Nr. 88 DomlerStag beit 30 Juli 189«. p] 6> LMiliSkkNtek KßeKCr UnterhaLtungsöLatt pint Gießener Anzeiger (General Anzeiger) sag. M a Die Erbin. Novellette von Leo Sonntag. (Fortsetzung.) Alfred von Rheinsberg aber war wirklich ganz dem Zauber erlegen, bett Ilses Erscheinung und Wesen von Anfang an auf ihn ausgeübt. Er suchte bei jeder Gelegenheit mit ihr zusammen zu treffen und da, wie schon erwähnt, ihr Onkel seine Annäherung offenbar mit sehr günstigen Augen ansah, so ward ihm dies auch gar nicht schwer. Man sah fich fast jeden Tag: Heute war es eine Lawn» Tennis-Partie, welche die jungen Leute zusammenbrachte, morgen ein Ausflug in die reizende Umgebung von Ludwigs- bad; dann wieder war es eine Kahnfahrt, die der Landrath veranstaltete und wenn gar nicht» Anderes vorlag, ,dann bot immer das Concert im Curgarten einen willkommenen Grund, daß man sich traf. Thelen freute sich sehr, daß Rheinsberg sein anfänglich so sonderbares Wesen den Selttkoff» gegenüber ganz abgelegt hatte und Hedwig meinte eines Abends, nachdem sie sich in die trauliche Einsamkeit des Schlafzimmers zurückgezogen, scherzend zu der Freundin: »Ich werde mir wohl nicht mehr viel Mühe geben müffen, Dich unter die Haube zu bringen, ich glaube, Du hast Dir den Rechten schon selbst ausgesucht 1" Und Ilse antwortete in der ihr eigenen ernsten Art: »Ja, er gefällt mir sehr gut." So weit war die Angelegenheit gediehen, als in Lud- wigsbad große Reunion stattfand. Hedwig, die wieder nach Jckstädt zurückgekehrt war, sollte schon am Vormittag herüberkommen und die Nacht bei Ilse zubringen, während der Landrath vor hatte, zu Pferde zu kommen und mit den Offizieren, die natürlich vollzählig erscheinen wollten, zurückzureiten. „Ilse, e» wird himmlisch werden," jubelte Hedwig, nachdem ihre Kisten und Kasten heraufgebracht waren und die beiden jungen Mädchen im Garten beim Frühstück saßen; „das ganze Osfiziercorps kommt herüber! Außerdem habe ich sämmtliche Referendare und unverheirathete Affefforen in den Dienst gepreßt, an Tänzern wird'» uns also nicht fehlen." „Darüber kannst Du doch überhaupt unbesorgt sein, denn ee wird kaum eine reizendere Erscheinung auf dem Ball sein, als meine süße kleine Hedwig." „Ach, Ilse, Du weißt doch ganz genau, daß Du tausend- mal schöner bist als ich. Wer Dich einmal angesehen, hat keinen Blick mehr für mich." „So, dann muß der Herr Lieutenant von Thelen mich noch nie angesehen haben, denn er hat sehr viele Blicke für Dich." „Ach Eurt, der zählt natürlich nicht mit," lachte Hedwig, „aber Selten, der früher sehr liebenswürdig gegen mich war, kennt mich kaum mehr, Uelzen reißt die kleinen Aeuglein nur noch auf, um Deine Reize anzustaunen, ja, es geht sogar dar Gerücht, seit Du als glänzender Meteor am Horizont erschienen, habe Bernsdorf zuweilen von etwas Anderem als von Pferden gesprochen. Und nun erst Rheinsberg —" „Hedwig!" Und Ilse warf ihr einen so bittenden Blick zu, daß sie schwieg. — Man konnte allerdings kaum etwas Schöneres sehen, al« die beiden jungen Mädchen, wie sie sich am Abend, zum Balle geschmückt, Vater und Onkel im Salon vorstellte«. Hedwig trug ein blaßrosa Tüllkeid und in dem goldblonden, hochfristrten Haar einen Zweig Heckenrosen. Sie sah aus wie ein kleiner, zarter Schmetterling neben einer schlanken Lilie. Ilse war ganz in Weiß gekleidet und hatte an der Brust und in den dunklen Flechten einige prachtvolle rothe Rosen. Die beiden Freundinnen bildeten einen ganz reizenden Gegensatz, doch ergänzten sie sich auch wieder, denn wenn Ilses eigenartige Schönheit noch neben der elfenhaft zierlichen Gestalt Hedwigs gewann, so stellte sie diese doch nicht in den Schatten, sondern hob vielmehr deren pikante Erscheinung. Aller Augen wandten sich denn auch nach ihnen, als sie den Ballsaal betraten, und sie waren sofort von einem ganzen Hofstaat in Uniform und Civil umringt. Bei jedem Tanz mußten sie Extratouren vergeben und manche« vergessens Mauerblümchen warf gar neidische Blicke nach den vielbegehrten Tänzerinnen. „Sehen Sie nur, Herr Landrath," sagte jetzt Selttkoff, „weich' ein herrliches Paar Ilse und Rheinsberg find! Wie für einander geschaffen!" “» 3Ö0 •— „Ja, ein paar prächtige Menschen, aber meine kleine Hexe ist auch nicht übel und Curt ist ein lieber Junge." „Nein, haben die zwei Kerle Schwein," meinte der lange Heinz zu seinem Intimus Bernsdorf, „die schönsten Mädels der Saison und dazu beide schwer reich!" »Ja, stehst Du, lieber Langer, ich hab'- Dir gleich gesagt, die schöne Ilse wäre war für Dich, aber Du hast Dich von Rheinsberg aus dem Sattel heben lassen." „Oder, besser gesagt, bin noch gar nicht hinein gekommen; weiß überhaupt nicht einmal, ob sie mir so gut gefällt wie die kleine Alten." „Pah, da« ist gerade, als ob Du 'nen netten Damen« pony mit 'nem Vollblut vergleichen wolltest! Und tanzen kann die Seltikoff wie — na, eben deliciös!" „Und Hedwig vielleicht nicht?" Allerdings zeigte Ilse sich augenblicklich nicht in ihrer Eigenschaft als gute Tänzerin, ja, sie war nicht einmal im Saal anwesend. Denn als kurz vorher Lieutenant von Rheinsberg gekommen war, sie zu dem eben beginnenden Walzer zu bitten, da hatte sie ihm gesagt, die Hitze im Saal fange an, ihr unangenehm zu werden, sie sei wirklich augenblicklich nicht im Stande, zu tanzen. „Aber Hedwig ist mit ihrem Vater hinaus auf die Terrasse gegangen und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich auch dahin begleiten wollten." Rheinsberg ließ sich die« nicht zweimal sagen, aber merkwürdigerweise trafen die Beiden draußen weder mit dem Landrath noch mit dessen Tochter zusammen, ja, sie machten gar nicht einmal den Versuch, nach denselben zu suchen. Ohne ein Wort zu reden, gingen sie bis an's äußerste Ende der Terrasse, auf der es jetzt nicht mehr sehr lebhaft war, und erst hier brach Alfred das Schweigen mit den nicht gerade geistreichen Worten: „Weich' herrlicher Abend! Wollen Sie nicht auf dieser Bank etwas Platz nehmen, mein gnädiges Fräulein?" Ilse setzte sich und er ließ sich an ihrer Seite nieder. „Dies wird wohl mein letzter Reunlonrabend gewesen sein," sagte sie leise. „Ihr letzter?" versetzte Rheinsberg erstaunt. „Ihr Herr Onkel sagte mir doch heute erst, die Cur bekomme ihm sehr gut und er werde seinem hiesigen Aufenthalt noch drei Wochen zulegen." „Der Onkel, ja, der bleibt noch hier; aber ich gehe wahrscheinlich schon in wenigen Tagen; meine Mutter möchte mich nicht länger entbehren." Alfred war so tief betroffen von dieser unerwarteten Mittheilung, daß er im Augenblick keine anderen Worte der Entgegnung fand, al«: „Und Herr Seltikoff bleibt allein hier?" „Rein, meine Schwester wird mich ablösen. Der Onkel kann nie ohne eine von uns sein." „Ach! Ich wußte gar nicht, daß Sie eine Schwester haben, gnädige» Fräulein!" „So? Haben wir in Ihrer Gegenwart nie von Hella gesprochen?" „Vielleicht doch; aber wer könnte neben Ihnen einen Gedanken für eine andere Dame übrig haben? Ilse, brauche ich e» Ihnen noch zu sagen, daß ich Sie liebe, daß ich in Ihnen da« Ideal eine« Weibe« gesunden, dar höchste Ideal, dem ich nachstrebte? Ilse, reden Sie, zürnen Sie mir?" Rheinsberg wußte später selbst nicht, woher er den Muth gefunden, sich so plötzlich zu erklären. Er hatte bis jetzt immer noch geschwankt, ob er sich nicht doch noch zurückziehen solle, trotzdem er überzeugt war, daß er Ilse nicht gleichgiltig sei. Aber die unerwartete Aussicht, sie so bald schon zu verlieren, hatte ihm die Worte fast unwillkürlich entrissen- Dar junge Mädchen schwieg noch immer. „Ilse, Sie sagen mir nichts. Habe ich mich getäuscht, wenn ich glaubte, in Ihren Augen eine Erwiderung meiner Gefühle zu lesen? Sind Sie mir böse?" Da sah sie mit einem innig vertrauenden Blick ihrer schönen Augen zu ihm auf und sagte leise: „Böse? Rein, nur zu gut." «Meine Ilse, meine holde Ilse!" - „Wo die Beiden nur stecken mögen," sagte eine frische Stimme ganz in der Nähe und weckte die Liebenden au« ihrer seligen Versunkenheit. Rheinsberg sprang auf. „Dar gnädige Fräulein wollte ein wenig frische Lust genießen, weil es im Saale so heiß war." „Ja, wir wollten Dich und Deinen Vater aufsuchen." „Ach so I" lächelte Hedwig. „Und deshalb seid Ihr aus die hintere Terrasse gegangen, nachdem ich Dir gesagt, wir gingen auf die vordere. Allerdings der kürzeste Weg, Jemand aufzufinden. Nicht, Curt?" „Ja, weißt Du, kleiner Schatz, es führen eben viele Wege nach Rom und wenn man es nicht gerade furchtbar eilig hat, so — na, so kann man auch über die hintere Terrasse auf die vordere gelangen. Ich kenne zwei Leute, die manchmal auch nicht auf den allernächsten Wegen gegangen sind, was?" „Ich kann mir zwar durchaus nicht denken, wen Du meinen könntest, aber Du magst ja Recht haben, und somit gewähre ich denn hiermit diesen Sündern gnädigst Pardon. Aber nun komm', Ilse, Dein Onkel hat schon ein paar Mal nach Dir gefragt." Als Hedwig später der Freundin den Gutenachtkuß gab, zog diese sie zu sich nieder und flüsterte ihr in'« Ohr: „Hede, er liebt mich! Uebermorgen kommt er zum Onkel, morgen kann er nicht des Dienstes wegen." „Das freut mich von Herzen, Ilse, daß es so gekommen. Wie herrlich! Nun können wir immer beisammen bleiben! Und ein guter Mensch muß er sein, sonst wäre Curt nicht sein Freund!" Der nächste Morgen zog trübe und unfreundlich heraus und ehe das Frühstück beendet war, goß es in Strömen. „Was fängt man heute nur an," klagte Hedwig. „Ein Regentag im Bade ist mir das Schrecklichste, was ich mir denken kann." „Ich werde hinüber in'» Curhaus gehen," sagte Ilse, „im Lesezimmer liegen heute die neuen Journale auf, damit werde ich mich ein wenig unterhalten. Gehst Du mit?" „Ich habe dazu nicht viel Lust, ich werde mir unterdessen die Zeit mit Musik vertreiben und Deinem Onkel Gesellschaft leisten." „Das ist schön von Ihnen, Fräulein von Alten, daß Sie auch einmal an einen alten Herrn denken. Der junge kann wohl heute nicht kommen, wie?" Hedwig ging lachend in's Musikzimmer und gleich daraus hörte man von dort die Klänge eines Walzers vom gestrigen Abend. Als Ilse das Lesecabinet im Curhause betrat, fand sie dasselbe von zwei alten Damen besetzt, die sämmtltche neue Zeitschriften mit Beschlag belegt hatten. Sie ging deshalb in das dahinter gelegene Zimmer, wo die fremdsprachlichen Zeitungen waren, um sich unterdessen mit diesen zu beschäftigen. Hier war augenblicklich gar Niemand, und während sie die Illustrationen in einem französischen Blatt betrachtete, ließ sie nochmal» die Ereignisse de» gestrigen Abends an ihrem Gedächtniß vorüberziehen. Wie glücklich war sie doch, die Liebe eines solchen Manner errungen zu haben! Wie hochgeachtet stand er da, wie beliebt bei allen Kameraden! Und dazu wie stattlich, wie männlich schön! Das Blatt sank in ihren Schooß und rückhaltlos gab sie sich den süßen Träumereien hin. Da plötzlich drang der Name Rheinsberg an ihr Ohr. Drinnen aus dem Lesezimmer kam's und unwillkürlich horchte sie auf. Eine der alten Damen sprach zu der anderen in jenem lauten Flüsterton, der oft weiter dringt, al» mit voller Stimme gesprochene Worte- „Was sagen Sie denn zu dem Glück, das der schöne Rheinsberg macht, liebe Geheimräthin?" 351 „Glück? Ich denke, er ist bankerott und muß den Ab- schied nehmen. Hat nicht sein Vater kolossale Schulden hinter- lasten?" „Das ist ja wahr, aber was thut denn das, wenn er sich eine steinreiche Erbin einfängt?" „Was Sie nicht sagen, Frau Oberstlieutenant, eine Erbin und sehr reich?" „Enorm; e« soll eine Russtn sein mit ungezählten Millionen. Gott, hat der Mensch ein Glück I Eine reiche Frau war doch die einzige Rettung, die ihm übrig blieb I" So weit hatte Ilse gehört; jetzt stand ste auf und verließ mit raschen Schritten das Zimmer und das C urhaus. Als sie ungefähr eine Stunde später in der Villa ankam und direct in ihr Zimmer ging, fand sie Hedwig dort, die aus Langerweile eine neue Frisur probirte. Mit einem Schrei des Entsetzens drehte sie sich nach der eintretenden Freundin um, deren Gesicht sie in dem Spiegel gesehen, vor dem ste stand. „Um Gotteswillen, Ilse, was ist Dir geschehen, wie stehst Du aus? Und ganz durchnäßt bist Du auch; wo warst Du denn?" „Im Curpark, ich bin spazieren gegangen." „Spazieren? Bei dem Wetter? Und wie Du das sagst! Ilse, liebe, gute Ilse, was ist denn geschehen?" „Nichts, Hedwig, beruhige Dich; ich bin nur zu der Ein- stcht gekommen, daß Dein Vater recht hatte, als er sagte, die Herren Offiziere heirathen meist nur die Mitgift!" sagte Ilse in bitterem Ton. „Aber Ilse!" „Verzeih', Herr von Thelen mag ja eine Ausnahme machen, aber die Anderen —" „Die Anderen? Ich verstehe Dich nicht, Ilse! Ich dächte doch, Du hättest den besten Beweis, daß auch noch ein Anderer eine Ausnahme macht." „Das ist'» ja eben! Das hatte ich auch geglaubt. Aber stehst Du, man kann sich irren und das hat eben der Herr Premierlieutenant von Rheinsberg auch gethan." „Ilse, ich bitte Dich, was soll das nur Alles heißen?" „Weiter nichts, als daß man mir hier die Ehre angethan hat, mich für meine Schwester Hella zu halten. Verstehst Du jetzt?" „Du willst doch nicht sagen, daß Du glaubst, Rheinsberg habe sich Dir nur deshalb genähert, weil er Dich für reich hielt?" „Muß ich es nicht glauben? Ist es nicht wahr, daß fein Vater vor Kurzem tief verschuldet gestorben ist?" „Ja, Curt sagte mir einmal etwas Dergleichen, aber ich habe wirklich nie wieder daran gedacht." „Und erinnerst Du Dich nicht, wie kurz, fast unhöflich er zuerst gegen mich war? Wie er dann plötzlich aufmerksam und liebenswürdig wurde? Da hatte man ihm wahrscheinlich gesagt, Fräulein Seltikoff sei eine reiche Erbin! Ach, warum ist nicht Hella zuerst mit dem Onkel hierher gekommen? — Warum mußte ich ihn sehen und lieben?" Und da« sonst so ruhige, gelaflene Mädchen warf stch bitterlich weinend in einen Sessel. (Schluß folgt.) Unsere Nase als Wächter der Gesundheit. Bon Dr. Otto Gotthilf. ------- (Nachdruck verboten.) Die Nase als Behausung des Geruchsvermögen« beeinflußt zunächst nicht unwesentlich das Wohlbehagen und die Stimmung des Menschen. Angenehme Gerüche stimmen uns im Allgemeinen heiter, unangenehme dagegen mißmuthig. Steigt uns der Duft eines Bratens, das Aroma einer Frucht, das Bouquet eines feinen Weines in die Nase, so brauchen wir nicht gerade Feinschmecker zu sein, um ein gewisses Wohlbehagen zu empfinden, welcher wir gewöhnlich auch äußerlich dadurch kund geben, daß wir durch schnelleres Einathmen, Schnüffeln oder Schnuppern, möglichst viel von den Riechstoffen unserm Geruchsorgane zuführen. Dringt aber in unsere Nase ein unangenehmer Geruch, ein Gestank, so wenden wir uns mit Ekek ab, rümpfen die Nase oder halten ste zu. Riechen wir an Salmiakgeist, Schwefelwafferstoffgas oder anderen scharfen Chemikalien, so merken wir auch, daß die riechenden Substanzen unmittelbar auf Blut und Nerven einwirken, denn die Augen „gehen Einem über", der Athem vergeht und sogar das Bewußtsein kann zeitweise schwinden. Deshalb ath- meten von jeher in heilender Abstcht zartbesaitete Naturen durch die Nase gewisse Riechstoffe, sogenannte Essenzen ein, bevor ste in Ohnmacht fallen wollten. Gretchen ruft in Goethe- Faust: ..Nachbarin, Euer Fläschchen!" In Bezug auf unsere Gesundheit spielt aber im täglichen Leben unser Geruchsorgan eine noch viel wichtigere Rolle. Gehen wir in trockenen Tagen auf staubigen Wegen spazieren, so sehen wir alsbald beim Schnauben der Nase an dem schwärzlich gefärbten Schleime, welch' eine große Menge Staub und Schmutz unsere Nasenschleimhaut aus der eingeathmeten Luft aufgefangen hat. Dadurch ist unsere Lunge vor dem Eindringen jener vielfach so scharfen und spitzigen Körperchen bewahrt worden, welche die feinen Lungenbläschen leicht wie Glassplitter verletzen und außer Blutungen namentlich „trockenen" Husten Hervorrufen. Gelingt es aber wirklich einmal einem Körperchen, durch die Nase tiefer in die Luftwege einzudringen, dann entsteht sofort ein heftiges Niesen, und mit Explofionr kraft wird der Eindringling herausgeschleudert. Auch wenn die Hausfrau mit Staubwischen oder Reinemachen beschäftigt war, oder der Hausherr in seinem Gärtchen herumgewirthschaftet hat, beweist nachher das Taschentuch, welch' wichtige Rolle die Nase al« Staubfänger spielt. Im Winter hingegen würde die kalte, rauhe Luft, wenn ste direct in Hal« und Lange käme, oft schwere Erkrankungen Hervorrufen. Aber auf ihrem verhältnißmäßig weiten Wege durch all die Windungen und Muscheln der inner» Nase wird ste genügend erwärmt und verliert somit ihre Schädlichkeit. Bei sehr strenger Kälte tritt dann auch eine schnellere Schleimabsonberung ein — wir müssen häufiger das Taschentuch zur Hand nehmen — so daß die erkaltende Flüsstgkeit immer wieder durch blutwarme ersetzt und die eindrtngende Luft genügend erwärmt wird. Es ist daher namentlich im Winter von größter Wichtigkeit, stet» durch die Nase und nicht durch den Mund zu athmen. So manch gefährlicher Hals« und Lungenkatarrh wird dadurch vermieden. Die Nase erweist also unseren Lungen den wichtigen Dienst, die schädliche, trockene, unreine oder kalte Beschaffenheit der Einathmungslust in eine vollkommen gesunde zu verwandeln. Dabei werden auch etwa eingedrungene krankheiterregende Bacterien von der Schleimhaut am weiteren Vordringen in den Körper verhindert und nachher weggeschwemmt oder beim Niesen herausgeschleudert. Aber die Thätigkeit unserer Nase al» Hüter der Gesundheit reicht noch weiter. Wenn man einem ruhig athmenden Thiere, z. B. Kaninchen, eine scharf riechende Flüsstgkeit, wie Aether oder Ammoniak vor die Nase hält, so verengern sich in demselben Momente die Nasenlöcher, die Brust zieht sich plötzlich zusammen, die Athmung hört auf, die Luftröhre schließt sich fest zu und der Herzschlag setzt aus. Dies alle» dauert aber nur wenige Sscunden. Alsdann treten Athmung und Herzschlag wieder in Thätigkeit, zuerst allerdings sehr langsam, aber allmählich gehen sie zu normaler Thätigkeit über. Wodurch und weshalb werden nun all diese Erscheinungen hervorgerufen? In dem Augenblick, wo das giftige Gas mit der Nasenschleimhaut in Berührung kam, wurden von hier aus durch Reflexwirkung gleichsam Warnung» stgnale nach dem Nervencentrum der Athmung und Herzthätigkeit abgegeben, die Luftröhre wurde sofort geschloffen und die Athmung unterbrochen, damit da» schädliche Gas nicht eindringen konnte. Erst ganz allmählich und nur zaghait versuchten die Lungen durch langsame Athemzüge, ob die Gefahr vorüber sei. Also auch in jenen so kritischen Momenten, wo uns Erstickung bedroht, waltet die Nase al« Warner und Wächter ihre« Amte«. 852 —“ Umgekehrt geben wieder andere Organe, wenn ste einer Gesundheitsschädigung ausgesetzt sind, der Nase durch Reslex- wirkung Warnungssignale, damit uns diese auf die drohende Gefahr aufmerksam macht. Haben empfindliche Personen sich dem „Zuge" ausgesetzt, oder find ihre Füße oder andere Kör- pertheile naß geworden, so vermehrt sich fast sofort die Schleimabsonderung der Nase und ein heftige« Niesen beginnt: eine nicht mißzuverstehende Aufforderung, daß man sich durch energische Körperbewegung wieder erwärmen und die durchnäßte Kleidung durch trockene ersetzen soll. Wir sehen also, daß unsere Rase als Wächter der Gesundheit eine überaus wichtige Rolle spielt. Gewöhnlich aber hören wir auf diesen Warner leider ebenso wenig, wie auf jenen in unserm Innern befindlichen moralischen: das Gewissen. Wohl rümpfen die Leute die Rase, wenn ste aus der frischen, reinen Luft draußen in die mit Ausathmung«- und Ausdünstungsgerüchen verpestete Wohnstube oder in eine mit Kohlensäure, Tabaksqualm und anderem „Odeur" erfüllte Restauration treten, aber sie fahren nicht etwa entsetzt aus dieser gesundheitswidrigen Atmosphäre zurück oder springen sofort an die Fenster und reißen diese weit auf, sondern nehmen stumpfsinnig — pardon — Platz mit dem Trostgedanken: „Daran muß man sich eben gewöhnen!" Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß in Zukunft Jedermann den Weisungen und Warnungen seiner Nase williger folgt zu Nutz und Frommen seines ganzen körperlichen Gesundheitszustandes. Sparsamkeit. Geld zu erwerben ist nicht immer schwierig; sehr schwierig aber ist die Kunst, im Besitze des Errungenen zu bleiben. In beiden Fällen besteht die Hauptsache darin, daß man weniger ausgebe, als man einnimmt; nur so kann man zu Wohlstand gelangen, es sei denn, es trete ein Glücksfall — eine Erbschaft, ein Lotteriegewinn u. s. w. — ein und selbst in diesem Falle hört der Wohlstand über kurz oder lang wieder auf, wenn man nicht entsprechend zu wirthschaften versteht. Aber das Sparen allein genügt nicht, man muß auch in der richtigen Art zu sparen wissen. Gar Mancher glaubt zu sparen, während er in Wirklichkeit nur eine einseitige Knickerei treibt. Viele halten sich für sparsam, wenn sie sich nicht satt essen, kein Geld für Seife ausgeben, bei ungenügendem Licht lesen. Solche Art zu sparen taugt nichts, am allerwenigsten, wenn solche Leute nach anderen Richtungen hin verschwenderisch find. Manche Frau, die hier und da 10 Pfennig erspart, wo fie übrigens hätte 30 ersparen können, hält sich für so wunderbar sparsam, daß sie sich berechtigt glaubt, bei der nächsten Gelegenheit 4 oder 5 Mark für Putzsachen auszugeben, wo 40 oder 50 Pfennig genügt hätten. Er giebt Geschäftsleute, die au» Wirthschaftlichkeit jedes alte Couvert, jeden Briefbogen aufbewahren; sie ersparen dadurch jährlich vielleicht 2 oder 3 Mark, scheuen sich aber nicht, kostspielige Gesellschaften zu geben und womöglich Pferd und Wagen zu halten. Ein so planlos „sparender" Mensch kann es zu nichts bringen. Der bekannte Amerikaner Barnum, der sich durch Sparsamkeit, Fleiß und Tüchtigkeit von einem Arbeiter zum Millionär emporgearbeit hat, that einmal den Ausspruch, daß solche Leute dem Manne gleichen, der aus Sparsamkeit zum Mittagbrod für seine ganze Familie einen Hering kaufte, dann aber eine vierspännige Kutsche miethete, um den Hering nach Hause zu bringen. Die wahre Sparsamkeit besteht auch nicht darrn, gute Maaren umsonst oder halb geschenkt haben zu wollen und so den Erzeuger oder Verkäufer um seine Zeit und Arbeit zu bringen, sondern darin, die Ausgaben in vernünftiger Weise niedriger zu stellen, al« die Einnahmen im äußersten Falle gestatten würden. Nöthigenfalls trage man einen Rock etwas länger, richte ein altes Kleid möglichst sauber wieder her, ehe man sich zu seiner Beseitigung entschließt und nähre sich von einfacher Kost. Ein Pfennig hier in der richtigen Weise gespart und ein Groschen dort, schließlich kommt ein Sümmchen zusammen, das man auf die Sparkasse tragen kann, wo er bei dem nöthigen guten Willen, wenn auch langsam, so doch beständig anwächst. Biel Wenig machen ein Viel, sagt ein wahres Sprichwort. E» fällt Vielen sicherlich schwer, sich in ihren unnützen Ausgaben einzuschränken; wer es aber energisch versucht, wird bald großes Vergnügen darin finden, seine Ersparnisse anwachsen und sich in einen mäßigen, überlegenden Menschen ver- wandelt zu sehen. Der schon erwähnte Amerikaner Barnum hat mit Recht gesagt, daß man mit einem geringen Einkommen glücklicher sein kann, als mit dem zehn- und zwanzigfachen, je nachdem man sei« Geld eintheilt. Es giebt Personen — und leider sind es nicht wenig, — die, sobald ste zu Geld kommen, ihren Bedürfnißkreir bedeutend erweitern und Luxu« zu treiben beginnen, so daß sie ihren Reichthum bald los sind. Sie fallen der Sucht, den Schein zu wahren und es Anderen gleich zu thun, zum Opfer. Er ist jedenfalls viel vernünftiger, sich nach seinen Mitteln zu richten und es nicht der „Welt" zu Liebe zu unterlassen, für die Zukunft zu sorgen. Wer da« thut, der wird auch glücklich sein. — Humoristische». Frauenlogik. A.: „Warum schimpfen denn die Frauen so über diese Dame?" — 33.: „Weil fie ihr nicht« Neble« nachsagen können." Ruf dem Ball. Dame: „Sie tanzen ja heut wunderbarleicht, Herr Vetter!" — Student: „Na, bedenken Sie doch, Cousinchen, am fünfundzwanzigsten!" ♦ * • Keine Regel ohne Ausnahme. A.: „Wie wahr ist er doch: je mehr ein Mann hat, umso mehr will er!" - 33.: „Wie alle übrigen, hat auch diese Regel eine Ausnahme." — A.: „So nenne mir die doch." — 53.: „Ein Vater von Zwillingen'" • • e Immer zerstreut. Professor im Bade: „Na, heut ists famos gegangen! Muß Ihnen mal ein gehöriges Trinkgeld geben. (Sucht an seinem Körper). Sapperlot, da Habs ich wieder einmal mein Portemonnaie vergessen!" Literarisches „De» Mädchen» Wahl* von Rafael, Preis 1 Mk. 50 Psg. eleg. cart., Verlag Walter Möschke, Leipzig. Man nennt unsere lieben Evatöchter oft räthselhaft, unberechenbar oder gar launenhaft, wenn sie ihre Entschlüsse ändern oder solche fassen, welche uns unver- stündlich erscheinen. Wie unrecht thut man ihnen! Ist doch die Frau und besonders das junge Mädchen meist so unerfahren, daß sie einen Entschluß gar nicht vom Standpunkte logischer Ueberlegung fassen kann, sie muß sich eben ihrem eigenen Gefühl überlassen, welches ihr instinctiv bestimmte Winke und Fingerzeige giebt. Wie oft aber kommt dabei eine bittere Täuschung heraus, wie oft sind es trügerische Phantome, welche die Frau auf's Glatteis locken und sie zu Falle bringen. Besonders in der Liebe, welches ja die Domäne der Frau ist, in der Beurtheilung der Männer, deren Character, deren Schwächen und Stärken, deren geistigen, socialen und wirthschaftlichen Verhältnissen kann die Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit der Frau ihr leicht großen Nachtheil und Schaden bringen, wodurch ihr ganzes Lebensglück auf immer zerstört wird. — Daher erscheint das kleine Werk „Des Mädchens Wahl" sehr zeitgemäß. Es giebt eingehende Aufschlüsse über das Walten der höheren Liebe, über die Wahlverwandtschaft harmonirender Seelen und die hierzu nöthigen Prüfungsmittel. Ferner gewährt das Buch tiefere Einblicke in die Eigenart des Mannes und seine Verhältnisse, wodurch dem Weibe Wahl und Verständniß des Gatten erleichtert wird. Flott und leicht- faßlich geschrieben, wird „Des Mädchens Wahl" der modernen Frau und Jungfrau ein unentbehrlicher Berather sein, ein Schutz vor folgenschweren Jrrthümern, ein Beistand in Zweifeln und Gefahren. «edaction: A. Schttzda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmverstMS°Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Jede beruhigen, „Warum noch?" Enbl ein wenig „Er sprechen; 1 Und eilte zum „Her gestern di« doch es ( heute Moi meiner Sä für die Er ihr allerdi storbenen ' entspreche entbinde G Onkel aufz Am 5 seinem Zir hereingestü „Lies den Tisch. „Wai sagte Curt ihr hingeh, Erbin geh« „Aber gehalten." «Du l