MerrStag -e« 25. August V •»- V •• V V amtheK^kller Unterhaltungsvlatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). 'A Tante Doris. Novelle von Cethegus. (Schluß.) „Es paßt so richtig für die Beiden," meinte mein Vetter. Tante Doris war auf der Hochzeit und wußte in ihrer be- kannten Art verschiedene sinnige Parallelen zu ziehen zwischen ihrem „kleinen Heimathsstädtchen" und dem Flecken, in welchem der junge Ehemann sich als Landarzt niederlaffen wollte. Als Hochzeitsgeschenk verehrte sie den Beiden eine schöne Familienlampe; nebenbei aber hatte sie die bescheidene, selbst, verdiente Aussteuer Marthas um eine ganze Anzahl alt- modischer Möbelstücke vermehrt; sie besaß deren so viele, daß man den Abgang in ihrer Wohnung kaum bemerkte. Ich war als Brautführer herübergekommen aus einer Nachbarstadt, wo ich fett einem Vierteljahr wohnte; und es vergingen nun drei Jahre, ohne daß ich Gelegenheit fand, im Haufe meines Vetters wieder vorzusprechen. Dagegen war ich während dieser Zeit verschiedene Male bei dem jungen Doctorrpaare zu Besuch, und jedesmal verließ ich ihr Haus mit herzlichster Erquickung. Das blonde Puffelchen Martha hatte sich zu einer prächtigen Frau entwickelt, welche die ihr gebührende Herrschaft im Hauswesen tadellos verwaltete und daneben doch reichlich Zeit fand, dem vielbeschäftigten Gatten auch in geistiger Hinsicht der nächste und beste Kamerad zu bleiben. Ihr Dienstvolk, bestehend au» einer von ihr selbst geschulten ländlichen Magd, vergötterte sie, die Kranken und Elenden rühmten ihre milde und im Nothfalle auch zur ärztlichen Assistenz sichere und geschickte Hand, und der Gatte war unter ihrer Pflege aufgeblüht wie ein Baum, gepflanzt an den Wafferbächen; die größte Freude aber fanden Beide wie billig in dem Gedeihen ihrer Kinder, eines köstlichen Zwilllngspärchens, welches wesentlich dazu beitrug, meine junggesellenhafte Angst vor dem näheren Verkehr mit kleinen Kindern zu entkräften. Merkwürdiges Spielzeug hatten sie, diese beide Pummelchen Paul und Dori»! Handfeste Sachen aus der Zeit, als man noch im Spielzeug nicht die Erschöpfung, sondern die An- regung der kindlichen Phantasie erstrebte- Ich ahnte, woher diese Dinge stammten, noch ehe mir der kleine Paul versichert hatte, daß die „dute Tante Dojis" sie gestiftet habe. Gelegentlich sprach ich auf der Heimkehr von einem dieser Erholungsbesuche auch einmal bei Helene und ihrem Manne vor. Sie waren mittlerwelle Regierungraths geworden und wohnten in der Provinzialhauptstadt, recht nobel und standesgemäß, wenn auch für meinen Geschmack nicht besonders gemüthlich. Auch ein Töchterchen hatten sie, welches ich aber nur flüchtig zu sehen bekam, da es just von der Bonne spazieren geführt werden sollte. Die silberne Vase sah ich hier wieder, sie stand auf einem Tisch im Salon und diente jetzt einem höchst stylvollen Makartstrauß als Behälter. Als ich mich verabschieden wollte, traf ein Telegramm von Helenens Vater ein, welches die Beiden in große Aufregung versetzte: Tante Doris war plötzlich schwer erkrankt. Sie beschloffen noch selben Tages hinüberzureisen und auch da» Töchterchen mitzunehmen. „Dann vergiß aber auch nicht, daß sie die letzte Puppe mitnimmt, die ihr Tante Doris geschickt hat," meinte der umsichtige Gatte. „Ja, wo ist die nun aber?" fragte Helene und klingelte. „Hanna," wandte sie sich zu dem eintretenden Mädchen, „wo ist Sofies Puppe, die rothe, wissen Sie, vom vorigen Weihnachten, die von der Tante?" „Ach Gott, gnädige Frau," meinte das Mädchen, „die haben wir ja gleich den Portierskindern unten geschenkt." Ich empfahl mich und bat nur noch, der Kranken meins herzlichsten Wünsche zu übermitteln. Aber diese Wünsche haben Tante Doris nicht mehr erreicht. Als Regierungsraths anlangten, war sie bereits tobt. Dies erfuhr ich aus einem Briefe de» Doctor«, dessen Frau ebenfalls zu dem Sterbelager geeilt war. Auch sie war zu spät gekommen und konnte mir keine Grüße von Tante Doris mehr ausrichten. Dagegen erfuhr ich aus dem Briefe Näheres über das Testament der Entschlafenen. Die Eröffnung dieses wichtigen Actenstücks, welche am Tage nach der feierlichen Beerdigung stattfand, muß ein aufregendes Lreigniß gewesen sein. Denn vor Allem ging au» dem Testament hervor, daß Tante Doris bereits vor vielen Jahren gleich nach dem Tode ihres Mannes, ihr ganzes Äaarvermögen zum Ankauf einer steigenden Leibrente verwandt hatte. Die letzte Rente, zahlbar für das Sterbe- iahr, fiel ihrer alten masurischen Magd zu, ebenso ihr kleiner, allmälig wieder aufgespartes neues Baarvermögen und der größte Lhell ihrer Möbel; die übrigen waren sehr methodisch auf Martha und Helene vertheilt. Erstere erhielt, was nützlich war, und Letztere, was lediglich nach etwas aussah. Dem Doctor vermachte Tante Doris zwei Säcke mit getrockneten Pflaumen, sowie ein Fläschchen Medicin, welches sie damals nach seinem Recept hätte machen lassen, aber nie benutzt hatte; dem Regierungsrath einen alten, schön mit Silber ciselirtm Galanteriedegen, und so noch vielen Bekannten und Verwandten irgend eine behaglich ausgewählte Kleinigkeit. Auch für mich fiel etwas dabei ab: ei« alte», in Schweins- leder gebundene« Erbauungsbuch mit biblischen Losungen für alle Jahrestage und Lebenslagen, und zwar, wie es in dem Testament hieß, »weil diese» Buch auch heut zu Tage noch, sonderlich für einen Schriftsteller, oft gut und nützlich zu lesen ist/ Ich habe diese Begründung nachmal» mehr und mehr al» sehr zutreffend erkannt und halte das alt« Buch nicht blos in Ehren, sondern auch im Gebrauch. Viele Sprüche sind darin von Tante Dori» Hand mit Bleistift angestrichen, und es sind nicht die schlechtesten. Einen aber hat sie sogar mit Blaustift dreifach umrahmt, auch noch auf dem inneren Titelblatt in großen, etwa» zittrigen Schriftzügen äusdrück- lich auf ihn verwiesen. Es scheint, daß dieser Spruch ihr besonders viel Freude machte. Er steht in den Sprüchen Salomonis, Capitel 20, Vers 21, und lautet: „Das Erbe, darnach man zuerst sehr eilet, wird zuletzt nicht gesegnet sein/ Die ßhocotade. Culturhistorische Skizze von Martin Beck. ------- (Nachdruck verboten.) Al» die Spanier 1519 in Mexiko einzogen, fanden fie in diesem merkwürdigen alten Kulturstaate u. a. eine sonderbare Scheidemünze im allgemeinen Gebrauch, die au» den mandelförmigen Samenkernen eines Baumes bestand. Sie dienten neben Ztnnstücken und Federkielen voll Goldstaub zur Vermittelung des Kleinhandels. Tausend Stück davon galten nach deutschem Gelbe ungefähr 2,75 Mark. In Costa- rica, Nicaragua und San Salvador werden sie noch heute statt der Kupfermünzen verwendet. Man zeigte den Spaniem den Baum, von dem diese braunm Kerne oder Bohnen herrührten. Er war erst au» seiner Heimath, der tropischen Gegend des nördlichen Südamerika, wo er wild wächst, hierher nach Mexiko und nach den Antillen verpflanzt worden, aber schon seit sehr alter Zeit. Zehn bi» fünfzehn Meter hoch, dreißig Centimeter dick, zeichnet er sich besonders durch die in den Blattwinkeln stehenden Früchte aus. Diese ähneln zehnkantigen rothgelben Citronm mit langer Spitze. Bricht man sie auf, erblickt man in einem säuerlich schmeckenden Brei die eng aneinander liegenden Reihm der Samenkerne, die Spitzen sich zukehrend, da» breite Ende an den inneren Schalenkanten liegend. 25 bis 40, oft auch öber 60 solcher Kerne stecken in einer Frucht beisammen. Diese wild wachsenden Bäume lieferten nur eine Ernte vom Februar bi» zum Mai. Bei den veredelten Bäumen aber reiften die Früchte zweimal im Jahre. Diese zweite Emte trat im August oder September ein. Die geernteten Früchte, die man in Mexiko wie auch den Baum und die Samenkeme Choco anderwärts Cacavi oder Caeao nannte, ließ man fünf Tage lang in großen hölzernen Gefäßen in Gährung übergehen. Dann trocknete man fie an der Sonne oder über dem Feuer. Man grub fie auch in die Erde ein und ließ sie so lange darin, bis sich der breiartige Theil durch Fäul- niß abgesondert hatte. Bet dieser zweiten Behandlung erhielt martzden besten, den sogenannten gerotteten Cacao. Nicht nur als kleine Münze, sondern auch zu einem Getränk benutzten die Mexikaner diese Samenkerne schon seit den ältesten Zeiten. Die gerösteten Kerne oder Bohnen, wie man sie späterhin, analag den „Kaffeebohnen", fälschlich be- ^ichnete, wurden zu einem rothbraunen Pulver zerstoßen, da» man zum Bedarf aufbewahrte. Mit Wasser aufgebrüht, gebrauchte man es bann. Nur selten versüßte man den Trank mit Honig oder setzte ihm Gewürze zu. Da» ärmere Volk nur pflegte ihm sehr viel Maismehl beizumischen und ihn reichlich mit Pfeffer zu würzen. Manchmal that man auch noch die ohrenförmigen Blätter einer amerikanischen Blume hinzu, die deswegen von den Spaniern Flor de la Orea oder flor auriculae, Ohrenblume, genannt wurde. Der Trank blldete bei den Mexikanern da» Nationalge- tränk, da» sie auch mit dem säuerlichen Brei der Cacaofrüchte al« Arznei gegen die rothe Ruhr eingaben.. Und da« Del, dar sie darau« preßten, benutzten sie wie eine Art Schminke. Da» Getränk nannten die Mexikaner Chocolatl, die Bewohner der Antillen Cacavate und die Europäer in ihren ersten Beschreibungen davon Chocolatum, Chuculate, Cholath, Jocolada, Succolata und Socolade. Sie leiteten den Namen von Ehoco, Schall oder Laut, und Sitte, Wasser, her. Sie meinten vom Geräusche des Quirls, mit dem man da» Getränk umrühre, neune man es: laute» Wasser. Der Name ist aber au« der altmexikanischen Bezeichnung des Baumes, choco, und lati, Wasser zusammengesetzt. Er bedeutet also Chocowaffer oder Cacaowasser. Die Spanier sahen auch, wie die Mexikaner an hohen Festtagen und bei Gastmählern die Chocolade oder, wie man von Rechtswegen schreiben müßte, Cboeolate kalt tranken. Sie schütteten dabei Cacaopfllver in frisches Wasser, rührten es tüchtig um und thaten den Schaum bei Seite. Dann vermischten fie da» Wasser mit einer Art Zucker, stürzten es von oben über den Schaum und tranken es so. Dieser Trank sollte so stark abkühlen, daß ihn nur Wenige genießen konnten. Zunächst befreundeten sich die Spanier gar nicht mit dem mexikanischen Nationalgetränk, weder in dieser noch in einer anderen Form. 1520 schickten sie von Mexiko aus fertige, harte Chocolade in dicken Zapfen und in Schachteln wie das Quittenbrod nach Spanien. Dort nahm man sich de« fremd- artigen Genußmittels mit Begeisterung an, ließ Cacao au» Mexiko nachkommen und errichtete Chocoladefabriken. Die Zubereitung der Cacaobohnen wurde hier immer mehr vervollkommnet, weil der allgemein gewordene Gebrauch des indischen Rohrzuckers der Herstellung von Chocolade sehr förderlich war und man in der günstigenMtschung der Gewürze rasche Fortschrttttte machte. Nach dem kleinen Tractat der Anton. Colmen. de Ledesma, eines spanischen Barbiers, opus colum de Quali- tate, et Natura Chocolatae, Norimburg, 1644, wie« dar Recept sür gute spanische Chocolade folgende Zusammenstellung auf: 100 Caeaokerne, P/a Pfund Zucker, 14 Gran Tavasken- pfeffer, ein Loth Gewürznelken, 3 Stengel Vanille, 3 Quent Ani« und eine Hand voll Drlean zum Färben. In Spanien und Portugal war die Chocolade bald eben so beliebt wie in Mexiko. Man sagte damal«, daß die Spanier so sehr daran hingen, daß sie lieber Kleider und anderer missen, als daß sie nicht täglich mindesten« 2—3 mal Chocolade tränken. Bei ihnen und den Mexikanern und in allen amerikanischen Kreolenstaaten ist sie auch bis heute das Natioualgeträuk geblieben, wührend sie in Deutschland, Oesterreich, England, Belgien und selbst in Frankreich und Italien nur ein Luxusgetränk bildet. In Italien führte ein Florentiner Antonio Carletti, der sie in Westindien kennen gelernt hatte, 1606 die Chocolade- fabrikation ein. Hier mischte man aber schärferes Gewürz unter das Cacaopulver und röstete die Chocolade stärker. Die italienische Chocolade unterscheidet sich daher noch heute von der braunrothen spanischen durch ihre schwarzbraune Farbe und ihren bitteren, gewürzhaften Geschmack. Infolge der schwächeren Röstung ist in der spanischen auch mehr Stärkemehl und Cocaobutter unverändert zurückgeblieben, wodurch sie milder und angenehmer schmeckt. Nach Frankreich kam die Chocolade von Spanien herüber. Vielleicht schon mit Anna von Oesterreich, der Gemahlin Ludwig XIII. Aber erst unter Ludwig XIV. ward 3S5 - ihr Gebrauch allgemeiner. Spanische Mönche beschenkten die französischen mit Chocolade in Schachteln, viereckigen Tafeln und runden Küchlein. Dadurch lernten die Franzosen das fremde Genußmittel näher kennen und schätzen, so daß sie bereits Anfangs des 18. Jahrhunderts Fabriken anlegten, in denen die Cacaobohnen der französischen Colonien zu Choco» lade verarbeitet wurden. Die französischen Chocoladefabriken verstanden die Zubereitung bald so zu verfeinern, daß sie bis in die neueste Zeit durch die vorzügliche Qualität ihres Products den Weltmarkt beherrschten, auf dem ihnen aber jetzt durch die großen deutschen Weltfirmen eine erhebliche Concurrenz er» wachsen ist. Schon am End« de» 18. Jahrhundert« galt die Pariser Chocolade als die beste des ganzen Erdkreises. Nach Pierre Pomet, histoire gönörale des drogues traitant des plantes, des animaux et des mineraux, Paris, 1694, folio, mit 600 Kupfern, da« 1717 als «Aufrichtiger Materialist und Specereihändler" in -Leipzig deutsch erschien, bereitete man damals in Paris die Chocolade so: «Wenn man Choco» late machen will, muß man von den besten und dicksten Cacao-Maubeln, grosse Caraque genannt, haben, selbige in einem Becken oder Tiegel über dem Feuer rösten, und beständig umrühren, biß daß sie die Schale oder Hülse gern gehen lassen, welche alsdann abzunehmen und wegzuschmeissen ist. Die geschälten Mandeln werden wiederum in dar Becken geschüttet und noch einmal geröstet; doch muß das Feuer ganz gelinde seyn, bis daß sie äusserlich gantz trocken worden und gar nicht brandicht riechen. Darauf werden sie in einem Mörser gestossen, der wohl ausgewärmet ist; oder sie werden, nach der Indianer ihrer Art, mit einer eisernen Waltze, auff einem platten und sehr harte« Steine, der wohl durchwärmet seyn muß, zerquetschet und zerrieben; es muß auch unter dem Steine ein Feuer gehalten werden, damit er stets warm bleibe. Solcher Gestalt wird der Cacao gestossen, oder gerieben, so lange, bis ein harter Teig daraus wird, und nichts hartes oder grumplichtes darunter übrig bleibet. Von diesem Teige werden vier Pfund abgewogen, und wieder auf den warmen Stein gebracht, und drey Pfund schönes Zuckers, welche gäntz klar gestossen worden, mit der eisernen Waltze daruntergetrieben: Dieses wird unter einander gerieben, bis daß der Zucker zerschmolzen ist, und sich recht wohl mit dem Cacao vermischet hat; worauf anoch ein Pulver hinzu ge» than wird, so au« acht Gran Vanllien, anderthalb Qventlein Zimmet, acht Stücken Würz-Näglein, zwey Gran Ambergries und einem Gran Mosch bestehet. Wann alles auffs genauste unter einander gemischet worden ist, so nimmt man den Teig vom Steine, machet viereckige Stücken oder Tafeln daraus, in selbst beliebiger Form und Grösse, und lässet sie alsdann auf weissem Papier harte und trocken werden. Darnach wird die Chocolate in Büchsen oder Schachteln aufgehoben. Hierbey ist zu mercken, daß das aromatische Pulver nicht eher, als zu Ende, und nachdem der Teig auf da» allerbeste durchgewürckct worden ist, darunter müsse gemischet werde«, man dürste auch» nachdem solches geschehen, den Teig nicht gar zu lange mehr auf dem warmen Steine lassen, sonst möchten die flüchtigen und geistigen Teilgen der Ge- wültze, welche die meiste Kraft und grvste Anmut geben, durch die Wärme zerstreuet werden." Franzisk. Marian Cardin. Bankratii bezweifelte in einer Diatribe de Usu Chocolatae, die 1666 int Januar im Journal des Scavans erschien, daß die Chocolade ihrer großen Nährkrast wegen an Festtagen dürfte getrunken werden. Die bedeutende Nahrhaftigkeit der Chocolade, die in dem Teobromin beruht, dem stickstoffreichsten aller Pflanzenstoffe, von dem sie über 25 Procent enthält, hatte man schnell erkannt. In England, in dem 1657 das erste Chocoladehaus eröffnet wurde, schrieb damals ein Gelehrter, Stubbe, daß in einer Unze Cacao mehr Nahrungsstoff stecke, als in einem ganzen Pfund Ochsenfletsch. Und Shine nannte die Chocolade in der Botanik Theobrama, Götterspeise. Von den medicinischen Wirkungen der Chocolade hegte man deshalb außerordentlich große Meinungen. Man betrachtete sie vor allem als die beste Hilfe gegen die Schwindsucht, wenn sie allein ober mit Maismehl in Wasser gekocht ober mit Milch unb Eiern darin genossen wird. Bontekos, der Leibarzt de« Großen Kurfürsten, rühmt unzählige medi- cinische Wirkungen der Chocolade in seinen Schriften und erzählt darin u. a., daß ein Schwindsüchtiger heftiges Verlangen nach Chocolade trug. Er trank deswegen täglich viel davon, und seine Frau trank zur Gesellschaft mit. Die Folge war, daß der Todeskandidat kerngesund wurde und seine Familie einen unverhofften Zuwachs durch Drillingssöhne erhielt. Für schwache und erkältete Magen verschrieb man auch Chocolade, ebenso für Brustkranke, gegen schleimigen Husten, zur „Stärkung de« Haupte« und Vertreibung de« Schwindels." Ihrer erhitzenden Eigenschaften wegen nannte man sie Wenn«» brod. Der getreue Eckart im „Medicinischen Maulaffen", ein um 1720 erschienener ärztlicher Rathgeber, hält ein Schälchen warmer Chocolade, wenn auch nur im Wasser gekocht, höher „als 50 Schälchen Thee oder Kaffee." Seitdem man in Paris, London, in Holland und auch in Deutschland die Chocolade ebenso gut zu machen verstand, wie in Amerika unb Spanien, ließ ber Bezug von dorther mehr und mehr nach. In hohem Ruf stand namentlich außer ber Pariser bie Chocolade von Lissabon, Turin, Genua, Mailand, Bayonne und die holländische von Seeland. In Deutschland gewann vorzüglich Bontekoe der Choco» lade viele Freunde durch seinen Tractat van de Kragten en’t G-ebrjuyk van de Chocolate und den Tractat van hat excellenst Kruyd Thee vermeerdert en vergroot met byvoeginge van noch twe körte Verhandelingen, I. van de Coffi, II. van de Chocolade. Gravenhage 1685, in 8°. In dem ersten Buche beklagt er, daß er „weder unter denen Lebendigen, noch unter denen Scribenten jemanden finden könne, der ihn entweder durch den Geruch, Geschmack ober anbere Zeichen bie rechte Chocolade von bet falschen unterscheiben lernete." Denn so viel Köpfe, so viel Sinne, hieß es auch bei ber Chocolade. Unb schon damals fälschte man bie Cacaomaffe mit gebranntem Mehl, Erbsenmehl, Kartoffel- unb Reisstärke, wie es heute noch schlechte Fabriken thun. Im allgemeinen hielt man bamals bie Chocolade für bie beste, die nicht allzusüß, nicht bitter, nicht zu sehr nach Pfeffer unb Gewürznelken schmeckte, einen angenehmen Geruch hatte, hart unb trocken war unb, wenn sie in Stücke zerbrochen wurde, die braune Färbung von weißen Flecken und Striemen durchlaufen zeigte. Spanien, Italien unb Frankreich beziehen jetzt den meisten Cacao. Er wirb in Fäffern unb Ballen in den Handel gebracht, unb bie Ausfuhr nach Europa schätzt man auf 150 Millionen Pfunb jährlich. Von ben Antillen unb aus Mexiko kommt der meiste. Aber auch in Guatemala, Guayana, Venezuela, Caracas und in Afrika und Asten hat man ben Cacaobaum angeflanzt. Die beste Sorte, ber sehr angenehm schmeckende, fast goldgelbe kleine Socomusko-Cacao, kommt beinahe gar nicht nach Europa, wie auch der sehr kleine Cacao von Esmeraldes. Die theuerste Sorte, die es auf dem europäischen Markte giebt, ist der Caraskacacao, der schon beim ersten Auftauchen der Chocolade als der beste galt und damals Caraque genannt wurde, wie auch schon aus dem oben angeführten Chocoladenrecept Pomets hervorgeht. Am häufigsten wird jetzt in Europa der billige Guayaquil-Cacao verwendet. Zu der feinsten Chocolade benutzt man an» dem Cacao von Caracas den von Puerto Caballo und Maracaibo. Diese Sorten stehen deshalb am höchsten im Preise. Denn die Auswahl des Rohstoffes ist maßgebend für die Güte ber Chocolabe. Und sämmtliche Sorten Cacao unterscheiden stch sehr von einander durch Aroma unb Feinheit der Geschmackes. Statt mit der an Aromagehalt wechselnden Vanille regelt man neuerdings ben Geschmack ber Chocolade besser mit künstlichem Vanilin. Die sogenannten Gesunbheitrchocoladen enthalten natürlich kein Gewürz. Die schon früher beobachtete Wirkung ber 896 E Strahl, blick d Soweit Erntest Die Äi ersten < halt ra „l Ai schloßar sechzig: schultert hielt. ! Augen, besaß ei schnitte! Erschein keinen ! Soldate langen so hörte Untergel niemals Di sitzer de Herrsche oben i Schlesw gestände, hier aus und echt ein Edel seiner C Redaetion- I. V.: Hermann Elle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m G'eßen. Chocolade auf Schwindsüchtige und Lungenkranke hat man iedt noch zu erhöhen verstanden durch die Fleischchocolade, die stch als vorzüglich nährend und stärkend für Hectiker und Schwächlinge aller Art erweist. Sie wurde zuerst von Banttgny aus Eacao und Osmazom, dem Kraft- und Riechstoffe der Fleischbrühe, hergestellt und Philigieno genannt. Als ein ausgezeichnetes Linderungs- und Wiederherstellungsmittel für Lungenkranke hat stch die Isländische Moos- chocolade bewährt, die aus geschälten Cacaobohne«, Zucker, reinem, isländischen Moospulver und etwas Salepwurzel bereitet wird. In Spanien und Südfrankreich benutzen Arme die Erdeichel oder Erdnuß (Arachis hypogaea) zu Chocolade. In allen den Culturstaaten, in denen die Chocolade nur ein Luxusgetränk bildet, wird das Product Mexicos desto mehr in fester Form bevorzugt, in deren taufendgestaltiger, reizvoller und erfindungsreicher Herstellung einheimische und ausländische Chocoladefabrikanten mit einander wetteifern. Was darin Bewundernswerthes geschaffen wird, das zeigen die lockenden Schaufenster ihrer großstädtischen Niederlagen am vorteilhaftesten um di« Weihnachts- oder Osterzeit. Da prangen oft wahre Kunstwerke von riestgen Maßverhältnissen, Jagden, Landschaften, Bauwerks, Figurengruppen aus Märchen re. darstellend, neben der mannigfaltigen Menge kleinerer Erzeugnisse der unermüdlich schöpferischen Chocolade- Industrie, die alles für ste Darstellbare in der glänzenden braunen Masse nachzuahmen sucht. Statt des Chocoladetrankes aber schmeichelt sich der entölte Cacao, dem durch Auspreffen das dicke, fette, talgartige Öe[ genommen ist, die sogenannte Caeaobutter, die in den Apotheken zu Salben u. dergl. verwendet wird, immehr mehr als tägliches Getränk ein und versucht Kaffee und Thee durch Anpreisen seines Nährstoffes aus der Gunst der Menschheit zu verdrängen. Wollte man nach der auffälligen Reclame der verschiedenen Cacaofabriken in Tagesblättern und Zeitschriften und wer weiß, wo noch, urtheilen — auf . der Berliner Stadtbahn genießt man in einemfort die Aus- sicht auf riesengroß und bunt an leere Gibelwände gemalte Schristzeichen: van Houtens Cacao ist der beste! — Gaedtkes Cacao ist unübertrefflich! — Blookers Cacao die beste Marke! so könnte man vermuthen, Cacao bilde bereits das Allerweltsgetränk. ____________ Gemeinnütziges. Artischocken mit Krebssauee. Man präparirt die Artischocken wie gewöhnlich, kocht ste in Salzwasser, dem man etwas Butter und den Saft einer Citrone beigefügt hat, ab und richtet ste auf einer heißen Schüssel an. Inzwischen schlägt man 3 bis 4 Eidotter, */< Pfund Krebsbutter, einen Eßlöffel Mehl und Vr Liter kräftige Auflösung von Liebigs Fleischextract nebst etwas Muscatblüthe so lange, bis eine dicke Sauce entsteht, die man über die Artischocken gießt. Um Mepfel mit Namenszug zu erzielen, klebt man einen in Papier ausgeschnittenen Namen auf den Aepfel, bevor die Sonne denselben geröthet hat. Wo das Papier die Sonne abhält, bleibt der Apfel blaßgrün, sodaß später auf der rothen Frucht der Name sichtbar ist. Behandlung schlecht gewordener Butter. Hat man Butter, die alt geworden ist und schon einen schlechten Geschmack angenommen hat, so kann man dieselbe wieder wohlschmeckend machen, indem man sie einige Male gut mit frischer Milch durcharbeitet und dann so lange mit kaltem Wasser nachwäscht, bis dasselbe ganz klar bleibt. Dieses höchst einfache Mittel giebt der Butter ihren ursprünglichen frischen Geschmack wieder. Ein Hauptaugenmerk, um Butter lange frisch zu erhalten, hat man auch darauf zu richten, stets für einen zweckmäßigen Aufbewahrungsort für dieselbe zu sorgen. Da außer der Wärme auch das Licht sehr nachtheilig auf den Buttergeschmack wirkt, so muß man daher die Butter immer an einen kühlen und zugleich dunklen Platz bringen. * * * Der Werth des Hühnermistes kommt fast dem von peruanischem Guano gleich, nur daß er mehr Wasser enthält. Die Düngung damit liefert bei allen Feldfrüchten ausgezeichnete Resultate. Man sollte daher nicht versäumen, in die Hühnerställe Gyps, Kalkmehl oder trockene Erde einzustreuen, wodurch der Hühnermist trockener gemacht wird. Der Kehricht ans Mühlen nnd Bäckereien ist vermöge seines großen Mehlgehaltes ein sehr guter Dünger, ebenso der Inhalt der sogenannten Löschkübel, mit deren Wasser nach beendigter Feuerung der Backofen gereinigt wird. * * Rothweinstecken. Frische Rothweinflecken entfernt man aus der Tischwäsche am schnellsten durch kochende Milch. Der mit der heißen Milch begoßene Fleck bleicht sofort; je nach- dem Farbstoff im Wein enthalten ist, muß der Aufguß wiederholt werden. Man reibe den Flecken etwas mit einem Läppchen. Veraltete Flecken entfernt man mittelst Schmierseife, indem man erst den Flecken einreibt und ihn durchziehen läßt, um ihn alsdann herauszuwaschen. * Eiereonserviruttg. Eine ausprobirte Methode, Eier längere Zeit aufbewahren zu können, besteht darin, daß man eine Messerspitze übermangansaures Kalt in zwei Liter Wasser löst, in einer solchen Lösung die vorher gut gesäuberten Eier eine Stunde lang liegen läßt, sie dann gut abtrocknet, in reines Papier einwickelt und?, in einen Korb oder eine Kiste verpackt, an einem trockenen, oder frostsrelen Ort aufbewahrt. e , ♦ Ersparung von Kohlen beim Kochen. Wenn die Kohlen durchgeglüht und Alles an den Ösen Gesetzte am Kochen ist, wirft man ein paar Hände voll Gemüseabfalle auf das Feuer und schließt alle Thüren. Blätter und Schalen verhindern das rasche Verbrennen, und man hat noch den Vortheil, daß das Essen langsamer gar wird, was viel zu dessen Wohlgeschmack beiträgt. Hat man jedoch anderweitige Verwendung für die Gemüseabfälle in der Wirthschast, so kann man an deren Stelle eine dünne Lage schwach angefeuchteter Asche über das Feuer legen, was gleichfalls dar Feuer sehr lange erhält. humoristisches. De r Ped a n t. Professor: „Es ist doch wirklich zu toll, nun bringt das dumme Mädchen wieder den Topf ohne Thee! _ Professor (belehrend): „Aber, liebe Frau, das wäre 1» ein Unding, das wäre ja ein Opf.l" Kutscher.Bosheit. Gigerl: „Kutscher, fahren Sie mich rasch wie möglich nach dem Affentheater. Die Vor- stellung beginnt in einer Viertelstunde." — Droschkenkutscher. „Sie wirken wohl schon im ersten.Acte mit?" Unter Collegen. Professor Kleber: „Haben Sie schon gehört: Man hat dem Professor Streber den Character als Geheimer Rath verliehen." — Professor Leber: „Ausgezeichnet, nun hat er wenigstens diten!" Grob. Gatte: „Für ein weibliches Wesen muß er doch eigentlich schrecklich sein, alte Jungfer zu bleiben. - Gattin: „Sonst würden ste wohl nicht manchmal so grüß liche Kerle heirathen, um diesem Schicksal zu entgehen.