UntrrhaUungsblatt ;um Gießener Anpiger (Oenera1-An?eiger). Samstag des 26. SePLembtt Vzyjt M UWH W^WM WWLEBM ^WWMy. WUL Wss AWMMWD >WEsÄ Falsches Spiel. Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung.) Er las: „Mein verehrter Herr Hauptmann! — Ich muß Sie jetzt an Ihr Versprechen erinnern, meinen Sohn Justus nach Deutschland zu meinem Bruder, dessen Adresse .ich noch einmal am Schlüsse genau bezeichne, zu senden, da mein Ende nahe ist- Es wäre ja möglich, daß mein jüngster Sohn, den ich mit einem Briefe und dem Geburtsschein seines Bruders zu Ihnen geschickt habe, unterwegs von einem Unfall betroffen worden ist, weshalb ich den Inhalt meines Schreibens hier noch einmal wiederhole. Ich habe bereits an meinen Bruder geschrieben, und ersuche Sie nun, Justus sofort abreisen zu kaffen, Sie werden als Mann von Ehre Ihr Wort einlösen und das Reisegeld dazu liegen haben. „Es wäre eine Thorheit, ja, ein Verbrechen gegen meinen Sohn, ihn hier in untergeordneter Stellung verkümmern zu lassen, während er dort als Erbe eines stolzen Namens und des dazu gehörigen Vermögens glücklich und geehrt fein wird. Mein Bruder wird diesen Neffen lieben und ich werde mindestens mit dem Bewußtsein sterben können, noch in der letzten Stunde eine Pflicht gegen meinen Erstgebornen erfüllt zu haben, dessen volle Kindesliebe Ihnen zu Theil geworden ist. Möge er mir verzeihen und es mir nur als ein Verdienst anrechnen, ihn als zartes Kind bereits den allerbesten Händen übergeben zu haben, es war mehr, als was meine Vaterliebe ihm jemals hätte bieten können. Falls Sie seinen Geburtsschein! nicht erhalten haben, lege ich die Adresse des Geistlichen, der ihn getauft hat, diesem Schreiben bet, und wird Justus sofort nach seiner Ankunft in Newyork zu ihm gehen, um stch das Document zu verschaffen. Auch dieses Schreiben soll er mitnehmen und es meinem Bruder vorlegen, aber ich befehle die größte Eile und lege Ihnen seine schleunigste Abreise an's Herz. Ich wagte es nicht, meinem Boten diesen Brief mitzugeben, weil er bei Paulsen oder meinem Sohne, den ich so gern einmal gesprochen hätte, doch besser aufgehoben ist. Und nun leben Sie wohl, alter Freund, mein Leben war ein verfehltes und nutzloses, durch eigene schwere Schuld gegen meinen einzigen Bruder. Vielleicht kann ich ihm durch diesen gutenSohn einen Ersatz für sein einsames Alter geben und er wird dem Vater desselben verzeihen. Seltsam, daß meine Söhne mir, dem Ebenbild seiner Mutter, so sehr gleichen, daß sie für Zwillinge gehalten werden könnten, doch besitzt Justu» den Vorzug, durch seine Augen auf eine noch größere Familien-Aehnlichkeit Anspruch zu machen. Die Feder entsinkt meiner Hand, ich fühle mich einer Ohnmacht nahe. Ihr Hans Joachim von Alting." Der junge Romberg, wie wir ihn noch nennen wollen, starrte nach Beendigung der Lectüre unverwandt auf die Unterschrift, bis sich seine Augen mit Thränen füllten. Ein tiefes Mitleid und das schmerzliche Gefühl, dem Manne dennoch Dank schuldig zu sein, weil er bei ihm verwildert und verkommen wäre, schnürte ihm die Kehle zu, milderte aber auch zugleich die Abneigung, welche er gegen den Namen Alting empfunden, da er denselben stets in Verbindung mit jenem wüsten Rowdythum gebracht hatte, bas sich in Amerika so üppig entwickelt und sich auch in Deutschland schon unheimlich genug eingebürgert hat. Endlich erhob er sich, verschloß die beiden Briefe und begab sich hinaus in den Garten, den der alte Paulsen an» gelegt und zu einem Platze deutscher Behaglichkeit herange- pflegt hatte. Es war Sonntag heute, nach dem traurigen Begräbniß doppelt still auf der Farm. Der junge Mann wandte sich der Laube zu, wo er den Alten in trübe Gedanken verloren, ohne seine sonst unzertrennliche Pfeife fand. „Weshalb rauchst Du nicht, alter Freund?" fragte Romberg, sich neben ihn setzend. „Glaubst doch am Ende nicht, den heutigen traurigen Tag dadurch zu entweihen?" „Ich habe kein Verlangen darnach," seufzte der Alte, „mir ist das Herz schwer wie Blei und lieb wär's mir, wenn mein Hauptmann mich nachholte." „Das hättest Du ihm nicht sagen dürfen, Unteroffizier Paulsen! —" erwiderte Romberg, ihm die Hand auf die Schulter legend. „Du mußt auf dem Posten bleiben, weil er noch einen großen Dienst von Dir verlangt." „Dann reden Sie, Herr Romberg, ich werde blindlings gehorchen." — 4S0 ~ Sie meinen doch nicht, daß der Bösewicht dort bei dem Onkel Ihre Roll« spielen will, Herr Romberg?" fragte abwarten, Romberg, und da heißt'« nun, ihm den Borsprung abzugewinnen." Der junge Farmer seufzte und fuhr sich dann wie verzweifelt durch das volle dunkle Haar. „Heißt es nicht vielmehr, einen abscheulichen Wettlauf um Geld und Gut anstellen, der nichts weiter als die erbärmlichste Erbschleicherei bedeutet?" rief er aufstöhnend. „O, alter Freund, rathe, hilf mir, damit ich das Rechte thue und nicht Schiffbruch an meinem einzigen Reichthum, an „Lu hast es von Anfang an gewußt, daß ich fein Sohn „Ich wußte es; er «ar Ihnen aber stets ein besserer Vater al« der andere." „ r . „Dar steht mir im Herz geschrieben," versetzte der junge Mann mit weicher, thränenumflorter Stimme- „Doch daß ich zu jenen Menschen gehöre, deren Name tragen soll — „Wer zwingt Sie denn dazu?" fiel der Alte ungestüm ein, „steht's vielleicht in dem Unglücksbriefe des dänischen Lieutenants? Dann thut's mir leid, daß ich ihn nicht bei mir behalten und ihn nicht dem Räuber überlassen habe. Der junge Romberg dachte eine Weile nach und zuckte dann erschreckt zusammen. , . „Paulsen," sagte er halblaut, „ich habe die Mings n e gesehen, sage mir aufrichtig, ob ich so große Aehnlichkeit mit ih«bN„Das läßt sich nicht leugnen, junger Herr," erwidnte der etwas Alte zögernd. „Kommt natürlich daher, daß Sie beide, was das Aeußere anbelangt, nach dem Vater geartet find. Aber anders sehen Sie doch aus als der Bruder, das würde sich auch bald Herausstellen, wenn Sie nebeneinander ständem » le{ne A^ung, was der Brief vom Lieutenant Alting enthält?" fragte der junge Mann nach einer Weile. "Auch nicht, welche Papiere der junge Alting dem Hauptmann übergeben sollte ?" „Hab' keine Ahnung, Herr Romberg!" „Nun, der versiegelte Brief enthielt meinen Geburtsschein, den der Sohu des Lieutenant« also behalten hat , und der Inhalt des Briefe», den Jos Catton Dir auf fein Geheiß rauben sollte, war die Wiederholung dessen, was das erste Schreiben besagte, das also der Ueberbringer, der hier nicht erfthienen ist, ebenfalls, wie sein Vater befürchtet, behalten hat. Aber weshalb denn nur, was können dem wilden John Alting die Papiere nützen?" fragte Paulsen kopffchüttelnd. Hm, in dem Schreiben an Hauptmann Romberg, meinen unvergeßlichen Vater, beauftragte Lieutenant Alting ihn, mich nach Deutschland zu seinem Bruder zu senden, der dort, wie er wisse, unvermählt auf seinem Stammgut lebe. Er mahnte den Hauptmann an ein gegebenes Versprechen und drängte zur unverzüglichen Abreise. Ein Brief unseres theuren Tobten, den ich als sein Testament betrachte, hat mir Alles enthüllt und bestätigt. Ich muß sein Wort ein lösen, muß hinüber in jene« Land, das ihn hmausgestoßen hat und das ich ldeshalb Haffe. Du aber, mein alter Freund, sollst mich dorthin begleiten, da« ist sein Wille." „In die Heimath zurück!" — Der alte Schleswig» Holsteiner zuckte wie im freudigen Schreck zusammen. Es war immerdar sein geheimster Herzenswunsch gewesen, aber ohne seinen Hauptmann? - Er schüttelte kummervoll den grauen Kopf, und seufzte tief uud schwer. „Seinem Befehl muß ich gehorchen," sagte er, „wer sorgt aber für sein Grab? Wer für seine Farm?" „Darüber reden wir mit Herrn Sander, Alter, denke jetzt aber erst einmal darüber nach, weshab der junge fAIting meinen Geburtsschein behalten und Joe Catton gedungen hat, um Dir den zweiten Brief seines sterbenden Vaters zu rauben. Paulsen blickte ihn starr an, bis feine Züge nach und nach erregter wurden und e» unruhig in seinen Augen aut# es athemlos. „Das ist meine feste Ueberzeugung, ja, ich glaube sogar, daß er bereits auf der See schwimmt." „Er wäre dazu wohl im Stande, zumal ihm ein reiches Erbs winkt," meinte Paulsen in heftiger Erregung. „Der säet Unkraut und nimmt Anderen die guten Ernten. Der arme Rittmeister, einen solchen Neffen hat er gewiß nicht verdient. Aber am Ende muß er doch den Tod seine» Vater» meiner Ehre leide." „Ruhig, junger Herr," ruhig," mahnte Paulsen, theil- nehmend die Hand auf seinen Arm legend. „Wir haben ia noch einen Hauptpunkt zu bedenken, nämlich das Reisegeld. Erst von hier nach Newyork, dann mit dem Dampfer nach Hamburg oder Bremen, und von da mit der Bahn nach Norden. Das ist ein ganzer Berg von Kosten für zwei Passagiere; woher nehmen und nicht stehlen, Herr Romberg? Siehst Du, Alter, daran hat weder mein theurer Vater, noch der dänische Lieutenant gedacht," sagte jener fast triumphi- rend, „und ich denke mir, daß daran auch die Reise des jungen Alting scheitert." , , „Hm, wenn's dem ernst damit ist, dann werd er das Geld anschaffen, es liegt für ihn auf der Straße. - Uebrigsns hat Herr Sander auch ein Wort mitzusprechen. Sie müßten ihm die Farm überlassen und dann ist unsere Frau Reimers noch da — es ist eine verflixte Geschichte! „Ja, und deshalb kann ich die Reise nicht machen, das siehst Du doch ein, Paulsen!" Der junge Mann verstummte plötzlich. Das Testament seines väterlichen Freundes stand mit Flammenschrtft vor seinen Augen und schien ihn des Undanks anzuklagen. „Der Herr Hauptmann hat'« aber doch befohlen, be> merkte Paulsen, „es war sein letzter Befehl, mein lieber, junger Herr! Wollen Sie mich ruhig anhören? „Sprich, alter Freund!" "Nun, ich denke mir, daß wir doch reisen müssen. Sprechen Sie mit Herrn Sander, sagen Sie ihm Alles, er ist ein Landsmann und was noch mehr sagen will, ein red. licher Mann und Ihr aufrichtiger Freund. Widersteht s Ihnen? Dann geben Sie mir die Erlaubniß dazu. „Nein, das muß ich selber thun," erwiderte der junge Mann mit gepreßter Stimme. „Ich sehe ein, daß mir kein anderer Ausweg bleibt, obwohl ich gestehe, daß es mir schwer ankommt. Ach, mein lieber, alter Freund, glaubst Du denn nicht, daß es auch für Willi Sander ein himmelweiter Unterschied ist, ob ich ein Romberg oder Alting, und nun gar einer von diesem amerikanischen Zweig bin?" „Nein, das glaub' ich nicht, junger Herr, dazu ist Herr Sander ein zu redlicher Mann. Aber es ist doch besser, wenn ich ihm die Geschichte von A bis Z erzähle, tust, weil ich Sie genau kenne und Sie auf diesen Armen gewiegt habe. Die Geschichte kommt Ihnen doch nicht über die Lippen, was ja auch in der Ordnung ist, Herr Romberg! — Heut am Sonntag ist just der rechte Tag dazu, ich will mich gleich nach der Rtnderfarm aus die Füße machen, well er morgen nickt zu Hause sein könnte." , „ „Es wird das Beste sein," meinte der junge Mann seufzend, „spann nur den Schimmel an den Wagen, sonst kommst Du vor Nacht gar nicht hin." Nach zehn Minuten fuhr Paulsen, der sich ganz erholt hatte, aber noch ein Pflaster auf dem Kopfe hatte, fort und traf Willi Sander mit der Pfeife im Munde unterwegs auf der Landstraße, wenn man den breiten Fahrweg, den der Rinderfarmer selber angelegt hatte, so nennen durfte. „Na, old boy, wieder hoch?" rief er verwundert, als Paulsen anhielt, „wohin wollt Ihr denn am Sonntag und $ Ihnen/Herr Sander, wollt' ein Wort mit Ihnen im Vertrauen reden. Wenn Sie aufsteigen möchten, dan könnten wir nach unserer Farm zurückfahren, ich kann» dann unterwegs abmachen." , r , 9„ „Ist mit dem jungen Herrn was los 4 - 451 - „Ja, es ist eine verflixte Geschichte, können's allein nicht fertig bringen, und möchten um ihren Beistand bitten, Herr Sander! „Bill," wandte sich dieser an einen seiner Knechte, der aus einem Feldweg hervor, „sag' Missis Sander, daß ich mit nach Rombergs Farm fahre, sie sollt' nicht mit dem Abendbrod auf mich warten." Er schwang sich auf den Wagen und nahm neben Paulsen Platz. „So, old boy, nun laßt den Schimmel Schritt fahren und legt los." Langsam setzte sich der Wagen wieder in Bewegung und Paulsen begann seine Erzählung, welche Sander erst mit stiller Verwunderung', die sich schließlich zu , einer heftigen Erregung steigerte, anhörte. Als der Alte geendet hatte, herrschte eine Weile tiefes Schweigen. „Daß Dich der Deuksel!" schrie Willi Sander dann plötzlich, sich aus's Knie schlagend, „wäre in meinem ganzen Leben auf eine solche Geschichte nicht gekommen- Unser Justus Romberg soll ein Alting sein? Einer von diesem dänischen Lieutenant, und ein Bruder von dem wilden John, vor dem sich jeder redliche Mensch im ganzen County fürchtet? Und das erfahre ich erst heute?" „Mit Verlaub, HerrzSander," bemerkte Paulsen, „Sie kamen erst fünf oder sechs Jahre später als wir in diese Gegend, und er selber, der gute Justus, hielt sich doch auch bis jetzt für den Sohn den Herrn Hauptmanns." „Richtig, so ist'« auch, old boyi — der Lieutenant will also sterben oder ist schon tobt und nun soll der junge Herr zu seinem Onkel, meinem prächtigen Rittmeister? — Ihr wißt es genau, daß er noch lebt?" „Ja, das wird wohl gewiß sein —" „Ra, dann soll Herr Justus zu ihm reisen," rief Sander im bestimmtesten Tone, „noch dazu, wenn mein Rittmeister unbeweibt geblieben ist. Kann er sich einen besseren Onkel, und kann sich dieser einen prächtigeren Reffen wünschen? Das stimmt, sollt' ich denken, old boy!" „Stimmt, Herr Sander, aber nun hören Sie weiter, weil Sie doch die Geschichte in* und auswendig kennen müssen, und warum dieselbe eine so verflixte ist." Paulsen erzählte nun von dem Brief des dänischen Lieutenants und von dem Geburtsschein, den John Alting dem verstorbenen Romberg hatte bringen sollen. „Er hat's natürlich nicht gethan," sagte Sander, der gespannt zuhörte. „Rein, er hat das versiegelte Schreiben nicht gebracht, mich aber jedenfalls bei feinem Vater gesehen, — von draußen durch's Fenster nämlich, die Kammer lag zu ebener Erde und ein Jeder konnte uns sehen — natürlich sah Herr John auch, daß der Lieutenant mir den Brief gab, worin er noch einmal Alles niedergeschrieben hatte." „Aha, ich riech'Lunte, er traute dem Söhnchen nicht—" „So war's justement, Herr Sander, darum — gab ich ben Brief Ihrem Jimmy, merken Sie was, auch von wegen dem Ueberfall von dem Räuber?" „Dann hat's der Joe Cation gethan," rief Sander, broyenb bie Faust ballend. „Aber warte nur, Schuft, wir fassen Dich noch, hat schon von meinen Leuten esinen Denkzettel bekommen, als er einen Ochsen mitgehen heißen wollte. Run weiter, old boy!" »Na ja, Herr Sander, merken Sie denn nicht, was Herr John Alting mit dem Geburtsschein meines jungen Herrn und mit dem Brief vor hat?" Der Rinderfarmer sah ihn starr an und stieß dann eine gewaltige Tabakswolke von sich. „Daß Dich der Deuksel, er wird doch nicht, der Halunke? Ihr meint, er würde hinüber gehen und meinen Rittmeister überfallen?" „Mein junger Herr glaubt es ganz bestimmt." „Das darf nicht fein, Paulsen, dann muß die Reise gleich vor sich gehen. Himmel Element! wenn ich mir das vorstelle, diesen Verwandten! — O, nicht so stark laufen, John Alting, wir find noch hier, um Dir *bie Suppe zu versalzen. Wißt Ihr was, old boy! Er wäre int Stande, meinen Rittmeister um die Ecke zu bringen, um ihn früher zu beerben." „Das wäre ja schauderhaft," meinte Paulsen, der nun zu dem Hauptpunkt, den Reisekosten übergehen mußte, was ihm diesen Gläubiger gegenüber doch schwerer wurde, als er's sich gedacht hatte. „Na ja, Herr Sander," fuhr er dann, sich einen Ruck gebend, fort, „reifen wir ja sicherlich, aber es giebt da noch so vielerlei, was sich jetzt partout nicht machen läßt. So ne' Reise ist nicht von Pappe und kostet unmenschlich viel. Dann müßten Sie doch die Farm übernehmen." „Na, was weiter?" fuhr Sander ihn an, „natürlich soll ihm die Farm unverloren bleiben, wenn's ihm drüben gegen den Strich geht. — Wofür bin ich denn da? — Schnack! Das Reisegeld leihe ich her, old boy, was würde mein Rittmeister von mir denken, wenn ich feinem leiblichen Neffen nicht beistehen wollte, das könnte ihm gefallen, he? Und nun kein Wort weiter davon, bringt den Schimmel in Trab, daß wir vorwärts kommen, ich kenn' mich nicht aus." Nach einer Viertelstunde war die Farm erreicht. Der junge Romberg begrüßte verlegen feinen Gast, mit dem er erst vor wenigen Stunden an der offenen Gruft des Hauptmanns gestanden hatte, und führte ihn in die Wohnstube. (Fortsetzung folgt.) Ein Elrrwurf-Anzeige-Apparat für Hausbriefkästen, mittelst welchem der Einwurf eines Briefes durch ein kurzes Glockensignal angezeigt wird, dürfte wohl manchen Brieskastenbefltzern, insbesondere aber denen, deren Kasten nicht birect an bet Wohnungsthür angebracht ist, sehr willkommen sein und auch bent rastlosen Postboten viel Zeit ersparen. Eine solche Vorrichtung hat sich O. Jfflänber jun- in Kempten in Posen gesetzlich schützen lassen und ist dieselbe wie folgt con« struirt: Die Aeste der durch Briefeinwurf zu schließenden Läutewerkleitung bilden die Spule des Auslöse-Electromagneten für die Anzeigescheibe. In einem der Aeste sind federnde Stromschlußstücke derart eingefügt, daß sie durch die herab- fallende Anzeigescheibe außer Berührung mit einander gebracht werden. Hierdurch wird ein kurzes Anläuten bewirkt, da» dem Briefkastenbefitzer Kenntniß von dem soeben erfolgten Briefeinwurf giebt. • Feuer- und säurefester Kitt. Zum Kitten von Glas-, Porzellan- und anderen Gefäßen, welche zur Aufnahme starker Säuren bestimmt sind, wird im „ Journ. de Pharmc. et de Chemie“ ein aus Asbestpulver, Wasserglas und einem indifferenten Pulver (Permanentweiß, Sand) gebildetes Gemisch empfohlen. Versuche, nach dieser Richtung angestellt, ergaben die Zuverlässigkeit der Angabe. Zunächst wurde Asbestpulver mit der drei- bis vierfachen Gewichtsmenge Natronwasserglar- lösung (von 30° R) zu einem Brei angemacht. Derselbe ist äußerst fett und plastisch, eignet sich jedoch zur Verarbeitung weniger gut, weil er beim Austrocknen zu stark schwindet und rissig wird. Durch Beimischen von feinem jStreusand in gleichem Gewicht wie der Asbest ließ sich die Masse so weit magern, daß das Schwinden gehoben wurde, ohne Schaden der Plastizität. Es wurden daraus kleine Gefäße geformt und diese von der Luft getrocknet, um sodann an der Lust erprobt zu werden. In Wasser eingelegt, wird die erhärtete Masse wieder weich und fällt auseinander. Bringt man sie dagegen mit hochgradigen Mineralsäuren in Berührung, so wird sie nur um so fester und widersteht der Flüssigkeit vollkommen. Es wurde in derartigen kleinen Behältern concentrirte Salpetersäure aufbewahrt, ohne daß die Masse sichtbar angegriffen worden und etwa« durch dieselbe hindurchgedrungen Literarisches jthl'lchm UnivnMtS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) 'N ®tc6