Atschläfer schädlichen inzig uttb zen Nacht m Schlaf- daß recht Daraus rptsächlich für alle llen. m Winter geöffnete zwar an im Bette aber doch e Wasser- durch ent- öir sollen sich des ist eine uundheit-s m Kachel- nach der gel thell- vünschten :n stören, and binde wird die lsammen- fen, noch Ofen tm / so lasse rze Nacht ■ [et offen mb oben i Winter Binnenerneuern ie Nacht- i, welche >tluft be- Ammen- Biener): arch die Fenster gewesen ctor, ich wie Du ich Dir x, dann , lieber , [ahle ich Du mir eufmann oerliebt, ist ih« -ßen. LommSta- btt L April. l-, M AnterhMntzsblatt M MeßenerAn;eiger Beneml-AnMer) BBS üWYUMiI 8 Hü® Das Leben. JeEf er Eine verjubelt es statt und verschlemmt's, yöf Der Zweite verwirst's und der Dritte vergränrt's, jy* Der Vierte verbringt es im Drang des Geschäfts, Der Fünfte verbüffelt's, der Sechste verschläft's, Der Siebente hat es — verphilosophirt-- Wem da wohl die Palme der Weisheit gebührt? O. G. W. Novelle von E. von Bisch darf. (Fortsetzung.) Nein, Frau von Helling hatte nicht gewußt, daß sie eine so lenksame Tochter besitze. Reglne war ja wie ausgetauscht. Sie hörte zu, wenn Felix erzählte, schenkte ihm ein, wenn er ausgetrunken hatte, fragte voll Jntereffe, wieviel Geld er auf dem Remontemarkte für seine Fohlen gelöst, wie viele Hühnchen in Mamsell Christiuchens Stall ausgekommen seien, und wie sie dieselben ernähre. — Regine, die es bisher nie der Mühe werth gefunden, die Gerste vom Weizen unterscheiden zu lernen. Aber Felix war nicht weniger erstaunt, als sie selbst! Kaum wagte er, an sein so unerwartet aufkeimendes Glück zu glauben. Er vermied es ängstlich, die jungen Triebe desselben durch unzartes Berühren zu zerstören, aber Retzinens warme Blicke schienen ihm anzudeuten, daß dieselben lebensfähig seien. Seine Pflichten daheim riefen. Dieses Mal konnte er nicht scheiden, ohne Gewißheit zu haben. Zunächst wandte er sich an Frau von Helling. Aber diese war schon ihrer Sache sicher, und als Regine eintrat, noch ehe sie Zeit zum Antworten gefunden, rief sie ihm ermunternd zu: „Frag' sie nur selbst, mein Junge!" und verließ behaglich lächelnd das Zimmer, um in aller Eile ein kleines Verlobungsdiner zu rüsten. Er war mit raschen Schritten auf sie zugegangen und ergriff ihre beiden Hände. , „Regine," sagte er tief bewegt, „Du weißt vielleicht schon, was ich Dir jetzt sagen will — daß ich Dich lieb habe, ganz unbeschreiblich lieb — darf ich," er stockte, „glaubst Du, daß Du mit einem einfachen Menschen, wie ich es bin, glücklich werden könntest, daß Du mir folgen könntest ohne Reue/ Sie war todtenblaß geworden, als er begann. _ Aber seine rührende Bescheidenheit erschütterte sie. Rasch faßte sie seinen Kopf mit beiden Händen, zog ihn näher und sah ihm übermüthig lächelnd in die Augen: „Meinst Du denn, daß es so furchtbar schwer set, mit Dir friedlich Haus zu halten, Du mein lieber, guter Felix, Du?" „Mein Felix," wie beseligend das klang! Jubelnd zog er sie in seine Arme und küßte sie, erst leise, zaghaft, dann stürmischer. Sie schmiegte sich an ihn und schloß die Augen. Seine naive, innige Zärtlichkeit that ihrem wunden Herzen wohl. * ♦ * Ende August, als die Ernte vorüber war und der gewissenhafte Gutsherr sich ein paar Tage Ferien vergönnen konnte, fand die Hochzeit statt. Felix und Regtne hatten sich bis dahin nicht wiedergesehen. Ihn hielt daheim die Arbeit fest, sie war mit der Mutter ins Bad gereist. Felix war kein Held im Briefschreiben, aber ein paar herzliche Worte sandte er ihr doch täglich. Der bedeutungsvolle Tag kam und ging vorüber wie ein wirrer Traum. Regme war in beständiger Hetze. Jetzt mußte sie sich ankleiden zur standesamtlichen Trauung, dann Toilette machen für die kirchliche Feier. Nun hörte sie wie aus weiter Ferne das Orgelspiel an ihr Ohr schlagen, dann die Worte des Geistlichen, daheim die Glückwünsche, Toaste, das Gläserklingen — endlich saß sie mit Felix im Coupe, und ein seltsames Gefühl durckzuckte sie — jetzt fuhr sie in die Welt hinaus als die Frau eines Mannes, den sie nach ihren Begriffen eigentlich garnicht kannte. , Sie wollten ein paar Tage in Dresden bleiben, diesem echten Flitterwochenparadies, ehe sie der Heimath zueilten. Beide kannten Elb-Florenz noch nicht, beide genossen den Aufenthalt dort mit vollen Zügen. Droben auf der Terrasse bei Fiebiger saßen sie und schlürften die unvergleichlich köstliche Choeolade. Drunten rauschte die Elbe durch die schön geschwungenen Sandsteinbrücken, die Sonne ließ die grünen Kupferdächer leuchten- aus den Gärten der Neustadt klang gedämpfte Militärmusik über den Strom, zahlreiche Vergnügungsdampfer fuhren den Loschwitzer Hügeln zu, die fern am Horizonte im blauen Dufte verschwammen — aber das Alles sah eigentlich nur Regine- ihr Gatte hatte nur Augen für sie. Er war bis über die Ohren verliebt, der gute Felix, und dieser Zustatid hatte etwas Ansteckendes. Wenn er sie so mit strahlenden Augen ansah, ihr immer wieder verstohlen die Hand drückte, ihr jeden Wunsch von beit Lippen las — bann strömte etwas von dem Sonnenschein, der ihn erfüllte, auch auf sie über. Das Bewußtsein zu beglücken, macht zu- 150 — letzt immer selbst glücklich. Es war so angenehm, sich von ihm anbeten zu lassen- nach der bitteren Erfahrung, die sie gemacht, goß es Balsam in ihre Wunden. Sie hing sich gerne an seinen Arm, fand, daß er doch viel mehr von der Welt und ihrem Treiben wußte, als sie geahnt hatte, bewunderte seinen köstlichen Humor, suchte ihr Bild in der Pupille seiner prächtigen Augensterne zu erspähen, und war zuletzt eben so übermüthig fröhlich, als er. Ja, sie hatte wirklich vergessen, daß es noch einen anderen Mann auf der Erde gab, als ihren Felix. Er ergänzte sie eigentlich wundervoll. Die sprudelnde Frische, die Zufriedenheit, das vernünftige Bedenken und Ueberlegen, Alles was ihr fehlte, hatte er für Beide. So ließ sie ihn denn behaglich für sie sorgen, verfolgte vergnügt mit den Augen seine Bemühungen für ihre Bequemlichkeit und fand, daß die Welt schöner sei, denn je. Alles war hier aber auch vereint, sie zu entzücken, Natur und Kunst in lieblichster Weise verschmolzen. Im Großen Garten war Felix in seinem Elemente. Von jedem Baume wußte er den lateinischen Namen, kannte die verschiedenen Rosenarten, die das Rondel vor dem Schlößchen schmückten, erzählte ihr, wie eine jede gepflegt sein wolle. In der Bilder-Galerie verstummten zuerst Beide im Schauen. Regine verschlang die herrlichen Werke des Murillo, Rafael, Tizian, Rembrandt förmlich mit den Augen! dann aber begann sie, ihrem Manne jeden in seiner Eigenart zu deuten! er mußte nun doch Alles mit ihr theilen, und ihre Lieblinge sollten ihm ebenso vertraut werden wie ihr. Felix hörte ihr mit Vergnügen zu. Es stand ihr reizend, wenn sie so lebhaft sprach, erhöhte ihre Farbe und vermehrte der Glanz ihrer Augen. Er war ganz in der Stimmung, Alles zu bewundern, was sie ihm anpries. Ein kühlerer Beobachter als Regine hätte wohl bemerkt, daß ihm der Beifall vor Kießlings Bilde der drei schönen Schwestern mehr von Herzen kam, als vor der göttlichen Sixtina. Den letzten Abend verlebte man im Theater. Goethes „Faust" wurde gegeben. Er war für Regine stets die herrlichste Offenbarung menschlichen Geistes gewesen. Sie kannte ihn fast auswendig! aber auf der Bühne hatte sie ihn noch nie gesehen. Wie viel packender, gewaltiger trat er ihr nun hier entgegen! Bald hatte sie Alles um sich her vergessen. Weit vorgebeugt mit fliegendem Athem folgte sie der Darstellung. Wie ergreifend natürlich wußte aber auch der den „Faust" spielende Künstler die Seelenkämpfe des immer vergeblich nach Erkenntniß und Befriedigung Dürstenden zu gestalten! Gespannt beobachtete sie jede Nüance seines ausdrucksvollen Geberdenspieles, sog sie die herrlichen Worte ein, die nun, getragen von seinem mächtig tönenden Organe, voll Kraft und Leben ihr entgegen klangen, als etwas ganz Neues, das sie doch vertraut berührte. Nun kam ihre Lieblingsstelle. Faust sah der sinkenden Sonne nach, und sehnsüchtig wünschte er, ihrem Laufe folgen zu können. „Ach, zu des Geistes Flügeln wird fo leicht Kein körperlicher Flügel sich gesellen!" O wie sie das verstand! Schon als kleines Kind hatte sie die Vögel beneidet, und ihre Sehnsucht nach körperlichen Schwingen wuchs mit den Jahren. Sie hätte rastlos wandern mögen, Alles zu sehen, Alles verstehen zu lernen. Oft packte es sie mit gewaltiger Trauer, wenn sie dachte, daß es Länder voll ungeahnter Schönheit gab, und daß sie sterben würde, ohne diese Wunder geschaut zu haben. Ein ewiges Dürsten trieb sie vorwärts, aufwärts. Nie war sie mit Errungenem zufrieden, immer strebte sie der Sonne der Wahrheit nach, die sie doch nimmer völlig entschleiern konnte. Ein wunderbarer Schauer durchrieselte sie nun, als sie die Worte vernahm, die diesen dunklen Drang in ihr zu gestalten schienen. Unwillkürlich suchte ihre Hand die des Gatten. Sie mußte ihm durch die Berührung verrathen, was in ihr vorging, mußte sich vergewissern, daß er mit ihr empfand. Aber Felix war von solchen Trieben nichts bewußt- eigentlich hatte er garnicht genau hingehört. Seinen „kindlich - dumpfen" Sinnen lag Alles Himmelstürmende fern. Vielleicht hatte ihn ein gütiges Geschick ohne Teelenkämpfe auf jenen Standpunkt geführt, den Faust erst am Ende einer Laufbahn gewinnt: „Nur Der verdient sich Freiheit, wie das Leben, Der täglich sie erobern muß." Jeder Morgen brachte ihm sein bestimmtes Tagewerk. Freudig schritt er an die Arbeit, und im emsigen Schaffen behielt er keine Zeit, über die Anzahl der Seelen in seiner Brust zu grübeln. Seinen Grund und Boden fruchtbar zu gestalten- seine Untergebenen zufrieden, wohl versorgt zu sehen- darauf richtete sich sein Bestreben. Was galten ihm tetnbe Länder? Reisen erschien ihm wie Zeit todtschlagen. Wie viel Nützliches konnte er inzwischen daheim leisten! Jetzt eben dachte er, daß Faust doch ein sonderbarer Schwärmer sei, und daß der gelehrte Doctor am vernünftigsten thäte, Holz zu hacken oder Unkraut zu jäten und sich durch ein bischen körperliche, nützliche Anstrengung die Grillen aus dem Kopfe zu treiben. Da fühlte er Reginens tastende Finger und blickte zu ihr hin. Wie blaß sie war! zärtlich besorgt neigte er sich zu ihr: „Du siehst mir ja ganz jämmerlich aus, Liebling!" sagte er leise. „Ich glaube, Du hast Hunger. Wir hätten doch irgend etwas essen sollen, ehe wir her gingen. Aber am Büffet habe ich nette Brödchen gesehen- davon hole ich Dir in der nächsten Pause." Mit einem Schlage war Regine ernüchtert, zurückgerufen von der „Menschheit Höhen", auf denen sie eben noch mit dem Sänger gewohnt, zur kahlen, flachen, prosaischen Erde. Sie war erwacht aus ihrem süßen Flitterwochentraum, und seufzend fühlte sie die Gewißheit in sich aufsteigen, daß sie nicht immer das erhoffte Doppelleben führen würde, daß es für ihren Geist Gebiete gab, in denen er nach wie vor einsam blieb. * * * Auf einer die ausgedehnte Ebene weithin beherrschenden Anhöhe ein vornehmes Herrenhaus mit festgefügten Mauern, hohen, luftigen Sälen und Zimmern, weiten, gewölbten Kellerräumen, das bald zwei hundert Jahre auf seinem erhabenen Standpunkte thronte. Ein schattiger Garten, von Buchsbaum eingefaßte Teppichbeete, die mit ihren altmodischen, würzig duftenden Blumen die breite Terrasse zierten, an deren weißer Mauer rother Wein rankte und köstliches Spalierobst zu ungewöhnlicher Vortrefflichkeit gedieh — das war Reginens neue Heimath. Jetzt eben stand sie in der laubumsponnenen Veranda, im leichten blaßlila Kleide und schaute entzückenden Auges auf die sonnige Landschaft zu ihren Füßen. Ihr Gatte hatte den Gärtner wohl zu leiten gewußt, daß er den gar zu üppig wuchernden Baumwuchs in Schranken hielt und den Ausblick durch denselben nicht verdecken ließ. Unbehindert konnte man hinter dem bunt werdenden Laube die weiten Felder übersehen, auf denen noch geschnittener Korn in hohen Stiegen stand. In der Ferne bemerkte man die rothen Gebäude des einen Vorwerks, und rechts blitzte der Spiegel eines Sees auf, dicht am dunkelen Waldessaum, der den Horizont begrenzte. Nun tauchte neben demselben ein graues Rauchwölkchen auf, das näher und immer näher zog, ein schriller Pfiff durchzitterte die Luft, und wie em langer, schwarzer Wurm zischte ein Etsenbahnzug durch dar stille Land. Mit einem tiefem Athemzuge riß sich Regine von de« schönen Bilde los, das sie andächtig mit unwillkürlich^ gefalteten Händen bestaunt hatte, und wandte sich dem an ihrer Sette kochenden Samowar zu, um ihren Pflichten als Hausfrau zu genügen. Wohl keine lieblichere Herrin hätte man diesem schönen Besitze schenken können, als sie — das dachte in diesem Augenblicke nicht nur Felix, der sie leuchtenden Auges betrachtete, das dachte auch die alte Frau an serner Seite mit dem feinen stillen Gesichte: seine Mutter. Sie hatte dem Sohne bisher treu und emsig die Wirthschaft ge- 151 führt und war nun bereit, zu einer verheiratheten Tochter zu ziehen, die ihrer jetzt mehr bedurfte, als da« junge Paar. Vorher wollte sie noch die Schwiegertochter im neuen Heim willkommen heißen und sie herumführen in Küche und Keller, in Garten, Hof und Stall. Die begeisterte Bewunderung für ihr kleines, wohlgeordnetes Reich lohnte ihre Mühe und erfrischte ihr Herz. Regine jubelte üller Alles, was sie sah. Zum ersten Male lernte sie einen großen, ländlichen Haushalt kennen, und was für einen guten! Das war ja eine Musterwirthschaft, wie sie in Büchern geschildert wird, die sich da vor ihr aufthat. Die Linnenschränke bargen die schönsten, alten Damastgedecke von Großmutter und Urahne her. Die zahlreichen Fremdenstuben mit ihren blüthenweißen Vorhängen und Bettdecken, den blendend gescheuerten Dielen und den alten Holzschnitten an den Wänden harrten nur der Gäste, die dort zur Jagdzeit ihr munteres Wesen trieben. Einstweilen aber dienten sie noch manch anderem Zwecke. Da lag auf einem massiven Tische aus Tannenholz frisch gefertigte Seife- im Nachbarraume erblickte man eine dickbauchige Terrine, in der ein kräftiger Wachholderschnaps bereitet wurde. Dann die Vorrathskammern mit dem im Dorfe gesponnenen Flachs, mit großen Tonnen voll zartester Daunenfedern, voll gedörrten Obstes und verschiedener Hülsenfrüchte- die Räucherkammer, der ein vielversprechender, kräftiger Geruch entströmte — Regine, die daheim an ein bescheidenes Vorrathsschränkchen gewöhnt war, schlug die Hände zusammen über diese Herrlichkeiten, und zum ersten Male regte sich in ihr haussraulicher Stolz und Ehrgeiz. Sie sah sich schon als Verwalterin dieser Schätze eifrig treppauf, trepp ab eilen, Alles beaufsichtigend und leitend. Nun betraten sie ein sonniges Stübchen, in dem ein Dompfaff im Bauer saß, und wunderbare, alte Porzellansächelchen, die den Jahrmärkten der Umgegend entstammten, die nach Lavendel duftende Commode zierten. Hier saß der gute Geist des Hauses, Mamsell Christinchen, und stopfte fleißig Tüllgardinen. Sie war einst in ihrer Jugend sehr schön gewesen und noch jetzt eine imponirende Erscheinung zu nennen. Trotz ihrer dreiundsechzig Jahre hielt sie sich gerade und aufrecht, hatte noch keinen ihrer weißen, regelmäßigen Zähne zu vermißen und ihre vollen Scheitel leuchteten in unvermischtem Schwarz- daß sie heimlich in einem Kasten schwarze Stangenpomade barg und damit etwas nachhalf, den Schimmel des Alters zu vertreiben, war ja eine verzeihliche, kleine Eitelkeit. Galt es ihr doch nur, als würdige Repräsentantin des Gesindes aufzutreten in jenem Hause, in dem sie nun seit über vierzig Jahren Freud' und Leid gethetlt. Ihre Herrschaft war die einzige Liebe ihres Herzens gewesen, eine Anhänglichkeit, die Regine wunderbar berührte, wie eine mittelalterliche Sage von der Mannentreue bis in den Tod, die fremd und romantisch hineinklingt in die moderne Zeit, in der die Dienstboten sich schon abwechselungshalber gerne alle paar Jahre verändern. An Bewerbern hatte es Mamsell Christinchen nie gefehlt. Aber keiner hätte ihr Ersatz bieten können für ihre Stellung in dem vielgeliebten Hause. Sie sprach einen ganz eigenen Dialect, der sich an keinen der landläufigen anschloß, sondern durch immer neue Abweichungen von allem bisher Dagewesenen überraschte. Besonders suchte sie ihre sonstige Abneigung gegen das andere Geschlecht wieder gut zu machen, indem sie fast allen Hauptworten den männlichen Artikel verlieh, oft sehr unbegründeter Weise. „Daß mich der liebe Göttchen das noch hat erleben lassen, die liebe, junge Frau von meinem gnäd'gen Herrn zu sehen, das ist aber eine Freud'," und wieder und wieder küßte sie Reginens Hände. „Und daß der Tort', der Hochzeitstort', den wir gebacken, auch so nach gar nichts aussehen mußte Der Hagebutt' putzt schon am besten, und der war nicht zu kriegen dieses Jahr!" Boll Würde leitete sie sie dann hinab in die Kellerräume, wo die große Centrifugenmaschine stand, ihr höchster Stolz. Jeden Hahn und jede Schraube erklärte sie der jungen Frau voll Wichtigkeit, und die Aufmerksamkeit, mit der Regine ihr lauschte, gewann ihr Herz im Sturm. „Man merkt's doch gleich, daß die junge gnä' Frau 'ne geborene Helling ist," meinte sie beifällig. Regine aber warf sich mit einem Eifer auf ihre neuen Pflichten, der ihr Mamsell Christinchens Zufriedenheit in immer höherem Grade erwarb. Um 6 Uhr stand sie des Morgens schon im Keller und konnte sich nicht satt daran sehen, wie in die tobte Maschine Leben und Bewegung kam, wie der Separator säuberlich von der Milch die Sahne ausschied, aus der dann die köstliche, gelbe Butter entstand. Dann ging sie hinaus in den Garten, wo noch der Morgemhau an Blättern und Grashalmen hing und der Altweibersommer seine langen Fäden an ihr Kleid heftete- sie mußte zuschauen, ob der Gärtner nicht vergessen habe, die Frühbirnen abzunehmen und das gar zu schwer beladene Pflaumenbäumchen zu stützen. Sie, die sich bisher vor allem Gewürm so unbeschreiblich geekelt hatte, entfernte höchst eigenhändig ein paar fette Raupen von den Rosenstöcken. Es war eine ganz neue, patriarchalische Welt voll rüstigen, gesunden Schaffens, in die Regine getreten, und sie gab sich dem Zauber dieses Lebens hin, mit der ihr eigenen Begeisterung, ohne sich jedoch klar bewußt zu werden, daß sie hier fand, was ihre kräftige Natur immer gebraucht hatte, nützliche, reelle Arbeit nach dem bisherigen, geschäftigen Müßiggänge. Wie köstlich schmeckte das gemeinsame Mittagessen, wenn man so vom frühen Morgen an auf den Beinen und thätig gewesen war, Felix auf seinen Feldern, sie in der Jnnen- wirthschaft! Stolz lächelnd hörte er ihren sprudelnd vorgetragenen Berichten zu. Sie hatte sich bereits ein französisches Werk über Gartenbaukunst verschrieben, um im Frühlinge danach selbst den Pfirsichschnitt zu lernen, mit dem der Gärtner nicht zu stände kam. Felix hielt freilich wenig vom Bücherlernen, seine Weisheit beruhte auf practischer Erfahrung. Aber seine Frau war ja auch so viel klüger als er! Ein wohlverdientes Ruhestündchen nach Tische, dann ging Regine nach neuer Arbeit in Mamsell Christinchens Stube, an die eine Dachkammer grenzte. Die wunderbarsten Schätze lagen in derselben aufgespeichert. Massenhafte wollene Socken, bunt gestickte Tücher, wie die Dorffrauen sie auf dem Kopfe trugen, farbige Vorhemdchen für die Männer, Schürzen und Kinderkleidchen in allen Gestalten. „Alles zum Weihnacht, gnä' Frau, Alles zum Weihnacht, und Alles von der alten gnä' Frau und von mich gefchafft. Sie glauben's nicht, wie stolz die Leut' sind, wenn sie so ein Stück tragen, an das gnä' Frau selbst Hand angelegt hat. Da geht ihnen nichts drüber!" So hatte Christinchen am ersten Tage erklärt, und hier holte sich Regine Vorrath, um nach dem Begonnenen weiter zu arbeiten. Am Abende gönnte sie sich dann einen ErholungSspazier- gang mit Felix. Da zeigte er ihr denn, was er gearbeitet und erreicht hatte in all' den Jahren, in denen er hier gewirkt. Sein väterliches Gut zeichnete sich mehr durch schöne Lage, als durch guten Boden aus. Ein größerer Theil des Ackerlandes war recht sandig gewesen. Da hatte denn Felix mit Kunstdung fleißig nachgeholfen, der sich im Laufe der Jahre mit dem Sande und den noch vorhandenen Pflanzenfasern zu einem Humus verband, welcher nun der gepriesenen schlesischen Erde glich - in diesem Sommer hatte derselbe zum ersten Male Weizen getragen. Voll freudigen Stolzes wies Felix Regine die Stätte seines Erfolges. Dann mußte seine hübsche Frau all' den alten Gutsinsassen präsentirt werde», und Felix konnte sich nicht satt sehen an all' den bewundernden Blicken, die sie erntete, ohne es zu beachten. Jedes 152 - Fleckchen Erde des weiten Besitzes wurde ihr vorgestellt, jede Kinder-Erinnerung, die sich daran knüpfte, für sie aufgefrischt — und sie folgte ihrem Manne tapfer durch Wald und Wiese, sog die kräftige ostpreußische Herbstluft mit vollen Zügen ein und schmückte ihn und sich mit den rothen Beeren der Eberesche. DaS Stadtkind, empsänglich für alles Schöne, schwelgte in der ersten, großen Liebe zur freien Gottesnatur, die jetzt in ihrem Herzen aufging wie eine Offenbarung an der Seite des Gatten, dem diese Liebe angeboren und mit dem sie ausgewachsen war wie ein Glied seines Körpers, dem der Verkehr mit der Natur zum Lebensbedürfniß geworden wie das Athemholen. Der Herbst ward rauher, Sturm und Regen verwehrten die Bewegung im Freien, und die Abende wurden länger. Nach Wochen fühlte Regine zuerst wieder das Bedürfniß, ein Buch zu öffnen und kaum hatte sie das gethan, so schlug die Welt der Phantasie und des Gedankens, in der sie heimisch war, sie wieder in Fesseln. Im Wohnzimmer wurde der Kamin geheizt, behaglich lehnte sie daneben im Schaukelstuhle und wartete auf Felix - wie freute sie sich schon auf das gemeinsame Lesen! Sie hatte, wie sie alle Jahre zu thun Pflegte, schon einen Plan entworfen für die Regelung der Lectüre im Winter. Sie pflegte regelmäßig ein historisches Werk und eine Reisebeschreibung zu lesen und sich dann mit den neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der Kunstgeschichte und Romanliteratur zu beschäftigen. Wie anheimelnd lachten ihr die Bände entgegen, die sie aus der alten Leihe der Residenz hatte kommen lassen! Mit ihres Gatten Leben hatte sie sich nun vertraut gemacht- jetzt würde sie ihn einführen in die Welt ihrer Interessen, in der er noch Neuling war. Aber wie lange er fort blieb! Er beaufsichtigte daS Dreschen auf einem weit abliegenden Vorwerke, hatte doch aber fest versprochen, um 6 Uhr zurück zu sein und jetzt that die alte Wanduhr schon sieben Schläge in ihrer gewichtig ernsten Art! Ungeduldig schürte Regine das Feuer und lauschte in die Dämmerung hinaus. Wie einsam es doch war in dem alten Hause, wie unheimlich es raschelte im großen Flure! Sollten es gar Mäuse oder Ratten sein, vor denen sie ein kindisches Grauen fühlte? Aber da schlug die große Dogge an, die ihres Gatten steter Begleiter war, die schwere Hausthüre klappte und ein fester, energischer Schritt näherte sich ihrem Zimmer. „Schön guten Abend, Frauchen, bist Du schon sehr böie auf mich?" klang gleich darauf seine fröhliche Stimme neben ihr und vergessen war alles Unbehagen. Sie holte ihm Hausrock und Morgenschuhe und mischte mit kundiger Hand seinen Abendgrog. „Wie müde Du aussiehst, Felix, komm', stärke Dich ein bischen 'und ruhe aus nach dem ewigen Herumlaufen und Stehen!" (Fortsetzung folgt.) Sollen wir warm oder kalt oder gar bei offenem Fenster schlafen? Don Dr. Otto Gotthilf. (Schluß.) Nachtluft ist vielmehr, abgesehen von sehr sumpstgen Gegenden viel reiner und gesünder als Tagesluft, namentlich in Städten. Am Tage wird der Straßenstaub mit all seinen Unreinheiten und Schädlichkeiten immer wieder aufgewirbelt von Wagen, Passanten und Thieren - die Ausdünstungen von Menschen und Vieh steigen von der Straße zu unseren Fenstern empor- Fabriken, Gewerbebetriebe und Schornsteine erfüllen die Atmosphäre mit einer Unmenge von Dünsten, Verbrennungsgasen und BerbrennungSprodueten- dies Alles fällt in der Nacht fast ganz fort. Daher ist die Nachtluft entschieden reiner und gesunder. Biel leichter läßt sich in der warmen Jahreszeit eine regelrechte Ventilation Herstellen. Da öffnet man einfach im Schlafzimmer selbst mindestens die oberen Fensterflügel, läßt die Fensterrolle herunter und befestigt diese unten mit einem schweren Steine oder dergleichen, damit sie nicht vom Winde hin- und hergeschleudert wird. Das Bett soll natürlich nie, weder Sommer noch Winter, dicht am Fenster stehen, sondern sich möglichst an der entgegengesetzten Wand befinden. Gerade im Sommer ist es zur Erholung von des Tages Hitze überaus nöthig, bei offenem Fenster zu schlafen, besonders auch für die ganz kleinen Kinder. Bekanntlich haben diese in der heißen Jahreszeit sehr oft an Brechdurchfall zu leiden und gehen vielfach daran zu Grunde. Die erste Ursache nun zu dieser Krankheit bildet häufig eine Erkältung des Magens. Die armen Kleinen werden selbst im sommerlich heißen Schlafzimmer noch mit dicken Federbetten fest zugedeckt, fangen dann bald an zu schwitzen und strampeln sich bloß. Daß dann bei der nackten, schweißigfeuchten Haut sehr leicht eine Erkältung eintritt, ist ganz natürlich. Vollständig unbeschadet dagegen ruht ein Kindlein in einem angenehm kühlen Schlafzimmer, welches durch die gleichmäßig eindringende frische Luft stets auf normaler Temperatur erhalten bleibt. Sehr hübsch ist dies poetisch geschildert in einem Verse in „Kinderlust": Schweigend ruht die müde Erde, Und wie eine Lämmerherde An dem dunkeln Himmel ziehen Tausend Sternlein drüber hin. Durch das Fenster strömt herein Nachtluft, würzig, kühl und rein; Und mein Kindlein schlafet fest In dem kleinen, warmen Nest, Ohne Leid und ohne Sorgen Schläft es ruhig bis zum Morgen. Ganz besonders wohlthuend und heilsam wirkt frische Luft in der Nacht bei allen Schwachbrüstigen, Lungenlahmen, Bleichsüchtigen, Asthmatikern und an Schlaflosigkeit Leidenden. Diese müssen die Ventilation stets im reichsten Maße Herstellen und sich zum Schutze gegen Kälte lieber wärmer zndecken und eine Bettjacke anziehen, damit Schultern und Hals geschützt sind. Auch vollblütige Personen und solche, welche am Abend dem Bacchus oder Gambrinus etwas mehr gehuldigt haben, sollen in möglichst kühler, frischer Luft schlafen - dadurch wird der Blutandrang nach dem Kopfe und das beängstigende heiße Gefühl bedeutend verringert. Fassen wir nun unsere Betrachtung kurz zusammen, so ergeben sich zur Erzielung eines wirklich gesunden erquickenden Schlafes, der für jeden Menschen überaus wichtig und für seine Arbeitskraft und Schaffenslust durchaus nöth-g ist, folgende drei unumgänglich nothwendigen Gebote: 1. Schlafe stets bei offenem Fenster und zwar 2. In der wärmeren Jahreszeit öffne Nachts im Schlafzimmer das Fenster - 3. In der kalten Jahreszeit öffne Nachts im geheizten Schlafzimmer das Fenster, oder im geheizten Nebenzimmer bei weit geöffneter BerbindungSthüre, jedoch sei in beiden Fällen das Fenster verhängt. Huinsristisches. Vertheidigung. Bürgermeister (zum Nachtwächter). „Sie sind ein netter Nachtwächter, gestern Nacht schliefen Sie bei der Scheune, als sie lichterloh brannte und die Feuerwehr mußte Sie erst wecken!" — „Oho! I Han 's scho" gespürt, wie mir uff amal heiß im Buckel wurd!" Redaktion: K. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Ließen-