Sawstaq den 22. Februar Nr In Gieß«». (zum Baren, zewehre und einen Plaid ! unterdessen draußen am Erster; sagen enn meistens eben anschickt, wie ihm sein Glück I Jetzt iifeffen!" der in der art fest ver- Schwierigkeit irb in Frankmalen Blech- m denen der ersehe«, rund ese hindurchrecht stehende den horizon- oird. Dieser auch leicht unserer groß- nd Wirkungen, er Aussatz von 8 zum IRttt* Bewohner der enninen, deren mit trefflichen Wie weit ei wir an einer lusstellung, zu „Unsere Zeit- s Fechner'schen dieses Dichters is'schen Novelle h überhauchten er nene Roman menden Exposi- ltige Sammler tmpfers in den den Heldentod eser Zeitschrift >'hote" und die zwei herrliche Roman von Clarissa Loh de. —— (Nachdruck verboten.) al« er str sah und sprang aus dem Wagen, sie mit den hastig hervorgestobenen Worten begrüßend: „Ein Glück, daß ich Sie noch treffe, Fräulein Ilse. Fürchtete ich doch schon, die Frühaufsteherin wäre bei dem köstlichen Wetter auf einem Morgenspaziergang in die Berge davongeflogen." „Das nicht; aber ich wollte zum Ftühgottesdienst nach der Kirche." „Sie können heute wieder einmal durch die That unserm Herrgott besser dienen, al« durch Anhören der ob auch noch so trefflichen Predigt unseres guten Pastors Seyffarth. Es ist etwa« ganz Besonderes, was ich heute von Ihnen verlange, Fräulein Ilse; aber ich weiß ja, Sie haben ein große» Herz und kennen in dem Berufe, den Sie sich erwählt haben, keine Borurtheile." Sie sah ihm mit einem Paar großer, klarblickender Augen leise nickend in da« Antlitz. „Wer ist denn krank, bester Doctor?" „Ach, eine fatale Geschichte. Hier in der Nähe im Forst des Grafen Waiden zu Radnitz hat ein Duell stattgefunden. Einer der Herren ist so schwer verwundet worden, daß man ihn nach seinem entfernten Gute nicht transportiren konnte, sondern ihn mir in's Haus gebracht hat, um meine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und Sie wissen, daß ich zu so schwerer Pflege Niemand bei mir habe. Wo ander« her aber Jemand zu verschreiben, dauert zu lange und ist in der Festzeit ganz unmöglich. Da dachte ich an Sie. Sie sind mir ja schon so oft während Ihre« Aufenthaltes hier in der Noch beigesprungen. Hoffentlich stoßen Sie sich nicht daran, daß mein Patient ein junger Herr von Welt ist." „Nein, nein, wenn Sie es wünschen und für nothwendig halten, bin ich natürlich bereit. Nur noch einen Augenblick, daß ich meine Mutter benachrichtige, ich bin gleich wieder bei Ihnen I" Eilenden Fuße» wandte sie sich zu dem Häuschen zurück, dar ihrer Mutter, der verwittweten Majorin von Bellin, als Eigenthum gehörte. Sie weilte fett einigen Monaten dort als Gast, bevor sie ihren bindenden Eintritt in ein Diaconiffen- Haus vollzog. Gleich nach dem Tode ihres einem langen Siechthum erlegenen Vaters war der Entschluß in ihrem mitleidsvollen Herzen gereift, ihr Leben der leidenden Menschheit zu weihen. Sie hatte ein Jahr bereit« im Augustahospital ;uer (welcher ), trollt sich Sternschnuppe : „Ahl da gefeuert I" renn auf der " - Elise: mn hörte ich sitSgeschenke." ingen Herrn, che Absichten ihren W.tzen I. Wie eine Idylle liegt das kleine Bad Hertheim im Kranze seiner Berge. Aus dem Grün reichbewaldeter Höhen ragt weit über die Lande hin die alte Schloßruine. Lustig flattert droben die Fahne in der frischen Frühlingsmorgenluft al« Zeichen, daß Thür und Thor des kleinen Hotels daneben den Gästen zum Empfange geöffnet sind. Noch wallen leichte Nebel über der weit sich dehnenden Ebene mit ihren Städtchen und dampfenden Fabriken, ihren grünenden Feldern und blühenden Gärten. — Die Kastanien der den Ort durchziehenden schattige» Allee haben sich üppig mit weißen kerzenartigen Blüthen geschmückt. Flieder und Goldregen blühen und duften in jedem der kleinen Gärtchen vor den niederen, schmucken Häusern. Und der Wald erst, der Wald! Der hat sein köstlichstes Frühlingskleid angelegt. Im dichten Laube der mächtigen alten Buchen zwitscherten die Vögel ihr Morgenlied, Tannen steckten zarte, lichtgrüne Sprossen als F stes- schmuck in die blaue Luft empor. Seife rauschen die Wasser der Bäche und Flüßchen in den Thalgründen, ein wonnig frischer Hauch durchfluthet Wald, Berg und Feld. Blauer lachender Himmel oben und stiller Friede unten in den Thälern und auf Höhen. Es ist der erste Pfingsttag und melodisch ertönen bte Glocken ringsher in den umliegenden Dörfern, die Andächtigen zum Frühgottesdienste zu rufen. Aus bet Thüc eines im Grün versteckten Häuschens tritt, das Gesangbuch in der Hand,Zein junges Mädchen. Schlicht in graue Wolle gekleidet, ein dunkles Strohhütchen auf dem einfach gescheitelten, blonden Haar, paßt sie mit dem etwas bleichen, ungemein ernsten und doch milde blickenden Antlitz wie eine dazu gehörige Staffage in das friedliche Landschaftsbild. , , Sie hatte erst wenige Schritte die abwärts führende Straße hinuntergethan, als sie plötzlich überrascht stehen blieb. EM leichtes geführt kam ihr von dem Orte her in sausender Eile entgege» Der darin fitzende Herr ließ sogleich halten, Unterhattungsblatt Ml Gießener Aweiger (Generat-Aweiger). ____----——-■ ■_.....———-----—— Wi fl. ■ G~ M Berlin vis Krankenpflege erlernt und brachte jetzt zur Er« holung den Sommer bet ihrer Mutter zu, um sich für ihren anstrengenden Beruf zu stärken. Aber die Lust und Liebe zu dem heiligen Samariterwerke, dem sie diente, hatte sie oftmals schon veranlaßt, in schweren Fällen dem befreundeten Arzte Doctor Balzer, der auch ihren Vater in seiner langen Krankheit behandelt hatte, helfend zur Seite zu stehen, ja, ste hatte sich ihm bereitwillig ganz zur Verfügung gestellt. Mit kurzen Worten wies sie das auf ihr Läuten öffnende, noch schlaftrunkene Dienstmädchen an, einige nöthtge Kleidungsstücke ihr in den Reifefack zu packen, dann öffnete ste leise die Thür zum Schlafzimmer der Mutter. Frau von Bellin lag in einem großen Himmelbett, eine noch ziemlich jugendlich aussehende Dame mit etwas schlaffen, nichtssagenden Zügen, ganz das Gegenlheil der Tochter, dis jedenfalls nicht so hübsch wie die Mutter, aber um Vieles anziehender und bedeutender aussah. In der That war es auch der Mangel jeder Sympathie zwischen Mutter und Tochter, welcher letztere mit dazu bestimmt hatte, nach dem Tode des von ihr heißgeliebten und verehrten Vaters aus dem Hause zu gehen und sich auf eigene Füße zu stellen. Die Ehe ihrer Eltern war eine höchst unglückliche gewesen und zwar aus der Schuld der Mutter, deren Leichtsinn und Oberflächlichkeit dem streng denkenden Gatten viel Schmerz und Leid bereitet hatte. Ilse ähnelte in Gestalt und Gemüth ganz dem Vater, während ihr einziger Bruder Bruno, der jetzt al» Lieutenant bei einem Cavrllerte-Regiment der nahen Residenzstadt stand, völlig da« Ebenbild der Mutter war und deshalb ihr Liebling und Trost sür die immer mehr sich entfremdende Tochter. Bei Ilses Eintritt' schlug Frau von Bellin die fAugen auf und starrte sie etwas verwundert an: „Du so früh? — Was ist denn wieder los?" „Nichts, was Dich beunruhigen kann, Mama. Ich wollte Dir nur sagen, daß ich mit Doclor Balzer zu einer Pflege gehe —'* „Was, heute am ersten Festtage, — und da wir morgen Bruno erwarten?" „Es ist ein dringender Fall, Mama — da darf ich nicht zögern." „Und wer ist denn krank?" fragte Frau von Bellin, sich nun halb aufrichtend, neugierig. „Niemand, den wir kennen. Ein Patient im Haufe des Doctors, das Nähere weiß ich selbst nicht. Und nun bitte, schlafe ruhig weiter. Es thut mir leid, daß ich Dich stören mußte." Damit war ste auch schon aus dem Zimmer wieder hinaus und wenige Minuten darauf saß ste bereits an der Seite des Arztes in dessen Wagen und ließ sich von ihm das Nähere über den traurigen Fall berichten. „Wer ist denn eigentlich der Verwundete? Sie haben mir bisher seinen Namen noch nicht genannt?" „Der junge Baron Wolf von Menzelen auf Gattersberg. Sie haben wohl davon gehört, Fräulein Ilse, daß der verstorbene Baron von Menzelen zwei Neffen hinterließ, beives Söhne zweier ihm im Tode vorangegangenen Brüser, die gleiche Erbansprüche hatten ober doch zu haben glaubten. — Das Testament ernannte nur einen, den Baron Wolf, zum Universalerben, während der Andere, ein junger Assessor, der ebenfalls verwaist und ziemlich mittellos ist, mit einer vsr- hältnißmäßtg kleinen Rente abgefunden wurde. Da die beiden Vettern nie sehr zusammen gestimmt haben sollen, darf man wohl annehmen, daß nach Eröffnung des Testamentes das Verhältniß noch ein gespannteres geworden, kurz, sie gertethen bei einer Jagdgesellschaft im Schlosse des Grafen Molden so stark aneinander, daß jenes eben so traurig verlaufene Duell die Folge war." „Ist die Verwundung schwer?" fragte Ilse nach einer kleinen Pause des Nachdenkens. „So schwer, daß das Aeußersts zu befürchten ist. Die Kugel zwar konnte ich aus der Wunde entfernen; aber sie hat dis Lunge gestreift und war etwas zersplittert." „Und wenn der Baron sterben sollte, wird der Äsitsr, der ihn getödtet, sein Erbe?" „Allerdings. Ein Umstand übrigen», der sür beide Theile höchst peinlich sein muß; denn man sagt dem Assessor nach, daß er ein Ehrenmann ist und unlautere Gründe von seiner Seite bei dem Duell ausgeschlossen sind. Baron Wolf soll es provoeirt haben." Der Wagen hatte jetzt sein Ziel erreicht und hielt vor Doctor Balzers Haus, da» in einer abgelegenen Straße mitten in einem Garten lag und zur Aufnahme von Leidenden für die Sommermonate eingerichtet war. „Wollen Sie einen Augenblick zu meiner Frau eintreten? — Ich werde Ihnen gleich ein Zimmer neben dem des Barons anweisen lassen. Nach seinem Kammerdiener habe ich schon telegraphirt; ich hoffe, er wird bald eintreffen und Ihnen zur Hand sein." In einer Vorhalle mit Glasthüren nach dem Garten zu saß Frau Doctor Balzer mit ihren beiden Kindern am Kaffeetisch, eine große, grobknochige, wenig anmuthende Frau. — Ihre Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, beides Rothköpfe, svrangsn auf, reichten der Eintretenden ihr Händchen zum Gruß. „Ach, was das für eine Geschichte ist, Fräulein Ilse," begann die Doctorin mit scharf klagender Stimme. „Nur Unannehmlichkeit wird man davon haben, da« werden Sie sehen! Na und das Gerede der Hertheimer. Uebrigens glaubte ich nicht, daß Sie sich entschließen würden, die Pflege zu übernehmen. Aber mein Mann wollte ja durchaus zu „Ich bin Ihrem Manne sehr dankbar, daß er so viel Vertrauen zu mir hat." „Aber eine Pflege bei einem so jungen vornehmen Herrn, der Gott weiß was für ein Leben hinter sich hat," meinte die Doctorin und streifte mit einem halben Blick da» er- röthende Mädchen. „Liebe Frau Doctor, es wäre schlimm, wenn wir in unserem Berufe erst nach dem Alter de» Patienten fragen wollten, ehe wir eine Pflege übernehmen." „Und das gentrt Ste wirklich nicht?" „Nein, durchaus nicht I Wir thun einfach, war unsere Pflicht von uns fordert." „Ach Gott, solch' ein Beruf! Schrecklich! Und Sie, ein solch' hübsches Mädchen, Fräulein Ilse, haben e» doch nicht nöthig!" „Sie irren sich, Frau Doctor, ich habe es nöthig au- inneren und äußeren Gründen," entgegnete Ilse ernst. Das Mädchen des Doctors, das Ilse abzurufen kam, machte dem peinlichen Gespräche ein Ende. „Unser Patient ist völlig klar," begrüßte der Doctor die Eintretende halblaut, „ich werde Sie ihm vorstellen. Und bitte, zeigen Ste ihm ein möglichst hoffnungsvolles Gesicht; der Baron scheint vollständig davon überzeugt, daß er dem Tode verfallen sei, und das könnte den Heilproceß verzögern, wenn nicht gar sehr bald eine schlimme Wendung herbeiführen." , „ , •’ Ilse nickte nur still beistimmend. Gleich darauf stand sie vor dem Krankenbette. Ihr Blick glitt über die kraftvolle Gestalt des Kranken, die jetzt gebrochen auf dem Schmerzenslager ruhte. Ein tiefe» Mitleid erfaßte ste. So jung noch und so schön! Ein Ant- lttz von edelster Bildung, voll Stolz, ja Uebermuth. Wie fieberglänzend die dunklen Augen unter den schön geschwungenen Brauen zu ihr aufblickten, wie weh es um den von einem dunklen Schnurrbart überschatteten feinen Mund zuckte! „Schwester Ilse, die er auf meine Bitte übernommen hat, Sie zu pflegen, Herr Baron," stellte Doclor Balzer sie mit kurzen Worten vor. Wolf» Blick ruhte einen Augenblick wie prüfend auf dem stillen, theilnahmsvollen Gesicht Ilse», dann nickte er befriedigt, um aber gleich erschöpft den Kopf in die Kiffen zurücksinken zu lassen. Dem kurz aufflackernden Leben folgte eine tiefe Apathie. — ’ 87 Als eine Stunde darauf sein Kammerdiener Georg ein- traf, fand er seinen jungen Herrn im heftigsten Fieber." „Ich ahnte es ja, daß es so kommen würde," murmelte er ganz fassungslos vor sich hin. „O, mein lieber, junger Herr, hätte er nur nach mir gehört." „Mäßigen Ste sich ein wenig in Ihrem Schmerz," mahnte Ilse leise den Erregten. „Der Baron könnte Sie doch verstehen und das würde nur aufregend auf ihn wirken. Jetzt ist dis Hauptsache Ruhe, äußere und innere Ruhe." „Ach, helfen Sie ihm, retten Sie ihn!" bat Georg, flehend die Hände zu der Pflegerin erhebend. „Er darf, er darf ja nicht sterben, um unserer Aller Willen nicht. So ein guter Herr, wie er ist, so gut für alle seine Untergebenen, für die Dienerschaft und für die Leute im Dorf. Was aber nach ihm kommen wird, o, mein Herr und Gott, das weiß man nicht. Und der Vater feines geliebten Wolf, Herr von Gattersbsrg, ach, was würde der Selige dazu sagen. Im Grabe würde er sich umdrshen. Der Himmel möge es gnädiglich verhüten." „Bitten Sie Gott um Ihres Herrn Rettung, bei ihm allein ist die Hilfe. Die menschliche Kunst thut, was sie vermag ; doch Leben zu erhalten, dazu reicht sie nicht aus, wenn nicht ein höherer Wille ihr beisteht." Am Abend, als Doclor Balzer noch einmal nach dem Kranken zu sehen kam, trat Georg auch an ihn heran und fragte mit zagendem Munde: „Werden Sie ihn durchbringen, Herr Doctor?" Aber auch hier war dis Antwort eine ausweichende. „So lange ein Mensch athmet, dürfen wir noch hoffen. Hoffen Sie deshalb auch. Was zu thun möglich, um ihn zu erhalten, das wird geschehen. Weiteres kann ich Ihnen heute noch nicht sagen." II. Frau von Bellin, die sonst auf dem Curplatz ziemlich vereinsamt war, da die cocrecten Damen Hertheims sie zu auffallend, zu extravagant fanden, war heule am zweiten Festtage ein Gegenstand allgemeinster Aufmerksamkeit. Das Duell, das am Pfingstmorgeu statigefunden und einen so tragischen Ausgang hatte, erregte alle Gemülher; man hoffte, von der Majorin, da die Tochter die Pflege des Verwundeten über- nommen, Nähere» zu erfahren. „Wird er durchkommen, der arme Baron? — Ist die Lunge wirklich verletzt? Man sagt, er habe gestern schon in den letzten Zügen gelegen, was meint denn Fräulein Ilse?" So schwirrte es, begleitet von zahlreichen Achs und Ohs, um die Ohren Frau von Bellins, die sich bald hierhin, bald dorthin neigte und mit bekümmertem Ausdruck die Achseln zuckte. „Sie kennen ja Ilse. Die sagt nichts, oder doch nichts Anderes, als Doctor Balzer. Wenn man fragt, wie es geht, erhält man stets die gleiche Antwort: Nach den Umständen nicht schlecht." „Nicht schlecht, das heißt durchaus nicht gut. Herr Gott im Himmel, wenn der Baron stürbe, dann wäre ja der Vetter, der in gelödtet, sein Erbe." „Nun und wenn er es wäre? Der Assessor von Menzelen soll ein sehr achtungswerther tüchtiger Mensch sein. Und ein Unrecht war es doch von dem alten Gattersberger, daß er den einen Neffen vor dem anderen so zurückgesetzt hat." „Der Vater des Assessors, der verstorbene Präsident von Wenzelen, soll ein sehr hochfahrender Mann gewesen sein. Die beiden Kinder hatten sich verfeindet, wie es heißt, um Baron Wolfs willen, des tollen Wolf, wie sein Spitzname im Reg,ment war, gegen den die Familie stets etwas hatte, eben weil er der Liebling des Oheims war." „Ja und warum war er der Liebling ? Darüber munkelt man auch Allerlei. Aber wozu sich den Mund verbrennen." Frau von Bellin gelang es schwer, sich aus dem sie umringenden Kreise frei zu machen und sie hatte Eile; denn sie erwartete ihren Sohn zum Abendessen. Der junge Lieutenant, groß, schlank und blond wie die Mutter, mit ebenso hübschen, etwas nichtssagenden Zügen, wartete bereits ungeduldig der Heimkehreudsn. Der Tisch in der Veranda stand schon gedeckt, man setzte sich sogleich heran. „Nun aber erzähle," bestürmte Frau von B llin ihren Sohn, sobald der erste Hunger gestillt war. „Du btft ja babei gewesen, rote war's denn eigentlich mit dem Duell?" „Du bist wohl sehr neugierig, Mama?" fragte er, mit den Augen zwinkernd und gemüthiich fein Weinglas leerend. „Ja, gewiß bin ich das!" Bruno zündete sich eine Cigarre an und blies den Rauch in die würzige Abendluft. „Eine ganz dumme Geschichte war's, Mama," sagte et dann nach einer Weile. „Die beiden zärtlichen Vettern haben sich geradezu in den Haaren gelegen Das war schon nicht mehr schön; übrigens thut mir der Assessor leid. Er ist auf Ehrs ein sehr anständiger Kerl. Da er Erbe seine» Vetters ist, muß es ihm natürlich höchst peinlich sein, daß er ihn sozusagen mit eigener Hand aus dem Wege geräumt und in's Jenseits befördert hat." „Ist der Assessor denn noch immer beim Grafen in Radnitz?" „Seit gestern ist er wieder nach Berlin zurück. Der arme Mensch ist ganz geknickt. Die in Aussicht stehende Erbschaft beunruhigt ihn über Gebühr." „Nun, nun, et wird sich ja wohl trösten. Wie aber kam's nur ? Steckt da doch am Ende auch eine Frau dahinter?" „Vielleicht! Du weißt, der Assessor ,st verlobt mit einer etwas abenteuerlichen Amerikanerin, einer Schönheit, die in der Berliner Gesellschaft Aufsehen erregt hat- Auch Baron Wolf soll zu ihren Verehrern gezählt haben. Wie dem aber auch fei, der birecte Grund war eine Aeußerung des Assessor», die er auf des Grafen vertrauliche Frage nach der Ecbichafts- angelegenheit gar nicht so böse gemeint hinwarf, Wolf wäre eben als Sohn seiner Mutter vo n Onkel bevorzugt worden. Zasällig stand Baron Wolf in der Nähe. Die Wirkung kannst Du Dir denken." „Aber das ist ja auch stark. Der Assessor war wohl angetrunken?" „Na, das waren wir Alle, toll und voll, und auch Baron Wolf wurde erst ernüchtert, als er die Worte hörte, die ihn wie ein Dolchstich trafen, furchtbar, sage ich Dir, Mama! Das Blut schoß ihm so jäh in den Kopf, so gluthroth brannte er, daß wir Alle dachten, ihn müsse der Schlag rühren. — Elender, Du wagst, stieß er hervor, meine Mutter, diese Heilige, in den Staub zu ziehen? Mit den Fäusten ging er auf den Vetter los und man weiß nicht, was geschehen wäre, hätten wir ihn nicht gewaltsam zurückgehalten. So gelang es uns, die Sache wenigstens in cavalrere Bahnen zu lenken. Aber Blut mußte fließen, das war Allen kiar. Denn auch der Assessor, sonst so gemessen una vornehm zurückhaltend, war wie vom Teufel besessen. — „Es ist gut, daß es so gekommen," schrie er. „Nun ist das Tiichtuch zwischen uns zerschnitten für alle Zstt. O, dieser Mensch, glaubt er denn, die ganze Welt zum Spielball seiner Laune machen zu können? W rs zu viel ist, ist zu viel, einmal muß .es zwischen uns zum Austrag kommen, auch der Uebermulh findet endlich seine Grenze." „Ja, ja, ein heiliger Antonius wird der tolle Wolf wohl nicht gewesen sein," sagte lächelnd Frau von Bellin. „Das sind heutzutage alle jungen Männer nicht. Uebrtgens, was die Geschichte mit des Barons Mutier anbetrifft, so mag da doch etwa» Wahres daran sein. Ich erinnere mich noch ganz genau, der Hauptmann von Wenzelen stand in demselben Regiment mit meinem seligen Manne. Da erzählte man sich allerhand, er sei eifersüchtig auf den eigenen Bruder und have Grund dazu, als er bann im Feldzüge sechsundsechzig tobt« geschossen wurde,-- sagte man, er habe absichtlich so exponirt, weil er den Tod gesucht habe. Freilich, acheirathet hat der Gattersberger Baron die Wittwe seines Binders dann doch nicht und sie hat nach dem Tode des Mannes em sehr stille» und zurückgezogenes Leben geführt. Ich glaube, in Raum- bürg wohnte ste und ist auch dort gestorben. Aber viel war fte auch mit dem Sohns in Göttersberg und der Alte hat an Wolf immer seinen Narren gefressen." (Fortsetzung solgt.) Schmücke Dein Keim! Die neue humoristischen Wochenschrift „Jugend" (G Hirth'S Verlag in München und Leipzig) veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern folgenden Aussatz aus der F.der „Theodoretta Rofinblühs", der eine zur Manie aus- artende allbekannte deutsche Hausfrauentugend mit Recht ver- spottet: Nachdem ich aufgefordert worden bin, für Ihre Zeit» schrist über meine Erfahrungen in Bezug auf häusliche Kunst einen Artikel zu verfassen, schicke ich, weil ich ohnedies die Schriftstellers auch al« Liebhaierkunst betreibe, indem daß verschiedene Zeitschriften wie „die Kunst für die deutsche Hausirau", das „Haurmütlerchen" und der „Leimtopf" Aufsätze von mir gebracht haben und dieselben großen Anklang gesunden haben, Ihnen Einiger aus meiner Praxis und langjährigen Erfahrung, welche ich mir im Laufe der Jahre erworben habe. Theure Leserin! Man glaubt gar nicht, mit was man Alles sein Heim schmücken kann. In meinem Hause wird, die Küchenabfälle inclusive mit eingeschloflen, Alles zur Schmückung des Heims verwendet und haben wir schon zwei weitere Zimmer mit dazu miethen müssen, um Alles unterzubrtngen. Aus ganz Unscheinbarem kann eine geschickte L ebhaberkünstlerinnenhand den reizendsten Zimmerschmuck verfertigen. So essen wir z. B. öfters Leber- würste. Ick sorge, daß die Häute sorgfältig ausgeschnitten werden, trockne sie, reinige sie, nähe sie zusammen, spanne sie auf Rahmen, bemale sie mit Wvsserfarben und erziele dadm ch einen F nsterschmuck, der, sobald es dunkel wird, aussieht wie echte Diaphamen. Mein Mann hat sich allerdings beklagt, daß er jetzt gar so oft Leberwürste essen muß, aber die schönen Glasfenster - Imitationen in seinem Schreibzimmer haben ihm doch recht viel Vergnügen gemacht, wozu sich die von Blutwurst weniger eignen, weil sie nicht so durchsichtig sind, und er gab sich schließlich zufrieden. Theure Leserin, wie war ich da erfreut I Unierm Speisezimmer fehlte schon lang ein Lüster. Ich habe aus einem alten Reaenschtrmgestell, einigen Kstos alter Glasscherben und einer Mischung von verdorbenen Salzgurken, Kartoffelschalen, Asche, Gyo« und zu Grunde gegangenen Bücklingen einen prachtvollen Lüster hergestellt. Die Stangen bet Regenschirmes bestrich ich mit einer aus obiger Jngre- dtenzen gekneteten Masse, den Bücklingen nahm ich die Schu ppen ab, war eine prächtige Vergoldung für den Lüster abgab, auf den ich sie klebte, und die Glasscherben ließ ich schleifen und behängte damit den Lüster, der anfangs nicht angenehm roch, aber von geradezu prächtiger Erscheinung war; nur do« Schleifen war etwas theuer, nach dessen Preis ich vergessen hatte, vorher zu fragen. Der Glasschleifer hat 275 Mk. verlangt — aber es gibt gewiß Schleifer, die das billiger machen. Lange war es mein sehnlichster Wunsch, die Büste meines Li-bltngrcomponisten zu besitzen, indem ich auch die Musik als L ebhaberkunst treibe und mir dieselbe in echtem GypS zu kostspielig war. Nun verfiel ich auf einen Gedanken, auf den ich wirklich bolz bin; ich hatte ein Gefäß, welches überflüssig wurde, da mein Jüngster sozusag n daraus wuchs. Dieses f.tzte ich auf einen abgebrochenen Lampmfuß, schlug den Henkel ab, modellierte eine Nase an seine Stelle und auch dos Uebrige, was zum Gesicht gehört, bis es den großen Künstler ähnlich sah und ich mit Goldbronce bestrich, wo es bann wirklich wie eine echte Broi.cebüste aussah. Um da« Gesicht recht ähnlich zu machen, hatte ich mir mehrere große Phoiographieen und Stahlstiche mit Portrait» des Meisters gekauft. Für dis echte Büste verlangte der GypsfigurcnhÄtdler 6 Mk-, mir kostete dis meinige nichts, als UN 20 Pjeanigs Modellirwachs und um 10 Pfennige Goldbronce. Mit Goldbronce läßt sich überhaupt Fabelhafter erreichen. In meinem Rococozimmer habe ich z. B. einen Spiegelrahmen einfach durch aufgenagelte Salzbretzen stilvoll verziert. Kein Mensch kennt da« von einer echten Schnitzerei „Louis XV“ weg. Ein Galosche meiner Schwiegermutter, in die ich eine Kmderbadewanne aus Blech stellte, gab einen wundervollen ovalen Blumentisch, ein Corsett der gleichen Dame mit Lemma sser steif gemacht und broncirt ist al« Behälter für getragene Wäsche jetzt die Zierde unseres Schlafgemaches. Wie gesagt, theure Mitschwester, ich verwende Alles im Haushalt zur Schmückung unseres Heims: Aus alten Stiefelsohlen meines Mannes habe i h in Lederschnttt sehr hübsche Bierglasuntersätzchen gemacht, au« alten Konservenbüchsen, abgelegten Bügeleisen und Blechtöpfen stellte ich einen Rttter- harnisch für unfern Vorplatz zusammen, den nur ein Kenner, weil derselbe wirklich hübsch ist, von einem echten Max- Emar uelharr lsch weg kennt, wie man sie heißt. Ein herrliche« Tintenzeug erhielt mein Gälte von mir zu seinem letzten Geburtstag; und aus was ist es? Nur aus abgebrochenen Soxhletflaschen, Austernschalen und Hummerscheeren. Za seinem Namenstag bekam er einen Pseifenständer — aus was? Au« zwei defecten Teppichklopfern und einem zerbrochenen Toilette-Eimer und den Resten einer ausrangirten Bettvorlage — es sieht aus wie indisch. Erst jüngst habe ich ihm den Sitz seines Schreibstuhles mit tiefer Kerbschnitt- arbeit verziert. Er sagt, er müsse nun an mich denken, so oft er darauf sitzt, wie ihn überhaupt jedes Stück in unserem Hausrath an meine fleißigen Hände erinnert. Ich glaube, sagen zu dürfen, daß nahezu nichts mehr ungeschmückt ist in unierm Heim. Bei Einladungen verzieren wir sogar Zahnstocher und Streichhölzer mit Holzbrand. Ueberhaupt wird mit dem Glühstlft Alles bearbeitet, was au« Holz oder Leder ist, wie ich auch olles Porzellan- und Steingutgeschirr stilvoll bemale. Daß man alle Stoffresten zu liebhaberkünstlichen Arbeiten verwenden kann, versteht sich von selbst. Unter großer Salonteppich weist Muster von sämmtlichen Hosen auf, die mein Mann in den 24 Jahren unserer Ehe getragen. Man hielte denselben für einen echten Perser. Unsere Vorhänge sind mit der Wolle abgetragener Strümpfe und Sockm gestrickt und hängen an (bronctrten) Vorhangstangen, die früher Besen gewesen sind. Unsere Stühle sind mit meinen ehemaligen Seidenkleidern überzogen, unsere altdeutschen Tischtücher sind ehemalige Bettli ken, die ich mit rothem Garn verziert habe, während unsere Betttücher au« ehemaligen altdeutschen Tischdecken bestehen. Alte Schnupftücher lassen sich mit geschickter Benützung der Löcher und Flicken in reizende ü-jour-Deckchen verwandeln und sind dieselben für Teller, Brodkörbchen sehr verwendbar. Alles läßt sich verwenden, theure Leserin, wirf gar nicht« weg in Deinem Haushalt: Eierschalen, Fischgräten, alte Handschuhe, Geflügeiknoten, Cigarrenkisten, Tintenflaschen, Nestlo- Büchsen, Zundholzschachteln, Cartonemballagen, zerbrochene» Geichirr jever Art, Slaniolkapscln, Flaschenkorke, Alle« läßt sich verwenden, bronctren, Punzen, aussägen, brennen, ver- löthen, schneiden, schleifen, graviren, bemalen, annageln, aushängen, feilen, lackiren, treiben, hämmern, ätzen, bekleben, kerb- schneiden, schnitzen, transparent machen. Unser eigenes Heim ist nun allerdings schon so sehr als möglich geschmückt. Aber im nächsten Jihr geht meine Tochter auf den ersten Ball. Da fang ich jetzt mit ihrer Aussteuer an. UebrigenS fällt mir dabei ein, daß man abgelegte Ballblumen auch bronciren kann und sie dann von Kunstschmiedearbeiten nicht wegzukennen sind. Was sehr hübsch >st. Also schmücke Dein Heim. Redaktion: A. Scheyda. - Druck und »erlog der Brühl'scheu UmverstMS-Buch- und Steindrucke«! (Pietsch & Scheyd») in Stegen.