ruberen Gefäß Hsn, ehe man Süchte werden lg überschüttet, ffe durch ein affe wiederum ter betgegeben Die Masse Gläsern aus» \U\, um kleine wieder gut zu hrensten Haus« chten Moment i nichts wieder iS Beste, eine schnellsten und !S Wasser mit tzt, mit Salz elrnehl sähmig i» Zimmer, daß er recht i Zimmer zur zu befolgende eidet von den hl etwa 2 Fuß oder in einem möglichst Hellen sat. Letzteres t zu kalt sein, Die Zweige iffer besprengt ursprünglichen md je feuchter ch die Blüthen nett, daß dies «att sorgfältig Blumen zum Ende Novem- Flieder usw.) r aufzustellen. Schmuck am »es Monats): ldiosur: „Ich r eine Suppe en, der einem nußt D' recht zanzen MurÄ sehen — Du isten Brillant» ielt der Geld» ‘ Einbrecher: ,Für gehabte in Gießen. AevSIag Ben 27 Octobtt iö^ekSk^TLmilisMsitsr Untrchaltmgsblaü Mm Gießener Aiyeiger (Generat-Ameigrr)i Das blaue Herz. Roman von Carl Ed. Klopfer. —“— (Nachdruck verboten.) I. In einem Seitengäßchen der Münchener Borstadt befand sich zwischen allerlei Kramgeschäften ein kleiner Friseurladen. Das Schild über dem im Winde baumelnden, messingenen Barbierbecken war in dem trüben Lichte des beginnenden Februar-Abends schwer zu entziffern. »Ludwig Dingelmann, approb. Bader und Coiffeur" hieß es da. Hinter der Glasscheibe der Elngangsthür stand der Eigner dieses Namens, Herr Dingelmann, und blickte mit kummervollem Gesicht in die Dämmerung hinaus. »Wie ist's, Meister, soll ich nicht Licht machen?" fragte der Lehrjunge vom Hintergrunds des Ladens her, wo die beiden Glasschränke mit den Parfümerieen im Verein mit einem ounkelrothen Ripsvorhang dazwischen eine Art von Kämmerchen bildeten. »Nein, Nazi, wir wollen das Gas sparen," seufzte der Meister, „man kann ja anzünden, wenn Jemand kommen sollte." Der Nazi nickte verständnißvoll, al« ob er sagen wollte: Natürlich, es kommt ja doch keine Katze; man könnte ebensogut gleich schließen- Dann lehnte er sich an eines der Marmor» Uschchen vor den Wandspiegeln und betrachtete melancholisch seine langen Beine, denen die Hosen beträchtlich zu kurz waren,'und sein geflicktes, abgeschabtes Röckchen, das der "orpe. in seinem Drange, die Entwicklung zum Jüngling M vollenden, täglich rücksichtsloser auf die Festigkeit der Nähte prüfte- »Aber die Flamme im Schaufenster könnte man doch wenigstens anzünden!" meinte er nach einer Weile, die über» langen Arme schlenkernd, die sich so gern beschäftigt hätten. »Meinetwegen I" Fünf Minuten später brachte Meister Dingelmann insofern etwa« Abwechslung in seine gezwungene Unthätigkeit, als er statt durch die Thür — durch das Schaufenster seine trostlosen Observationen anstellte. Wie traurig sah er jetzt in der Auslage au«, seitdem sie der Gerichtsvollzieher ihrer vorzüglichsten Zierde, der schönfrisirten Wachsbüste, beraubt hatte! Mit grimmigem Lächeln schielte Dingelmann auf dar zwischen einigen Perrückenstöcken ruhende Glasschildchen herab, da« da mit seinen im Lichte der Gaslampe flimmernden Goldbuchstaben der Welt verkündete, daß man hier das Haarfärben „nach der neuesten Methode" verstehe, und Damen „in und außer dem Hause" frifirt werden könnten. Als ob es für Meister Dingslmann überhaupt jemals eine Damenkundschaft gegeben hätte! Jetzt im Carneval hatten seine Berufsgenoffen alle Hände voll zu thun, nur zu ihm, in dieses öde Gäßchen verirrte sich kein Mensch. Seitdem sie dort drüben in der Hauptstraße die große Kaserne demolirt hotten, die ihm noch Kunden zugeführt, war da» Geschäft gänzlich auf's Trockene gesetzt worden. Das Gäßchen war wirklich wie ausgestorben; e« ging nicht mal Einer an diesem Schaufenster vorüber. Aber ja — gerade jetzt. . . Ah! Und der Mann blieb sogar stehe« und blickte durch die Glasscheibe. Was gab es denn da An- ziehendes zu betrachten? Meister Dingelmann hätte den Passanten, einen eleganten Herrn in Pelz und Cplinderhut, gerne mit einer einladenden Geberde darauf aufmerksam gemacht, daß er jetzt „gerade Zeit habe", ihm die sorgfältigste Bedienung zu widmen; aber der fachmännische Blick de« Friseur« hatte sofort constatirt, daß der Herr neben seinem glänzenden schwarzen Schnurrbarte auf dar Tadelloseste rasirt und sein pechschwarze« Haupthaar so kurz al« möglich verschnitten war. Bei dem war also keinesfalls was zu verdienen. Oder sollten wirklich die paar armseligen Pomadestangen und Seifenschachteln im Fenster seine Kauflust reizen? Seine lebhaften Augen musterten wenigstens mit hartnäckigem Interesse die da zur Schau gestellten Dinge und hoben sich jetzt mit scharfem Forscherblick zu dem betrübenden Antlitz de« „approbirten Baders und Friseurs" empor, däs ihnen aus dem dunklen Jnnenfenster entgegensah. Nun konnte Dingelmann doch nicht umhin, eine grüßende Verbeugung zu machen. Der Herr draußen veränderte jedoch keine Miene, wandte sich und verließ da» Schaufenster — natürlich, um seinen Weg fortzusetzen. Doch «ein! — Den nächsten Augenblick ertönte die 602 Klingel unter der sich öffnenden Ladenthür, und der elegante Fremde trat ein- Jetzt hatte Nazi die längst ersehnte Gelegenheit, seine Flinkheit zu zeigen. Wuppdich I stand er auf dem St»chl und ließ in der nächsten Secunde die beiden Garflammen an der Decke aufzischen, während sein Principal sich dem Zufallrkunden mtt der Grandezza eines Tanzmeisters zur Verfügung stellte. „®ie frtfiren auch Damen?" näselte der im Pelz, den Eylinderhut in den Nacken schiebend und den Griff seines Regenschirmes unter'- Kinn stemmend. „Gewiß — selbstverständlich!" „Und können auch — Haare färben, wie Sie da draußen ankündigen, wie?" „Sie sollen auf dar Prompteste bedient werden, mein Herr." ' n , „ „Ich meine das Färben von Frauenhaar, verstehen Sie mich wohl!" «Da» ist sogar — meine Specialität," hauchte Dingelmann, nur durch das Bewußtsein beklommen, daß er mit seinem Vorrath an Tincturen zu dieser „Specialität" recht schlecht bestellt war. — „Belieben Sie mir nur zu sagen, welche Nuance der betreffenden Dame genehm wäre, und welche ursprüngliche Haarfarbe verdeckt werden soll." „Ach ja — meine Schwester ist blond — von jener matten Nuance, die man aschblond nennt, und ich möchte ihrem Haare etwa« lebendigeren Glanz geben, so ungefähr die Farbe reifen Hafer«, und was ich hauptsächlich betonen will, die Farbe muß vergänglich, abwaschbar sein. Es handelt sich nämlich nur um den Einklang mit einem Costüm, das fie morgen zu einem Carnevalsfeste, zu einem Maskenballe an- legen wird. Wir betheiligen uns an einer Gruppe, die florentinische Meute aus dem vierzehnten Jahrhundert dar- stellt, und da schwebt mir als reizende Ergänzung zum Costüm meiner Schwester jenes seltene Goldhaar, welches dis Pinsel der alten Meister an den Portrait» der Florentinerinnen mit so viel Liebe behandelt haben." „Ich — begreife ganz wohl," entgegnete Dingelmann etwas unsicher. „Es soll sozusagen nur eine Auffrischung von Blondhaar sein, die Verleihung eines blendenden Schimmers, der am anderen Tage von selbst vergeht und keinerlei Ver- änderung der Haares zurückläßt." „Ganz recht. Und haben Sie so ein Mittel, so eine Tinctur?" „Ich denke wohl." Meister Dingelmann wandte sich nach dem einen der Parsümerieschränke, in dessen oberstem Gefach drei verschiedene Flaschen mit Haarfärbemitteln ein einsames Dasein fristeten. Der Fremde betrachtete sich den Lehrling, der seinem Principal diensteifrig die kleine Trtttleiter herbeiholte, mit der die Höhe des Schrankes allein zu erreichen war- „Ja — um es nicht zu vergessen! Sagen Sie, ist hier in der Mhe ein Droschkenstandplatz?" „Ja wohl, drei Straßen weit. Wenn Sie wünschen, mein Herr, so könnte Ihne« der Bursche da einen Wagen besorgen." „Sehr gut! Seien Sie so sreundlich, junger Mann — und bitte gleich — ich habe wenig Zeit und kann mich nicht lange aufhalten I" Nazi flog hinter die Schrankwand nach seiner Mütze und stob im nächsten Augenblick schon auf seinen langen Beinen" davon, während Meister Dingelmann auf der Höhe seiner Leiter nach einer der drei Flaschen griff. „Hier, mein Herr, da wäre gerade, wa« wir brauchen." „Ahl — Danke, ich reiche schon! Bleiben Sie nur! Vielleicht wählen wir noch ander«. Jedenfalls muß ich erst ..." Der Fremde entkorkte die Flafche, die er dem Friseur abgenommen, roch daran und goß dann einige Tropfen auf da« Marmortischchen in seiner Nähe, um die tiefdunkelgelbe Tinctur auch mit Irem Auge zu prüfen. „Lassen Sie mal sehen, wa» Sie noch haben," meinte er dabei, mit einer flüchtigen Kopfbewegung zu den übrigen zwei Flafchen hindeutend. „Das ist nur noch Dunkelbraun und Schwarz," entgegnete Dingelmann kleinlaut; er hatte ja nur zu wohl vorausgesehen, daß diese klägliche Auswahl den Kunden nicht befriedigen werde. „So, so! Na, zeigen Sie immerhin einmal her! Am Ende wäre es ja nicht unmöglich, daß ich mich noch anders entschließe, und doch zu der gewöhnlichen Haarfarbe der Südländerinnen greife." Die» sagte der Herr, während fich der Friseur umdrehte, um die Flasche mit bet Tinctur zum Schwarzfärben herabzulangen. „Hier, wenn ich bitten darf! — Aber — ich muß bekennen, ich weiß in der That nicht, ob diese Farbe nicht etwa doch noch längere Zeit Spuren zurückzuläßt. . . ." „Ei, dann freilich können wir fie nicht brauchen. Was denken Sie! Meine Schwester würde nie einwilligen . . . Gut also, bleiben wir bei der ersten da!" Der Herr stöpselte die Flasche mit der blonden Tiuctnr, die er in der Hand behalten hatte, wieder zu, schüttelte fie und betrachtete fie durch's Licht. Dingelmann athmete froh auf und hüpfte von der Leiter herab. „Unschuldig ist das Zeug da wohl?" „Ich Übernehme jede Garantie", verstcherte der Friseur, die Hand auf's Herz legend. „Auch für die leichte Abwaschbarkeit?" „Ebenso. Sie können fich vollkommen verlassen." „Gut. Dann bitte, wickeln Sie mir das Ding« ein und stellen Sie's zur Seite, damit Sie es nicht etwa irr- thümlich än einen anderen Kunden abgeben l" Dingelmann hätte dem Fremden auch hierüber sehr beruhigende Versicherungen geben können, beeilte sich aber, seinem Wunsche zu gehorchen, umsomehr als er sah, daß er in die Tasche nach dem Portemonnaie griff. „Ich bezahle er gleich, um mir die Flasche auf jeden Fall zu sichern. Da — das wird genügen!" Dingelmann wäre fast ausgerutscht bei der tiefen Verbeugung, mit der er die — zwei harten ThalerstÜcke begrüßte, die der Freigebige auf das Spiegeltischchen niederklirren ließ, und seine Hände zitterten, während fie die reservirte Flasche in einen Bogen des schönsten Seidenpapiers einwickelten. „Also morgen?" sagte er bann, bie so splendid bezahlte Waare in ein Extrafach stellend. „Und wohin soll ich kommen, dar Fräulein zu bedienen?" „Ah! Sie werden das doch jedenfalls hier am besten machen. Wir werden auf der Fahrt zum Balle bei Ihnen vorsprechen, schon costümirt. — Aber er scheint, Eie haben kein gesondertes Cabinet zur Verfügung, wo meine Schwester vor der Neugier anderer Kunden geschützt wäre?" „Leider nein. Ich glaube Sie jedoch auf da» Bestimmst« versichern zu können, daß das Fräulein trotzdem durchaus ungestört fein wird. . . . Gegen Abend habe ich — selten noch Kundschaft zu erwarten. . . ." „Selten, das schließt doch nicht aus, daß eine Belästigung zu fürchten wäre. Meine Schwester ist sehr schüchtern, müssen Sie wissen. — Da will ich Ihnen einen Vorschlag machen. Wir werden sehr spät kommen, zu einer Stunde, wo Sie sonst schon Feierabend machen dürsten — sagen wir: nach zehn Uhr. Schließen Sie den Laden eine Viertelstunde vor zehn, ich werde anpochen, Sie lassen un« ein und Üben Ihre Kunst bei wieder geschloffenen Thüren. Ich werde Sie für diese Extrabedienung natürlich genügend entschädigen." „Ganz nach Belieben!" flötete Meister Dingelmann unter einem neuen, devoten Bückling. „Ich stehe jederzeit zu Diensten." Inzwischen war draußen die bestellte Droschke vorgefahren, und Nazi stürmte wieder herein. „Hier ist der Wagen, mein Herr!" «Danke!" Der Fremde ließ ein Trinkgeld in Nazis schier vor 503 - Freudenschauer« durchbebte Rechte gleiten und wandte sich zur Thür. „Also auf morgen Abend, mein Lieber! Und — daß Eie nicht vergessen, vermeiden Sie jede Anrede der Dame, jede Frage! Sie ist, wie bemerkt, außerordentlich schüchtern." „Sie dürfen sich auf die delikateste Bedienung verlassen, mein Herr!" »Ich will 68 hoffen!" Nazi begnügte stch nicht damit, die Ladenthür aufzureißen, sondern stürzte sogar hinaus, dem Fremden den Wagenschlag zu öffnen, während Dingelmann sich an der Schwelle in pendelartigen Verneigungen erschöpfte. „Wohin?" fragte der Droschkenkutscher von seinem Bocke herab, respectvoll den Hut lüftend. Der Herr wollte rasch antworten, besann sich aber — im Anblick des ihm wohl allzu dienstfertig erscheinenden Jünglings, der da den Wagenschlag hielt. „Zum CafL Maximilian!" warf er dann kurz hin und stieg ein. Der Miethwagen raffelte davon, und Principal und Lehrling kehrten in den Laden zurück. „Das war einmal ein nobler Kerl!" schwor Nazi begeistert. — Der Meister seufzte. „Ja, solche Kunden könnten wir brauchen. Schade! Es scheint ein Fremder zu sein, sonst hätte er sich kaum zu mir verirrt — und wird wohl nicht lange in unserer Stadt bleiben. — Na, jedenfalls soll er mit größter Aufmerksamkeit bedient werden und mit mir zufrieden sein! Du hast gehört, was er verlangt — absolute Discretion. Daß Du mir also fein den Mund hältst und die zartnervige Dame mit keinem neugierigen Blick belästigst!" „Seien Sie ganz beruhigt, Meister! Ich will mich so dünn als möglich machen." „Schön. Die vornehmen Leute halten ja darauf, daß sie wie von geräuschlosen Maschinen bedient werden." Am Abend des anderen Tages rüstete sich Meister Dingelmann mit seinem jungen „Assistenten" zum Empfange der in jeder Beziehung außerordentlichen Kundschaft — mit einer Akkuratesse und einer stummen Feierlichkeit, als sähe er der verantwortungsvollsten Operation in seinem Berufe als „approbtrter Bader" entgegen. Genau fünfzehn Minuten vor Zehn mußte Nazi den Laden schließen, daß nur durch einen Thürspalt das Licht der Gasstamme auf die Gaffe hinausdrang, den Erwarteten den Weg zu weisen. Eine halbe Stunde später rollte eine Droschke in das Gäßchen und hielt vor dem Friseurgeschäfte. „Da find sie!" lispelte Nazi, und der Principal drohte ihm schon mit dem Finger, ihn zum Schweigen zu ermahnen, als hinge davon ihr irdisches Heil ab. Der Mann stieg zuerst aus und half einer dicht vermummten, weiblichen Gestalt aus dem Wagen. Sie traten in den Laden, von Dingelmann und Nazi nur mit stummen Verneigungen begrüßt. Der Herr mit dem Cylinderhut sprach ebenfalls keine Silbe und bedeutete dem Friseur blos durch einen Wink, den Laden zu schließen. Nazi that es in einer gewissen fieberischen Erreaung, die von Secunde zu Secunde zunahm Diese geheimntßumgebene Dame, die ihr Bruder mittlerweile zu einem Stuhle geführt hatte, fesselte sein ganzes Interesse. Ein dunkler, grünlich schillernder Seidenpelz ohne Aermel umhüllte die schmächtige, kleine Gestalt vom Halse bis fast zu den Füßen, eine schwarzseidene Gesichtslarve mit dichtem Unterschleier ließ gerade nur die kleinen Ohren und einen schmalen Hautstreifen der Stirne frei; ein kostbarer, schwarzer Spitzenfhawl, mit vieler Grazie umgeworfen, bildete die Kopfbedeckung. Ihr Begleiter trug unter seinem Pelze ebenfalls schon das Masken- costüm, wie au» feiner hellbraunen Beschuhung, dem grauen Trtcot an den Waden und aus einer rothen Sammetmütze zu ersehe« war, die au» der einen Tasche seines Pelzrockes hervorsah. Zu diesem Aufzuge eines mittelalterlichen Nobile, wie er gestern angedeutet halte, mußte sein brünette», gelbliches Gesicht mit dem pechschwarzen Haupt- und Barthaar ganz vorzüglich passen. Aber Nazi hatte nur einen ganz flüchtigen Blick für den Mann. Sein Hauptstreben richtete sich darauf, die „schöne Unbekannte" aurzuforschen, — denn daß sie wirklich schön, „schön wie eine Göttin" sein müßte, das war für seine jugendliche Phantasie eine sofort ausge- machte Sache. Der Bruder zeigte für sie eine ganz außerordentliche Sorgfalt. Er ließ es sich nicht nehmen, ihr selbst alle die Dienstleistungen zu widmen, die zur Vorbereitung de» von Herrn Dingelmann bedungenen Toilettenwerkes gehörte«. Er nahm ihr das Spitzenfichu ab, nestelte ihr den Kragen des Pelzmantels auf und schlug diesen so weit über die runde Lehne des Frifirstuhles zurück, daß der herrlich geformte, schneeweiße Nacken der Dame, umschlossen von dem goldgestickten Rande einer hellblauen, ausgeschnittenen Costüm- taille, sichtbar wurde. Wenn aber Nazi darauf gerechnet hatte, nun auch endlich der Gesichtszüge der Dame ansichtig zu werden, so sollte er sich getäuscht haben. Dieser fatale „Bruder" schien es sich in den Kopf gesetzt zu haben, seine Schwester wie ein Märchengeschöpf zu behandeln, dessen Anblick der profanen Alltagswelt verschlossen bleiben müsse. Er flüsterte ihr einige Worte in einer fremden Sprache zu, die sie nur mit leisen Kopfnicken beantwortet. Die Maske nahm er ihr nicht vom Gesichte. Ja, als er bemerkte, daß Nazi unausgesetzt in den Spiegel sah, vor dem die Dame saß, um wenigstens die Augen zu fixiren, die aus der Seidenlarve leuchteten, — da rückte er sie mit dem Stuhle soweit seitwärts, daß sie zwischen die beiden Wandspiegel zu sitzen kam und nunmehr jihre Rückenseite zu sehen war. Ehe Meister Dingelmann an sein Werk schritt, bedeutete er dem Nazi unter einem Rippenstoß, sich hinter den Vorhang des „Kämmerchens" zurückzuziehen, da er sofort wahrnahm, wie lästig dem eleganten Fremden die Gegenwart de» neugierigen Burschen war. Nazi war aber gar nicht böse über diese Verbannung; jetzt brauchte er ja dem Principal nicht an die Hand zu gehen und konnte — durch Vermittelung eine» Loches in dem verschlissenen Vorhänge — seine Beobachtungen in ungestörter Muße fortzusetzen. Meister Dingelmann löste den griechischen Knoten, in welchem das Haar der Dame gebunden war. Die Maske war mit feinen Gummispangen an ihren kleinen, rosigen Ohren befestigt, sodaß sie bei der Aufgabe de« Friseur» kein Hinderniß bildete. Dingelmann war sehr überrascht von dieser Fülle herrlichen Haares, die seine kunstgeübten Hände entfesselten. Was war das für eine Marotte, diesem seltenen Blond, um das sie Tausende beneiden konnten, durch ein Färbemittel künstliche „Auffrischung" verleihen zu wollen! Wäre er nicht so dringend genöthigt gewesen, stch allen Launen seines Auftragebers zu unterwerfen, so hätte er die Gegenvorstellungen des gewissenhaften Fachmannes nicht zurückgehalten. So begnügte er stch nur mit einem ftagenden Blick, auf den der Herr mit einem leichten Kopfnicken antwortete. Der Fremde hatte auf dem nächsten Fristrseffel Platz genommen und nach einer Zeitung gegriffen, die auf dem zweiten Spiegeltijchchen gelegen; aber er la« nicht, sondern behielt hinter dem Blatte die Hantirung Dingelmanns fortwährend im Auge: wie dieser die Flasche aus dem Schrank hervorlangte, sie auswickelte und den Inhalt auf einen Schwamm goß, mit welchem er die Tinctur auf das Haar der maskirten Dame auftrug. Das Haar erlitt unter dieser Procedur wirklich nur eine ganz unwesentliche Veränderung, eine Erhöhung de« Gold- glanzes, wie sie allenfalls auch mittelst Pomade hätte bewirkt werden können. Als Dingelmann da« Geschäft der „Färbung" vollendet hatte, ging er daran, diese« bewundernswerth reiche Haar in eine kunstvolle Phantastefrisur zu ordnen, die er sich zu dem ihm angedeuteten Costüm der Dame extra ausgedacht hatte. (Fortsetzung folgt.) 504 - GeinernnLLtzigs- und das Licht oder die beliebig lange auf- ^ninoviftischer Rebactiott: 8. Sch-Ydg. — Druck nvb »erlag der Brühl'schm UrüverfiMS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Ließen. Reinigung verstaubter OelgemLlde. Verstaubte Delgemälde reinigt man am besten mit einem kalt gewordenen Absud von Seifenwurzeln in Wasser, den man mit einem sehr weichen Schwamm austrägt. Da ältere Bilder meist dick mit Firniß überzogen find, genügt es, ihnen den alten Glanz durch einige Tropfen Mohnöl wiederzugeben, die mit dem Ballen der Hand oder einem feinen Zeugballen so dünn wie möglich auf der Bildfläche verrieben werden. • e Gedämpfter Wickelbraten. Man nimmt hierzu das Nierenstück ohne Nieren, hackt den Rückgratknochen ab »nd löst die Rippen heraus. Dann nimmt man Speck, Zwiebeln, Pfeffer und Salz, etwas gehacktes Kalbfleisch, Eier, etngeweichter Weißbrod und bestreicht mit der Farce die in* «endige Seite, rollt es auf und umwickelt es mit einem Bindfaden. Dann legt man den Braten in reichlich kochende Butter, läßt ihn ringsum anbraten und gießt dann kochendes Wasser, etwa */4 Liter, dazu und läßt ihn mürbe werden. Die Sauce wird durch Sahne sämig gemacht, das Fett etwas abgeschöpft. * ♦ Schwedischer Salat.* Gebratener Rindfleisch, rothe Rüben» Aepfel, in der Schale gekochte Kartoffeln, Sellerie, so viel, daß man von jedem Vt Liter hat, werden in Würfel geschnitten; auch Vä Kilo gewässerte, entgrätete, einige Tage marlnirte Sardellen schneidet man in keine Stücke. Einige hartgekochte Eidotter streicht man durch ein Sieb, fügt Del, Esstg, Pfeffer, etwa» englisches Senfmehl, einen Eßlöffel voll Kapern, ebensoviel feingehackte Esfiggurken, eine Prise Zucker, da» nöthige Salz hinzu, schwenkt die würflig geschnittenen Sachen damit durch, läßt den Salat etwa» ziehen, giebt ihn in die Salatschüffel und garnirt sie mit einem Kranz von feingehacktem, hartgekochtem Eigelb, abwechselnd mit eben* solchem Eiweiß und in Del und Essig angemachten Lattich. Will man den Salat al» Hors-d’oeuvre geben, so legt man frische, eben aus den Schalen gebrochene Austern darauf. Jägersteisch, ein sehr schmackhaftes Gericht, wird also gekocht: Mageres Rindfleisch, auch Herz vom Rind, welches billig, wird in Würfel zerkleinert und mit Fett, dem nöthigen Pfeffer, Salz und Zwiebeln weich gedämpft. Wenn ziemlich weich, gestäubt, mit Wasser oder Brühe aufgefüllt und ebenso* viele in Würfel geschnittene Kartoffeln als Fleisch daran ge* geben und unter öfterem Umrühren gar gekocht. * • * Kuhmaul. Das Kuhmaul wird gut gereinigt, dän« wie Rindfleisch einige Stunden gesotten, bi» es schön weich ist; hierauf wird e» in Stücke geschnitten und folgende Sauce dazu gemacht: E» wird Fett heiß gemacht, zwei Löffel Mehl darin schön gelb geröstet, Fleischbrühe oder Wasser dazu gegossen, mit Pfeffer und Muscatnuß gewürzt, nach Belieben ein wenig Essig beigegeben und das Fletsch in der Sauce noch einige Minuten gekocht. Hagestolz-Logik. „Sie-find doch schon über die Vierzig, Herr Jnspector — warum helrathen Sie eigentlich nicht?" — ß„Ja, sehen Sie: 'ne Alte mag ich nicht ein junges Mädel wäre dumm, wenns mich nähm', und ein dummes Mädel mag ich nicht!" Um Kartoffeln in einen zubewahrenden Futterstoff Hitze und Kälte. Lehrer: „WelcheEigenthümlichkeiten hat die Hitze?" - Schüler: „Die Hitze dehnt Alles aus." - Lehrer: „Und die Kälte?" —Schüler: „Sie zieht Alles zu- sammen." — Lehrer: „Gut, beweise mir das." — Schüler: „Im Sommer bei der Hitz' sind die Tage lang und im Winter bei der Kält sind sie kurz!" Abgewinkt. Als Edwin Booth im Wintergarten in London die Theaterdirection führte, erhielt er einer Tages einen Brief von einem Geistlichen, der ihm mittheilte, er möchte ihn in seinen Hauptrollen sehen, doch wünschte er, wenn irgend möglich, durch eine Seitenthüre in's Theater gelassen zu werden, da er, wenn er durch den Haupteingang käme, Gefahr liefe, von den Besuchern seiner Kirche gesehen zu werden. Edwin Booth beantwortete den Brief sofort und lehnte das Anerbieten mit den Worten ab: „Mein Herr, es giebt in meinem Theater keine Thüren, durch die Gott nicht sehen kann." e * Verwandt. Pensionsvorsteherin: „Wer war der junge Mann, welcher Sie vorhin grüßte?" — Fräulein Elsa: „Ein Verwandter." — Vorsteherin: „Verwandt? In welchem Grade?" — Elsa: „Im höchsien Grade." Leset nicht im Nett! In vielen Häusern herrscht bei Erwachsenen und sogar bei Kindern die Unart, des Abends im Bette zu lesen- Will der Schlaf nicht kommen und steht die Erfahrung fest, daß er sich durch Lesen einstellt, so ist diese Gewohnheit zu entschuldigen, obwohl auch dann nicht räthlich. Wenn aber frische, junge Mädchen oder Knaben, welche sich nur hinzulegen haben, um alsbald zu schnarchen, ihr Bett mit dem Buch in der Hand besteigen, weil dasselbe so spannend ist und man auf den Ausgang der Geschichte nicht bis morgen warten kann, so ist dies eine Thorheit, die sehr schlimme Folgen nach sich ziehen kann. Größte Strenge ist hier nöthig: denn wer einmal diese Unart angenommen hat, kommt sehr schwer von ihr los «nd kann bald nicht mehr einschlafen, ohne ein Buch in der Hand zu haben. Der Schlaf vor Mitternacht ist überaus werthvoll. Wie leicht wird aber derselbe einem spannend geschriebenen Buche geopfert! Sin Gefühl der größten Abspannung in den Gliedern, lüde Augen, ein schläfriger Geist, zu spätes Aufstehen, Unlust zur Tagesarbeit und vor allen Dingen Schädigung der Gesundheit sind die Folgen. Wie leicht auch kann Feuer entstehen, wen« der Lesende einschlief Petroleumlampe rnnwarf! In der Tanzstunde. Primaner: „Donnerwetter, tanzt aber Deine Schwester schwer!"—Secunbaner: „Sie hat sich neulich vier Zähne mit Eement plombiren lassen!" • * e Was ist der Gipfel des Widerspruchs? Wenn ein Löwe und ein Tiger sich um eine Beute reißen, und der Tiger den Löwenantheil bekommt. . .. umzuwandeln, hat AimS Girard in Paris vorgeschlagen, die rohen Kartoffeln zu zermahlen, au« dem erhaltenen Brei dar Wasser soweit wie möglich durch hydraulische Pressung zu entfernen und denjBrei endlich auf Horden zu dörren, jedoch bei so mäßiger Hitze, daß keine Stärke in Dextrin umgesetzt wird. Dar sich hierbei ergebende Mehl (welche« außer Stärke noch alle Faserstoffe enthält, die bei der Stärkebereitung ausgeschieden werden) soll von nicht unangenehmem Geschmack sein und wenn die Kartoffeln in geschältem Zustande bearbeitet wurden, sogar zur Bereitung von Speisen benutzt werden können. Jedenfalls aber würde der Erfindung, wenn sie sich im Uebrigen bewähren sollte, der Vorzug anhaften, daß man ebensowohl die Gefahren des Gefrierens und Faulen« der im rohen Zustande aufzubewahrenden Kartoffeln vermeidet, als man Raum und dis Fracht für das den Rohkartoffeln anhängende, für die Ernährung nutzlose Wasser spart.