rühren. Da war kein Wort zu viel und keines zu wenig und Ms an seinem Platze. Dafür war Doras Hingebung fortreißend, weil die Liebeskraft des Weibes mit der Unschuld des Kindes in ihr verschmolzen waren. Als sie Freitag mit dem Gatten abreiste, trug man ihr ungezählte Cartons mit eleganten und geschmackvollen Mode- Erzeugnissen nach, mit denen der Gatte sein wiedererlangtes Kleinod schmücken wollte. VI. Der Mai des Herbstes, der September, war gekommen. Neben dem ewig grünen Kleide der Tanne hoben sich die broncenen Farbentöne der Buchen strahlend und energisch hervor und daneben stand mit gelbgefärbtem Laub die Hänge- birke. Dafür erstrahlte das Blumenparterre des Gutshauses noch in unbeeinträchtigter Schönheit, immer glühender, feuriger blühten die Topfpflanzen, zwischen denen sich schlanke, vor- nehme Palmenwedel hindurchdrängte«. Dora hatte einen Blumenstrauß gepflückt und begann ihn in eine Vase zu ordnen. , . »So, noch ein paar Rosen und etwas Reseda — Bernhard liebt ihren Duft vor jedem andern — damit will ich ihn in sein Zimmer stellen. Er freut sich jedesmal darüber. — Er ist wirklich verjüngt von Helgoland zurückgekommen, auch heiterer. .... Ja, ich darf hoffen, daß er glücklich ist an meiner Seite! ... Was ist - Glück? Welche Empsin- düng ruft es hervor? Habe ich es schon genoffen?" Sie blickte sinnend vor sich hin, bis ein paar schrägfallende, westliche Sonnenstrahlen über ihr Antlitz hinweghuschten und sie erinnerten, daß der Abend nicht mehr fern sei. W ..Die Glühhitze des ersten Septembertages war fast noch mittägig. Prüfend blickte sie nach Südwesten, nach der ^Wetterseite", wie der Gatts sagte, wo sich schwere schwarze Wolken aufzuthürmen begannen. Ein Gewitter war augenscheinlich im Anzuge, war aber schwerlich vor Nacht zu erwarten. Sie konnte dreist ihren Abendspaziergang machen. Die Jungfer brachte den leichten, etwas zerdrückten Sommerhut und Handschuhe nebst Schirm und erzählte, baß der Herr noch einmal weggefahren sei. Die Zeitversäumniß von «elgoland mußte durch vermehrte Thätigkeit wieder ein« gebracht werden. Schwerlich würde er vor halb neun Uhr ie Typhus« tadt sofort cht eanali» er höchsten lange dar wde, diese 8 mit dem iet Wasser» n daraus, r sanitären oheitspflege Sie haben i sich stets itt werden, i den mitt« welche noch rie, Schar« Siegeszug >iren der c Eier ver« rstoffhaltige keine Zer« h nicht ent« jingewiesen, cselben mit g festgestellt derartigen unterliegen, heit für die ungen baut in auf, das gold wendet nißwidriger, die in der sollen, wo« Berderbniß conserviite bet werden; . In einem gewerbliche ür Gewerbe m das Gon» mack konnte >en; ebenso« er Eier ein Innere der« vnservtrung thschaftlicher Annehmlich« )e Eier zur t) Satyr. it (Siegt«. (& (5~* j 4 ’ rr—< - < - - ■; i MPW ■ //z/', ,;-®V. -v. Ä Sä MM Gesühnt? Novelle von Zoö von Reuß. (Fortsetzung.) Da traf eines Tages nach Verlauf von sechs Wochen der Gatte unerwartet ein. Er war unter den Anstrengungen seiner ununterbrochenen Thätigkeit stark gealtert, fast wie ein Fünfziger, erschien aber bei Doras Anblick wie verjüngt. „Ich halte es nicht mehr aus ohne Dich, Kleine!" sagte er nach herzlichster Begrüßung. „Ich muß Dich holen, um Dich wieder zu haben!" Dora war bei Wülperns Eintreten erblaßt, als ahne sie, daß er komme, sie wieder in sein Haus zu holen. Dann hing sie an seinem Halse wie hilfesuchend und so fest, als ob sie ihn niemals laffen wolle. „Einige Tage bleibe ich bei Mama - natürlich! Dann reisen wir miteinander!" Dora frug jetzt nach Allem daheim — nach Haus, Garten, Kleinkinderschule und Calypso im Stalle. Ganz zuletzt frug sie auch nach Lieutenant von Mülverstedt. „Mülverstedt? Nun, er ist längst wieder beim Regiment und wird mit ihm in's Manöver rücken. Er ist bis zu feiner Rückkehr in die Garnison häufig bei mir gewesen, recht häufig. Augenscheinlich giebt er sich viel Mühe mit seinem Gute. Auch hat er ein großes Arbeitsfeld gefunden, sein Onkel, der alte Sonderling, hat sich um wenig mehr als seine Sammlung von Pfeifenköpfen gekümmert; so ist geradezu Alles vernachlässigt. Ich habe ihm meinen Rath nicht vorenthalten, aber ich fürchte, daß er nichts damit anzufangen weiß. Dis Hauptsache bleibt für ihn, daß er zum grund- besitzenden Adel gerechnet wird, weil ihm ein Rittergut in den Schooß gefallen ist. Daß ein Familiengut Heutigentages mehr eine Famtlienlast ist, ahnt er noch nicht I — Paßt es Dir, am Samstag zurückzukehren, Kleine?" Dora war plötzlich äußerst bereit und schlug sogar Frei- tag als Tag der Abreise vor. Während der nächstfolgenden Tage war sie wechselsweise E Uebermuth und voll träumerischer Empfindsamkeit. Coustne -vietar Gleichmaß konnte daneben nur äußerst sympathisch 6e» s- 234 ~ zurück sein; Dora brauchte sich mit ihrer Rückkehr nicht zu übereilen. Die junge Frau schlug den Weg durch den Park ein und gelangte bald in's Freie. Ein wenig ermüdet setzte sie sich auf einen thymianduftenden Feldrain und blickte über die kahlen, abgeernteten Felder hinweg in die Ferne. Dort drüben, wenige Kilometer entfernt, lag Mülverstedt; deutlich erkannte sie den Kirchthurm und die Zinnen des Schloffes. In den Fenstern spiegelte stch die Abendsonne, grell und augenverblendend blitzten die Lichter zu Dora herüber. Wo mochte er weilen? Es war ihr Trost, Erleichterung, Befreiung, daß sie ihn fern wußte. Der Gatte hatte allerdings Mülverstedts Abwesenheit schon bedauert — um Doras willen. „Du bist noch zu unerfahren als Amazone, Kind/ hatte er noch gestern gesagt, „bitte, warte, bis Mülverstedt wieder hier ist und Dich begleiten kann. Nein, Du bist wirklich noch keine Reiterin — ich bin immer in Sorge um Dicht Wirst Du das Reiten einstellen, mir zu Gefallen, wenigstens bis Mülverstedt da ist?" Dora hatte versprochen, ihre Rsitstudien ganz zu unterlassen und ihm vorgeschlagen, Calypso zu verkaufen. Denn mit Mülverstedt wollte sie niemals wieder reiten; bas war felsenfester Entschluß. Hoffentlich kam er überhaupt nicht in diesem Herbst. .... Sie war entschieden ruhiger geworden, seit sie sich von dem Bann, mit dem er sie umgab, lorgeriffen hatte und vor ihm geflohen war. Auch die Zeit in Helgoland hatte günstig auf ihren Eeelenzustand gewirkt. Im Anschauen erhabener Naturbilder hatte sie sich freier gefühlt und begeisterte Schilderungen an Vater und Schwester gesandt über das Eiland» das „wie ein Opferstein fei, den sich der Schöpfer nach Erschaffung der Welt selbst im Meere aufgerichtet habe". Sie empfand kein Glück, aber sie empfand auch keinen Schmerz und das Gefühl der Befriedigung, das über sie kam, wenn sie Bernhard heiter und vergnügt sah, war wohlthuend. Sie wollte es nicht opfern — die Leere freilich, die unheimliche Leere im Herzen. „Wenn ich nur ein Kind hätte, o, ein Kind! Ich würde glücklich sein!" Sie preßte das Taschentuch vor die Augen und stand thränenschluckend auf. Den Pfad verfolgend, gerieth sie in den Wald und auf einen Berg, dessen Kamm die Grenzscheide von Almenhausen und Mülverstedt bildete. Oben auf der Höhe lag ein Borken- Häuschen mit Spitzbogenfenstern aus Glas, Eremitage genannt, das dem Besitzer von Almenhausen zugehörte. Die Amts- räthin hatte es sich vor Jahren anlegen lassen, um täglich einige Stunden daselbst zuzubringen und Waldluft zu genießen. Dora kam seltener hierher, die Einsamkeit war bedrückend für sie. Auch jetzt überkommt sie ein Gefühl von Furcht. Sie wendet sich wieder. Da starrt ihr ein Haselnußzweig entgegen mit hart ineinander gefügten Früchten, die wie grüne Blüthenknospen ausschauen. Sie bricht den Haselnußzweig al- besondere Zierde für ihr Bouquet. Er wird den Gatten er- frenen. In diesem Augenblicke ertönt lauter Donner gerade über ihrem Haupte. Der Ausbruch der Wetters ist näher, als sie gedacht hatte. Dar Walddickicht gestattete keine Umschau. Die Dunkelheit nimmt zu und wird beängstigend. Glücklicherweise erinnert stch Dora eine« Richtwegs, der sie in längsten» fünfzehn Minute« bergab führen muß. Sie wendet sich und thut einige Schritte in überstürzender Eile steil bergabwärts “n° ~ sinkt mit einem Schmerzenslaut zusammen. Der linke Fuß ist verstaucht. . . „Gnädige Frau? Oder ist'» die Waldfee?" hört stch Dora von seitwärts ansprechen. Der Ton, diese Stimme — er würde sie vermuthlich vom Tode erwecken! Schüchtern, todterschrocken blickt sie auf und sieht in der That Mülverstedt vor sich. „Müssen wir uns hier treffen?" fragt Mülverstedt in sonderbarem Tone. Zugleich gewahrt er aber auch, daß sie körperlich leidet und steht einen Augenblick rathlo» und erschrocken. Dora berichtet den Unfall und versucht aufzustehen. Umsonst ! . . . Dazu ertönt abermaliger Donner, laut und mark- "jchittternd, und große Regentropfen praffeln auf da» grüne Blattdickicht nieder. «Eine Rückkehr ist unmöglich!" entscheidet Mülverstedt. --Aber vielleicht können wir bis zur Eremitage gelangen. — Werden Sie meine Hilfe zurückweisen?" Dora macht wirklich eine ähnliche, sehr energische Be- wegung und steht selbständig auf. Aber sie schwankt und droht zu fallen. Da — ein Moment — und sie sitzt auf Mülverstedts Arm wie ein Kind. Stumm wendet er sich mit seiner Last dem Borkenhäuschen zu. Die Eingangsthür ist verschlossen, der Schlüssel befindet sich jederzeit in den Händen des Gärtners. Aber auf der kleinen überdachten Veranda stehen Bänke und Stühle aus Birkengeflecht. Er fetzt sie sanft auf eine Bank nieder. „Wird der Arzt nöthig sein?" fragt er. „Nein! Der Schmerz läßt nach!" „Einige Zeit müssen wir hier verweilen. Das Wetter wird noch schlimmer werden, fürchte ich," sagte Mülverstedt, sich prüfend umblickend. „Nun, wir find im Trockenen, gnädige Frau!" „Wann — sind Sie zurückgekommen?" fragt Dora. «Schon länger al» acht Tage," gesteht Mülverstedt, - «um Hasen und Hühner zu schießen," setzt er verhüllend hinzu. «Niemand wußte darum, auch mein Mann nicht," bemerkt Dora, als ob sie ihre Anwesenheit damit erklären wolle. In diesem Augenblick erhebt sich ein orkanartiger Sturm und fährt brausend in die mächtige Krone einer Buche, die, ihre grünen Arme ausstreckend, sich mit den Schwesterbäumen kreuzt. Dazu zuckt Blitz auf Blitz — in ihrem bläulichen Lichte schauen sich die Beiden an wie Geister. Und wieder ein Windstoß in die Aeste der Buche, die wie ein treuer Wächter dicht neben dem Borkenhäuschen steht. Er packt den Stamm und rüttelt an den Aesten, daß mit den rieselnden Wasser tropfen leichte Zweige und Buchnüfle hinabregnen. Jetzt gleitet auch ein leeres Vogelnest herunter, dazu ein junger Vogel, der mit verletzten Flügeln mühsam auf der Erde flattert. «O weh! Das arme Vögelchen!" klagt Dora. Mülverstedt steht schon draußen, um das Vögelchen aufzuheben. Zurückkehrend hält er den kleinen zuckenden Vogelkörper Dora entgegen. In Mitleid und überströmender langverhaltener Seelenbewegung beugt stch die junge Frau nieder, um das Thierchen zu küssen. Aber in halber Schwäche küßt sie — Mülverstedts Fingerspitzen. Das ist zu viel für das mühsam zurückgedrängte, leidenschaftliche Gefühl des stolzen, eitlen Mannes, den die Frauen feit seinen Jünglingjahren durch Liebe verwöhnt hatten. Noch niemals hatte er so lange und vergeblich geworben. ... Im Nu liegt er zu Dora» Füßen und stammelt glühende Liebesworte, während der Vogel mit gebrochenen Flügeln am Erdboden weiter flattert. „Nimmermehr!" weist Dora streng zurück. Und sie er- hebt sich von der Bank, um durch Sturm, Regen und zuckende Blitze den Heimweg zu suchen. „Pardon, gnädige Frau, ich war, ich bin — wahnsinnig I Sie können mir niemals verzeihen, niemals--" «Warum tödtet uns nicht ein Blitz - miteinander?" redet Dora leise zu stch selbst. „Dora, Du möchtest sterben, mit mir? Ich kann sie nicht fassen, die Wonne," jubelt Mülverstedt, indem er ihre Hand und ihr Kleid mit Küssen bedeckt. Dora reißt sich los, um langsam und schwankend nach Hause zu gehen, nachdem sie durch eine befehlende Handbewegung Mülverstedt zurückgehalten hat. |235 - VII. In den nächsten Tagen war Dora viel allein, weil der Gatte durch verschiedene größere und kleinere Geschäftsreisen in Anspruch genommen war. Die Einsamkeit wirkte änfangs wohlthuend, denn sie milderte den Zwang, den Dora sich anthun mußte, um ihren Seelenzustand nicht zu verrathen. Daneben fing aber die Phantasie an, ihr Spiel zu treiben und den Gegenstand ihrer heimlichen Liebe mit den glänzendsten Farben auszustatten. Doch versuchte Dora auf alle Weise das Netz zu zerreißen, das sie täglich mehr umstrickte. Arbeit, Lectüre, Wohlthätigkeitsbestrebungen, in Allem war sie eifriger als jemals. Täglich besuchte sie den Volkskindergarten und bald jubelten ihr die Kleinen entgegen, wenn sie mit ihrem Korbe voll rothbackiger Aepfel erschien. Sie versuchte auch zu spielen und zu scherzen, aber Jntereffe und Geduld waren verschwunden. Die Muttersehnsucht, die sie empfunden hatte, war vollständig untergegangen in dem heißen Liebesbegehren des Weibes. Um ihren Gedanken zu entfliehen, fuhr sie eines Tages nach Gröpelingen zu Vater und Schwester. „Kommst Du endlich, Dorschen?" kam ihr der Rendant entgegen. „Du mußt gleich mein Spalierobst sehen I Solche Birnen hat Niemand!" „Wieder in neuer, reizender Toilette! Dar reine Modenjournal! Wer aber auch solch' einen guten Mann hat —" sagte Therese, indem sie die Herbsttoilette mit kritischen und begehrlichen Blicken musterte. „Wo sind denn Deine rothen Backen geblieben?" frug der Vater wieder. Dora antwortete nicht und drängte nur eilig in's Haus. Dann folgte sie dem Vater in den Garten und hörte dis Neuigkeiten von Gröpelingen aus dem Munde der Schwester. Aber der Geduldsfaden war nur kurz und sie war früher zu Haufe, als sie eigentlich gewollt hatte. Anderen Tages empfing sie eine Depesche des Gatten, welche sie von seiner früheren Rückkehr in Kenntniß setzte. Gegen Abend schon sollte ihn die Equipage auf dem Bahnhofe erwarten. Er war Dora wie eine Erleichterung. Nun war sie wieder unter seinem Schutz. Wie wollte sie sorgen und schaffen für ihn, jeden Wunsch wollte sie ihm von den Augen lesen. Um ihn zu erfreuen, band sie einen Blumenkranz aus zartblühendem, dauerhaftem Haidekraut und befestigte ihn um das Bild seiner Mutter, das über seinem Schreibtische hing. Dann bestellte sie ein Lieblingsgertcht des Gatten für den Abend und fuhr selbst mit nach dem Bahnhofe, um ihn abzuholen. Wülpern war entzückt und sehr aufgeräumt. Er erzählte mit Lebhaftigkeit von seiner zehntägigen Reise und aß mit vortrefflichem Appetit zu Abend. Dann zündete er sich eine feine Cigarre an und setzte sich behaglich aus's Sopha. „Dorschen, bitte, komm' hierher!" sagte er, al» sich die junge Frau auf einen Stuhl ihm gegenüber setzte und eine feine Handarbeit hervorzog. „Du kennst doch das Lied: Mädel ruck ruck ruck an meine grüne Seite, ich bin Dir gar zu gut, ich mag Dich leide," intonirte er mit rauher Baßstimme. „Bitte, komm' hierher, ich will meinen Kopf an Deine Schulter lehnen!" Die junge Frau stand gehorsam auf und setzte sich neben den Gatten, aber ein leises Zittern lief durch ihre Glieder. „Närrchen, Du bist so spröde heute — ich glaube, daß Du mir noch nicht einen einzigen Kuß gegeben hast," sagte Wülpern, die Gattin umfangend. Dora war unwillkürlich zurückgewichen und in ihren Zügen malte sich heimliche Angst. So unbefangen Wülpern war, entging es ihm nicht; ein ernster, tiefer Schatten ging über sein Antlitz. „Du weisest mich zurück, war ist Dir, Kind? — Nein, keine Liebkosung!" schloß er aufstehend, als Dora nach seiner Hand griff, um sie verzeihungflehend an ihre Lippen zu ziehen. »Versuchen wir zu — plaudern." Und er begann wieder von seiner Reise zu erzählen und dazwischen Allerlei zu fragen. So quälte sich die Unter» Haltung eine Weile hin und her, bi« Bernhard Wülpern zufällig frug: „Ist Mülverstedt nicht hier gewesen? Er ist schon seit vier Wochen wieder dal Sahst Du ihn schon vielleicht in meiner Abwesenheit?" »Ich — sah ihn allerdings," sagte Dora, unfähig, zu lügnen. „Wo? Wann?" „Im — Borkenhäuschen, schon vor längerer Zeit . . „Du sagtest mir nichts davon — wie sonderbar!" sagte Wülpern überlegend und seine Frau mit hartem, prüfendem, durchdringendem Blicke musternd, unter dem sie unwillkürlich die Augen niederschlug. (Fortsetzung folgt.) Der alte Andreas. Auch eine Pfingstgeschichte von E. Fahrow. ------- (Nachdruck verboten.) Vollrath von Amstert war der Verzweiflung nahe, soweit das seiner munteren, leichten Natur möglich war. Ist es aber denn auch nicht zum Verzweifeln, wenn man ein schönes Mädchen liebt und von ihr wieder geliebt wird, und alle Verhältniffe passen ganz schön und man ist jung und gesund und ein Ehrenmann, und sie hat unendlich viel Geld und der Schwiegervater ist ein Ekel? Ja, das war es eben, der Schwiegervater fand, daß ein Commerzienrath wie er, der was galt in der Welt, auch Schrullen haben könne, ganz gleich, ob sie den Leuten einleuchteten oder nicht. Seine Karols liebte den jungen Amstert und sollte ihn ja auch haben — aber erst, wenn er gezeigt hatte, daß er verstände, „Geld zu behalten," — d. h. wenn er au» eigenen Mitteln ein kleines Gut oder eine Fabrik erworben hätte und darauf zu arbeiten verstand. Zum Donnerwetter nochmal, — wo hernehmen und nicht stehlen? Der alte Baron Amstert war zwar ganz wohlhabend, und eines Tages würde Vollrath ja auch ein Sümmchen erben; vorläufig aber war er ganz einfach Volontär auf dem väterlichen Gute, lebte fröhlich und sorglos in den Tag hinein und ließ gegenwärtig ein wenig den Kopf hängen, weil ihm die Liebe so schrecklich, so unaussprechlich, so unsinnig zusetzte. „Papa, ich werde verrückt," erklärte er dem alten Baron, als er eines Tages ein unerträglicher Kopfweh verspürte. Der alte Herr betrachtete ihn mit kritischen Blicken. „Gestern Abend wieder Karola gesehen?" fragte er. „Ja natürlich. Du weißt ja, daß ich in der Stadt war." „Nachher wieder gekneipt?" „Na, so'n bischen, weißt Du." „Dann hast Du also 'n Kater, wobei man allerdings zuweilen verrückt werden kann," sagte der Vater vrrständniß- innig. „Nein, ganz ernstlich, ich halt' e» hier nicht mehr au». — Laß mich eine kleine Erholungsreise machen, Papa — vielleicht vergesse ich unterwegs Karola!" „Jh Du Filou, — willst Du mir was weirmachen ? Du wirst Deine Karola nicht vergessen, so wenig wie sie Dich. Ist auch nicht nöthig, der alte Geldsack wird schon nachgeben, wenn sein Kindchen erst anfängt, zu wollen. — Aber meinetwegen, das Reisegeld will ich Dir geben. Wo willst Du hin?" „Ich dachte, ich könnte an die Revier» gehen?" „Was? Im Mai, wo es dort gebratene Tauben in der Luft gibt und geröstete Menschen auf Erden?" „Warst Du denn schon 'mal dort? Nein! Run also, es ist durchaus nicht heißer dort wie hier, weil da» Meer und die Luft die Sache ändern. Zu Pstngsten bin ich ja wieder hier." 2W --- Kopf» Das abzu- aber Wieder hatte er gewonnen. Mit unverholener Freude strich er den Geldhaufen ei«' es wirren mehrere tausend Mark. ' Aufmerksam schaute er eine Weile zu, wie die gewiegten Spieler rings umher ihrer Leidenschaft fröhnten. Alle schienen sie zu verlieren, Einer wie der Andere. Und gerade die, welche am elendesten aussahen, die, welchen Sorge und Kummer und seelische Roth tiefe Linien in dar Gesicht gegraben hatten, gerade die verloren immer und immer fort. - (Schluß folgt.) Genr-innNtzig-K. Rebaction: «. Schkyda. — Druck und Strlag der Brühl'scheu UniderflMS-Buch- und Sleindruckerei (Pietsch & Scheyda) -n Gießen. Spargel frisch aufzubewahren. Er giebt ver- schiebens Arten und nach den gemachten Erfahrungen wird bald dieser, bald jener der Vorzug gegeben. Eine der gebräuchlichsten dürfte sein, den Spargel in Kleie aufzubewahren. Hierzu wird der Spargel rein gewaschen und mit einem Tuche abgetrocknet. Dann nimmt man getrocknete Kleis mit bräunlich geröstetem Salz, bringt eine Lage zu unterst in einen Topf, legt darauf eine Reihe Spargel, dann wieder eine Mischung von Kleie und geröstetem Salz, dann wieder Spargel und so fort, bis der Topf ziemlich voll ist. Die oberste Schicht muß aus Kleie bestehen, wird etwas festgedrückt und dann der Topf mit zerlassenem warmen Fett begossen, letztere ist dazu bestimmt, die Luft von dem Inhalte schließen. Der Topf wird dann an einen trockenen, kühlen Ort gestellt. Wozu heißes Wasser gut ist. Geringe £ * schmerzen hören bei gleichzeitiger Begießung heißen Wasser« auf den Nacken und die Füße bald auf. Eine in heißes Wasser getauchte, rasch ausgewundene Serviette auf den Magen gelegt, wirkt beinahe augenblicklich gegen Koliken. Nichts heilt rascher eine Lungencongestion oder einen Rheumatismus al« Heißwafler - Umschläge. Eine mehrfach zusammengelegte, in heißes Wasser getauchte und dann ausgewundene Serviette auf die schmerzhafte Stelle gebracht, bringt bei Zahnschmerzen und Neuralgien bald Erleichterung. Ein mit heißem Wasser angesaugtes Flanellstück um den Hals eines von Croup befallenen Kindes gelegt, erzeugt in 5 bis 10 Minuten auffallende Beruhigung. Dieses gelingt namentlich beim sogenannten Pseudocroup. «Na, meinetwegen. Und den alten Andreas nimmst Du natürlich mit." „Natürlich! Ohne Kinderfrau darf ich ja nicht reisen." „Nein — aber ein Baron Amstert reist nicht ohne Diener." — Einige Zeit später finden wir Vollrath mit Andreas in Nizza. Eine gutgefüllle Brieftasche ließ ihm die Welt im rosigsten Lichte erscheinen, und auf dem Gipfel der guten Laune langte er an, als Andreas ihm eines Morgens, nachdem er vierzehn Tage ohne Nachricht geblieben war, ein Briefchen von Karola heranbrachte, worin sie schrieb: Liebster Schatz! Die Festung wankt! Ich würde Dich gleich mit einem lauten Hurrah begrüßt haben, aber blinder Eifer schadet nur. Vorläufig also wankt sie, noch aber hat sie sich nicht ergeben. Gestern Abend war Professor Ullinger bei uns, der Dich von der Universität her kennt. Der gute liebe Mann sang Dein Lob in allen Tonarten. Und was pasflrt zu guterletzt? Das Scheusal, der Sohn vom Commerzienrath Trendel, stellt sich zum Abendessen ein, macht mir den Hof wie gewöhnlich, entlockt Papa ein Schmunzeln, weil er so beiläufig erwähnt, daß er sich Schloß Trauta zu kaufen gedenke, und blamirt sich dann fürchterlich im Gespräch mit dem Professor. Der Mensch weiß ja nichts, nichts! Und Du kennst doch Papa's kleine Eitelkeit, den Schöngeist zu spielen. Ich, wie ich die Sache merke, treibe den dummen Trendel natürlich immer mehr in die Enge! Spreche mit dem Professor von Litteratur, von Sprachen, von Geschichte und Archäologie und werfe so hier und da die Bemerkung hin: „Baron Vollrath wird mir Näheres darüber sagen können!" Nun, und zum Schuß stößt der Professor dem Faß den Boden aus, indem er Papa beim Abschied sagt, es sei doch merkwürdig, wie selten reiche junge Kaufleute höhere Geistesbildung anstrebten, und um so strahlender steche er, Papa, von diesem inhaltslosen Genuß- und Geldmenschen ab. Das ging ihm glatt herunter, sage ich Dir. Also natürlich habe ich dann das Eisen geschmiedet, so lange es heiß war, und als ich zuletzt sagte, zu Pfingsten kämst Du wieder und da würde sich was begeben — da — donnerte er nicht los — sondern er lächelte! Lächelte! Sei also guten Muths, Herzlieb. Es harrt Deiner in Treue Deine Karola." Bedächtig faltete Vollrath den Brief zusammen und rief seine alte „Kinderfrau." „Andreas, wieviel Geld haben wir noch?" „So etwa vierhundert Mark, junger Herr." „Du lügst ja schon wieder. Wenn Du sagst vierhundert, so find es mindestens achthundert." Andreas schwieg. In Wirklichkeit besaßen sie noch das Doppelte. „Ich fahre mit, junger Herr. Der junge Herr können sich doch nicht allein rasiren." „O ja, ich denke, ich kann es schon so ziemlich. Also bleibe nur ruhig hier, in drei, vier Tagen bin ich wieder hier. Und bringe mir das Geld." Andreas brachte zweihundert Mark, erklärte achselzuckend, den Schlüssel zur Kassette könne er nicht finden und gab auf keine Vorstellungen mehr heraus. Aergerlich lachend reiste Vollrath ab; er selbst besaß auch noch einige blaue Scheine und wagte sich hiermit wohlgemuth an den verhängnißvollen grünen Tisch. Er setzte und gewann. Er setzte nochmals — und gewann wieder. Kühner geworden ließ er den Einsatz stehen — er gewann. Das Blut schoß ihm in die Schläfen und er rief: „La mässe!“ Literarisches 8 ü r ’e Frauenwelt von höchstem Interesse ist ein Aufsatz „Gastrosophie" aus der Feder Hedwig Heyls, der Erfinderin der berühmten wissenschaftlichen Kochmethode „Heyl", welchen die bekannte Famrlien-Zeitschrift „z«r Guten fctunbe* (Berlin W. 57, Deutsches Verlagshaus Bong & Go., Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.l in ihrem neuesten Hefte veröffentlicht. „Wird uns," fragt die Verfasserin, „wie Werner von Siemens es einmal als möglich hinstellte, ein chemisches Zeitalter dereinst durch kleine Dosen chemisch präparirter Elemente die Freuden der Tafel ersetzen können?" Eine gute Köchin ist noch lange keine Gastrosophin. Wie unsere Frauen es werden und dadurch ihr Heim mit einem neuen Zauber schmücken können, ersehen sie aus diesem Artikel, der alles Wissenswerthe in allgemein verständlicher, graziöser Form zusammenstellt über die Gastrosophie, jene Wissenschaft, die au§, dem Verstttndniß der Verhältnisse der Menschen untereinander entspringt, aus der Kenntniß seiner physischen und psychischen Natur und der zu seiner Ernährung dienenden Naturprodukte, wie über- ^er Naturpflege. Die übrigen Darbietungen des Heftes schließen sich diesem höchst zeitgemäßen, für die moderne Frauenbewegung aufsehenerregenden Aufsatze ebenbürtig an, ebenso wie der Lesestoff, bestehend aus zwei Romanen: „Führe uns in Versuchung" von Annie Bock und „Prüfe, wer sich ewig bindet" von B. Ernst das gespannteste Interesse gefesselt hält. Die Illustrationen sind mit der gewohnten unübertroffenen Meisterschaft hergestellt, die Gratisbeilage „Jllustrirte Klassikerbibliothek", welche die Fortsetzung von Eichendorffs Gedichten bringt, bietet wiederum eine werthvolle Bereicherung unseres Hausschatzes und die Rubrik „Für unsere Frauen" fährt fort, eine unentbehrliche Rathgeberin für Sparsamkeit in allen wirthschaftlichen Fragen des Haushaltes zu sein.