h das Licht o muß man leich dunklen at fast dem mehr Wasser Feldfrachten t versäumen, Erde einzu« ht wird. SSckereie« uter Dünger, , mit deren reinigt wird. len entfernt chende Milch, fort; je nach« uß wiederholt :m Läppchen, seife, indem >en läßt, um kethode, Eier in, daß man Liter Wasser gesäuberten ut abtrocknet, b oder eine sie« Ort auf« Herr. Wenn )sen Gesetzte Semüseabfälle und Schalen hat noch den was viel zu anderweitige irthschaft, so Hw ach ange« !eichfalls dar wirklich zu toll, f ohne Theel" das wäre ja , fahren Sie Die Vor- fchkenkutfcher: „Haben Sie den Character leber: „Aur- »fett muß es bleiben." - mal so gräß« tgehen." da) in Gießen. ßj LSI ' -- %$&&&& Unlerhaltungstilatt nun Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). Falsches Spiel. Roman von E. v. Linden. ------- (Nachdruck verboten.) 1. Capitel. Der Rittmeister. Ein herrlicher Spätsommer-Abend sandte seine letzten Strahlen über Wälder und Felder, welche in! diesem Augenblick das vollendete Bild einer idyllischen Ruhe darboten. Soweit das Auge des Beschauers reichte, wurde es vom Erntesegen gefesselt, dessen goldene Garben der Einfuhr harrten. Die Knechte und Mägde waren singend heimgekehrt, den ersten Erntewagen begleitend, und seinen hochgethürmten Inhalt rasch unter das schützende Dach bergend. „Und das Scheunthor schloß sich knarrend." Auf der ziemlich hochgelegenen Veranda des stolzen schloßartigen Herrenhauses saß ein alter Herr, der seine sechzig Jahre schon zählen mochte, obwohl die hohe, breitschulterige Gestalt sich noch immer fest und stramm aufrecht hielt. Das sonnenverbrannte Gesicht mit den klaren, blauen Augen, und dem militärisch gestutzten grauen Schnurrbart besaß einen jovial - gutmüthigen Ausdruck. Da das kurz geschnittene graue Haar den militärischen Anstrich der ganzen Erscheinung vollendete, so machte man auch in der Thal keinen Fehlschuß, den alten Herrn für einen ehemaligen Soldaten zu halten, welchem Stande er thatsächlich vor einer langen Reihe von Jahren angehört hatte. „Herr Rittmeister", so hörte er sich am liebsten nennen, weshalb ihn auch seine Untergebenen sowie alle Dorfbewohner in der ganzen Runde niemals anders titulirten. Dieser joviale Rittmeister war der Schloßherr und Besitzer des Rittergutes Altinghof, der größten und reichsten Herrschaft einer gottgesegneten Landschaft, welche sich hoch oben im deutschen Norden in dem meerumschlungenen Schleswig-Holstein, wo die Wiege unserer jungen Kaiserin gestanden, unter dem Namen „Angeln" erstreckt. Wir stehen hier auf dem uralt-historischen Boden der Angel-Sachsen, und echter Sohn dieses Landes war Baron Justus von Alting, ein Edelmann von Kopf bis zur Sohle, der in den Augen seiner Standesgenoffen nur den einen großen unverzeihlichen Fehler begangen hatte, unvermählt zu bleiben. Er hätte heute noch mit seinen sechzig Jahren bei dem ersten Adel anklopfen können, ohne befürchten zu müssen, einen Korb zu erhalten, was ihm aber gar nicht einfiel, obwohl er der letzte seines alten Geschlechtes war und mit ihm der Name Alting ausstarb. Vor zwei Jahren hatte er plötzlich von einer längeren Reise ein junges, sehr schönes, achtzehnjähriges Mädchen mitgebracht, welches er seinen Freunden und Bekannten ohne Weiteres als feine Adoptiv-Tochter Ellen vorstellte. „Sie ist von guter Familie, die Waise eines verstorbenen Freundes, der ihr nichts weiter hat vererben können, als seinen unbefleckten Namen und eine gute Erziehung, um Gouvernanten-Brot zu essen. So bin ich nun im Umsehen zu einer Tochter gekommen und weiß doch nun, wer mich dereinst beerbt". Mit diesen Worten hatte Baron Alting die junge Dame in die ihr von nun an gebührende Stellung eingeführt und ihr damit auch sofort ein Heer von Bewunderern und Hei- raths-Candidaten geschaffen, was dem alten Herrn ein ganz besonderes Vergnügen zu gewähren schien, zumal die „Baroneß", wie die Dienerschaft, die für sie durchs Feuer ging, sie nannte, — noch bis heute keinem einzigen Bewerber dis geringste Hoffnung auf Erhörung gegeben hatte. An diesem Eingangs bemerkten Abend saß die junge Dame dem Rittmeister auf der Veranda gegenüber. Zwischen ihnen stand ein gedeckter Tisch, worauf sich zum Abend nur die eigenen wirthschaftlichen Erzeugnisse befanden, das schöne kräftige Schwarzbrod, das dort im Norden seinen Namen mit Recht verdient, die goldgelbe Butter, der wohlschmeckende Käse, nebst Schinken und Mettwurst, alles zierlich mit grünen Blättern garnirt, sowie gebackene und weichgekochte Eier. „Nicht wahr, mein Töchterchen," sagte er, au« einem antik geformten Kruge die beiden geschliffenen Gläser mit einem schäumenden Braunbier füllend, „es geht nichts darüber, sich sagen zn können, alle diese herrliche Gottesgaben wachsen und gedeihen auf Deinem eigenen Grund und Boden, liefern Dir den Tribut für Dein Dasein, bis auf diesen Gerstentrank, den wir ebenfalls selbst bereiten." ,, »So ist es, mein herzlieber Vater," erwiderte Ellen, ihr Glas erhebend und mit ihm anstoßend. „Es giebt nichts Schöneres als bas Landleben, das heißt, wies hier bei Dir ist, aus dem Vollen heraus. Der arme Bauer hals nicht immer gut, im Gegentheill So weit des Rittmeisters Scepter freilich reicht, blühen Zufriedenheit und Wohlstand, doch anderswo —" _ , »Ja, mein Kind, das ist nun einmal nicht zu ändern," rrüstig über das Abendbrod hermachend, achselzuckend ein, „dergleichen sentimentale Gedanken mußt Du Dir abgewöhnen. Wir können nicht alle gleich sein, und arbeiten muß ein Jeder von uns. Ich wette, daß man wieder Deine bekannte Herzensgüte gebrandfchatzt hat." „Diesmal nicht, ich habe mich nur zufällig durch den Augenschein überzeugt." Ellen sah eine Weile finnend in die Ferne und begann dann ebenfalls zu essen. «Na, lege nachher los, Du barmherzige Seele," bemerkte der alte Herr, fie blinzelnd anschauend, „erst das Geschäft und dann das Vergnügen." w 1 In diesem Augenblick brachte ein Diener die Posttasche, welche der Reitknecht von der zwei Stunden entfernten Bahnstation geholt hatte. Er legte fie auf einen Stuhl und entfernte fich. Baron Alting ließ sich nicht stören, sondern aß ruhig weiter nach seinem Lebens - Motto: „Alles zu seiner Zeit." Als das Mshl beendet war, der Diener geräuschlos ab- getragen hatte, zündete fich der Rittmeister eine Cigarre an, Me semüthlich zurück und sagte: „So, nun lege los, kleine Philantropinl" „Willst Du nicht erst Deine Post nachsehen? Meine Geschichte eilt nicht, Väterchen!" »Recht so," nickte dieser, ein Bund Schlüssel hervorziehend und mit dem kleinsten die Tasche öffnend. Ellen blickte ihm erwartungsvoll zu. Die Post, welche der Reitknecht täglich von der Station holte, und die zumeist aus verschiedenen Zeitungen und Journalen bestand, hatte stets einen geheimnißvollen Reiz für die junge Dame, die wir bei dieser Gelegenheit unseren Lesern vorstellen wollen. Sie war in der That eine wunderschöne Blondine mit sanften blauen Augen, und jenem blaffen, von matter Röthe angehauchten Teint, welche ihr Adoptiv - Vater recht treffend mit der weißen Rose, die Mädchen-Röthe heißt, verglich. Ihre zarte, mittelgroße Gestalt war schlank und biegsam, ihre Haltung tadellos vornehm. „Sie gehört unzweifelhaft zu uns," sagten die Standes- Genossen. Die Herren waren einfach entzückt von ihr, während die Damen sie für einen Eindringling und die Handlung des Barons für einen schmählichen Verrath erklärten, weil er in diesem Falle sich eine unbemittelte Tochter aus ihren Kreisen hätte auswählen können. Wer sollte sich wohl geweigert haben, seine Erbin zu werden? Uebrigens war diese vornehme Damenwelt auch keineswegs von der Ebenbürtigkeit des „Eindringlings" ganz über- zsugt, obwohl Ellen in der That die Tochter eines dem angehörigen, bei Düppel gefallenen Offiziers, Mutter aber eine Bürgerliche gewesen war. Die arme Wittwe hatte den Gatten, der sie erst in vorgerückten Jahren zum Altar hatte führen können, nur wenige Jahre besessen. iFen J”at dem Tode des Vaters geboren worden und das Schmerzenskind der unglücklichen Mutter, die nur mit einer geringen Pension, ohne eigene Verwandte und Angehörige in die Heimath, welche jetzt eine preußische Provinz geworden war, zurückkehrte. "ach Schleswig führte der Zufall unseren Baron mit einem ehemaligen Kameraden, der mit ihm unter bättif^et Herrschaft in einem Regiment gedient und nach denSturmjahren von 1848 bis 1850, welcheAlting mit ihm in der damaligen schleswig-holsteinischen Armee durchgekämpft hatte, in den preußischen Dienst eingetreten war. Sie sprachen von alten Zeiten, von alten Kameradschaften, bei welcher Gelegenheit auch der Name ,Torstenson" fiel. w „Er war ein guter Kerl," bemerkte Alting, „ein trefflicher Kamerad, und sicherlich auch ein tapferer Soldat, der als Held gestorben ist. Wissen Sie, daß er sich einmal bei- nahe für mich geopfert hätte, als ich, ein lustiger Spring- insfelo, ohne Urlaub einen mehrtägigen Ausflug machte? — Er war mein Premier und nahm einfach die Sache auf sein Conto, wäre er nicht so gut beim Oberst angeschrieben gewesen, dann hätte es ihm die Carriöre kosten können Aber der Alte, dem er schon einmal einen großen Dienst er- wiesen haben sollte, drückte ein Auge zu und gab ihm nur acht Tage Stubenarrest, die ich ebenfalls abbrummen mußte. Der brave Torstensou hat mir leider nie Gelegenheit gegeben, ihm diese That zu vergelten. Gott sei gelobt, daß wir uns später als Feinde, zumal 1850, nicht direct gegenüber ge- standen haben." «Möchten Sie jenes in der That hochherzige Opfer ihm noch heute vergelten, wenn Sie es könnten?" fragte der preußische Offizier. „Welche Frage, lieber Freund. — Zeigen Sie mir die Gelegenheit dazu, und ich werde fie mit tausend Freuden ergreifen." „Nun wohl, lieber Baron, eine solche ist in der That äugenblicklich vorhanden. Torstenson hat fich erst in reiferem Alter verheirathet, er fiel, wie Sie wissen, 1864 bei Düppel, und hinterließ seiner Wittwe nur eine schmale Pension. Nach Kinern Tode wurde ein Kind, ein Töchterchen geboren. Die unglückliche Frau, welche als Bürgerliche von seinen hoch- müthigen, aber unbemittelten Verwandten abgeschüttelt wurde, erhielt von Dänemark die Erlaubniß, ihre Wittwen-Pension hier in Schleswig', ihrer Vaterstadt verzehren zu dürfen. Nun, sie hat sich wacker durchgeschlagen; die Arme, hat ihrer Tochter, die sich zu einem sehr schönen Mädchen entwickelt hat und jetzt achtzehn Jahre zählt, eine gute Erziehung gegeben und sie dadurch in den Stand gesetzt, sich ihr Brod als Erzieherin zu verdienen —" „Sie kennen also Frau von Torstenson, sie lebt hier^" unterbrach Baron Alting den Erzähler, sich ungestüm erhebend, „bitte, führen Sie mich sofort zu der Dame." „Einen Augenblick noch, alter Freund!" bat der Offizier, den wir Oberst Ferseck nennen wollen. „Ich bin noch nicht zu Ende. Ein Zufall brachte mir vor einem Jahre bett Namen in Erinnerung, ich forschte weiter nach und fand die arme tapfere Frau auf dem Krankenlager, von dem fie sich nicht wieder erheben sollte." „Sie wollen doch nicht sagen, daß sie tobt ist —" „Sie starb vor acht Tagen, ich stand als Leidtragender an ihrem Grabe." Der Baron reichte dem Oberst bewegt die Hand. «Ich danke Ihnen dafür im Namen unseres gefallenen Kameraden", sagte er, sich heftig räuspernd, „und nun — wie stehts um die Hinterbliebene Tochter?" «Sie hat bereits die nöthigen Inserate in den gelesensten Journalen und Zeitungen wegen einer Stellung als Erzieherin oder Gesellschafterin —" „Nichts da, das fehlte noch," rief Alting, ihm hastig ins Wort fallend, „wie konnten Sie ihr dazu rathen, Herr Oberst?" „Ja, lieber Gott, was soll ich denn anfangen? — Sie haben gut reden, Baron I — Glauben Sie etwa, daß die Arme mir nicht leid thut! — Aber ich habe keine kleinen Kinder und meine Frau braucht keine Gesellschafterin, obwohl sie mütterliche Liebe für sie hat. Und nebenbei läßt sich diese Ellen auch keine Wohlthaten aufdrängen, sie besitzt einen Stolz, dem schwer beizukommen ist." „Wie hat fie sich gegen ihre kranke Mutter benommen?" fragte Alting nach einer Weile. „Geradezu aufopfernd," erwiderte der Oberst, „glauben Sie, daß sie etwas von uns angenommen hätte? Gott bewahre, höchstens eine für sie unerschwingliche Erfrischung für die Kranke. Mit unermüdlichem Fleiße hat sie gearbeitet, ihre Kenntnisse verwsrthet, und die Nächte bei der Mutter durchwacht. Natürlich steht sie jetzt erschöpft und leidend aus, und wenn Sie etwas für das arme Kind thun wollen, lieber 9” 399 Baron, dann muß die Geschichte höchst zart angefaßt werden, da sie im Punkt der Ehre verteufelt empfindlich ist.« ,,Jst auch ganz in der Ordnung,« rief Baron Alting, nachdenklich an seinem Schnurrbart zupfend. „Sehen Sie, mein bester Oberst, - ich bin ein alter Junggeselle geblieben und lebe so für mich auf meinem Gute, das ich damals nach anno fünfzig, als mein Vater starb, verkaufen mußte, weil ich, ein ehemaliger dänischer Offizier, mich als Deutscher gefühlt und — na, Sie waren ja in der gleichen Verdammntß und hätten fich damals auch nicht wieder in der schleswig- holsteinischen Hetmath blicken lassen dürfen. Im Grunde aber,« setzte er lächelnd hinzu, „lief der Verkauf auf eine Verpachtung hinaus; mein Pächter, der allerdings als gesetzlicher Käufer gelten mußte, war unser langjähriger Verwalter, ein ehrenhafter, braver Mann, der mir den Pachtzins während meines Exils prompt zahlte. Na, ich habe mich damals in der Welt weidlich umgesehen, und als dann Schleswig-Holstein eine preußische Provinz wurde, kehrte auch ich zurück und über- nahm aufs Neue meinen geliebten Besitz, nach welchem ich mich halbtodt gesehnt hatte." „Sie hatten also doch immer die Hoffnung auf einen Wechsel der Verhältniffe festgehalten?« fragte der Oberst dann lächelnd. „Hätte ich denn sonst noch weiter leben können? — Sie glauben nicht, wie fest das Herz an der ererbten Scholle hängt, — wie hetmathlos ich mir draußen trotz reicher Geldmittel vorkam und wie ich mich endlich in Hamburg niederließ, um nur in der Nähe der geliebten Heimath weilen zu können. Daß es sich so schnell entscheiden sollte, wagte ich nicht zu hoffen, obwohl ein Thronwechsel in Dänemark unzweifelhaft irgend eine Katastrophe erwarten ließ." „Gewiß, eine Hauptsache dabei war nun allerdings auch der glückliche Zufall, daß in Preußen ein König ans Ruder gelangte, welcher den Zeitpunkt wahrnahm, um in Schleswig- Holstein den Grundstein zum deutschen Einheitsbau zu legen. Nun, laffen wir das, mich wundert nur, daß Sie, ein Mann in den besten Jahren, als reicher Grundbesitzer sich damals nach Ihrer Heimkehr nicht verheirathet haben." „Ich fand keine Frau nach meinem Herzen und! befand mich schließlich ganz wohl dabei.« Der Baron hatte diese Worte kurz und heftig hervorgestoßen und ein Schatten sich über sein sonst freundliches Gesicht gelegt. „Pardon, Herr Kamerad!« sagte der Oberst, „kommen wir also auf unfer eigentliches Thema zurück. Nur fällt mir noch ein, daß Sie einen jüngeren Bruder hatten, der damals, ich meine 1848, Seecadett in Kopenhagen war. Blieb er in dänischen Diensten?" Baron Altings Gesicht glich jetzt einer Wetterwolke. „Er ist tobt," erwiderte er kalt , ..doch reden wir nun von Torstensons Tochter, mein lieber Oberst! Sie ist also hier in der Stadt?" „Ja; was gedenken Sie für sie zu thun?" „Ganz einfach, ich nehme sie mit nach Minghof.« „Hm, als was denn eigentlich, wenn ich fragen darf?« Alting sah den Oberst etwas verduzt an. „Als was?" wiederholte er langsam, „ich dächte, sie könnte ebenso gut Gesellschafterin oder meinetwegen Repräsentantin bei mir als bei irgend einem anderen sein.« Oberst Ferseck lachte belustigt auf. „Möchten Sie dem jungen verwaisten Mädchen wirklich dieser Anerbieten mache«, Baron Alting?« fragte er dann sehr ernst. Dieser zupfte ungeduldig an seinem Schnurrbart. „Na, zum Teufel noch einmal, ich kann sie doch nicht heirathen und mich vor der Welt lächerlich machen? Könnte ja zur Roth ihr Großvater sein." „Wer spricht von heirathen, mein lieber Baron, das Mädchen bedarf eines Beschützers und Rathgebers, mit einem Worte -t eines Vaters.« „Herrgott, will ich ihr denn das nicht von ganzem Herzen sein?« rief Alting, ungeduldig aufspringend. „Gewiß, gewiß, aber Ellen Torstenson ist jung und schön und Sie find ein reicher, lediger Herr, die Welt nimmt dergleichen nicht so arglos auf, wie Sie es thun, Herr Kamerad! — Nur das, was irgend eine gesetzliche Form erhalten hat, wird von ihrer Schmähsucht verschont, insofern die Ehre nicht direct angegriffen werden darf. Da Ihr Bruder tobt ist, kein näherer Verwandter somit geschädigt würde, so meine ich —« „Daß Sie Recht haben, alter Freund, und ich ein Holz- köpf bin, nicht gleich auf diesen vernünftigen Gedanken zu kommen," unterbrach ihn der Baron freudig erregt, „ich adoptire ste einfach, dann hat die Welt nichts mehr daran herumzumäkekeln. Kommen Sie, Obersti, führen Sie mich zu meiner Tochter)" Daß Ellen Torstenson, als der gute Rittmeister ihr Alles mitgetheilt hatte, und ste nun so herzlich bat, ihm zu gestatten, die alte Schuld der Dankbarkeit in solcher Weise abtragen zu dürfen, nicht nein sagte, war selbstverständlich, und wenn sie auch nach der gesetzlich erfolgten Adoption ihres Vaters Namen ablegen und sich Baroneffe Alting nennen mußte, so war dies für ein junges Mädchen, das bei einer Heirath doch den Namen wechseln mußte, nur von geringer Bedeutung, wie der Oberst Ferseck hrrvorhob. Für die Waise aber war das tröstliche Dichterwort: „Drum laß uns fest an diesem Glauben halten: Ein einz'ger Augenblick kann Alles umgestalten l« zu einer märchenhaft schönen Wirklichkeit geworden. 2. Capitel. Ein verhängnißvoller Brief. Nach diesem nothwendigen Rückblick kehren wir wieder auf die Veranda des Schlosses in Minghof zurück, wo der alte Rittmeister soeben die Posttasche revidirte und Ellen wie ein neugieriges Kind auf die Neuigkeiten aus der großen Welt, die ihr die Journale und Zeitungen brühwarm verkündeten, etwas ungeduldig harrte, da der Vater bei allen Dingen sehr gemächlich zu Werks ging. Zuerst kamen die Zeitungen, dann die Journale, welche die junge Dame sofort an sich nahm, um sich die Illustrationen anzusehen, als ein Ausruf des Vaters, der wie ein gepreßter Schrei erklang, sie erschreckt aufblicken ließ. Der alte Herr hielt einen Brief in der Hand und starrte mit völlig erblaßtem Gesicht auf die Adresse. „Väterchen, was fehlt Dir?" rief Ellen, sich rasch er- hebend und zu ihm tretevd, „woher kommt dieser Unglücks- brief, der Dich, noch uneröffnet, schon so entsetzt?" Sie warf einen Blick auf die Adresse und sah, daß er, nach den Briefmarken zu rechnen, aus Amerika kam. „Es ist nichts, mein Kind," erwiderte der Baron, den Brief hastig in die Brusttasche seines Jackets steckend. „Die Handschrift sah mir nur wie die eines Mannes aus, der längst todt ist. Es kam mir so gespensterhaft vor, daher mein Erschrecken. Nimm's nicht Übel, liebes Herz, wenn ich drinnen den Gespensterbrief lese, kannst mir die Lampe auf mein Zimmer schicken und den herrlichen Abend hier weiter genießen.« (Fortsetzung folgt.) Merkwürdige Wanderungen. Seit altersher ist der Mensch bewußt und unbewußt der Träger und Verbreiter thierischer wie pflanzlicher Organismen gewesen, so daß durch ihn zahlreiche Thier- und Pflanzenarten vön ihrer ursprünglichen Heimath nach ganz entfernten anderen Punkten unseres Planeten gebracht worden sind. Schon die Karthager, und nach ihnen die spanischen und portugiesischen Seefahrer, hatten die Gewohnheit, auf den von 400 — ihnen entdeckten Inseln deS Atlantischen, des Indischen und de« Stillen Ocean« die Hausthiere ihrer Heimath auszusetzen, und wo auch der civilisirte Mensch später in bislang unbekannte oder unbewohnte Gebiete" eindrang — überall pflegte er seine Hausthiere mitzubringen, dis dann in der neuen Heimath häufig verwilderten. Indessen, nicht blos Hausthiere waren es, die der Mensch in fernen Gegenden einzuführen bestrebte, nicht allein Nutzthiere im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern auch andere ihm zur Ernährung dienende Geschöpfe. So ist im frühen Mittelalter der aus dem nördlichen Afrika stammende Damhirsch nach Europa gebracht worden, aus Kleinasien wanderten die Fasane zu uns und aus dem Osten kam der Karpfen, um einer der Lieblingsfische der deutschen Volkes zu werden. Früher gab es noch keine Bienen in Amerika, sie sind erst mit den ersten Europäern in der neuen Welt aufgetaucht, um hier alsbald zu verwildern. Mit den deutschen Auswanderern gelangte das Rothkehlchen, der Fink, der Zeißig in den amerikanischen Urwald unb;itt den australischen Busch, allerdings auch der nichtsnutzige Spatz, der früher jenseits des Atlantischen Oceans und bei unseren Antipoden ganz unbekannt war, nun aber dort wie hier zu einer förmlichen Landplage geworden ist. Eine ganze Reihe thierischer Organismen sind aber auch mit dem Menschen durch die Welt gewandert oder wenigstens seinen Spuren nachgefolgt, ohne daß dies von ihm beabsichtigt, ja selbst nur geahnt worden wäre. Gar manche Schmarotzer sind mit dem Menschen und seinen Hausthieren nach Gebieten gekommen, wo man vorher von der Existenz solcher unangenehmer Gesellen höchstens vom Hörensagen gewußt hatte. Nach Neuseeland gelangte der gewöhnliche Floh erst durch die Europäer und characteristischer Weise nennen die Eingeborenen, die Maori, das liebe Thierchen den „kleinen weißen Mann", hiermit also das Ursprungsland des kleinen Blutsaugers in einer für uns Europäer keineswegs schmeichelhaften Art andeutend. Die Wanze ist seit den Kreuzzügen aus ihrer orientalischen Heimath über den größten Theil der Erde verschleppt worden, die Ratte aber gelangte als „blinder Passagier" der Seeschiffe in alle Welttheile, selbst die arktischen Regionen nicht ausgenommen. Mit den Vorräthen, den Lebens- und Genußmitteln des Menschen kam die gewöhnliche Stubenfliege, die wahrscheinlich ein ursprünglicher Bewohner Asien« ist, in« Abendland. Ebenso ist die Küchenschabe muthmaßlich au« dem Morgenlande nach Europa eingeschleppt worden, und zwar al« die letzten Reste der merkwürdigen Völkerwoge der Kreuzzüge nach ihrem Ausgangspunkte zurückflutheten. Anderseits hat uns aber auch Amerika mit einer Schabenart beschenkt, die sich immer mehr in Europa einzubürgern beginnt, ebenso sind die Reblaus und der Kartoffelkäfer aus Amerika unserem Erdtheil aufgehalst worden. Doch auch zahlreiche pflanzliche Organismen verdanken dem Menschen direct oder indirect ihre Verbreitung über die Erde. Direct ist dies dadurch geschehen, daß der Mensch durch den Anbau von Getreide u. s. w. eine Menge anderer pflanzlicher Organismen verbreiten half; so sind z. B. die sogenannte Kornrade, die Klatschrose und der Rittersporn, Gewächse, die erst durch den Getreidebau au« dem Südosten Europas nach dem centralen Europa gelangten. Indirect verhilft der Mensch vielen Pflanzenarten zu ost weiten Wanderungen dadurch, daß ihre Samen Güterballen, Kleidungsstücken, ja Briefen anhaften und auf solche Weise Hunderte und tausende von Meilen weit nach ganz entfernten Punkten unseres Planeten gelangen. Im südlichen Australien, namentlich in der Umgebung von Adelaide, finden sich zahlreiche Arten von Unkräutern vor, die vorher nur am Cap der guten Hoffnung, in Südamerika und zum Theil in Japan anzutreffen waren, offenbar sind sie aus diesen Gebieten durch den Schiffsverkehr nach dem jüngsten Erdtheile gekommen. Bei uns in Deutschland gibt es auf Eisenbahnböschungen, auf Schutthaufen, an Wegböschungen einen eigenthümlichen Pflanzenwuchs, welchen der Botaniker mit dem Collectivnamen „Ruderatenflora" - bezeichnet. Alle die hierzu gehörigen Pflanzen sind im Osten \ heimathsbecechtigt, von dort find ste auf den Canälen des menschlichen Verkehrs hergewandert, ja, eins von ihnen, der Stechapfel, verdankt seine Verbreitung direct dem Menschen, nämlich den Zigeunern, die den Stechapfel gegen gewisse Viehkrankheiten schon längst verwandten und ihn aus dem Osten mit nach Europa und Deutschland brachten. Viele andere Pflanzen, die bei uns schon seit langer Zeit das Bürgerrecht besitzem, sind ebenfalls Einwanderer aus fernen Zonen, wie die Stachelbeere, die wilde Tulpe, die kleine, schwarze Hyazinthe. Die von unseren Gärtnern so gefürchtete Wasserpest ist in den canadifchen Seen daheim, von wo aus ste zunächst nach Schottland verschleppt wurde, um dann ihren Zug auch durch den Continent anzutreten. Nicht nur durch den Menschen, sondern auch durch Thiere geschieht übrigens ebenfalls die Verbreitung verschiedener Organismen. Die Vögel picken Samen auf und helfen dieselben nachher auf natürlichem Wege nach neuen Punkten verbreiten und daselbst eine ganz neue Pflanzenwelt aufbauen. Der Vogel, welcher an seinen Füßen das sogenannte „Entenflott" oder „Entengrütz", und mit letzterem die Eier von Wafferthieren fortträgt, veranlaßt hierdurch die Besiedelung anderer Wasserflächen mit neuen Bewohnern, und so ließen sich noch gar manche Beispiele für die mehr oder weniger hervortretende Rolle anführen, welche Thiere bei den Wanderungen von thierischen und pflanzlichen Organismen spielen. Schließlich gibt es aber noch interessante und merkwürdige Wanderungen ganz besonderer. Art, nämlich jene der sogenannten Wanderfische. Wie viele Zugvögel im Sommer unsere Gegenden aufsuchen, um hier ihre Jungen aufzuziehen, so wandern auch manche Fische, um für ihre Nachkommenschaft zu sorgen, indem ste passende Oertlichkeiten zur Ablagerung ihres Laiches aufsuchen. Die einen ziehen zu diesem Zwecke vom Meere aus die Ströme hinauf, die andern steigen umgekehrt aus den Flüssen nach dem Ocean hinab. Zur ersteren Art der Wanderfifche gehört u. A. der Lachs, der hauptsächlichste Vertreter der letzteren Art ist der Aal. Diese Fische haben auf dem langen Wege, den sie während der Laichzeit, die Flußläufe entlang nach dem Meere oder in umgekehrter Richtung zurücklegen müssen, begreiflicher Weise die mannigfachsten Hindernisse zu überwinden, aber der Wandertrieb wirkt in ihnen so mächtig, daß sie schwerlich vor irgend einem Hemmniß zurückschrecken. Selbst Wasserfälle, wenn sie nicht zu hoch sind, werden von den Wanderfischen überwunden; in Irland z. B. gibt es einen Fluß mit einem 14 Fuß hohen Wasserfall, über welchen sich die aus dem Meere in diesem Flusse hinaufziehenden Lachse hinaufschnellen. Der Rheinfall bet Schaffhausen freilich bildet selbst für den sprungkräftigsten Lachs ein unüberwindliches Hinderniß, und hieraus erklärt es sich, weshalb im Bodensee keine Lachse anzutreffen sind. Zu den schwierigsten und gefährlichsten Theilen dieser Fischwanderungen gehört der Uebrrgang aus dem Salzwasser des Meeres in das Süßwasser der Flüsse und ebenso der Eintritt aus dem letzteren in den Ocean, da bei zahlreichen Individuen der betreffenden Fische der Uebsrgang aus Seewasser in Süßwasser, und desgleichen aus letzterem in ersteres Gefäßzerreißungen u- f. w- und somit den Tod zur Folge hat. Im Allgemeinen ist jedoch die Frage, warum die Wanderfische wandern noch nicht völlig erschöpfend aufgeklärt, wenn man auch weiß, daß es sich hierbei im Wesenlichen um die Sorge dieser Fische für ihren Laich handelt- Jedenfalls wirkt der seltsame Wandertrieb, speciell beim Lachs, ungünstig auf dessen Vermehrung ein, insofern, als alljährlich sehr viele Lachse bei ihren Wanderungen durch Ermatten, ferner infolge des Schiffsverkehrs in den größeren Flüssen und dann namentlich auch durch Abflußwasser der Fabriken zu Grunde gehen; aus allen Urkunden geht denn auch hervor, daß in vielen Flüssen die Lachse früher weit zahlreicher anzutreffen waren, als dies heute der Fall ist. Aedaction: I. SB.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.