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Novellette von Leo Sonntag. ------- (Nachdruck verboten.) „Und somit, lieber Fred, kann ich Dir nur noch zu dem einen Ausweg rathen, den schon so Viele vor Dir ergriffen: Sieh zu, ob Du nicht eine reiche Heirath machen kannst. - Apropos, da fällt mir ein, daß mein alter Freund Seltikoff mir neulich sagte, er werde Tnit seiner Nichte nach Ludwigs« bad reisen und Ihr seid ja doch wohl fast so viel in Ludwigs« bad wie in Eurer Garnison. Da hättest Du ja also gleich e ne Gelegenheit, denn die kleine Seltikoff ist eine Erbin und nicht etwa eine unbedeutende. Sie ist zwar nicht gerade hübsch, aber, na - Du wirst ja selbst sehen. Auf jeden Fall rathe ich Dir, bei den Leuten Besuch zu machen; kannst Dich ja auf mich berufen und übrigens wird es der Kleinen nicht unangenehm fein, wenn sie den flottesten Dragonerlieutenant von Jckstädt an sich fesseln kann. Und nun lebe wohl, lieber Junge! Wenn der alte Brockdorff mit Glücksgütern gesegnet wäre, dann hätte er Dir den obigen Rath nicht zu geben brauchen; aber — na, Du weißt ja! Stets Dein wohlgeneigter Onkel Egon von Brockdorff." Das war der Schluß eines Briefes, den Alfred von Rheinsberg soeben erhalten und den er jetzt zerdrückt in der herabhängenden rechten Hand hielt. Der junge Dragoneroffizier führte nicht mit Unrecht unter seinen Kameraden den Namen: „Der schöne Fredi", er war wirklich ein schöner Mann, zu dessen frischen Farben und blondem Schnurrbart die blaue Dragoneruniform gar gut stand. Dazu war er ein äußerst liebenswürdiger, stets ge« gefälliger Kamerad, der sich allgemeiner Beliebtheit im Regiment erfreute. Und doch stand er im Begriff, dies Regiment zu verlassen, denn nach dem kürzlich erfolgten unerwarteten Tode seines Vaters war es ihm plötzlich zum traurigen Bewußtsein gekommen, daß er durchaus nicht der reiche Mann sei, für den ihn alle Welt sowie er selbst sich bisher gehalten. Ja, die Verhältnisse lagen so, daß er ernstlich mit der Absicht um« Sing, sich zur Infanterie versetzen zu laffen. Allerdings war ihm der Gedanke sehr schmerzlich und in dieser Stimmung hatte er an seinen einzigen Verwandten, den Bruder seiner längst verstorbenen Mutter, geschrieben. Helfen konnte ihm der zwar nicht, das wußte er, aber er sehnte sich nach emem theilnehmenden Worte von dem lieben Alten. "n° aas war ihm auch umgehend zugegangen, ein Schreiben voll so herzlicher Liebe und Zuneigung, daß es Alfred wohlgethan, — da kam jener Schluß. Empört zer« knitterte er den Brief in der Hand. „Also zum Glücksjäger soll ich werden! Onkel, womit habe ich das um Dich verdient?" Draußen näherten sich sporenklirrende Tritte. "MiRheinsberg! Wir reiten nach Ludwigsbad; kommst Du mit? Rasch, die Kameraden warten." r ilnd ehe Alfred den Brief wegstecken konnte, stand der Rufende schon auf der Schwelle. Es war sein Intimus im Regiment, Curt von Thelen. Vielleicht hatten sich die Beiden zu einander gefunden, weil sie in Allem so verschieden waren: Alfred groß und blond, Curt klein und dunkel, Rheinrbera meist ernst, wenn auch stets liebenswürdig, Thelen immer von übersprudelnder Laune, aber oft scharf, wenn man ihm ent« gegentrat. , Aedi, war hat'r denn gegeben? Einen Tritt von einem Manichäer? Pah, wirf den Wisch in's Feuer und denk' nicht mehr daran!" Und Curt trat auf den Freund zu und wollte die Hand nach dem vermeintlichen Mahnbrief aurstrecken. Doch Rheinsberg zog das Schriftstück zurück. „Du irrst, es ist ein Brief von meinem Onkel!" . »ilud das sagst Du mit solch' einer Jammermiene! Ich dachte. Du freutest Dich immer ungeheuer über die Episteln des alten Brockdorff!" w „Gewöhnlich hast Du recht, aber diesmal —" „ , legte den Brief in ein Fach seines Schreibtisches und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Na, vielleicht erzähle ich Dir's einmal, Curt. Also Ihr wollt nach Ludwigsbad? Vielleicht ist's ein Wink des Schicksals, daß Du gerade jetzt kommst, ich reite mit!" Thelen sah den Freund erstaunt an. Was hatte er nur? 00$ er mochte wohl aus Erfahrung wissen, daß es unnöthig , iHt zu fragen; Alfred hatte auch bereite seine Mütze ergriffen und so begaben die Beiden sich hinaus in Gießen. 346 zu den harrenden Kameraden und bald darauf konnte man eine fröhliche Cavalcade auf der Landstraße nach Ludwigsbad dahintraben sehen. ich zeitig schäft »i Thl weder sti sonst nid Stunden traf es ; nicht gek Da sunkenhei „T! mitkomm „M statten." Am berg beei gestellt w sammenti Alft genannt, zerrüttete war es I des Onk schloffen? setzen, Fl denn er i anerkanni entgegeng Viel! nicht ang dann hät begleitet, Blick scho von seine nehme Er so ganz t das Gesii Mädchen Schönheit zum Beis niedlicheni Selikoffs schmack n Unti sich soglei, Casino ge raden fest sein Er Aber es g grübelte, daß die J Scho ihm, um von gester „Wo begreife 9 eingeführt haben mit schlägst di Was soll „Wi mit dem | taugte nie Hause zu „Nu Ilse kauu „Abi »Na, Deiner sä „All- Wie ich 9 gelegentliiZ „Da kommen die Dragoner! Ilse, steh' doch; der schöne Rheinsberg ist heute auch dabei. Ilse, wo steckst Du nur?" Es war eine sehr hübsche, kleine Blondine, die hinter einem Fenster des ersten Stockes einer eleganten Ludwigsbader Billa stand und so ungeduldig rief, ohne eine Antwort zu erhalten. Und doch mußte die Gerufene sie gehört haben, denn sie stand gar nicht weit von Hedwig von Alten am nächsten Fenster desselben Salons, allerdings durch die Gardine etwas verdeckt, und spähte eifrig auf die Straße hinunter, wo eben die lustigen blauen Retter von Jckstädt vorüberkamen. Jetzt bogen sie um die nächste Ecke und nun trat Ilse langsam zu Hedwig. „Da bist Du ja!" ward sie dort begrüßt. „Hast Du ihn gesehen?" „Ihn — wen?" „Nun, den schönen Fredi natürlich!" „Aber Hedwig, wie kannst Du in solchem Ton von einem Herrn sprechen, den Du kaum kennst!" „Den ich kaum kenne? Da irren Sie sehr, mein Fräu- lein! Bin ich nicht die Tochter des Landraths in Jckstädt, sind die Dragoner nicht unser Regiment und bilden die Herren Offiziere nicht unser hauptsächlichstes Tanzmaterial?" „Aber Kind, das berechtigt Dich doch nicht, sie bei den Namen zu nennen, die sie sich unter einander zum Scherz geben. „Warum denn nicht? Weiß ich sie doch alle, diese hüb- schen Namen! Da ist zum Beispiel der Rittmeister von Uelzen, der seiner rundlichen Körperbeschaffenheit wegen das Meerschweinchen heißt. Dann Lieutenant von Selten, sein Gegenstück, der lange Heinz genannt; dann der kleine Bernsdorf, den man, außer im Ballsaal, nie zu Fuß sieht und der des- halb der Centaure getauft wurde. Die beiden Baumbachs heißen der lachende und der weinende, der letztere allerdings nur, weil er dem edlen Rebensaft so gerne zuspricht; der —" „Hedwig, halt ein, das ist ja fürchterlich! Wie kommst Du nur zu solcher Personalkenntniß?" unterbrach Ilse den Redestrom. „Doch Eins sage mir noch, wie nennt man denn einen gewiffen Lieutenant von Thelen, von dem vorigen Winter so viel in Deinen Briefen die Rede war?" ^gte Hedwig und erröthete bis unter die blonden Eckchen auf der Stirn, „den nennt man — nun ja, Ilse, liebe Ilse, Du sollst'« wissen, den nennt man einstweilen heim- lich Curt und sehr bald öffentlich Bräutigam. Ich soll nur erst noch ein bischen vernünftiger werden." „Ach! Also hat Dein Vater doch eingewilligt?" »Er mußte wohl, kann er doch seiner verzogenen Tochter nichts abschlagen! Aber ernstlich, Ilse, es bat harten Kampf gekostet, er wollte durchaus keinen Offizier." «Und was hat er denn gegen die Offiziere?" „a®5 behauptet, sie heiratheten alle nur die Mitgift, das Mädchen sei Nebensache. Aber Curt hat ihn vom Gegentheil überzeugt, indem er erklärte, er nähme mich auch ohne Mitgift." „Ist er so reich?" , „Er ist der einzige Sohn sehr begüterter Eltern und hat außerdem eigenes Vermögen, das er von seinem Pathen ge- erbt. „Wie gmau Du das weißt!" , ber Thüre gehorcht, als er mit Papa ^rach, gestand Hedwig. „Mit mir hat er natürlich nie ein Wort von Geld geredet!" Ilse umarmte die Freundin und küßte sie herzlich. „Ich wünsche Dir alles Glück, liebste Hede!" sagte sie in innigem Ton und auch diese war einen Augenblick ernst, aber nur um sogleich wieder lachend auszurufen: „Weißt Du noch, was wir in der Pension ausgemacht?" „Was wäre das gewesen?" „Nun, daß Diejenige von uns Beiden, die sich merk verheirathst, dafür sorgen muß, daß die Andere auch $2b unter die Haube kommt," neckte Hedwig. 0 „Ach so, die tolle Geschichte!" »Nun, wenn wir erst verheirathet find, kommst Du zu uns auf Besuch und lernst die Kameraden kennen. Anbahnen annst Du die Bekanntschaft aber gleich, denn sie sind fast jeden Tag in Ludwigsbad. Uebrigens mach' Dich jetzt fer ig wir gehen zum Concert in den Curgarten. Papa und Dein Onkel wollten uns um vier Uhr hier abholen, sie haben mich nur vorausgeschickt." w Ilse verließ das Zimmer und Hedwig nahm unterdeffen auf einem bequemen Seffel Platz. Diesem gegenüber befand sich ein hoher Spiegel und ihr Auge blickte nicht ohne Wohl- gefallen auf das niedliche Persönchen, das sich ihr dort zeiate k „Ob Ilse mich wohl verdunkelt?" sagte sie leis? Ach und wenn sie es thäte, was liegt daran? Curt liebt doch" nur mich, seinen kleinen Sonnenstrahl, ihm kann die stattliche dunkle Ilse nichts anhaben! Richt'wahr?" Und sie nickte ihrem Spiegelbilde vergnügt lächelnd zu und ging Ilse entgegen? bTe eben wieder eintrat. a ' Die Offiziere hatten sich indeffen, nachdem sie ihre Pferde eingestellt und etwas Toilette gemacht, nach dem Curgarten begeben, wo sie sich an ihrem Stammtisch auf der oberen Terrasse niederließen. Rheinsberg und Thelen waren jedoch nicht dabei, sie waren an einer Straßenecke zurückgeblieben und seitdem nicht wieder aufgetaucht. m immer," meinte der lange Heinz, „Thelen hat jeder Gefühl für Kameradschaft verloren, seit er die kleine Hedwig in s Herz geschlossen hat. Ist aber auch reizend niedlicher Käfer! „Dort kommt sie," rief Bernsdorf, „chic wie immer, aber Donnerwetter, die Andere schlägt sie doch um 'ne ganze Länge, das ist ja ein herrliches Weib!" Die Uebrigen hatten nicht Zeit, auf diese Bemerkung zu antworten, denn eben kamen die Damen, gefolgt von den beiden allen Herren, an ihrem Tische vorüber, und sporenklirrend und säbelraflelnd standen die Offiziere auf, um zu grüßen. „War das nicht der alte Seltikoff bei dem Landrath?" fragte Lieutenant Baumbach II., der lachende, als die Gruppe außer Hörweite war. „Natürlich war er es!" tönte es von verschiedenen Seiten. „Dann ist das Mädchen wohl seine Nichte?" „Jawohl, die Erbin!" „Donnerwetter, wäre was für Dich, Heinz!" So schwirrte und lachte es durcheinander, bis Einer dazwischen rief: „Ruhig, die Unzertrennlichen!" Und richtig, da kamen Rheinsberg und Thelen die Terrassentreppe herauf; aber sie vermieden es, an dem Tisch der Kameraden vorüber zu kommen und gingen birect dorthin, wo der Landrath mit seiner Tochter und den Freunden saß. Der alte Herr, in dessen Hause Alfred wie überhaupt dar ganze Offiziercorps Zutritt hatte, stellte die jungen Leute den Fremden vor und Curt, der schon den ganzen Nachmittag aus dem Freunde nicht recht klug geworden, begriff ihn jetzt gar nicht mehr; hatte er doch deutlich gesehen, wie Fred bei Ilsens Namen heftig zusammengezuckt. Doch was es auch war, Rheinsberg war rasch wieder Herr über sich geworden und saß bald heiter plaudernd neben der lustigen Hedwig, Ehrend es Curt überlassen blieb, Ilse zu unterhalten, von der Alfred gerade nur so viel Notiz nahm, als es die Höflichkeit durchaus forderte. „Wenn die Herren mit dem vorlieb nehmen wollen, war unsere Pension bietet, darf ich Sie vielleicht bitten, das Abend- brod mit uns einzunehmen," schlug Seltikoff gegen Ende des Concerts vor; „Alten und seine Tochter kommen auch mit ■ mb werden sich gewiß freuen, unter Escorte nach Hause ahren zu können." „Für meine Person muß ich leider bedauern," entgegnete Rheinsberg rasch, „mein Dienst beginnt morgen so früh, daß ie flch zuerst re auch bald ommst Du zu n- Anbahnen i sie sind fast <5 jetzt fertig, >pa und Dein ie haben mich m unterdessen wüber befand t ohne Wohl» )r dort zeigte. leise. „Ach iebt doch nur die stattliche, e nickte ihrem entgegen, die e ihre Pferde m Curgarten r der oberen waren jedoch irückgeblieben !len hat jeder leine Hedwig nd niedlicher immer, aber ganze Länge, >emerkung zu an den beiden porenklirrend u grüßen. Landrath?" i die Gruppe verschiedenen !« , bis Einer Thelen die it dem Tisch :ect dorthin, Kunden saß. rhaupt dar n Leute den Zmittag aus ihn jetzt gar e Fred bei as er auch H geworden ;en Hedwig, halten, von die Höflich- vollen, war dar Abend- n Ende der n auch mit nach Hause entgegnete früh, daß - 347 - ich zeitig nach Hause reiten muß und in so angenehmer Gesell« schäft würde das sehr schwer fallen." Thelen war starr. Der Dienst am folgenden Tage war weder streng noch fing er früh an, und Alfred gehörte doch sonst nicht zu Denen, die es mit dem Opfer von ein paar Stunden Schlaf so genau nehmen. Was war es nur? Be- traf es Ilse? Doch Fred hatte sie offenbar vorher noch gar nicht gekannt! Räthselhaft, höchst räthselhüft! Da weckte ihn des Landraths Stimme aus seiner Versunkenheit. „Thelen, hören Sie nicht? Mein Freund fragt, ob Sie mitkommen?" „Mit dem größten Vergnügen, wenn die Damen ge« statten." Am Schluß des Concertes trennte man sich und Rheinsberg beeilte sich, den Stall zu erreichen, wo die Pferde eingestellt waren, denn er wollte nicht mit den Kameraden zusammentreffen. Also das war die kleine Seltikoff, wie der Onkel sie genannt, die Erbin, mit deren Geld er versuchen sollte, seine zerrütteten Vermögensverhältnisse wieder aufzubessern? Und war es denn etwas gar so Schreckliches, wenn er dem Rathe des Onkels folgte? Wurden solche Ehen nicht täglich geschlossen? Und auf seiner Seite war doch auch etwas einzusetzen, Familie, Stellung, Aussicht auf eine gute Carriore, denn er wurde von seinen Vorgesetzten als tüchtiger Offizier anerkannt. Zudem war der alte Herr ihm so liebenswürdig entgegengekommen! Vielleicht war er doch ein Narr, daß er die Einladung nicht angenommen. Hätte nur der Onkel nichts geschrieben, dann hätte sich Alles ganz natürlich gemacht, er hätte Thelen begleitet, gern begleitet, denn Ilse hatte ihm auf den ersten Blick schon gefallen. Sie entsprach ganz dem Ideal, das ihm von seiner zukünftigen Frau vorschwebte, diese ruhige, vor» nehme Erscheinung, das ernste Wesen, die elegante Einfachheit, so ganz verschieden von Hedwigs modischem Chic! Und dann das Gesicht! Was war dem Onkel nur eingefallen, dieses Mädchen „nicht gerade hübsch" zu nennen? Sie war ja eine Schönheit! Freilich, der Geschmack war ja verschieden und wer zum Beispiel an Fräulein von Altens pikanten Zügen und niedlichem Figürchen Gefallen fand, dem mochte vielleicht Ilse Selikoffs Erscheinung weniger zusagen. Aber nach seinem Geschmack war sie ganz entschieden! Unter solchen Gedanken hatte er Jckstädt erreicht und zog sich sogleich in seine Wohnung zurück; denn wäre er noch in's Casino gegangen, so hätten ihn dort wahrscheinlich die Käme- raden festgehalten; und er wollte heute Abend mit sich allein sein- Er mußte einen Entschluß fassen, was werden sollte. Aber es gelang ihm yicht, sich zu entscheiden, so lange er auch grübelte, und endlich legte er sich nieder in der Hoffnung, daß die Nacht vielleicht Rath bringen werde. Schon ziemlich früh am anderen Morgen kam Curt zu ihm, um sich nach dem Grunde seines sonderbaren Benehmens von gestern zu erkundigen. „Was hat Dir nur das Mädel gethan?" fragte er. „Ich begreife Dich nicht- Ein Anderer wäre froh, wenn er dort eingeführt würde, der lange Heinz und der lachende Baumbach haben mich schon heute Morgen darum gebeten, — und Du schlägst die Einladung aus, die Dir in den Schooß fällt. — Was soll das nur heißen?" „Wie kommst Du auf dis Idee, daß meine Weigerung mit dem Fräulein zusammenhängt? Ich war einfach verstimmt, taugte nicht zum Gesellschafter, und so zog ich es vor, nach Hause zu gehen." „Nun, die Idee lag nicht fern, denn Du behandeltest ja Ilse kaum mit der nöthigen Höflichkeit." „Aber ich bitte Dich — wie Du übertreibst, Curt!" „Na, darf man denn vielleicht wissen, was der Grund Deiner schlechten Laune war? Der Brief vom Onkel?" „Allerdings. Aber ich kann es Dir jetzt nicht erklären. Wie ich Dir schon gestern sagte; vielleicht erzähle ich Dir'» gelegentlich einmal." „Apropos, Onkel Brockdorff, er ist es eigentlich, der äü der gestrigen Einladung schuld war; er ist mit Seltikoff sehr befreundet und hat ihm gesagt, daß Du hier bei den Dragonern stehst. Muß Dir übrigens ein großartiges Zeugniß ausgestellt haben, denn der Alte bedauerte sehr lebhaft, daß Du nicht mitgekommen, hofft aber, Dich recht bald bei sich zu sehen." Alfred schien einen Augenblick nachzudenken. „Wann reitest Du wieder hinüber?" fragte er dann. „Altens wollen übermorgen hin; es ist großes Zauberfest im Curgarten und dann hat der Landrath Seltikoff» und meine Wenigkeit zum Souper im Schwedenhof gebeten- Hedwig bleibt wahrscheinlich ein paar Tage dort, sie ist ganz glücklich, mit ihrer Ilse zusammen sein zu können." „Woher kennt denn Fräulein von Alten eigentlich die junge Dame?" „Die Beiden waren zwei Jahre zusammen in der Pension und haben dort große Freundschaft geschloffen. Ich habe Ilse gestern zum ersten Male gesehen, muß aber sagen, daß sie mir sehr gut gefällt, wenngleich —" „Sie lange nicht an Fräulein Hedwig von Alten heranreicht," schloß Rhemsberg lachend den angefangenen Satz. „Da muß ich doch auch einmal genauere Vergleiche anstellen. Ich werde also übermorgen mit nach Ludwigsbad reiten; sieh mal zu, ob Du mir bei Deinem künftigen Schwiegervater eine Einladung zum Souper erwirken kannst." „Na, das versteht sich doch von selbst, alter Freund, und überdies kann ich Dir die Versicherung geben, daß Du drüben willkommen bist." „Bei wem?" „Nun, bei — dem alten Seltikoff natürlich." Und damit verabschiedete sich Curt lachend, während Alfred nachdenklich zurückblieb. Ob er recht daran that, wenn er sich in die gefährliche Nähe der schönen Ilse begab? — * * Das Zauberfest in Ludwigsbad verlief glänzend. Alfred von Rheinsberg, der zu dem Souper im Schwedenhof die versprochene Einladung erhalten hatte, saß heute neben Ilse und die Vergleiche, die er, wie er Curt gesagt, zwischen den beiden jungen Mädchen anstelle» wollte, mußten wohl ganz zu Gunsten von Fräulein Seltikoff ausgefallen sein, denn er widmete sich ihr mit all' der Liebenswürdigkeit, die ihm in so reichem Maße zu Gebote stand. Und Ilse schien seine Aufmerksamkeiten nicht ungern hinzunehmen, während ihr Onkel dieselben offenbar begünstigte. Ja, als das Souper beendigt war, schlug er sogar vor, sie wollten noch ein wenig zur Reunion in's Curhaus gehen. „Die jungen Leutchen tanzen gewiß gern noch ein paar Mal herum und wir Alten sehen dem lustigen Treiben zu," meinte er. Der Landrath sträubte sich zwar anfänglich, aber Hedwig verstand es wie immer, ihn zu überreden. „Hast wohl wieder einmal vergessen, daß Du auch juna warst, Papachen?" fragte sie schmeichelnd und als Herr von Alten sich b-reit erklärte, ihr den Willen zu thun, da nannte sie ihn mit so drolliger Geberde ihren „lieben alten Brummbär", daß sie Alle herzlich lachten und er mit. Am nächsten Tage beim Mittagessen im Castno neckten die Kameraden Rheinsberg mit seiner Eroberung. ,ir „Stehst Du, Langer," sagte der Centaure, „hast Dich überholen lassen von dem da und ich glaube kaum, daß Du ihn vor'm Ziel noch einkriegst." P »Werd's auch gar nicht versuchen," entgegnete Selten, „wo der schöne Fredi antrltt, da ist für Unseretnen kein Platz mehr." „Na, ich muß sagen," lachte Baumbach, „mir gefiele Rheinsberg auch besser als Du und was die Dame anbelangt —" „So bitte ich, sie aus dem Spiele zu lassen," fiel Alfred sehr bestimmt ein. «Oho, oho, find wir schon so weit?" =* 348 „War ja nicht böse gemeint," tönteler von verschiedenen Seiten und die Unterhaltung ging auf einen anderen Gegenstand über. (Fortsetzung folgt.) G-in-rnnütziges. Zum Einmachen der Früchte. Bei der jetzigen Zeit des Früchte-Einkochens fei auf folgenden Vortheil aufmerksam gemacht: Eine chemische Untersuchung hat gezeigt, daß, wenn man sauren Früchten während des Einkochens gewöhnlichen Zucker (Rohr- oder Rübenzucker) zusetzt, dieser durch die Säure in Traubenzucker umgewandelt wird, welcher kaum halb so viel Süße giebt wie gewöhnlicher. Wenn man aber die Früchte zuerst kocht und dann den Zucker zusetzt, so kann man an dem letzteren bedeutend sparen. • * * Unreifes abgefallenes Obst lasse man im Obstgarten nicht liegen, weil es ausnahmslos die Made, welche das Abfallen verursachte, noch enthält; sie würde ausschlüpfen und in der Erde sich verpuppen. Man verfüttere es den Schweinen oder werfe es in die Jauchegrube; ist es ausgewachsen, so kann es zur Geleebereitung verwendet werden. ♦ ♦ • Um Regenwürmer aus Blumentöpfen zu entfernen, läßt man die Erde eines Blumentopfes, in dem man Regenwürmer vermuthet, so weit abtrocknen, daß ein Begießen nothwendig ist. Run zerreibt man eine Roßkastanie auf einem Reibeisen, schüttet das Geriebene in einen kleinen Tassenkopf voll kalten Wassers, rührt das ein bischen um und gießt den ganzen Inhalt der Taffe auf den betreffenden Blumentopf. Rach Verlauf von wenig Minuten erscheinen sämmtliche Regenwürmer, groß und klein, an der Oberfläche der Erde des Blumentopfes, was ganz spaßhaft anzusehen ist. Ist der Blumentopf ein ziemlich großer, so verwendet man zwei zerriebene Roßkastanien- und eine Portionstaffe voll Waffer zu diesem Aufguffe. Der Aufguß zieht nicht voll- ständig in die Erde des Blumentopfes ein, sondern es bleibt oben ein Satz zurück, den man am nächsten Tage beseitigt, damit sich nicht durch späteres Begießen Schimmel bildet. Die Kastanien bleiben bis zur nächsten Ernte dazu verwendbar, auch noch länger, nur müffen sie bei der Aufbewahrung vor Räffe geschützt bleiben. Ob man die harte Schale mit zerreibt oder nicht, ist gleichgiltig. ♦ * » Um Porzellan oder zerbrochenes irdenes Geschirr zn kitten, nehme man eine sehr dünne Auflösung Gummi arabicum in Waffer und rühre dann etwas Gyps hinein, bis die Mischung ungefähr die Dichtheit von Rahm erhält. Diese Mischung trage man dann mittels eines kleinen Pinselchens auf die vorher erwärmten Bruchflächen und drücke dann die wieder vereinigten Theile recht fest zusammen, bis der Kitt vollkommen trocken geworden ist. ♦ s ♦ Zum Kaffeekochen. Das berühmte Buren -Recept zum Kaffeekochen ist folgendes: Das Waffer wird in einem Keffel gekocht, der lediglich zum Kaffeemachen dient. Wenn das Wasser kocht, wird der frisch gemahlene» mit einem Sechzehntel Cichorien vermischte Kaffee hineingethan. (Die Hausfrauen der Buren rechnen einen Theelöffsl Kaffee auf jede Taffe.) Darauf wird der Keffel sofort vom Feuer gehoben und ungefähr drei Minuten stehen gelaffen. Dann wird eine Vierteltaffe kaltes Waffer hinzugethan, wodurch sich der Satz bald setzt. Der starke und klare Kaffee wird dann durch einen wollenen Beutel in einen mit heißer Milch gefüllten Topf gegoffen. Milch und Kaffee werden endlich zusammen zum Kochen gebracht. Das Resultat dieses Procefles ist eine Taffe Milchkaffee, wie man sie angeblich nirgends beffer finden kann. Reboction: A- Scheyba. — Druck und Französische Kraftsuppe. Ein Huhn und ein Halbei Pfund Kalbfleisch bringt man mit 4 Liter Waffer, Salz und den üblichen Küchenkräutern in einer Kafferole auf's Feuer und fügt, so wie das Wasser kocht, in Butter braun gebratene Stücke von rohem Schinken, sowie von sonstigen Fleischabfällen hinzu. Inzwischen wiegt man die Dotter von sechs hartgesottenen Eiern recht fein und schüttet dieselben nebst sechs Löffeln braun geröstetem Mehl in die Suppe, die man noch etwa eine Stunde kochen läßt. Die Brühe gießt man hierauf durch ein Sieb, fügt Liebigs Fleifchextract, Madeira und etwas China-Sago bei, läßt ste aufwallen und fervirt sie sofort. ♦ * Die Reiniguug von Photographieen vollzieht man sehr bequem und rasch dadurch, daß man sie vorsichtig mit frischer, aber nicht allzu klebriger Semmel abreibt. Enthält die zum Reinigen benutzte Semmel zu viel Feuchtigkeit, so entstehen leicht Flecken und matte Stellen auf den abgeriebenen Photographieen. V-vuMeht-s. Das arme Lieschen. Lieschen hat die beste Cenfur in der Klaffe. Als sie dieselbe in Empfang nimmt, bricht sie plötzlich in Thränen aus. Lehrer (erstaunt): „Aber, Lieschen, bist Du denn mit Deiner Cenfur nicht zufrieden?" — Lieschen (schluchzend): ,,Ach ja, das schon, Herr Lehrer, aber meine Brüder haben so schlechte Censuren und wenn ich nun eine gute heimbringe, dann hauen sie mich!" ♦ ♦ ♦ Der Richtige. „Freund, Du mußt mir aus der Patsche helfen — das Waffer geht mir bis an den Hals." — „Da kommst Du gerade recht zu mir, ich sitze nämlich auf dem Trockenen." ♦ • ♦ Ein guter Mensch. Zahnarzt (bei einem Diner): „Meine Herren! Soeben hat uns der berühmte Sänger Herr Kehlini durch den Vortrag eines Liedes erfreut. Auch ich bin gern bereit, Ihnen mit meiner Kunst zu dienen. Will sich Jemand vielleicht einen Zahn, ausziehen laffen?" Falsch aufgefaßt. Mann: „Ich bin froh, daß man bei den schlechten Zeiten wenigsten« noch dann und wann einen Fisch effen kann. Das haben wir der künstlichen Fischzucht zu verdanken." — Frau: „Künstliche Fische? — O, wie in- tereffant! Warum läßt man bei der Herstellung aber nicht die lästigen Gräten weg?" ♦ * ♦ Das Fremdwort. Kleiner Junge: „Eine schöne Empfehlung von meiner Mutter und Sie sollen mir ein Pfund Zucker geben — bezahlen wird sie am Sonntag." — Krämer: „Sage Deiner Mutter, wir geben keinen Credit." — Kleiner Junge: „Die Mutter will ja gar keinen Credit, sie will ein Pfund Zucker!" • • • Nettes Glück. Sonntagsjäger (der eben dem Forst- gehülfen eins 'naufgefchoffen hat): „Donnerwetter, ein Glück, daß es nicht der Oberförster gewesen ist!" * • * Auch etwas. „Herr Maier, haben Sie schon ein Duell gehabt?" — „Rein, aber eine, Ohrfeige hab' ich einmal bekommen !" * * * Naiv. „Meine Tante hat mir Weihnachten dies Bilder- buch geschenkt und hat mir gesagt, wenn ich wollte, könnte ich esM Ihnen umtauschen." — Buchhändler: „Aberdas Bilder- buch ist ja schon ganz zeriffen!" - „Deßhalb wollte ich es eben umtauschen." Verlag der Brühl'schm UniverMtS-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyba) in Bietzen. p Als! Zauber < an auf il ihr zusan seine An, so ward Mai Tennis-ss morgen 6 bad; dm veranstali immer bi daß man The so sonder hatte und die trau scherzend viel Müh ich glaub Und »Ja, er So wigsbad Heb schon am zubringen kommen scheinen i dem ihre beiden ji »das gar sämmtlich Dienst ge