UntrrhaltMgsblatt jtnir Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). W tiv' W MH lEM Schwester Jlse.^ Sternen von Clarissa Lohde. (Fortsetzung.) „So, so — na ja, die Frauen, Mama!" erwiderte von Beilin. „Du kennst meine Anstcht, da kann man auch nie gut sagen, und wenn sie auch scheinbar die besten sind. Nun aber, Mamachen, ehe ich fortgehe, noch etwas Praktisches. Du kannst Dir wohl denken, warum ich heute herübergekommen bin?" „Ach, hast Du schon wieder kein Geld?" Er nahm sein Portemonnaie und wendete es lachend um. „Du siehst, kein Pfennig fällt heraus. Füll' es wieder ein wenig, bitte, bitte! Wir haben noch acht Tage bis zum Ersten." „Mein guter Junge, Du weißt, ich thue gern Alles für Dich; aber ich bin wirklich augenblicklich ein bischen knapp. Ich brauche neue Sommertoiletten und Du liebst doch, Deine Mama elegant zu sehen " „Nie elegant genug kann sie für mich sein, meine junge, schöne Mama." Dabei küßte er zärtlich ihre Hand. „Nur nicht solche Vogelscheuchenanzüge, wie Ilse sie trägt. Uebri» gen# muß sie sich ja ein schönes Stück Geld sparen. Bei ihrer Art Leben kann sie doch unmöglich die Zinsen de» vom Vater ihr zur freien Verfügung hinterlassenen Kapitals aufbrauchen." „Das thut sie auch wohl nicht- Aber Du weißt, sie ist nicht für's Geben. Da muß ich schon Hand über'» Herz legen, aber verrathe es Ilse nur nicht; sie schilt immer, wenn ich Dir mehr als die festgesetzte Zulage gebe." „Eine Philisterin ist sie vom reinsten Wasser. — Ach, Mamachen, wie viel besser Du mir gefällst!" Dabei küßte und herzte er die Mutter von Neuem, die nun eilig an ihren Geldichrank ging und in das Portemonnaie der Sohnes mehrere Goldstücke legte. „Dank, tausend Dank, Mamachen!" Bruno steckte das Portemonnaie in die Tasche, ohne den Inhalt sich anzusehen. Erst draußen, als er auf dem Wege nach dem Bahnhofe war, öffnete er er und ließ die Gold« stücke durch die Finger gleiten. „Anständig," murmelte er, „höchst anständig. Wenn man die Weiber nur zu nehmen weiß — in dem einen Punkt sind sie Alle gleich — durch Schmeicheleien gewinnt man Alle» von ihnen und wenn sie auch vom eigenen Sohne kommen. Die gröbste Schmeichelei geht in das feinste Ohr, heißt e». Und ein gar feines Ohr hat die gute Mama nicht." III. Wolf von Menzelen siechte allem Anschein nach in der That einem langsamen Ende entgegen. Zwar waren die Splitter der Kugel glücklich aus der Lunge entfernt; aber er hustete, fühlte sich unsäglich elend und glaubte selbst nicht mehr an sein Auskommen. Bei den schönen Sommertagen ließ Doctor Balzer ihn in der Mittagsstunde im Rollstuhl nach dem sonnigen Theil de» Gartens fahren, wo er dann, still in sich zusammengesunken, schweigend saß. Nur Ilses Gesellschaft heiterte ihn zuweilen ein wenig auf. Er liebte ihr weiches Organ, wenn ste sich mühte, ihm Muth und Hoffnung zur Genesung einzuflößen oder ihm in stillen Abendstunden au» ihrem kleinen Bücherschatze vorlas. Gustav Freytag, Cmrad Ferdinand Meyer, Paul Heyse, Theodor Storm zählten zu ihren Lieb» lingsdichtern, deren Werke sie sich alle angeschafft hatte. — Manchmal hatte er Diese« oder Jener, was ihm nicht gefiel, oder was anzuhören er nicht die Laune hatte, schroff zurück, gewiesen; sie aber blieb dennoch unermüdlich in ihrem Anerbieten, in ihren Bemühungen, ihm die langen, trüben Leidenrstunden zu erleichtern. Ost folgte sein Blick ihrem stillen, freundlichen Willen, wenn sie ihm mit Georg gemeinsam alle die kleinen Dienste leistete, deren ein Kranker bedarf, und trat ste dann zu ihm und sah ihn mit ihren klaren, blauen Augen so warm und mitleidsvoll an, da kam es wie ein eigener Friede über ihn und die Linien de« Stolze« und der Bitterkeit in seinem durch die Krankheit verwüsteten Antlitz wichen einem Zuge geduldiger Eraebung, die ihm sonst fremd war. „Wissen Sie, Schwester Ilse," redete er sie eine« Tages an, als sie eben mit dem Vorlesen einer Storm'schen Novelle fertig geworden war, „daß Sie mir zuweilen vorkommen wie 90 frönen und guten Erinnerungen meines Ssbsr.s hängen an diesem Orte. Ich möchte dort sterben." „Nicht Reibe«, sondern gesunden," fiel ihm Doctor Balzer lebhaft in'S Wort. „Ich habe gegen Ihre Uederstedelung nichts einzuwenden, wenn sie mit Vorsicht erfolgen kann und Sie dort die röthige Pfl-gs haben." Wolf fah den Doctor prüfend von der Seite an. , Glauben Sie, daß Schwester Ilse mich dorthin begleiten würde? Ich habe mich bereits so an ihre sanfte Hand ge- wöhnt, daß es mir schwer fallen würde, sie entbehren zu E^Dar kann ich Ihnen nicht sagen, darüber muß die junge Dame" allein entscheiden. Doch möchte ich Ihnen zu erwägen geben, Herr Baron, daß sie bis jetzt noch eine freiwillige Pflegerin —" i „Und was thut das?" Doctor Balzer lächelte ein wenig. „ „Schwester Ilse ist ein junges und hübsches Mädchen. „Hübsch? Daß ich nicht wüßte! Jedenfalls gehört sie nicht zu den weiblichen Wesen, die einem Manne leicht ge- I jährlich werden können." Das sagen Sie; die Welt denkt vielleicht ganz anders. Jeden'salls glaube ich, daß eine junge Dame, die noch nicht dem Verbände eines Diacomffenhauses angehört, schwerlich ohne Schädigung ihres Rufes HauSgenosfin des Barons Wbbs von Menzelen werden kann." . 6 Des tollen Wolf, meinen Siel Ach, bester Doctor, das ist fo "lange her. Werden Einem die Jugendsünden denn tue oeigeben^ bQtM( @ie dafür noch verantwortlich zu machen? Aber Sie kennen die Welt, b.e das Reine gern in den Staub zieht. Uebrigens möchte ich S>e durchaus nicht daran hindern, Herr Baron, Schwester Ilse selbst Ihren Wunsch vorzutragen. Sie ist ein sehr eigenartiges und groß, sinniges Mädchen, das gern seine eigenen Wege geht.^ Ich möchte Ihren Entschließungen keinensalls vorgreuen. sollte Sie aber abtebnen, was ich de mach vermuthe, so werde ich sicher in der Lrge sein, für einen entsprechenden Ersatz zu eins der Gestalten Ihres Meblingsdichters, so eigen weltftemd, I ° ^'llntvkklich?" entgegnete sie lächelnd. „Und doch bin ich greifbar nahe bei Ihnen. Das spricht nur dajür daß auch die Gestalten Storms nicht so unwahr geschildert find, roie ^Jedenfalls sind Wesen wie Sie sehr selten, Schwester Ilse. ” SBte Sie überhaupt, so jung noch, einen so entsagungß- I vollen Beruf ergreifen konnten!" , „ . Das ist nichts zu Besonderes, bas thun viele mit mir. Und was sollte wohl aus den Kranken werden, wenn sich Niemand ihrer Pflege unterziehen wollte? Ach uns Sie wißen gar nicht, Herr Baron, wie beglückend es ist, Schmerzen zu lindern das wiederk-hrende Leben der Genesenden zu beobachten und sich sagen zu können: Auch Du hast Deinen, wenn auch kleinen und bescheidenen Antheil daran I Ja ja," nickre er, „das ist sehr schön, sehr ideal, aber die Jugend pflegt sonst andere Wünsche, andere Hoffnungen. ÄU H^Mnn matt eine sehr glückliche Jugend gehabt hat, Herr Baron ja. Mich aber hat das Leben schon früh in feine Schule genommen. Ich habe einen heibgcllebten Vrter in voller ManmSkraft dahinsiechen sterben sehe., muffen; das macht ernst und rückt andere Ziele vor die Augen, als sonst | wohl meinen Altersgenossinnen." . Ich hörte heute erst," sagte er, sie voll mit prüfendem Blicke ansehend, „daß Sie eine Schwester des Lieutenants von Bellin sind, den ich zuweilen in Radnitz gesehen habe. Er Re mit leichtem Erröthen, „während ich dem Vater ähnle. Ja ja," nickte er und ihm ging es durch den Sinn, daß er von jener Frau von Bellin, die in Hertheim die kleine, K et”* »*«« V.»° M.6, -»--»--d »qi «mb« Günstig«» gehistt habe. Und die!« hat eme soiche Tochter' Wie seltsam die Natur oft spielt. Vieles an ihr, besonders aber idr Entschluß, Diaconisstn zu werden, wurde Am Abmd^alS Ilse ihn zu einem kurzen Spaziergang verlassen batte und Georg im Nebenzimmer beschäftigt war, überraschte er den Doctor, der ihm seinen B such anRathte, mit der Frage, wie lange er nach seiner Schätzung wohl noch '^^Die Unterhaltung war damit beendet und Wolf wieder allein in seinem Zimmer. Die letzten Strahlen der sinkenden Sonne fi-len durch das Fe, fier bis zu dem Stuhl, auf dem der Krank- faß. Sein müder Blick streifte das heiter schön- heitsvolle Bild, bas sich vor ihm ausbreckete. Em leichter Abendglanz umwob mit feinem Zauber Wälder und Hören, der Duft blühender Rosen flathete durch das Fenster bir zu ihm Weiter im Westen schwammen goldig gefärbte Wo.ken tm lichten Aether. Nachtigull und Grasmücke fangen lene in den Uferbüschen des am Garten voiüberrauschende« seufzte tief und schmerzlich auf. So einsam war er so allein stand er in der Welt, daß es ihm wehe that, die freundlich mitleidsvollen Augen seiner Pflegerin zu verlieren. Daß sie ein gleiches Sch ckial mit ihm gehabt, ein durch Selb und Krankheit in der Familie getrübte Kindheit, das hatte sie ihm noch näher gebracht Uab nun sollte sie I fort/eine Fremde kommen, die ihm vielleicht unsympathisch, zuwidtt, wsei ^aßsinniges Mädchen, hatte Doctor Bal»» aemeint das sich über die Vorurtheile der Welt fortletzte. Wenn er sie dennoch fragte? Aber dürfte er es nach dem, was der Doctor ihm gejagt hatte, daß ihre Anwesenhe seinem Hause, in dem Hause des „tollen Wolf , ihren RUs schädigen <öe"ne^ün^te( er wäre «och der Rolle Wolf. M lange aber lag diese Zeit jetzt hinter ihm! Und warum war er der tolle Wolf geworden? War es nicht die dunkle Wolk, die über seiner Kindheit, seinen JünglingSjahren S^egert, di« Wolke der Verleumdung, die über den theuersten Häup , die er beseffen, verhängnißvoll geschwebt, der ^bg-ltebt , unter ihrem G schick zusammenbrechenden Mutter und dem I Seim bem e^Äs verdankte, der ihn wie einen Sohn auf' iU le©oc?o?S8aIjer sah seinen Patienten ganz verbutzt und EAkk°LknT,°S--°Bm°», 1« wr «t. gegnete er zurückhaltend. „Sie sind auf dem Wege der Besse- runa wie oft soll ich Ihnen das wiederholen? . ' Wenn ich Ihnen nun aber sage, daß ich vom Gegen- theil überzeugt bin? Sie wollen mich schonen, wollen mir Lebensmuth einflößen, ich begreife das vollkommen. Doch hänge ich zu wenig am Leben, um mich vor dem Tode zu hupten. Also noch einmal, Doctor, seien Sie gegen die sonstige Ge- wohnheit des Arztes offen mit mir. Sie wissen, man hat seine irdischen Angelegenheiten zu ordnen." „Run, wenn Sie so sprechen, Herr Baron so muß ich schon wohl oder übet antworten. Also kurz: Ich hege M entschiedene Hoffnung, Sie ganz wieder herzustellen. Doch wir Aerzte sind immerhin nicht a^wissend.^ Deshalb, wenn Sie noch Beifügungen zu treffen haben — „Ah so, ich verstehe." „Doch vielleicht nicht so ganz, Herr Baron. JL meine, feinen letzten W llen aufsetzen kann man zu jeder Zeit. Doch ist damit keineswegs gtiagt, d-ß ich irgend eme p ötz iche Wendung zum Schlechteren befürchte. Im Gegentheil, Ihr Zustand ist keiner, der sich rasch entscheidet; es kann Monate, S, ein Jahr dauern, ehe Sie Alles Überwunden Haden. Wolf nickte leicht mit dem Kopfe zu diesen Worten. Ich danke Ihnen, lieber Doctor, und nun noch Eins," faate et bann nach kurzer Pause. „Ich hege den dringenden Wunsch, nach Gattersberg MÜckzukehren. Sie wissen, alle 91 zgg und liebte, was ihn in das roilbe Genußleben getrieben hatte. Wie einen Sohn! Jr, deshalb gerade wuchs das Mißtrauen, deshalb fing man an, die von der Verleumdung erfundene Legende zu glauben. Ec erinnerte fich noch deutlich des Tages, da auch in feine ganze Seele zum ersten Mal der Schatten dieser Verleumdung gefallen war. Es war am Beisetzungstage des Vaters, dessen Leiche vom Schlachtfelde von Königgrätz nach Gattersberg gebracht worden war, um dort in der Familiengruft beigeietzt zu werden. Die Ceremonie war vorüber, die meisten der Leidtragenden harten Gattersberg bereits verlassen. Nur der zmette Bruder seines Vaters, der Prästdent von Wenzelen, weilte mit Frau und Sohn noch im Schlosse- Axel war um zwei Jahre älter als er, ein wegen seines Fleißes und guten Betragens von Eltern und Erziehern gerühmter Knabe, was ihm, Wolf, der im Cadetlenco pS erzogen wurde, nicht gerade nachzusagen war. So maßte fich denn der Vetter einen gew ssen Präceptorion an, den er schon damals nicht vertragen konnte und gegen den er sich stets aufbäumte. Die Mutter, stets leidend, hatte sich gleich nach der Beisetzung auf ihr Z mmer zurückgezogen, die Anderen befinden sich im Salon, er selbst stand mit Axel am geöffneten Fei ster des AufdahrungSzimmer» und untervielt sich nach Knadenart damit, Blätter von den dort ausgestellten Lorbeerbäumen abzupflücken und in den Schloßhof flattern zu laffen. Das verwies ihm der Vetter in gewohnter hochfahrender Art. „Du scheinst Dir aus Deinem Vater nicht viel gemacht zu haben, Wolf, daß Du nichts Besseres in büfem Augenblick zu thun weißt, als solch' unnützes Spiel zu treiben." „Ich meinen Vater nicht geliebt! schrie dieser nun wüthend auf. „Wie kannst Du Dch unte-stehen, mir so etwas zu sagen! Ihr standet Alle, Du, Dein Vater und Deine Mutter, ungerührt wie Stetnfiguren da, keine Thräne habt Ihr vergossen!" „Im Weinen und Jammern zeigt sich nicht immer die Trauer. Und warum zeistö st Du die schönen Bäume hier, was haben ste Dir gethan?" „Die Bäume sind des Onkels Eigenthum und er erlaubt es mir; ich kann hier Alles thun, was mir gefällt." Ein böier Zufall wollte es, daß in diesem Augenblick gerade der Prästoent mit ferner Gemahlin eintraten um den Sohn zum Ausbruch abzurufen. Sie hatten Wolfs über- müthige Aeußerung gehört und nun w mbte sich der Präsident zu dem ihm folgenden Bruder mit den schneidenden Worten: „Du scheinst Dir p ein n ttes Pflänzchen da zu erziehen, Alfred. Ich rathe D r, beuge das Bäumchen, so lange es sich noch beugen läßt, sonst könntest Du noch Uebles an diesem Eprößiing der Wenzelen erleben." „Ich bitte Dich, Otto," war des Oi kels abweisende Antwort, „menge Dich nicht in Sachen, die Dich nichts angeh n. Ich habe die Voimundschast über Wolf übernommen und werde ihn im Verein mit der Mutter erziehen, wie es uns gesällt und recht büutt." „Freilich," klang es bitter zurück, „dieses nächste Recht wird Dir Keiner abstreiten; aber ich rathe Dir noch, D nie Liebe zu dem übermüthigen Jungen nicht qar zu öffentlich zu bocumentiten. Es wäre wirklich eine Rücksicht, die Du, meine ich, Deiner Familie schuldig bist, win i Du Dich so weit zu beherrschen suchtest, dem Auge der W.ttt eine Bevorzugung zu verbergen, die so übel gedeutet wird." „Otto!" Mit einem Sprunge stand der Schloßherr neben dem Bruder und schüttete heftig dessen Ann. „Kein Wort m iter oder ich weiß nicht, was ich thne —" Der P äfioent trat mit dunkelgeröchetem Antlitz einen Schritt zurück, angstvoll klammerte sich seine Gattin an ihn. „Ich bitte Dich, Otto, komm' fort von hier. Ich sagte es Dir ja, es wäre am besten gewesen, wir hätten uns fern gehalten —" „Ja," entgegnete der O.ckel, nun sich zu größerer Ruhe zwingend, „das wäre in der Thal besser gewesen, wein Ihr Euch nicht so weit wenigstens in Gewalt haltet, um einer unglücklichen, durch das Schicksal so schon schwer gebeugten Frau mit der gebührenden Achtung und Rücksicht zu begegnen." Die Präsidentin warf mit einer stolzen Bewegung den Kopf zurück. „Ich bin der Wiitwe des in Leid und Verzweiflung dahingegangenen Schwagers ganz fo begegnet, wie ste es verdient —" „Wie, Sie wagen es, zu richten? Ungehört zu ver, dämmen? Gott möge es Ihnen verzeihen, ich vermag es nicht." „Genug, übergenug der Worte," mischte stch jcht der Prästdertt ein. „Du vergißt, Alfred, was Du der Gastireund. sevatt schuldig bist- Wundere Dich deshalb nicht, wenn wir nicht eher wieder nach G ittersberq kommen, bis die Ve-Hält- nisse hier völlig rein sind und Du wieder rufig geworden fein wirst." 2) .mit nahm er seine Frau am Arm, winkte den still und mit rusammengekmff nen L ppen dem Vorging lauschenden Ax l gn seine Seite und alle Drei verließen schweigend das Gemach und das Sch oß. Der Onktt aber nahm den weinenden Wolf in seine Arme und küßte ihn zättlich: Ruh'g, ruhig, Kind, sie sollen weder Dir noch Deiner Mutter etwas anhaben." Der Onkel batte Wort gehalten, Mutter und Kind vor j der Undill der Welt geschützt. In des Knaben Seele aber war ein Funke des Zwiespalts gewoifen, her nicht mehr verlöschen sollte, der seine Jugend, sein ganzes 8ew ihm verdunkelte. Traf seine Mutter eine Schuld, war ste unschaldig verleumdet roorbtn? Die Auik ärung wurde ihm erst durch den Onkel selbst, nachdem die Mutter ihre müd n Augen für immer geschloffen hatte. Es war eine Beichte, die der Onkel dem Sohne der Frau ablegte, deren Leben durch ihn zerstört worden war, eine Beichte, die diesem einen Tyeil der Last, die auf seinem jungen He z n gelegen hatte, löste, doch aber nur einen Treck. „Eines," so hatte der Onkel geschlossen, „halte fefl. mein Junge: Deine Heimgegangene Mutter war das liebste, da» reinste Geschöpf unter der Sonne. W nn Jemand eine Schuld trifft, fo bin ich er. Ich liebte sie, seit ich sie zum eift n Male an der Seite Deines Vaters gesehen, und da es ihm an den r ölhigen Eigenschasten gebrach, eine femempsindende Frau wie Deine Mutter glücklich zu machen und er in rücksichtsloser Selbstsucht nur seinen eigenen Ne gunren und seinem Vergnügen lebte, so geschah, was unausoteiblich war: sie fing an, meine Gefühle zu erwidern. Doch in her Stunde noch, in der wir uns das bekannten, stand es auch fest in uns, daß diese Liebe befielt werden muhte. Das Unglück wollte aber, daß Dein V ter uns in diesem Augenblick überraschte. Sein Zorn, sein Erschrecken war maßlos. Ec, der seine Frau b'Sher ganz stch selbst überlassen hatte, wurde plötzlich zu ihrem eifersüchtigsten Hüter. Die Ehe. die so lange eine gleichglltige gewesen war, gestalt tte fich nun zu einer tief unglücklichen." „Und warum, Onkel," warf Wolf ein, „hast Du die Mutter nicht geheirathet, als sie Wiitwe geworden w r?" „Warum, das frage die Welt! Die Welt trat zwischen uns mit ihrer Verleumdung, th er Böswillnkett Die schnödesten Dinae hlte man mir und Deiner Matter nachgesagt, selbst die Reit 'iätzigkett Deiner Geburt wurde angezweiselt. Wäre Deine Mutter eine stark.,eiftige Frau gewesen, sie hätte stch vielleicht über die Bosheit der Menschen erhoben und mir dennoch die Hand gereicht. Sie aber in ihrem allzu zarten Empfinden vermochte es nicht über sich Sre meinte, unsere eheliche Verbindung würde dem bösen L'Umund einen Schein von Wchrheit verleihen und sie glaubte es Dir, ihrem Sohne, schuldig zu fein, zu entsagen, um kttnen Schatten auf Deine Gebmt fallen zu lassen, ach, und doch Alles vergeblich! Das böfe Wort der Verleu ndung war einmal gefallen und wirkt bis heute noch nach." „Wie, man wagt —?" »2 - „Noch immer zu zweifeln und vor Allem tbut dies mein eigenes Blut, die Verwandten, die ich seit dem Tags der Bei« setzung Deine» Vaters nicht wiedergesehen habe." (Fortsetzung folgt.) Gsine?niMtziges* Frühes Verpflanzen von Stachelbeer- ftränchern. Wer Stachelbeeren an« oder umpflanzen will, der nehme dies recht bald vor, im März, oder sobald der Boden solches zuläßt. Dieselben treiben bekanntlich sehr bald aus und kommen, wenn sie schon Blätter haben, dann weniger gut fort. Bei einem frühzeitigen Verpflanzen ist allerdings mit Frost zu rechnen u>d ist es da zweckmäßig, nach ge- schehener Anpfl nznng den Boden um die Sträucher herum mit einer dünnen Schicht Laub, Streu oder M st zu be« decken, damit die Wurzeln so weniger vom Frost zu leiden haben. # Zum Treiben von Gurken kann man die Kerne bereits j tzt in Kistchen säen, die int warmen Zimmev» stehen und mit feuchtgehaltenem Torf oder mit Sägespähnen gefüllt find. Später sind die Pflänzchen in kleine, dann in größere Töpfe, je einzeln, und schließlich ins Mistbeet zu versetzen. Zum Begießen ist nur warmes Wasser zu verwenden, namentlich für die noch kleinen Pflanzen-, Wann und wie werden Nelken vermehrt? Die geeigneteste Zeit ist der Februar. Man nimmt von den gesündesten Pflanzen kräftige, junge Triebe, schneide oder reiße dieselben, st-cke sie in reinen Sand bei einer Bodenwärme Nicht über 10 Grad R. und halte dieselben gleichmäßig flucht; allzu starke Sonne ist zu vermeiden, und müssen die Stecklinge dann schattirt werden. Nach Verlauf von fünf bis sechs Wochen sind die meisten bewurzelt und können entweder in ganz kleine Töpfe einzeln oder aber auch in Handkasten pikirt werden; nachdem dieselben eingewurzelt sind und sich ge- kräftigt haben, müssen sie abgehärtet werden und kommen in einen Kasten, wo so viel als möglich gelüftet werden muß. Im Mai werden die Stecklinge ins Freie gepflanzt. Die Anemouen können im Frühjahre, sobald es die Witterung erlaubt, gepflanzt werden. Die Knollen werden je noch der Größe 6 bis 10 Centimeter von einander und 3 Centimeter tief gelegt. Blüihezeit bei Herbstpflanzung April und Mai, bei Frühjahrspflanzung Juni und Juli. Sie gedeihen in einem einigermaßen fetten, gut zubereitetem Boden und lieben Feuchtigkeit und Schatien. Sind nach der Biüthe Stengel und Blätter welk geworden, so nimmt man die Knollen aus der Erde, trocknet sie an der Sonne, damit sie hart werden und bewahrt sie an einem trocknen Orts auf. Um schädliche Pilze, Jnsecten rc in Kellern, Hühnerställen rc zu tödten, nehme man ein Gesäß mit Salz und gieße darüber Schwetelsäure und stelle solches einige Stunden in den dicht verschlossenen Raum. Die sich entwickelnden Gase vernichten alles Ungeziefer. Später ist natürlich tüchtig zu lüsten., , Gegen das übermäßige Haaren des Hundes ist folgendes Mittel arzuwenben: 100 Gramm Leinöl mit circa 20 Tropfen Terpentinöl gut umgejchüttelt. Damit feuchte man einen wollenen Lappen an und reibe den Hund vom Schwanz bis zur Schnauze und zurück ca. 10 Minuten lang tüchtig ab, welches wöchentlich einmal zu wiederholen ist, bis das Haar gesund und glänzend erscheint. Wasserdichte Gewebe lassen sich herstellen durch Be« streichen nut einer Mischung aus Leinsamen-Brei und Spanisch Weiß, Ocker, Kreide, Talk oder Bimsstein. Der Leinsameü, Brei wird durch Kochen von Leinsamen mit Wasser bärge» stellt und soll ungefähr die Steife der Stärke, wie sie zur Wäsche verwendet wird, haben. Durch Pressen durch ein Tuch wird er von dem Sarnen befreit und mit Spanisch Weiß oder Ocker u. s. w. gemischt. Auf 1 Liter Leinsamen- Abkochung nimmt man etwa 100 Gramm Erde. Da» mit der Mischung bestrichene Gewebe erhält nach völligem Aus« trockenen zwei oder drei Anstriche von ungekochtem Leinöl, welchem etwa 2Va Procent Bienenwachs und etwas Siccatif beigemischt siud. Nach jedem Anstrich läßt man acht bi» 10 Tage trocknen und reibt mit Sandpapier an. Kitt für Holz, Horn und Perlmutter. Da es feine Schwierigkeiten hat, Holz, Horn und Perlmutter gut zu kitten, so sei zu diesem Zwecke nach einer Notiz der L. Ztg. eine Mischung aus erweichtem Leim mit einer entsprechenden Quantität starken heißen Essigs, V« Liter Alkohol und ein wenig Alaun auf's Bests empfohlen. Der Kitt, dessen Bindekraft eine ganz außerordentliche ist, läßt sich in einer verschlossenen Flasche,gut ausbewahren. Reinigen der Goldrahmen von Fliegeuschmutz. Die Reinigung kann in folgender Weise vorgenommen werden: 10 Gewichtstheile Eiweis werden mit 4 GewichtStheilcn Kochsalz durch tüchtiges Schlagen ober Quirlen vereinigt und hiermit die Rahmen entweder mittelst einer weichen Bürste gehörig abgebürstet oder mittelst weicher Wolllappen sauber und behutsam abgerieben. Hierdurch wird der Schmutz vollständig entfernt und der Rahmen erhält seinen ursprünglichen Glanz wieder. VevnrMhtes. Sie kennt sich aus. „Baronin, warum haben Sie bett kräftigen Menschen als Kutscher angenommen?' — „Gr ist noch nicht verherrathet." — „Da» ist ja gerade gut. Muß denn Jbr Kutscher verheirathet sein?" — „Gewiß. Verheiralhete Männer folgen viel ,besser." Mit Gefahr verbunden. Herr Süffle im Seebade: „Ah! dar thut aber wohl! Wenn nur da» Baden nicht mit solcher Gefahr verbunden wär'! Ich hätte beinah — Wasser geschluckt!" , Grenze. Dame: „Sie dichten, Sie singen, Sie malen . . . ." — Lieutenant: „Lieutenant kann Alle» — nur nicht alle Liebe erwidern!" < Aus einem Soldatenbrief. !!•••* Lebe wohl! — zwischen uns, Leni, sind sämmtliche Würste der Welt zerschnitten !" Lakonisch. Gläubiger (empört): „Natürlich, wenn Sie Champagner trinken, dann können Sie Ihre Schulden nicht bezahlen!" — Schuldner: „Heute reden Sie doch 'mal vernünftig, Meister!" * Gemüthlich. Zahnarzt (zumPatienten, der jämmerlich aufheult): „Schreien Sie nur, Mann, dann ärgert sich wenigstens mein Concurrent drüben — der hat die ganze Woche noch keinen Patenten gehabt!" Maxl's Entschluß. Nicht wahr, Papa, zu meinem Gebmtsrag schenkst Du mir einen Ziegenbock?" — „Ja, Maxl, aber nur, wenn Du mir versprichst, bi« dahin jeden Tag von früh bis Abend» ganz artig zu sein!" — (Nach längerem Ueberlcgen): „Papa, schenk mir lieber keinen Ziegenbock!" SHMrtien: N. Gchryda. — Druck und Vrrlag der Brühl'schen Unlv»rsiMZ-Buch- und ©temfcructaei (Pietsch & Scheyd«) in Vi«M»