Dienstag 6« 2. Mtj. vf \ 1897. - Rk. 25 -fambäcH' liumniiinii |juiuch d-nn d°ch Anil» «6« di- frembe P.„ -in-r’‘’-**h* 9 mit und das „Mein Sohn, jawohl, mein Sohn," sagte die Frau, indem sie mrt der rechten Hand auf ihre Brust schlug, in einem Tone, dessen stammelnde, athemlose Wuth schrecklicher war, als ein lautes Geschrei. „Mein ist er gewesen von an0 ttnz denn Du hast ihn gehaßt und verleugnet seit dem Tage., Er hätte mein Glück werden können, und Du hast ihn mir genommen! Du hast ihn hinausgestoßen zu Fremden, wo die Liebe der Mutter ihm fehlte, von wo das Heimweh ihn forttrieb in die weite Welt. Aber das war es ja, was Du wolltest. Ermorden konntest Du ihn nicht— u,c^t ~t.e Liebe, nicht die Tugend, nicht Dein Vater- gefuhl, was Dich davon zurückhielt, es war nur die ganz gemeine Furcht vor Strafe und Entbehrung, — so hast Du ihn verschwinden lassen, ganz heimlich, ganz ohne Geräusch und ohne einen Tropfen Blut zu vergießen." Thürpfosten anklammerte und rief: „Seht man, seht man bloß — Fräulein Tietjens, — ihr wird ohnmächtig!" Sie stürzte auf die Wankende zu, die unhörbar die von Neuert bet seinem Eintritt nicht fest verschlossene Thür geöffnet und die Küche betreten hatte. Eine häusliche Besprechung mochte sie hergeführt haben,- jetzt aber suchte sie mit ihren erlöschenden, unsicheren Blicken nur noch die beiden Gestalten, die da inmitten des Raumes einander gegenüber standen, und machte in halber Bewußtlosigkeit eine Bewegung, als wolle sie die ihr dargebotene Hilfe von sich weisen. Von den vier Frauenaugen getroffen, die angstvoll und gespannt auf ihm ruhten, stand Neuert einen Augenblick schweigend und schaute, unschlüssig von der einen zur anderen, um sich dann mit einem heftigen Zurückwerfen des Kopfes loszureißen, em paar unverständliche Worte zu murmeln und mit leisen, hastigen Schritten die Küche zu verlassen. Noch einmal streckte Fräulein Tietjens die Hände nach ihm aus,- es war, als wollte sie ihm folgen, ihn halten. Dann aber schienen ihre Kräfte sie zu verlassen, sie sank auf einen Stuhl und einem lauten, seltsamen Schluchzen, in dem Weinen Lachen durcheinander klangen, schlug sie die Hände vor Gesicht. Die Sorge verschwand bei ihren Worten aus seinen ?tn2ew/rU?te Änb' bie fie 'hm gütig reichte, und ging zur Thür, um sich dort noch einmal umzuwenden und Frau ^zna geheimnißvoll und freundlich zuzuwinken. Als er I $rau^n barg er die Tafel, die ihm Stimme und Sprache war, sorgsam wieder auf der Brust unter dem Rock,- indem "°ber nun der Treppe zuschritt, die nach unten führte, er- Ä?" bJe^nerun9 an das eben Geschehene mit erneuter ?*ftfexUnb ble ^"ste ballend, schüttelte er sie drohend nach der Richtung des Hauses,, wo er Doctor Jaksch vermuthete Vielleicht hatte er die Hände nicht so zornig erhoben, ~en" ^Mußt hätte, was dort im Augenblick geschah. Doctor ^aksch mußte vor Kurzem erst heimgekommen sein. Er saß, den leichten Ueberzieher noch auf dem Körper, an semem Schreibtisch- den Hut hatte er vor sich hingelegt, dicht neben die Lampe, die er entzündet, aber nur mit dem Cylinder, nicht mit der Kuppel bedeckt hatte. Die hielt er in den Händen, wie gelähmt für einen Augenblick durch die Erscheinung, die so plötzlich vor ihn getreten war, durch die Worte, die auf ihn niederfielen, wie ein Gewitterschauer. Er hatte das verzerrte, wutherfüllte Gesicht, das nun wirklich dem eines raubgierigen, mordlusttgen Thieres glich, der Frauengestalt neben dem Tische zur Linken zugewandt, und das unverhullte Licht ließ die Bosheit und Tücke seiner ßiiqe, hervoAreten 9fatte herabgefallen war, deutlich „Ich kenne ihn und ich kenne auch das Verbrechen," sagte Frau Henninger mit einer Stimme, in der Zorn/ Ab- „Den Namen des Anderen aber muß ich erfahren um jeden Preis. Wenn Sie es aut mit mir meinen, so sagen Sie ihn mir." imh bankbares Leuchten ging über sein häßliches Gesicht, I' b b'e Hande, wie zum Zeichen, daß er den Segen ©u auf Haupt herabrufen möge. „Alles für X 'S sL xw,la' HÄX'Ä* 9!amen" r, ,^un zauberte er doch ein wenig und blickte scheu um sich her, ob Niemand außer ihr Zeuge sei von dem was er jetzt niederschreiben wolle. Doch dauerte sein Zögern nur einem festen Griff, in dem sich Groll und Entschlossenheit ausdrückten, faßte er die Tafel und in Oberen, stärkeren Zügen, als die früheren Worte, schrieb er den Namen, den sie zu wissen begehrte. Da stand er vor | * * * Henninger war mit ihrem stummen Begleiter eilig ihrer Wohnung zugeschritten, des Regens nicht achtend, der sanfter, aber ohne Aufhören fiel. In ihrem Zimmer hatte sie Licht gemacht und die Vorhänge vor den Fenstern Herabgelaffen,- jetzt stand sie dem Taubstummen im Hellen Scheine der Lampe, deren Schirm sie absichtlich entfernt hatte, gegenüber. Sich trotz ihrer Erregung zu langsamer, deutlicher Bewegung der Lippen zwingend, sagte sie: „Der Mann vorhin war Ihnen bekannt- wissen Sie seinen Namen?" , „ Zur Tafel zu greifen, die er bereits hervorgezogen hatte, gab ihr Basmann durch lebhaftes Kopfschütteln seine lautlose Antwort. „Was wissen Sie von ihm?" Zbtzt begann er zu schreiben. „Ist ein schlechter Mensch. ^."Verbrecher. Sich vor ihm hüten. Sie nicht ins Unglück kommen!" Mit schmerzlichem Ausdruck nickte sie zu seinen Worten. „Berichten Sie mir Alles, was Sie wissen," sagte sie. Er sann einen Augenblick nach, indem er den Griffel in ferner Hand aufmerksam betrachtete, um ihn dann wieder voll Elfer über den Schiefer dahingleiten zu lassen. In weißen Linien traten die Worte auf dem dunklen Grunde I Aber- „Bin kein Aufpasser, kein Zuträger. Habe aber I Sm' ®°frte *on L'ppen. lesen. Habe zufällig einmal zwei Männer belauscht, die stritten um den Lohn für ein Ver- brechen. War auf dem Wall, in den Anlagen. Saß auf ihnen m ber Nähe» Der vorhin war der eine von I I $r/ üicht ungeahnt, aber nun doch mit kaltem Sckrcck-n e- überrieselnd, den Namen des Mannes, den sw f,e ha"« mit demJnstinct einer reinen Seehund der °n ihre Hande geliefert wurde, als schuldiger, überführter V-t brecher: „Doctor Jaksch!" ' 9rter Ver- Schweigend, mit großen, weitgeöffneten Augen starrt-. I )te auf die beiden Worte da vor ihr. Ja sie ben Schurken, der ihr den Bruder verführt hatte der zwischen sie und das Glück ihrer Zukunft getreten war A fte empfand es mit wachsender, blendender Klarheit — der die Kluft hatte erbreitern helfen, die zwischen ibr „„h öem Geliebten lag. Sie gedachte des Winters und seiner Schmerzen, und ihre Hände ballten sich so fest wfnJm,, daß die Nägel sich in des Fleisch grubm. .. ®a.nn' ""t den Fingern über die Stirn hinstreichend ine sich m zornige Falten gezogen hatte, begann sie »weder zu sprechen. „Schweigen Sie gegen Alle," sagte sie langsam und nachdrücklich. „Der Mann, den Sie vorhin bei mst gesehen haben, war mein Bruder." Erschreckt, bestürzt, in seinem Gefühl, ihr einen Dienst erwiesen zu haben, scheinbar getäuscht, griff Bäsmann mit unruhigen Händen in die Luft, um seinen Kummer und seine Reue der verehrten Beschützerin des geliebten Kindes auszu- drücken. Sie aber legte beschwichtigend die Hand auf seinen Arm und sagte mit der ruhigen Freundlichkeit die sie wieder- ZÄ""den hatte: „Grämen Sie sich nicht, ich wußte schon Alles von meinem Bruder- und Sie haben mir wirklich einen großen Dienst erwiesen. Ich danke Ihnen. Gehen ® p "Nb wenn Sie mir noch behilflich fein können, bitte ich Sie zu mir." — 99 — Er hatte sich während ihrer Rede erholt von dem Schrecken, den ihr plötzliches Auftauchen in dem halbdunklen Zimmer bei seiner Heimkehr ihm verursacht hatte; die verdammten Nerven spielten ihm jetzt manchmal einen Streich! Aber nun hatte er sich wiedergefunden, und mit der ruhigen Kälte, die er ihr gegenüber zu zeigen Pflegte, schaute er, ein wenig lächelnd, zu Fräulein Tietjens hinüber. Dann stand er auf, deckte die Kuppel auf die Lampe, daß mattere Helle sich über das Zimmer breitete, zog langsam den Ueberzieher aus, hing ihn an einen Kleiderhalter neben der Thür und sagte, zum Schreibtisch znrückkehrend: „Wenn es Dir möglich ist, so laß uns die Sache etwas weniger theatralisch behandeln." Ohne auf ihn zu hören, fuhr sie fort in ihrer leidenschaftlichen Rede,- der Zorn allein, der ihr in der Brust emporquoll, hatte sie für einen Augenblick verstummen lassen. „Aber Du hast Dich getäuscht, wenn Du gemeint hast, er wäre so gefällig gewesen, zu verschwinden auf immer. So wahr ich selbst in diesem Augenblick vor Dir stehe, mein Sohn lebt!" Er hatte vom Tisch eine feine Pincette ausgenommen und zupfte damit an den langen, röthlichblonden Haaren, die auf den Außenseiten seiner Hände wuchsen. „Das ist ja interessant," sagte er höflich und kühl. „Jawohl, er lebt! Und nicht soweit von Dir, wie Du es wünschen möchtest, nein, ganz in der Nähe, in dieser selben Stadt, in diesem selben Hause!" Wenn sie gemeint hatte, Ueberraschung und Schrecken auf seinem Gesichte zu lesen bei diesen Worten, so hatte sie sich getäuscht. Sie sah auch jetzt wieder das glatte Lächeln auf seinen Zügen, und dieser Anblick vermehrte noch ihre Wuth. Du hast ihn von Dir gestoßen, aber er ist doch wieder zu Dir zurückgekommen. Der Zufall, — oder soll ich es Schicksal nennen Dir zum Aerger, Du meineidiger, glaubensloser, frivoler Bube? — ja, das Schicksal hat ihn hierher gebracht unter das Dach dieses Hauses!" „Etwas leiser, wenn ich bitten darf. Du wirst die Leute hierher schreien, und ich dachte, es wäre Dir nicht erwünscht, wenn man von unserem Verkehr erführe." Sie hatte nun wirklich die Stimme zu lautem Drohen erhoben, die Worte, die zuerst einzelnen, schweren Regentropfen geglichen hatten, strömten jetzt fessellos hervor in ungehemmter, mächtiger Fluth. Auch seine höhnische Warnung brachte sie nicht zum Schweigen oder zur Mäßigung. //Mdgen Sie's erfahren, ich frage nicht mehr darnach. Ich selbst, ja, ich selbst möchte es ihnen entgegenrufen: ich brn m Schmach und Jammer, aber hier ist der Mann, der mich zu dem gemacht hat, was ich bin! Um seinetwillen habe ich Ehre, Familie und Heimath verloren, um seinetwillen habe ich int Schatten der Sünde gelebt seit vielen Jahren. Und was hat er mir gegeben für meine Opfer? Hohn und Verachtung, Spott und Mißhandlung. Er hat nicht gegeben, er hat nur -genommen. Den Sohn, den ich liebte, der mir hatte ersetzen können, was ich verloren hatte, — von der t i er m*r gerissen und ihn seiner Mutter entfremdet!" Mit einer Stimme scharf und hart wie das Metall, as er noch immer in der Hand hielt, unterbrach sie der n S’.x "®u ^wärmst und phantastrst. Es wäre nützlicher sur Dich und mich und vielleicht auch für einen Dritten, wenn Lu mit vernünftigen Worten mir sagtest, was Du erfahren hast, wann, wie und wo Du es erfahren hast." a E cS Dir sagen," gab sie mit ungeminderter reldenschaft zur Antwort- „weil ich nicht glaube, daß es ihm Schaden bringen kann, und weil es Dir zeigen soll, daß es em Schicksal und eine Vergeltung giebt. Oder ist es vielleicht eine Kette von Ursache und Wirkung, wenn dieselbe Frau, urch deren Hilfe Du den^Sohn von Dir und mir losreißen r?, $ier$et kommen muß in dieses Haus durch Deine schuld, um den Verlorenen wiederzuerkennen nach vielen Vahren? Ich sage: durch Deine Schuld! Hättest Du einem ranken, schutzlosen Kinde die Hilfe nicht verweigert, die Du ihm und seinem Vater zu vielen Malen versprochen hattest, niemals hätte das Kind hier eine Zuflucht gefunden, niemals hätte jene Frau, die ihm verwandt ist, die Schwelle dieses Hauses betreten." „Was ist das für eine Frau, von der Du redest?" Er hatte die Pincette jetzt auf den Tisch gelegt, den Kopf zurückgeworfen und schaute sie mit kalten Blicken gebieterisch an. „Dieselbe, der Du den Knaben übergeben hast, und der er entlaufen ist. Ich kenne sie, Du weißt es, denn in der ersten Zeit hattest Du es mir erlaubt, mein Kind noch zuweilen zu sehen, und als Du es mir verboten hattest, bin ich noch einmal heimlich dort gewesen. Es ist zu lange her, und mein Sohn war zu klein, als daß ich ihn jetzt hätte wiedererkennen können, wenn er mir begegnete, hier, in diesem Hause! Aber die Frau ist hierher gekommen, ich habe sie gesehen, und sie ist eine zuverlässige Zeugin, wie Du anerkennen wirst." (Fortsetzung folgt.) Geheimmittelschwindel. Von Dr. med. Vollmann. ------- (Nachdruck verboten.) Der Hang zum Mystischen und Wunderbaren ist unausrottbar in der Natur des Menschen begründet. Wo die Erklärung natürlicher Vorgänge versagt, wo ihm natürliche und bekannte Mittel unzulänglich oder auch zu einfach erscheinen, greift er gern zum Uebersinnlichen, Geheimnißvollen. Man sollte meinen, daß der außerordentliche Aufschwung, den die Medicin besonders im letzten Jahrhundert genommen hat, dem Unwesen der Geheimmittelkrämerei den Boden entziehen müßte, aber in Wirklichkeit blüht dasselbe lustig weiter, ja es werden für seine Zwecke sogar die Fortschritte der Medicin ausgebeutet. Neben dem Gewände des Geheimnißvollen, in das es sich kleidet, kommt ihm noch ein mächtiges Mittel hilfreich zu statten, das es in seiner ganzen Ergiebigkeit zu gebrauchen weiß, nämlich die Reclame. Was gedruckt ist, macht schon deswegen der großen Menge eher den Ausdruck des Glaubwürdigen, und außerdem sind ja die Inhaber der unfehlbaren Mittel gewöhnlich in der Lage, zahllose Dank- und Anerkennungsschreiben beizufügen, die oft von Leuten aus den besten Kreisen unterzeichnet sind. Ohne der Echtheit dieser Dokumente zu mißtrauen, darf man doch in ihren objectiven, beweisenden Werth erhebliche Zweifel setzen, gehen sie doch gewöhnlich von Personen aus, die über die Natur der Krankheiten weder Urtheil noch Erfahrung besitzen, die dem Mittel Besserungen zuschreiben, die nur dem natürlichen Verlauf der Krankheit entsprechen. Die Leser, an welche sich die Anpreisungen richten, denken nicht weiter über diese Entstehungsweise der Atteste nach, sondern verlassen sich auf ihren überzeugenden Inhalt und fallen auf das Mittel hinein. Angenommen, daß dasselbe nicht gerade directen Schaden stiftet, vorausgesetzt sogar, daß es sich um ein für gewisse Uebel ganz wirksames Mittel handle, ist selbst dieses in den meisten Fällen für den Besteller nutzlos- es wird nämlich in der Regel aus der Masse des Angepriesenen diejenige Annonce bevorzugt, bei welcher die von dem Mittel angeblich beseitigten Krankheitszeichen am meisten Ueberein- stimmung mit denen des Bestellers darbieten. Nun betrachte man daraufhin eine beliebige Annonce, die Zusammenstellung der verschiedenartigsten Symptome und Beschwerden, welche sämmtlich durch ein und dasselbe Mittel günstig beeinflußt werden sollen und man begreift, daß sich darunter die widersprechendsten Krankheiten unterbringen lassen. Warum gehen die Betreffenden nicht lieber zum Arzt? wird jeder Vernünftige fragen. Weil das angepriesene Geheimmittel nicht gar so theuer ist und dafür eine große Doctor- und Apothekerrechnung erspart. Die Meisten sehen sich aber früher oder später doch noch genöthigt, einen Arzt zu Rathe zu ziehen, und dann ist nicht nur die erhoffte Ersparniß vereitelt, sondern auch oft die kostbarste Zeit zum Eingreifen verstrichen. Betrachten 1 100 bis fünf Stunden ohne Hinterlassung irgend welcher Spur verschwunden. V-rmEeht-s ,Du, in so sehr zu Herzen, wenn ich mir nicht etwas pumpen ?" * Ein Finanzgenie. aber mit den Finanzen faul wir ferner die vermeintliche Billigkeit, so hat wohl Jeder schon in gelegentlichen amtlichen Veröffentlichungen gelesen, daß vor irgend einem Geheimmittel gewarnt wird, da dessen genaue chemische Untersuchung ergeben hat, daß es kaum den 50. Theil des verlangten Preises Werth ist. Wie oft ergibt sich, daß ein Schlaukopf einige ganz gleichgültige Stoffe zusammenmengt, ihnen durch ein wenig bekanntes Mittel einen recht starken Geruch oder Geschmack und kräftige Färbung verleiht, — denn beides erhöht den Glauben an die Kraft des Trankes erheblich — und das „unfehlbare Mittel" gegen die unmöglichsten Krankheiten ist fertig. Wenn auch der Käufer hierbei in Wirklichkeit gehörig geprellt wird, so ist doch diese Art der Geheimmittel noch verhältnißmäßig harmlos. Viel gefährlicher sind diejenigen, welche irgend einen stark wirkenden Arzneistoff, vielleicht gar ein Pflanzengift, das ja dem Kenner immer zugänglich ist, enthalten und dem Käufer ohne Kenntniß von dessen Constitution, der Beschaffenheit seiner Organe, ja nur der wirklichen Natur seiner Krankheit in die Hand gegeben werden. Hierdurch ist schon viel Schaden gestiftet worden- Jedem werden Fälle bekannt sein, in denen gerichtlich gegen einen Kurpfuscher wegen fahrlässiger Tödtung vorgegangen werden mußte — der Todte wird dadurch nicht wieder ins Leben zurückgerufen. — Mancher meiner verehrten Leser wird mir dagegen diesen oder jenen Fall seiner persönlichen Erfahrung anführen können, in dem ein Geheimmittel einen eklatanten Erfolg gehabt hat. Ich weise ihn nur auf die uneontrolirbaren Wendungen hin, welche manche Krankheiten ohne fremdes Zuthun nehmen und gebe selbst für eine ganz geringe Anzahl von Fällen zu, daß das Geheimmittel ein zweckentsprechendes Medieament für die betreffende Krankheit darstellte. Dann hätte aber der Patient dasselbe auch von einem Arzt nur für geringeren Preis erhalten, denn es gibt kaum in der Natur nur einzelne bekannte Pflanzenstoffe, die die Wissenschaft nicht auch kennte. Allein der Kranke setzt an ein angepriesenes Geheimmittel eben einen höheren Glauben, und „das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind." Die vorstehenden Zeilen werden den Geheimmittelhumbug Nicht lahmlegen, vielleicht aber enthalten sie für Manchen doch eine nützliche Warnung oder setzen ihn in den Stand, wenn er sich dem Wunderglauben an die Kraft der Geheimmittel in die Arme wirft, wenigstens den gröbsten Täuschungen zu entgehen. Gewiß ist es begreiflich, wenn ein Kranker, dessen Leiden aller Kunst der Aerzte trotzt, in seiner Rathlosigkeit nach jedem andern Hoffnungsschimmer greift, der sich ihm bietet, wie der Ertrinkende nach dem Strohhalm. Dann soll er aber nicht blindlings in jede Falle gehen, die ihm Gewissenlosigkeit und Geldgier in verführerischen Reclamen stellen, sonst erntet er statt der erhofften Heilung leicht schweren Schaden und Spott obendrein. Stockflecke aus buutgefürbten Stoffen lassen sich leider nicht entfernen, ohne daß die Farben zerstört werden. Aus schwarzen oder weißen Stoffen dagegen, wie z. B. Atlas, vertreibt man sie, indem man die Flecke mit einer Mischung von Spiritus und Krauseminzethee zu gleichen Theilen mit einer weichen Bürste vorsichtig bürstet. Aus Glacehandschuhen entfernt man die garstigen Flecke am besten, wenn man die Handschuhe in Seidenpapier einschlägt, sie in eine gut verschließbare Blechbüchse thut — CaeaobÜchsen sind für diesen Zweck sehr wohl verwendbar —, in die man vorher einige Stückchen Hirschhornsalz geworfen hat. Will man die Flecke auf eine raschere Art vertilgen, so hängt man die Handschuhe in einen vollständig lustdicht verschließbaren Kasten, in den man ein flaches Schüsselchen mit Salmiakgeist gestellt hat. Die Flecke sind bei dieser Art der Behandlung meist in vier Reform der Frauenkleidung. Aus Berlin wird berichtet: Im „Verein für Verbesserung der Frauenkleidung" fand dieser Tage wieder eine sehr zahlreich besuchte Sitzung statt. Es wurde den Anwesenden bekannt gemacht, daß der Verein vom 11. bis 24. April eine Ausstellung von verbesserter Kleidung veranstaltet, zu welcher Ober- und Unterkleidung jeder Art zugelassen wird, die genau nach den Grundsätzen des Vereins hergestellt ist. Weil starke Frauen sich schwerer entschließen, die verbesserte Kleidung anzunehmen, als schlanke, erläßt der Verein ein Preisausschreiben für ein Frühjahrskleid für eine starke Dame im Alter von 30 bis 50 Jahren, welches möglichst ohne Fischbein-Einlagen mit fußfreiem Rock und auf verbesierter Unterkleidung (kein steifes Corset) gearbeitet sein muß. Das beste Kleid erhält einen Ehrenpreis von 100 Mk., das zweitbeste einen solchen von 50 Mk., weitere gute Arbeiten werden mit ehrenvoller Anerkennung ausgezeichnet. Die preisgekrönten Kleider kommen zur Ausstellung und werden in der „Modenwelt" veröffentlicht. Die gegebenen Maße und andere nähere Angaben macht der Verein in seinen „Mittheilungen"- auch liegt das Preisausschreiben bei den Vorstandsmitgliedern und in den Arbeitssitzungen aus. * * ,#>uu, ui der Türkei muß et stehen, wenn schon keene Je- — ..Det is noch jar nickt so * * Eifenffecke lassen sich leicht aus Leinewand entfernen, wenn man den Stoff mit Schwefelkali einreibt, dann den Fleck in Citronensaft oder Citronensäure einweicht und nachher auf's Sorgfältigste in Wasser auswäscht. * * * Flecken von Milch und Kaffee werden'aus wollenen und seidenen Zeugen dadurch entfernt, daß man die fleckige Stelle mit reinem Glycerin bestreicht, mit lauwarmem Wasser durchwäscht und sie auf der linken Seite, ehe sie trocken wird, glättet. Das Glycerin hat die Eigenschaft, den Gerbstoff des Kaffees sowie die Fettigkeit der Milch aufzunehmen und greift selbst die zartesten Farben nicht im Mindesten an. Redaction: K. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in hälter mehr jezahlt werden." — „Det is noch jar nickt so schlimm. Wenn ick Sultan wäre, ick wüßte mir schon Rath. — „Und wat würdste machen?" — „Einfach det joldene Gut angeknüpft. Erster Student: „Weshalb macht denn Dein Freund Schluck so eine Jammermiene?" — Zweiter Student: „Ach, der arme Kerl, dem geht es immer ' kein Geld hab' — kannst Da Horn versilbern." * * Disciplin muß sein. Unteroffizier: „Warumstehen Sie nicht still, Einjähriger?" — „Eine Fliege krabbelt aus meiner Nase." — „Die hat mit stille zu stehen, verstanden rl * * Erl eichterungs maßregel. Rebekka: „Vaterleben, steck Dir Geld ein, daß Du kannst auf dem Standesamt " bischen klimpern — damit meinem Isidor das „3«' leichte wird." * * * Gute Kinder. Dichterling: „Was sagen Sie zu den Kindern meiner Muse?" — Kritiker: „Es stnd 9 Kinder! Sie werden immer wieder zu ihrem Vater zur» kehren!"