UlltrchaUungMatt juitt Gießener Adriger (Oenrral-AnMger) Falsches Spiel. Roman von E. v. Linden. (Schluß.) 18. Capitel. Die letzte Fahrt. Als der Arzt Lindenhagen verlassen hatte, warf Ebba Regina einen warmen Mantel über und verhüllte den Kopf mit einem schwarzen Spitzentuch. Dann schritt sie langsam durch den Garten, um sich in der kühlen Morgenlust zu erfrischen. Sie wandte sich dem etwas verwilderten Park zu und begab sich nach einer geraumen Weile auf einem Umweg nach der Grotte, wo sie geräuschlos eintrat. Eine Zeitlang blieb sie horchend stehen, kein Laut war hörbar. Sie trat an die Wand, um diese durch einen leisen Druck eine Handbreit zu öffnen. Als sie einen Blick hineingeworfen, schien sie genug gesehen zu haben, die Oeffnung schloß sich wieder und ohne Zögern kehrte sie in den Park zurück. Keine Wimper zuckte, kein Zug des schönen Gesicht« hatte sich ver- ändert, in ihren Augen aber blitzte es sekundenlang wie Hohn auf. Melwig schritt in seinem Zimmer auf und ab. Ob Ebba Regina noch zu schlafen vermochte? — Er klingelte. Dar gnädige Fräulein sei in den Park gegangen, meldete der Diener. Endlich erschien sie, kalt und hochmüthig wie immer, von irgend einer Erregung keine Spur. „Eie hat die Schwäche von gestern Abend überwunden," dachte er mit Genugthuung. »Ich reise heute ab, Onkel I" sagte sie, „direct nach Hamburg, wo ich Dich erwarten werde. Der Weg nach Amerika ist frei." „Sprich deutlicher, Kind," bat er, sie furchtsam anblickend. »Wo ist Catton?" „Wo er uns nicht mehr schaden kann," erwiderte sie ruhig mit einem grausamen Lächeln. „Glaubst 5F etwa," setzte sie halblaut hinzu, „daß ein folches Reptil dw Macht haben sollte, uns auch noch drüben in Furcht zu setzen? - Man zertritt es einfach. Frage nicht weiter, Onkel, er ist entflohen, nicht wahr? Sag's dem Richter, fag's Jedem, da Dein Doctor nicht schweigen wird und Deine Wunde uns sehr gelegen gekommen ist, aber sei ganz ohne Furcht, daß sie den Räuber jemals ein- fangen werden, der ist besorgt und gut aufgehoben, mein theurer Onkel!" Es flimmerte bei diesen Worte« so seltsam in ihren Augen auf, daß Melwig ein unheimliches Frösteln empfand. „Es ist gut, Ebba Regina," preßte er mühsam hervor, „wenn wir nur nicht seinetwegen mit dem Gerichte noch sonst was zu schaffen haben werden. Auch Tobte können mitunter zu Verräthern werden." „Dieser nicht, beruhige Dich doch und sei kein Kind, Onkel! — Du bist doch sonst nicht so kleinmüthig. Ich habe Joe Catton vor dem Strick bewahrt, der ihn drüben unzweifelhaft erwartet hätte, ich habe es gethan, ohne ihn mit einem Finger zu berühren, — das fei Dir genug. Und nun kein Wort mehr von ihm, da Jeder sich selbst der Nächste ist und es heute mehr denn je in der Welt gilt, Hammer oder Ambos zu sein." Niemand hätte wenige Minuten später, al» der Guts- Herr von Lindenhagen mit seiner schönen Nichte so behaglich beim Morgenkaffee saß, e» ahnen können, welches schauerliche und verbrecherische Geheimniß diese beiden Menschen verband. Noch einmal ging Ebba Regina in's Todtenzimmer, um Abschied von dem einzigen Manne zu nehmen, für den sie ein Gefühl empfunden, dar zwischen Bewunderung und Liebe schwankend, erst bei seinem Tode ihr zum Bewußtsein gekommen war. Sie glaubte diese Schwäche überwunden zu haben, wurde aber doch bei seinem Anblick aufs Neue davon überwältigt und sank mit einem leichten Schmerzensschrei auf die Kniee. Es war das letzte Todtenopfer, das sie ihm gebracht, als sie sich erhob, war das Antlitz wieder kalt und unbeweg- lich wie Marmor, und ohne einen Blick auf ihn zurückzuwerfen, verließ sie das Zimmer. Das Pferd des Verunglückten war erst am Frühmorgsn vor dem Alttnghofer Schloßhof ergriffen und in den Stall geführt worden. Bevor jedoch der Guts-Jnspector, der bei dem jungen Herrn seins ganze Autorität eingebüßt hatte, 498 irgend einen Entschluß zu fassen vermochte, erschien Harald Römhild mit seiner Trauerbotschaft, die wie eine Erlösung ausgenommen wurde. Er wurden sofort Anstalten getroffen, die Leiche heimzu« holen, worauf der junge Herr von Römhild noch den letzten Auftrag zur Ausführung bringen mußte. Er verband damit die heimliche Hoffnung, sich die Adoptivtochter des Barons nach dem Tode des Erben jetzt noch gewinnen zu können, wurde aber zu seiner unangenehmen Enttäuschung von dem Notar aus F. empfangen, da die Baroneffe nach dem vielen Wachen sich endlich eines wohlthätigen Schlafes erfreue, aus dem sie unter keinen Umständen geweckt werden dürfe. Mit unbewegtem Gesicht hörte der Notar die überraschende Mittheilung an und meinte dann, daß der kranke Baron, der Gott sei Dank die Krisis überstanden habe, es noch nicht wissen dürfe, obwohl eine Ersatz für den Tobten bereit» vorhanden sei und zwar in der Person eines zweiten Neffen, eines Stiefbruders des Verunglückten, der gestern aus Amerika eingetroffen und ein prächtiger Mann, ein ganzer Gentleman nach deutschem Zuschnitt sei. „Sehen Sie, dort kommt er mit dem Förster aus dem Walde. Darf ich die Herren mit einander bekannt machen?" „Ich bitte darum," erwiderte Harald, einen Seufzer unterdrückend. Sein schöner Traum war im Entstehen schon zerstört worden. Doch mußte er, diesem zweiten Atting die Hand schüttelnd, sich ehrlich gestehen, daß derselbe, obwohl dem Stiefbruder unheimlich ähnlich, doch einen ganz anderen, einen wohlthuenden Eindruck mache. Der junge Amerikaner war von dem jähen Tode des unbekannten Bruders tief erschüttert, zugleich aber über diese Lösung innerlich beruhigt, weil der Name, de« er fortan recht« mäßig tragen sollte, und der in dieser nordischen Gegend ein hochangesehener war, nun durch keinen häßlichen Flecken entstellt werden konnte. „Fahren Sie zurück nach Altinghof?" fragte er nach kurzem Nachdenken. „Ich fahre dort vorüber —" „Darf ich Sie bitten, mich auf Ihrem Wagen mitzu« nehmen? — Vielleicht komme ich noch früh genug, um die Leiche meine« Bruders selbst zu holen." „Das ist hübsch von Ihnen, Herr von Atting," rief Römhild, „dann fahren wir zusammen nach Lindenhagen, um dar Geleite zu bilden. Wollen Sie später der Baroneffe die Mitthellung machen, Herr Notar?" „Soll besorgt werden, Herr von Römhild I — Der Gedanke macht Ihnen beiden Ehre." Sie kamen zeitig genug nach Altinghof, da man hier noch erst bei den Vorbereitungen war, als ob sich die Leute nicht an den Gedanken gewöhnen konnten und selbst die Leiche de» grausamen Gebieter» noch fürchteten- Dann fuhren sie nach Lindenhage». Hinter einem Fenster-Vorhang beobachtete Ebba Regina die Abfahrt. Sie hatte keinen Blick für den Tobten, der auf einen mit Tannenzweigen umwundenen und mit Decken belegten Leiterwagen gehoben wurde. Melwig hatte ihn auf eine Bahre betten und auf Geheiß seiner Nichte eine große schwarze Sammet«Decke über ihn breiten lassen, war sich immerhin recht pomphaft ausnahm. Nein, Ebba Regina hatte keinen Blick mehr für die starre Gestalt, sie schien nur noch Augen zu haben für den Fremden, der mit Harald Römhild gekommen, und selber bei der Aufhebung der Bahre hilfreiche Hand leistete. Er hatte bei der Annäherung der Leiche den Hut abgenommen und sein Gesicht dem Haus« zugewandt, bei bessern Anblick ihr Herzschlag still zu stehen drohte. Wurde sie von einer Vision, einem Phantastegebilde getäuscht? — War e» nicht das Antlitz des Todten, war er'» nicht selber, der dort unten stand? Sie spähte ängstlich umher. Wo war der Onkel? — Sie schloß die Augen und öffnete sie erst nach einer Weile. — Weshalb ging er nicht hin, um diese« Spukbild anzureden ? Sie erkannte ja ganz deutlich in dem zweiten Herrn den jungen Römhild, und nun half diese» Phantom, dar de» $obten Züge trug, dm Leuten, zeigte mit ruhiger Umsicht, wie sie die Bahre packen und heben sollten. Und noch immer zögerte der Onkel. So mußte sie selber gehen, um da» Räthsel zu lösen. Sie hüllte sich rasch in einen schwarzen, seidenen Mantel und eilte hinunter. Auf dem Flur trat ihr Melwig entgegen. „Wohin willst Du, Kind?" fragte er, sie mit fester Hand zurückhaltend. „Hast Du seinen Doppelgänger nicht gesehen? Wer ist er? Ich muß e» wissen." „Ei, meine kluge Ebba Regina, ist Dein Gedächtniß so schwach geworden, daß Du da« wirklich nicht ahnen, nicht wissen solltest, ohne zu fragen? Hast Du mir nicht selber mitgetheilt, daß Atting seinen Stiefbruder zu fürchten habe, den eigentlichen Erben de» Barons? — Der und kein Anderer wird dieser Fremde sein. Ich ersuche Dich also in Deinem eigenem Interesse, ihn nicht zu fragen, sondern Dich auf Dein Zimmer zurückzuziehen." Ebba Regina senkte den Kopf, wie hatte sie da» nur vergessen, sich von einer Aehnllchkeit so verwirren lassen können? Es war Zeit, au« dieser Umgebung fortzukommen. Der wilde John Alting war mit allen Ehren, die dem Sprößling eines alten Geschlecht» zukommen, beigesetzt worden. Der Adel de» ganzen Umkreise« war dabei vertreten und der Prediger hatte ihm milde, versöhnende Worte nachgerufen. Er ruhte nach einem kurzen, stürmischen Leben, da« viele dunkle Punkte aufzuweisen hatte, im Alting'schen Erbbegräbniß, so hatten e« die Baroneffe und der Stiefbruder angeordnet, da der kranke Baron, obwohl in der Besserung, noch nichts von den letzten Ereignissen erfahren, ja, nicht einmal, wie der Arzt streng befohlen, von der Ankunft des zweiten Neffen Kenntniß erhalten hatte. Wenn auch der Todts nicht in unmittelbarer Nähe der Großeltern feine letzte Ruhestätte gefunden, so war doch mit dieser weisen Anordnug jeder Grund zur schlimmen Nachrede verschwunden und die Ehre de« Hauses gerettet. Daß Ellen keine besondere Trauer um ihn empfand, war nur zu natürlich, obwohl ihr feines Tactgefühl jenen ruhigen Ernst bewahrte, der ohne Heuchelei nur der Majestät de» Tode» seinen Zoll darbringt. In ihrem Herzen aber dankte sie Gott für diese Lösung eine» unheilvollen Dramas. War es Zufall oder Fügung gewesen, daß sie den zweiten und echten Justus Atting auf dem Boden seiner Vorfahren zuerst begrüßt und ihm den Weg in» neue Vaterhaus gezeigt hatte? Wie ein Blitzstrahl hatte es sie durchzuckt, daß der Andere ein Betrüger sein müsse und dieser, aus dessen Augen die Mutter des geliebten Pflegevater» blickte, der rechte Neffe sei. Sein Bild hatte sie nach Altinghof begleitet, wo die Leute sie mit Thränen der Freude begrüßt und wo ihr erster Gang nach der Ahnen-Gallerle gewesen war, um da« Portrait der letzten Herrin von Altinghof zu betrachten. Und dann war ein heißes Gebet in ihrem Herzen aufgestiegen, ein Gebet um die Genesung des edlen Pflegevaters und um eine glückliche Lösung des sich neu entwickelnden Familien-Dramas. Ihr Gebet war erhört. Der ewige Richter, welcher selbst im Sonnenstäubchen seine Weisheit offenbart, hatte den wilden Verächter seiner Gebote geeichte 19. Capitel. Schluß. Der Winter war vergangen, so fried« und freudenvoll im Schlosse Altinghof, wie es der Rittmeister, der fast jugendlich erblüht war in Gesundheit und Kraft, nicht zu hoffe« gewagt hatte, denn auch ihn hatte der jähe Tod de» wilden Neffen wohl erschüttern, doch nicht mit wirklicher Trauer erfüllen können. War ihm doch in dem Sohne jener Frau, die er einst so heiß geliebt, ein Nachfolger und Erbe be- scheert worden, der ihm die volle Versöhnung mit der Todten gebracht und ihn mit den Augen der eigenen Mutter anblickte. 499 Eine stille Hoffnung war in seinem Herzen aufgegangen, wenn er seine beiden Kinder, wie er Justus und Ellen nannte, miteinander verkehren sah, obwohl sein scharf beobachtender Blick noch keine Verwirklichung entdecken konnte. „Lasten der Herr Rittmeister uns nur Zeit," tröstete ihn Paulsen, der sein täglicher Begleiter und Vertrauter geworden war, weil der frühere Unteroffizier ein unerschöpflicher Born der Vergangenheit für ihn war. „Ich sage immer, nur nichts über's Knie brechen, so was muß seine Zeit haben wie das Keimen und Blühen im Frühjahr. J4 kenne meinen jungen gnädigen Herrn, der hat sich nie um Liebesgeschichten bekümmert, aber als er zum ersten Male die gnädige Baroneffe sah, na, da wußte ich gleich, was die Glocke bet ihm geschlagen hatte." „Und was meint Ihr, — sollte die Baroneffe —" „Na und ob!" flüsterte Paulsen mit einem schlauen Augenblinzeln, „der Herr Rittmeister können mir's glauben, daß ich mich daraus verstehe. Ich war in meinen jungen Jahren —" „Ein rechter Thunichtgut, wie es irgendwo in einer Oper heißt," unterbrach ihn der alte Herr lachend, „ja, das kann ich mir vorstellen. Aber ich will nicht hoffen, daß meine Tochter sich irgend etwas vergiebt," setzte er stirnrunzelnd hinzu. „Halten zu Gnaden, Herr Rittmeister, wenn das ein Anderer gesagt hätte — es wäre eine Beleidigung, die nicht so hingehen dürste. Aber wenn Herr Rittmeister nur bedenken wollen, daß der Tobte doch immerhin sein Bruder, der Sohn seines leiblichen Vaters gewesen ist, und daß mein junger Herr immer ein ernster, pflichtgetreuer Mann, sogar schon als Knabe war." „Run hört aber auf," fiel der Baron laut lachend ein, „sonst macht Ihr ihn schon in den Windeln zu einem ernsten Mann. Ra, nicht» für ungut, alter Bursch, ein Körnchen Wahrheit liegt doch in Eurer Rede. Ich vergeffe immer, daß mein Sohn Justus auch drüben viel verloren hat, das sich nicht im Handumdrehen ersetzen läßt. Ich habe Euren Hauptmann Romberg gut gekannt und bin meinem Bruder von Herzen dankbar dafür, daß er seinen Erstgeborenen ihm anvertraute. Run will ich versuchen, mir seine Liebe zu gewinnen, meint Ihr, daß es mir gelingen wird?" „Das ist dem Herrn Rittmeister schon vollauf gelungen," ries Paulsen, dem die Augen feucht geworden waren, „er sagte mir noch gestern, wie er fich heimisch sühle bei solchen edlen Verwandten, und wie dankbar et seinem Pflegevater sei, daß er ihm diese Reise in seinem letzten Willen zu einer heiligen Pflicht gemacht habe. Ja, Herr Rittmeister, so sagte er und dann meinte er noch, daß er oft sehr ängstlich darüber wäre, ob er genug verstände, um seine Pflichten äuch hier erfüllen zu können, namentlich von wegen der großen Land- wirthschast, denn wir hatten doch drüben nur eine kleine Farm. Er lernt ja immerfort au» den Büchern, aber unruhig ist er doch, denn, Herr Rittmeister werben'- ihm nicht wieder sagen, aber er hat ein so feines Ehrgefühl und da grämt er sich im Stillen, daß er die Schuld, die der Herr Rittmeister an den Rinderfarmer drüben bezahlt hat, noch auf lange Zeit nicht abtragen könnte, weil er die Wirthschast hier nicht verstände." „Run ist'» aber genug," rief der Baron, sich polternd erhebend und mit großen Schritten auf- und abgehend. „Ist Justus Alting mein Reffe oder nicht? — Soll ich ihm vielleicht einen Tagelohn auszahlen oder habe ich ihm schonjVor- würfe gemacht? — Wofür seid Ihr denn eigentlich mit herüber gekommen, alter Faselhans, und renommirt damit, daß Ihr ihn großgezogen habt, wenn Ihr nicht einmal soviel Grütze im Kopf habt, um ihm solchen Unsinn auszutreiben? — Er ist ein tüchtiger Landwirth, der fich aber mehr ab- rackert, als er nöthig hat, das sagen alle meine Leute, vom Jnspector bi» zum Kuhjungen herab, die alle für ihn durch'» Feuer gehen, da» sagen die Dorfbewohner, da» sagen meine Freunde, da» pfeifen die Spatzen von den Dächern und schließlich stimme ich mit ein, ist da» noch nicht genug?" „Sagt'» die gnädige Baroneffe auch?" fragte Paulsen, vergnügt lächelnd. Der Baron starrte ihn verdutzt an. „Eigentlich hab' ich'» noch nicht von ihr gehört," erwiderte er langsam und nachdenklich, „wenn ich'» gethan, und da» geschieht eigentlich mehr, al» nöthig ist, dann nickt sie nur und lächelt, sagt aber kein Wort dazu." „Hm," meinte Paulsen, „weil sie Furcht hat, daß der Herr Rittmeister dann was merken könnten. Immer Zeit laffen, ich versteh' mich darauf I" „Alter Renommist I" murrte der Baron. „Ihr müßt übrigens ein wunderliches Volk drüben zwischen den echten Amerikanern sein, die doch nur nach dem Geldsack fragen. Der Willi Sander, ein tüchtiger Cavallerist «ar er und mein besonderer Günstling bei der Ercadron, schreibt mir da mir nichts dir nichts, daß Herr Justus Romberg ihm keinen Heller schuldig sei, weil er ihm die Farm überlassen habe. Run könne er das Geld seinem Rittmeister nicht zurückschicken, weil er dazu viel zu viel Subordination noch im Leibe habe. Er, der Sander nämlich, wolle die Farm nun verkaufen und fragt an, ob's dem jungen Herrn recht wäre. Ra, was erzähl' ich'» denn noch einmal, hab' Euch den Brief ja selber vorgelesen, alter Duckmäuser, der Ihr seid! — Aber verdrehte Köpfe seid Ihr nun einmal, selbst der Justu« hat seine Mucken, die ihm in seinem deutschen Vollblut stecken. Der Andere," setzte er leiser hinzu, „Gott schenk' ihm die ewige Seligkeit, der war ein echter Dankee." „Das Vollblut ist doch besser, Herr Rittmeister!" „Ja, alles Halbe taugt nicht, — aber dis Mucken werde ich ihm doch noch austreiben." Der Frühling bringt schwere Arbeit in Wald und Flur, in Feld und Garten. — Aber die Leute schafften mit Lust und Liebe überall auf dem Gute Altinghof, weil sie der Zukunft für sich und die Ihrigen mit ruhiger Zufriedenheit entgegensehen durften. Einen solchen Herrn, der Allen in treuer Pflichterfüllung mit dem eigenen Beispiel voranging, der gerecht war und langmüthig, nachsichtig mit den Schwachen und da» Alter schonte, ja, selbst den Trägen und Widerspenstigen zu besiegen und umzuwandeln verstand, einen solchen Nachfolger de» Herrn Rittmeisters konnte man sich schon gefallen laffen, obgleich man ihn anfangs schon gefürchtet hatte wegen seiner Aehnlichkeit mit dem Bruder. Es war ein prächtiger Frühling, im Walde sangen die Vögel, überall grünte und blühte es in üppiger Lust und im dichtbelaubten Park des Schlosse« ließ die Nachtigall ihre Lieder erklingen. Da fanden sich auch zwei Herzen, die beim ersten Gruß schon für einander geschlagen hatten und nun im Lenzzauber das Weihefest einer reinen selbstlosen Liebe feierten. Al» sie dann Hand in Hand vor den alten Baron hintraten, da schloß dieser sie wortlos in seine Arme. Die Freudenthränen in seinen Augen war der schönste Segen für diesen Herzensbund, durch welchen sein höchster Wunsch er- füllt wurde. „Das hab' ich mir gleich gedacht," sagte der Förster Erichsen, als Paulsen ihm die Verlobung mitthetlte, „denn al» ich diesen zweiten Neffen au« Amerika sah, da dachte ich in meinem Herzen, den hat 'der liebe Gott eigen» für unsere Baroneffe herübergeschickt." „Ja, und der Herr Rittmeister wollt'« partout mit Dampf betreiben, ich aber sagte immer, Zeit laffen — Zeit laffen, — erst muß e« keimen und dann erst grünen, — wenn wir uns nur immer nach der alten Mutter Natur richten wollten. Ich kenne meinen jungen Herrn wie meine eigene Tasche, Herr Förster, er ist scheu gegen die vornehmen Ladvr, mit denen er nie umgegangen ist, und hätte e« nie 'gewagt, ihr seine Liebe zu gestehen, obschon ich'« Beiden ansah, denn darauf versteh' ich mich. — Na, der wilde Herr John hat wohl einen anderen Geschmack gehabt, da» soll ja ein wahre« Teufelsweib gewesen sein." „Na, hübsch war sie, da» kann ich Ihnen sagen, Herr Paulsen, aber anbeißen wollte keiner, trotz ihres vielen Geldes, als jener wilde Herr von Alting. Gott sei gelobt , daß die Sippschaft fort und Lindenhagen wieder in anstäudigen Händen ist." .Wo der Spitzbube von Catton wohl geblieben ist?" „Hm," meinte der Förster, „wohl wieder nach Amerika, wo solche Kerle gedeihen. Man hat ihn ja gerichtsseitig verfolgen lassen, doch nicht fasten können. Ich bin noch heute fest davon überzeugt,! daß er damals den Schuß auf unseren Herrn Rittmeister abgegeben hat und daß es nicht blos auf eine Verwundung abgesehen war. Aber es soll nicht davon gesprochen werden, Sie verstehen mich wohl —" Paulsen nickte. Die Ehre der Hauses ruhte bei dem wilden John in der Ahnengruft. Die Verlobung des jungen Paares wurde jetzt allseitig bekannt gemacht. Im Juni aber begleitete Baronesse Ellen den Vater in ein süddeutsches Bad, wo sich beide bis zum Herbste stärken sollten nach den aufregenden und traurigen Ereignissen des vorigen Jahres, während Justus die Guts- pflichten übernahm. Da sich das junge Brautpaar bis dahin nicht wieder« sehen sollte , so wurde die Correspondenz dafür eine so lebhafte, daß der alte Herr sich verpflichtet fühlte, wie er sich humoristisch aurdrückte, den armen Briefträgern ein ihrem Dienste entsprechendes Nebengehalt zu geben. Im Herbst, als die Ernte unter Dach und Fach gebracht, die Felder leer waren, da kamen von allen Seiten Hochzeitsgäste nach Altinghof, und zum ersten Male nach langer Zeit tönten wieder lustige Tanzweisen in dem großen Saal, wo einst die Großmutter als junge Frau zum letzten Male sich im fröhlichen Reigen gewiegt hatte. Ja, es war auch heute eine fröhliche, ungetrübte Feier. Auf der großen Diele des Wirthschafts-Gebäudes tanzten die Hofleute mit den Frauen und Mägden, und auch hier war Glück und Freude wie im Schlosse, wo unter den Freunden kein Mißklang mehr herrschte und selbst Harald Römhild stolz darauf war, von den Neuvermählten als aufrichtiger Freund betrachtet zu werden. Der alte Herr von Römhild aber neigte sich zu dem neben ihm sitzenden Rittmeister und sagte mit bewegter Stimme: „Wohl uns und unseren Kindern, daß nach dem ersten Neffen dieser zweite gekommen ist, dessen Beispiel bereits segensreich wirkt. Der erste war Amerikaner, dieser aber ist ein echter Deutscher vom alten Stamm, der seinem Namen Ehre macht." „So tst's," erwiderte der Rittmeister ernst, «denn seine Mutter war echt deutsch, und seine Erziehung ebenfalls. Beides fehlte dem Toden, richten wir ihn deshalb nicht zu hart, mein alter Freund I" „Der Tod sühnt Alles!" Sie ließen ihre Gläser leise erklingen und leerten sie schweigend. _____________ Gemeinnütziges. Hagebutten einzumachen. Man reibt die frisch gepflückten Hagebutten sauber mit einem Tuche ab, um sie von ihren Stacheln zu befreien, schneidet die Krone ab und nimmt die inneren Körnchen heraus, wozu man sich ein Hölzchen oder einen Federkiel zurechtschneidet. Die Köpfchen müssen sehr sauber und rein ausgehöhlt werden, dann läßt man sie in Wasser einige Male aufkochen. Man nimmt auf Va Kilogramm Frucht 375 Gramm Zucker, läutert diesen mit Hagebuttenwaffer, giebt den Saft einer Citrone sowie die Schale davon und eine halbe Tasse Weinessig dazu und läßt die Hagebutten so lange darin kochen oder so lange langsam ziehen, bis sie anfangen einzuschrumpfen. Nun nimmt man sie heraus, läßt den Zucker, bis er in breiten ! Tropfen vom Löffel fließt, kochen und gießt ihn über die Früchte, die man noch einen Tag in einem sauberen Gefäß stehen läßt, damit sts recht gleichmäßig durchziehen, ehe man sie in Einmachgläser füllt. * * Hagebuttencompott? Die entkernten Früchte werden in einem glastrten Geschirr mit so viel Weinessig überschüttet daß man die fünf Minuten lang gekochte Masse durch ein Haarsieb treiben kann. Dann wird diese Masse wiederum übers Feuer gebracht und ihr so viel Hutzucker beigegeben daß man den Weinessig nicht mehr stark spürt. Die Masse wird hierauf stark eingekocht, abgekühlt und in Gläsern ausbewahrt. • * Ein unvergleichliches AuShülfsmttt-l, um kleine Fehler, die in der Küche vorgekommen find, wieder gut zu machen, ist Liebigs Fleischextract. Auch der erfahrensten Hausfrau kann es paffiren, daß in einem unbewachten Moment die Bratensauce dermaßen verkocht, daß fie durch nichts wieder wohlschmeckend zu machen ist. Da ist denn das Beste, eine neue künstliche Sauce herzustellen, was in der schnellsten und einfachsten Weise geschieht, wenn man kochender Wasser mit einem Eßlöffel voll Liebigs Fleischextract versetzt, mit Salz würzt und mit etwas saurer Sahne und Kartoffelmehl sähmig macht. • ♦ Im Wirtter blühende Sträucher im Zimmer. Er dürfte manchen interessiren, zu erfahren, daß er recht wohl angeht, frühzeitig blühende Sträucher im Zimmer zur Blüthenentfaltung zu veranlassen. Dar hierbei zu befolgende Verfahren besteht in nachstehendem: Man schneidet von den Sträuchern mit einem schrägen Schnitt eine Anzahl etwa 2 Fuß langer Zweige ab und stellt diese in einer Vase oder in einem anderen Gefäße im warmen Zimmer an einen möglichst Hellen Ort, nachdem man dar Gefäß mit Wasser gefüllt hat. Letzterer ist wöchentlich zweimal zu erneuern und darf nicht zu kalt fein, besser ist er, wenn er etwas verschlagen ist. Die Zweige werden außerdem gleichzeitig mit lauwarmem Wasser besprengt und muß man aufpassen, daß fie in ihrer ursprünglichen Stellung verbleiben. Je wärmer dar Zimmer und je feuchter die darin befindliche Lust ist, desto eher werden stch die Blüthen entfalten. Im allgemeinen kann man darauf rechnen, daß dies nach etwa 3—4 Wochen geschehen wird, sofern man sorgfältig zu Werke geht- Will man z. B- natürliche Blumen zum Weihnachtsbaum haben, so versäume man nicht, Ende November Zweige von Ziersträuchern (vom spanischen Flieder usw.) abzuschneiden und solche in einem warmen Zimmer aufzustellen. Solche natürlichen Blumen find ein prächtiger Schmuck am Weihnachtsbaume. Humoristisches. Diplomatisch. Hausfrau (am Ende des Monats): „Was wünschen Sie zum Mittagessen?" — Studiosus: „Ich habe heute keinen Appetit! Bringen Sie mir nur eine Suppe — aber mit drei Leberknödeln!" * * ♦ Recht angenehm. Barbier (zum Gehilfen, der einem Herrn einen Zahn ausziehen soll): „Den Herrn mußt D' recht liebenswürdig behandeln — der hat noch ’n ganzen Mu d voll I" • * Auch ein Sport. „Elly, was muß ich sehen — Du in Thränen?" — „Ich will mich nur für den nächsten Brillant- schmuck thräniren!" * « Nobel. Erster Einbrecher: „Na, was enthielt der Geld- schrank, den Du aufgebrochen hast?" — Zweiter Einbrecher: ^Nur ein Fünfzigpfennigstück und einen Zettel: „Für gehabte Redaktion: A. Sche-da. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniverfilM-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Sch eyda) in Gießen. kW In e stch zwisch Das Schi! Barbierbe Februar-S approb. F Hintl Eigner bi kummervo « "Wi- Lehrjunge Glasschrär dunkelroth bildeten. »Neir Meister, sollte." Der1 Natürlich, gleich sch» tischchen v seine la-rg waren,3 u Körper in M vollend Nähte prü »Abe wenigstens langen Ar „Mei . Fünf fern etwa» als et stat trostlosen Ü Wie: