Niitrchaltllngsblatt Mm Gießener Anzeiger Wenrral-Anzriger) ..... ....... .- ■■ ■■., rrar-r.T - Nr. 138 1896. i 9 > ■ G3S ZS -— LLWl^W^^DWW MWOSGKMWLW Ä»» MWM WWW S K' eMl E?sSEi2MSM fvMmmer verschlossen, wie es mich ohne Zweifel auch Ihrer Achtung auf ewig beraubt hätte. So ging es fort bis zu ” Tage, wo meine Leidenschaft für einen einzigen um glückseligen Moment den Steg davontrug über alle Mahnungen der Klugheit und alle Gebote der Mannesehre — dem Tage, der mich zu dem elendesten Menschen machte- — Als ich zur Erkenntntß der Nichtswürdigkeit kam, die ich da begangen, hatte ich keinen anderen Gedanken mehr al» den an die Flucht. . ., 3^ war einer Ohnmacht nahe, als ich Re wiederfah, denn inijrem schneeweißen Haar und in ihrem hinfälligen, krankhaften Aussehen gttch Re einer Siebzigjährigen. Ihr Geist war völlig umnachtet und Re erkannte mich nicht. Aber Re folgte wir willig und erwies sich als eine stille, geduldige Patientin auch auf der Reise, die wir alsbald antraten. Ich confultirte zunächst einige berühmte ärztliche Autoritäten in Wien und Paris; dann, als ich von ihnen übereinstimmend eine Besteigung der hoffnungslosen Prognose erhalten hatte, reiste ich mit meiner Frau und dem Pflegepersonal nach SB., dessen ftlittiu mir als günstig bezeichnet worden war und wohin mich außerdem der Wunsch zog, Ihren Vater kennen zu lernen. Was dann weiter geschah, ist Ihnen ja bekannt. Ich liebte Sie von dem Augenblick an, da ich Sie zum ersten Male gesehen, und ich fühlte, daß die« die erste wirkliche Liebe Lebens sei. Ich war unaussprechlich glücklich in 3brer Nähe, und in der Seligkeit der wonnigen Gegenwart unterdrückte ich jeden Gedanken an die Zukunft gewaltsam sLalPem $er3en‘ ®8 war nicht von allem Anbeginn meine Absicht gewesen mix durch eine schändliche Lüge Ihrer Gegen- liebe zu erschleichen. Aber als ich nach unserer ersten Be- Segnung auf der Promenade wahrnahm, daß Sie meine weißhaarige Begleiterin für meine Mutter gehalten hatten da raubte mir eine unsinnige Furcht, Sie zu verlieren, in dem entscheidenden Augenblick die Kraft, Ihren Jrrthum zu 6n e^e Flucht aus dem Leben, dessen - n°VrböfUe;E »ür wich ja nur noch eine einzige, unaufhörliche Sri»e ” fonn e; 2tber legte den Revolver, der schon geladen war, wieder an seinen Platz zurück, denn ich batte doch nicht den Muth, der ersten Erbärmlichkeit eine zweite ST R' ?m ber armen Wahnsinnigen willen mußte ^hie Last meines verpfuschten Dasein« auch weiter tragen. Was in chrtt umnachteten Seele vorging — ob ihr vielleicht ®r‘nne™? aufgedämmert war an das, was wir, emander dereinst gewesen — ich vermag es ja nicht zu sagen aber sie legte in unserem erneuten, und doch so ganz /er- änderen Zusammenleben eine gewisse kindliche Neigung an den Tag, die bei diesem unglücklichen, lebendig tobten Wesen etms doppelt Ergreifendes hatte. Sie war unruhig und traurig, wenn sie mich nicht in ihrer Nähe sah; nvtn S tritt aber genügte, sie still und heiter zu machen. Wenn es i^rem armen, glücklosen Leben noch ein letztes Mißgeschick geben konnte, so war es mein Tod — und deshalb batte bft*elifte Mcht, wich für sie zu erhalten. di- -N ° htese Pflicht erfüllt, habe mit schwerem Herzen «1C erfte Öerau8forberung Ihres Bruders zurückzewiefen Bru§ s- » Qetrabe^ sehnsüchtiges Verlangen fühltt, meins Brust feiner Kugel preiszugeben, unb ich habe zum Lob» für bMona^9e Martyrium bett Trost gehabt, meine un« glückliche Maud mit einem Lächeln auf den Lippen scheiden 3hr letzter dankbarer Blick, ihr letzter zärtlicher Händedruck galt mir — sie wenigstens hat in ihrer Sterbe, stunde keinen Vorwurf gegen michHrhoben 9 e ,. .. Bor drei Tagen habe ich ihre irdische Hülle unter italienischem Himmel begraben» und soeben bat mitfi n-» Kartellträger Ihres Bruders verlassen. Ich hoffe, bo§ die Land d-8 .fSerrn WSLffn«.« .—k r'V. l|c'. . aB ole vy jen UNO teilt Blick sicher sein wird denn es wäre eine traurige Nothwendiakeit wenn t-b Richteramt zuletzt doch noch selbst übernehmen müß?e b Dir aber, meine angebetete Erika, der diese ri-js-» Mann^bü/^^ ^wmen werden, wenn ich bereits ein stiller Mann bin — Dir muß ich s am Schluß meines Bekennt. ich auf ^dieser W°I, nur Dich Lich Ä V s*- In Fesseln. «rzählung von Reinhold Ortmann. lSchluß.) 530 - Als Arnold Fabrieiu» nach Verlaus einer Stunde, von banger Besorgniß getrieben, an die Thür des Giebelzimmers klopfte, trat Erika in Hut und Mantel auf die Schwelle. „Was ist das?" fragte der Assessor betroffen. „Du willst doch nicht fort — jetzt bei einbrechender Nacht?" „Ja," sagte ste in einem Tone, der von vornherein jeden Widerspruch auszuschließen schien. „Ich will an Herbert Ellesmeres Sterbbeett, und ich hoffe, Du wirst mich begleiten." Es war umsonst, ste an der Ausführung ihres Entschlusses hindern zu wollen. Die Vorstellungen des Bruders vermochten gegen ihren unerschütterlichen Willen ebensowenig als die Bitten des Vaters, und noch mit dem Nachtzuge reisten die Geschwister in der That nach der Provinzialhauptstadt ab. Als fich Erika am folgenden Morgen bei demMgirenden Arzt des Elifabethkrankenhaufes meldete und ihm den Wunsch aursprach, Ellesmere zu sehen, hatte der menschenfreundliche Herr zuerst einige gewichtige Bedenken. „Er sieht mit unserem Patienten nicht mehr ganz so hoffnungslos aus wie gestern bei der Einlieferung," meinte er, „gerade deshalb aber müssen wir darauf bedacht sein, alles Aufregende von ihm fernzuhalten, und ich weiß nicht, ob es sich ohne Gefahr wagen ließe, Ihre Bitte zu erfüllen." Aber das junge Mädchen versprach, sehr tapfer ziHsein, und dann fügte sie leise hinzu: „Ich glaube nicht, daß mein Anblick eine ungünstige Wirkung auf Herrn Ellesmere hervorbringen würde. Ich möchte ihm eine Nachricht bringen, die ihn gewiß erfreut." Der erfahrene Arzt blickte ihr ein paar Secunden lang forschend in« Gesicht; dann gab er seinen Widerspruch aus. Und Erika hielt, was sie ihm gelobt hatte. Man konnte mit schmerzzerissenem, blutendem Herzen nicht tapferer sein als sie er war, als sie da« Krankenzimmer betrat, da sie sich über das todtenblaffe, aber wie in einem überirdischen Glücksgesühl sonnig verklärte Antlitz des noch immer heißgeliebten Mannes beugte, um ihm zuzuflüstern: „Ich habe Deinen Brief gelesen — und ich habe Dir Alles, Alles vergeben." Eie meinte er als letzten Trost einem Sterbenden mitzugeben auf feinen schweren, dunklen Weg; aber jenes allmächtige Schicksal, das unerforschlich ist in seinen Grausamkeiten wie in seiner Güte, hatte er anders beschlossen. Was anfänglich keiner der Aerzte im Ernst zu hoffen gewagt hatte, geschah. Die gewagte Operation, welche man unternahm, um die Kugel zu finden, gelang über alle Erwartung glücklich; dar Verderben bringende Geschoß wurde entfernt und die Heilung der Wunde nahm von diesem Tage an einen überraschend schnellen und gleichmäßigen Verlauf. Zweimal nach jenem ersten Besuche war Erika zu dem Patienten gekommen. Dann, als es kaum noch einem Zweifel unterliegen konnte, daß er genesen würde, erschien sie nicht wieder. Es war jedesmal sehr wenig zwischen ihnen gesprochen worden, und nicht» von ihrer Liebe, denn sie waren ja nicht allein miteinander gewesen. Aber die Pflegerinnen und Aerzte sahen doch, daß der Kranke, der zuerst so ergeben war in sei» Geschick, jetzt den sehnlichen Wunsch hatte, gesund zu werden, und sie täuschten sich wohl nicht, wenn sie allein die Bruche der schönen jungen Dame für diesen Wechsel in seinMStimmung verantwortlich machten. Und wieder war e; an einem schönen Sommertage, al» Herbert Ellesmere die hellklingende Glocke an der Villa des Professor Fabricius zog. Sein Antlitz war gebräunt von der Sonne Italiens, die ihm volle Genesung gebracht, und seine Haltung war straff und elastisch wie nur je in de« glücklichsten Tagen vor seiner schweren Verwundung. In dem Arbeitszimmer, vor dessen Fensternder laue Wind in den Blättern der breitästigen Kastanie flüsterte, empfing der blinde Professor den Besuch, den er bereits erwartet hatte. Es war nicht viel, was zwischen den beiden Männern gesprochen wurde; aber es endete damit, daß der Gelehrte den Andern schluchzend in seine Arme schloß. Und dann that fich wie durch ein Wunder die Thür de» Nebenzimmers auf, goldheller Sonnenschein fluthete in breitem Strome herein und umwob wie mit verklärendem Schimmer die liebreizende Gestalt, die da auf der Schwelle stand. Ein jubelnder Aufschrei nur hüben und drüben — und alles Erklärens hatte mit einem Mal ein Ende. An diesem Tage aber hielt das Glück seinen Einzug in die Villa Erika und es blieb darinnen wohnen noch lange, lange nachdem die stille Hochzeit zwischen Herbert Ellesmere und dem Töchterchen des Professors vorüber war. Ueber die Heilung der Kurzsichtigkeit hielt der Breslauer Ophthalwolog Professor Hermann Cohn in dem dortigen Humboldtverein einen interessanten Vortrag, dem wir nach der „Brest. Ztg." Folgendes entnehmen. Einleitend führte Professor Cohn aus, daß, wenn auch sonst nur Hygiene und Vorbeugung von Krankheiten die Aufgaben der populären Medtcin seien, doch ausnahmsweise auch über Heilung einer weitverbreiteten Krankheit gesprochen werden müsse, wenn dieselbe auf einer neuen, epochemachenden, be- währten Methode beruhe; eine solche fichere, gefahrlose und schmerzlose operative Heilung der Kurfichtigkeit sei jetzt gefunden, eine Methode, deren Kenntniß die weiteste Verbreitung verdient. Die Kurzsichtigkeit beruht auf Verlängerung der Augenaxe von vorn nach hinten, daher sehen Kurzsichtige in die Ferne undeutlich in sog. Zerstreuungskreisen. Die schwachen Grade bis Nr. 3 und die mittleren Grade bis Nr. 6 sind nur ein Gebrechen, welche die Wahl des Berufs stören, aber aus den mittleren Graden entstehen oft durch anhaltende Nahearbeit die hohen Grade bis Nr. 10 oder die höchsten Grade, bei denen nicht einmal bis auf 10 Centimeter gelesen werden kann. Diese hohen Grade find wahre Krankheiten des Auges, führen leider oft zu Blutungen und Ablösungen der Netzhaut, d. h. zu totaler oder theilwriser Erblindung. Alles was den Druck im Innern des Auges erhöht, treibt das Auge aus der Kugelform in die Eiform hinein; der Druck wird aller vermehrt durch beständige Accomodation der Krystalllinse für die Nähe, durch die Convergenz der Augen beim Nahesehen und durch gehemmten Blutabfluß beim Htnunterbeugen des Kopfes. Demgemäß sucht man schon seit Jahrzehnten die Naharbeit zu verringern durch gute Be- leuchtung, gute Schultische, Steilschrtft, guten Bücherdruck und richtige Brillen. Für schwache und mittlere Grade der Kurzsichtigkeit bis Nr. 8 genügen auch meist dir Concav> drillen; allein die stärkeren Nummern 9 bis 20 (das stärkste Glas, welches existirt) sind leider nicht zu brauchen, da sie Alles verkleinern, verzerren und in die Ferne zu rücken scheinen. Solchen Kurzsichtigen war bisher nicht zu helfen. Jetzt aber können sie geheilt werden, indem man ihnen die Krystalllinse aus dem Auge nimmt. Der Vortragende schilderte, wie diese Idee sich geschichtlich entwickelt hat, wie schon vor 200 Jahren Boerhave in Holland beobachtete, daß Kurzsichtige, denen er die getrübte Linse, den grauen Staar, herausnahm, für die Ferne dann keine Gläser mehr brauchten, und wie Boerhave auch schon die richtige optische Erklärung dafür gab. Im Jahre 1790 sprachen Richter in Göttingen und 1817 Beer in Wien die Idee aus, daß Kurzsichtige geheilt werden könnten, wenn man ihnen die gesunde, nicht getrübte Linse heraus« nehmen würde. Allein, da damals noch 25 Procent der Staaroperationen durch Eiterung zur Erblindung fügten, wagte Niemand diese Operation. Als Mooren in Düsselvors 1858 einige Fälle mit Glück operirte, oppontrten die drei größten Augenärzte jener Zeit, A. v. Graefe, Arlt und besonders Donders, aus theoretischen Gründen so heftig, daß die Idee ganz in Vergessenheit gerleth. Nun war 1884 von Koller das Cocain entdeckt, und durch die antiseptischen Mme gelang es, die Verluste bei Staaroperationen von 25 Procem auf 1 Procent herabzudrücken. Da nahm 1890 ein bis da« hin unbekannter junger Augenarzt, Dr. Fukala in M>e (jetzt in Wien), die Frage trotz aller Warnungen pracM wieder auf; er kämpfte, unbekümmert um alle Zweyel, - 551 - energisch für die Operation, und heute wird seine Methode von den ersten Operateuren mit glänzenden Erfolgen ausgeführt. Auch .der Vortragende, der lange unter dem Banne theoretischer Vorurtheile stand, hat sich jetzt erst spät zu Versuchen entschlossen, ist aber jetzt ein begeisterter Anhänger von Fukalas Methode- Dr. Fukala macht erst durch einen Einstich die klare Linse trüb; so entsteht künstlich grauer Staar. Dieser wird nach einigen Wochen durch einen einfachen Schnitt in die Hornhaut aus dem Auge entfernt. Dann brauchen die Kurzsichtigen in der That keine Brillen oder nur ganz schwache Gläser, um in die Ferne scharf zu fehen; auch lesen sie dann mit schwachen Brillen bequem Zettungsschrtft in 30 bis 35 Centimeter. Ganz überraschend war ferner, daß diezSehichärfe nach der Operation um das drei- bi« fünffache fichßgegen früher befferte- Fukala glaubte, daß die Methove nur bet Personen unter 24 J-Hren sich empfehle; indessen sind jetzt auch schon Sechzigjährige mit Erfolg operirt worden. Seit drei Jahren haben sich etwa 1000 Kurzsichtige der Operation in Deutschland unerzogen; man kann also noch nicht sagen, ob für alle Zeiten die operirten Augen vor dem Weiterschreiten der Kurzsichtigkeit bewahrt bleiben werden. Aber es ist dies sehr wahrscheinlich, da die genannten Fac- toren, welche den Druck im Auge erhöhen und das Auge ausdehnen, nunmehr beseitigt sind. Durch Herausnahme der Linse fällt die Accomodation fort; Konvergenz und Kopfsenkung sind nicht möglich, da ja das Sehen in großer Nähe nun unausführbar sichtbar ist. Fucala sah auch auf dem nicht operirten Auge Netzhautablösung entstehen, während das operirts gesund blieb. Andere Forscher fanden während zweijähriger Beobachtung Stillstand der Kurzsichtigkeit. Aber selbst wenn das Damoklesschwert der Netzhautablösung weiter über dem Operirten schwebt, so hat er doch wenigstens bis zu dieser, vielleicht erst nach langen Jahren eintretendehl Katastrophe viel besser gesehen al« ohne Operation. Der Werth der Operation sei gewiß ein ganz großartiger, .und die Fucula'sche Methode eine der hervorragendsten Leistungen der Neuzeit. Sie erschließe dem Kurzsichtigen eine neue Welt und zwar schon in der Jugend, sie verbessere seine Existenz, sie mache ihn berufstüchtig und erwerbsfähig, sie verbessere feine Sehschärfe, sie dauere nur eine Minute und sei ebenso gefahrlos wie schmerzlos. Das Wichtigste bleibe natürlich das Urtheil der Kranken. Diese seien alle zufrieden und können meist kaum die Operation des zweiten Auges erwarten. Erfolg und Glück durch die gesellschaftlichen Tugenden. In einer Zeit, wo jeder Mensch mehr denn je Erfolg und Glück begehrt, ist es lehrreich, das „Glücksthema" einmal gesellschaftlich zu beleuchten. Er ist eine betrübende Erscheinung im Leben, daß mancher begabte Mann es zu keinem rechten Erfolge und manche talentvolle Frau zu keiner rechten Stellung bringen kann. Wie erklärt sich wohl diese oft recht traurige Erfahrung? Offenbar nur dadurch, daß man, um Erfolg im menschlichen Dasein zu erzielen, nicht nur berufsmäßige Tüchtigkeit und Vermögen, sondern auch noch gewisser gesell schaftlichen Tugenden bedarf, denn alles, was der Mensch an Achtung und Ansehen, Befriedigung und Glück über die rein äußeren Güter hinaus gewinnen will, muß auf dem Boden der Gesellschaft gesät, gehegt und gepflegt werden, da unsere ganze Kultur, somit auch unser Fortschritt, unser Erfolg aus den durch die menschliche Gesellschaft hervorgebrachten Austausch der geistigen und materiellen Güter beruht. Leistet also Jemand irgend etwas, so ist es nicht die Leistung an sich, die schon den Erfolg verbürgt, sondern die Art und Weise ist es vielmehr, wie die Mitmenschen die Leistung würdigem Sehr oft ist die betreffende Leistung aber auch noch schwach oder mit gewissen Mängeln versehen. Wie soll der Betreffende erst dann zu einem schönen Erfoqe gelangen? Es ist dies ganz leicht, wenn er Freunde und Gönner hat, die ihn ermuntern und die ihm Anerkennung und Vertrauen verschaffen. Wie erlangt man aber Freunde und Gönner? Offenbar hauptsächlich nur durch die gesellschafttchen Tugenden oder durch die Kunst, seinen Mitmenschen, zumal denen, deren Kunst uns nützlich sein kann, zu gefallen. Diese Kunst ist die Fähigkeit, den guten Ton in allen Lebenslagen zu treffen, durch feine Lebensart und gewandtes oder gefälliges Benehmen den Mitmenschen, zumal den Vorgesetzten, Gönnern, Kunden, Freunden und zumal solchen Menschen, die dies uns gegenüber werden sollen, zu imponiren. Gelingt uns dies, so verwandeln sich Gleichgiltigkeit, Vorurtheil und Ablehnung, welche die betreffenden Menschen meist gegen uns hegen, rasch in Theilnahme und wohlwollende Gesinnung, und dann ist für uns der Weg für viel» ^x^Mrth^der gesellschaftlichen Tugenden ist debhalb auch schon von vielen weisen Männern und klugen Frauen hervorgehoben und gerühmt worden. Es existtren darüber auch viele geistvolle Aussprüche und selbst einige umfangreiche Bücher. Damit ist aber practtfch für die große Anzahl Männer und Jünglinge, Frauen und Jungfrauen, welche durch den guten Ton und die feine, Jedermann gefallende Lebensart zu ihrem Gtückserfolge so Wesentliches beitragen wollen, wenig zu erreichen, denn geistreiche Aussprüche sind weder leicht zu verstehen noch leicht zu verwerthen, und umfang- reiche Bücher können die meisten Menschen weder erwerben, noch gründlich durchstudiren. Wir verweisen daher gern alle diejenigen, welche durch gesellschaftliche Tugenden zu Erfolg und Glück gelangen wollen, auf das practische und bereits rühmlichst anerkannte Merkchen, welches Constanze von Franken nutet dem Titel „Katechismus des guten Tones und der feinen Sitte" (Erschien in 6. Auflage in Marx Heff-'s Verlag in Leipzig. Preis: elegant gebunden Mk. 2,50.) verfaßt hat. Dieses Büchlein ist mit außerordentlich feinem Verständniß für die gestellte Aufgabe geschrieben, alle langen und schwer verständlichen Abhandlungen siud in demselben vermieden und leicht verständlich, practtfch nnd mit Humor und Geist bietet der „Katechismuß des guten Tones das wirksamste und billigste Lehrbuch der gesellschafilichen Tuzeuden dar. Geinernnütziges. Ueber Frauenherme. Einen neuen und wie es scheint sehr zukunftsreichen Zveig auf dem Baum christlicher Wohlthätigkeitsbestreburgen bilden die Frauenheime. Sie sind das weibliche Gegenstück zu den Arbeitercolonien. Das erste Frauenheim wurde im Jahr 1884 durch den Pastor Jfermeyer, Geistlicher an der Strafanstalt in Hildesheim und am Correctionshaus in Himmelsthür, Ve Stunde von Hildesheim, im letzteren O-te gegründet. Zur Zeit befinden stch in demselben etwa 120 Pfleglinge, in allen Altersstufen vom 14. bi« 80. Lebensjahr, meist solche, die aus dem Zuchthaus oder der Correcttonsanstalt entlassen stnd und hier nun ein neues Leben beginnen wollen. Der Eintritt ist völlig frei, ebenso der Aus- tritt. Es wird streng gearbeitet im Hause, um Leib und Seele wieder an ein ordentliches arbeitsames Leben zu gewöhnen. Dabei herscht aber ein fröhlicher Ton. Die Hauptbeschäftigung bildet eine' im größten Umfange betriebene Wäscherei. Daneben gibt es auch eine Schneiderei und eine Nähstube. Auch einige Landwirthschaft wird betrieben. Die Pflege der Reli- gion ist eine durch und durch gesunde, Morgens und Abends eine kernige Andacht, Samstag Abends eine Bibelstunde, Sonn- tagss Gottesdienst. Uebersättigung mit religiösem Stoff wird ängstlich vermieden, aber wo es nöthig ist, unter vier Augen in Liebe desto ernster mit dem Einzelnen geredet. Die Erfolge solcher Erziehungsweise stnd theilwise überraschende. Selbst Dirnen, die von Jedermann schon aufgegeben waren, sind hier einem geordneten christlichen Lebenswandel wieder zurückgegeben worden. , Obst- und Gartenbau. Das Ausputzen und Be- schneiden der Bäume kann jetzt wieder vorgenommen werden, auch setzt man bei gelinder Witterung in Baumschulen und auf Feldern. Wildlinge sind für die Zimmerveredelung auf- ----- 552 *=s zunehmen, einzuschlagen und mit Stroh zu decken. — Mi Graben und Düngen fortfahren. Spargelbeete und Erdbeerbeete mit Dünger belegen. Steckrüben in Furchen nebeneinander legen und bis an die Spitzen der Blätter mit Erde anschütten. Mistbeetkasten ausräumen. Blumenpflege. Hochstämmige Rosen niederlegen und die Kronen mit Erde, Sand oder Sägespänen und Torfmull bedecken. Das Herbstbeschneiden (außer den leichttreibenden Sorten) vortheilhafter in nördlichen Gegenden. Bei neu oculirten auch die Stämme mit in die Erde legen oder mit Stroh schützen. Die älteren Stämme während des Winters mit einer Mischung von 2 Theilen Kühdünger, 2 Theilen Ruß und 1 Tyeil Kalk übertünchen; es vertreibt Jnsecten und begünstigt das W-rchsihum durch Erweichen. — Blumenzwiebelbeete mit Laub oder Tannenreistg bedecken. Monatsrosenbeete mit Torsmull beschütten. Das zum Metzen oder Spritzen von Stubengewächsen bestimmte Wasser soll im Winter mindestens eine DmckschmttSwärme von 15—25 Grad aufweisen, eher wärmer als kälter sein. Am wenigsten darf man Topferde mit e»kaltem Waffer gießen. Als beste Gießzett wären für im sonnigen Zimmer untergebrachte Pflanzen die späteren Bo - mittag« stunden, für mehr im Schotten placirte Gewächse, wie für alle Arten von Stubenculturen im Winter der frühe Nachmittag auszuwählen. Damit nicht das im Topfe nach unten sickernde Waffer, welche» schließlich dnrch das Topf« obzugsloch nach Außen tritt, Fensterbretter, Möel, die unterhalb der Fenster befindlichen Wandtherle u. f. w. benäffe nnd mit den in ihm gelösten Erdbestandtheilchen befchmntze, giebt man den Blumentöpfen die bekannten glatt gebrannten Thon« Untersetzer. Hat sich in letzterem Topfwaffe? angesammelt, muß es baldigst susgegoffen werden; bleibt es längere Zeit hindurch in solchen, hilft es die Pflanzenerde übernaß nnd sauer machen. In derartig stagntrendcr Topfbodennäffe ersticken, vornehmlich in Folge Sauerstoffmangels, nach nnd nach sämmtliche Wurzeln des betreffenden Gewächses und sterben ab. Gemüsssaat im Winter: Dort, wo der Garten schon im Herbst nmgegraden ist, kann bei offener, trockener Witterung, die ein Bearbeiten des Bodens erlaubt, verschiedener Samen etngebracht werden, so z. B. Möhren, Carotten, Petersilienwurzeln, Kerbelrüben, Dill, Pastmak, Gartenmelde und Bohnenkraut. Man erreicht durch so frühe Aussaat, daß die betreffenden Gemüse 8 bis 14 Tage früher marktfähig werden. Selbstredend muß man die frühesten Sorten wählen. Man streue den Samen, den man vorher mit hellem Sand gemischt, um ihn gleichmäßig vertheilen zu können, ans dar rauh gegrabene Land und hacke ihn oberflächlich ein. Nur bei ganz feinen Sämereien mnß vor dem Säen leicht gehackt werden, damit der Samen nicht zu tief zu liegen kommt. Das eingewinterte Gemüse macht in der ersten Zeit viele gelbe Blätter nnd neigt bet fenchiem Wetter znm Fanten; es mnß daher sehr oft durchgrputzt werden. Das angefaulte wird zuerst verwendet. So lange da« Wetter noch gut, lüfte man oder entferne dis-Decken, doch kann über Nacht Schnee und Kälte eintreten, daher muß jetzt das Abräumen beendet werden. De« Nutze« des Apfels schildert ein Arzt wie folgt: Der Apfelgennß, besonder« unmittelbar vor dem Schlafengehen, ist ein bewährte« Mittel zur Förderung der Gesundheit. Der Apfel liefert nicht nur eine vorzügliche Nahrung, er ist zugleich eines der hervorragendsten diätetischen Mittel. Derselbe enthält mehr Phosphorsäure in leicht verdaulicher Verbindung, als irgend ein andere» pflanzliches Erzeugniß der Erde. Sein Genuß, besonders unmittelbar vor dem Schlafen, wirkt 1. vortheilhaft auf das Gehirn, 2. regt die Leber an, 3 bewirkt, wenn regelmäßig vor dem Schlafengehen genoffen, einen ruhigen Schlaf, 4. des- ivfizirt die Gerüche der Mundhöhle, 5. bindet die üoer« schüffigen Säuren des Magens, 6. paralystrt hämorrhoidale Störungen, 7. befördert die Thätigkeit der Nieren, 8. hindert somit dis Steinbildnng, 9. schützt ferner gegen Verdauung», veschwerden und 10. gegen Halrkrankheiten. Auch wird be« hanptet, daß die sauren Aepfel, vor dem Schlafengehen m. «offen, jeden — Kater verhindern sollen. Apselflecken. Man rühre 4 Eier schwer, Butter Zucker, Mehl, 4 ganze Eier und Citronenschale gut ab nnd streiche den Teig gut fingerdick auf ein beschmierte» Backblech welches einen Rand hat- Hierauf belege man dies mit Spalten geschälter Strudeläpfel, streue Zucker und Zimmt darauf und backe es. Zuletzt in Flecken schneiden und be« zuckern. Jrnitirte Suppe a la reine. Ans Abfällen von Kalbfl rfch und Geflügel nebst drei Liter Fleischbrühe au« Liebigs Flerschextract sowie feingeschnittenen Petersilienwurzeln und dem nötigen Salz kocht man eine kräftige Fleischsuppe Dann gießt man dieselbe durch ein Sieb, kocht in ihr ein wenig Sago klar, würzt sie mit etwas Murkatblülhe und gehackter Petersilie nnd bringt hierauf in dieselbe einige in kleine Würfel geschnittene Leberklösen. Sanerkrant mild zu erhalte«. In Rußland, wo bekanntlich das Sauerkraut ein Nationaleffen ist, legt man dasselbe in Fässern von Birkenholz ein oder steckt in Ermangelung derselben einen Sad von ungeschältem Birkenholz in das Sauerkraut. Diese Holzart erhält das Kraut mild und verhütet das Uebersänren desselben, während es in Ersäßen ans Eichenholz schneller und stärker säuert als in Tonnen ans anderem Holz. Sellerie mit holländischer Sauce. Einige Sellerieknollen werden geschält, in Scheiben geschnitten, in Salzwafser weichgekocht und abtropfen gelassen. Inzwischen rührt man 70 Gramm Butter zu Schaum, mischt drei bi« vier Eidotter, einen Löffel Mehl, etwas Citronensast, Salz und zwei Odertaffen von dem Waffer, in welchem der Sellerie gekocht worden ist, nach Belieben auch Fleischbrühe, und rührt die Sauce Über gelindem Feuer so lange bis sie kocht, worauf man sie vom Feuer nimmt, 100 Gramm frische Butter noch hinzusügt und über den Sellerie anfgiebt. Als Beilage eignen sich zu dieser Sauce (Koteletten oder kleine Brat« Würstchen. Ein Suppentopf mit 100 000 Pfund Fleisch — gibt es den in Wirklichkeit? Gewiß, nicht nur einen, vielmehr eins ganze Reihe! Ungeheure Kübel von Schmiede« eisen, deren jeder 500 Kilogramm Fleisch faßt, die sogenannten Digerirpfannen, dienen in den weltberühmten südamerikanischen Etabliffements der Liebigs Fleisch-Extract' Compagnie zur Bereitung ihres Extracts. So entsteht burch das Eindicken einer aus dem besten Fleische der Pampas-Rinder hergestellten, leim« und fett freien Bouillon bis zur Syrnpsconsistenz die jeder Hausfrau bekannte braune Masse, die ihr so gute Dienste leistet. Die Compagnie Liebig bereitet zu neuerer Zeit auch Fleisch« Pepton, bie für Magenleidende und Blutarme unschätzbare Nahrung, von Aerzten vielfach verordnet. Wäsche im Winter. So manche Hausfrau, die sonst nicht verzagt ist, bekommt bei diesen Worten und den mit ihnen verknüpften Gedankensprüngen das richtige, regel« rechte Gruseln, zu dessen Erlernung der Peter im deutschen Volksmärchen erst auf neue Reisen gehen mußte. Wie manche junge Ehefrau hat schon heiße Thränen vergossen, wenn ein werthvolles Wäschestück, beispielsweise ein damastenes Tafeltuch, nach dem Gefrorensein auf der Seine in ihren prüfenden Händen in seiner Milte zerbrach und also völlig unbrauchbar geworben war! Nun, die böse Gefahr bes Gefrierens her Wäsche beseitigt man ganz einfach dabnrch, daß man dem letzten Spülwasser für dieselbe eine Handvoll Kochsalz beifügt, bas sich gut auflösen und der Flüssigkeit beimengen muß. Nach diesem Verfahren kann man selbst bei der grimmigsten Laune des Frostriesen die kostbarsten Wäschestücke ruhig im Freien anfhängen. Redaktion: «. «chetzda. — Druck und Bala, da Brühl'schen UnWafiNttt-Buch. und Steindnickerei (Pietsch & Scheqda) in «i-ßcn.