und m»n wird it ist, und wie »bei darf eine j, sich nie Der» uldigungen an» vielleicht einige unentbehrlichen ; auch hier und «arten und in inersetzltch sind, cisch, abgesehen diges Verhalten u, deren Pflicht i zu fein, dieses außer Acht zu d nie ihre gute hlt selten seinen dm und Leiden diese zutraulich (offenes Wesen. icn Mädchen zu itlienoerbättniffe nbere Personen »-druck lautet), t ober anberen, chlen zu lasstn. unb dreist und über ihre naive ich ihrer Würde irenze zu stnden » am wenigsten Ichsucht alle Be» Schluß folgt.) er, Sie schlafen ! in'S Gesicht?" ia wie käme ich n den Vorhang sendete 5. Heft hat en durch Jnsecten „Propeller-Insel" interessanten 9(5= tut 9 Abbildungen, Zahlen behandelnd, tmenhana der dies- lustrierten Notizen: chsfang, am Fraser c den Monat März to. „Der Stein der a reich illustrirten g erhältlich. nze gebildete Welt : 9lufnahmen, die e von Herrn Paul ein wohlgetroffene! (Verlag von Rich. :n heransgegebenen „Moderne Kunst" olgt und überhaupt iroeift sie mit dem : Weise. Das Heft »rtem Bilderschmuck, tem Text, daß sich j aus'prechen läßt, jt mehr wie 60 Pf. da) in Gießen. 1896 Skmßtag den 29. Febmar LmiiieBl'äiiek k'i;erter UnLerhaltungsblatt zum Gießener Anzeiger (General AnMger), re' er A 2TUfajfe Nr. 25. Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. (Fortsetzung.) Ein Opfer hatte der Baron von Ilse erbeten, ein Opfer, das sie dem Einsamen, Kranken, dem seinem nahen Ende Entgegensiechenden bringen sollte. Und daß er sie brauchte, daß eine treue, selbstlose Pflege wie die ihre, Lebens» bedingung für ihn war, sollte er überhaupt die Gesundheit wiebererlangeit, dessen war sie sich klar bewußt. Wem aber dürfte sie sich anvertrauen, in wessen Seele ein so schwerwiegendes Geheimniß ausschütten? Ihrer Mutter, ihrem Bruder gewiß nicht. Weder die Eine, noch der Andere würde ihre Zweifel und Bedenken verstehen. Einen gab es aber, Einen, in dessen theiluehmende Brust sie gewohnt war, so lange sie denken konnte, ihr Leid auszuschütten, der ihr Rathgeber, ihr Tröster in allen schweren Lebenslagen gewesen, Pastor Seyffard, der Prediger des Ortes, der sie eingesegnet und in dessen Hause sie wie ein eigenes Kind geliebt und hochgehalten wurde. Ihn wollte sie In aller Frühe am andern Morgen aussuchen, ehe sie die von ihr geforderte Antwort gab. Dieser Entschluß erleichterte ihr bekümmertes Herz, sie wurde ruhiger und der Schlaf der Jugend legte sich besänftigend auf den Kampf der in ihren Tiefen erschütternden Mädchenseele. AmßFuße des Burgberges, auf einem von Linden umrauschten, von niederen Häuschen mit Vorgärten umgebenen Platze steht die Kirche Hcrtheims, ein schlichter Bau aus dem Anfang des Jahrhunderts, deren einziger Schmuck, ein alter, kunstvoll geschnitzter Altar, sich ganz sonderbar inmitten der Dürftigkeit der weißgetünchten Wände ihres Inneren ausnimmt. An der einen Seite de« Platzes, das Moderne mit dem Urväterlichen verbindend, erhebt .sich ein grobes Hotel mit Balkonen und Veranden, ganz int Stile bet Neuzeit, luftig und heiter erbaut Ihm gegenüber steht das von blühenden Kletterrosen überzogene Pfarrhaus. Die mächtige Linde davor, jetzt gleichfalls in üppigster Blüthenfülle stehend, strömt ihren süßen Duft in die laue Luft de» Morgens hinaus. Die oberen Zimmer des langgestreckten Gebäude» vermiethet die sparsame Pfarrfrau im Sommer an Badegäste, wie es ebenso jeder Einwohner Hertheims thut, der Über mehr Raum, als er nothwendig gebraucht, zu verfügen hat. Und Pastor Seyffard hat vier Kinder und nur ein kleines Gehalt, zwei Söhne, die in der nahen Residenz in Pension sind unb bort bas Gymnasium besuchen, unb zwei Töchter, hochaufgeschossene Backfische von elf unb breizehn Jahren, welche bie von zwei alten Fräuleins geleitete höhere Töchterschule in Hertheim be» suchen. Auf dem weinumrankten Vorbau, von dem einige Stufen nach dem von Rosen unb Resedaduft erfüllten Hintergärtchen führen, war bie Familie um ben Frühstückstisch versammelt. Der Pastor, ein Mann in ben besten Jahren, mit scharf- gezeichneten, klugen unb doch dabei milden Zügen, saß behaglich im Lehnstuhl, die Cigarre im Munde, und las die Neuangekommene Zeitung. Seine Frau, eine schlichte, noch fugend» liche Erscheinung mit einem stillen, sanften Geficht, so recht bas Abbild einer Pfarrersfrau vom Lande, mahnte eben ihre beiden Töchter, sich zur Schule zurecht zu machen, als plötzlich ein Jubelruf aus deren Munde erscholl: „Ilse — Ilse Bellin!" Mit weitgeöffneten Armen stürzten sie der durch bie Seitenpforte Eintretenden entgegen, bie Eine nach der Andern umarmte unb küßte. „Gerade jetzt kommst Du, nun wir fortmüssen. Konntest Du nicht eine Viertelstunde früher hier sein? Wir find so neugierig, etwas über Deinen Baron zu hören." Von Jeder an einer Seite untergefaßt, wurde Ilse hinaus bis zu dem Tische geführt, wo die Pastorin ihr freundlich die Hand entgegenstreckte und ihr Mann über die Zeitung hinweg etwas erstaunt fragte: „So früh, liebste Ilse? Führt Dich etwas Besonderes her?" Unb al» er nun in das bleiche, etwas übernächtigte und dabei doch so seltsam erregte Antlitz sah, fügte er theilnehmend hinzu: „Deinem Pflegling geht es doch nicht schlechter?" „Gott sei gedankt, nein," winkte sie ihm beruhigend zu. Sie konnte sich gar nicht der Mädchen erwehren, die sie abwechselnd immer wieder umhalsten unb küßten. „Marsch, fort!" gebot jetzt der Pastor lachend. „Selb W dem Leben mir sage«, Sache mit ein Urtheil .Aber angethan?" Sie hob die gefalteten Hände wie abwehrend gegen den „Ja, wie kann man dazu, wie abrathsn?" rief er. „Bin ich allwissend? Eines kann ich vielleicht thun, mit dem Baron hatte? „Seltsam, höchst seltsam," sagte er, als fie geendet und. blickte mit einem fragenden Ausdruck ihr in die Augen. „Ein Kranker denkt an Hochzeit, an Ehe — und die er, der reiche, vielbegehrte, feudale Herrschaftsbesitzer begehrt, bist Du, seine scheiden 1" Der Pastor erhob sich von seinem Stuhle und schritt einige Male mit untergeschlagenen Armen in der Veranda ans und nieder. „Gewiß, wenn ich ihn darum bitte —" „Gut denn, so laß es uns versuchen- Ich habe so wie so einen Weg in die Nähe des Doctorhauses zu machen. Aber hinzu. „Hm, bergen- „Auch ich bin mir ein Räthsel." „Ah, so steht es also? Der schöne Mann hat's Dir hm," machte der Pastor- „Das ist eine eigene dem Dürfen. So rasch kann ich mir unmöglich über eine so außerordentliche Sache bilden —" ich muß, muß heute noch, muß gleich mich ent» Pflegerin!" „Ja, das bin ich," entgegnete sie leise, „mir selbst ist es ein Räthsel!" „Und was, Ilse, sagt Dein Herz dazu?' . Noch näher neigte er sich zu ihr. Sie wandte sich nut zitternden Lippen ab, um die aussteigenden Thränen zu ver« Pastor. «O, nicht der schöne Mann! Sprechen Sie nicht so, Herr Pastor. Es thut mir nur in der Seele leid." „Und Du möchtest ihm de» Dienst erweisen, den er von Dir fordert und ihn zu Tode pflegen?" „Nein, nicht zu Tode pflegen, Herr Pastor, sondern »hn wiedergewinnen. Wenn ich es darf, wenn Sie daß ich es darf!" fügte sie mit leuchtenden Augen Ihr denn ganz toll — wollt Ihr die Ilse ersticken? - Daß Ihr mir nicht zu spät in die Schule kommt!" Die Mahnung des Vaters wirkte. — Wie der Wind selber sprechen- — Wenn^das anginge? flogen die schlanken Kindergestalten durch den Garten zur 1 “ k Pforte hin, wo sie sich jedoch noch einmal umwandten, um Me zum Abschied noch Kußhändchen zuzuwerfen. . —D - , , - c „Siehst Du wohl," meinte der Pfarrer, der Ilse noch I Eines sage ich Dir gleich: Zureden kann und werde lch Dir von der Confirmati on her auf ihre Bitten hin Du nannte, I auf keinen Fall- In solchen Dttigen darf kein Mensch zu- „das hat man davon, wenn man eine interessante Persönlich- reden. Doch will tch nach oer Ruckiprache mit dem Baron leit geworden ist. Der Baron und Du, Du und der Baron Dir aufrichtig sagen, ob ich nicht entschieden abreden mutz. — das ist das tägliche Gesprächsthema der Hertheimer. Doch Bist Du damit zufrieden? " nun ernsthaft, Kind. Du siehst so verstört aus, hast Du „Ich muß wohl, Herr^Pastor! tnn6 Besonderes aui dem Herzeu?" ! „So komme, ich begleite Dich! Ja lieber Herr Past^!" Der Pastor hatte mit Ilse den schmalen Wiesenweg ein- Der'Pastor wechselte rasch einen Blick mit seiner Frau, geschlagen. Schweigend schritt er an ihrer Seite hin. Sein die fick soaleicb »urückzoa. Auge nur glitt manchmal wie prüfend über ihre Gestalt, über Jetzt also ° Wir sind allein und Niemand kann uns das gute, unschuldige Gesicht, das ihm so lieb war. Was hier stören. Ist der Bruno wieder leichtsinnig gewesen und aber einen so verwöhnten, vornehmen Mann wie den Baron hat etwa Schulden gemacht? Oder hat's mit der Frau Mama an ihr zu fesseln vermochte, so zu fesseln, daß er sie zu seiner einen Streit aeaeben?" Frau zu machen wünschte, das begriff er absolut nicht. Frei- Ilse schüttelte den Kopf. lich war er jetzt ein Kranker, sie seine Pflegerin, und Kranke „Nein, dieses Mal betrifft es mich allein, Herr Pastor." empfinden und fühlen anders als Gesunde. Dennoch, dennoch! Der treffliche Mann schaute etwas verwundert drein. Vielleicht spürt er wirklich das Nahen des Todes und möchte Dich allein?" wiederholte er. der gewohnten Pflege nicht mehr entbehren- Wäre es so, "cfo, Herr Pastor, etwas, das — das —" dann könnte man eigentlich nichts dagegen faßen. Sie kam nicht weiter; das Wort blieb ihr auf den Es sprach für den Baron, daß er so vrel Rücksicht nahm Sinnen batten. und sich scheute, wenn auch nur mit einem Hauch Ilses reinen Nun, so sprich doch nur. Du hast Dich ja noch nie Namen zu beflecken, und der Pastor erinnerte sich jetzt, daß vor Deinem alten Pastor gescheut!" man ihm gesagt, die Gattersberger Leute rühmten die Frei- Nein, noch nie; aber auch nie bisher ist mir so etwas gebigkeit und Großmuth des neuen inngen Herrn. Für Ilse aekLeben!" selbst konnte man ja bie Herrath nach der pecunraren Serie Und die Hände im Schooße gefaltet, mit fliegender Röthe hi« nur als ein Glück betrachten. Sie mußte sie fa not lebet 6uf den Wangen, fing fie jetzt an zu beichten, Alles, was sie Roth schützen, die der Leichtsinn Bruder und Mutter über erlebt, durchlitten hatte in der letzten Nacht. Der Pastor sie heraufbeschwören könnte. .Freilich hatte sie sich auf eigene hörte, den Kopf in die Hand gestützt, mit sichtbar steigendem Füße stellen wollen und Flerß ernährt- Aber "er kann für Erstaunen zu- War dieses von seiner Leidenschaft immer I die Zukunft bürgen ? Sie konnte krank, unfähig zum Verdienen mebr Rdi sortreißen lassende Mädchen denn dieselbe stille, nur I werden und was dann? einem enisten Lebensziele zustrebende Ilse, die er eingesegnet, Frau Doctor Balzer wartete schon voller Unruhe auf °°" d-r « M »egung A-- Seele ,» geglaubt | w Mem mi, ihrer' etwas kreischenden Stimme entgegen,, „daß uns der Baron während Ihrer Abwesenheit beinahe gestorben wäre? Einen Anfall har er gehabt, einen Anfall von Arhemnoth, der schrecklich gewesen sein soll. Wenn das noch öfter kommt, meint mein Mann, hält er's nicht lange mehr aus. Nun ist es besser, aber Balzer läßt Ihnen sagen, Fräulein Ilse, Sie möchten ihn ja recht vor Aufregungen in Acht nehmen und die Umschläge forlsetzen, na, Sie wissen schon. So gern wollte mein Mann Sie noch sprechen, ehe er fortfuhr, um Sie selbst zu instruiren, aber Sie blieben zu lange aus. — Bei Ihnen ist doch nicht auch etwa Jemand krank, Herr Pastor?" wandte sie sich jetzt zu diesem- „Dem Himmel sei Dank, nein," entgegnete der Pastor, den Hut zur Begrüßung ziehend. „Ilse holte mich, well der Baron mich zu sprechen wünschte." Etwas erstaunt blickte die Doctorin den Davongehenden nach. Was bedeutete das wieder? Fühlte der Baron wirk« lich sein Ende nahen und thaten ihm seine Sünden leid, daß er geistlichen Zuspruch begehrte, oder wollte er irgend eine wohlthätige Stiftung für die Hertheimer machen? „Du siehst, mein Erscheinen erregt hier Aufmerksamkeit, bemerkte der Pastor auf dem Wege durch den langen Corridor, der nach dem Krankenzimmer führte, halblaut- „Auch ich theile die Ansicht des Barons, daß eine rasche Entscheidung für alle Theile norhwendig ist. Sieh' zu, ob sein Zustand ihm erlaubt, mich jetzt schon zu empfangen." Ilse nickte und öffnete dem Pastor ihr Zimmer mit der Bitte, dort einen Augenblick zu warten- Dann trat sie behutsam zu Wolf ein- Im Herzen machte fie sich schon Vorwürfe, daß sie durch ihren Widerstand gegen feine Wünsche Ursache des Anfalls gewesen, der ihn heute betroffen hatte- Der Kranke saß bei Ilses Eintritt schon völlig angekleidet aus 9S feinem gewohnten Platz am Fenster- Im Nebenzimmer bemerkte sie Georg mit dem Packen der Koffer beschäftigt. Wie bleich und verfallen der Baron aursah, als er Ilse jetzt sein Antlitz zuwandte. „Ah, Sie?" sagte er mit müder Stimme. „Ich glaubte schon, Sie wären fortgegangen auf Nimmerwiedersehen." „Wie konnten Sie so denken, Herr Baron?" „Also nicht?" Ein Lächeln flog für einen Moment über sein Gesicht. Er faßte nach der Hand der neben ihm Stehenden. „Und die Antwort?" fragte er mit gedämpfter Stimme. „Sie wünschten, Herr Baron, ich sollte mich prüfen — solle überlegen. Ich habe das gethan, habe überlegt mit dem besten Freund, den ich besitze." „Einem Freunde?" sagte er und seine Stirn bewölkte sich. „Bedarf es eines Dritten zwischen uns?" „Ich weiß so wenig von der Welt," entgegn te sie leise und hob die Hände bittend zu ihm auf. Mit müder Miene ließ er den Kopf in die Kiffen zurück« finken- „Und dieser Freund — wer ist er?" fragte er gedehnt. „Pastor Seiffard, mein Seelsorger und Lehrer." „Hier am Ort?" „Ja, ein edler und allgemein geliebter Mann. Ihm dürfen Sie Alles sagen." So kindlich kam das von des Mädchens Lippen, daß der Baron ein Lächeln nicht unterdrücken konnte. „Du Unschuld!" lispelte er und legte seine Hand auf ihren Kopf. „Er ist hier. Darf ich ihn heteinsühren?" „So, so, gleich den geistlichen Beistand mitgebracht. Sie sind doch weltklüger, als ich dachte, Schwester Ilse. Aber meinetwegen mag er kommen." Ilse fühlte den leisen Spott in seinem Ton und das that ihr weh. „Er thut's nur mir zu Liebe." „Natürlich, mir zu Liebe nicht!" Sie wandte sich schweigend zum Gehen. Er aber hielt sie an der Hand zurück. „Nicht so, Ilse, nicht so! Grollen Sie nicht mit dem Kranken!" Gleich war sie wieder versöhnt und nickte ihm unter Thränen zu: „Nie, nie! Aber seien Sie freundlich zu ihm und offen, Herr Baron, ganz offen —" „Ich verspreche es!" Mit etwas gerunzelter Stirn blickte der Baron der schlanken Gestalt nach. Verdrießlicher, als sie es denken konnte, war es ihm doch, sich sozusagen einer Prüfung zu unter« werfen, der Prüfung eine« Pfarrers. „O, Wolf, Wolf, wie wett ist es mit Dir gekommen!" murmelte er. „Und dennoch, auch das wird überwunden werden, wenn es nur zum Ziele führt." «Schließ' die Thür!" befahl er nun dem im Nebenzimmer geschäftig mit den Koffern rückenden Georg. Dieser gehorchte sogleich. Im selben Augenblick trat der Pastor ein. Er verneigte sich leicht und schritt mit Anstand auf den Kranken zu, der ihn durch eine Handbewegung zum Sitzen einlud. „Fragen Sie," sagte er in herbem Ton, „ich weiß ja, daß Sie mich auszufragen gekommen sind — und machen Sie es womöglich kurz — Sie wissen wohl, meine Kräfte reichen nicht weit." Der Pastor verneigte sich. „Ich bitt auf Ilses Wunsch gekommen, um als ihr väterlicher Freund mit Ihnen über das, lassen Sie es mich gestehen, mir unerklärliche Anerbieten zu sprechen, das Sie ihr gestern gemacht haben und auf dar Sie heute fchon eine entscheidende Antwort wünschen —" „Ein Kranker, ioielleicht Sterbender, hat keine Zeit zum Warten. — Es handelt sich für mich darum, Herr Pastor, wie Schwester Ilse Ihnen auch wohl gesagt haben wird, für die letzten Tage meines Lebens ein Wesen an mich zu fesseln, an dessen Pflege ich gewöhnt bin, vor dessen Charae« ter ich Hochachtung gewonnen." „Dar begreife ich- Ilse Belli» trägt in einem unscheinbaren Körper eine starke und große Seele." Wolf nickte. „Eben deshalb habe ich gewagt, ihr ein Loos anzubieten, das nur eine selbstlose Seele auf sich nehmen kann. Verstehen Sie da«, Herr Pastor? ' „Vollkommen, Herr Baron. Aber Sie sprechen nur von Ihren letzten Tagen. Wenn Gott er aber anders wollte, wenn Sie unter der treuen Hand der Pflegerin gesunden sollten?" Wolf machte eine geduldige Bewegung. „Wenn dieser kaum zu erwartende Fall eintreten sollte, so muß Ihnen mein Name dafür bürgen, Herr Pastor, daß ich an der mir angetrauten Frau als Ehrenmann handeln werde." „Das bezweifle ich nicht; aber Ilse, das werden Sie ja längst erkannt haben, liebt Sie und Sie werden diese Liede vielleicht nie erwidern können-" „Ich habe Ilse nicht von Liebe gesprochen —" „Aber sie gehört zu einer glücklichen Ehe —" „Da« meine ich nicht. Freundschaft und Artung müssen nur zu oft in der Ehe die Liebe ersetzen und diese Ehen sind deshalb nicht unglücklich. Doch wozu über Dinge reden, dis in so vager Ferne liegen, die so unwahrscheinlich sind? Nehmen wir den Fall, wie er ist, daß Schwester Ilse einem armen Kranken mit ihrer Person ein Opfer bringt, daß er ihr zu lohnen nach Kräften bereit ist —" „Das heißt, Herr Baron, wenn ich Sie recht verstehe, Sie find bereit, für die Zukunft der Ihnen angetrauten Gattin auch nach Ihrem Tode ausreichend zu sorgen?" „Das bin ich." „Haben Sie aber auch bedacht, daß Sie dadurch dis Ansprüche Ihrer rechtmäßigen Erben kürzen?" Um des Barons Mund zuckte es bitter. „Das weiß ich. Aber ich habe keine so nahestehende« Erben, daß fie ein Anrecht hätten, von mir zu verlangen, um ihretwillen einem letzten Wunsche, der Pflege einer liebevollen Hand zu entsagen." Der Pastor schaute zu Boden. Hatte der Baron nicht Recht? Der Mann, der ihm die tödtüche Kugel in die Brust gesandt, hatte freilich ein solches Anrecht verwirkt- „Und gerade weil ich mich geliebt weiß, Herr Pastor," fuhr Wolf fort, „begreifen Sie wohl, daß ich, der Verwaiste, der Einsame, von ihr mir die Augen zudrücken lassen möchte?" „Ich habe dem nichts entgsgenzusetzen." „Dann, Herr Pastor, nur eine Bitte noch: Lassen Sie die Entscheidung nicht lange auf stch warten. Ich lechze nach der Heimkehr in mein Hau«. Dort werde ich ruhiger mein Loos ertragen, hier wird mir jede Minute zur Pein." Der Pastor hatte stch erhoben. „Sie wollen abreisen?" „Morgen, wenn es geht." „Und Ilse?" „Ich hoffe, fie wird groß genug denken, um mich nicht allein sortgehen zu lassen. Voraussichtlich läßt sich unsere Trauung bald ermöglichen. Doch darüber sprechen wir noch, Jetzt senden Sie mir Ilse " Er reichte dem Pastor zum Abschied die Hand, die dieser warm drückte. „Er hat doch noch mehr Gefühl, als ich anfangs geglaubt habe." Mit diesem Gedanken trat der Pastor in Ilses Zimmer, die ihm entgegeneilte und ihren Kopf in heftigster Erregung an seine Brust drückte. Er neigte sich zu ihr und küßte ihr die Stirn. „Ich rathe nicht ab," sagte er leise. Jetzt schaute sie mit strahlenden Augen zu ihm auf. — „O, lieber, lieber Herr Pastor!" „Wohl gemerkt, ich sagte nur, ich rathe nicht ab. War Du aus Dich nimmst, wenn Du dem Baron ein „Ja" sagst, ist schwer und verantwortlich, und dunkel die Zukunft, welcher Ku entgegevgehst. Aber so viel auch dagegen spricht, mein V-to einzulegen sühle ich mich nicht befugt. Thue, was Dein Herz Dir zu thu« gebietet!" (Fortsetzung folgt.) Unsere Dienstboten. Von Frau Professor Barthels, Bonn. (Schluß.) Jetzt zum letzten Punkt, welcher wichtiger ist, als die meisten Hausfrauen glauben. Manches Mävchen legt, trotz aller Mühe, die man sich mit ihm giebt, weder feine Nach- lässtgkeit noch Dreistigkeit u. s. w. ab, es macht sich selbst nicht» aus einer drohenden Entlassung, weil es aus Erfahrung weiß, daß es dennoch ein gutes Zeugniß mit auf den Weg und somit trotz seiner Fehler, schnell wieder einen neuen Dienst erhält. Wüßte da» Mädchen, daß sein Zeugniß unerbittlich lauten würde: „war nachlässig und faul," oder: «war ungehorsam und lügnerisch" u. f. w., so würde e» sich sicherlich mehr zusammennehmen, seine Fchler abzulegen suchen, aus Furcht, ein solches schlechtes Zeugniß zu erhalten, welche» ihm die Thüre zu jedem andern Dienst verschließt und es zwingt, als Taglöhnerin, al« Wäscherin, auf dem Felde oder in einer Fabrik sein Brod durch meist schwerere Arbeit und bei stets größerem Zwang zu Fleiß und Gehorsam zu verdienen. Manchs Mädchen, bei denen ungeachtet der Tüchtigkeit der Herrin in wirthschaftlicher Beziehung und trotz geeigneter Behandlung kein befriedigender Erfolg zu erzielen ist, wegen früher an ihnen begangener erziehlicher Fehler, können durch diese Furcht vor einem schleckten Zeugniß, von welcher sie aber auch überzeugt sein müssen, daß sie zur fatalen Wirklickkeit wird, gebessert oder doch wenigstens zu einigermaßen brauckbaren Geschöpfen gemacht werden. Sollte diese« in einzelnen Fällen, bet besonders hartnäckigen und trotzigen Eharacteren auch nicht« nützen, so würden wenigsten» durch ein solche«, durchaus nicht liebloses Vorgehen anders Hausfrauen über da« neu zu miethende Mädchen aufgeklärt, sie nähmen ein anderes und ersparten sich somit manchs böse Stunde und manche unangenehme Erfahrung oder gar Schaden und Nachtheile. E« ist unsere Pflicht, unseren Mltschwestern gegenüber, sie durch ein der Wahrheit gemäß ausgestellte« Dienstzeugnch vor unbrauchbaren und böswilligen Dienstboten zu schützen. Würde sich diese Ansicht einbürgern, so wücve man auch nicht mehr den zur Zeit berechtigten Ausspruch hören: „Ich gebe nickt« auf die Zeugnisse der Mävchen," wodurch doch der stärkste Zweifel an der Wahrheitsliebe der zeugnißausstellsnden Herrschaft öffentlich ausgedrückt wird. Dabei soll man sich nicht durch den Scheingrund täuschen lassen, daß ein Mädchen durch ein unverdient gute« Zeugniß besser wird. Es ist dieses ein schöner, nickt dem wirtlichen Leben abgelauschter Wahn, für welchen Beweise kaum zu erbringen sind. Viele Frauen denken auch hieran gar nicht: ein unklares, unangebrachtes und absolut unbegründetes Mttleidsgefühl leitet sie, oder aber meistens die Furcht, das entlassene Mädchen könne schlecht über sie, über ihre Haushaltungsführung (ihre schwache Seite) sprechen, wa« übrigen«, wie langjährige Erfahrung lehrt, bei einem guten Zeugniß auch nicht ausgeschlossen ist. Solche Hausfrauen erscheinen mir rücksichtslos anderen Frauen gegenüber, die ihrer Angaben glauben, Vertrauen schenken zu müssen, sie geben der Wahrheit nicht die Ehre und kommen wahrscheinlich, wie ich schon zu beobachten Gelegenheit hatte, auch dazu, zuerst ein gutes Zeugniß auszuftellen und nachträglich über das Mädchen zu klagen und zu schimpfen. Bet solchen Anlässen findet man oft wenig die Würde unseres (der weiblichen) Geschlechtes gewahrt. Es erübrigt noch zu bemerken, daß es auch unbedingt nothwendig ist, den Dienstboten regelmäßig ihren Lohn, etwa monatlich oder längstens vierteljährlich auszuzahlen, damit sie iOO —2 immer das nöthigs Geld für etwaig vorhandene BMrfnisse an Kleidern, ihrem Stande angemessenen Putz und sonstige Kleinigkeiten besitzen ; ich weiß nur zu gut, daß sich manchmal Mädchen, denen ihr Lohn unberechtigt vorenthalten worden war, zu kleinen Diebstählen htnreißen ließen, um ihrer doch meistens bescheidenen Putzsucht genügen zu können. Gelegenheit und Noth haben eben schon oft Diebe gezeitigt und habe ich für solch arme und irre geleiteten Wesen immer den Trost, daß sie nicht allein die Schuld tragen. Fast jede Hausfrau — denn wer ist vollkommen? — wird nun, wenn sie ernstlich mit sich zu Rache geht, finden, daß ste wenigstens in einem der besprochenen Punkte nicht immer das Richtige in Beziehung auf ihre Dienstboten getroffen hat, daß ste mithin an der schlechten, sagen wir besser, mangelhaften Aufführung derselben „ein klein wenig" Schuld trägt. Zählt man diese „Kleinwenig" zusammen, so wird man zu dem erstaunlichen Schluffe kommen, daß die Summe derselben ein falsche« Erziehen, ein falsches Heranbilden und unangenehme Consequenzen, welche zu den mannigfaltigsten Klagen Anlaß geben, recht wohl erklärt, und daß vieles in dieser Beziehung beffer wäre, wenn eben jenes „Kleinwenig" in Wegfall käme, wenn mithin j de Hausfrau obige Punkte ständig beachtete und sich zur Richtschnur machte, in ihrer richtigen Anwendung, in ihrem Verhalten ihren Untergebenen gegenüber. Es gibt natürlich auch noch andere Gründe, welche einige Mädchen zum Dienst in einem geordneten Haushalt ungeeignet machen, ich denke dabei vornehmlich an Eindrücke und Angewohnheiten, welche dieselben zu Hause, in ihrer Kindheit empfangen und angenommen, die aber wohl in fast allen Fällen im späteren Leben durch geeignetes Vorgehen ihrer Herrinnen leicht ausmmerzen find. Wir Hausfrauen müffen nur Muth haben und die EiNstcht, daß allerdings, wer andere erziehen will, zuerst stch selbst erziehen muß. Ut sementem feceris, ita metes! Vermischtes. Auf dem Dienstwege. Der Herr Landgerichts- birector. der eine Jagd grpachtet hat, mußte zum Pü-schgang aus Höfllchkeitsrücksichten auch den Herrn Domänenrath ein- laden. «Wie mach' ich's nur," sagt er zu sich, „daß der unangenehme Mensch trotz meiner Einladung nicht kommt?!" ... „Halt, ich hab's. Ich schick' ihm die Einladung in Bureau- couoert, das die Aufschrift „Dienstsache" trägt- — Gesagt, gethan. — Und richtig, bis der Herr Domänenrath das Couvert öffnete, war dis Jagd längst vorbei- ♦ * * Genau ausgerechnet. Karl: „Wie alt bist Du jetzt, Fritz?" — Fritz: „Zehn Jahre!" — Karl: „Da Habs ich Dlch in drei Jahren emgehott!" Kurz abgefertigt. *@ln Schwätzer hatte sich im Arbeitszimmer von Laplace niedergelaffen, der fortfuhr, zu arbeiten. Nach einer Weile sagte der Besuch: „Sie find beschäftigt, Herr Marquis, ich störe Sie vielleicht?" — „Nicht im mindesten. Sprechen Sie nur weiter, ich höre nicht darauf." Literarisches Practische Straßentoiletten In Modekreisen propagirt man Helle Schooßtaillen und solche in Directoirefayon zu dunklen Röcken oder Helle Röcke zu dunkeln Taillen, damit die Damen ihre Tolletten kostenlos darüren können. Die Originalmodelle sind theils mit Shawl- kragcn, theils mit breiten Reversklappen ausgestattet. Das eben erschienene Heft Nr. 11 der »tSitner Mode* enthält mehrere di ser neuartigen, sehr kleidsamen Modelle, mit denen diese vornehme und practische Modezeitschrift ebenso durchdringen dürfte, wie seinerzeit mit der Blousentaille und mit dem weiten Jäckchen. Abonnements ir 2 Mk. 50 Pf. nehmen alle Buchhandlungen und die Administration der „Wiener Mode" entgegen. Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkätS-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.