W - *»« 13Y- .Jg) I .... ~~ /; "x-. Mr-Z!L-r.SSä-^.'-f. hfezäi /■ MMM-» MW» :NÄmMOA ßMW i V;>-. W^^WW^W /^^irr*"'^ " «SBsMLWMWK -'"vSe. y-nL«M^H»-ALE»/-iÄsZSlIK In Fesseln. Erzählung von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Der prangende Sommer war vergangen und der bunte Herbst; mit Sturmwind und Schneegestöber hatte der grämliche Winter seinen Einzug gehalten" in das nebelumwogte Berglhal von W. Die breitästige Kastanie vor den Fenstern von Professor Fabricius Arbeitszimmer streckte nur noch entlaubte Zweige in die Luft, und Haufen modernder Blätter bedeckten die Wege des Gartens. Es war ein trübseliger, regenkalter Morgen, als Arnold Fabricius sich anschickte, von Vater und Schwester Abschied zu nehmen. Er war mit einem kurzen Urlaub von der Provinzialhauptstadt herübergekommen, um an ErikarIeinundzwanzigstem Geburtstage nicht zu fehlen, und nun stand bereits der Miethswagen vor der Thür, der ihn wieder nach dem Bahnhofe bringen sollte. Es gab Umarmungen und herzliche Händedrücke; dann erinnerte sich Erika plötzlich, daß sie vergessen habe, ihm etwas von seinem L-ebesgebäck in die Handtasche zu legen, und sie eilte hinaus, um hastig das Versäumte nachzuholen. Als er mit seinem Vater allein war, sagte der Assessor betrübt: „Sie kann diesen Elenden also noch immer nicht vergessen ? Und es ist der Gram über jene bittere Enttäuschung, der ihr Aussehen so traurig verändert hat!" „Wie sie ausfieht, weiß ich ja nicht/ erwiderte der alte Mann mit bebender Stimme, „aber, daß sie eine ganz Andere geworden ist seit jenem Abend, das spüre ich nur zu deutlich Tag für Tag. Ihre sorgenlose Fröhlichkeit ist dahin. Ich höre ihr Helles Lachen nicht mehr, das mich sonst so glücklich machte. Und wenn sie sich auch gewiß rechtschaffen zusammennimmt, um ihren Kammer vor mir zu verbergen, so schneidet mir doch ihre erzwungene Heiterkeit noch viel tiefer ins Herz, als die Thränen, die zuweilen in ihrer Stimme find, und als ihre verstohlenen Seufzer." „Der Schurke! — Und ich Dummkopf konnte ihn ungestraft entwischen laffen, als er sich in meinen Händen befand I Natürlich hat auch Erika seit seiner Flucht nichts mehr von ihm gehört?" „Er selber hat freilich kein Lebenszeichen gegeben. Aber im September besuchte mich Profeffor Reymond auf einem Abstecher, den er von einer Fachversammlung hierher gemacht, und das Unglück wollte, daß er Erika zuerst allein antras. Er hatte von dem Vorgefallenen keine Ahnung und er wurde, wie mir unsere Hausdame nachher erzählt hat, nicht müde, ihr in allen Tonarten das Lob dieses Engländers zu singen, den er zwei Jahre hindurch seiner Freundschaft gewürdigt hat, ohne ihn zu durchschauen. In Berlinhatte Ellesmere Übrigens seine Mutter nicht bei sich gehabt, und Reymond wußte garnichts von ihrer Existenz. Auch die rührende Sohnesliebe, die der Elende hier an den Tag legte, scheint also nichts als Comödie gewesen zu sein." „Du fürchtest doch nicht etwa, daß Reymonds Aeuße- rungen neue Hoffnungen in Erika geweckt haben könnten?" „Nein, gewiß nicht! Denn wenn Ellesmere heute käme, um sie zu werben, würde sie ihn ohne Zweifel voll tiefer Verachtung zurückweisen. Ihr weiblicher Stolz schützt sie hinlänglich vor allen thörichtcn Illusionen. Ob sie aber auch die Liebe zu ihm hat aus ihrem Herzen reißen können, weiß ich freilich nicht. Sie nennt seinen Namen nie, und sie vermeidet geflissentlich Alles, was mir den Glauben erwecken könnte, daß sie noch an ihn denkt. Aber gerade dies ängstliche Bemühen ist es, das mich ängstigt, und manchmal — o, es ist unsäglich traurig, Arnold — manchmal kann ich mich der Furcht nicht erwehren, daß sie zu Grunde gehen wird an dieser unglückseligen, unauslöschlichen Liebe." Der Assessor konnte ihm nicht mehr antworten, denn Erika trat wieder ins Zimmer und mahnte ihn freundlich, die Abfahrtszeit nicht zu versäumen. Sie glich in der That nur noch sehr wenig jener in Gesundheit und jugendlicher Lebensfreude prangenden Erscheinung, deren Anblick Herbert Ellesmere« Blut in so stürmische Wallung versetzt hatte. Ihre Wangen waren schmaler und bleicher geworden und ein schmerzlich herber Zug hatte sich an den feinen Nasenflügeln eingezeichnet. Selbst ihr Lächeln hatte etwas Weh- müthiges, und nie hatte Arnold Fabricius sein schwächliches Benehmen im Hötel des Anglais zu Nizza so tief bereut als jetzt, da er sah, wie vollständig der Verrath jenes Unwürdigen das Lebenrglück seiner armen Schwester zerstört hatte. 546 Lange und zärtlich schloß er Erika in seine Arme; dann machte er sich los und eilte zu dem Wagen hinaus, denn er hatte nun in der That keine Minute mehr zu verlieren. Während der ganzen Dauer der Eisenbahnfahrt konnte er das ergreifende Bild des von stillem Gram verzehrten jungen Mädchens nicht aus seiner Vorstellung bannen. Heißer als je zuvor loderte der Ingrimm gegen ihren Beleidiger in ihm empor, und in seinem Kopfe jagten die verschiedenartigsten Pläne, wie er stch von seinen dienstlichen Pflichten freimachen könne, um eie Verfolgung des Feiglings wieder aufzunehmen. Am späten Nachmittag traf er in der Provinzialhauptstadt ein und begab stch in seins Wohnung. Sein erster Blick fiel auf eine schwarz umrandete Visttenkarte, die seine Wirthin vorsorglich neben die Lampe auf den Schreibtisch gelegt hatte. Arnold nahm fie auf und las unter Herbert Ellesmeres Namen in französischer Sprache die Worte: «Ich bin zu Ihrer Verfügung. Ihre Zeugen "werden mich jederzeit im Hotel Imperial finden, und ich erkläre schon jetzt, daß ich alle Ihre Bedingungen ohne Weiteres accepttre." In einem tiefen Athemzuge hob fich die Brust des Affefforr. „Er ist also doch gekommen! Dem Himmel sei Dank! — Aber sein guter Stern ist es ficherlich nicht gewesen, der ihn gerade jetzt hergeführt hat. Denn ich werde mich schwerlich versucht fühlen, ihn zu schonen." ♦ ♦ Ueber Nacht war der Schnee in großen Mengen gefallen, und am Morgen gab es gelinden Frost, sodaß Alles in eine weiße Decks eingehM blieb, die den Schall der Schritte dämpfte und dem weiten Stadtpark ein beinahe festliches Aussehen gab. Die fahle Helligkeit des Wintertages war eben erst heraufgedämmert, als in dem entlegentsten Theil dieses Parkes der scharfe Knall eines Schusses laut wurde — nur eines einzigen, denn Herbert Ellesmere hatte darauf verzichtet, seine Pistole abzufeuern, als das inhaltsschwere Commandowort des Unparteiischen fiel. Ein paar Seeunden lang war er noch aufrecht stehen geblieben; dann lag seine schöne, kraftvolle Gestalt plötzlich regungslos ausgestreckt am Boden, und gierig trank der frische Schnee das rothe Blut, da» in breitem Strome über seine Hemdbrust rieselte. Der Arzt und der junge Landsmann, der ihm als Secundant gedient hatte, knieten an seiner Seite nieder, während Arnold Fabricius, um zwanzig Schritte von ihnen entfernt, tiefernsten Antlitzes einige Worte mit seinem Kartellträger wechselte. Er dachte in diesem Augenblick gewiß nicht geringer über Ellesmeres Schuld; aber er wußte doch, daß er ihm in einem Punkte Unrecht gethan hatte. Welche schlimmen Charactereigenschaften dieser Engländer auch immer haben mochte, ein Feigling war er jedenfals nicht. Dafür hatte er während der letzten halben Stunde durch sein musterhaftes Benehmen einen hinlänglich überzeugenden Beweis geliefert. Ein paar Minuten verstrichen, bis stch der englische Secundant erhob, um in gemessener Haltung an den Assessor heranzutreten. Er griff in die Brusttaschs seines Ueberrockes und reichte Arnold einen verschlossenen Brief. „Mein Freund Ellesmere hat mich beauftragt, Ihnen für den Fall seine» Todes oder seiner tödtlichen Verwundung dieses Schreiben zu übergeben. Er sagte, daß es dazu bestimmt sei, eine Dame, die er schwer beleidigt, über die Be- weggründe seine» Handelns aufzuklären. Ich halte es unter den obwaltenden Umständen für meine Pflicht, mich des Auftrages gleich hier zu entledigen." Der Assessor war sehr bleich geworden. „Sie glauben also, daß Mr- Ellesmeres Verletzung eine tödtliche sei?" „Der Arzt sagt so. Aber verzeihen Sie, mein Herr! Ich muß behülfl.ch sein, meinen armen Freund nach dem Wagen zu tragen." Er grüßte kurz und wandte fich ab. Gleich darauf näherte fich der Rechtsanwalt Sandow, der als Unparteiischer funetionirt hatte, dem jungen Manne. „Die Lunge ist durchbohrt — der Doctor giebt keine Hoffnung. Aber er glaubt ihn noch lebend nach dem Elisabeth« krankenhause bringen zu können. Ihr Wagen scheint der bequemere zu sein. Wollen Sie ihn für den Verwundeten zur Verfügung stellen?" „Welch' eine Frage! — Und meinen Sie, daß ich — daß ich noch einmal mit ihm sprechen sollte?" „Er ist ohne Bewußtsein — und es ist besser so. Hoffentlich bleibt er in diesem Zustande bi» an da» Ende." Eine Viertelstunde später war, auch dieser Theil des Stabtparkes wieder ganz einsam und verlassen. Nur der große dunkle Fleck auf dem weißen Schnee gab Kunde von der Tragödie, die stch hier abgespielt hatte; aber die weichen Flocken, die schon wieder lautlos von dem wolkenverhangenen Himmel hernieder zu rieseln begannen, deckten auch ihn mit« leidig zu. ♦ * Arnold Fabricius hatte stch noch an demselben Vormittag der Staatsanwaltschaft gestellt. Er war einem kurzen Verhör unterworfen, dann aber vorläufig wieder entlassen worden, mit dem Bedeuten jedoch, daß seine zeitweilige Verhaftung vielleicht unvermeidlich werden würde, wenn stch die Verwundung seines Gegners wirklich als eine tödtliche erweisen sollte. Er fuhr vom Justizgebäude nach dem Elisabethkranken« hause und von dort nach kurzer Unterredung mit einem der Aerzte geradewegs nach dem Bahnhofe. Er war spät am Abend, als er über die beschneiten Gartenwege der Villa Erika schritt, die er erst vor vier Tagen mit einem Herzen voll leidenschaftlicher Rachegedanken verlassen hatte. Er wollte seinen Angehörigen die Mittheilung, die ihnen nicht verschwiegen bleiben durfte, mit schonenden Umschreibungen machen, ehe fie vielleicht aus den geschwätzigen Zeitungen Kunde davon erhielten. Aber er hatte nicht daran gedacht, daß da» weibliche Herz unter gewissen Umständen über ein geradezu wundersames Ahnungsvermögen gebietet, und daß Augen, die von tödtlicher Angst geschärft find, oft eine ganze Geschichte aus den Zügen eines Männerantlitzes zu lesen verstehen. Sein unerwartetes Erscheinen mußte Erika sogleich darauf schließen lassen, daß fich etwa» Außerordentliche« zu- getragen habe, und er hatte auf ihre stürmischen Fragen kaum die ersten einleitenden Worte vorbringen können, als sie bereits Alles errathen hatte. Aber die furchtbare Erregung, die fich zu Arnolds Schrecken in ihrem Gesicht gespiegelt hatte, während er über das Vorgefallene berichtete, schien in dem nämlichen Augenblick, wo ihr volle Gewißheit geworden war, einer merkmürdigen Fassung und Rahe Platz zu machen. Sie war freilich leichenblaß geworden unb selbst ihre Lippen hatten alle Farben verloren; aber in ihren Augen schimmerte keine Thräne und kein Wort der Klage oder des Vorwnrfs kaum aus ihrem Munde. Nur als ihr der Bruder zögernd den an sie gerichteten Brief Herbert Ellesmeres überreichte, ging ein Zittern über ihre Gestalt, und als fie dann das verschlossene Schreiben in den Händen hielt, eilte sie wortlos aus de n Zimmer. In ihrem kleinen Giebelstübchen, dessen Thür fie hastig hinter sich verschlossen und verriegelt hatte, löste sie mit bebenden Fingern den Umschlag und las: „„Nicht weil ich die vermessene Hoffnung hegte, mich rechtfertigen zu können, sondern weil Sie ein Recht darauf haben, die ganze Wahrheit zu erfahren, mache ich mich im Angesicht de» Todes bereit, Ihnen die traurige Geschichte meines Verschuldens zu erzählen. Wenn Sie fie erfahren haben, wird Ihre Verachtung für mich nicht geringer geworden sein; aber Sie werden sogleich die Gewißheit erlangt haben, baß kaum jemals ein Verbrecher härter und unerbittlicher für seine Sünde gestraft worden ist als ich. Und eine Regung des Mitleids, auf die der Lebende keinen Anspruch hatte, wird Ihr großmülhiges Herz dann vielleicht dem Tobten vergönnen. — Ich vermulhe, daß Sie einen Theil der Wahrheit bereit» von anderer Seite erfahren haben, denn ich kann nicht glauben, daß keiner meiner deutschen Be- - 547 - Grausamkeiten der Frauenmode nichtung nur dann eine Vorstellung machen, wenn man er* wägt, daß die Mode nun schon seit 25 Jahren besteht und daß festgestellt ist, daß die Einfuhr von Vögeln in England allein jährlich 25Bis 30 Millionen Stück und für das übrige Europa weitere 150 Millionen beträgt, sodaß diese Modekrankheit seit ihrem Bestehen 2000 bis 3000 Millionen Vögel erforderte. Daß dieser Massenmord auf die Existenz der Landwirthschaft in nachthetliger, ja kaum mehr gutzumachender Weise etnwirken muß, war vorauszusehen. Bereits veröden in den südlichen Ländern Europas die Wälder in erschreckender Weise, und nicht minder ist die Obstbaumzucht in Gefahr; denn gegen die Ueberfälle schädlicher Jnsecten giebt es kein Mittel, wenn die kleinen Vögel fehlen. Und kein Land der Welt ist vor diesem Verheerungskriege ist sicher. Aus Ostindien erhielt ein Händler in London 400 000 Colibris, 6000 Paradiesvögel und an 400 000 verschiedenartige ostindische Vögel. In einem Versteigerungsraum ebenfalls in London wurden in vier Monaten über 800 000 ost- und westindische, wie brasilianische Vogelbälge, daneben noch Tausende von Fasanen und Paradiesvögel aurgeboten. In Florida ist der Retherbestand vernichtet, ebenso die Seeadler. Seine Rückfedern liefern die „Aigrette"; die weise Feder ist sein Hochzeitsschmuck und muß deshalb während der Brutzeit gewonnen werden, wodurch auch das folgende Geschlecht zum Opfer fällt. Sind die Jungen ausgekommen, so ist es leicht, die Eltern, welche jene nicht verlassen wollen, zu fangen. Jede Aigrettefeder, so klein sie ist, weniger grausam aussehend, als ein ganzer Vogel, bedeutet doch den grausamen Tod von mehr als einem Vogel; es bedeutet ein Nest voll schreiender Jungen, jammernd nach Futter, das nie kommt, bis der Hungertso das Geschrei verstummen läßt- In Marokko traf man noch vor zehn Jahren Tausende der schönen gold- haubigen Kacadus; heute welß der Kabylenjunge, der einen solchen Vogel steht, nicht mehr, was das ist. In dem Departement der Rhonemündung find Maschinen längs der Küste aufgestellt, die aus Drähten gebildet, mit electrifchen Batterieen in Verbindung stehen. Wenn die Schwalben aus Afrika kommend, sich, vom Fluge über See ermüdet, auf de« Drähten ntederlaffen, so stürzten sie tobt zu Boden. Die Leichen werden in grüßen Körben nach Parts an die Putzmacherinnen versandt. Seit mehreren Jahren, und dies ist ein sehr beachtenswerthes Anzeichen dafür, daß die farbenprächtigen Vögel des Südens so weit im Stadium der Vernichtung angelangt sind, daß sie nicht mehr ausreichen, die Geschmacksverirrung der Frauenwelt zu befriedigen, müssen auch unsere Finken, Lerchen nnd Stieglitze und Meisen der unsinnigen Mode zum Opfer fallen. Wie außereuropäische Staaten über diese Modesucht denken und schreiben, giebt am besten eine Zeitung au« Tokio (Japan) Zeugniß, die unter Anderem sagte: „Es ist nicht genug, daß sich die Europäerinnen in Stahl und Fischbein einschnüren, sie verlangen zu ihrem Schmucke auch noch unsere schönen und nützlichen Vögel. Wenn sie sich aber mit diesen putzen, so ist das nicht allein ein schweres Unrecht gegen unser» Landbau, sondern auch geradezu ein Hohn gegen ihre europäische Civilisation. Gewiß eine harte, aber zutreffende und wohlverdiente Beurtheilung. Mit Widerwillen muß sich jede feinfühlige Frau von dieser Mode abwenden, die dem barbarischen Geschmack der Indianer entspricht, aber in einem Volke, das Anspruch macht, zu den Culturvölkern zu gehören, unmöglich sein sollte. Er ist und bleibt eine Versündigung an der Natur, diese Vernichtung ihrer schönsten Gebilde zur Befriedigung thörichter Eitelkeit; es ist aber auch eins Versündigung an dem, was dem Menschen und besonders dem Weibe das Heiligste sein sollte: das Mitleid, das Erbarmen. Welche gesirtete Frau wird den Muth haben, nachdem diese Thatsache zur öffentlichen flennt* ntß gebracht ist, sich noch mit Vogelleichen aufzuputzen? Mitschuldig an dem barbarischen Treiben ist jeder Käufer der meist zu Tode gemarterten Thierchen. Möchten doch diese in gerechtem Empfinden aus dem Herzen kommenden Worte empfängliche Herzen finden — möchten die. Frauen endlich in sich gehen und erkennen, daß es noch etwas Besseres, Edleres, Von dem Thierschutzverein in Karlsruhe geht der „Kl. Ztg." nachfolgende, sehr beherzigenswerthe Mahnruf mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu. Die Vernichtung der Vogelwelt durch die häßliche Mode, Frauenhüte mit Vogelletchen zu verunzieren, ist in ein solches Stadium eingetreten, daß die Thterschutzvereine, zu deren wichtigsten Aufgaben der Vogelschutz gehört, nachhaltiger denn je den Kampf gegen diese Modethorheit aufnehmen zu müssen. Haben wir es schon aufs tiefste zu beklagen, wenn der Südländer, um eine schmackhafte Auflage für seine Polenta zu haben, den kleinen Vögeln mit allen Arten von Instrumenten nachstellt und sie zu Tausenden in Netzen fängt, um wie viel mehr müssen wir dem tiefsten Bedauern, ja der gerechten Entrüstung Ausdruck verleihen, wenn Millionen und Millionen der schönsten farbenprächtigsten Vögel getödtet werden, um die Hüte der Frauenwelt zu schmücken. Ueberall, wo glänzend gefiederte Vogelarten vorkommen, nimmt man die Folgen des Vernichlungs- kampfes wahr, und man kann sich von den Folgen dieses Verkannten etwa« von der Thatsache meiner Verheirathung gewußt haben sollte — dieser Verheirathung, die mich in unzerreißbare Fesseln schlug und einen unübersteiglichen Abgrund legte zwischen mich und das Glück. Die Dame, die Sie auf der Promenade in W. an meiner Seite gesehen hatten, war nicht meine Mutter, sondern meine Frnu — meine arme, geistig und körperlich schwerkranke Frau, die ein furchtbares Geschick zur welken Greisin gemacht hatte, noch ehe sie ihr dreißigstes Lebensjahr überschritten. Vor acht Jahren wurde in London unsere Ehe eingesegnet. Meine Freunde hielten sie für etwas unvernünftig, denn Maud war um zwei Jahre älter als ich. Aber wir waren als Nachbarskinder aufgewachsen und hatte« schon Mann und Frau miteinander gespielt, ehe wir noch lesen und schreiben konnten. Unsere bereinige Verheirathung hatte uns immer al« etwas so Selbstverstänbliches gegolten, bas wir garnicht mehr dazu kamen uns zu fragen, ob dis Zuneigung, die uns verband, in Wahrheit nicht himmelweit verschieden sei von jenem Empfinden, das sonst zwei Menschen verschiedenen Geschlechts zum unauflöslichen Bunde für das Leben zusammenführt. Es gab keine Leidenschaft und keine überschwenglichen Seligkeiten in unserer Ehe; aber wir waren trotzdem auf eine bescheidene Weise glücklich, bi» meine arme Maud von ihrem entsetzlichen Verhängniß ereilt wurde. Es begann an dem Krankenlager unseres einjährigen Söhnchens, das von einem langsam fortschreitenden, qualvollen Leiden hingerafft wurde, und an dem Tage, wo wir den kleinen Hector begruben, artete die tiefe Gemüthsoerstimmung seiner unglücklichen Mutter in wirklichen Wahnsinn aus. Eine schwere körperliche Krankheit gesellte sich hinzu und ich war genöthigt, die be« dauernswerthe Frau, die weder mich noch sonst Jemanden aus ihrer Umgebung erkannte, einer Heilanstalt zu übergeben. Anfangs besuchte ich sie in regelmäßigen Zwischenräumen; dann aber baten mich die Aerzte, diese Besuche zu unterlassen, weil jede Berührung mit der Außenwelt die Patientin in gefährliche Erregung versetze. Eine Hoffnung auf Genesung konnte man mir nicht gewähren und so ging ich, weil mir der Aufenthalt in einem verödeten Hause unerträglich geworden war, nach dem Continent, um dort in wissenschaftlichen Arbeiten Vergessen zu suchen. Ich hielt mich erst in Paris auf; dann in Italien und zuletzt in Berlin. Ueberall beschränkte ich meinen Verkehr auf den Umgang mit wenigen Personen, und gegen diese äußerte ich mich niemals über meine Familienverhältnisse, weil ich mich vor ihrem Mitleid und vor ihren neugierigen Fragen fürchtete. Dann schrieb man mir aus England, daß in dem Krankheitsverlaufe eine Aenderung eingetreten fei, daß die heftigen Erregungen einem Zustande ruhiger Theilnnhmlosigkeit gewichen seien, und nun faßte ich den Entschluß, meine Frau wieder zu mir zu nehmen. ______ (Schluß folgt ) — 648 Erhabeneres giebt als diesen Modetand, der mH dem Blute und Leben von Millionen von dem alllebenden Gotte geschafft- ner Wesen erkauft ist, dann soll Dank, herzlicher Dank nicht vorenthalten bleiben- V-riMchtes. „Auf zum Kampf gegen die Macht der Mode", lautet die Parole kühner Reformerinnen, die sich in Berlin nach dem Internationalen Frauencongreß zu einem »Verein für Verbesserung der Frauenkleidung" zusammengeschloffen haben. Die Mitgliederzahl beträgt schon 86, und in einer Vereinsversammlung, die am Dienstag unter dem Vorsitz einer Frau Stabsarzt stattfand, konnte man stolz auf die bereits erzielten Erfolge Hinweisen; große Berliner Firmen, wie Rudolf Hertzog haben die vom Verein empfohlenen Unterkleider bereits auf Lager, eine Modistin sei bereit, Costüme nach den Vorschlägen des Vereins, d. h. vor Allem ohne Korsett, anzufertigen, angesehene Modezeitungen hätten versprochen, „Schnitte" für die Resormkleidung zu bringen. Den Vortrag des Abends hielt Frau Ooerstlieutenant Pochhammer über die Zukunft der Mode. D»s Dame machte bis zu einem gewissen Grads die Männer dafür verantwortlich, daß sich die Frauen den Laune« der Mode fügen. Wenn die Frau bisher nicht, gleich den Männern, denselben Hut und Rock bei den verschiedensten Gelegenheiten tragen dürfte, fällt die Hauptschuld auf die Männer, die an der Frau immer Neues zusehen wünschen, da sie ihnen sonst langweilig erscheint. Statt dieser unberechtigten Laune der Männer zu entsprechen, müsse die Frau durch geistige Vervollkommnung das Interesse des Mannes dauernd zu fessel« suchen. Für die Männer- kleidung scheine es, als ob vor Allem die Bequemlichkeit für die Mode maßgebend sei, während für die Mode der Frau meist gerade das Gegentheil der Fall sei- Die Frau wolle keineswegs darauf verzichten, sich zu schmücken, immerhin könne sie sehr wohl dahin streben, sich gesünder und bequemer zu kleiden. Drei Forderungen seien vor Allem zu stellen: Beseitigung des die Taille unnatürlich einengenden Corsetts, ein fußfreier Rock für die Straße und keine Belastung der Hüsten, sondern Uebertragung dieser Last auf die Schultern. Die Frau müsse auch bezüglich der Wahl der Kleidung mehr als bisher an selbstständiges Denken sich gewöhnen. Eine Debatte kam nach diesem Vortrag über die Zukunft der Mode nicht zu Stande, weil nach der Mittheilung eines Berichterstatters die Damen sich vor den zugelaffenen Herren genirten, sich über die Geheimnisse der Damentoilette zu äußern. Modelle zu verbesserten Kleidungsstücken, namentlich solchen, die dar Corsett entbehrlich machen sollen, lagen in größerer Zahl im Saale au«, doch gewahrte man nur eine einzige Dame, welche ein weites Obergewand trug. ♦ * • DaS Taschentuch ist heutzutage unser unzertrennlicher Begleiter, und doch gab es eine Zeit, als man diesen nützlichen Gegenstand noch nicht einmal dem Namen nach kannte. Unsere heutigen Damen, denen ein zierliches Taschentuch ein unentbehrliches Toilettenstück ist, werden es kaum glauben, daß die Damen und Sdelfräuleins, an die Walther von der Vogelweide und Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob, ihre saßen Mmnelteder gerichtet, sich niemals eines Taschentuches bedient haben sollen. Es ist aber eine historisch festgestellte Thatsache, daß etwa vor 350 Jahren zum ersten Male eine Dame ein Taschentuch benutzte. Die junge Dame, die diesen bedeutsamen culturhistorischen Schritt that, war eine hübsche Venetianerin, die mit ihrem „fazzoletto“ jedenfalls großes Aufsehen erregt hat. Italien ist die Wiege des unentbehrlichen Taschentuches. In diesem Lande nur allein entlehnten zunächst die französichen Damen, und zwar zur Zeit Heinrichs II. (1547 bis 1559), den Gebrauch des Taschentuchs. Aus den theuersten Geweben bestehend, mit kost- barenZEtickereien und Besätzen versehen, galt es lediglich als Luxusartikel. Unter Heinrich III. (1574 bis 1589) gebrauchte man es schon parfümiert und nannte es dann auch wohl „mouchoir de Venus“. Etwa UMS Jahr 1580 hielt es auch in Deutschland seinen Einzug, und auch hier wurde das Taschentuch, das man nach seinem italienischen Ursprung „Fazilettlein" nannte, zunächst ein Schau- und Prunkstück dessen sich nur Fürsten und sonstige reiche Personen bedienen durften. Bei der verschwenderischen Ausstattung, mit der man die Taschentücher herstellte, ist es nicht zu verwundern, wenn es bei reichen Brautleuten als Verlobungsgeschenk diente. Neben kostbarem Spitzenbesatz längs der Kanten und werthvollen Sickereien war auch der Ausputz mit kleinen Puscheln und Quasten an den vier Ecken sehr beliebt. Dem niederen Volk war der Gebrauch de» Taschentuchs, wie z. B. in Dresden ums Jahr 1595 durchaus verboten, und schon zwölf Jahre früher, 1583, wurde in Magdeburg eine der Rangordnung der höheren Stände entsprechende Preisliste für Taschentücher festgestellt. Fast zu der gleichen Zeit wie in Frankreich finden wir das Taschentuch auch im osmanischen Reiche zur Zeit des prachtliebenden Soliman II. (1520 bi» 1566), des Zeitgenossen Karls V. Dort diente es als Auszeichnung für die höchsten Staatsbeamten und Würdenträger, die es als Prunkstück entweder im Gürtel oder an diesem herabhängend zu tragen pflegten. Humoristischer. Mißverständniß. Fräulein: „Wenn ich Sie ansehe, muß ich immer an den anderen Techniker denken, der mich heirathen wollte!" — Herr (Techniker, stotternd): „Entschuldigen Sie, Fräulein, ich . . . wollte Sie aber eigentlich gar nicht heirathen V' Aufschrift für das Vorzimmer einer Redaction: „Schirme, Stöcke und Gedichts bittet man hier abzulegen." Dilemma. Richter: „Können Sie beschwören, daß da- Ihre Handschrift ist?" — Beklagter: „Na, dös kann i net!" — Richter: „Dann können Sie also beschwören, daß es nicht Ihre Handschrift ist?" — Beklagter: „Na, bös kann i a net!" — „Richter: Wollen Sie das Gericht zum Besten haben?" —Beklagter: „Na, Herr Richter, i kenn doch meine Handschrift selber net, i kann ja net, schreib'« l" Macht der Gewohnheit. Feldwebel: „Heutegibt'» besondere Menage, deßhalb braucht Ihr aber nicht so verliebt drein zu schauen, die Köchin dazu wird nicht geliefert." • * Ihr Pech. Director: „Ich würde Sie wirklich gern engagtren, Fräulein! Dem Publikum haben Sie ja gefallen, aber der Renzensent, der Renzensent! Der spricht Ihnen leider die mustkalische Befähigung ab!" — Sängerin: „O, na ja! Der hat allerdings kein Gehör gefunden. Deshalb!" * * Ein Zweifler. Der sehr von stch eingenommene Componist Kratzer äußert in einer Gesellschaft: „Sie glauben nicht, wie bekannt ich bereits bin. Ueberall, wohin ich komme staunen mich die Leute an, wie ein zweiköpfige» Kalb!" — „Davon wird wohl auch nur die Hälfte wahr sein!" bemerkt einer der Anwesenden. • * Verunglückte» Fremdwort. Herr: „Ist die gnädige Frau zu sprechen?" — Dienstmädchen: „Nein, fie ist noch im tiefsten Gelee!" ♦ ♦ Ehehinderniß. Richttr: „Angeklagter, find Sie verheirathet? — Angeklagter: „I hält' schon g'möcht, übe: vor lauter Einsperre bin i net dazu kornmal" Redactton: L. Scheyda. — Druck und Berta- der Brühl'schen UniverstkAS-Buch- und «Steinbruderei (Pietsch & Schema) In Siege«.