lit Salz, Pfeffer ht man sie mit etwas Titronen- nige Dutzend ge* die Farce, füllt röhnlich im Ofen. etwa- Kartoffel» tge Fleifchextract baute sich ein ach gediehen und iräume begonnen meister Bliedchen »faik ein „Salve" e, welcher wußte, , oft ein „b" ge- Hochdeutsche und ihm in groben cher ist ja noch „Nein, ich brauche schwarz." w -W hischen Instituts in immlung »Meyer- Halte derselben heben zwei Namen stehen, glichen Klang haben: t in Nr. 1106, 1107 von Jmmermanns 08 gelingt es ihm, unbequeme Tragödie len. Albert Möser >er besten „Idyllen" , Verte und Prosa > des Tages Arbeit, Hermann Marg- l" (1109 bis 1114), ißvolle" von Tieck ikunst, zum Studiuni rg und Erläuterungen umationsschrift „An llummern 1101 bis msch" aus Rankes 1104, 1105 führen es Deutschen Reichs" rrs Volksbücher" vor reitung der „Meyer- dung zu wünschen, lltung (jede Nummer holzfreien Papier, die Sammlung sich gewiß interessante ^gegebene illustrirte [er »Di« gtfi«dert« diesem Jahre das nen dem noch ans nm er des Jahrgangs noch immer an der 1 ist z. B. außer er Ausstattung des welchem eine Gruppe nötiget in Schwarz- Abnehmer des Jahr- Rdr uck als Gratis - thvolle Bereicherung, rstehendeu Bogellieb- ment. Eine Probe- utz'sche Verlagsbuch- und postfrei. Iba) in Gießen, Der Sohn des Regiments. Erzählung von E. Heinrichs. (Fortsetzung.) Cäcilie zog ein elegantes Täschchen hervor, welchem sie den uns bekannten Brief entnahm. Der Hauptmann la» ihn mit großer Befriedigung. „Was haben wir Beide, der Junge und ich, Dir zu verdanken, Du kluges Töchterchen!" sprach er fast demüthig. „Seitdem er mit jenem zweischneidigen Wort mich verließ, habe ich die Buße und die Reue kennen gelernt, aber auch den Herrgott und da» Gebet wiedergefunden. Sieh, mein Kind, der Zange rüttelte mich grimmig auf und dann kam die Todte und blieb bei mir und wich nicht, bis mein verstocktes Herz kurz und klein war und nichts darin mehr Raum hatte, als Reue und Buße, Liebe und Demuth. Nun aber Du, liebe Seele, zu mir altem Sünder gekommen bist, glaube ich, daß auch der Junge mir vergeben wird. Da, lies, was feine Mutter mir geschrieben hat." Er gab ihr ein vergilbtes Blatt, worauf mit unstcheren Schriftzügen folgende Zeilen standen: „Mein geliebter Otto! Ich kann nicht sterben, ohne Dir meine Verzeihung zu senden, denn Du bist noch unglücklicher, al» Deine arme Gattin, welche in ihrer letzten Stunde bet ihrer Seelen Seligkeit Dir ihre Schuldlosigkeit versichern darf. Auch Deinem Freunde Bornheim hast Du ein großes Unrecht angethan, denn, auch er ist unschuldig an dem schmählichen Verrath, dessen Du ihn im blinden Wahn beschuldigt. Ich habe nur noch wenige Stunden zu leben und werde bald vor Gott stehen, in der Sterbestunde aber lügt man nicht. Der Himmel sei Dir gnädig, da Du nicht allein die Gattin, sondern auch einen Sohn verloren, der heute das Licht der Welt erblickt hat. Ich wollte Dir an jenem Tage die frohe Hoffnung mitthetlen, al« Dein wilder Zorn das letzte Band zwischen uns zerriß und ich aus Furcht, Dich zum Mörder zu machen, lieber entfloh. Bei einfachen Leuten habe ich ein Unterkommen gefunden, mit dem Erlös für meine Schmucksachen mir bislang da» Leben gefristet, das ich nun für bas unseres Sohne« opfern muß. — Ich habe dem armen Knaben Deinen Namen, den Rubinring meines seligen Vaters und meine goldene Kette als einzige» Erb- theil gegeben, möge er damit den Weg zu Deinem Vaterherzen finden- Diesen Brief werde ich an Bornheim mit der Bitte senden, ihn Dir mit dem Kinde persönlich zu überbringen. Bitte ihn um Verzeihung, denn Du hast schwer an ihm gefrevelt. Sei unserem kleinen Otto ein guter Vater, damit er Dich lieben lernt und der Versöhnungrengel werde zwischen hier und dort! Möge Gott ihn erhalte», um diese heilige Aufgabe zu erfüllen. Da» ist der letzte Wunsch Deiner sterbenden Gattin Adelheid von Rautenstern." Tiefbewegt hatte Cäcilie dieser Schreiben gelesen, während der Hauptmann ste mit einer scheuen Angst beobachtete. Sie faltete den Brief langsam zusammen und gab ihn zurück. „Wie furchtbar die» Alle» gewesen sein muß," sagte sie nach einer Pause, „wie viele Thränen zwischen diesen letzten Zeilen sich bergen. Aber wessen Schuld kann e» sein, daß ein solcher Brief erst jetzt an seine Bestimmung gelangen konnte?" setzte fie, die düstere Stimmung mit Gewalt abschüttelnd, rasch hinzu. «Der Gedanke, daß Bornheim eine solche Pflicht —* „Nein, nein, er ist schuldlos daran, mein Kind," unterbrach der alte Herr ste rasch, „die Habsucht und Schlechtigkeit der Menschen trägt die Schuld. Vielleicht —" — seine Stimme sank zu einem kaum verständlichen Flüstern herab — „wäre dieser Sohn auch wirklich mein guter Engel geworden und hätte mich vor blutiger Schande bewahrt. Gott hat es in seiner ewigen Gerechtigkeit nicht zugegeben, daß die Todsünde gegen mein armes Weib ungesühnt blieb. Ach, er allein weiß auch, wie schwer ich unter der furchtbaren Last gelitten habe. Lies den Brief von Bornheim — er wird Dir Aller erklären." Cäcilie nahm da» offene Schreiben und las: „Ich bitte den Herrn Hauptmann von Rautrnstern, diesen Brief zu lesen und dann zu handeln, wie (Pflicht, Ehre und Gewissen es ihm gebieten werden. Vor etwa sechs Monaten lief ein Brief au« Amerika an mich ein und zwar von einem Manne, der- fich Konrad Müller unterzeichnet hat. Da ich auf einer 48 längeren Reise begriffen, hatte meine Frau ihn während meiner Abwesenheit verlegt und vergessen. Ich erstaunte daher nicht wenig, als er sich zufällig wieder auffand, daß da« Couvert einen Brief mit Ihrer Adresse und einige Zeilen von der Hand einer längst Verstorbenen enthielt, worin mir die Mission aufgetragen wurde, mit dem Briefe dem Hauptmann von Rautenstern auch einen Sohn zu überbringen, der ihm in der Fremde von seiner Frau geboren worden war. In ihrer Sterbestunde hat sie die beiden Briefe an den Gatten und an mich geschrieben und ihre Unschuld mit dem Tode besiegelt. — Dieser Brief trug dar Datum de« 20. März 1862. — Obengenannter Konrad Müller, welcher mir diese Briefe sandte, wollte sich durch ein Geständniß die Sterbestunde erleichtern, da ihm die Geschichte keine Ruhe mehr lasse und ihm zweimal nacheinander die tobte Frau im Traum erschienen sei. Bei diesem Konrad Müller hat Ihre arme Frau Gemahlin vor fünf« oder sechsundzwanzig Jahren ein Unterkommen gefunden. Er wohnte in einem norddeutschen Haidedorfe und hatte der Sterbenden gelobt, dar Kind und den Brief mir selber zu überbringen. Unglücklicherweise hinterließ sie noch einen werth« vollen Schmuck mit kostbaren Edelsteinen, den er mir ebenfalls überbringen sollte, da sie ihm und den Seinen ihre Garde« robenstücke und ihr baares Geld geschenkt hatte. Die Edel« steine erregten des Manne» Habgier, er vergaß sein Ver« sprechen und reiste nach ihrem Tode mit seiner Frau und dem Säugling, den sie für ihr eigenes Kind aurgaben, auf'» Ge« rathewohl in die Welt hinaus, wo sie das arme, verlassene Wesen irgendwo an einem Waldsaume aussetzten. Daß der gefühllose Räuber sich gescheut hatte, ein von der sterbenden Mutter am Halse de» Knaben befestigtes Erkennungszeichen an sich zu nehmen und daß er auch noch den Zettel mit der Handschrift der Mutter hinzugesügt hatte, mag als Zeichen jenes göttlichen Funken« gelten, der ihm später da» Gewissen aufrüttelte und zu diesem Geständniß zwang- Konrad Müller hatte einige Monate später sein Hab und Gut verkauft, um mit Frau und Kindern nach Amerika auszuwandern. Vorher hatte er den Schmuck an einen Hamburger Handelsmann, welcher die anderen Edelsteine der vornehmen Dame schon an sich gebracht hatte, verkauft und jedenfalls ein gutes Stück G-ld daraus gelöst. — Al» ich diesen Brief und das Schreiben Ihrer Frau Gemahlin, welches nach einem Viertel» Jahrhundert wie eine Mahnung au« dem Grabe vor mir lag, gelesen, reiste ich sofort nach jenem Haidedorf ab, um nähere Erkundigungen über Konrad Müller einzuziehen und im dortigen Kirchenregister nach Ihrer verstorbenen Gemahlin zu forschen. Ich fand den Namen Adelheid Delmenhorst in der Todtenliste, woraus ersichtlich, daß die Verstorbene den Ihrigen, Hauptmann von Rautenstern, abgelegt und ihres Vaters Namen ohne das Adels-Prädicat wieder angenommen hatte. Man erinnerte sich im Dorfe jener fremden Dame und führte mich auf den Friedhof, wo ich eine Zeit lang an ihrem Grabe weilte. Konrad Müller« Angaben erwiesen sich al» richtig und mir lag nur die Mission ob, den Sohn der Tobten, den ein so grausames Schicksal getroffen, zu suchen- Wohin konnte jener Mann das Kind gebracht haben und weshalb hatte er die Gegend nicht näher bezeichnet? Sein Brief enthält keine weiteren Andeutungen, woraus ich schließe, daß der unwissende und beschränkte Bauer, der nur in Geldsachen eine durchtriebene Schlauheit besessen, auf gut Glück in die Welt hinaurgefahren ist, ohne sich um die Namen der Städte und Ortschaften zu bekümmern, um sich vielleicht später damit rechtfertigen zu können, daß er nicht mehr wisse, wohin er den Knaben gebracht. Sein einziger Plan muß gewesen sein, ihn so weit al« möglich sortzuschaffen. Ich ging nach Thüringen und Sachsen, vermochte aber nicht« zu entdecken und beschloß, Ihnen die Briefe mit einigen Zeilen zuzusenden, al» eine Krankheit mich wochenlang darttiederwarf. Al« ich genesen war, erhielt ich auf eine warme Empfehlung hin einen jungen Volontär, Namens Otto Waldmann, einen Artillerie-Lieutenant außer Dienst, welcher vor 25 Jahren von Pionieren an einem Waldsaume gefunden worden und auf Kosten de» Regiments-Commands» auferzogen worden war. Ma» hatte ihm nach dem Fundort den Namen Waldmann gegeben- Seltsamerweise fiel mir nicht» Besondere» an dieser Thatsache, welche man mir mitgetheilt, auf, bi« ich einen kostbaren Rubinring mit den Buchstaben O- v. R. an seinem Finger blitzen, dann die Uhrkette und den Zettel sah. Mir war bereits eine Aehnlichkeit in seinen Gesichtszügen, eine gewisse Bewegung de» Kopfes, welche Ihnen, wie ich mich jetzt erinnert, eigenthümlich ist, an ihm aufgefallen und mit dem Ringe, mit dem Zettel hatte ich de» Räthsels Lösung in der Hand, Ihr Sohn ist dieser Findling, Hauptmann von Rautenstern. — Ich sende ihn, den völlig Ahnungslosen, selber zu Ihnen mit dem Briefe der Mutter. Handeln Sie jetzt nach Pflicht und Gewissen, sühnen Sie eine Schuld, die einst zum Himmel schrie und durch Ihre Tapferkeit in der Schlacht keine Milderungsgründe finden konnte wie die anderen Folgen Ihres ungezügelten Jähzorns. v. Bornheim." Cäcilie hatte das Schreiben aufmerksam durchgelesen und es dem Hauptmann wieder zurückgegeben. „Wie grausam die Habsucht eines niedrigen Menschen an dem Kinde auch gefrevelt haben mag," sagte sie dann mit einem so sonnigen Lächeln, daß sein trüber Blick sich ebenfalls zu erhellen begann, „so kann ich mich doch im Grunde nicht darüber betrüben, weil der Findling unter der Obhut seine» leiblichen Vater» wohl in ganz andere Lebensbahnen geleitet worden und mir niemals als mein zweites Ich begegnet wäre. — Hauptmann von Rautenstern hätte sich unter anderen Verhältnissen unzweifelhaft eine bürgerliche Schwiegertochter verbeten." Der alte Herr blickte sie nachdenklich an und nickte dann mechanisch lächelnd. „Magst wohl Recht haben, meine Tochter I Gott hatte mein verhärtete» Gemüth, das eine dicke Rinde von Selbstsucht, Hochmuth, von unfehlbarer Ueberhebung und Größenwahn umpanzert hielt, noch nicht mit dem Hammer der Vergeltung berührt und meinen verruchten Jähzorn noch nicht bestraft. Ich war es damals nicht werth, Vater zu fein und der arme Junge wäre von meiner harten Hand zerbrochen worden wie feine gute Mutter. Ich hielt mich für verrathen und betrogen und wäre damals vor dieser Stimme au» dem Grabe noch lange nicht zu Kreuze gekrochen. Ach, mein Kind, ich bin viel schuldiger, al» Du glaubst, — aber Gott hat mich niedergeschmettert und mich weggewischt von jener Tafel, auf welcher die Namen der Tapferen verzeichnet stehen. — Hätte ich meine Schuld mit dem Leben bezahlen dürfen, hätte die Feindeskugel mich hinweggerafft, — ich wäre vielleicht milder gerichtet worden." Cäcilie hatte erschrocken diesen leidenschaftlichen Ausbruch de» alten Soldaten angehört. Sollte der alte Jähzorn wieder Gewalt über ihn gewinnen? „Mein lieber, lieber Vater," bat sie, schmeichelnd ihre Hand auf seinen Arm legend. „Vergieb, meine Tochter," sagte er, ihre Hand ergreifend und festhaltend, „Du fürchtest den tollen Rautenstern nicht und da» thut mir wohl. Ich war wieder einmal ungerecht, da man mich nur zu mild und nachstchtig gerichtet hat. Weißt Du, war man sich von mir noch weiter erzählt?" „Freilich habe ich davon gehört, aber ich glaube nicht daran," erwiderte Cäcilie zögernd. ,,E» ist wahr, mein Kind," sagte er langsam und mit schwerer Betonung. „Du sollst mich ganz, wie ich gewesen bin, kennen. Ich habe nicht blo» eine schwache Frau bedroht und zur Flucht genöthigt, einen wackeren Kameraden zum Invaliden geschossen, — o nein, ich habe auch einen Mord begangen! — Siehst Du, wie Deine Wangen erblassen und Deine Hand hier in der meinen vor Abscheu zuckt? — Er ist eine wunderliche Comödie in der Welt, im Grunde doch ein Narrensptel. Höre mich an und dann richte gerecht." Der Hauptmann schwieg einen Augenblick, strich sich über die Augen und ließ seufzend ihre Hano los. Er erzählte jetzt mit halblauter Stimme die tragische Geschichte seiner Ehe, wobei er sich in keiner Weise schonte, - 41 sonder» unnachsichtlich mit fich selber in'« Gericht ging. — „Wenn mein wilder Jähzorn, den mein Vater durch da« soldatische Joch der Dirciplin zu bändigen hoffte, auf irgend eine Entschuldigung pochen könnte," fuhr er düster fort, „so ist e« diese, daß meine Mutter mir in frühester Kindheit durch den Tod entrissen wurde und ich damit jene Liebe entbehren mußte, welche für jede« Kind, ob hoch oder niedrig, arm oder reich da« Sonnenlicht der Lebeü« bedeutet. Von Miethlingen umgeben, von einem Vater erzogen, dessen Jähzorn ich geerbt und oft unter seiner harten Hand grausam genug erprobt hatte, konnte am Ende nicht« andere« au« mir werden. — Wie es indeß gekommen wäre, wenn die militärische Dirciplin mich nicht früh unter ihre Fuchtel genommen, das mag ich gar nicht ausdenken. Ich wurde Soldat mit Leib und Seele und — ich darf'« sagen, mein Kind — ein tüchtiger Offizier, dem ein« glänzende (Saniere bevorstand. — Mein wilder Zorn, der mich um mein häusliches Glück gebracht, zerstörte auch diese und darin vor Allem, das erkenne ich heute voll Demuth vor Gott, liegt die ewige Vergeltung, welche jede Schuld an ihrem Urheber unerbittlich rächt. Dis Flucht meiner Gattin hatte mich durchaus nicht zur Erkenntniß gebracht, ich sah im Gegentheil den Beweis ihres Verraths und schoß Bornheim zum Krüppel. Dann kam der böhmische Krieg, wo ich an meinem Platze war und mein Leben, wo immer die Gelegenheit fich bot, tollkühn, ja, mit einer wilden Lust aus's Spiel setzte. Aber ein ruhmvoller Soldatentod war mir nicht beschieden." „Just, als ich vor der Schlacht stand," fuhr Hauptmann von Rautenstern nach einer Pause fort, „in welcher mir Avancement und Verdienstkreuz winkte, mußte mich der alte Jähzorn wieder packen. Ein Soldat bei meiner Compagnie, ein nicht«nutziger Kerl und gefürchteter Raufbold, verweigerte mir den Gehorsam; anstatt ihn arretieren zu lassen, stach ich ihn nieder. Vorwärts ging'« dann gleich in den Kugelregen hinein, ich wie ein Toller drauf los, mit meiner Klinge jeden Widerstand forträumend, meine Jungen» hinter mir drein — ja, mein Kind, er war ein gräßliches Gemetzel mit Bajonett und Gewehr-Kolben — ein Morden im großen Maßstab! Aber wir stachen kejne Wehrlosen nieder, darin liegt'«. Und doch kam's mir später, al» ich vor Gericht gestellt wurde als Mörder, närrisch vor — nicht wahr? — Hm, ich verlor den Maßstab dafür, der Kerl hätte nach Kriegsrecht eine Kugel verdient, ich hatte einfach dem Gesetz vorgegriffen. — Meine Bravour in der Schlacht bewahrte mich vor Cassation, alljährlich ein paar Wochen Festung, das war Alle». O nein, nicht Alles, die Schwere des Urtheils lag in der permanenten Zurücksetzung beim Avancement, man schritt einfach über mich hmweg. Keine Auszeichnung, keine Beförderung, keine Hoffnung! — Kind, ein solches Dasein wirst Du nicht begreifen können. Dann kam der Krieg mit Frankreich. — Daß ich mich dort nicht geschont, vielmehr den Tod gesucht habe, wirst Du mir glauben, er mähte um mich herum mit blutiger Sense, mich ließ er unberührt, keinen Blutstropfen zapfte er mir ab. Meine Soldaten hielten mich für hieb-, stich- und kugelfest, glaubten mich mit dem Gottseibeiuns im Bunde und fürchteten mich. Das machte mich immer wüthender und riß mich zu einer neuen Gewaltthat hin. Mein zweite« Opfer — es war mein Bursche — hatte mich durch eine Dummheit gereizt. Er blieb Gott sei Dank am Leben und ist mein Diener, mein treue« Factotum geworden." „O, da« freut mich von Herzen," kam es unwillkürlich über Cäciliens Lippen. „Ja — der arme Kerl wurde al« invalid aus dem Dienst entlassen und kam zu mir, wo er natürlich zeitlebens versorgt sein wird. Du magst e» mir nun glauben oder nicht, meine Tochter — aber der Andere, nämlich der Todte, hat mein Gewissen im Grunde gar nicht absonderlich beschwert. Warum nicht? — Weil der Kerl ein nichtsnutziges Subject war, ein Elender, der seiner alten Mutter und seinen Geschwistern ein Schrecken gewesen und ehrlichen Soldatentod in der Schlacht nicht verdient hätte." „Ah, Hauptmann von Rautenstern ging selber zu der alten Mutter seine» Opfers," schaltete Cäcilie tief erregt ein. Der alte Herr nickte mit einem halben Lächeln. „Meine Pflicht, nicht» weiter, Kind," erwiderte er rauh. „Die Leute quälten einige Thränen hervor, um den Preis für den Tobten höher zu schrauben. Ich setzte für die Mutter eine Penston au» und erfuhr dann von ihren Nachbarn, daß die Familie sich überglücklich fühle, von dem schrecklichen Burschen, der schon öfter ihr Leben bedroht, befreit zu fein und mir eigentlich großen Dank schulde, da er gewiß au» dem Kriege heil und ganz, jedenfalls aber noch gewaltthätiger zurückgekommen wäre. Das ganze Dorf fei froh, ihn losgeworden zu fein. — Na ja," setzte der Hauptmann ironisch hinzu, „ich hatte also im Grunde etwas Gutes vollbracht und seine Familie hat doppelt dabei gewonnen. — Jadeffen mußte ich mich mit diesem Tröste begnügen und meine Strafe als eine wohlverdiente, doch immerhin milde hinnehmen, da ich ein großes Schuldregister zu verzeichnen hatte. Wenn Du aber meinst, daß ich hier in meiner menschenfeindlichen Einsamkeit zur Erkenntniß meiner Sündenlast und zur inneren EinkeA gekommen fei, so irrst Du sehr, — Gott bewahre, — ich fühlte mich verrathen, zurückgesetzt, tiefgekränkt und hielt mich aus dem hohen Postament der Selbstsucht für den allein Gerechten und Tadellosen, für da« Opfer schändlichen Verraths, niedrigster Kabale. — Der Herrgott mußte erst eine Stimme au« dem Grabe wie die Posaunen des jüngsten Gerichts ertönen lass.», um meinen Hochmuth, meine Selbstvergötterung zu brechen, mich von dem Postament hinabzustürzen. Jetzt liege ich im Staube, von dem wilden Rautenstern blieb nichts mehr übrig, als ein innerlich gebrochener Grr s, ein verzweifelter Vater, der vom eigenen Sohne verworfen ist." Er drückte beide Hände vor's Gesicht, um die Thränen zu verbergen, welche er trotz gewaltsamer Anstrengung nicht zu unterdrücken vermochte. Es waren die ersten Thränen seit seiner Kindheit, welche der rauhe Soldat heute um die Vergangenheit weinte. Cäcilie setzte sich neben ihn und legte den Arm um seinen Hals. „Lieber, lieber Vater," sprach sie tröstend, „der Sohn ist Dir nicht verloren, die Mutterstimme au» dem Grabe wird ihn zurücksühren. Er ist ein edler Mensch „Das ist er wie seine Mutter," fiel der Hauptmann, fich hastig die Augen trocknend, ein, „ich möchte ihn gar nicht ander« haben- Aber ich fürchte, liebe Tochter, daß er meinen Starrkopf geerbt hat." (Schluß folgt.) Der schlimmste Wintergast unserer Klemen. Bon Dr. Otts Gotthilf. ------- (Nachdruck verboten.) In allen Kreisen der Bevölkerungen, von der Hütte di« zum Thron hat die Diphthertti« schon ihre Opfer gefordert. Alljährlich muß die Menschheit dem erbarmungslosen Würgeengel einen übergroßen Tribut entrichte.', von dem Besitze, welchen sie am höchsten schätzt und am allerschwersten und allerschmerzlichsten dahingibt, von chrem Reichthum an frisch emporblühenden Menschenleben. Die Diphtheriti« herrscht fast in der ganzen Welt. Sie ist nicht etwa aus bestimmte Gebiete beschränkt, aus welchen sie nur bei günstiger Gelegenheit hervorbricht und sich verbreitet, wie die Pest und Cholera, sondern überall, wo der Mensch wohnt, in den norwegischen Fjorden des hohen Norden», in den tropischen Breiten auf Neuguinea hat sich die Diphtheriti» an seine Fersen geheftet. Wie können wir nun den tückischen Feind bekämpfen? Wie unser kostbarste» Gut vor dem Verderben schützen? So lange wir e» mit einem Feinde zu thun hatten, welcher, selbst unbekannt, au« unbekannten Schlupfwinkeln hervorbrechend sich auf seine Opfer stürzte, so lange war die Aussicht ans eine erfolgreiche Bekämpfung desselben gering. *=** - Druck und Verlag der Brühl',chen UniverstMS.Buch. und Steindruckerei (Pietsch * Sch.Yda) in Redaction: St. Scheyda. yrararagR S-iJIWMW. Würgeengel an bett Thüren der weifte* ebenss unbeschadet vorübergehen müflen, wie einst sein mordgieriger Genösse t* Aegytenland an den Häusern der Jsraeliten.Sowiffen wir jetzt, daß ein Dixhiherittskranker meist noch mehrere Tage nach dem Schwinden der Beläge im Halse arsteckung«- ähige Bazillen bei sich beherbergt, also sür Geschwister und kameraden noch höchst gefährlich ist. Deßhalb dürfen die Vatienten nicht früher al» mindesten» acht Tage nach dem Verschwinden aller localen Erscheinungen au» ihrer Jsolirung entlasten werden. Die Fernhaltung von der Schule aber soll auf mindesten» vier Wochen von Begtnn der Erkrankung an gerechnet werden, vorausgesetzt natürlich, daß man alle Gegenstände, welche mit dem Erkrankten in Berührung kamen, wie Kleider, Wäsche, Bettzeug, Trink- und Eßgeräth, durchange« Kochen im Master dertnfizirt, die Fußböden mit Sublemat- lösung scheuert, die Tapeten und Möbel mit Brod abreibt. Denn die Untersuchungen de» bedeutenden japanischen Forscher» Kitasato in Berlin haben ergeben, daß die Diphtheritirbacterien sich in trockenen Räumen vier bi» fünf Monate leben»- und ansteckungsfähig erhalten, in feuchten fogar sieben Monate. Daher sind auch in einzelnen, meist unbewohnten norwegischen Gehöften Fälle vorgekommen, daß Leute an Diphtheritis er ttankten, welche solche Räume, in denen vor mehreren Monaten Diphtheritiskranke gelegen, oder Kleider, welche lene damals getragen, benützt haben, Besonder-vorsichtig muß man zur Zeit einer Epidemie mit der Milch sein, ba auf diese? die Batterien sehr gut gedeihen. Man vngewiffere sich also möglichst, ob in der Behausung des Milchlieferanten keine Diphtheritis herrscht. Jedenfalls ist die Milch vor dem Gebrauche längere Zeit durchzukochen. Stets und vor allem aber fei man sich bewußt, daß eine gesunde und widerstandsfähige Hals« und Mundschleimhaut am besten vor Diphtheritis schützt. Ohne Zweifel haften die Batterien viel leichter auf katarrhalisch oder sonstwie affizirten Schleimhäuten. Vermag doch dagegen in dem viel weniger empfind- li hen, oft durch Rauchen und Alkoholika abgehärteten Halse der Erwachsenen das Gift sich fast nie zu entwickeln. Deß« halb ist es durchaus geboten, namentlich in Zeiten und an Orten epidemischer Verbreitung der Diphtheritis, jebe, selbst die geringfügigste Entzündung bes Halse» fotflW zu be» achtm und zu behandeln. Aber auch sonst sollte man die Kinder von klein auf morgen» und abend» zum Gingest, und Mundaurspülen anhalten, indem man mit warmem Master aniänat und allmählig zu ganz kaltem übergeht. Dadurch werden täglich alle schädlichen Eindringlinge immer wieder entfernt, die Schleimhäute abgehärtet, und die Kinder lernen frühzeitig gurgeln, ohne etwa» von der Flüssigkeit zu ver schlucken, so daß der Arzt bei einer Erkrankung auch stärkere Gurgelmittel verordnen kann. Herrscht Diphtheritis am Orte, so möge man anstatt de» gewöhnlichen Master» aromatischer t nehmen. Bei geringerer Röthung oder Schwellung im Halse l oder Belag seien zunächst folgende Hau-mittel empfohlen, i äußerlich nasser, sogenannter Prießnitz scher Umschlag, oder auch feuchte Einwicklung be« ganzen Körper» und, al» be» sonder» wohlthuend, warme Bäder mit kühlen Übergießungen, welche tiefere Athemzüge und energischere Blutcirculationan- reaen. zugleich auch auf da« gesummte Nervensystem höchst S»b dnrnirfe«. V°» °--m tonli»« M<(n «6« laste man die Hand weg, weil man zugleich Reizungen und Verletzungen der entzündeten Schleimhaut hervorruft. Da« Haupterforderniß jedoch ist und bleibt stet»: frische, staubfreie kühle Lust! Sobald sich Belag int Halse zeigt , ist natürlich sofort die Hilfe be« Arzte« in Anspruch zu nehmen- Wenn man diese Regeln der hygienischen Praxis^ allgemein befolgt, werden nicht mehr so übermäßig viel Hoffnung«» volle Menfchenknösplein von diefer grausigen Krankheit dahin- gerafft werden. Und wenn dann doch hie oder da ein ro stge« Kindlein al» Opfer fällt, so kann sich, wenigsten« btt den Eltern nicht zum tiefen Schmerze noch die furchtbare Selbst anklage wegen versäumter Pflicht gesellen. Die abwehrenden Streiche trafen in bis Lust, und allgemach . erlahmte die kampfesmuthige Hanb im vergeblichen Ringen. ■ Jene Reit be« nnsichern Umhertasten« war beim auch die Blütheperiode unzähliger „ganz unfehlbarer" Heilmittel. Viele Aerzte und Laien, Kurpfuscher unb Natur heilkundige priesen dasjenige Mittel, mit welchem sie einige Kranke curirt hatten, sofort als eine Panazee, al» ein Wundermittel an, bestehend in Pinseln, Jnhaliren, Frieren oder Schwitzen, frischer Lust oder Räucherung. Aber immer von Neuem rüttelte der unerbittliche Feind den Menschen auf »n neuem Kampfe, zur Verbefferung feiner Kampserweife, zur Schärfung seiner Waffen. Da gelang e» endlich im letzten Jahrzehnt , Dank der bacteriologischen Forschung, dem Feinde da» Vifir zu öffnen, und mit neuer Kampsessreubigkeit wurden die Gemüther aller Aerzte erfüllt. Im Jahre 1884 entdeckte Profeffor Löffler in Greifswald bett Bazillus, der bie Diphtheritis erzeugt. Freilich würben baran, ebenso wie bei Kochs Enbeckung be» Tuberkelbazillus, im großen Publikum gleich zu hochtrabende Hoffnungen geknüpft. Aber mit neuer Kraft, mit frischer Energie hat seitdem die Hygiene den Kampf gegen die Diphtheritis ausgenommen, auch mehrt sich von Tag zu Tag bas Rüstzeug, und zuversichtliche Hoffnung auf baldigen Sieg begeistert die um das Banner der Hygiene gefchaarten Kämpfer. Sind doch erst in neuester Zeit Profeffor Behring unb Dr. Roux, ein Deutscher unb ein Franzose, wieder ein gut Stück vorwärts gekommen durch Anwendung der „Serum-Therapie." _ . . Es besteht nämlich bas Wesen aller ansteckenden (In- fectione») Krankheiten, also auch der DiphtherUis, in einem Kampfe auf Tob unb Leben zwischen den in» Blut gelang en Krankheitserregern (Batterien) und gewissen Be^ndt^ilen unseres Blutes Im Körper äußert sich dieses Schlachtge- tümmel durch Fieblr und ändere Krankheitssymptome Unter- liegen die Batterien, so tritt bei dem Patienten Genesung ein , erringen sie aber den Sieg, so wird der Feind also dar Blut, gleichsam lebensunsähig gemacht, und die natürliche Kolae ist der Tod des Patienten. Durch das glückliche Ueberstehen einer Jnfettionskrankheit wird nun das Blut aeaen Batterien so kampsgeübt — wenn ich so sagen darf, — daß er für längere Zeit unüberwindlich und die betreffende Perfon für» erste gegen diese Krankheit gefeit oder »immun ist. Hierauf ruht auch die Schutzpockenimpfung, welche einen aerinaen Ausbruch der Pocken bezweckt und dadurch gegen eine etwaige spätere Pockenerkrankung unempfänglich machen will Derjenige Bestandtheil de« Blutes welcher hierbei die Hauptrolle spielt, ist da» Serum, weßhalb man diese Heilmethode (Therapie) die Serum-Therapie genannt hat. Den genannten Aerzten ist es nun gelungen, diese Behandlung auf die Diphtheritis anzuwenden. Dr. Roux überträgt da» Blutferum immunisirter, da» heißt gegen Dipher^tis unempfänglich gemachter Pferde auf diphtheritiskranke Kmber und soll dadurch fchon große Erfolge erzielt haben. Auf dem tn Wien (1894) abgehaltenen Aerztecongreß war es dann Profeffor Behring aus Halle, welcher durch die günstigen Resultate feiner verbefferten Heilserum^Melhode die medl. cinische Welt in Begeisterung versetzte. Wirklich hat sich seit- dem da» Verfahren ganz gut bewährt, namentlichwenne» sofort nach den ersten Anzeichen der Erkrankung zur Anwendung kam, so daß e» vielleicht allmählig Klingt, den furchtbaren Würgeengel fast ganz kampfunfähig zu machen. Möge dieser sehnlichste Wunsch von viel tausend liebenden Elternherzen endlich in Erfüllung gehen. Aber der Heilkunde höchste und erhabenste Aufgabe besteht nicht in der Verhinderung der Todesursachen, sondern der Krankheitsursachen. Die« ist i^c auch bei der Diphtheritis durch die letzijährigen Untersuchungen in hohem (Stabe gelungen. Wenn nur „da« liebe Publikum die Er- gebniffe die mühseligen unb lebensgefährlichen Forschungen mehr beherzigte, wenn es die hygienischen Maßnahmen und praktischen Rathschläge beffer aussührte, bann würbe ,ener