er Nacht i reiner eit eine lfach im ;el, läßt it einem n Winde lich nie, sondern Gerade überaus ) für die r heißen >en viel- r Krank t Kleinen nit dicken schwitzen hweißig- latürlich. in einem ichmäßig erhalten em Verse t frische nlahmen, eidenden. aße her- ■ zndecke» geschützt m Abend t haben, rch wird rde heiße men, so tickenden und für folgende Schlaf- eheizten : Reben- , jedoch achter): chliefe» Feuer- 8 schon Ml |en. Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bisch darf. (Fortsetzung.) Er ließ sich glücklich lächelnd ihre Sorge gefallen und beobachtete jede Bewegung ihrer schlanken, weißen Finger. Nun schob sie den Stuhl näher an die rosig verschleierte Lampe, öffnete das Buch und las. Sie hatte eine Beschreibung von Schweden ausgewählt und war bald ganz mit den bunten Bildern beschäftigt, die aus den schwarzen Buchstaben vor ihrem geistigen Auge emporblühten. Ihre Stimme klang immer voller und weicher, ihre Augen wurden immer größer und dunkler, Felix achtete längst nicht mehr auf die Worte, die da an sein Ohr schlugen, sondern nur noch auf sein schönes Weib. Nun breitete es sich wie ein Schleier über die holdselige Gestalt, das Knistern des Feuers und das regelmäßige Auf- und Niederwogen ihrer Stimme stossen zusammen in ein einlullendes, sanftes Geräusch, sein Kopf wurde schwerer und eine wohlige Mattigkeit senkte sich auf seine müden Glieder. Derweilen wandelte Regine auf der Insel Gottland unter verfallenen romanischen Kirchen, zwischen denen die üppigsten Pflanzen grünten und blühten, umrauscht von Meereswogen. „Ach, wenn wir doch einmal nach Wisby reisen könnten," rief sie entzückt, „muß sie nicht wie ein lebendig gewordenes Märchen anmuthen, diese alte, vergessene Stadt im Meere mit ihrer reichen Vergangenheit?" Aber sie erhielt keine Antwort; aufblickend bemerkte sie erst, daß ihr Mann sanft und leise eingeschlummert war. „Aber Felix," rief sie gekränkt, „wie kannst Du nur schlafen bei diesen köstlichen Schilderungen?" 1897. 8 QM 5/Iai A. Roderich. in kleines Korn, gesäet in's Feld, Bringt mit der Zeit Dir tausend Aehren, Ein Körnlein Liebe, gut bestellt, Kann tausend Herzen Freud' gewähren. Liebe schwärmt auf allen Wegen, Treue wohnt für sich allein; Liebe kommt Euch rasch entgegen, Ausgesucht will Treue sein. Goethe. Erschrocken schlug er die Augen auf. „Verzeih', Regine, aber ich bittz heute sehr müde geworden und bei Reisebeschreibungen ist es so schwer, aufzupassen." Bei seiner Liebe für Natur hatte sie geglaubt, gerade mit solchen das Rechte zu treffen; nun wählte sie am nächsten Tage ein anderes Buch — Ludwig Richters Selbstbiographie. Vielleicht interessirte ihn der Mensch mit seiner geistigen Entwickelung doch mehr. Er schlief auch nicht wieder ein an den folgenden Abenden und stimmte zu, wenn sie sich an dem reinen, großen Gemüth dieses reich begnadeten Gotteskindes erfreute, obgleich er selbst unbewußt vielleicht zu viele ähn- . liehe Eigenschaften in sich trug, um den Zauber dieser Persönlichkeit richtig zu schätzen. Nun waren sie mit dem jungen Künstler in Rom angelangt und Regine athmere hoch auf. „O, Felix, der Glückliche, der Beneidenswerthe! Wie muß ihm das Herz aufgegangen sein in der göttlichen Roma!" Er lächelte verständnislos. „Warum erscheint Dir denn Rom so göttlich?" Warum? Sie fand die Antwort auf diese Frage nur schwer. Sie wollte Rafael, Michel Angelo nennen, aber wenn ihn bei dem Zauberworte „Rom" nicht die heilige Ehrfurcht erfüllte, die sie von Kindesbeinen an gefühlt, würden auch diese Namen für ihn bedeutungslos sein. „Allein die Peterskirche zu.sehen," sagte sie, „sich einmal so recht klein und winzig zu fühlen in diesem erhabensten Bauwerke und doch wieder groß zu wachsen in dem Gedanken, daß Menschengeist so wunderbar Herrliches vollbringen konnte/ einmal so recht deutlich den Flügel des unsterblichen Genius zu empfinden, der da fortlebt in seinen Werken durch Jahrhunderte und die Menschen emporreißt aus ihrer gedrückten Erbärmlichkeit zu seiner freien, luftigen Höhe —" Sie hielt inne; wem sagte sie das? Felix verabscheute ja Phrasen. „Ist denn garnichts in Dir vom Zug zum sonnigen Italien, der uns Deutschen doch von jeher als Feengabe in die Wiege gelegt wurde?" versuchte sie zu scherzen. „Lockt es Dich nicht, den Boden zu sehen, auf dem sich so viel Weltgeschichte abgespielt hatte von Romulus bis zu Karl dem Großen und Victor Emanuel?" Er seufzte in komischem Entsetzen. „Fange mir nur nicht mit römischer Geschichte an! Du beschwörst die gefürchtetsten Geister aus meiner Schulzeit herauf! O was hab' ich grausam geschwitzt über den panischen Kriegen und Cäsar und all dem anderen altmodischen Blödsinn, mit dem man uns armen Jungen die Köpfe voll- - 154 - pfropft! Lieber eigenhändig ein Feld umackern, als nochmals mit den schrecklichen Lateinern anbändeln. Du denkst Dir das nach den Büchern so wonnig, Reginchen, und wenn Du nachher' in dem mörderischen Klima in Rom drinsitzest, daS Fieber kriegst, von gräßlichen Jnsecten geplagt wirst und nichts zu essen bekommst als Maccaroni und Salat mit ranzigem Oel, dann wirst Du Deinem Manne schon recht geben, daß es zu Hause am besten ist!" Regine schwieg resignirt. Was half hier weiteres Dis- putiren. Nachdem Richter erledigt war, fing sie Lewes Lebensbeschreibung von Goethe zu lesen an. Aber das wollte Felix garnicht munden. „Nimm mir's nicht übel, Reginchen, aber dazu muß man bekannter sein mit Goethes Werken, als ich es bin, um das Alles zu verstehen." „So wollen wir erst ein Bischen Goethe lesen, ich will den Wilhelm Meister heraussuchen!" „Bei Leibe nicht! Das halt' ich nicht aus. Sieh, mein Frauchen, ich mache mich den ganzen Tag über müde und habe an so viel Anderes zu denken, da mag ich denn am Abende gern etwas Leichtes, Lustiges hören, bei dem man sich ausruhen kann. Und das mußt Du mir doch zugeben, Reginchen, amüsant ist Dein Freund Goethe wirklich nicht!" So kam es, daß Regine sich entschließen mußte, die ausgesuchte« Bücher allein zu lesen. Des Abends kam dann Hans Arnold mit deai frischen, urwüchsigen Humor an die Reihe und scheuchte die Sorgenfalten von des Hausherrn Stirne, der nicht genug lachen konnte über die, dem täglichen Leben so glücklich abgelauschten Scherze. * » • Ende November machten Hellings zum ersten Male eine kleine Gesellschaft mit bei Gutsnachbarn. In der Hausfrau begrüßte Regine eine alte Bekannte und Verwandte — Lottchen Palzin, die den dicken Rittergutsbesitzer von Rechow vor zwei Jahren geehelicht hatte. Sie war eine tüchtige, rundliche, kleine Dame geworden, die ihre Wirthschast vortrefflich im Stande hielt. Die frühere Redseligkeit schien noch größere Dimensionen angenommen zu haben. Sie empfing Regine mit zahllosen Küssen und Liebkosungen. „Das ist zu herrlich, Regine, Dich nun so in der Nähe zu haben! Aber nun komm, pack Dich aus, und erwärme Dich an einem Täßchen Kaffee. Du findest hier heute Alle versammelt, die zu unserem näheren Verkehr gehören zu Ehren von meines Richard Geburtstag; lauter nette Menschen, sie werden Dir sehr gefallen!" Damit ward Regine hineincomplimentirt in den Saal, in welchem eine Schaar geputzter Menschen der jungen Frau voller Spannung entgegen sah. Nun begann die Vorstellung. Da war Onkel Rechow, alter Junggeselle, Gutsherr auf Ditten, eine urftdele Haut mit ewig durstiger Kehle. Da war der lange, kahlhäuptige Assessor Abeffer, der in das stagnirende Leben des Nachbarstädtchens immer Bewegung zu bringen wußte. Er arrangirte Bälle und Liebhabertheater, machte den ehrsamen Bürgersfrauen in unerhörter Weise den Hof und hätte einmal beinahe ein Duell zu Stande gebracht. Aber dieses sensationelle Ereigniß ward zum geheimen Bedauern der Einwohnerschaft durch die unerschütterliche Friedfertigkeit des Geforderten Hintertrieben, der öffentlich um Verzeihung bat. Der jugendliche Landrath war mit der jugendlichen Gattin vorhanden, Beide noch etwas verlegen im Gefühl der Verantwortlichkeit ihrer Stellung, Beide eifrig nach Be> liebtheit trachtend. a ferner erblickte man den behäbigen Großgrundbesitzer von Mellenthin mit Frau und zwei hübschen Töchtern, welche es aber für frivol hielten, sich modern zn kleiden, und ein ohrenverletzendes Ostpreußisch sprachen. Einige junge Offiziere der nächsten Garnison vervollständigten die Gesellschaft. Frau Lottchen Rechow hielt es für die erste und wichtigste Hausfrauenpflicht, keinen ihrer Gäste ohne verdorbenen Magen zu entlassen. Um vier Uhr gab eS Kaffee mit massenhaftem Kuchen- um sechs Uhr ward Obst, Torte und Wein gereicht, um acht Uhr kam Thee mit belegten Brödchen, um neun Uhr endlich das warme Abendessen von drei Gängen. Regine bemühte sich, liebenswürdig zu sein. Sie antwortete geduldig auf die stereotype Frage: „Wie haben Sie sich in Ihrem neuen Heim eingelebt, gnädige Frau?" daß sie sich ausnehmend wohl fühle im viel geschmähten Ostpreußen und suchte sich in ihrem heißentbrannten, wirthschaftlichen Eifer den Rath der erfahrenen Hausfrauen zu Nutze zu machen, der beste Weg, um ihre Gunst zu gewinnen. Aber nnn fühlte Assessor Abesser das Bestreben, die Gesellschaft, in der sich Männlein und Weiblein zu sondern begannen, in anderer Weise zu theilen, indem er Alter und Jugend zusammenbrachte. Alles, was die Vierzig noch nicht überschritten hatte, wurde an einen großen Tisch citirt, auf welchem Papier und Bleifedern bereit lagen. „Schreibspiele" hieß die Losung. Wenn es etwas gab, das Regine haßte, so war es diese Art des Zeitvertreibens. „Sollen wir berühmte Männer aufschreiben, deren Namen mit 8 beginnen, oder befehlen Sie Städte mit dem Anfangsbuchstaben W?" fragte sie mit resignirtem Seufzer. „Nichts dergleichen, gnädige Frau, mit solchem Kleinkinderkram befassen wir uns hier nicht," lautete des Assessors stolze Antwort, „wir schreiben Romane." „Romane?" klang es überrascht von allen Seiten. Abesser muß sich näher erklären. „Ein Jeder schreibt auf sein Stück obenan ein Romantitel, knifft dann um und reicht das Blatt seinem Nachbarn zur Rechten, der das Vorgeschriebene nicht lesen kann und nun den ersten Satz liefern muß. Dann wird es wieder umgeknickt, der Nächste schreibt, und so geht'S fort. Keiner darf ahnen, was auf dem Zettel steht. Hat Jeder seinen Senf dazu gethan, dann wird vorgelesen. Punktum, anfangen!" Allgemeine Stille trat ein. Man sah nur einige, rastlos aufblickende Augenpaare, die wohl auch verzweifelt nach dem Papier des Nachbars schielten, hörte einige Stoßseufzer und das Kritzeln der Bleifedern. Nach einer Viertelstunde Arbeit war das Werk gethan. Abesser entfaltete den ersten Bogen. „Cousinenmord aus Ueberzeugung oder der blutige Knochen," Hub er an. Schallendes Gelächter. „An einem wunderschönen Sommernachmittage saß Karl in seinem Zimmer und speiste ein Butterbrod." „Vielversprechender Anfang," murmelte der Landrath. ,-Halt ein, Schurke," rief die todtblasse Melanie, und fiel ihm mit lautem Anfschrei hindernd in den Arm. Lauter Beifall. „Hatte wohl selbst Hunger," witzelte ein Lieutenant. „Auf den Wellen sah man in weiter Ferne ein räthsel- haftes Etwas treiben. War es ein nmgestürzter Kahn oder gar die entwendete Cassette?" „Jetzt wird's spannend," meinte Rechow „Nein, es war ein langer, schwarzer Sarg, in dem der Assessor die erhaltenen Liebesbriefe des letzten Winters beigesetzt hatte." Allgemeiner Lärm. Der Vortragende gebot energisch Ruhe. „Die Herrschaften werden sich überzeugen, daß hier gemogelt worden ist- der Satz bezieht sich auf BorhergegangeneS. Der Schuldige hat sich zu melden und ein Pfand Strafe zu entrichten," verkündete er in vollendetem Gleichmuthe, als ahne er garnicht, welcher Assessor gemeint sein könne. Wirres Durcheinander von Stimmen - natürlich wollte Niemand der Thäter sein. Endlich meldete sich der Verfasser des Titels, nun ward nach rechts hin abgezählt, und der blonde Lieutenant von Dewitz sollte als Schreiber deS vierten Satzes ungeachtet seines Sträubens eben ein Pfand zahlen, als Frau Lottchen zum Abendbrod rief. — ISS — Der Assessor aber hatte beschlossen, sich vor der Großstädterin Regine in seinem vollem Glanze zu zeigen. Kaum war der letzte Bissen verzehrt, als er Onkel Rechow und mehrere andere Mitglieder der Gesellschaft bei Seite zog und die übrig Bleibenden auf ein paar Stuhlreihen vor den geschloffenen Flügelthüren des Gartenzimmers gruppirte. Man wollte der jungen Frau einige Scenen klassischer Dichter vorführen nnd ihr beweisen, daß man auch außerhalb der Metropole nicht auf derartige Genüsse zu verzichten brauche. Onkel Rechow, der sich groß fühlte als Mime, trat als Erster auf. 8r hatte ein weißes Laken um sich drapirt als Mantel und sprach Leicesters letzten Monolog während der Enthauptung Maria Stuarts mit rollendem, überschwänglichem Pathos, die schlechten Schauspieler an den Bühnen kleiner Städte mit Geschick earikirend. „Horch! Der Schemel wird gerückt — Sie kniet aufs Kiffen — legt das Haupt" — preßte er jetzt noch dumpf zwischen den Zähnen hervor und warf sich dann voller Gewandtheit platt auf den Boden. Alles klatschte und jubelte. Regine aber dachte an jenen Abend, da sie als zwölfjähriges Kind bebend vor Aufregung diesen Worten zuerst gelauscht und völlig vergessen hatte, daß das, war sie vor sich sah, nicht Wahrheit, sondern nur Spiel sei. Erhitzt von der Anstrengung mischte Onkel Rechow sich unter die Zuschauer. Eine neue Aufführung begann. Auf einem steifbeinigen Sopha lag der dicke Rechow in eine rothe Bettdecke gewickelt mit einem alten Kürassier- Helme auf dem Kopfe, der noch aus seiner Dienstzeit stammte, und bedeutete „Egmont". Ueber ihn gebeugt stand Lottchen, mit dem runden Kindergesichte und der etwas niedrigen Stirne unter den glatten, braunen Scheiteln, ein unendlich Prosaisches Clärchen, und hielt in Ermangelung der Lorbeeren einen großen, alten Erntekranz über den Schlummernden. Man fand den Witz vortrefflich, Regine aber war empört. Voll scheuer Ehrfurcht hatte sie sich so oft Egmonts letzte, herrliche Worte wiederholt,- kaum das größte Genie unter den Schauspielern durfte sich nach ihrer Meinung daran wagen, sie im Geiste des Dichters wiederzugeben — und nun dies — sie wandte sich ab. Was uns im tiefsten Innern bewegt und ergriffen hat, das können wir nicht ohne Schmerz zum Zerrbilde hinabreißen lassen. Empfand denn keiner mit ihr? Aber auch Felix lachte mit den Anderen. „Sieht er nicht köstlich aus, der dicke Richard? Verstehen sie hier nicht prächtig zu schauspielern, was meinst Du, Reginchen?" Lottchen Rechow hatte ihren Posten verlassen und trat heran. „Nun, Regine, ist eS an Dir, etwas für die Unterhaltung zu thun, laß uns ein bischen Musik hören!" Die Umstehenden baten mit, und Regine mußte sich fügen. Was aber sollte sie geben, das dem Geschmack der Gesellschaft entsprach? Den neuesten Operettenwalzer vielleicht, der hätte in die Stimmung gepaßt, aber das vermochte sie nicht. Kaum hatte sie die ersten Töne angeschlagen, als sie ihre ganze Umgebung vergaß. Sie spielte nur noch für sich selbst, das eigene, gestörte Gleichgewicht der Seele wieder zu erlangen, und immer schöner, edler perlten die Töne, bis sie endlich ausklangen in einer göttlichen Harmonie. Man lauschte erstaunt, wagte kaum noch zu flüstern - man fühlte, daß man etwas Bedeutendes zu hören bekam, doch klang es fremd hinein in den fröhlichen Zuhörerkreis. „Klassische Musik," sagte Onkel Rechow respectvoll. „Mir etwas zu klassisch," hörte Regine ihren Mann Entgegnen, „was ist's denn eigentlich?" „Das erste Präludium von Bach," meinte der Landrath, der sich auf sein Musikverständniß etwas zu gute that. „Woher wissen Sie denn das?" fragte Felix ganz betroffen^ er hatte wirklich keine Ahnung, ob er schon jemals etwas von Bachs Musik gehört hatte, oder nicht. Die gemüthliche, gute Laune blühte doch erst wieder auf, als Regine ihr Spiel beendet hatte- man sagte ihr Manches Artige darüber, aber Keinem kam es so recht von Herzen. Ein kräftiger Punsch regte die Lebensgeister von Neuem an. Der dicke Richard lachte immer dröhnender, Onkel Rechows Scherze klangen immer gewagter. Erst um ein Uhr trennte man sich; die Fahrt durch die kühle Nachtluft that Regine wohl. „Nun, Frauchen, hast Du Dich gut amüsirt?" fragte Felix, sich behaglich streckend. „War's nicht lustig, was sie uns Alles vorführten? Der Assessor ist doch ein Schwere- nöther!" „Findest Du es sehr geschmackvoll, wenn man unsere größten Dichter in's Lächerliche zieht?" fragte sie gedehnt. „Wie Du auch alles -immer so tragisch nimmst, Reginchen, laß doch den Leuten ihr harmloses Vergnügen," meinte Felix begütigend, machte es sich in den Kissen bequem und schlief befriedigt ein. Regine hatte noch viel zu sinnen. Also das würde ihr künftiger Verkehr sein! Diese Art der Gesellschaft entsprach ihrem Ideal vom fördernden, anregenden Gedankenaustausche, der den Gesichtskreis weitete, noch viel weniger als diejenige, die sie daheim verlassen. Ein bischen Politik, die Getreidepreise, die Wirtschaft — das war fast der ganze, gemeinsame Gesprächsstoff. Man erlebte eben nicht viel, nahm sich, nicht die Zeit zur Lectüre — was sollte man sich also immer erzählen? Da amüsirte man sich eben auf solche Weise. Regine sah auf ihren Gatten. Ach, fast beneidete sie ihn um sein anspruchsloses Gemüth! Sie hatte eS nun einmal nicht gelernt, harmlos fröhlich zu sein mit den Fröhlichen, zu lachen um des Lachens willen, ohne recht zu wissen warum. Am nächsten Morgen hatte Regine Kopfweh und fühlte sich verstimmt. Felix war schon längst wieder bei der Arbeit, als sie am Frühstückstische erschien. Lässig trat sie ihre allmorgentliche Hauswanderung an und kam auch mit Mamsell Christinchen in deren Nebenzimmer, in welchem diese ihr ein Recept zum APfelgelüe heraussuchen wollte. Sie kramte dabei ein Buch auf den Tisch, in dem Regine zu ihrem Staunen Gedichte erblickte. „Sieh da, Christinchen, Sie lesen Gedichte?" „Ja, denken denn gnä' Frau, daß ich mir nur auf'S Kochen versteh? Unsereins will doch auch sein Plaisir haben. An mein Gedichtbuch erbau ich mir oft, besonders wenn ich mir mit die Leut' hab' rum ärgern müssen. Und wenn ich zum Weihnacht besorgen fahr' in die Stadt, geh' ich auch wieder ins Theater." „Ins Theater, Christinchen? Was werden Sie sich denn da ansehen?" „O, ich suche mich allemal was extra Schönes aus- Das letze Mal war's Hamlot." „Hamlot?" Regine rang ein Lächeln nieder. Christinchen ließ den Dänenprinzen entschieden von Noahs zweitem Sohn und dem Gatten des zu Sodom in Salzstein verwandelten WeibeS abstammen. (Fortsetzung folgt.) Eine Spazierfahrt nach dem Monde» Plauderei von F. Clemens. ------- (Nachdruck verboten.) Eine Reise kostet Geld und um so mehr Geld, je entfernter das Ziel ist. Aber die Reise, die ich hier Vorschläge, verursacht keinen Pfennig Kosten, obschon das Ziel 45 000 Meilen weiter von uns ab liegt, als selbst der entlegenste Punkt der Erde. Ich beabsichtige nämlich, Sie zu einer Spazierfahrt nach dem Monde einzuladen — wir möchten ja Alle längst gern wissen, wie es da oben ausschaut — warum sollten wir dem „feuchten Stern" Shakespeares nicht einmal einen kleinen Anstandsbesuch abstatten? Ja, leicht gesagt, aber wie gethan? Wie sollen wir hingelangen? Fliegen können wir nicht, und eine Eisenbahnverbindung gibt es auch nicht. Aber lesen wir denn nicht alle Tage in den Zeitungen, daß Dieser oder Jener den lenkbaren Luftballon erfunden hat? Borgen wir uns den nach 156 dem vorzüglichsten System erbauten einmal auf 14 Tage, versehen uns mit allen nothwendigen Reiseutensilien und reisen wir ab. Vergessen wir jedoch vor allem nicht, ein Faß frisches Wasser mitzunehmen, da es zweifelhaft ist, ob wir oben welches vorfinden, versehen wir uns mit ein paar guten Sonnenschirmen und einigen Rollen Zeltleinewand, einigen dichten Pelzen und ausreichenden Lebensmitteln, Schießbedarf, Fernrohr und einem bewährten Mondbädeker, und lichten wir muthig die Anker unseres Luftschiffes. Die Mordgewehre nehmen wir nur für alle Fälle mit- denn es steht nicht zu hoffen, daß wir etwas Jagdbares auf den Ringgebirgen und Wallebenen antreffen, aber mit der Athmosphäre müssen wir es ja ebenfalls darauf ankommen lassen. Doch halt — noch eins! Eine gute Karte werden wir sicherlich nöthig haben, wenn wir uns in den einförmigen Kalkgebirgen nicht verirren wollen. Glücklicherweise ist eine vorhanden, und zwar die beinahe zwei Meter im Durchmesser haltende, von Julius Schmidt, auf welcher der Mond mit allen Details so genau wiedergegeben ist, wie etwa Frankreich in einem Schularlas. Alle Bildungen, die auch nur einen Quadratkilometer groß sind, vermögen unsere Forscher ja bereits zu unterscheiden. So verzeichnet denn die Schmidt'sche Wandkarte nicht weniger als 32 856 Krater — wir werden zu thun haben, wenn wir sie alle zählen und besichtigen wollen. Bei prächtigstem Wetter reisen wir ab, gespannt , wie unsere Erde wohl aus gehöriger Ferne ausschauen wird! Sehr bald verblassen die einzelnen Gegenstände, als Häuser, Bäume und Menschen, zu allgemeinen Formen, und die Nacht entzieht Alles unseren Blicken. Das wird anders, sobald wir erst einen guten Theil der Entfernung zurückgelegt haben. Wir blicken nunmehr wieder nach der Erde hinab — aber wo ist sie hin? Und was ist das sür eine riesenhafte silberne Sichel am Himmel? Kein Zweifel, es ist unsere Erde. Wir sind gerade abgefahren, als der Mond im ersten Viertel stand, die Erde hat somit dem Monde gegenüber letztes Viertel, und wenn wir auf Erden Vollmond verzeichnen, so hätten die Mondbewohner, wenn solche existirten, Neuerde. Wie wir von der Erde aus auf dem Mon^e, so vermögen wir auf unserer Fahrt auf der Erdsichel dunkele und Helle Flecken zu unterscheiden. Die hell erleuchteten Punkte stellen hohe Gebirge, die dunkeln die unbeleuchteten Ebenen dar. Scharze Flecken, welche die Höhen und Berge bedecken, deuten auf Wolkenbildungen hin, weil unser Planet eine Athmosphäre besitzt, was bei dem Monde, wie wir sehen werden, nicht oder doch nur in unerheblichem Maße der Fall sein kann. Unsere Fahrt ist reich an Abwechselung und Abenteuern. Sternschnuppen und Boliden gewähren uns das Schauspiel eines prächtigen Feuerwerkes, außerdem bietet der Anblick des ungeheuren Sternes, der unsere Erde bedeutet, ein einzig unvergleichliches Bild. Dreizehnmal größer als uns die Sonne erscheint sie vom Monde aus — man denke sich einen leuchtenden Stern von solchen Dimensionen am Nachthimmel. Was sind dagegen alle Ringe des Saturn, alle electrischen Flammengarben des Nordlichts! Wir vergessen enthusiastisch alle uns drohenden Gefahren. Die Reise geht ja so bequem und rasch vor sich, daß ein Extrazug die reine Schneckenpost gegen uns ist. Ein solcher würde, wenn er auch in 5 Minuten eine Meile zurücklegt, doch nicht weniger als 173 Tage brauchen, wir haben aber nur 14 Tage Zeit und statten daher unseren Ballon mit der Schnelligkeit des Gedankens aus. Auf einen Moment unserer Fahrt sind wir vor Allem gespannt. Wir müssen doch den neutralen Punkt erreichen, wo sich die Anziehungskraft der Erde und des Mondes gegenseitig ausgleichen, wo also die Schwerkraft vollständig aufgehoben erscheint. Wir merken an der zusehends eintretenden Verminderung unseres Gewichts, daß wir uns der verhäng- nißvollen Stelle nähern. Heißa, eine lustige Situation, die an das Märchenhafte streift und doch auf der Wirkung streng natürlicher Gesetze beruht. Man schwingt sich mit kühnem Sprunge in die Luft und bleibt in derselben schweben, ohne daß man wie der Vogel Flügel besitzt oder anwenden muß. Für das Fernrohr haben wir gar keine Vorrichtung zum Aufstellen nöthig, wir richten es nach dem gewünscheu Ziel, worauf es unverrückbar in der gegebenen Lage verharrt. Endlich überwiegt die Anziehungskraft unseres Trabanten — seltsam, wir stiegen empor, um ihn zu erreichen, nun liegt er plötzlich unter uns, wir fallen auf seine Oberfläche hinab, und da uns keine Athmosphäre schwebend erhält, würden wir sicher sammt unserem Fahrzeug in tausend Stücke zerschellen, wenn wir auf einem andern als geistigen Fluge begriffen wären. So aber langen wir glücklch an. „Station Newton — Alles aussteigen!" Leichtfüßig springen wir aus der Gondel heraus. Was für ein Zauber ist in uns gefahren? Unsere Füße schwanken, wir vermögen kaum das Gleichgewicht zu halten. Unsere Körper scheinen alles Gewicht verloren zu haben. Wir machen Schritte wie Riesen, ja wenn einer von uns einen Sprung riskirt, so fliegt er sechsmal so hoch als er beabsichtigt. Kein Wunder, beträgt doch die Schwerkraft auf dem Monde nur den sechsten Theil derjenigen auf der Erde — hätten wir eine automatische Waage hier, um uns wiegen zu können, so würde sie überraschender Weise statt 120 nur 20 und statt 180 Pfund nur 30 zeigen. (Schluß folgt.) V-riMcht-s. Enge Aermel, hohe Hüte. Ans Paris wird der „Vossischen Zeitung" berichtet: Die ersten warmen Tage haben genügt, um darzuthun, daß die Mode-Entwicklung aus Abwege gerathen ist. Gerade während der letzten Monate war die Ueberladung der Schultern und des Halses auf das Höchste gestiegen, so daß ein bischen mildes Wetter genügte, um Kopf und Hals einem Schwitzbad auszusetzen. Das ganze Zeug kann nicht weiter getragen und muß plötzlich abgelegt werden. Jetzt, gerade wo die Wärme beginnt, sind enge Aermel als allein der Mode entsprechend erklärt worden. Die weiten Aermel waren aber besonders für den Sommer sehr angenehm und angemessen, und sie werden nun beim Eintritt des Sommers verpönt und durch enganliegende ersetzt. Dies ist offenbar widersinnig und durch die Einseitigkeit der Mode- Entwickelung verursacht. Einseitig aber wird diese immer, wenn die allgemeinen Bedingungen jeder Kleidung gar zu sehr hintangesetzt werden. Freilich zeigen sich schon einige leichte Schultermäntelchen mit duftigen Stuartkragen aus Tüll und farbigen ähnlichen leichten Stoffen. Aber die ganze riesige Haarwulst bleibt, ebenso der überladene Hut oder vielmehr Hutaufbau. Einfarbige Hüte sieht man jetzt öfter, z. B. einen rothen Hut, der mit seinem Wald aus Blumen und Stehschleifen gar hoch ansteigt, aber auch bis auf die letzte Spitze in feurigem Roth erstrahlt, ebenso violette Hüte, die reichlich mit Veilchenbüscheln bestanden sind. Ein selbstgemachter Mann. Herr Cohn (am Schluß einer Liebeserklärung): „— und was ist das Beste an mir, Frl. Levy, ich bin ä selbstgemachter Mann. Frl. Levy: „Hm, dann hätt' ich mer an Ihrer Stell' doch gemacht schöner!" Dem Reinen ist Alles rein. Vater (der sich btt Tisch die Handflächen seines Töchterchens zeigen läßt): it®txxv Hände sind heute wirklich einmal ganz rein." — Die kleu Mizi: „Ich habe ja auch heute die Klöße gemacht. Redaction: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & ScheYd<0 m ®’e6nt'