieder schwanden einige Minuten. „Zum Henker, so macht doch auf! Ich habe Hunger und die Schnitzeln werden kalt!" „Oho, die Schnitzeln stehen im Ofen und der Appetit muß noch besser werden," sagte Wilhelmine, die sich vor