-ande kamen t, schmutzig, Seite weicht sieht er sich ^schlummert und schleppt ich erwarten chmann und in und wann -winden mit tJanila er» lich überflog fte sie leise, müssen nach m mit seiner ipten Sein» :a die ihren e Boer ver« spute Dich!" seinen Stock !chafe einzeln l. ünf —" die zelter Stirn ins." Das 16 jetzt kam. Herz klopfte »besserte sie V* in stummes Dierk, dem aß folgt.) ; wissen Sie, h habe keine unter einem : „Was Sie ch habe mich Wechsel von lapa, Vetter i liebe." - ist eine ver» und hat er Beruf vsr- Jagdpächter em Hospital - A.: „I-, Wächter, den n 21 Jahre licht einmal n Sießm. Samstag ke 31. Octobn TY f ' \ __ ■ Unterhaltungsblatt ;um Gießener Anpiger iGenrral-Anreiger) Das blaue Herz. Roman von Carl Ed. Klopfer. (Fortsetzung.) Fröden war glückselig über diese ganzen Geschichten, in die er da hineingerathen war und neckte die Baronesse fortwährend mit dem „Geheimniß". Vollwang fchalt er lächelnd einen alten Filou, bemühte sich aber, der Baronesse zu zeigen, wie warme Freundschaft ihn an den Professor fessele, auf den sie so große Stücke hielt. Man sprach von der Orientreise, die der Attach« mit Vollwang seiner Zeit unternommen und da machte Fröden die angenehme Entdeckung, daß der Maler seiner Schülerin schon mehrfach von seinem jungen Reisebegleiter und späteren Busenfreund erzählt habe. Unter diesen anregenden Gesprächen schwanden dem Attach« die Viertelstunden wieder wie Minuten dahin; er hatte sich noch nirgends fo wohl gefühlt als in diesem Hause. Er schmeichelte sich mit der Hoffnung, die Baronesse auch zu Tisch führen und da ihr Nachbar bleiben zu dürfen. Aber siehe — kurz vor dem Souper trat ein neuer Ankömmling in den Salon, näherte sich der Baronesse und wurde von der Hausfrau dem Attach« vorgestellt: „Der — Bräutigam unserer Tochter!" Fröden hatte dabei die Empfindung, als ob man ihn mit stedendem Wasser übergösse ober mit stedendem — Pech. Den Namen des Herrn verstand er gar nicht; er hörte nur einen Grafentitel. Auch die übrigen Eindrücke dieses Abends kamen ihm recht verworren zu Sinn. Die Baronesse erschien ihm von der Minute an wie dicht verschleiert; er suchte keine Gelegenheit mehr, sie zu sprechen, und an der Tasel vermied er es sehr sorgsam, nach der Seite hinzusehen, wo — das Brautpaar saß. Wa« kümmerten ihn denn diese Zwei? Sobald es mit Schicklichkeit geschehen konnte, empfahl er sich dann — und dies war die Ursache, weshalb stch sein Diener über die ftühe Heimkehr wundern durfte. Was fich Herr von Fröden aber in den langen, qualvollen Stunden vor dem Einschlafen hartnäckig zu beweisen suchte: daß ihm diese Baroneß Adele völlig gleichgiltig, wenn nicht gar unsympathisch sei, da» straften dann seine Träume Lügen. E» war ein schwerer Sehnsuchtsseufzer, unter dem er am Morgen erwachte und da erhob stch sein Ignaz vom Ofen, wo er eingeheizt hatte, mit der gelassenen Frage, ob der gnädige Herr schon rastrt zu sein wünsche. „Meinetwegen! Ich will ausgehen. Dann kannst Du mittlerwelle den Auftrag besorgen, von welchem ich Dir gesagt habe." „Das Packet — zum Baron Effenberg?" „Ja. Du wirst es der Tochter des Hauses überbringen." Es war gänzlich überflüsfig gewesen, daß er sich durch den Bedienten daran hatte „erinnern" lassen wollen. Er hätte auch wissen können, daß er es nicht vergessen würde, ebensowenig wie man einen Schmerz vergessen kann, der uns nicht eine Secunde verläßt- Gr hatte gestern mit Adele von einem Skizzenbuche Vollwang» gesprochen, das er zur Erinnerung an jene gemeinsame Orientfahrt aufbewahrte; es enthielt Schilderungen der Reiseeindrücke, und der Professor hatte es ihm geschenkt. Die Baronesse hatte fich sehr dafür interessirt und ihn gebeten, die Blätter sehen zu dürfen, und Fröden hatte ihr versprochen, ihr bei nächster Gelegenheit diesen Wunsch zu erfüllen. Da hatte er sich noch gefreut, damit einen Vorwand zur baldigen Wiederzusammenkunft gefunden zu haben- Beim Verlassen de« Hauses aber war bei ihm der Entschluß fest gestanden, Adele nicht wieder begegnen zu wollen. Ehe der Attache zu seinem Morgenspaziergang ausging, übergab er dem Diener das wohlverpackte Skizzenbuch; auf einer darin liegenden Visitenkarte meldete er der Empfängerin in einigen verbindlichen Phrasen, daß er stch die Gnade erbitte, ihr das Buch als Andenken überreichen zu dürfen. Das war der endgiltige Abschied von ihr. Ignaz sah sich im Vorzimmer Effenberg» einem appetitlichen, schwarzäugigen Zöschen gegenüber, bei dessen Anblick stch sein Antlitz verklärte. „Das gnädige Fräulein sei nicht zu sprechen, sagte mir der Portier —" „Nein; es ist Niemand von der Herrschaft zu Hanse. Was wollen Sie von der Baronesse?" „Ich hätte etwas an sie abzugeben." Das Mädchen — die „Wetti", wie sie der Portier Benannt hatte, als er den fremden Diener in'» Stockwerk hinaufgewiesen — streckte gelassen die mollige Hand au», „et!" „Meiner Treu! Denn was mir seine Miene und — mein Spürsinn nicht verräth, das sagt er mir selber — wenngleich auch ohne Bewußtsein." „Wieso?" „Nun, er spricht im Schlafe, und besonders am Morgen, wie es scheint. Wenn ich leise eintrete, Feuer zu machen, höre ich gewöhnlich von ihm, was er am Abend zuvor erlebt hat." „Schlimm genug für den Herrn Attach« — denn Sie scheinen mir ein Schwätzer zu sein, Musjöh!" „Ach, da müßt' ich bitten, Fräulein Barbara! Wenn ich von dem, war ich von ihm höre, Gebrauch machen wollte, so geschähe es nur zu seinem Besten. Mein Herr ist nämlich in gewiffer Hinsicht ein Bischen schüchtern, wenn ich so sagen soll. Er hat sich, soweit ich ihn kenne, nie was Besonderes aus den Frauenzimmern gemacht. Ich glaube, er ist daher nicht im Stande, mit der wünschenswerthen Raschheit auf sein Ziel loszugehen, wenn sein Herz doch einmal eine Wahl getroffen hat." „Da hätten — Sie ihn vielleicht unterrichten können, wie?" „Fräulein Wetti, ich möchte von Ihnen nicht gerne verkannt sein. Ich bin kein Don Juan, wie man da» nennt, aber an der nöthigen Keckheit würde es mir wohl auch nicht mangeln, wenn ich einmal mit einer ernstlichen Herzentzündung umgehen sollte." „Ja, das glaub' ich Ihnen." „Und wer weiß, ob sich nicht einmal eine Gelegenheit fände, meinem Herrn in einer ähnlichen Sache zu Hilfe zu kommen." Ignaz blickte das Mädchen dabei mit einem so schalkhaften Augenblinzeln an, daß die Kleine abermals lächelte. „Sie thun ja gerade so, al» befänden Sie sich schon mitten in einer solchen Gelegenheit, Herr . . ." »Ignaz heiß' ich — oder wenn Sie wollen: Nazi; da» würde ich au» Ihrem kleinen Munde besonders gern hören-" „Gehen S' weiter, Sie Süßer!" wehrte die picante Wienerin kokett ab. „Also hören Sie! Ich hätte wirklich Lust, Herrn v. Fröden zn zeigen, daß ich mich auf noch mehr verstehe als aus's Rafiren und Stiefelputzen. Ihre Gnädige, das muß ein wahrer Ausbund von Liebenswürdigkeit fein, denn — mein Herr scheint sie gestern doch zum ersten Male gesehen zu Gräfin." So so — ein Graf?" m „Graf Norbert v. Degenstein. Da» ist ein schöner Name, nicht wahr?" , l „Hol' ihn der Teufel! — Diesen Grasen Degenknops liebt sie also, Ihre Gnädige?" r Bärbchen überlegte eine Weile, ehe sie sich zu der stolzen Mittheilung entschloß: „Wir lieben überhaupt keinen Mann." „Sie auch nicht, Fräulein Wetti, Sie wirklich auch nicht? „Keine Seitensprünge! Jetzt reden wir von Fräulein Adele. Und da will ich Ihnen meinetwegen gestehen, daß ihre Verbindung mit dem Grasen keine Liebe»heirath sein wird. Ich glaube, sie nimmt ihn nur, weil ihre Mutter e, will. Na ja, sie kann ja doch nicht so, wie sie eigentlich möchte — am liebsten wäre sie ja Malerin; und ihr liegt jetzt vor Allem nur daran, au» diesem Hause fortzukommen, wo ihr die gnädige Frau Mama manchmal da» Leben recht sauer macht, und dazu ist ihr der Degenstein noch der An- nehmbarste. Ueberdie» war ja seine erste Frau einst ihre intimste Freundin." „War. der Gras war schon einmal verheiratet? „Er ist seit füns Jahren Wittwer." „Et der tausend! Und Baroneß Adele war die Freundin der verstorbenen Gräfin?" , „Ja, aus dem Pensionat her. Denn, als die Eine eben heirathete, scheint man sich mehr aus den Augen gekommen zu sein. Die Gräfin war aber nicht gerade glücklich in ihrer Ehe, wie man sagt; der Gemahl war ein lockerer Cumpa«, ein Verschwender ..." ,, ,, „Und trotzdem entschloß stch Ihr Fräulein, seine zweite Frau zu werden?" „Ah, jetzt ist der Mann solide geworden, das weiß man! Und überdies ist Fräulein Adele der Meinung, daß auch das Meiste, was man von seiner schlimmen Ehe erzählt, nur Verleumdung ist. Gewisse Leute ärgern stch, daß der Grat seine Frau — sie war eine Bürgerliche, aber ungeheuer rech — beerbt hat und denen nicht Recht ließ, die da behaupteten, er werde mit dem Vermögen in ein paar Jährchen fertig sei«. Meine Baroneß trotzt allen Klatschereien, und ich fllau« wirklich, je mehr man ihr von dem Grafen abrathen würde, um so fester würde ihr Widerspruchsgeist auf der Verbindung bestehen. Sie ist eben eine aparte Natur, immer ganz andere als alle Welt. Mein Geschmack wäre der Graf allerding auch dann nicht, wenn es ausgemacht wäre, daß er eine Frau auf Händen trägt." , , „Da hätten Sie also nichts dagegen, wenn äus d-r Heirath nichts würde? Famos I Ich hoffe, daß es doch JJ Mittel geben wird, die Baronesse von ihrem SntsM' abzubringen. Eine Ehe ohne Liebe kann nicht gut tyu«, daß weiß ich bestimmt!" „ . r „Nun ja, aber gesetzt auch den Fall, daß die Verlobung haben und schon ist er . . . Können Sie reinen Mund halten? mein Herr ist in Ihre Baroneß bis über die Ohren verliebt - auf Ehr' und Seligkeit! Ich hab's heute srüh raus- gekriegt, und als er mir dies Album übergab, da «ar ich larüber völlig im Klaren. — Wie wär's also, wenn Sie Ihre Vertrauensstellung bei dem Fräulein dazu benützen würden..." „Ihr da» zu sagen?" fragte Wetti entrüstet. „Gott bewahre 1 Aber auszukundschaften, ob mein Herr nicht Hoffnungen hätte ..." t . „Nein, Herr Ignaz," fiel die Zofe da schroff ein: mein Fräulein ist Braut." Nazi prallte sörmlich zurück. n „Donnerwetter!" Nach einer keinen Weile strahlte aber sei« verblüfftes Gesicht wie unter einer inneren Erleuchtung. „Ah, jetzt begreife ich erst ganz und gar . . .! Darum seufzt mein armer Attache so herzbrechend und ist niedergeschlagen und launenhaft . . . O Gott! Diese Baronesse! Also wirklich verlobt — rettungslos verlobt?" „Im Herbst ist die Hochzeit. Wir heißen dann Frau das Päckchen in Empfang zu nehmen. Aber Ignaz wollte die Aussicht auf eine längere Unterhaltung mit dem „reizenden Käfer" nicht so leicht aufgeben. „Nein, sehr verehrte Fräulein Babette oder Wetti, da» geht nicht so einfach. Ich habe den Auftrag, da» Ding der Baronesse selbst oder nur einer — dlrecten Vertrauensperson der Dame auszuliefern." „Das bin ich," entgegnete die Kleine schnippisch. „Das Fräulein hat kein Geheimniß vor mir." „Ach! allen Respect! Da kennen Sie sie also sehr genau?" „Ich denke. Ich bin schon vier Jahre bei ihr." „Das Fräulein muß sehr — interessant sein ; . ." „Zu gütig. Woraus schließen Sie dar? Kennen Sie sie denn?" „Noch nicht, aber mein Herr, der Gesandtschaftsattach« Emmerich v. Fröben. Sehen Sie, bei dem nehme ich auch eine vollkommene Vertrauensstellung ein; ich war ihm schon zugethan, als ich noch Friseurgehilfe war und ihn in dieser Eigenschaft bedienen mußte. Dann, beim Militär, war er Offizier in meinem Regiment, ich trat als Bursche bei ihm ein, und als wir Beide unseren Abschied nahmen, folgte ich ihm auch auf der diplomatischen Laufbahn." Jetzt hatte Fräulein Wetti die Gewogenheit, über den munteren Burschen zu lächeln und ihren Ton etwas sreund- licher zu stimmen. „Der Attache ist also ein angenehmer Herr?" „Oh, ein lieber Kerl, sag' ich Ihnen! Für den ging ich durch Feuer und Wasser! Und ich kann wahrhaftig auch sagen, daß er kein Geheimniß vor mir hat." Rund halten? ihren verliebt : früh raus» da «ar ich o, wenn Sie azu benützen et. ob mein Herr schroff ein: : strahlte aber t Erleuchtung. Darum seufzt iedergeschlagen e! Also wirk- in dann Frau schöner Name, en Degenknopf i sich zu der ch auch nicht?" von Fräulein gestehen, daß »erheirath sein ihre Mutter ei i sie eigentlich und ihr liegt fortzukommen, »68 Leben recht a noch der An- rau einst ihre sirathet?" ar die Freundin 5 die Sine eben iugen gekommen lücklich in ihr« ickerer Cumpan, in, seine zweite das weiß man! ung, daß auch 8he erzählt, nur , daß der Gras ungeheuer reich da behaupteten, rchen fertig sei«, und ich glaube abrathen würde, : der Verbindung mer ganz ander« Graf allerding« >aß er eine Fran wenn äur der daß es doch noch hrem Entschlüße nicht gut thuil ch die Verlobung behalten. (Fortsetzung folgt.) zurückgtnge — wer sagt Ihnen den«, daß dann Ihr Herr Hoffnungen hätte, geliebt zu werden?" „Oh, das würde dann schon kommen! Mein Herr ist ein wundervoller, prächtiger Mensch, da kann's nicht fehlen. Wenn ich ein Frauenzimmer wäre, in den Mann hätte ich mich gleich vergafft." »Der Herr Attachö würde sich wohl freuen, wenn er hören könnte, was er an Ihnen für einen Recommandeur hat." „Was? Er würde mich . . . Nein, was glauben Siel Herr v. Fröde« ist kein Geck, und es ist auch nicht der ächtige Ausdruck, den ich da gebraucht habe. In den Mann vergafft man sich nicht, den liebt man aus ganzer Seele!" „Hören Sie auf! Sie werden ja ganz schwärmerisch." „Schwärmerisch?" wiederholte der Ignaz, nachdenklich werdend, und seufzte. „Ja, da hätten Sie nicht so ganz Unrecht, theuerste Mamsell Wetti. Ich versteh' mich ein wenig auf Schwärmerei." „Vielleicht — durch eine unglückliche Liebe?" spottete sie und verdrehte die Augen. Nazi sah fie ganz sonderbar an, zögerte eine Weile und sagte dann mit einer gewissen Treuherzigkeit: „Ich weiß eigentlich nicht, wie ich dazu komme, Ihnen mein Herz auszuschütten, aber Sie haben so viel Zutrauen» erweckendes . . . Fräulein Wetti, Sie sind da» erste lebende Wesen, dem ich gestehe: ja, ich habe so was wie ein Ideal — ein Ideal au» meiner Jugend." „Aus Ihrer Jugend?" lachte Wetti, den Burschen von Kopf bi» zu den Füßend musternd. „Hören Sie, das müßte dann schon in Ihren — Bubenjahren gewesen sein." „So ziemlich. Es ist volle fünf Jahre her. Ich war damals im letzten Jahre meiner Lehrzeit bei einem Friseur, der dann bald darauf abgewirthschaftet hat. Die betreffende Dame war eine Kundschaft . . ." „Und da sahen Sie ste öfter im Laden Ihres Herrn?" „Nein, sie kam nur ein einziges Mal, und auch da habe ich fie nicht eigentlich gesehen — nämlich nicht ihr Ge» ficht. Sie ging zu einem Maskenballe und trug schon die Larve vor dem Gestcht." Jetzt lachte die Zofe hell hinaus. „Sie konnten ihr Gestcht nicht sehe« — und dieses Frauenzimmer lieben Sie?" Nazi wollte bejahen, besann fich aber und senkte seinen Blick so tief in die Schelmenaugen der Kammerkatze, al« habe er darin noch eine Reihe der interessantesten Entdeckungen zu machen. „Jetzt vielleicht nicht mehr," sagte er dann. „Ueber- Haupt — wenn ich meine Gefühle Liebe genannt habe, so war dar eigentlich nie das rechte Wort dafür. Es war gleich damals zu viel — wie soll ich sagen? — zu viel schaurige Ehrfurcht in meiner Empfindung, denn dieses Wesen stand ja in unerreichbarer Höhe über mir. Es war unzweifelhaft eine Dame aus vornehmem Haufe." „Woher wissen Sie das?" „Dafür hat man doch einen gewissen Jnstinct. Ste war eine Fremde — vielleicht eine Südländerin. Auf dem Souvenir, dar ich von ihr bewahre, steht Napoli. Das ist Italienisch und heißt auf Deutsch Neapel." „War?" rief Wetti voll der heitersten Erstaunen». „Sie haben sogar ein Andenken von der vornehmen Unbe- kannten?" Nazi kraute fich mit der Miene eine» Menschen, der fich vergaloppirt hat, hinter den Ohren. „Ra," sagte er dann, „ist mir schon so viel herausgerutscht, so sollen Sie auch das wissen! — Es ist ein Anhängsel, ein kleines blaues Herz, da» die Dame verloren hat und ich gefunden habe." „Ah! Und das haben Sie bis heute behalten?" „Ich trage es stets bei mir — es ist mein Talisman, und ich glaube fest, daß mich dieses Andenken schon vor Un- glück oder doch mindestens vor manchem dummen Streich bewahrt hat — zum Beispiel vor einer leichtfertigen Liebelei." „Na, na!" machte sie, ihn mit halbzugekniffenen Augenlidern von der Seite ansehend. „Damit will ich aber keineswegs sagen, daß ich mich träuben würde, mich in ein netter Kind zu verlieben . . >" Dabei äugelte er sie so wirkungsvoll an, daß Fräulein Wetti ganz roth wurde. — „Wenn man zum Beispiel einem nied- ichen Geschöpfe begegnet, mit so ein Paar verteufelte« Schwarzbeerenaugen, die fich auf'» Feueranzünden verstehe« . . . Ach sagen Sie, find die Wienerinnen alle so hübsch wie Sie, Fräulein Wetti?" „Schauen Sie fich doch um!" gab die Kleine schnippisch zurück. „Am Blick dafür fehlt e» Ihnen nicht, wie ich merke — trotz Ihrem maskirten Ideal. Aber wissen Sie, ich will Ihnen gut rathen! Sagen Sie Ihrer Auserwählten — wenn je einmal Eine von diesem Glück betroffen wird — ja nichts von dem blauen Herzen! Sie würde kaum dulde«, daß Sie solche Dinger bei fich tragen, die sonst kein Menschen- äug' erblicken darf." , „ „Ja, meine Herzliebste, die dürfte das blaue Herz schon sehen, der würde ich er sogar schenken — zum Beweis, daß die alte Schwärmerei vorüber ist und ganz und gar der neuen, wahren Liebe Platz gemacht hat. — Fräulein Wetti — meiner Seel' der Name gefällt mir immer besser, je öfter ich ihn in den Mund nehme! — Fräulein Wetti, Sie kennen nun den Preis, um welchen ich das blaue Herz wegzugeben bereit wäre. Vielleicht machen wir miteinander noch ein — Tauschgeschäft, wie?" , Dabei kneipte er sie in die Wange, war ihm aber sofort einen derben Klap» auf die Finger etntrug. „Sie find ein unverschämter Mensch!" „Nicht doch . . ." lispelte er zärtlich. „Und ein Schwindelmeier noch dazu." „Wieso?" „Na, daß Sie's wissen, von Ihrer ganzen Geschichte glaub' ich Ihnen nicht M — —" Sie knipste mit den Fingernägeln. „Gehn S' weiter damit! Sie haben gar kein Herz — wenigstens nicht so ein blaue», wie Sie mir aufbinden wollen." Entrüstet langte er schon in die Westentasche, zog aber die Finger gleich darauf wieder zurück und machte damit eine Bewegung, al» ob er der Neugierigen einen Nasenstüber geben wollte. „ „Ja freilich — Sie meinen damit doch zum Anblick meines Talismans zu kommen. Aber nichts dal Ich bleibe bei dem, was ich mir einmal gelobt habe: nur meine Braut erhält das blaue Herz — zugleich mit dem, das mir dis Natur gegeben hat — und an diesem dürften Ste doch nicht zweifeln? Legen Sie Ihr reizendes Ohr da her und Sie werden es schlagen hören!" „Ob's aufhör'n, Sie Hanswurste!!" lachte die Wetti, den Burschen von sich abwehrend. Dann suchte sie sich zu einer Miene voll verletzter weiblicher Würde zurückzufinden. „Ste find doch wirklich ein kecker Mensch. Sie thun ja grav so, als wären wir schon alte Bekannte, und derwellen sehe« wir uns heut zum ersten Mal." „Ja sehen Sie, darüber — wundere ich mich ja auch! Und da haben Sie gleich einen Beweis dafür, daß ich mit meinem Attache in Eeelenverwandtschaft stehe: bei ihm wie bei mir ist die Liebe auf den ersten Blick gekommen." Wetti bemühte fich, ihren kühl ablehnenden Ton beizu- Zanita. Novellette von M. Behne. (Schluß.) Es ist Nacht. Kalt, klar und ruhig ziehen die Sterne ihre Bahn am wolkenlosen Himmel; silberhell liegt das Mond» licht auf der weiten Sandfiäche. Ein Springbock hüpfte in langen Sätzen darüber hin; vor den Gebäuden mit den ziegel« rothen Dächern macht er Halt, starrt blöden Auges darauf hin, wendet sich dann, um bald in der Ferne zu verschwinden. — Unter dem Schuppen hervor kriecht eine Kindergestalt. Aengstlich lauschend bleibt ste einen Augenblick stehen, dann läuft ste, so schnell ihre kleinen nackten Füße ste tragen wollen, hinein in die Sandwüste in die Einsamkeit — fort von dem Boer, der Boersfrau, dem Jungen, der sie tritt, den Knechten, die ste mißhandeln — fort, nur fort! In der Ferne vor sich her sieht sie den Springbock feine Sprünge machen; wie ein plötzlicher Zauber kommt es über sie. Sie will frei sein, frei! Hinter dem Thier her läuft ste, keuchend, bis ihr der Athem ausgeht. Sie steht sich um — weit, weit liegt die Farm hinter ihr, kaum daß die rothen Ziegeldächer noch her» überschimmern im Mondschein--- Janita geht langsamer, wie lange, weiß sie nicht. Weiter, weiter I Ein breiter Bach hemmt ihren Weg, sie watet mit aufgeschürztem Röckchen hindurch. Jenseits hört die sandige Ebene auf; felsiges Gestein bedeckt den Boden; Weidenbäume, Gesträuch, Gebüsch steht umher. Hinter eins derselben kriegt Janita; zu ihrem Erstaunen findet sie, daß es den Eingang zu einer natürlichen Höhle verdeckt, die von dein zerklüfteten Gestein gebildet ist, und tief aufathmend nach dem langen, langen Wege legt die kleine sich nieder und schließt die müden Augen. — Den ganzen folgenden Tag bringt sie in der Höhle zu. Sie wagt sich kaum heraus; vielleicht könnte man ste suchen — finden — schaudernd und zitternd kriecht sie wieder zurück in ihr Versteck. Mit einigen trockenen Brotrinden, die ste noch in der Tasche hat, stillt sie den nagendsten Hunger; einmal schleicht sie zum Fluß und schöpft sich Waffer mit der hohlen Hand für den brennenden Durst, der sie plagt. Wie langsam der Tag hinschleicht I Wie lange es doch dauert, bis wieder die Sterne Heraufziehen, der Mond wie eine große, leuchtende Kugel seine Bahn beginnt--> Matt, hungrig schläft Janita wieder ein, und vor ihrer Seele gaukeln wieder schöne Traumbilder, die immer am schönsten sind, wenn der Mensch am elendesten ist. Sie sah sich wieder mit ihrem Vater zusammen, in seiner Hand; er und sie hatten Kränze auf von wildem Spargel, wie man die feingefiederten dunkelgrünen Büsche in der Wüste nennt, und lächelnde sreundliche Menschen kamen um sie herum, küßten sie und gaben ihr Blumen und Brot und Kuchen. Da drüben stand wieder das Häuschen mit der Rosenhecke dahinter, und die Sonne schien hell und freundlich. — Der schöne Traum bricht plötzlich ab — Janita erwacht. Ein Geräusch in ihrer Nähe — Menschenstimmen. — Hat man sie entdeckt? Will man sie zurückbringen? Eine jähe, entsetz- Angst ergreift sie — zitternd, mit laut pochendem Herzen richtet sie sich auf und lauscht. — Es ist der Hottentott, der Dieb, mit seinen Kumpanen; seitwärts von der Höhle haben sie sich niedergelassen in eifrigem Gespräch. Janita horcht — sie vernahm jedes Wort. Es ist von der Farm die Rede, von dem Boer; in dieser Nacht noch wollen die drei Spießgesellen das einsame Gehöft überfallen und berauben. — „Ich will ihm seine Peitschenhiebe heimzahlen, dem Hunde!" sagte der Hottentott tückisch, „'s ist seine letzte Nacht!" Die kleine Lauscherin regt sich unwillkürlich entsetzt — der Buschmann draußen spitzt die Ohren..... „s ist nur ein wildes Kaninchen!" beruhigen ihn seine Genossen. Die drei Mordgesellen verlassen den Platz vor der Höhle; zitternd, in Angstschweiß gebadet, kriecht Janita hervor. Nur ein einziger Gedanke erfüllt ihre Seele: sie muß nach der Farm, muß den Boer, die Familie warnen! Wie ausgelöscht ist die Erinnerung an die Schläge, die harte Behandlung; sie kann nicht« denken, als das eine: Hin, ehe es zu spät ist — Zwei Wege führten zu der einsamen Farm, der eine über die sandige Ebene, den Janita gekommen; er war der kürzeste, aber man konnte auch auf eine halbe Meile Weg« gesehen werden. Der andere zog sich am Flusse hin, hinter Weidenbäumen und Gebüsch, das längs derselben wucherte — diesen mußte sie einschlagen--und wie ein gehetztes Wild stürzte ste fort---. Fort — weiter — weiter! Wenns nur nicht zu spät wird! Der Gedanke hält das Kind aufrecht, wenn es zusammenbrechen will, tn dem endlosen, eiligen Lause. Keuchend, mit fliegenden zitterden Gliedern läuft sie — vorwärts — nur vorwärts —. Und da — da — endlich taucht das Wohnhaus mit feinem rothen Dache auf, vom Mondlicht bestrahlt. Noch fünf Minuten Lauf — ihre Kräfte versagen — und es steht ihr das Herz säst still in tödlltchem Entsetzen: bei einer Wendung des Weges erspähte sie drei Männer, die schon zwischen ihr und dem Hause find. Zu spät! Sie ist abgeschnitten — und jetzt haben auch die drei da» Kind bemerkt. — — — „Wach' auf, Hendrik!" stößt die Boersfrau ihren Ehegatten an. „Ich höre draußen etwas — es ist, als ob jemand ruft—." Der Boer steht auf und tritt an's Fenster. „Ich höre es auch", sagte er, „aber 's ist weit weg. Gewiß ist ein Schakal bei den Schafen. Ich will nachsehen." Er nimmt die Büchse von der Wand und geht. Al« er sort ist, steht auch die Boersfrau auf und weckt ihre Tochter. „Komm Marie, ich kann nicht mehr schlafen, wir wollen uns in die Küche setzen und Feuer machen", sagte sie. „Ich hörte einen so seltsamen Schrei rufen — Dein Vater meint, e» wäre ein Schakal, aber kein Schakal schreit so. Es klang gerade, als ob ein Kind mit heißerer Stimme schrie: Herr, Herr, wacht auf, wacht auf!" Die beiden Frauen setzten sich an das Küchenfeuer; nach einer Viertelstunde kam der Boer zurück. „Hast Du etwas gefunden, Hendrik?" „Nichts!" sagte er, die Flinte hinhängend. „Die Schafe waren ruhig im Kraal. Mir war's, al« sähe ich am Fluss- einmal drei Burschen — und einmal hörte ich wieder einen Schrei — aber ich kann mich geirrt haben, ’e ist jetzt ganz still." Am nächsten Tage erschien der verlaufene frühere Matrose wieder bei der Arbeit; er hatte einige Tage gefehlt. „Wo hast Du gesteckt?" fragten ihn seine Kameraden. Der Mensch brummte etwa» Unverständliche«; scheu blickte er dabei über seine Schulter zurück, al« sähe er etwas dort stehen — — — — — — — — — — — „Das hat er den ganzen Morgen gethan!" sagte einer kopfschüttelnd. „Als er heute Morgen ein Glas Grogk trank, ließ er es mit einemmale fallen und sah sich so um." Am Nachmittag kamen zwei zerlumpte Gesellen, ein Hottentott und ein Buschmann in die Cantine und tranken Branntwein. Mit lallender Zunge fing der Buschmann an zu erzählen — er sprach davon, wie Jemand, ob Mann, Frau oder Kind sagte er nicht, auf dem Sande gekniet und die Hände gerungen, wie „es" geweint und um die Barmherzigkeit gefleht — wie es des weißen Manne» Hände geküßt und ihn angefleht habe, „es" zu retten, ihm zu helfen. — — Mit einem greulichen Fluch sprang der Hottentott auf, faßte seinen Genossen am Kragen und schleppte den Schwätzer fort. — — — Und wieder zogen Mond und Sterne am schweigenden nächtlichen Himmel auf. Kalt und stumm blickten sie nieder auf die Erde, auf die weite Sandfläche hinter der einsamen Farm, auf den Fluß und die Weidenbäume, da« Gestein — und einen kleinen frisch aufgeworfenen Hügel von Erbe und Steinen. Drei Männer wußten, wa» unter dem Hügel war, niemand sonst — nur der Mond und die Sterne. Redaction: 8. Scheyda. — Druck und String btt Brühl'schen UniversiMS»Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in SitgtB.