ewicht. Um so setzung folgt.) rbandskästen Zeitschrift „Für Co., Berlin V., ^rem soeben er» nett Mangel in end muß es auf man die Schule rc. ausgerüstet ittel unterwiesen el in demselben t noch weit mehr ; Gerhard Stein se neu entdeckte ehandelt. Diese iphischen Wieder« schlichen Körpers, Gelehrter, Liebe, :en will. Seine ten photographi« Für Alle Welt" >n der zusammen wohl das Hebet« ung verdient ein gestatteter Artikel aien und Thier- ganz besonders hr im Kriege in« - Eine Abhand' über „Die Berte" von Conrad >68 Petersburger en Portraits der i Tschigorin. eine s Kerkau'Woerz, im Berner Ober« „Für Alle Welt" istechnik in diesem strirten deutschen d'er Gemälde von t", „Ein Verseh« i dem Pfade der in Thiers" von !. Colanus, „Die Kamele u. v. A. nt. etzungen der hoch« »" von Carl Ed. t, eine feinsinnige », eine Humoreske mit dem Feuer I" kleinerer Artikel, int ein Interessen« höngedruckten Heft 7. Heftes: Kosmische Abbildungen); Das sen'sche Grbnlandmse studien (mit hübsche» ;nb (mit Karte); Ein ; Landwirthschastllche mit 13 Abbildungen), der Baumwolle und Nonde" (interessant), cechungen u. s. w. - Wien) ist in jeder ! Großquartseiten »nt !yda) in Gieße». W ' '■V, >/x SV Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. (Fortsetzung.) „Wenn die Frau eine Künstlerin von Beruf ist," widersprach Ilse, „kann sie durch ihre Kunst gewiß so viel hinzu- erwerben, daß sie das mangelnde Vermögen reichlich ersetzt." „Ja, wenn ihr Mann sich dazu versteht, von der Frau sich mit ernähren zu lassen," bemerkte Axel; „aber wo findet sich ein solcher?" „Ist es nicht gleich," fiel Ilse lebhaft ein, „ob ein Mann, wie heute so oft, von dem Vermögen seiner Frau oder von ihrer Arbeit lebt? Mir scheint, dieses Vorurtheil sollte längst besiegt fein.“ »Hierin stimme ich Ilse bei," sagte der Pastor, „und ich glaube auch mit ihr, daß die Liebe solche äußeren Hindernisse leicht überwindet. Freilich müßte sich die Kunst bei einer verheiratheten Frau — und darin bin ich ganz der Meinung des Herrn Legationsrathes — immerhin mit der zweiten Stelle im Herzen begnügen. Ich bin aber fest überzeugt, daß sie in diese Stelle auch unbedingt einrückt, sobald die Liebe hineinzieht. Nicht wahr, Fräulein Altwiel, Sie sind doch viel zu verständig und vorurtheilslos, um das nicht zuzugeben ?" Käthe lächelte, Axel aber antwortete statt ihrer: „Hielt die Welt nicht an ihren Vorurtheilen fest, ließe sich Manches anders im Leben gestalten. In großen Gesellschaftskreisen wird es aber immer unmöglich bleiben, daß die Frau im ehelichen Leben eine Mitbewerbende ist. Ja, wenn wir ein Jahrhundert weiter wären. So aber müssen wir uns in die gegebenen Verhältnisse schicken und," fügte er mit einem warmen Blick auf Käthe hinzu, „was meine liebe Cousine hier anbetrifft, so wüßte ich wirklich auch keinen Mann, der würdig wäre, daß sie um seinetwillen der Kunst entsagte oder ihr auch nur eine« Theil ihres Herzens, das dieser bis jetzt ganz gehört, entzöge." Käthe machte eine hastig abwehrende Bewegung mit der Hand gegen das gespendete Lob und erhob sich rasch, der Pastorin Arm nehmend, um mit ihr durch den Garten zu gehen. „Ich werde die Erinnerung an diese» trauliche Fleckchen Erde wie einen Hort des Friedens mit mir nehmen in den Kampf der Welt," sagte sie weich. Die Pastorin blickte sie überrascht an und war nicht wenig erstaunt, Thränen in ihren Augen zu entdecken. Galten sie wirklich dem Abschied vom Pfarrhause oder wurden sie dem Abschied von anderen Hoffnungen geweint? Als Käthe sich dann auch vom Pastor verabschiedete, sprach sie ihm noch ihren besonderen Dank dafür aus, daß er sie mit Ilse zusammengeführt hatte. „Sie haben nicht zu viel von ihr gesagt," meinte sie. „Die Baronin ist eine außergewöhnliche Frau, ebenso liebenswürdig als klug. Aber sie ist nicht, was man hübsch nennt, und deshalb begreife ich, daß Wolf neben ihr ein Jahr lang hat leben können, ohne mit Leib und Leben sich ihr zu eigen zu geben und daß die Schönheit der Amerikanerin noch immer ihren Eindruck auf ihn nicht verfehlt. Doch bin ich überzeugt, der Rausch schwindet nur zu bald und es wird die Zeit kommen, wo er feine sanfte Pflegerin vermissen und es chmerzlich bereuen wird, sie von sich gelassen zu haben." XXL Ja, Wolf vermißte sie, vermißte sie schon jetzt. De» Morgens, sobald er die Augen öffnete, suchte fein Blick unwillkürlich ihre schlanke, feine Gestalt, wie sie sich, still waltend, im Zimmer bewegte, immer nur beschäftigt für ihn, mit der Sorge für seine Bequemlichkeit. Und der weiche Ton ihrer Stimme! Er hätte nicht geglaubt, daß man sich so rasch, in d m Zeitraum von kaum einem Jahre, an ein Wesen, für das man im Herzen eigentlich nichts zu empfinden glaubt, so gewöhnen könne. Selbst ihre Augen fehlten ihm, wenn er ausfuhr ober in Neapel, wohin er sich direct begeben hatte, durch die Museen ging. Immer hatte es ihm Zerstreuung gewährt, den Ausdruck dieser Augen zu betrachten, wenn ein herrlicher Ausblick oder ein Kunstwerk ihre Bewunderung erregte. Wie bann die Pupillen sich zu erweitern schienen und ein so eigener Glanz in sie trat, ein so warmes Leuchten, das hatte er noch in keinen anderen Frauenaugen gesehen. Merkwürdig, wie der Zauber, der Adelinens Person umschwebte, schwand, sobald sie fern war. Er hatte damal», al» Axel ihm seine Verlobung angezeigt, die schöne Amerika- netto im Herzen al» eine Kokette verurtheilt, die den Flirt gar zu weit treibt und sich nicht scheut, Neigungen zu erwecken, die zu erwidern sie keineswegs willen» ist. Seine Niederlage dem Vetter gegenüber hatte ihn tief gekränkt, um so tiefer, je leidenschaftlicher er für Adeline geglüht hatte. Und er war nicht gewöhnt gewesen, im Kampfe um Frauengunst zu unterliegen. Da» hatte seinen Schmerz verdoppelt, ihn in jene zornige Stimmung versetzt, die einen Zusammenstoß mit dem Vetter unausbleiblich machte. Und der Gedanke, diesen in einem Besitze glücklich zu wissen, der ihm versagt war, hatte ihn selbst noch quälend verfolgt nach seiner Verheirathung, die den Verhaßten zum mindesten von dem Genuß seines reichen Erbes ausschloß. Das war nun vorbei. Adeline hatte ihr Verlöbniß gelöst, sie war frei. Er durfte nur das Band zerschneiden, das ihn an Ilse fesselte, und sie wurde die Seine, ja, Ilse hatte es großmüthig bereit» selbst zerschnitten- Aber gerade da» peinigte ihn. Je mehr er es jetzt täglich deutlicher empfand, was sie ihm gewesen war, desto mehr wuchs ihr Werth in seinen Augen- Er kam sich klein vor, ein Spielball seiner Leidenschaften, und grollte mit dem Geschick, da» ihn in solchen Zwiespalt gestürzt hatte. Besser vielleicht, er hätte diese übereilte Heirath unterlassen, wäre frei geblieben. Dann hätte er das Glück, da» geliebte Mädchen sein eigen nennen zu dürfen, voll genießen können. So aber würde die Wonne von Adelinen» Besitz , stets durch einen heimlichen Gewiffenrbiß beeinträchtigt wer- den; es war wieder, wie so oft in seinem Leben, nichts Volles und Ganze». Und doch, wer weiß, ob er ohne Ilse» treuen Beistand in den Tagen der Krankheit und Verdüsterung seiner Seele überhaupt noch im Lichte wandelte, ob nicht Schmerz und Lust für ihn lange im stillen Grabe Ruhe gefunden hätten? Ja, wer weiß! Er mochte seine Gedanken drehen und wenden wie er wollte, da» Gefühl, eine Schuld der Dankbarkeit gegen Ilse zu haben, wurde er nicht los. Auch Georg war seit Ilse» Abreise in Brindisi nicht mehr der willige, hingebende Diener seines Herrn wie zur Zeit ihrer Anwesenheit. Zwar that er seine Pflicht nach wie vor; aber die Freudigkeit, mit der der alte Mann sonst um Wolf gewaltet, da» Glück, da» ihm au» den alten Augen geleuchtet hatte, wenn er ihn in einstiger Kraft daherschreiten sah, das fehlte jetzt. Sines Abends, als Georg ihn entkleidete und er, da er sich nervös angegriffen fühlte, den gewöhnlichen Abendtrank verlangte, den sonst immer Ilse bereitet hatte, kam es unwillkürlich von des Alten Lippen. „Ja, wie die Frau Baronin noch hier war, ging es dem Herrn Baron viel besser. Der Herr Baron nehmen schon wieder ab —" „Meinst Du? Ich glaube, da» Klima in Neapel bekommt mir nicht gut." . „Ach, das Klima ist hier za auch schön und warm genug; aber e» ging früher Alles besser, geregelter zu als jetzt." „Das ist Deine Schuld. Sorge dafür, daß es ebenso bleibt wie früher." _ „Ja, wenn ich das könnte, Herr Baron. Der Wille ist gut, aber die Frau Baron zu ersetzen, die so fürsorglich war und Alle» so im Auge behielt, was dem Herrn Baron dienlich sein konnte, da» vermag ich nicht. Sie verstand'» eben, wie keine sonst. Eine solche Frau l Ich habe in meinem langen Leben keine ähnliche gekannt. Sie hätten sie nicht fortlassen sollen, um Ihretwillen nicht, Herr Baron." „Sie wollte nicht bleiben," sagte Wolf kurz und als der Alte noch etwas erwidern wollte, gab er ihm unmuthig ein Zeichen, sich zurückzuziehen. So aber konnte es wirklich nicht weiter gehen, er mußte sich dieser grüblerischen Stimmung entreißen, zu einem festen Entschlüsse kommen. Schließlich war er nicht der Mann, der eine Frau, die sich von ihm lösen wollte, gewaltsam zurück« sielt. Jetzt hieß es für ihn, ein neues Glück sich gründen, nicht rückwärts, sondern vorwärts schauen. Am andern Tage schon befahl er Georg, die Koffer zu rüsten, um nach Rom überzusiedeln. Eine geheime Hoffnung agte ihm, er «erde Adeline dort trotz des erst für einige Wochen später in's Auge gefaßten Zusammentreffens schon vorfinden, und er fühlte das Bedürfniß, in ihrer Nähe neue Kraft zu gewinnen, sich von ihr wieder berauschen zu lassen, um zu vergessen, was ihn innerlich quälte und nicht zum Frieden kommen ließ l Gleich nach seiner Ankunft in der ewigen Stadt eilte er nach dem von Adeline ihm bezeichneten Hotel, um zu fragen, ob die Damen Graham dort etwa schon angeko nmen seien. Der Portier bejahte e»; aber die Herrschaften seien seit zwei Tagen auf einem Ausflug in den Albaner Bergen. Wann sie zurückkehren würden, wäre nicht bestimmt. Etwas entmuthigt schlug Wolf den Heimweg ein. Er hatte so sehr auf den erfrischenden Einfluß des Verkehrs mit der Geliebten gehofft, und nun war das Wiedersehen auf unbestimmte Zeit verschoben. Ihr nachzugehen, war sein erster Gedanke; aber er verwarf ihn wieder, denn wo sie finden? Besser noch, hier warten; zu lange würde sie ja voraussichtlich nicht fortbleiben. Ganz in Gedanken versunken den Corso entlang gehend, hörte er plötzlich seinen Namen rufen. „Wenzelen, Du hier?" Er blickte auf. „Egeling!" rief er, freudig überrascht. Er hatte einen ehemaligen Regimentskameraden erkannt, mit dem er manche fröhliche Stunde im heimathlichen Berlin verlebt hatte, damals, als er noch der tolle Wolf gewesen war. Egeling erzählte, daß er seit einem Jahre der Gesandtschaft in Rom attachirt sei. Er war ganz voll von Begeisterung über da» anregende Leben, das er hier führe und bot sich selbstverständlich Wolf als Führer durch die Sehenswürdigkeiten an. „Das Erste ist," schloß er, „daß ich Dich morgen mit mir nach den Grotten von Cernaea nehme, wo gerade da» Maifest der Künstler gefeiert wird. Etwas Eigenartigeres hast Du noch nicht gesehen." Wolf nahm ohne Besinnen die Einladung an, nur machte er zur Bedingung, daß er seinen Georg mttnehmen wolle, da sein Gesundheitszustand ihm ab und zu noch seinen Beistand nothwendig mache. „Wie Du willst, ich werde auf alle Fälle einen Wagen bestellen." „Nein, das laß meine Sorge fein. Im Hotel bekommt man ihn am leichtesten." „Abgemacht!" Es war ein herrlicher, sonniger Frühlingstag, als die beiden Freunde sich am anderen Morgen auf den Weg machten. Die Natur hatte ihr Feierkleib angelegt, überall sproß und blühte es in südlicher Ueppigkeit. Sternblumen und Anemonen leuchteten in Heller Farbenpracht au» dem üppigen Grün der Campagna, aus Fels und Trümmerwerk hervor, gelber Ginster überzog das dunkle Gestein wie mit leinem goldschimmernden Mantel, in der Ferne blauten die Albaner Berge, Wolf wie die Augen der Geliebten grüßend. Dort weilte sie ja, sie, nach der er sich mit allen Fibern seiner Seele sehnte. Eine buntgemischte Menschenmenge war auf dem Festplatz zusammengeströmt, voran alle in Rom gerade weilenden Fremden, dem heiteren Treiben einer internationalen Künstler- schäft auf altklassischem Boden zuzuschauen. Verschiedene Aufzüge, wenn auch ohne die glänzenden Costüme, die man in Deutschland bei solchen Gelegenheiten zu sehen gewohnt ist, belebten da» bunte, eigenartige Treiben. Humor und Ueber- muth allein führten hier ihr lustiges Scepter. Da sah man Kochtöpfe als Helme aufgestülpt, Rüstungen ganz aus Stroh angefertigt, Kleider von Papier; aber Alles hatte Chic, zeugte von Laune und Geschmack. Wolf schritt mit seinem Gefährten Arm in Arm durch da» Gewoge hin, an ausgeschlagenen Zelten, mit Blumen- - 147 - gewinden geschmückten Grotten vorüber, in denen fröhliche Gruppen beim feurigen Landwein und einem frugalen Mahle es sich wohl fein ließen. Da plötzlich bleibt er wie angewurzelt stehen, wechselt jäh die Farbe. Der Ton einer Stimme ist in fein Ohr ge« drungen, den er, seit er Corfu verlaffen, ach wie oft heiß ersehnt bat! Und dieser Ton klingt heiter, übermüthig, in silbernem Lachen zu ihm. Sein Blick wendet sich mit dem Ausdruck steigender Angst der nachlässig in einen Sessel zurückgelehnten liebreizenden Mädchengestalt zu, deren Lippen dieses Lachen entquillt. Ganz die amerikanische Touristin, das staubfarbene Kleid sußfrei, die zierlichen englischen Stiefeletten Achtbar lassend, auf dem schönen Kopf mit dem üppigen aschblonden Haar ein Strohhütchen von kecker Form mit wehendem blauen Schleier, so plaudert, lacht und scherzt sie, der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit in ihrem Kreise, wie er sie so oft gesehen, wie sie ihn so entzückt hat. War ihm aber alles Blut zum Herzen treibt, das ist der Anblick des Mannes, der neben ihr fitzt, den Arm vertraulich auf die Lehne ihres Stuhles gelegt. Eine herkulische Erscheinung mit einem starkknochigen Gestcht von ausgeprägt slavischem Typus. Daß dieser Mann nur Augen für das schöne Mädchen neben ihm hat, das er mit seinen dreisten Blicken fast verzehrt, wird Wolf sofort mit peinlicher Gewißheit klar. Er empfindet diese Blicke wie eine Beleidigung feiner eigenen Person. Und nun, o, wäre er blind gewesen, nun neigt er sich, das Glas in einer Hand erhebend, flüsternd an ihr Ohr und sie wendet sich nicht ab, sie stößt ihn nicht beleidigt zurück, nein, sie lächelt, lächelt, wie sie fo oft auch ihm zugelächelt, wenn er ihr heiße Liebesworte in'r Ohr geflüstert hat, halb zurückweichend, halb anlockend, ja, sie reicht dem Zudringlichen mit der nur ihr eigenen anmuthig koketten Bewegung die Hand zum Kusse hin, auf die er leidenschaftlich seine breiten Lippen preßt. Mit einem krampfhaften Druck faßt Wolf seines Begleiters Arm, der erschreckt erst jetzt dessen bleiches, verstörtes Aussehen bemerkt. „Was ist Ihnen, was haben Sie?" Sein Blick folgt dem starrenden Blick Wolfs. „Ah, die schöne Miß Graham," ruft er nun nicht ohne Verwunderung. „Sie kennen sie also?" fragt Wolf mit vor Aufregung heiser klingender Stimme. „Wer sollte sie in Rom nicht kennen, der kn der Gesellschaft verkehrt? Sie war ja im Winter der Star der Saison, der Alles bewundernd zu Füßen lag. Ich habe sie übrigens seit Wochen nicht gesehen, ich glaube, sie war verreist." „Und jener Herr neben ihr?" fährt Wolf mit krampfhaft zusammengepreßten Lippen fort. »Ist Fürst Raradin, ein reicher Russe, der nicht allein ihr Anbeter, sondern ein ernstlicher Bewerber um ihre Hand ist. Und da man den Amerikanerinnen nachsagt, daß sie für Gold und Gut nicht gar zu unempfindlich find, meint man allgemein, er werde Erhörung finden. — Doch was ist Ihnen?" unterbricht stch Herr von Egeling plötzlich, da er fühlt, wie Wolfs Hand zittert und sich, wie eine Stütze suchend, um seinen Arm klammert. „Sie sehen aschenfahl aus." „Es ist nichts," stammelte Wolf, sich gewaltsam fassend, „ein Schwindel! Sie wissen, ich war lange krank, die Sonne brennt hier zu heiß. Lassen Sie uns weiter gehen." Aber es ist zu spät- Ehe Wolf mit seinem Begleiter sich zu wenden vermag, ist er in der Grotte schon bemerkt worden. Auch Adeline erbleicht, als sie ihn erkennt; aber sie springt sogleich von ihrem Sitze auf, und den Russen brüsk verlassend, will sie mit ausgestreckten Händen auf ihn zu- „Sie hier, Baron von Menzelen? Ach, welche Ueber- rafchungl" Er faßt die dargebotenen Hände nicht, sondern zieht nur formell grüßend seinen Hut. Sein Gestcht ist ganz weiß, seine Augen blicken kalt und starr. Adeline beißt die Lippen zusammen vor innerer Wuth. Er hat gesehen, Aller gesehen! O, dieser Fürst! Daß sie den Wünschen ihrer Mutter nachgegeben und von ihm stch hat zum Feste führen lassen! Wenn Wolf nur wüßte, wie sie den Russen im innersten Herzen verabscheute, daß sie ihn liebte, ihn allein, wie noch keinen Mann sonst auf Erden. Aber noch giebt sie das Spiel nicht verloren. Ohne auf Wolfs abweisende Kälte zu achten, schiebt sie mit der den Frauen ihrer Nation eigenen Ungenirtheit im Verkehr mit Männern ihren Arm in den seinen und zieht ihn mit sich fort. „Einen Augenblick, Herr von Egeling," nickt sie dem verdutzt sich vor ihr Verneigenden mit dem anmuthigsten Lächeln zu. „Ich und der Baron sind alte Freunde, Sie begreifen, bei so unerwartetem Wiedersehen —" (Fortsetzung folgt.) Warm der Wajar »en Mch nicht hmalhcte. Humoreske von Hermann. Birkenfeld. (Fortsetzung.) Als wir in Saßnitz ankamen, wußte ich auch so von ungefähr mit ihren Gemüthsverhältnissen Bescheid: Lonny, einzige Schwester von Frau Cölestins, elternlos, Familie anständig. Daneben hielt ich ei« Bündel Waldblumen in der Hand, die ich mit ihr gemeinsam gepflückt hatte, oben am Kieler Bach. Ich alter Esel und Waldblumen! Habe sie noch. In Saßnitz ein Diner ä quatre couverts, dann Strand- promenade, Kindereien im Sande, wie sie zur Saison gehören. Ich erst lange, nachdem Familie Ditto zur Rahe gegangen war, auf mein Zimmer. Und wissen Sie, was ich zuerst besah, beschnüffelte, wie ein Kater die verbotene Wurst? — Lonny'» Blumen! Ich! Und dann mich vor den Spiegel gestellt — ein kummervoll, miserabel Ding mit graugrünem Scheine, das auf der engen Bude über dem Sopha baumelte. Da mich betrachtet. Nun war ich von Natur schwarz, und das wissen Sie Alle, daß dunkles Haar rascher bleicht als helles. Ich also meditirt: Kann ich mit meinem grauen Schädel noch was rirkiren? Bin ich nicht vielmehr ein abgefeimter Schasskopf mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe? — Neununddreißig Jahre alt, Aussehen von neunundsünfzig und --na, meine Herren, zu fürchterlich war's nun doch noch nicht, und ein königlicher Hauptmann und Compagniechef--am Ende--ja, wie wußte ich denn, ob sie überhaupt noch zu haben war? — Nun, sie trug keinen Ring. Insgeheim dachte ich — ja, wahrhaftig, ich überlegte, ob in diesem Neste, — denn damals, vor vierzehn Jahren, ging's da noch nicht so geleckt zu, wie heute — also, ob in Saßnitz wohl schon ein anständiger Friseur wohnte, der mich ein bischen--- na, Sie verstehen. Wenn beim Menschen 'mal der Esel 'rauskommt, dann gleich ordentlich. Nahm sogar mein Taschenbuch und fing !an, Verse zu kritzeln. Wollte ste ihr nicht geben — dummes Zeug! Rur so für mich ganz privatim. Lonny--Lonny--ich meinte, so 'was wie Wonne müßte damit zusammenreimen. Aber sehen Sie, meine Herren, da» geht ja nicht. So gab ich's auf. Hab'» nie recht gekonnt. Ob fie's wohl konnte? Sie--ja, ste! Ich glaube, ich habe das laut vor mich hingesprochen und kam dadurch wieder zur Bestnnung auf meinen eigentlicher Daseinszweck. Ich sollte hier ja schlafen! Ziehe mich also au», und dann in die Federn. Na, schön ist so'n Saisonbett nicht immer, dieses aber war der reine Marterkasten. Miserabel Schmeichelei dafür. Aber günstig für Ztmmergymnastik. Wissen Sie, so'n Ding, in dem man unaufhaltsam von oben nach unten rutscht und um sich solcher Bestimmung nicht zu entziehen, flott wieder kopfkiffenwärts turnt. Ich turne nun und denke dabei im Stillen, wann ich wohl eigentlich einschlafen würde, und — je, wie's einem geht — währenddem nuschele ich mich denn in meinen Gedanken allmählich zu und bin halb eingedämmert, 148 “ Geineiirnützig-O. Ich Unglücksrabe! Ueber die Herstellung von Ostereiern wird Erieben: Am einfachsten sind die schlicht gefärbten Eier herzustellen, die zwischen den reicher verzierten nicht fehlen rS”' hat verschiedenartige Färbemittel, die man sich leicht verschaffen kann. Zwiebelschalen oder eine Abkochung von Buchweizenähren färben gelb (von Saffran zum Gelb- färben ist besser abzurathen, da dieser giftig ist und vom Färb« stoff beim Kochen leicht etwas durch die Poren der Eier AM, dunkle, im Sommer gesammelte und getrocknete Malvenblätter oder auch Spinatsaft färben grün; rosafarbene E r ’?ün Pernambukholz, braune durch die grüne Schale der Wallnuß und für violette Eier nimmt man Blauholz oder Braunspähne. Uebrigens giebt es jetzt auch mannigfache käufliche giftfreie Eierfarben, mit denen man ver- fchiedene Schattierungen Hervorrufen kann. Sowie die Eier gekocht sind, reibt man sie mit einem Tropfen Oel oder mit einer Speckschwarte ab, wodurch sie einen matten Glanz et< halten- - Auch goldene und silberne Eier dürfen nicht fehlen, ^^,/van durch Ueberstreichen mit Broncelösung erhält. Noch hübscher sehen die gefärbten Eier aus, wenn sie eine Ver« Mung erhalten, die man anbringt, ehe man sie kocht. Die Eier werden gewaschen, mit etwas Essig abgerieben, damit sie zweifellos rein werden, dann im Ofen ein wenig angewärmt und mit Name, Spruch oder Zeichnung versehen, indem man sm eÄetM ^chen aufträgt, das man in geschmolzenes Wachs taucht. Diese Stellen bleiben dann beim Kochen mit Farbstoff weiß und werden nach dem Kochen vom Wachs befreit. Will man bereits gefärbte und gekochte Eier ähnlich verzieren, kann man den Spruch oder die Zeichnung mit C tronensäure einätzen. Kunstgeübte Hände können auch Tusch, zeichnungen oder Sprüche in Goldschrift auf diesen Eiern an- bringen. Sehr hübsch find marmorirte Eier, die außer etwas Geduld nicht viel Kunstfertigkeit verlangen. Man braucht zu ihrer Herstellung Leinwandläppchen, gleich lang geschnittene Fäden, rohes Sauerkraut, Kerbelkraut, trockene gestoßene Eier« K/sn, f gepulverte Zwiebelschalen, zerkleinerte Farbhölzer (Blauholz, Rothholz, Gelbholz, Pernambukholz, Safran rc.) und in möglichst lange Fäden gepflückte Tournesolflecke. Jedes vertheilt man für sich in kleine Behälter. Die Eier werden gut gereinigt und in eine Schale mit Wasser gelegt. Auf - - «u «,ail I Ä?L"^"bläppchen legt man ein gleichmäßiges Polster von war da natürlich wach geworden. Mir egal! Krabble auf Dann verziert man die feuchten Eier, drückt sn^»„ -x ... - - I Blättchen des Kerbelkrautes darauf, bestäubt das Ei mit sehr wenig von den verschiedenen Farbstoffen und etwas gestoßenen Eierschalen und belegt es mit Tournesolfäden, wobei man ledes Et verschieden ausschmückt. Bei Anwendung von Safran und Malvenblättern ist Vorsicht am Platze, da sie leicht zu ^nkel färben. Jedes vollendete Ei wird in das mit dem Sauerkrautpolster versehene Leinwandläppchen gewickelt und mit Fäden gut umbunden. Sind alle Eier vorbereitet, so bringt man sieinciii weites Gefäß mit kochendem Wasser, K AÄrS}iSutlbce1 und läßt sie so lange in einer Schüssel abkühlen, bis man sie berühren kann. Dann wickelt man sie aus, nimmt Alles, womit man sie belegte, herunter, reibt sie mit dünner Gummilösung ab, damit sie Glanz erhalten, und stellt sie bis zum völligen Erkalten in Salz. Der Kerl nebenan wettert weiter. Mir Wurst! Kleide mich an, und dann hinunter in's Gastzimmer, wo ich auf nem abgeschlissenen schwindsüchtigem Kanapee noch anderthalb Augen voll Schlaf mitnehmen konnte, bis zur Reinemachezeit ^^,-^^ubenbesen mich weckte. Danach ein Spaziergang; endlich gegen sieben, kam ich just recht zum Frühstück. Natür- ttch mit Familie Ditto. Da war ich s vollends leid. Hatte so das dumpfe Gefühl, es müsse was Extraes geschehen, donnere deshalb noch einmal mit dem Arm gegen die Wand, daß mir's bis in die Fingerspitzen kribbelt. So'n Schmerz am Ellenbogen macht den Menschen nicht zahmer. Ich mit einem Sprung aus dem Bett, als gälte 's 'nen Alarm gegen Franktteurs. — Klad« “ - klingling! - Natürlich der wackelige fichten- hölzerne Nachttisch! Da lag er! Zugleich ein mordsmäßig Gepolter im Nebenzimmer - aber nicht in der Schnarchbude, sondern m dem zur anderen Seite — und dazu ein Donner- weiter, das mir selber Ehre gemacht hätte. Irgend ein Gast Anderthalb Stunden — verstehen Sie, so das Stück zu zweihundert Minuten, lag ich als Beute meiner Verzweiflung und zählte die Athemzüge drüben. Es waren siebzehn in der Minute. Hatte nämlich Licht gemacht, um nach der Uhr zu sehen. Halb zwei. Zuletzt blies ich's aus und verlegte mich wieder aufs Turnen. Bis ich dennoch schlief. Beinahe wenigstens. Da gab s nebenan 'ne neue Tonart. Das Monstrum hatte sich umgedreht. Nun sägte es in dur. Ich war gerädert. Drei Stunden Fußmarsch, Süßholz geraspelt wie ein Fähnrich, Strand gewatet, beinahe Verse gemacht, und nun diese Nachtruhe oder vielmehr Unruhe! Zuletzt wurde ich wild. Trommelte an der Wand Generalmarsch. Ein paar Minuten war's still dann ging das Gebohre und Gefeile vom Frischen los. ' „Sonny — Wonne--- Wonne Lonny —** - schlief ich wirklich ein? — Merkwürdig, wie man sich beim Ein- duseln der Thatsache des Schlafens feibst bewußt werden kann. Gott fei Dank — nun schlief ich! Da--rraps — rraps--Herr des Himmels und der Erden, gab's denn keine Rettung? Bums! stieß ich mit dem Ellenbogen an die Wand und machte damit Effect. Das Gefäge schwand dahin, 's dauerte aber lange, bis mein Aerger dasselbe that und meine Nerven an Schlaf dachten. Französtsches Ragout von Geflügel. Dasselbe wird aus den vom Tische kommenden Resten von Geflügel auf folgende Weise hergestellt: Man macht eine Helle Butter- & fä&^Tpi9^on8' Bersins und gehackte Schalotten ^». mischt e n Glas Weißwein und etwas aufgelösten Liebigs Fleischextract darunter und läßt diese Sauce 25 Minuten allein und dann noch 5 Minuten mit den Geflügelresten still kochen. Beim Anrichten garnirt man das Gericht ringsum mit in Butter gerösteten Brodschnitten. 0 dem Boden 'rum und suche nach der Streichholzdose. Unglaublich, wie viel Stuhlbeine so'n kahler Fremdenkäfig hat, wenn's dunkel ist! Stieß mindestens an zwanzig an. Als ich endlich Feuer geschlagen hatte, stand natürlich nur ein einziger Stuhl: denn den Kofferschemel konnte ich nicht rechnen. «x ^öp8 m,rrap8 ~ rraps — es war tatsächlich Schnarchen. Nebenan. Sommerfrischenbau - frische Sommerbauten ist natürlich richtiger - das kennt jeher, wie? Genug, die Wand schien eigentlich nur als Schallleiter zu dienen — nein, als Schallverstärker. — da--meine Herren, faetisch — da sägt wer. Oder ei» Pferdestall in der Nähe. 19 er Ich fahre auf. Lonny einfach zum Freffen in ihrer Hellen Sommerfahne Wissen Sie, so 'was Werthers Lotte-Artiges. ' 9 (Fortsetzung folgt.) Hatte mich nun gern die nächtliche Misere von der Leber runter räsonnirt, aber - können sich's denken — den Damen gegenüber ging's doch nicht! Und deren Gesellschaft war mir momentan lieber als die Herrn Dittos. Calculire also folgendes zusammen: Läßt Dir nachher vom Kellner ein anderes Zimmer für die nächste Nacht anweisen, inzwischen machst Du Dich möglichst angenehm und fühlst so nebenher der Madame Ditto auf den Zahn, was Lonny wohl dazu sagen würde wenn — — na, wenn! 1