UntechMmgskllM nim Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) v_, V- - .'777" : . ■ ;■■•■■:■.■■ V.777--. ‘ P 1 SS" ' - ■?! - v~* -•-. — K-R.vä. >) v (^ 1896. S-C t Z- '*■ rX- z'v-;-':" ■ -<■•' -■ -■■ ’/ «ML -<-X -- V.'„ - . , .-Usä. •yS'hvs- <^hgx >-'<<<^3^ :.; ■. ^ "■^■■, seSss 7j( 'v S !.\ ' ~J^^s-^s~s-7 . ' ~ — «SBtßkSM-ÄSmRess^M^SS^afMi ---7E7-- ? rx?z~^r_ ;-. ->',->!- */7j"■2553*7-' & 3 !> »aSite^e Die Töchter des Popen. Roman von Marguerite Poradoivska. Deutsch von M. Pillet. -------- (Nachdruck verboten.) I. Die beiden Bergleute hatten Jakubek auf die Bahre gelegt und diese auf ihre Schultern genommen; dann schritten sie mit feierlichem Ernst den Hügel hinab. Ihre hohen Gestalten hoben sich starr von dem drohenden Himmel ab, an dem sich dunkle, silbergeränderte Wolken zu Haufen ballten. Am Ufer des Flusses machten sie Halt, legten den Verwundeten vorsichtig nieder und riefen den Fährmann an. „Heda, PrzewosI Przewor!" Auf dem bleifarbenen Wasser glitten breite Holzstöße in der Richtung nach Bessarabien langsam dahin. „Holla, Przewos! Bist Du betrunken oder schläfst Du?" Ein magerer Jude mit dünnen Lippen und triefenden Augen, eine Sammetkappe, unter der zwei lange Locken hervorhingen, auf dem Kopfe, trat endlich in gebückter Haltung aus der kleinen Bretterhütte heraus, ohne sich sonderlich zu beeilen. „Was ist denn los?" fragte er mit näselnder Stimme. „Schon wieder ein Unglücksfall?" Die Männer hoben die Bahre auf. „Ja, beeile Dich . . . ein Brunnenmacher ist erstickt . . . es sollte die letzte Bohrung an dem Brunnen sein; da hat sich das Gas entzündet . . . seine Brandwunden sind sehr schlimm." „Er war schon zweimal wieder heraufgekommen, weil es ihm an Luft fehlte," brummte der andere Bergmann. „Beim dritten Male erklärte er, er wolle nicht mehr hinuntersteigen, aber der Schurke, der Wolf, gab ihm Branntwein zu trinken; da ließ er sich wieder festbinden, ohne ein Wort zu sagen. Eine Minute später explodirte das Gas." „Er ist doch nicht etwa tobt?" fragte der Jude ängstlich. „Nein, Du Dummkopf, Du hörst ja, daß er nur verwundet ist." „Ich möchte aber nicht, daß er auf meiner Fähre stürbe." „Stirb liek^- selbst darauf, Du Hund! Vorwärts, Platz gemacht I" Die beiden Bergleute maßen mit verächtlichen Blicken die schmächtige Person des Fährmanns, der mit gesenktem Haupte gehorchte. Der Kranke wurde jetzt auf das feuchte Holz der Fähre niedergelegt, das Gesicht gen Himmel gewandt, und der Alte ließ langsam das Tau los, das in der wurmzerfreffenen Fuge knarrte. Hier und da tauchten zwischen den sammetweichen Blüthen« kolben der Schilfstengel die Gestalten von nackten Juden auf, die ihre religiösen Reinigungen verrichteten. Sie kamen und gingen in dem sinkenden Rebel wie lange, weiße Gespenster, verschwanden unter der Fluth und erschienen bald darauf wieder an der Oberfläche mit ihren eckigen Körpern, ihren hageren, blaugefrorenen Gliedern, die in dem scharfen Winde vor Frost schlotterten. Die Fähre landete endlich. Am Ufer kam eine barfüßige Frau im rothen Kopftuch, von einem Knaben gefolgt, in voller Aufregung herbei. „O Jesus, sagt, sagt, ist es mein Mann? Ist e« Jaku- bek? Ach, er ist doch nicht tobt, mein Gott, mein Gott!" Weiterhin unter bem vorspringenben Schutzdachs eines Häuschen», das aus einer Gruppe von Birken hervorschaute, stand eine Greisin mit gefürchteten Zügen, die durch die Arbeit im heißen Strahle der Sonne tief gebräunt, fast schwarz ge« worden waren; sie wiegte sich hin und her und schaukelte eine Katze in ihren Armen. Beim Anblick de» Verwundeten, der herangebracht wurde, richtete sie sich gerade in die Höhe und stürzte mit lautem Aufschrei wie ein Raubthier, dem man seine Jungen entreißen will, auf den unbeweglich daliegenden Körper los, die Katze entglitt ihren Armen und lief heulend davon- „Mein Sohn, mein Junge," kreischte die Alte; „sie haben ihn gelödtet!" „Schweigt, Mutter, Ihr werdet ihm schaden," sagte einer der Bergleute, „helft ihn lieber verbinden; Ihr müßt Euch ja erinnern, was man gegen Brandwunden anwendet." §1 Die Greisin, welche ihr ganzes Leben lang Kurpfuscherin gewesen war und allerlei Krankheiten geheilt hatte, öffnete ihre erloschenen Augen unnatürlich weit. „Brandwunden," wiederholte sie, „wartet einmal. . . Schwarzwurzblüthen . . . weiße für die Frauen, blaue für die Männer. . . . Nein, nein, da» ist nicht richtig. ... Ich ver« = 290 ----- Here den Kopf, . . . ach, ich bin so att! . . . Schwarzwurz- blüthen, das ist ja für gebrochene Knochen und er hat keinen Knochen gebrochen, nicht wahr? . . - Nein, es sind Brandwunden. . - . Mein Gott, mein Gott ... und ich habe doch so vielen Menschen geholfen: dem Payel, dem Dimitri . . . und dem Manne aus Dolina, der die Krämpfe hatte und dem ich am Vorabend des heiligen Woytekfestes dar Herz eines lebendig verbrannten Maulwurfs eingegeben habe ... und dann dem tauben Küster, der jetzt das Gras wachsen hört, nur weil ich ihm ein bischen Fischfett in's Ohr legte." „Es heißt, geriebene Kartoffeln wären gut," sagte die Jakubowa in fieberhafter Aufregung und schickte ihren Knaben in den Keller. „Eile Dich, Janek, und hilf sie mir dann wafchen und schälen." „Ach was," rief die Alte, „das find alles Dummheiten. Wartet — ja, jetzt hab' »ch's .... komm', Kleiner, lauf' schnell an den Fluß. Da wirst Du am Ufer große, grüne Blätter finden, Blätter vom Kolbenrohr; paß aber gut auf, daß es Niemand steht, wenn Du ste pflückst, mach' dreimal das Zeichen des Kreuzes darüber und bringe davon, so viel Du tragen kannst." „ m , „Nein, nein, Mutter, laß uns zuerst Kartoffeln reiben, dann kann dar Kind an den Fluß gehen." Während dieses Hin- und Herredens hatte der Verwundete schwach die Augen ein wenig geöffnet und Schmerzens- töne ausgestoßen. Jetzt umgaben ihn die bestürzten Frauen, redeten ihm zu und suchten in einer alten Truhe nach Leinwand, die nicht allzu hart und rauh wäre. „Ach, Blätter, Blätter vom Kolbenrohr," jammerte die Alte, „ste wollen ihm nicht helfen, wirklich nicht!" Uuterdeffen war eine Nachbarin gekommen und fing an, der jungen Frau beizustehen. _ „Geh' jetzt zum Fluß, mein kleiner Janek, Gott geleite Dich! Wirst Du auch die Blätter finden?" Als das Kind hinaus war, wurde die Alte plötzlich ruhiger; ste kauerte sich ganz dicht neben dem Lager ihres Sohnes nieder und begann leise mit ihm zu sprechen wie mit einem Kinde. „Jakubek, mein einziger Junge, mein Goldfisch, Deine alte Mutter wird Dich wieder gesund machen. Sie will nicht, daß Du stirbst, daß Du fie verläßt! Sieh' nur, wie aus- getrocknet sie ist, sie hat nur Haut und Knochen, keinen Tropfen Blut mehr.....Du willst doch nicht fort, nicht wahr? Mein Kind, mein Kind! Stirbt denn ein Sohn eher als seine Mutter? Das ist gegen die Natur und es bricht einem das Herz . . ." Aber der Unglückliche hörte sie nicht, sondern wand sich in den fürchterlichsten Schmerzen. Andere Nachbarinnen kamen und vereinten ihre Klagen mit dem Gejammer der beiden Frauen und dem Stöhnen des Kranken. Der Verband war, so gut es ging, angelegt; aber die Leinwand war grob und nicht hinreichend und die Verwundung sehr schwer. Eine der Frauen zerriß ihre Schürze, während die Jakubowa ihr Kopftuch hergab. Langsam senkte sich der Abend herab, der Alles wie mit einem feinen Linnenschleler bedeckte, und allmälig fingen große Regentropfen an, gegen die kleinen Fenster zu schlagen; denn das schon lange drohende Gewitter brach in der Ferne los. Die erschreckten Frauen schloffen alle Ausgänge und zündeten in einem Winkel eine Grubenlampe an. Endlich ging die Thür auf und der Knabe trat, von Regen triefend, ein; aber er war nicht allein. Ein kleiner, hagerer Mann von sanftem Aussehen, mit ergrauendem Bart, in der Kleidung eines Försters begleitete ihn. „Ich habe die Blätter nicht finden können," stammelte der Kleine, „da habe ich Herrn Thaddäus geholt." „Das war recht," rief die junge Frau und hob die Augen mit angstvoller Bitte zu dem Forstmanne auf. „Ach, retten Sie ihn, retten Sie ihn, mein Herr!" Der Neuangekommene näherte sich schnell dem Lager, öffnete sein Besteck, wickelte eine umfangreiche Rolle feiner weißer Leinwand auseinander und stellte eine große Flasche mit Kalkwaffer auf den Tisch. Dann legte er mit fast weid, kicher Vorsicht einen sorgfältigen Verband an und flößte dem Unglücklichen einen Löffel voll von einem beruhigenden Tranke ein. Die Alte zuckte hierbei verächtlich mit den Schultern. „Sie werden ihn mir tödten, das ist sicher," rief ste und dumpfe Verwünschungen vor sich hinmurmelnd, nahm sie die Katze auf den Arm und setzte sich auf den Ofen, wo sie zwischen den Zähnen brummte: „Es war kein Kolbenrohr zu finden; er soll also nicht wieder gesund werden! Niemand wird ihm helfen, der Oberförster so wenig wie ein Anderer!; er ist ja auch nicht der liebe Gott. Das Käuzchen hat diese Nacht ununterbrochen geschrieen und gestern, als mein Junge fortging nach dem Brunnen, ist ihm ein Hase über den Weg gelaufen; ich habe ihn selbst springen sehen, mit weißen Füßen und langen Ohren." „Still doch, Mutter, Ihr werdet ihm schaden." Und zum zweiten Male goß der Oberförster dem Sterbenden den schmerzstillenden Trank ein. Der Unglückliche hob die Augenlider, sah starr vor sich hin und flüsterte darauf mit kaum vernehmbarer Stimme : „Die Mutter hat recht, es geht zu Ende." Dann mit einem gläsernen Blick auf den Oberförster: „Ich möchte ... noch etwas sagen ... es bezieht sich aus unsere Papiere. .... Es heißt, unsere Heirath wäre nicht giltig . . man müßte Gewißheit darüber haben ... den Wohlthäter holen lassen. . . . Fragen Sie die Frau ... sie wird Ihnen Alles sagen ... ich kann nicht mehr . . Sein Kopf sank wieder kraftlos hinab. Die junge Frau war leichenblaß mit glühenden Augen und gefalteten Händen niedergekniet. „Nun ja, wenn unsere Ehe ungiltig ist, so wußten wir es nicht, ganz gewiß nicht, damals, als wir sie schloffen. Nun quält er sich damit.....Und außerdem hat uns doch der Bruder, der uns getraut hat, selbst den Ring an den Finger gesteckt." „Welcher Bruder? Seid Ihr nicht in die Kirche gegangen?" „Guter Herr, zu jener Zeit wohnten wir in den Bergen; die Kirche war weit und wir hatten so wenig Geld; denn dazu braucht man viel, zuerst für den Priester, dann für den Branntwein, die Musik, ohne den Wagen zu rechnen, den wir doch hätten nehmen müflen. Und als eines Tages ein junger Bettelmönch auf einer Britschka durch den Wald kam, sagte Jakubek: „Der kommt uns gerade recht." Darauf spannten er und seine Kameraden dem Frater die Pferde aus und forderten ihn auf, eine Trauung zu vollziehen. Er weigerte sich, weil er die Weihen noch nicht empfangen hätte; aber wir erklärten ihm, es genügte uns vollständig, daß er ein Geistlicher wäre Als er sah, daß wir fest entschloffen waren, ihn nicht sortzulaffen, rief er hastig und unmuthig die Verlobten heran. Ich hatte meine gestickte Jacke und meine Korallen angelegt, Jakubek seinen besten Serdak. . . . Wir warfen uns Beide auf die Kniee und er sprach die Worte der Eheschließung. Nur wollte er nachher die zwei Silbergulden, die wir ihm anboten, durchaus nicht nehmen." „Ja, ja," kreischte die Alte, die noch immer auf ihrem Ofen hockte, „das hat Euch Unglück gebracht. Ich habe es immer gesagt, eine Heirath, die nicht bezahlt ist, taugt nichts." „Später," fuhr die Jakubowa mit gesenkten Augen fort, „als wir hierherzogen und die Leute hörten, daß wir keine Papiere hätten, haben sie wohl gesagt, wir wären nicht richtig verheirathet; aber ich versichere Ihnen, lieber Herr," fügte sie schluchzend hinzu, „wir glaubten nicht etwas Böses zu thun und Gott hat unsere Ehe auch sichtbar gesegnet, denn er gab uns ein braves Kind .... und bis heute waren wir so glücklich." Thränen erstickten ihre Stimme. Sie nahm sanft die Hände des Mannes zwischen die ihrigen. „Sag', Jakubek, nicht wahr, ich habe Dir niemals wehe gethan?" Er sah sie wie abwesend an und murmelte: „Niemals, niemals! Sie war mir eine gute, brave Frau." - 291 ... Roth vor Zorn erhob sich der Pope, schüttelte seine zitternde Ehehälfte mit rauher Hand und schrie: „Verlierst Die corpulente Frau wackelte mit sonderbaren Lüft' Verrenkungen, die an den anmuthslosen Gang der Enten et» innerten, in der Stube umher. Neben ihr schlief auf dem Grunde einer Hängewiege ruhig ein Kind, das in ein Kopf, kiffen eingeschnürt war. An jenem Gewitterabend machte das über und über mit Clematis und Geisblatt berankte Pfarrhaus, welches durch eine Reihe alter Kirschbäume gegen den Wind geschützt war, einen besonders traulichen Eindruck. . Durch bie Fenster drang ein mildes Licht und bewies, daß die Bewohner noch wach und in ihrer Ruhe von dem Unwetter nicht gestört waren. Aber Vögel sterben und im Frühling erstehen wieder andere, wie Blumen und Sträucher, — Menschen jedoch! — Sein Vater! Wie sein Herz aufwallte! Er verglich in Ge» Bis jetzt hatte er unbekümmert dahingelebt und begieria Lust und Freiheit auf ungebundenen Streifzügen durch den Wald genoffen und nun erhob sich plötzlich auf seinem Weae das rätselhafte Gespenst der Todes und zwang ihn, nach! zudenken, diesem unergründlichen Problem in'ü Auge zu sehen, das zu lösen der Mensch ewig bemüht sein wird. Sterben! Kalt und unbeweglich daliegen wie die Vögel, die er manchmal mit erstarrten Gliedern im Walde gefunden hatte! Wie neugierig hatte er dann das Häufchen grauer Federn betrachtet, unter dem kein Herz mehr schlug, den kleinen Körper, in dem Zwitschern und Gesang für immer verstummt war. Diese finstere Drohung verfehlte, wie sie wußte, niemals ihre Wirkung. Die Aussicht, als Wittwer die Sorge für die Kinder und den großen Haushalt allein tragen zu müssen, dazu ohne das Recht, eine zweite Ehe zu schließen, erschien glättet sich roenid blockend. Seine zorngefurchte Stirn von sich; nur die Herbstblumen, Chrysanthemen und Georginen, Ringelblüthen und Skabiosen, wurden vom Winde gepeitscht und vom Hagel mitleidslos zerschlagen, so daß sie die matten Köpfchen hängen ließen. In dem Zimmer befand sich der Priester der unirten K rche, ein muskulöser Mann mit rothem Gesicht; er rauchte friedlich seine türkische Pfeife und schlürfte ein Glas Msth M Xe.nb feine Gattin ab und zu ging und in einen S^am Kinderwäsche einräumte, wobei sie jedes winzige Stück sorgfältig glättete. 3 b Wetter! Eher steigt die der Kirche, steinerne Bildfäule vom Hügel herab, um Euch zu trauen. Der Wohlthäter, ha, ha, ha!" Ihr Hohngelächter klang noch lange fort. „Janek, ich kann nicht mehr weiter; laß uns aurruhen nur einen kleinen Augenblick — hier unter dem Schuppen; meine Stiefel sind voll Wasser und der Boden ist durch, milcht- (Fortsetzung folgt.) „Na, na, es ist gut, Diotyma," sagte er mit einigen freundschaftlichen Püffen in ihren Rücken, „Du nimmst Alles von der tragischen Seite; mit Dir ist nicht zu reden. Ich werde Piotr, den Tischler, kommen lassen; der wird es wieder ^machen, daß man nichts sieht. Da, setz' Dich, trink' ein Gläschen Meih, das hilft Dir wieder auf." Jetzt lachten sie Beide, stießen mit den Gläsern an und der Pope tteß sich zum Zeichen der Versöhnung herab, die einzelnen Stücke der Kinderwäsche zu bewundern. Indessen kamen Irena und ihr Gefährte, vom Winde gepeitscht, nur langsam auf der Landstraße vorwärts. Sie waren bis auf die Haut durchnäßt; aber sie beklagten sich nicht. Du den Kopf, Diotyma, Du willst wohl unser ganzes Mobiliar zertrümmern? Neulich erst einen Schemel, für dessen Aus» befferung ich füWg Kreuzer bezahlt habe, diesmal werde ich nicht unter zwei Gulden fortkommen. Wenn man zweihundert Pfund wiegt, spielt man nicht die Zimperliche, den Teufel auch I Ein Lehnstuhl, den mein Großvater an dem Tage seiner silbernen Hochzeit gekauft hat . . . ein Familienstück!" Diotyma machte ein weinerliches Gesicht. „Du bist grausam, Thymoftäusl Du denkst mehr an Deine Möbel als an Deine Frau, die Mutter Deiner Kinde " und doch hätte ich mich dabei todtfallen können. Ach, ich »n» Mckliches Geschöpf, warum habe ich Dich geheirathet! Meine Mutter hat es mir damals wohl gesagt, daß Du ein grober Mensch wärest; aber dumm, wie ich war, hörte ich nicht auf sie. Gott wird Dich strafen, Thymoftäusl Bald, bald werde iA sterben und der liebe Gott wird mich in sein heiliges Paradies aufnehmen. Ich frage mich, was Du mit vier," - sie senkte die Augen, - „ja, mit fünf Kindern auf dem Halse machen willst und Du weißt, daß es Dir verboten ist, wieder zu heirathen, Thymoftäus, verboten durch die Gesetze Er unterbrach sich mit einem unwillkürlichen Schmerzens» schrei. Thaddäus gab ihm noch einen Löffel von der Medicin. „Es geschah nicht in der Absicht, Unrecht zu thun, ebenso» wenig aus Nichtachtung der vorgeschriebenen Bestimmungen; aber wir waren unwissend und arm. . . . Jetzt verstehe ich es besser und das Kind soll nicht unter unserem Leichtsinn leiden. Lassen Sie den Wohlthäter holen, Herr; et soll schnell kommen .... und Du, meine Favronka, zünde die Kerzen an und setze die Heiligenbilder auf den Tisch. .... Gott, wie ich leide! ... Ach, mein armes Weib, mein armes Weib!" Die Anstrengung hatte ihn geschwächt und er fiel erschöpft auf das Kiffen zurück. „Irena," sagte der Oberförster zu einer der Bäuerinnen, „lauf in die Pfarre und bitte den Wohlthäter, sofort zu kommen; sage ihm, daß es sich um eine Eheschließung in extremiS banbett." Und dann fügte er leiser hinzu: „Ich werde Alles bezahlen, was nöthig ist, verstehst Du?" Lautes, schreckliches Lachen ertönte aus dem Munde der Alten. D« BI-S --in Lebenszeichen I Ee-iZff-1!»sinnd« ift ’ÄbJm ich. nm die S-rbwlume». Lbinlanlbemen nnb ' nuber F-ffnn, gebracht. Alsa seine «ern hatten Hine Papiere! Dieser Satz, deffen dunklen Sinn er nicht verstand, nahm in seiner Einbildungskraft eine unheildrohende Gestalt an, die bestimmt war, von nun an sein ganzes Leben zu be» herrschen. Ein dumpfer Donnerschlag erschütterte die Thäler rings umher und zuweilen leuchtete die Stube auf im Flammenschein der Butze. gehe mit ihr," rief plötzlich der Knabe und stürzte bleich, aber mit entschloffener Miene hinter der Bäuerin her. „Nimm wenigsten» eine Decke aus dem Stalle um die Schultern," r ef ihm seine Mutter nach. „Du wirst Dir den Tod holen bei dem Sturm." Jedoch das Kind war schon weit fort. II. .Mtzlich schlug ein ungewöhnlich großes Hagelstück gegen die kleine Scheibe eines Fensters und brach sie in Stücke. Die Frau stieß einen Angstruf aus. „Na, na, erschrick doch nicht, mein Seelchen," rief ihr der Priester in väterlichem Tone zu- 9 fflSKahl unvermutete Fürsorge ihres Herrn und von heute Morgen mit dem erdfahlen, aufaedunsenenE E«'S BäSSSs-ES- Plötzlich gab es einen lauten Krach — 'die Armlehne - - war zerbrochen. m — KeMeZnnütziges. Die Blumen auf dem Fensterbrette. Der Naturfreund will der Pflanzenwelt an der eigenen Wohnung ein Plätzchen einräumen und ist nur ein schmales Blumenbrett draußen am Fenster, auf welchem die lieben Pfleglings Luft, Sonne, Thau und Regen genießen können. Besitzt der Pfleger den rechten Ernst, Liebe und Ausdauer zur Erziehung seiner Gewächse, so werden sie ihn auch hier ersreuen- Am nach« theiligsten wirkt auf die Topfgewächse des Blumenbrettes die Sonnenhitze, der sie meistens sehr ausgesetzt stnd. Oefteres Begießen allein vermag demUebel nicht abzuhelfen. Ich Habs bemerkt, daß wenige Stunden Sonnenhitze die gründlich feuchte Erde der Töpfe völlig wieder austrocknete. Welchen Nachthetl aber häuflges Begießen bet Sonnenhitze und dadurch jäher Wechsel von Hitze und Kühle für die Wurzeln hat, ist bekannt. Um diesem Nebel abzuhelfen, fülle ich das Blumenbrett, um das ein Geländer ist, dicht mit schönem Moose, so daß alle Blumentöpfe, auch die obere Erde, davon umschloffen sind. Dadurch sind die Pflanzen vor der schädlichen Wirkung der zu heißen Sonnenstrahlen geschützt, denn die Erde trocknet nicht mehr so aus, daß sie keine Nahrung hergiebt. Die auf diese Weise geschützten Pflanzen bringen einen reichen und andauernden Flor. Das Moos gewährt auch einen befferen Anblick, als die kahlen thönsrnen Töpfe, die ohne diese Umhüllung leichter vom Winde umgeworfen werden. Bei anhaltender Hitze übergieße ich das Moos, welches die Töpfe umschließt, reichlich. Die daraus vsrdünstende Feuchtigkeit kommt den Pflanzen sehr zu gute. Die vielen schönen Fuchsien« und Pelargoniensorten, von den letzteren namentlich auch die neuen großblumigen Epheupelargonien, geben das brauchbarste Material für das Blumenbrett. Außer diesen sind ganz besonders die verschiedenen Begonien geeignet, ein Blumenbrett zu schmücken, so Begonia Sieberia, Begonia Vernon, Be- gonia Schmidti und Begonia manicata. Gegen Mücken. Nichts ist bett Mücken mehr zuwider als Nelkenöl. Wer sich die unbedeckten Thsile des Körpers mit einem Spiritus, der aus einem Theil Nelkenöl, 8 Theilen kölnischen Waffers und 32 Theilen Alkohol zu- fammengesetzt ist, wäscht, ist gegen die Belästigung der Mücken gestchert. Eine Räuchereffenz aus 4 Theilen concentrirrem Essig, 2 Theilen Nelkenöl, 2 Theilen Benzoetinctur, 12 Theilen ölig-balsamischer Mixtur und 42 Theilen Alcohol vertreibt die Mücken aus den Zimmern. Auch Tabakrauch verscheucht sie. • ♦ Eine Methode zum Aufbewahren frischen Spargels besteht in Folgendem: Die Enden werden alle gerade geschnitten und dann durch kurzes Anhalten an eine heiße Metallplatte obflächlich verkohlt. Hierauf wird der Boden einer Kiste mit einer ungefähr 2 Centimeter hohen Schicht gemahlener, trockener Holzkohle bedeckt und eine Schicht angekohlter Spargelstücks so darauf gelegt, daß sich die einzelnen Stücke nicht berühren und deren Enden — die Kopfenden find mit Seidenpapier zu umwickeln, damit sich keine Kohlenstückchen zwischen die Schuppen des Spargelkopfes drängen und diesen schwärzen — etwas von den Kistenwänden entfernt bleiben. Auf die erste Schicht Spargel kommt eine dünne Schicht gemahlener Kohle und hiermit wird abwechselnd fortgefahren, bis die Kiste gefüllt ist und die oberste Lage aus einer 2 Centimeter dicken Kohlenschicht besteht. Zuletzt wird die Kiste möglichst lustdicht verschlossen^ Stachelbeerwein. Große, aber noch harte grüne Stachelbeeren wurden gelesen und in einem großen Bottich zerstampft; nach 24 Stunden gießt man den Saft ab und schüttelt etwas lauwarmes Wasser über die Beeren, ungefähr auf 4 Liter Beeren 1 Liter Waffer gerechnet, rührt das Wasser mehrmals um, seiht es nach 12 Stunden ab, vermischt es mit dem zuerst abgegoffenen Saft, thut auf 20 bis 22 Liter Flüssigkeit 6 Kilogramm Zucker hinzu und läßt den Wein ar einem warmen Orte gähren. Nach Verlauf von 2 bis 3 Tagen füllt man denselben in ein Faß, gießt auf 20 Liter Wein 2 Liter feinen Cognac zu, verspundet dar Faß gut und bringt es in einen nicht zu kalten Keller; um einen vorzüglich guten Stachelbeerwein zu erhalten, muß derselbe 5 Jahre lagern, bevor er abgezogen wird, doch kann er im Nothfall auch schon nach einem Jahre auf Flaschen gezogen und verbraucht werden. Johannisbeeren einzumachen. V2 Kilo Jo, hannirbeeren, Vr Kilo Zucker. Die Beeren werden gewaschen, auf ein Sieb gelegt und darauf mit einer Gabel von den Stielen gestreift. Dann läutere man den Zucker, lege die Beeren hinein, lasse sie auf schwachem Feuer bei vorsichtigem Umrühren durchweichen, doch nicht im Geringsten zerkochen, lege sie mit einem Schaumlöffel auf einen porzellanenen Einleger oder eine flache Schüssel, füge den abgelaufenen Sas! zum kochenden und lasse diesen dicklich etnkochen; erkaltet rühre man die Beeren durch und fülle sie in Gläser. ♦ ♦ Hanföl, ein Mittel* gegen Ungeziefer. Dar ärmere russische Volk auf dem Lande und in den Städten hält viel auf den Hanf und verwendet Büschel frischer und getrockneter Hanfpflanzen im Hause und in dm Betten, um sich des Ungeziesers zu erwehren. Ebenso wird nach Angabe der „Gemeinnütze Rundschau" das Hanföl neuerdings zur schnellen und gefahrlosen Vertreibung von Hautschmarotzern empfohlen. In 2 bis 3 Stunden nach dem Einreiben hörte bei den massenhaft mit Läusen bedeckten Hausthieren bas Hautjucken aus, die Schmarotzer waren abgestorben. Auch gegen Hautmilben thut es gute Dienste. Von 7 mit Milben behafteten Pferden waren 2 nur einmal, dagegen 5 zweimal mit Hanföl eingerisben; der Erfolg war ein vollkommener, ungeachtet man vor Anwendung das Abwaschen der Thiers mit Seifenwafler oder Lauge unterlassen hatte. Das Hanföl ist für die angeführten Zwecke um so mehr angezeigt, als er billig und leicht zu beschaffen ist, und nicht wie andere Mittel dieser Art giftige Eigenschaften besitzt. Als alter Landwirth Habs ich Hanföl bei Hunden und Kälbern, welche bekanntlich jede Einreibung abzulecken pflegen, mit großem Erfolge angewandt. Es bewährt sich auch bei Federvieh- Im Garten 'flnb Hanfaurfaaten ein wirkliches Mittel gegen Erdflöhe, z.B. um dieselben von Kohlanpflanzen abzuhalten. — Die Hanfspreu wirkt ähnlich. Dazu kommt, daß der Hanf im Garten eine schöne Zierpflanze ist. VermMehtes. Aus den Fliegenden Blättern. Fein unterschieden. Ehemann (am Bette seiner „nervösen" Frau, die immer jammert): „Und so geht es seit Jahren fort, Herr Geheimrath I - . . Ach, ich fürchte, meine liebe Frau ist unheilbar I" — Arzt (leise): „Unheilbar, mein Lieber, möchte ich Sie nicht nennen, aber unverbesserlich ist sie sicher!" - — Gipfel des Protzenthums. Commerzienrath (zu dem um seine Tochter anhaltenden Baron): „Nun, und wie viel . . .?" — Baron: „Herr Commerzienrath — ich habe keine Schulden!" — Commerzienrath: „Bedauere — dann kann ich Ihnen meine Tochter nicht geben!"--Zeitgemäßer Ausweg. Kaufmann: „Ich kenn' mich in meinen Verhältnissen schon gar nicht mehr aus! ... - Muß mich doch 'mal in einem Auskunftsbureau über mich erkundigen!" Milderungsgrund. «Präsident (zum Angeklagten)- „Sie stnd geständig, den Einbruch im Steueramt verübt zu | haben- Haben Sie noch etwas vorzubringen?" — Angeklagter : „Ich bitte um mildernde Umstände, weil ich von dem gestohlenen Gelds meine Steuern bezahlt habe." Redaktion: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.