Nr. 118 Kmmnstag (en 24 September , daß von eineinhalb em körper« hheit kann efferer als entlich die ebensdauer im Laufe oppelt hat, zur Welt zu werden, rene hatte, flalter mit ird sie für t allerdings der ganzen ahre. Die Zeit über Senf, von : vorliegen. Lebensdauer Zahre, alfo Riesenstadt j bis 1603) MM- ahre 1846 f 19 ver« Unterhaltungsblatt jum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). zu beweisen, er, sondern als unsere ^nehmenden zu sprechen, !t durch die ! sie Civilb folge haben, ieniker schon die mittlere : 50 Jahre erige Frage rüder Raum l beschaffen t noch nicht chkeiten gibt können, bli tzlich dahk» Landstriche iänbet den» ersnoth, sie zeigt haben, rnleben vsr« 'raft ganzer ! Vorsehung icht in den rr Frau?" hr denn die nach Vor« u verging!" urscht hab', i an Wein; chnaps." affer?" >' net für- Falsches Spiel. Roman von E. v. Linden- (Fortsetzung.) „Ich denke mir, daß meine Ochsenkuechte bald da sein müssen," rief ihm Sander draußen zu, „hören Sie nur, Herr Romberg, es ist mir justement wie Peitschenknall und Hallo« geschret." „Es wird wohl seine Richtigkeit damit haben," meinte der junge Farmer zerstreut. „Ihr Jimmy hat einen Brief von Paulsen in Verwahrung genommen, der für meinen Vater bestimmt gewesen ist. Ich muß nun wohl so lange warten, bi« er hier ist, mein alter Paulsen ist hartköpfig, den kriege ich nicht ohne den Brief mit zurück." „Sie haben ihm noch nichts gesagt?" „Ich konnte es nicht über's Herz bringen, obwohl es nur eine Galgenfrist ist," seufzte Romberg. „Ach, Herr Sander," setzte er mit einer trostlosen Miene hinzu, „ich bin jung und kann arbeiten, was soll aber aus den beiden alten Leuten werden, die meinem Vater so lange treu gedient haben? Wie soll ich's nur anfangen, meines Vaters Namen und Andenken unbefleckt zu erhalten!" „Sie sollen darüber nicht grübeln, mein junger Freund," versetzte der wackere Holsteiner, ihm die schwielige Hand auf die Schulter legend, „Donnerschlag, wosür sind wir denn Landsleute, wenn wir uns nicht betstehen wollen hier im fremden Lande? Ein kleines Bündel Sorgen ist nicht zu ver« achten, das müssen wir Menschenkinder haben, damit wir uns nicht einspinnen in unsere traurigen Gedanken und darüber den Kops verlieren. Ihr Vater war Offizier, der drüben für unsere deutsche Heimath gekämpft hat, — ich war ein Bursche von zwanzig Jahren und trat bei der Cavallerie ein, — glauben Sie nicht, daß so was uns hier draußen in der Fremde aneinander kettet?" „Aber ich?" fragte Romberg achselzuckend. „Was kann Sie an mich denn ketten? — Ich bin kein Deutscher, bin hier in Amerika geboren." „Ach was, Ihre Eltern waren Deutsche," unterbrach ihn Lander ungeduldig, „und haben Sie ganz deutsch erzogen. Deutsch ist Ihre Muttersprache, deutsch Ihr Charaeter. Rein, Herr Romberg, Sie find kein Yankee und werden's auch mein Lebtag nicht werden. Sehen Sie, Ihr Vater war das, was man hier einen echten Gentleman nennt, da gab's für mich nur noch einen, der stch mit ihm messen konnte, das war mein Rittmeister von Alting, Donnerschlag, war da» ein Mann!" „Von Alting?" fragte der junge Farmer, aufmerksam werdend, „der ist ja üuch hier. Stellen Sie ihn so hoch wie meinen Vater?" „Gott bewahre, den dänischen Lieutent Alting meine ich ja nicht, der taugt in meinen Augen keine Bohne, weil er seinen Sohn zu einem Erztaugenichts herangezogen hat. Ich hab'« mal im Wirthshause mit angehört, wie die Beiden, nämlich Vater und Sohn, miteinander verkehrten wie zwei Kneipenbrüder, die sich einander nichts übel nehmen, haar« sträubend! Was mein Rittmeister ist, na, sie waren Brüder, der eine im dänischen, der andere im deutschen Lager, aber das war ein Mann, sag' ich Ihnen, — tapfer wie ein Held und sanstmüthig wie ein Kind, ein Edelmann, wie er im Buche steht. Weiß nicht, warum dieser Lieutenant Alting damals seinen Abschied genommen hat, hier hat er's auf keinen grünen Zweig gebracht und sein Junge, der sich mit allen Rowdys herumtreibt, noch viel weniger. Ra, was geht'e uns an, ein Jeder muß seine Haut selber zum Markte tragen. Das aber müssen Sie mir versprechen, Herr Romberg, mich nämlich al» Ihren väterlichen Freund anzusehen, der stets bereit ist, Ihnen mit Rath und That beizusprtngen. Geben Sie mir die Hand darauf, Sie wissen ja, daß ich'» ehrlich meine und justement wie Ihren Vater auch Sie in mein Herz geschlossen habe." Romberg reichte ihm bewegt die Hand, die Sander mit seiner großen schwieligen Rechten fest umschloß und mit der Bemerkung: „Ein Mann — ein Wort!" kräftig schüttelte. „Halloh!" setzte er dann hinzu. „Da kommen meine Leute." Mit Peitschengeknall und lautem Hoho kamen die Knechte mit ihrer stattlichen gehörnten Schaar, von der die Mehrzahl der letzteren eine Art Fessel trug, da sich recht heimtückische Exemplars darunter befanden. „Nun, Jimmy, wie ist's unterwegs gegangen?" fragt« Sander den Ober-Treiber. „All rbigt, Mr. Sander!" erwiderte dieser, zu ihm t Gießen. tretend, während die anderen Knechte die Öchsen in die für sie bestimmten Hürden trieben. „Mußten aber doch unsere Augen und Ohren offen halten, weil der Joe Catton wieder unsere Gegend unsicher machen sollte, wie der alte Paulsen von Rombergs Farm mir steckte. Goddam, er hatte Recht, der Halunke war frech genug, uns am lichten Tage ein Stück Vieh auf die Seite zu bringen, — damned, Mr. Sander, wir haben ihm einen Denkzettel gegeben, er kommt so leicht nicht wieder hierher —" „Ich wetd's dem Sherif schreiben," erwiderte Sändner kaltblütig, „dem Burschen muß das Handwerk jetzt mal gründlich gelegt werden. Ich caleulire, daß dem Vieh nichts Schlimmes dabet pasfirt ist, Jimmy?" „Richt die Bohne, Sir! Hab' aber einen Brief vom alten Paulsen, den er mir in Verwahrung gegeben, schien Furcht vor Gatten zu haben, als ob der Schuft sich darum kümmerte. Es ist zum Lachen." „Vielleicht witterte er Geld darin," meinte Sander nachdenklich, „Paulsen ist auk meinem Grund und Boden niedergeschlagen und geplündert worden." „Damned!“ rief Jimmy. „Dann hat er's gethan, all rhigt, Mr. Sander, — hier ist der Brief, Joe Catton muß gehängt werden." Er griff in das offene Rockfutter und konnte nur mit großer Mühe den Brief, der sich unten versteckt zu haben schien, herausholen, wo er allerdings nicht sauberer geworden war. Sander las die Adresse und reichte Romberg den Brief. „Er ist an Ihren Vater gerichtet, also jetzt Ihr eigen* thum." Der junge Farmer nickte, warf einen Blick auf die Adresse und meinte, daß er nun anspannen und mit Pausen heim* fahren wolle. „Ich komme zu Ihnen, um den Herrn Hauptmann noch einmal zu sehen und auch wegen des Begräbnisses," bemerkte Sander theilnehmend. „Vor allen Dingen aber den Kopf hoch, mein lieber junger Freund, und nicht zu schwarz sehen." Romberg drückte ihm schweigend die Hand und ging dann in'» Haus, um Paulsen den Brief zu zeigen. „Gott sei Dank, da ist er ja," sagte dieser tief auf- athmend, „darum war's dem Räuber eigentlich nur zu thun." „Meinst Du. Alter? Sollte der Brief des dänischen Lieutenants wirklich so wichtig sein, um darüber zum Räuber und Mörder zu werden? Und was hätten wir mit diesen Allings zu thun?" „Darüber müssen Sie den Herrn Hmptmann befragen, junger Herr!" versetzte Paulsen, ihn unruhig forschend betrachtend, „sagen Sie mir aufrichtig, wie es mit ihm steht und ob es wirklich nicht so schlimm ist, — oder — oder — ach, mein Himmel, ich seh' es Ihnen an, — er ist tobt, wozu es mir verbergen, Herr Romberg?" Der junge Mann nickte stumm und aufstöhnend schlug der Alte die Hände vor's Gesicht. „Willst Du lieber noch einige Zeit hier bleiben, mein alter Freund?" sagte Romberg. „Frau Sander meint, es wäre besser für Dich. Du hast daheim nicht die rechte Pflege." „Dar ist Ihr Ernst nicht, Herr Romberg," erwiderte Paulsen, sich hastig die Thränen trocknend. „Ich gehöre auf unsere Farm und werde mich von den Schrammen auf meinem dicken Schädel doch nicht zurückhalten lassen von meiner Pflicht. Daß mein Hauptmann nun noch zuletzt hat schlecht von mir denken müssen, weil ich zu lange ausgeblieben bin —" „Nein, Alter, darüber kannst Du ruhig fein," fiel Romberg ein, „er hat stch nach Dir, seinem alten Kameraden, gesehnt, dar ist wahr, aber Dein Ausbleiben nicht Übel gedeutet." „Gott sei Dank!" seufzte der alte Mann. „Der Gedanke hält' mich umgebracht, junger Herr! Aber den Brief müssen Sie nun behalten und auch lesen, ja, ja, auch lesen, weil er sehr wichtig ist, wie Lieutenant Alling mir sagte. Aber nun lassen Sie un» heimfahren, ich bin nicht krank, nur ein bischen dumpf im Kopfe, die Schrammen hat Frau Sander zugepflastert." Romberg schob den wichtigen Brief, der eine unheimliche Angst auf seine Brust wälzte, in die Tasche und ging wieder hinaus, um selber anzuspannen, während Paulsen sich etwas schwankend erhob und dann stramm aufgerichtet das Haus verließ. Ein Händedruck für den gastlichen Wirth und seine Frau genügte als Dank und mit einer verächtlichen Geberde wies er das Ansinnen, sich in die mitgebrachten Betten zu legen, zurück, indem er sich neben seinen jungen Herrn setzte, den er von Kindesbeinen an behütet und geliebt hatte. Sein Hauptmann hatte ihm in der Schlacht bei Idstedt das Leben gerettet, eine That, die Unteroffizier Paulsen ihm tausendfach vergolten hatte, als dieser, der keine Angehörigen besaß, sein kleines vererbtes Grundstück verkaufte und mit feinem geliebten Hauptmann das Vaterland verließ, um ihm seitdem in aufopfernder Treue zu dienen. Es läßt sich darnach leicht ermessen, mit welchem Schmerze der alte Mann jetzt bei dem Tobten stand, dessen erkaltete Hand er mit feinen Thränen benetzte, während der junge Romberg den unheimlichen Brief des dänischen Lieutenants in feinen Schrank verschloß. Der Arme hatte keine Zeit, seinem Schmerz nachzu- hängen, jetzt galt es erst, den Vater in die Gruft zu betten und dann einen Entschluß für die Zukunft zu fassen. Alle Deutschen der Umgegend waren gekommen, dem alten Hauptmann die letzte Ehre zu erweisen, auch ein deutscher Pfarrer, der die Seelsorge In der kleinen Gemeinde übernommen hatte. Schließlich gab man ihm noch die militärischen Ehren-Salven mit in's Grab, was dem alten Paulsen zur ganz befonderen Genugthuung gereichte. Und dann trat eine Pflicht an den jungen Romberg heran, die wie ein Alp auf ihm lastete und der er sich doh nicht entziehen durste. Er war rurückgekehrt von dem Be« gräbniß und saß nun einsam in seiner Stube, vor sich äns dem Tische zwei noch uneröffnete Briefe, die ihm wie ein unheimliches Räthstl erschienen, dessen Lösung er wie ein unbekanntes Schreckbild fürchtete. Standen diese beiden Briefe mit einander in Verbindung? — Unwillkürlich schauderte der junge Mann zusammen, da er zu viel von den Altings gehört hatte, ohne freilich den Vater und Sohn jemals gesehen zu haben, um nicht beide zu verabscheuen. O, dürste er diese Briefe uneröffnet verbrennen I Plötzlich ergriff et den Brief seines Vaters, löste dar Siegel und zog den Bogen entschlossen heraus, worauf er zu lesen begann. Er wurde immer bleicher dabei. — Nach einer Weile stöhnte er laut, ließ den Bogen fallen und schlug beide Hände vor sein Gesicht, das ganz entstellt erschien. „D, meine Ahnung, meine Ahnung!" flüsterte et, „ver- gieb, mein theurer Vater, daß ich Dir hierin nicht gehorchen kann. Warum hast Du mir dieses Schreckliche nicht erspart, 1 mich nicht in glücklicher Unwissenheit gelassen?" Er sprang auf und schritt in furchtbarer Erregung aus und ab. Dann nahm er den Brief wieder vom Fußboden, drückte ihn an seine Lippen und weinte wie ein Kind in herzbrechender Verzweiflung. Endlich, als er ruhiger geworden war, setzte er fich wieder hin, um das Testament des Verstorbenen, denn ein solches war es für ihn, noch einmal langsam durchzulesen. Dieses lautete wie folgt: «Mein geliebter Sohn! — Wenn Du .diese Zielen liesest, bin ich nicht mehr unter den Lebenden. Zürne mir nicht, wenn ich Dir mit der Eröffnung, daß uns nur das Band innigster Liebe, nicht das des Blutes verbindet, daß Du mein Sohn nicht bist, zum zweiten Male Schmerz bereiten muß. Ich sagte es Dir nur deshalb, um Dich auf die Enthüllung Deiner Geburt vorzubreiten und sah mit großer Bekümmerniß, wie grausam das hingewotfene Wort Dich schon traf. Und doch mußte es fein, einmal wegen Deiner Zukunft, und zum andern, weil ich niemals Deines Besitzes sichet war und Dein Vater allstündlich feine Rechte geltend machen konnte. - 44-r - Ich bin niemals verheirathet gewesen, habe aber Deine Mutter, welche einer der ersten Patrizier-Familien Hamburgs angehörte, gut gekannt. Sie war meine erste und einzige Liebi, ich wagte es aber niemals, well ich mittellos, ein geächteter Flüchtling war, um ste zu werben. Ich verließ mit meinem treuen Paulsen, wie Du weißt, das Vaterland und siedelte mich hier in Amerika, nach mancher Irrfahrt, als Farmer an. Eines Tages war ich nach Jefferson ge« fahren, um mein Korn zu verkaufen, als ich zum ersten Male den dänischen Marinelieutenant Atting traf. Sein Name siel mir auf, ich erfuhr, daß eNein Landsmann und der Bruder des Rittmeisters von Alting war, mit dem mich einst Waffenbrüderschaft und Freundschaft verbunden hatten. Dieser dänische Alting war ein liebenswürdiger, junger Mann, schön und von jenem bestrickendem Zauber, dem selbst Männer wie ich unterliegen können. Er klagte mir, daß er um eines geliebten Weibes willen Vaterland und Carriöre aufgegeben, und sie schon nach der Geburt des ersten Kindes begraben habe, daß er nicht wifle, was er mit dem einjährigen Knaben beginnen solle, und sich um ihn sorge und gräme, well er in fremder Pflege wie ein zartes Pflänzchen hinwelke. Es fiel ihm sicherlich nicht ein, dabei an mich zu denken, weil er bereits gemerkt hatte, daß ich mit Paulsen und einer deutschen Wirthin allein in meiner Farm hauste. — Aber, — ich hatte die Mutter seines Kindes geliebt und — nenne es deutsche Schwärmerei oder Gefühlsduselei — genug, mir war's urplötzlich, als stände die Tobte vor mir mit flehend er« hobenen Händen, um meinen Schutz zu erbitten für ihr verwaistes Kind, und von dieser Vision gewaltsam bezwungen, machte ich ihm das Anerbieten, den Knaben ohne irgend welchen Entgelt zu mir zu nehmen, was er mit Freuden annahm. Und dieser Knabe warst Du, — Hans Justus von Alting, Sohn des Lieutenant von Alting! — So kamst Du zu mir, und wir Alle, ich, Paulsen, besonders aber in den ersten Jahren unsere gute Frau Reimers, hegten und pflegten Dich wie unser eigenes Kind, — eine Liebe, die Du uns reichlich vergolten hast. Unsere einzige Sorge und Angst galt jetzt nur Deinem Vater, der ja das Recht befaß, Dich zu jeder Stunde wieder abzuholen. Aber vier Jahre verstrichen, ohne daß er sich bei mir sehen ließ. Zufällig erfuhr ich, daß er sich nach dem Tode Deiner Mutter bald wieder verheirathet hatte und zwar mit einer Tochter des Südens, welche ihn zum Eintritt in das Sclavenhalter-Heer veranlaßt hatte. Der große Krieg wüthete damals schon in furchtbarer Weise, es fiel mir aber nicht ein, die Waffen wieder zu ergreifen, da ich ja für Dich sorgen mußte. Unsere Gegend blieb auch vollständig vom Kriege verschont, doch athmeten wir alle wie befreit auf, als der Friede endlich geschloffen wurde. Da erschien eines Tages Dein Vater, der bislang keine Zeit gehabt, sich nach seinem Kinde umzuschauen, wie er sagte, um mir mitzutheilen, daß er wieder verheirathet und im Besitz eine« zweiten Sohnes sei. Er meinte, es sei seltsam, daß beide Söhne ihm glichen, ™jwf die Augen, die sein Sohn Hans von seiner Mutter besäße. Ich machte ihm den Vorschlag, Dich mir als Sohn zu überlassen, zumal man Dich dafür halte, worauf er sich freilich nicht einlassen wollte, mir aber dankbar dafür war, wenn ich Dich noch behalten und für Deine Erziehung sorgen wollte. „So warst Du uns vorerst wieder gesichert. Ich unterrichtete Dich bis zu Deinem zehnten Jahre, wie Du Dich ja noch erinnerst, und sandte Dich dann nach St. Louis zur richtigen Ausbildung. Seltsamerweise erschien Dein Vater stets in Deiner Abwesenheit auf der Farm, und hat Dich auch nie während der Schulzeit in St. Louis besucht. Was ich angestellt habe, um Dich zu behalten, will ich hier nicht erörtern, genug, daß er auch die zweite Frau verlor, in seinen Vermögens • Verhältnissen zurückkam und an seinem jüngsten Sohne wohl wenig Freude haben mochte. Der Zufall wollte es auch später nicht, daß Ihr Euch träfet und Du den leiblichen Vater von Angesicht zu Angesicht sehen solltest. Das letzte Mal aber, als er hier war, — Du warst just auf einige Tage mit Sander verreist, — es find heute, wo ich dieses für Dich nieberschreibe, zwei Jahre fittbem verflossen, da schien Lieutenant Alting eine krar^hast« Sehnsucht nach Dir zu haben und sehr niedergedrückt ru sein. „Ich nehme Ihnen den Justus nicht/ sagte er zu «L „Sie haben ihn, wie ich gehört, zu einem tüchtig« Mensch« et* bar danke ich Ihnen noch in meiner Sterbestunde. Vielleicht ist diese nicht mehr fern, ich fühl'«, daß mir der Tod in der Brust fitzt. Sie haben meinen Bruder Justus gekannt, er hat das väterliche Rittergut «üinghof hoch oben im Schleswig'fchen im Besitz, während ich «in Baarvermöge« empfing. Wie ich erst kürzlich von einem Landsmann erfahren, lebt er dort noch und zwar unvermählt. Sr wird sich nicht weigern, meinen ältesten Sohn um seiner Mutter willen zu adoptiren, denn mein Bruder Justus ist edel und gut, ein viel besserer Mensch als ich. Ich weiß, daß er diesen trefflichen Sohn lieben und mir dafür Dank wissen wird. Versprechen Sie mir, dieser Bitte eingedenk zu sein und unseren Sohn, denn Sie haben ein höheres Recht noch an ihm, zu dieser Reise zu bewegen, ja, ihn womöglich selber meinem Bruder zuzusühren." Ich gab ihm die Hand darauf und entschloß mich nach seiner Abreise zu dieser Niederschrift, die ich Dir als meinen letzten Wunsch, als mein Testament an's Herz lege, falls Gott mich nun früher als Deinen Vater abrufen sollte, Deine Zukunft aber, Angesichts der auf unserer Farm haftenden Schulden unsicher ist, so betrachte ich diese Aussicht als ein Glück, weil es mir auch Gewißheit eröffnet, daß mein Name von jedem! Flecken gereickat wird. Paulsen soll mich begleitend Hier endete das Schriftstück, welches dem jung« Manne so plötzlich einen geachteten Namen und einen geltMen Vater raubte und ihn jener Menschenklaffe zugesellte, die man eine zweifelhafte nennt, deren Persönlichkeit und Name einen be* rüchtigten Klang besitzt. „Und was hindert mich daran, dieses Papier, beffen Tragweite der gute Vater gar nicht zu ermessen vermochte zu vernichten und mich nach wie vor Justus Romberg zu nennen?" murmelte er, sich stramm aufrichtend. „Weshalb soll ich Almosen annehmen von diesem Alting, anstatt der eigenen Kraft zu vertrauen und meine Zukunft mir selber zu gestalten?" Er warf das große Schrftstück auf den Tisch und wollte sich mit einem trotzigen Entschluß erheben, als sein Blick auf die Schlußzeilen fiel und dort wie angewurzelt haften blieb. „Kann ich die Schulden zahlen durch eigene Kraft und durch die Reinheit Deines Namens, den ich in meiner Vermessenheit ferner tragen will, von jedem Fleck reinigen?" rief er verzweifelt aus. „O, mein theurer, geliebter Vater, gab's denn keinen Ausweg, um mich vor einem solchen Loose zu bewahren? Du vertrautest meiner Kraft, meinem Wissen, wie Du mir auf Deinem Sterbelager sagtest, und konntest mich hier zum Bettler erniedrigen!" Dann fiel sein verstörter Blick auf den Brief d« dänischen Lieutenants, den er Vater nennen sollte, und der Gedanke, was aus ihm geworden wäre, wenn er als Sohn in den Händen dieses Mannes gebliebe«, wandelte feinen Trotz plötzlich in reuevolle Demuth. „Vergieb, Du edler Todter," flüsterte er, „daß ich es nur einen Augenblick vergessen konnte, was Du für mich gethan hast, daß in der ersten Probe meine Dankbarkeit schon versagt, die doch nur allein in Opfermuth sich äußern und bewähren kann." Mit fester Hand öffnete er jetzt den zweiten Brief, d« ihm vielleicht noch eine härtere Prüfung auferlegen follte, aber was halfs, der Kelch mußte jetzt bis auf die Hefe ae# leert werden. Sein Blick starrte auf die elegante, etwas unsichere Handschrift des Mannes, den er Vater nenrm sollte, vielleicht, ja, sicherlich die eines Sterbenden. (Fortsetzung folgt.) Einiges über den schwarzgrauen Fliegenschnäpper. (Vortrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Thierschutz-Vereins.) Schon bereits fünfzig Jahre lang beschäftige ich mich ein wenig mit der Vogelwelt und dies ist namentlich in hie- figer Stadt durch eine ziemlich große Anzahl von Artikeln, die ich über Vögel in unseren beiden Localblättern und auch in der allgemeinen Thierschutz-Zeitschrift zum Abdruck bringen ließ, bekannt geworden. Vielfach werden nun Fragen über verschiedene Vögel von Bewohnern unserer Stadt an mich gerichtet, aber da sich bis jetzt noch Niemand bei mir über den schwarzgrauen Fliegenschnäpper erkundigt hat, so glaube ich annehmen zu dürfen, daß wenigstens in meinen bekannten Kreisen dieses kleine, muntere Vögelchen uud die Lebensweise desselben zu wenig bekannt sind, und ich möchte daher mit einigen Worten die Aufmerksamkeit aller meiner Freunde, Bekannten und auch anderer Menschen, die sich sür die lieblichen Sänger interessireu, auf dieses überaus nützliche Vögelchen lenken. In Deutschland kommen vier verschiedene Arten von Fliegenschnäppern vor; allein ich will nur den grauen Fliegenschnäpper, der in unserer Gegend am häufigsten vorkommt, einer näheren Betrachtung unterziehen. Die Uniform, in der fich dieses Vögelchen präsentirt, ist oben auf dem Rücken dunkelgrau bis schwarz, Unterseite und Stirn weiß; Kopf-, Schwanz- und Schwungfedern schwarzgrau und die beiden Flügel find mit je zwei weißen Federn geziert. Das Weibchen ist oben braungrau, unten schmutzigweiß. Wie seine Verwandten gehört der graue Fliegenfänger zu den Zugvögeln; er kommt Anfangs Mai bei uns an, tritt gegen Ende September feine überseeische Südreise wieder an, und sein Aufenthalt bei uns dauert demnach nur fünf Monate. Seine Wohnung schlägt er am liebsten in Obstgärten, lichten Vorhölzern und Waldungen auf, und er beginnt da sogleich seine höchst nutzbringende Thätigkeit. Ruhig saß der von mir beobachtete in unserer schönen Südanlage auf einem Aste, nur die Flügel bewegend, und wartete auf vorbeifliegende Insekten, schoß dann nach vorwärts rechts oder links ficher treffend darauf los, kehrte im Bogen auf seinen Platz zurück, und er beginnt da von neuem seine wllde Jagd, die vom frühen Morgen bis zum späten Abend andauert, auf die überaus zahlreichen schädlichen Insekten. Da alle unsere einheimischen Fliegenschnäpper eine ähnliche Lebensweise führen und dabei sehr gefräßig sind, so ist e» doch gewiß leicht zu begreifen, daß dieselben Millionen und abermals Millionen schädliches Ungeziefer, das in Mücken, Schnaken, Fliegen, Bremsen, Motten, Schmetterlingen (besonders Spanner und Wickler), Heuschrecken u. s. w. besteht, aus der Welt schaffen. Wenn man nun bedenkt, wie unendlich groß das Heer von fliegendem, schädlichem Geschmeiß ist, das die Fliegenschnäpper ununterbrochen flatternd aus der Luft schnappen, wobei auch unser Schnäpper in hohem Grade mit- wirkt, so muß derselbe gewiß mit Recht zu den nützlichsten Vögeln gerechnet werden, und er verdient daher von allen Menschen gehegt und gepflegt zu werden. Besonders die Obstbaumzüchter haben alle Ursache, denselben in ihre Gärten zu locken, und dies geschieht wesentlich dadurch, daß sie ihm Nistkästchen, die denen für Rothschwänzchen ähnlich sind, etwa an einer Mauer oder an verschiedenen Bäumen anbringen laffen. Man nennt die Vögel Luftbewohner; diesen Namen verdient der graue Niegenschnäpper mit besonderem Recht, denn nur die Roth, wie bei lang anhaltendem Regenwetter, bei dem sich das Ungeziefer in Schlupfwinkeln verborgen hält, zwingt ihn, den Boden aufzusuchen. Hier umflattert er, um seinen gräßlichen Hunger zu stillen, Hollunder- und auch zu- ; weilen Johannisbeeren. Ich will zugeben, daß er dadurch, - sowie auch durch das Wegschnappen von Bienen einigen । Schaden verursacht, allein wenn man den großen Nutzen, den [ er schafft, bedenkt, so kann dieser kleine Schaden, den er anrichtet, gar nicht in Betracht gezogen werden, und er verdient gewiß nicht, daß ihn rohe, unwissende Jungen, wie das leider bis jetzt noch vorkommt, durch Fallen, Sprenkel und Leim- ruthen nachstellen. Schließlich will ich nun noch eine wahrhaft rührende Geschichte von der sehr großen Kindesliebe des Fliegenschnäpper», die Naumann (berühmter Naturforscher) mittheilt, hinzufügen: „Einst fing ein loser Junge ein altes Weibchen beim Neste, in dem vier kaum halbflügge Junge saßen, und trug alle zusammen in die Wohnstube. Kaum hatte der alte Vogel die Fenster untersucht, aber keinen Ausweg zur Flucht gefunden, als er fich schon so in sein Schicksal fügte, daß er Fliegen fing, die Jungen damit fütterte und dies so eifrig trieb, daß er in äußerst kurzer Zeit die Stube gänzlich davon reinigte. Um ihn nun mit seiner Familie nicht verhungern zu laffen, trug der Knabe Beides zum Nachbar; hier war die Stube ebenfalls bald gereinigt. Jetzt trug er ihn wieder zu einem anderen Nachbar, mit dessen Fliegen er ebenfalls bald fertig ward. Er trug ihn abermals weiter, und so ging die Fliegenschnäpperfamilie im Dörfchen von Stube zu Stube und befreite die Bewohner von den verhaßten Stubenfliegen. Die Jungen wuchsen bei dem niemals fehlenden Futter schnell und lernten fich auch bald selbst Fliegen fangen. Auch Naumann traf die Reihe, und aus Dankbarkeit bewirkte er nachher der ganzen Familie die Freiheit, denn sie gehören, wie er sagte, zum Zweck des Fliegenfangens durchaus nicht in die Stube, sondern in dis freie Natur. Gießen, im September 1896. H. Curfchmann. Humoristisches. Capital und Arbeit. Lernbegieriger Wirth (zu einem Studenten): „Sie studiren, wie ich höre, National- Oeconomie. Jchtinteressire mich auch dafür, finde es aber sehr schwer, die Sache zu begreifen- Ich habe zum Beispiel keine Ahnung, was man unter „Capital und Arbeit!" versteht!" — Studiosus: „Das ist doch sehr einfach! Nehmen wir an, Sie pumpen mir 500 Mk., das ist „Capital". Jh habe Ihnen versprochen, Ihnen die 500 Mk. nach drei Monaten zurückzuzahlen. Sie kommen, um Ihr Geld zu erhalten, ein-, zwei-, drei- bis zehnmal zu mir — aber immer vergebens!" — Wirth (verblüfft): „Ah, ich verstehe; das ist „Arbeit!" * Beim Examen. Professor: „ . . . Im Wasser finden sich Bacterien aller Art und Infusorien, was soll man deß- halb thun: — Candidat: „Keines trinken!" * ♦ * Neues Wort. L.: „ . . . . Waas, Herr Lieutenant, Sie hier, in diesem Nest?" — Lieutenant: „Schaue mir 'mal Sehensnichtswürdigkeiten an!" Literarisches Welche Hausfrau auf gediegene Seetüre hält, aus der sie einen dauernden Gewinn davontragen kann, der möge die Halbmonatsschrift für die praetische Frau: „Stein Haus meine Wett", empfohlen fein. Das Blatt berücksichtigt die gesammten Interessen des Frauenlebens und vorwiegend dessen praetische Leite. Die Septemberhefte bringen neben den hauswiithschaftlichen -Aufsätzen: Gastronomische Plauderei über das Rebhuhn; Küchenaberglaube; Berichte von der Berliner Ausstellung über Wäscheschrank und Küche — an fesselnder Unterhaltung die Novellette: Eine vergötterte Frau, von Clara Düsterhoff; ein treffliches Lebensbild der Großherzogin Louise von Baden; Ada Negri; ferner eine interessante Plauderei: Uebertriebene Häuslichkeit, welche zeigt, wie die Hausfrau — nicht sein soll. Die Notizblätter sür das Haus und Bunte Zeitung bringen Neues auf allen Gebieten in interessanter Darstellung. Der Preis der einzelnen Hefte von „Mein Haus meine Welt" (Max Pasch, Berlin SW., Ritterstr. 50) ist 25 Pf., vierteljährlich Mk. 1.50. Webaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UntversiMS-Buch- und Steiudruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.