»WW -M»N stoaseS'^Er- sE^ttzM isa’i MMtWHMMrW MML-M.ZLrKMÄ^Ä RRMWW '-k/L-Ad ^/3äÜ?äS WWKHKWK MMOMW MHMMKMi üirJik'nbrvilk'r isksker Mm Gießener Anzeiger (General-AnMger), Donnerstag den 26 November 189«. Die Brüder. Novelle von Reinhold Orlmann. ------- (Nachdruck verboten.) I. Am frühen Morgen schon drängte sich das Volk in den S trotzen, die der große Festzug passtren mußte. War doch seit Tagen kaum noch von etwas Anderem die Rede gewesen al» von ihm, und gab es unter den frohlebigen Bewohnern der schönen alten Kunststadt doch sicherlich keinen, der ohne die zwingende Nothwendigkeit auf den Anblick des mit Spannung erwarteten Schauspiels verzichtet hätte- Diesmal soll es etwas besonders Schönes werden, hieß es überall, und wenn auch seit Menschengedenken Jahr für Jahr die nämliche Parole für das berühmte Frühlingsfest der Künstlerfchaft ausgegeben worden war, so klang sie darum doch nicht minder gläubig und zuversichtlich von Mund zu Mund. Auch durfte man heute vielleicht in der Thal besondere Erwartungen hegen, denn der Festzug sollte ja nichts Geringeres als einen „Triumph der Phantasie" darstellen, und kein anderer Vorwurf schien so wohl geeignet als gerade dieser, der üppigen Erfindungsgabe des Künstlervölkchens eine beinahe schrankenlose Bethätigung zu gestatten. „Sie kommen I — Sie kommen!" ging es durch die geduldig und wohlgelaunt harrende Menge, als sich von fern her schmetternde Trompetenfanfaren vernehme» ließen. Und wie nun die Spitze des Zuges in Gestalt dreier reich geschmückter Herolde hoch zu Roß vom Marktplatz her in die Hauptstraße einbog, flogen auch schon die Hüte in die Luft und winkten weiße Tücher in schönen Händen den Nahenden fröhlichen Gruß entgegen. Die Hoffnungen, die sich auf eine seltene Augenweide gerichtet hatten, wurden nicht getäusckt. So Schönes, Prächtiges, Herzerfreuendes meinte man wirklich nie zuvor gesehen zu haben- Des Beisolljauchzen» und Tücherschwerkens war kein Ende. Au» den Fenstern wurden Blumen auf die Vorbeiziehenden geworfen, und helle Zurufe flogen hin und wieder. Aber wie lebhaft sich auch Angesichts mancher wohlgelungenen Gruppe das bewundernde Staunen der Menge äußern mochte, zu einer wahrhaft enthusiastischen Huldigung gestalteten sich diese Kundgebungen doch erst beim langsamen Herannahen des von zehn schneeweißen Raffen gezogenen, hoch aus dem bunten Gewimmel aufragenden Triumphwagens der Phantasie. In kühnem, farbenreichem Aufbau stieg der luftige Thron der Göttin empor. Holde weibliche Wesen, die vom Scepter der Phantasie regierten Künste versinnlichend, saßen oder lagerten anmuthig hingestreckt auf seinen Stufen, und in sinnverwirrender Mannigfaltigkeit umschwärmte das prunkhafte Gefährt eine wirbelnde Menge von Gestalten, die den verschiedensten Zeiten und Völkern zu entstammen schienen, in denen man aber bei näherer Betrachtung die lebendige Verkörperung vieler weltberühmter Meisterwerke erkannte, wie die Phantasie begnadeter Künstler sie vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden geschaffen. Es waren prächtige Erscheinungen in diesem Schwarm, edle, durchgeistigte Köpfe und jugendliche Leiber von klassischer Schönheit- Beinahe Jeder und Jede hätten voll berechtigten Anspruch auf die Bewunderung der Zuschauenden gehabt, und wenn sie dennoch die verdiente Beachtung nicht fanden, so hatten sie er einzig dem Alles überstrahlenden unvergleichlichen Liebreiz des herrlichen Frauenbtldes zuzuschreiben, dem ihre Huldigungen wie die der Menge galten. In weich niederfließende griechische Gewänder gekleidet, deren nachgiebiger Faltenwurf alle Wunder einer vollendet ebenmäßigen Gestalt offenbarte, den schimmernden Hals und die schlanken Arme, die schöner sicherlich nie unter dem Meißel eines griechischen Bildners hervorgegangen waren, unverhüllt den entzückenden Blicken des Volke» preisgebend, stand sie königlich stolz hoch droben unter dem purpursammeten Thronhimmel, aus großen, glänzenden, dunklen Augen träumerisch auf die Menge niederschauend, von einer Fluth nachtschwarzen, seidenweichen Gelocks umwallt und ein nixenhaftes, bezauberndes Lächeln auf den rothen Lippen. Von den goldenen Federn auf ihrem Haupte bis berab zu den Sandalen, die das zierlichste Füßchen umschlossen, war Alles an ihr von Märchen- haster Holdseligkeit und von einer versührerischen Anmuth die bethörend auch auf die kältesten Sinne wirken mußte. Es gab keine Schönheit mehr neben der jihrigen, zünd der Eindruck des mit so verschwenderischem Pomp aufgebauten Prunkwagens würde nicht geringer gewesen sein, auch wenn 554 er keinen anderen Schmuck hätte aufweisen tönnett als die ideale Vollkommenheit dieses köstlichen Menschenbildes. Wohin auch der Zug auf seinem langen Wege bi» nach dem Ollthore kam, überall umbrauste sie derselbe überschwengliche Jubel und überall hieß es unter den Zuschauern mit neugieriger Frage: „Wer ist ste? — denn Niemand erinnerte sich, daß er dies Antlitz und diese Gestalt, die man doch sicherlich nicht so leicht wieder vergaß, je zuvor gesehen, und nur ganz vereinzelt fand sich Einer im Publikum, der seine Umgebung darüber aufklären konnte, daß die Göttin der Pantasie Luigia Gozzoma sei, dieselbe italienische Sängerin, die vor einigen Tagen bei ihrem Auftreten im Stadttheater mehr durch den unwiderstehlichen Zauber ihrer Perlönlichkeit als durch ihre Kunst einen rauschenden Erfolg davongetragen. Schon war der Zug bi» in die Nähe des Thores gelangt, als sich geilt Zwischenfall ereignete, der gar leicht zu einer traurigen Unterbrechung des verhängnißvoll begonnenen Festes hätte werden können. Ob das holprige Pflaster die Schuld daran trug oder ein im Wege liegendes Hinderniß, das die Voraufschreitenden übersehen, genug, der hochge- thürmte Aufbau des schwerfälligen Triumphwagens gerieth plötzlich so stark ins Schwanken, daß die Göttin das Gleich- gewicht verlor und mit einem Schrei von ihrer luftigen Höhe herabstürzte. Wie ein einziger Angstruf ging es durch die Menge, denn man mußte ja erwarten, den schönen Körper im nächsten Moment blutig auf den kantigen Steinen der Straße liegen zu sehen. Und der staunenswerthen Geistesgegenwart eines einzigen wuthigen Mannes war es allein zu verdanken, wenn dieses Gräßliche nicht geschah. Selbst die in unmittelbarer Nähe befindlichen Personen hätten nachher kaum anzugeben vermocht, wie sich da» R-ttungswerk so blitzschnell hatte voll- ziehen können. Auch ste sahen eigentlich nur, daß ein hoch- gewachsener schlanker und kraftvoller Jüngling in jenem malerischen Costüm, welches Rubens auf dem bekannten Gemälde von der Befreiung der Andromeda dem Perseus gegeben, urplötzlich auf der halben Höhe des Wagens stand und die willenlos hingegebene Gestalt der gestürzten Phantaste mit seinen nervigen nackten Armen umschlungen hielt. Im Fallen mußte er sie aufgefangen haben, und er war glücklicherweise stark und gewandt genug gewesen, festen Fußes seinen Stand auf dem schwankenden Gefährt zu behaupten. Ein paar Secunden lang noch herrschte ringsum othemlose Stille dann aber, al» man erkannte, daß alle Gefahr vorüber fe brausten hundertstimmige Bravorufe zu dem tapferen jungen Recken empor, und der Jubel wuchs schier ins Unermeßliche, da sich Luigia Gozzoma jetzt lächelnd und erröthend aus der unfreiwilligen Umarmung losmachte, um wieder zu ihrem Throne emporzusteigen. Es war nur natürlich, daß sie sich dabei auf die dargebotene Rechte des ritterlichen Perseus stützte, und das Publikum konnte nach dem Voraufgegangenen kaum etwas Befremdliches darin erblicken, daß er nun auf dem letzten Absatz halb neben und halb unter ihr stehen blieb, wie um sie gegen alle weiteren Fährltchkeiten zu schützen. Ja, es war sogar außer Zweifel, daß die Gruppe auf dem Wagen durch diesen Zuwachs, wie wenig programmgemäß er auch sein mochte, noch um ein Bedeutendes gewonnen hatte. Der kühne, chäracteristische Kopf des höchstens Fünfundzwanzigjährtgen hatte in dem Schmuck des mächtigen, blinkende» Griechenhelmes etwa» imponirend Heldenhaftes, und seine breite, hochgewölbte Brust, seine schlanken, und doch muskelschwellenden Glieder einten sich zu einem Gefammtbllde edler Männlichkeit, daneben dem weiblichen Liebreiz seiner dunkelockigen Partnerin um so augenfälliger und sympathischer wirkte. „Es ist der Bildhauer Werner Eggestorf/ wußten Diejenigen zu berichten, die nähere Beziehungen zu der Künstlerschaft unterhielten, „Derselbe, der vor drei Jahren für feine «Andromeda" den großen Rompreis erhalten. Wie es scheint, kann er die Sprachkenntniffe, die er sich während seines italienischen Aufenthaltes erworben, jetzt sehr gut verwerthen." Und so schien e» in der That. Was die Beiden da oben miteinander sprachen, hörte allerdings Niemand; aber daß sie sich ebenso lebhaft wie angenehm unterhielten, ver- riethen sowohl das holdselige Lächeln der Sängerin als die feurigen, schier verzückten Blicke, mit denen die Augen de» ungen Künstler» unablässig an ihrem Antlitz hingen. Für hn war während dieses letzten Theiles der Fahrt offenbar Iberhaupt nichts Anderes mehr vorhanden als die schöne Göttin Phantasie, und als der Zug dann den eigentlichen Schauplatz des Festes, einen für das große Publikum abgesperrten Theil des Stadtwaldes erreicht hatte, ging e» über fein Gesicht wie ein Ausdruck der Ueberraschung und zugleich wie ein Schatten des Mißvergnügens über das all' zu frühe Ende dieses traulichen, ungestörten Zwiegespräches, das sie inmitten der tausendköpfigen Menge hatten führen dürfen. Vor dem hoch ausragenden phantastischen Burgbau, der hier wie durch Zauberei gleichsam über Nacht ewporgewachsen war, und dem man es erst bei sehr genauer Betrachtung an- sah, daß er nicht aus cyklopPchem Gestein, sondern vornehm- lich aus Holz, Leinwand und Pappe gefügt worden, machte der Pi unk wagen Halt, und an der Hand ihres Beschützer« stieg Luigia Gozzoma herab, umringt und umjubelt von ihrer ganzen bunten Gefolgschaft. Unter einem reichgeschmückten Zeltdach, dem Burgportal gegenüber, war aus erhöhtem Podium ein vergoldeter Sessel aufgestellt, von dem aus ste dem jetzt beginnenden Festspiel zusehen sollte, und mit dem Anstand einer Königin begab sie sich auf diesen Platz, um den sie von allen weiblichen Anwesenden gewiß nicht weniger glühend beneidet wurde, als um die Rolle, die sie vorhin in dem Zuge gespielt batte. Werner Eggestorf wich nicht von ihrer Seite, und wenn er auch nicht mit ihr plaudern, sondern ihr nur hier und da eine kurze Bemerkung zuflüstern konnte, so war doch allem Anschein nach die Möglichkeit, sich au» unmittelbarster Nähe in dem Anblick ihrer Schönheit zu versenken, für ihn noch immer ein köstlicher Genuß. , , Nach Beendigung de« Spiele, freilich mußte er sich ein wenig zurückziehen, denn eine erlauchte fürstliche Persönlichkeit, die das Künstlertest durch Ihr Erscheinen geehrt hatte, würdigte die holde Darstellerin der Phantaste gnädig einer längeren Unterhaltung, doch auch jetzt ließ der junge Bildhauer sie nicht au» den Augen, und bestürzt, wie ein zäh aus tiefem Traum Erweckter, fuhr er zusammen al» plötzlich eine ernste Stimme neben ihm sagte: „Du kannst, wie es scheint, Deine Braut in dem Gewühl nicht wiederfinden. Ich sah ste soeben mit ihrem Vater drüben bei dem Blumenzelt, und ich hoffe, Du läffest sie da nicht länger auf Dich warten." Der diese Worte gesprochen hatte, war ein Mann in einfachem schwarzem Scholarencostüm. Er mochte um drei oder vier Jahre älter sein als Werner Eggestorf, und so augenfällig auch eine gew'ffe Aehnltchkett ihrer Züge war, so grundverschieden war doch der Gesammteindruck ihrer Erscheinungen. Weder die strotzende Kraft, noch das Ebenmaß der Gestalt, noch das Feuer in Blick und Geberde, die da» Aeußere de» Jüngeren so feffelnd und imposant machten, waren dem Anderen eigen. Etwas Eckiges und Unbeholfene» war in feiner hageren Figur, und wenn er, wie in diesem Augenblick, mit gefurchter Stirn und fest zufammengepreßten Lippen vor sich hin sah, lag etwas beinahe abstoßend Finstere» auf seinem mehr intelligenten al» schönen Gesicht. Auch die Miene de» Anderen, die eben noch da» hellste Entzücken gespiegelt hatte, verdüsterte sich zusehends. „Ich danke für die freundliche Auskunft," erwiderte er kurz. „Vermuthltch ist es Margarethe selbst gewesen, die Dich mit diesem Auftrage geschickt hat." „Nein. Aber Du könntest Pe vielleicht verfehlen. Komm mit mir; ich werde D>ch zu Ihrem Platze Wen. Mit kaum noch verhehltem Unwillen schüttelte Werner den Kopf. „Es bedarf dessen nicht — ich werde sie schon finden. Uebrigens muß sie sich ein wenig auf ihre eigene Hand zu 555 entschwanden. II. " ^Margarete hängte sich leuchtenden Antlitze» in seinm Arm, der schwarze Scholar aber, der von ihnen unbemerkt, während der kleinen Scene hinter einem Pfeiler de» Blumen- zelte» gestanden und den Blick nicht von ihrem Tische wegge« wandt hatte, schaute ihnen mit tiefernster Miene "ach, bi« sie seinen Augen in einem der jung begrünten Laubgänge den Hof machst, ist ja alle» in schönster Ordnung. Nur mA mich'» bedünken, al» hätte man befler gelhan, für diese« mühevollen Posten einen unverlobten Jünglmg au»mwählen. Eine heiße Röths stieg in Werner Eggestori» Wangen auf, aber es blieb ungewiß, ob e»|bie Gluih de» Zornes oder der Beschämung gewesen war, da Margarete ihm garnicht Zeit »u einer Erwiederung ließ. „ r , _ 8 Der Vater spricht natürlich nur im Scherz, sagte sie mit einem reizenden Lächeln, indem sie zugleich ihre schma« len weißen Finger liebkosend auf die Hand de» Bildhauers legte. „Er weiß ja recht gut, daß ich nicht eifersüchtig bin — auf die wunderschöne Italienerin so wenig als auf sonst Jemanden. Und ich verlange auch gar nicht, daß Du immer bei uns sein und Dich beständig nur um mich kümmern sollst. Wenn Du nur hie und da ein Viertelstüadchen für mich übrig hast, bin ich schon zufrieden." Ihre liebenswürdig heitere Art und das denckthige Ver« trauen in ihren Worten konnten unmöglich ohne Eindruck auf ! ihn bleiben. Er führte ihre Hand an feine Sippen, daun erhob er sich wie mit einem energischen Entschlüsse. Komm!" sagte er. „Wir wollen einen Spaziergang durch den Park machen. Ich glaube, es siebt da mancher« wjubereden. __ ^Q8 hMn rolr freilich nicht gewußt," meinte der Alte sarkastisch, „und wenn Du nur in Deiner Eigenschaft al» Comitömitglied dieser Sängerin so auffallend amüsiren suchen. Ich kann doch unmöglich auf Schritt und I I Tritt neben ihr herlaufen." „ , t .. Ich weiß nicht, ob sie das verlangt; aber sie hat jebett« Ms ein Recht, zu verlangen, daß Du endlich aufhörst, einer I Anderen nachzulaufen." , c Werner Eggestorf hatte eine heftige Antwort auf den Lippen, aber er besann sich eines besieren, noch ehe er sie I auszusprechen begonnen, und kehrte dem Bruder mit einem I geringschätzigen Achselzucken den Rücken. Der Weg nach dem Blumenzelt war nicht wenig weit; I ober der Bildhauer hatte es so wenig eilig, sich durch die Menge zu winden, daß eine geraume Zeit verging, bevor er I dahin gelangte. Der leichte Bau, unter dessen buntem Seinen» I dach malerisch gekleidete junge Damen zu irgend einem wohl- Ihätigen Zweck die duftenden Kinder des Frühlings feilboten, war dicht umdrängt; abseits aber, in der Umgebung der Estrade, auf der später eine 6-pHe zum Tanze spielen sollte, chatten sich nur erst vereinzelte kleinere Gruppen gebildet. Langsamen Schritte», ohne die vorige Freudigkeit in Haltung und Miene, näherte sich Werner Eggestorf einem Tische, an dem ein alter Venezianer mit langwallendem «rauem Vollbart neben einem jungen Mädchen im Costüm «inet Florentinerin aus den Renaiffance-Zeit saß. Sie waren Beide de» Ankömmlings nicht früher gewahr geworden, al» bis er hart neben ihnen stand, und mit einem kleinen Aufschrei freudigster Ueberraschung hob die junge Dame ihre wunderhübschen braunen Augen zu seinem Gesicht. „Wie gut, daß Du kommst, Werner'. Fmg ich doch beinahe an zu glauben, Du habest mich ganz vergessen." „Eine sehr ttörichte Vermuthung, liebe» Kind! Und ich Hoffe, 'Dich jedenfalls jetzt vom Gegenthe l überzeugt zu haben. | Aber was für ein sonderbarer Platz ist e», den Ihr Euch Hier ausgesucht habt. Hattet Ihr Euch denn schon während de» Festspiels in diesen entlegenen Winkel geflüchtet? ,Wir waren so frei," entgegnete der alte Herr verdrießlich. " ,E» ist eben nicht nach Jedermanns Geschmack, zu sehei^ wie sich diese gespreizten jungen Leute, die in ihrer Kunst noch nicht das Geringste geleistet haben, von allen Seiten umschmeicheln und hofiren laflen, während man uns Alle geflissentlich ignorirt. Natürlich, wir haben uns ja überlebt und wir sind nichts als elende Stümper, die eigentlich bei diesen Knaben in die Schule gehen müßten 1 - Ich sitz- da mnd ärgere mich, daß ich schwach genug war, mich auf Euer Zureden in dies Narrenkleid zu stecken." Der Bildhauer schwieg. Das junge Mädchen aber schmiegte sich schmeichelnd an den Unzufriedenen und sagte mit -einet weichen, Hellen Stimme, die ebenso frisch und kindlich wat al» ihr feinet, anmuthiges Gesichtchen: „Du thatest es mir zu Liebe, Väterchen — und deshalb bin ich auch sicher, daß Du es nicht bereust." h Unter den grimmig zufammengezogenen Brauen des Alten leuchtete es warm und zärtlich auf. „Na ja, ich dachte Dir ein Vergnügen zu machen, wenn wir auf das Fest gingen, das ich fett sechs Iahten nicht mehr besucht habe. Ader es sieht nicht gerade aus, als ob meine Erwartungen sich erfüllt hätten. Meine angenehme Gesellschaft hättest Du auch daheim genießen können, .und sonst scheint sich hier ja Niemand um Dich zu kümmern. Werner Eggestois hatte sich niedergelasien und den schweren Helm vor sich aus den Tisch gelegt. Voll inniger Bewunderung hing der Blick de» Mädchens an feiner Schön« beit, aber er vermied es gefl ssentlich, diesem Blick zu begegnen. „Wenn das ein Vorwurf gegen mich fein soll," bemerkte et gereizt „so möchte ich Euch doch daran erinnern, daß ich als Mitglied des Festausschuss.-» hier gewiffe Verpflichtungen Habe, denen ich mich nicht aus Rücksicht auf Margarete ganz und gar entziehen darf. Ich hätte, wie mit scheint, allerdings bester gelhan, Euch darauf gleich bei der Einladung Fast eine Stunde lang hatte sich Werner Ezgestotf ans- schließlich seiner anmuthigen Braut, gewidmet, und wenn e, ein Opfer gewesen war, das er ihr damit gebracht, so hätte ihre beglückte Heiterkeit, die dankbare Freude, die sich in ihrem Benehmen kundgab, ihn wohl dafür entschädigen können, doch es hatte nicht den Anschein, als ob es ihr gelungen fei, ihre sonnige Stimmung auch auf ihn zu übertragen. Seine anfängliche Munterkeit, die vielleicht von vornherein etwa» Erkünsteltes gehabt hatte, war mehr und mehr einer auffallenden Unruhe und Zerstreutheit gewichen. Er hatte nur noch mit halbem Ohr auf Margarethen» liebens, würdiges Geplauder und hatte ihr zuletzt so einsilbige Antworten gegeben, daß allgemach auch sie ernster und Mer geworden war. Aber fo wenig er vorhin das glückselige Leuchten aus ihrem lieben Gesichtchen wahrgenommen hatte, fo wenig bemerkte er jetzt den Schatten stiller Betrübniß, der sich darüber auszubreiten begann, und er sah natürlich auch nichts von dem verrälherifchen Zucken ihrer Sippen, al» er plötzlich mitten in der Erwiderung auf eine ihrer Fragen abbrach, um in schlecht verhehlter Erregung unver« wandt nach einem einzigen Punkte h^ustarren. Ja dem lustigen, farbenreichen Durcheinander, da» sich inzwifchen auf den Rasenplätzen und unter benSaumtronen des Parkes entwickelt hatte, war unvermuthet die Gestalt I der italienischen Sängerin so nahe vor ihnen aufgetaucht, daß sie nur wenige Schritte hätten zu thuu brauchen, um sogar die einzelnen Worte des Gespräches zu verstehen, das sie mit ihrem Begleiter führte. ,, _ Werner Eggestorf kannte diesen Begleiter wohl. Es war ein junger Maler, der neuerdings durch einige ab« sonderliche Bilder viel hatte von sich reden machen und dem man außerdem nachsagte, daß er für die Frauen ganz unwiderstehlich fei, die vertraute und dreiste Art, in der er sich jetzt mit Luigia Gozzoma unterhielt, schien diesen seinen Ruf vollauf zu rechtfertigen, umsomehr, als das ausdruck-volle Mienenspiel der Sängerin kaum einen Zweifel über das lebhafte Wohlgefallen ließ, daß sie an ihrem Gefährten sand. Ihre dunklen Augen lachten ihn ebenso verführerisch an als ihre rotben Lippen, und jetzt löste sie sogar au» dem Strautz, den sie in der Hand trug, die schönste Blüthe, um sie ihm ! zu reichen- 556 Gemeinnütziges. Topfkuchen. Man rühre 1/2 Kilo Butter zu Sahne und gebe nach und nach 8 ganze @ter und 1 Pfund Zucker dazu (abwechselnd 1 Löffel Zucker und ein Et), etwas Citronen- schale, 1 Obertasse lauwarme Misch, 1 Kilo Weizenmehl, 20 gehackte Mandeln (oder noch besser Corinthen und Rosinen) und zuletzt 5 Gramm doppelkohlensaures Natron und 10 Gramm Cremortartari. Natron und Cremortartari ver- menge man mit etwas Zucker und rühre es durch einen feinen Durchschlag, damit keine Küchelchen mit hinein kommen. Der Teig wird in eine mit Butter und gestoßenem Zwieback be- reitete Stein- oder Blechsorm gegeben. Der Kuchen kann sofort gebacken werden; er geht beim Backen auf. Man kann ihn aber auch schon am Abend vorher anrühren und beliebig hinstellen, er wird so nie mißrathen und findet stets großen Beifall. ♦ * Maeearoui-Auflauf.* Aeußerst schmackhaft. Man setze 1 Taffe Milch, ebenso viel Waffer, etwas Schmalz und Butter sowie etwas Zucker ans Feuer, thut, wenn es kocht, ‘/s Pfund Maccaroni hinzu und läßt sie mit etwas Salz gar kochen. Ist es abgckühlt, gebe man 3 bis 4 Eier, das Weiße zu Schaum geschlagen, und fein gestoßene süße Mandeln dazu und läßt es in einer Auflaufform P/2 Stunden backen. Wenn der Teig vor dem Backen zu trocken ist, gießt man noch etwas Mllch daran. * » Pragerkuchen. Man* reibt frisches Schwarzbrod oder Pumpernickel auf einem Reibeisen, mischt das Geriebene mit gestoßenem Zucker und abgeriebener Citronenschale. Alsdann schnerdet man recht mürbe Aepfel in dünne Scheiben, vermischt sie gleichfalls mit Zucker und besprengt sie mit Rum. Nun streicht man eine Form recht fett mit Butter aus, drückt auf den Boden eine fingerdicke Schicht Brot, bedeckt den Rand Er belohnte die Gabe mit einem langen, feurigen Kuß auf die weiße Hand, die fie ihm gespendet hatte. In dem nämlichen Augenblick aber gab Werner Eggerstorf den Arm Margarethens frei und sagte, ohne sie dabei auch^nur anzusehen: „Verzeih, wenn ich Dich sitzt für eine kurze Zeit verlassen muß — Dein Vater wird sich jedenfalls hier irgendwo in der Nähe befinden, und sobald ich mich freimachen kann, suche ich Euch wieder auf." Er wartete ihre Antwort nicht erst ab, sondern ließ sie einfach stehen und drängte sich durch dar Gewühl nach jener Stelle hin, wo er Luigia Gozzoma zuletzt gesehen. Zwei Minuten später befand er sich an der Seite der Sängerin, unverkennbar zum lebhaftesten Mißvergnügen des Malers, der feinen Gruß ohne sonderliche Wärme zurückgab. „Sind Sie denn wirklich noch unter den Lebendigen?" fragte Luigia in den weichen, schmeichelnden Lauten ihrer schönen Muttersprache. „Es ist eine kleine Ewigkeit, seit ich Sie nicht mehr gesehen." Werner suchte nach einer entschuldigenden Erklärung, doch der Maler kam ihm, zuvor. „Sie dürfen sich nicht darüber wundern," meinte er ironisch. „Verliebte haben nun einmal von Alters her eine unwiderstehliche Sehnsucht nach der holden Einsamkeit zu Zweien. Und als jung verlobten Bräutigam müssen wir Eggestorf doch wohl in der Kategorie der Verliebten zählen." „Ist es wahr? — Sie sind verlobt? — Und davon sagten Sie mir kein Wort? — Ah, ich gestehe, daß ich das gar nicht hübsch von Ihnen finde." Es klang wohl wie ein Scherz, doch der Blick der feurigen Augen, die sich dabet auf Werner richteten, trieb ihm das Blut heiß ins Gesicht. (Fortsetzung folgt.) der Form in gleicher Weise, legt in die Mitte die Apfelschnittsund bedeckt sie mit einer fingerdicken Schicht Brot, legt hin und wieder ein Stückchen Butter auf den Kuchen und bäckt ibn in mäßig heißem Ofen dunkelbraun, stürzt ihn auf eine Schüssel und bestreut ihn dick mit Zucker. Schnelles Feuer macht einen guten Koch — macht aber vor allen Dingen gutes Essen. Die Vorbereitungen können schnell hintereinander gehen, und die Speisen müssen direct vom Feuer auf den Tisch. Nur der Bouillontopf braucht langsames Feuer. • ♦ s Es ist nicht genug bekannt, daß Goldfische in den Monaten November, Dezember, Januar und Februar gar keines Futters bedürfen. In diesen vier Monaten kann die Fütterung ganz eingestellt werden, da durch die Futteraufnahme leicht eine für die Fische tödtliche Verstopfung herbeigeführt wird. Dagegen ist den Goltfiichchen auch im Winter alle vier Tage frisches Wasser zu geben, wobei darauf zu achten ist, daß dieses möglichst dieselbe Temperatur habe wie da» alte; ee ist daher längere Zei im Zimmer auszu- stellen. E» sei noch bemerkt, daß in den Monaten März, April und Mai nur sehr wenig und erst allmählig mehr Futter gereicht werden darf. » Buttermilchsuppe. 2-3 Schoppen Buttermilch rühre mit zwei Kochlöffel voll Mehl ab, gieße etwas Milch dazu, und koche dies unter Rühren auf. Salze und richte über Brotwürfel an. * , ♦ Hackbraten Das Fleisch wird fein gewiegt, die Wecke etngechercht und ausgedrückt, die Zwiebel fein geschnitten, Salz und Pf.ffer dazu, ein Löff-l Mehl, alles dies gut vermischt (nach Bel,eben auch 1 d,s 3 E,er). Von der Masse forme einen Knödel, ziemlich flach, und backe ihn in reichlich Fett hübsch gar und gelb^ ♦ Kaninchenbraten. Ein Kaninchen wird, wenn es ausgemetzget ist, in Stücke geschnitten und 2-3 Tage in eine Beize von Essig» Salz, Puffer, Citronenschale, Lorbeerblatt und Zwiebeln gelegt. Beim Kochen wird das Fletsch sodann schön gelb gebraten, ein Theil von der Beize und e.n Glas Wem htnzugegeben und weich gekocht. Statt der Beize und Wein kann man auch mit Fleischbrühe und Wein weich kochen. * , Belgraderbrod. Man rührt 2 Eier und 3 Eigelb mit 250 Gramm Zucker eine Zeit lang, mischt hieraus 250 Gramm geschälte und kletnwü, flicht geschnittene Mandeln, 30 Gramm Citronat und ebensoviel Pomeravzenschale, das Gelbe von einer Citrone, 15 Gramm Zimmt, 4 Gramm Nelken, 250 Gramm feines Mehl und ein wenig Potasche unter die Masse, formt Brödchen daraus und backt sie aus einem mit Butter bestrichenen Blech. * * Roh geröstete Kartoffeln Die Kartoffeln werden gewaschen, geschält, in kleine Würfel geschnitten und ms Waffer gelegt, aus demselben sofort in heißes Fett, in welchem man Zwiebeln hat anlaufen laffen, gegeben, zugedeckt und unter öfterem Schütteln langsam weichgekocht. Humoristisches* herein!" Das ist etwasAnderes. Student (im Bette liegend): „Zum Donnerwetter, welcher unverschämte Kerl will schon io früh zu mir?" - (Stimme von außen): «Der Güdbrief- träger." — Student: „O bitte, mein Herr, kommen Sie nur fflebaction: B. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversiMS-Buch- und Stcindrnckerei (Pietsch » Sch-Yda) in Meßen.