»alten reinigt esta oder mit jett mit Benzin rseife) in mit Liter Brannt- t Candiszucker streicht mittelst das Gemälde, Hwammes mit Serfahren kann bet werden und ut man in eine von einen Teig, lich aus, unter- ingt. Je fester Dann schneidet lander, schneidet nun die Nudeln rchender Fleisch- it sie aurguellen Blumen und telst einer Feder weicht und das h des ätzenden Aufmerksamkeit etb««g von Dr. d 3 Mark 50 Pfg. :r neuen deutschen zehnten amtlich ge- geschichtlichen Seite; : zeige vor allem "zu in doch aber Jacob änderten trägt die Unfolgerichtigkeit an tgefunden hat, und Der erste einheitliche :ben; auf seinen für mdsätzen ist der Ka- worden. Er enthält ng eingehende Ein- d ein fast 300 drei- e dem letzteren bei- r ersetzen gleichzeitig par J. Korest, lemande par C. F. Pfg. Verlag von a Jahren als Lehrer andelslehranstalt in Werk geschaffen, das nmnisfe der französi- e Weise in die kauft einzuführen wohl ge- ,e der kaufmännischen Anzahl der verschie- ;rs berücksichtigender nmerkungen, deutsche ich und eine Phraseo- inden sich in der in spondenz in deutscher französischen Anmerk- yd a) in ließen. Untechaltungsblalt zum Gießener Anzeiger Drneral-Anzriger). 18V«. 6 —i—' MLG NWÄ Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. (Fortsetzung.) »Siehst Du, Ilse, stehst Du?" rief Frau von Bellin mit triumphirender Miene. „Der Herr Pastor sagt auch, wenn eine Scheidung unvermeidlich sein sollte- Aber sie ist nicht unvermeidlich, sie darf es nicht sein. Du wirst Deine Rechte vertheidigen und ohne Deine Zustimmung ist die Scheidung unmöglich." „Ich habe meine Zustimmung bereits gegeben, Mama, daran ist nichts mehr zu ändern." das geschah in der Erregung, das hat keine Giltigkeit, nicht wahr, Herr Pastor? Schon um Deiner !Familie willen darfst Du jener Amerikanerin nicht ohne Abwehr Deinen Platz einräumen. Nein, das darfst Du nicht. Bruno sagte gestern schon, als wir von Ilse die ganze schmachvolle Geschichte erfuhren, daß ihm eigentlich nichts übrig bliebe, als jetzt auch nach Italien zu reisen und den Baron zu fordernI Ja, das sagte er." „Das müssen Sie dem Bruno ausreden, gnädige Frau," mahnte der Pastor. „Ein Duell vermag solche Conflicte am wenigsten zu lösen. Warten wir vorläufig ab; auch Ilse» Gemüth muß sich erst beruhigen und sprechen wir von der Sache zu Niemandem." L „Als wenn unser Schweigen etwas helfen würde," warf Frau von Bellin achselzuckend ein. „In ganz Hertheim und Umgegend — ich möchte darauf schwören — spricht man heute schon von nichts Anderem, als von der unerwarteten Rückkehr Ilses." „Lassen Sie die Menschen reden; wenn Sie und Bruno «ur schweigen, werden sie sich bequemen müssen, mit ihren neben aufzuhören und abzuwarten gleich uns." «Das glauben Sie nur nicht," warf Frau von Bellin em. „Hat man doch in Radnitz beim Grafen Wölben schon davon gesprochen, selbst vor Bruno, der gestern dort zur «uerhahnjagd eiriMaden war, obwohl natürlich mit Zurückhaltung. Sie haben wohl gehört, daß der Legationsrath von Menzelen, gerade wie im vorigen Jahre auch, beim Grafen Wolden als Gast weilt?" «Der Legationsrath von Menzelen?" fragte der Pastor Überrascht. , „Ja- haben Sie es denn nicht in der Zeitung gelesen? Seitdem der Gattersberger als hergestellt betrachtet wird und Baron Axel seine Strafe abgebüßt und mit dem Erbe die Braut verloren hat, ist er ein Gegenstand des allgemeinsten Interesses und bei seinen Vorgesetzten geradezu persona arrada geworden. Graf Wolden protegirt ihn besonders lebhaft und man erzählt sich, daß er ihn zu seinem Schwiegersohn aus« ersehen habe, eine Partie, die ihn zugleich reichlich für die eingebüßte Erbschaft entschädigen würde." «Hm, hm," machte der Pastor, „und war hat Bruno beim Grafen gehört?" »Nun, daß dis ehemalige Braut de« Legationsrath» augenblicklich in Corfu weile. Irgend Jemand aus der Gesellschaft sei ihr in Rom begegnet, dem sie ihre Absicht, nach Corfu zum griechischen Osterfest zu gehen, mitgetheilt habe- Da man nun den Baron in Corfu weiß, außerdem seine frühere heiße Bewerbung um die Amerikanerin kennt, und Ilse nun hierher allein zurückgekehrt ist, so macht man natürlich seine Combinationen, die sicher nicht weit von der Wahrheit liegen. Warum kam sie auch gerade hierher? Sie hätte in irgend einem anderen fernliegenden Orte die Entwickelung der traurigen Angelegenheit abwarten sollen —" »Da sie aber dies nicht gethan," warf der Pastor beschwichtigend ein, „was ich nur zu begreiflich finde, da sie in ihrem Leid nach vertrauten Herzen stch gesehnt haben wird, machen fie ihr den Aufenthalt nicht schwerer, als er es so schon ist." ' „Wo denken Sie hin, Herr Pastor?" rief Frau von Bellin ^ftig. „Ich ihr bett Aufenthalt schwer machen, meinem eigenen Fleisch und Blut, das so ungerecht zu leiden hat? Aber Vernunft einreden, das muß ich ihr, denn fie denkt an die Zukunft gar nicht. Nicht wahr, auch Sie, Herr Pastor, werden es nicht dulden, daß Ilse, wie sie eben erst geäußert hat, mit ganz leeren Händen davongehen will. Gelüstet es dem Herrn Baron, sich eine andere Frau zu nehmen, so hat er doch selbstverständlich für die Verlassene standesgemäß zu sorgen —" 138 - ob sie beim nun den Ideen, die man sich von dem Phärken» lande mache, auch entspräche. u , Bruno suchte sich so gut wie möglich aus der Affaire zu ziehen. „Genaueres vermag ich Ihnen wirklich nicht zu berichten, gnädigste Comteß, nur so viel, daß sie einen berühmten Pro« fessor zum Lehrer gehabt, der ihr und ihrem Manne die aus» gedehntrsten Vorträge gehalten hat. Hahal Das war so etwas für meine Schwester, das hat sie immer geliebt, während ich ganz im Gegensatz mich vor so gelehrten Herren stets gern drückte." Comteß Eva verzog ein wenig verächtlich den Mund. „Ja, ja, ich weiß, die Gelehrsamkeit ist gewöhnlich nicht die Passion der jungen Herren Offiziere. Hoffentlich hat Ihr Schwager eine Ausnahme davon gemacht und mit seiner Frau das Interesse für das Alterthum getheilt. Wie heißt denn der Professor, wissen Sie den Namen?" „Bedaure, gnädigste Comteß, hat mich wirklich nicht so „Gnädige Frau/ bat der Pastor, der bei den Worten der Mutter Ilse zusammenzucken sah, „sprechen wir doch jetzt nicht davon; hier stehen augenblicklich ja noch viel höhere Fragen im Spiel als Geld und Gut." „Geld ist doch nun aber einmal nicht zu entbehren, das wissen Sie auch, Herr Pastor; und es wäre ganz unverant« wörtlich, wenn man darin übertrieben idealen Anschauungen, wie Ilse sie hat, nachgeben wollte. Sie kennen unsere Vermögenslage, Herr Pastor." irir „ „Freilich, freilich," unterbrach dieser den Wortschwall, während er heimlich Ilses Hand ergriff und sie ermuthigend drückte. „Das wird sich ja auch Alles finden; jetzt ist doch die Hauptsache, die gebeugte Seele dieser armen Frau wieder aufzurichten und dazu ist es nöthig, daß wir ihr Ruhe gönnen, sich erst wiederzufinden und zu fassen. Und nun, liebe Ilse, den Kopf oben 1 Denke an den schönen, trostreichen Spruch : Dem Guten ergeht es am Ende doch gut l Und wenn es Dir möglich ist, komm' bald zu uns herüber. Meine Frau und . Kinder sehnen sich schon nach Dir, und daß sie Dich nicht sehr interessirt. mü neuKen $««eti Wien, hafte werbe Ich I°rge»,- ! -***• •> Er neigte sich über sie, küßte ihr die Stirn und gab Frau von Bellin zum Abschied die Hand. Diese geleitete ihn durch den Garten bis zur Außenpforte. „Ach, daß es so enden sollte, so enden, wer hätte das aeabnt!" klagte sie dort von Neuem. .Ich bitte Sie ernstlich, gnädige Frau, schonen Sie Ilse. Sie ist sehr angegriffen und was die äußeren Interessen be> trifft, so seien Sie überzeugt, daß Sie in mir einen entschiedenen Vertreter finden werden/' „ „Wenn Sie mir das versprechen, Herr Pastor, meinte nun Frau von Bellin beruhigter, „dann will ich'«>ja schon abwarten. Aber als Mutter muß ich doch solchen Thorheiten wehren, nicht wahr, Sie verstehen mich? Das ist doch meine Pflicht, Herr Pastor." Dieser nickte nur; wußte er doch, daß alle weiteren Worte hier vergebens waren, wo die feinere Empfindung und das Verständniß für eine Natur wie diejenige Ilses gänzlich „Schade, daß Ihre Frau Schwester nicht hier ist. Warum ist sie eigentlich nicht gekommen? Es wäre doch sehr interessant gewesen, sich von ihr etwas erzählen zu lassen " „Ja, das bedaure ich auch, da ich Ihnen beim besten Willen nicht fo zu dienen vermag, wie Sie wünschen. Aber Sie wissen, bet dem leidenden Zustand meines Schwagers hat das junge Paar bisher noch gar keine Visiten machen können.' „Hoffentlich holen sie das nach, sobald der Baron zurück ist," meinte die Comteß; „ich bin schon sehr begierig, Ihre Frau Schwester kennen zu lernen." Bruno war froh, daß er jetzt Pastor Seiffard auf sich zukommen sah und sich von seiner Begleitung verabschieden konnte, um ihn zu begrüßen. „Wissen Sie, wo Fräulein Altwiel ist?" sragte der Pastor^ mit dem jungen Offizier einen Händedruck tauschend. „Ich bin auf der Suche nach ihr." _ f „Ich glaube, sie mit dem Legationrrath von Menzelen und Comteß Helene nach ihrem Liebltngsplatz, der großen Linde am Abhange gehen gesehen zu haben. Sie kennen doch fcbitß Auf dem Heimwege überdachte er noch einmal alles Gehörte. „Es ist jetzt wirklich nichts dabei zu thun," chloß er feinen Gedankengäng, „als die Schritte des Barons in dieser Angelegenheit abzuwarten. Erst dann kann man bestimmt Stellung nehmen und für die arme Geprüfte Zukunstr- entschlüsse fassen." XIX. Graf Wolden gab auf seinem schönen, romantisch gelegenen Schlosse ein Frühlingsfest. Zahlreiche Gäste von Nah und Fern waren herzugeströmt, auch Pastor Seiffard zählte zu den Geladenen. _ , ., m „ Es war der erste, wirklich warme Tag und die Gesellschaft hatte sich daher in dem mit feiner Kunst angelegten Garten und dem weitgehenden Parke zerstreut, der die Anhohe bedeckte, auf der das stattliche, aus dem achtzehnten Jahrhundert stammende Gebäude sich erhob. Eine Anzahl junger Damen eilte in Begleitung mehrerer Offiziere aus der nahen Residenz, unter diesen auch Bruno von Bellin, nach dem Lawntennis-Platz, den zum Spiele her- zurichten man eben dabei war. Um die Pause des Wartens auszufüllen, promenirte man in der breiten anstoßenden Buchen- alles. Neben Bruno ging die junge Comteß Eva von Strach- witz, die er im Winter in Berlin während seines Commandos an die Central-Turnanstalt öfters bei Frau von Willrich ge- sehen, in deren Hause er mit seiner Mutter verkehrt hatte. Die junge Dame galt unter den Cavalieren als eine halbe Gelehrte und war deshalb nicht besonders beliebt. Bruno aber hatte sich ihrer Begleitung nicht entziehen können, da die Comteß, die vo» der Rückkehr Ilses von ihrer Reise bereits vernommen hatte, ihn förmlich mit Fragen überfchüttete. Besonders verlangte sie über Corfu etwas Genaueres zu hören, da die Baronin ihm gewiß viel darüber mitgetheilt habe. Von jeher habe sie gerade für die interessante Insel geschwärmt, den Platz?" „Gewiß, gewiß. Doch noch Eins, lieber Bruno, unter vier Augen," sagte er und hielt den schon zum Fortgehen sich Anschickenden noch zurück. „Seien Sie recht vorsichtig und lassen Sie sich nicht ausfragen über Ihre Schwester." Bruno machte eine überlegene Bewegung mit der Hand, als wolle er sagen: „Wie können Sie daran zweifeln? Das ist ja selbstverständlich." „Haben Sie Ilse gesehen?" fragte er dann. „Ja, ich war bei ihr —" „Und was denken Sie, Herr Pastor? „Darüber ein andermal. Sie werden beim Lawntennts bereits erwartet. Auf Wiedersehen I" Er zog den Hut und schlug die Richtung nach dem von Bruno ihm angegebenen Platze ein. Zwischen ihm und Käthe Altwiel hatte sich in den Monaten, die sie nun schon aus Schloß Radnitz zubrachte, wo sie nach der Tochter auch noch den Grafen und die Gräfin gemalt hatte, ein eigenartig vertrauensvolles Freundfchaftsvsrhältniß entwickelt. Trotzdem man der jungen Malerin im Schlosse mit der ausgesuchtesten Zuvorkommenheit begegnete, sühlte diese sich dort doch mehr oder weniger als eine Fremde. Das auf eigene Füße sich stellende, von ihrer Kunst den Lebenserwerb suchende Mädchen stand in ihren Ansichten, in ihrer ganzen Lebensauffassung naturgemäß im Gegensatz zu der gräflichen Familie und selbst Comteß Helene, die sich ihr mit der Anschmiegungssähigkeit der Jugend angeschloffen hatte und sie sehr bewunderte, vermochte ihren Gedanken, ihrem Wollen und Streben doch nicht zu fo^en ^ren ^nn die Stunden im Pfarrhause zu Hert- heim ihr zu wahren Erholungsstunden geworden, in denen sie mit dem verständnißoollen, ernsten und doch milden Pastor alle die Gedanken austauschen durfte, die sie im Schlosse zu Radnitz strenge zurückhalten mußte. Er hatte ihr viel von 139 - Ilse erzählt und durch ihn hatte sie Jntereffe für diese seltene, hingebungsvolle Natur gewonnen, wenn sie sich auch sagte, daß sie in ähnlichem Falle vorsichtiger gehandelt und nicht dar Herz so ganz mit dem Verstände hätte durchgehen kaffen. Daß die Liebe in einem Frauenherzen eine solche Ueber- macht gewinnen könne, um über so wichtige Bedenken sich hinwegzusetzen und allein dem Drange, des Geliebten Wünsche zu erfüllen, nachzukommen, das verstand sie nicht. Eine Liebe, bei der nicht auch die Vernunft ihr gewichtiges Wort mit- spricht, war für sie etwas Undenkbares, auch glaubte sie nicht an ein Eheglück, das sich nicht auf den soliden Grundlagen geistiger Gemeinschaft und eines gesicherten Vermögensstandes aufbaute. Befaß sie überhaupt die Fähigkeit, zu lieben? Auch daran zweifelte sie bisweilen. Sie konnte sich als gefügige Gattin nicht denken und die Gefügigkeit war doch ihrer Meinung nach eine Bedingung zum friedlichen Eheleben mit einem Manne. Dagegen fühlte sie sich zur idealsten Freundschaft fähig und zu allen Opfern bereit, die sie von ihr fordern könnte. So wußte denn auch der Pastor von ihrem Freund- schaftrverhältniß mit Axel von Menzelen und oft, wenn sie von dieser Freundschaft sprach und dazu ihre Grundsätze entwickelte, die immer darin gipfelten, daß eine Künstlerin nur ihrer Kunst leben dürfe und der Ehe entsagen müsse, lächelte er still vor sich hin und dachte, wie alle diese Theorien so leicht brüchig würden, sobald die Frage ernstlich zur Entscheidung heranträte. War er doch innerlich davon überzeugt, daß Käthes warme Freundschaft zu Axel doch im Grunde Liebe sei, die nur noch unbewußt in ihr schlummere und eines Tages erwachen und alle Zweifel und Bedenken wie im Windhauch davontragen würde. Freilich gehörte dazu, daß Axel von Menzelen diese Liebe erwiderte. Darüber war sich der Pastor freilich nicht ganz klar. Daß er sie werth, sehr werth hielt, da« hatte er wohl bei den seltenen Gelegenheiten, in denen er die Beiden zusammen gesehen, bemerkt. Niemand konnte ein achtungsvolleres Verhalten, mehr Aufmerksamkeit zeigen, als er für Käthe. Und wenn für eine der Damen im Molden'fchen Kreise, so hatte er für sie zuweilen einen weicheren Ton in der Stimme, einen wärmeren Strahl im Auge. Seiner Empfehlung verdankte sie ja auch die Bestellungen des Grafen Molden, der sie zu ihrer Ausführung für Monate in sein Haus eingeladen hatte, eine Auszeichnung, die nicht Vielen zu Theil wurde, da der Graf ein sehr stolzer Mann und sehr darauf bedacht war, seine eben erwachsene Tochter nur in gleichgestellten Kreisen sich bewegen zu lassen. Da« Alle« sprach wohl für die Annahme wärmerer Gefühle für die Jugendgespielin, andererseits jedoch hatte sie die Mittheilung Frau von Belltns, daß Graf Molden ihn zum Schwiegersohn ersehen habe, den Pastor stutzig gemacht. Da sie ihm Vieles über die Amerikanerin erzählt, welche jetzt so verhängnißvoll sich zwischen Ilse und ihren Gatten gestellt hatte, drängte es ihn, mit ihr Rücksprache über das Geschehene zu nehmen. Ihm schien es Pflicht, auch gegen Ilses direkten Willen, Wolf wenigstens nicht ungewarnt in fein Unglück gehen zu lassen. Jedenfalls wollte er Käthe zu Rathe ziehen und vielleicht ihren Beistand erbitten. Die Gesuchten saßen wirklich unter der alten Linde. Käthe, den Kopf an ihren Stamm gelehnt, den Blick gedanken - voll in die duftende Ferne getaucht, Comteß Helene, eine nicht gerade hübsche, doch jugendfrische Erscheinung, neben ihr, in lebhafter Unterhaltung mit Axel begriffen, der vor den beiden Damen in einem Gartenstuhle lehnte, den er leise wiegend hin und her bewegte. Er galt trotz seiner reservirten Art doch für einen gewandten Causeur, der mit Tact in jeder Gesellschaft den richtigen Ton zu treffen wußte. Scharf im Urtheil, zuweilen gar schonungslos, hatte er doch stets so viel Selbstbeherrschung, damit nie am ungeeigneten Orte hervorzutreten. Auch jetzt wußte er das Gespräch ganz in den dem Denken und Fühlen eines noch sehr jungen Mädchens angemessenen Grenzen zu halten. Als alter Freund des Hauses - sein verstorbener Vater war Studiengenoffe des Grafen Molden, seins Mutter noch entfernt verwandt mit der Gräfin gewesen — hatte er vielfache Anknüpfungspunkte mit der jungen Comteß. Man sprach von Diesem und Jenem aus der Gesellschaft, wagte wohl auch einen Streifzug in die Kunst und Literatur, ohne sih irgendwo zu vertiefen oder auf ernstere Fragen, wie er sie mit Käthe zu verhandeln liebte, einzugehen. Der Pastor wurde von den jungen Damen lebhaft, von Axel höflich bewillkommnet. Man rückte ihm einen Stuhl hin und bat ihn, Platz zu nehmen, was er indessen ablehnte. Er habe nur Comteß Helene begrüßen wollen, die er schon beim Lawntennis vergeblich gesucht habe. „Wird schon gespielt?" fragte sie. „Man hat eben begonnen, ich glaube, Sie wurden vermißt." „Wirklich? Ja, ich habe versprochen, mitzuspielen und sviele ja auch so gern!" „Darf ich Sie hingeleiten?" fragte Axel aufspringend und bot der jungen Dame seinen Arm. „Und Sie?" fragte sie, ihn mit leisem Erröthen annehmend. „Sie wissen, ich spiele nie." Er war schon vorwärts geschritten, in einiger Entfernung folgten der Pastor und Käthe. Diese hatte sogleich des würdigen Herrn Absicht verstanden und sah ihn gespannt an. „Sie haben mir etwa« zu sagen, Herr Pastor?" „Errathen Sie es? Nun ja und ich bin froh, daß es mir so rasch gelungen ist, Sie allein zu sprechen- Sie wissen vielleicht schon, daß Ilse zurückgekehrt ist, allein, ohne Gatten und in das Hau« der Mutter?" „Ich hörte davon und war erstaunt." „Wissen Sie auch, wer die directe Ursache davon ist?" „Adeline Graham, wie ich voraussetze." „Wie, Sie haben also auch schon davon gehört?" „Auch schon davon, lieber Herr Pastor, die Welt ist so klein „Ja, ja, ich erinnere mich jetzt, auch Bruno sprach davon, daß irgend Jemand der Dame in Italien begegnet sei und sie von ihrer Absicht gesprochen habe, nach Corfu zu gehen." „So ist es und als ich da« hörte, habe ich mir sofort Alles zusammengereimt. Sie ist wirklich eine Sirene, diese schöne Adeline, wie ich ihr Bild getauft habe, und wenn sie will, gelingt ihr bei den Männern Alles." „Sie denken sehr klein von unserem Geschlecht. Ich meine doch —" „Daß es Ausnahmen giebt, gewiß, Herr Pastor; aber Wolf von Menzelen gehört sicher nicht zu diesen Ausnahmen!" „Sie wollen damit doch nicht sagen, daß Sie ihn für rettungslos verstrickt in die Netze dieser Zauberin halten?" „Das glaube ich allerdings." „Ach, und ich hoffte so sehr auf Ihren Beistand, Fräulein Käthe. Wenn Jemand, so könnten Sie ihn warnen —" „Warnen, wovor? Was geschehen ist, weiß er, auch, war sie ihm angethan hat." „Ihm angethan?" „Nun ja, auch mit ihm hat sie ja gespielt, ihn bis zur Leidenschaft gereizt, um ihn dann mit der Nachricht zu überraschen, daß sie schon verlobt sei —" Der Pastor schüttelte den Kopf. „Und dennoch, dennoch, es ist unbegreiflich!" „Sie wird ihn zu überreden gewußt haben, daß sie die Verlobung mit Axel nur aufgelöst habe, weil sie ihn liebe. Und doch that sie es sicher nur, weil Axels Hoffnungen auf die Erbschaft durch Wolfs Heirath ihr vernichtet erschienen." „Und nun speculirt sie auf Wolf, trotzdem er bereit« vermählt ist?" „So wird e« wohl sein. Wovor scheute eine Dame zurück, deren Lebensziel und Zweck darin besteht, Männerherze« zu erobern und sich anbeten zu lassen." (Fortsetzung folgt.) 140 — Langsam erhob er sich. »Aber Herr Majori" — rief Heller. , , '-Msch, bist Du toll? — Um zehn Minuten nach elf heim?" fragte Herr von Wolfrum, ein Gutsbesitzer, der als Intimster den Platz an des Majors Seite ausfüllte. „Man sollte meinen, er wäre verheirathet," stichelte Doctor Erwe. Das dringendste Argument brachte der Wirth. Ein soll» des Glas „Steifen", das der Major als „Schlummerpunsch« allabendlich sinnahm. So ließ er sich denn, wenn auch grollend, in seinen Sitz zurückdrückeu. „Und nun die Geschichte," baten ein paar Herren auf einmal. ' „Schwefelzeug!" brummte Pitsch. „Na — weil eben vom Heirathen die Rede war--aber das bitte ich mir aus: keine grünfchnäbeligen Bemerkungen! — Also das Hei. “ ja so das Schnarchen hat mir's eigentlich ver. leidet. Da war damals eine Cousine, die hübsche--na, Namen thun nichts zur Sache--führt heute längst ein paar stattliche Töchter zu Balle ---also — flottes Ding, nichts Gesuchtes, Gedrechseltes dran, reine Raffe! Frisch — keck — — ging auf's Ziel los wie ein Donnerwetter. Ich auch, als junger Premier, und weiß der Teufel, das Mädel hätte mich 'rumgekriegt! Traf sie auf meinem Weihnacht-, urlaub bei den Wiedenbachs auf Wiedenhausen. Wie das so auf dem Lande geht - Einladung zum Hausball auf ein Nach, bargut mit drei Töchtern, infolgedessen riesiger Festzauber mit leidlichem Amüsement. Zum Schluß Schlittengeklingel und Peitschenknallen durch die mondhelle Dezembernacht. Ich mit ihr zurück nach Wiedenhausen. Müde mußte sie sein, denn getanzt hatte sie wie Quecksilber — so that das bischen Frost« lüft das seine: das Mädel schlief mir einfach ein." „Ein schmeichelhaftes Zeugntß für Deine Unterhaltungs. gabel" wandte Wolfrum ein. Pitsch zauste ein paarmal an seinen langen, weißen Schnurr« bartspitzen. „Pfeffer, reichen Sie doch Herrn von Wolfrum 'mal die Riechbüchse!" Pftffer war der Wirth und die „Riechbüchse" eine in Form einer Pfeffermühle construirte Spardose, in die Wolfrum nun wehmüthigen Lächeln, seinen Strafgroschen legen mußte. So wollten e» zu Gunsten der Armen von einem Störenfried die — übrigens ungeschriebenen pfeffersäcklichen Satzungen. Nachdem der Major sich noch mit einer olymphaften Rauchwolke umgeben hatte, fuhr er fort: „Schlief mir also ein. Miserables Gefühl, sage ich Ihnen! So als Mensch von siebenundzwanzig Jchren neben einem Mädel, das einem nicht ganz gleichgültig ist, durch die discrete Nacht zu sausen und dabei so peu ä peu 'was meines, warmes an — — so an — gewissermaßen an den Schnurrbartspitzen zu fühlen. Zu wecken riskirte ich das liebe Kind nicht. Saß also madonnengleich. Steif, still, unbeweglich." „Na, na!" Da» war natürlich der Steuerrath. (Fortsetzung folgt.) Mdaction: N. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMz-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. Wurm der Major 0011 Misch nicht heirchete. Humoreske von Hermann Birkenfeld. (Nachdruck verboten.) Es war Ende Januar, kurz nach elf Uhr. Natürlich Abends, denn Vormittags pflegte die Gesellschaft „Pfeffersack" in Kringelheim sich nicht zu versammeln. Zum zehnten Mal im neuen Jahr drehte sich das Ge« spräch um's Schnarchen. Das war nicht zu verwundern. Denn erstens lag Kringel, heim ein bischen reichlich abseits vom Wege, wenn's auch sonst ein behaglich Nest war und aus diesem Grunde ein halbes Dutzend ältliche Pensionäre mit und ohne Familie in seinen Mauern einschloß. Solche hatte es nämlich wirklich noch auf« zuweisen, reguläre Stadtmauern mit anderthalb erhaltenen Thürmen, auf die man stolz war, weil er einem — doch davon wollte ich nicht erzählen. Erstens aber fehlte es manchmal an einem reellen Unterhaltungsstoff, und zweitens pflegte der breitschultrige Amtmann Strube um diese Zeit, nämlich täglich Schlag elf Uhr, seinem Sessel einen kleinen Ruck zu geben, sodaß er aus der gemüthlichen Kreislinie der Pfeffer, fackler heräuspflog, sich behaglich zu stecken, das fleischige Haup! auf die Brust sinken zu lassen und ein paar Minuten später in ein schwermuthsvoll düsteres Geschnarche zu verfallen. Der Pfeffer sack hatte sich so ziemlich an diese menschliche Schwäche seines amtmännlichen Mitgliedes gewöhnt. Nur den Major von Piisch reizte das uniforme räps — raps — leicht« lich zu schnöden Bemerkungen. „Wenn Strube nicht so'n guter Kerl wäre — die Schnarcherei könnte einem den Schoppen in seiner Gesellschaft verleiden," brummte er jetzt. „Da sieht man nebenbei, wie weit’« die Herren von der Medicin — noch nicht gebracht haben. Nicht 'mal dem Menschen dies viehische Gesäge abge. wöhnen zu können!" „Verbrauchte Leiertöne 1" grunzte der Kreiswundarzt Erwe, was ihn aber nicht hinderte, dem Major in aller Freundschaft seine Dose anzubieten. „Macht klaren Kopf und stärkt die Nerven," sagte er dabei. „Na, davon hättte ich nun noch nichts gespürt," erwiderte Pitsch, stopfte aber doch ein Erkleckliches von dem braunen Kraut in seine Nase. „Schnarchen ist einfach schandbar. Daran gewöhnt sich der Mensch in seinem achtundfünfzigsten Jahre nicht mehr. Habe ich da einmal eine Geschichte erlebt —« „Um des Himmels willen, Saint Privat zum neunundvierzigsten Male!" raunte der Steuerrath Heller seinem Nach- bar, dem Bürgermeister, zu. Nicht leis' genug, daß der Major es überhört hätte. „Wenn andere erzählen wollen--" In sich selbst zurückgezogen sog er. verdrießlich an seiner schwarzbraunen Meerschaumspitze. Heller ließ fich's nicht ansechten. „Jetzt thut er, als ob er uns nicht wieder die Affaire von dem schnarchenden Vicefeldwebel, mit dem er ein paar Nächte das Zett theilen mußte, aufttschen wollte! — Leider war der Aermste unheilbar!" schloß er feierlich, ganz in dem Tonfall, mit dem die Erzählung gemeiniglich von Pitsch zu Ende geführt wurde. „Fertig, Heller? — Ja? — Nun, dann darf ich hier« mit Sie als neunundvierzigjährigsten Erzähler einer der schmerzlichsten Episoden meines Lebens festnageln. Nummer fünfzig übernimmt vielleicht demnächst ein Anderer." „Ganz hübsche Idee! - Anlaß zu einer Jubiläums, bowle!" „Zu der wir nur von Ihnen nicht den Wein nehmen würden, Bonecke," sprach der Major bedächtig, mit einer halben Drehung seines Kopfes nach dem Sprecher, dem Kaufmann und dem „Rathsherrn" Bonecke. Gr war verdrießlich. VeriiMehtss. Umwegen. Banquier (zu seinem Buchhalter): „Mit Ihrem geringen Gehalte wollen Sie heirathen? Ich sage Ihnen, unter zwei Jahren dürfen Sie an eine Auf. befferung desselben von meiner Seite nicht denken." — Buch. Halter: „Das macht nichts, Herr Banquier, für unser Aus« kommen sorgt schon während dieser Zeit meine Schwieger« mama." — Banquier: „Wer ist denn diese gütige Schwieger« mama, wenn ich fragen darf?" - Buchhalter: „Ihre Frau Gemahlin, Herr Banquier."