UntrrhaltimgMM MM Gießener Adriger (General-Anzeiger)^ t '- .** -X _ri ** 7*^- -, '** " ««"T. ~ —~ _ —— .-- ---------- KW^UAWNM^^MMWMWGMMM Dienstag dm 21. April । -■' ■'■ r4 £JC;?O —r -.^ ^si^4!SiSSj|s^g®|Bg-^fe-=£S;?<-'i > i HAKWW rMMM ÄMMÄÄLLSMW .T4 E M^MZM Dennoch. Erzählung von Franz Eugen. (Schluß.) „Vater," sagte Lisbeth leise, „der Frieder ist frei gekommen." Widmer sah sie mit einem finsteren Blick an; er hatte gestern gehört, daß der Landesherr eine Amnestie erlassen, ihre Nachricht kam ihm also nicht unerwartet, aber sehr unerwünscht. „Er ist hier," fuhr Lisbeth fort. Der Bauer zog die Stirn in zornige Falten. „So soll er machen, daß er wieder fort kommt; äuf dem Birkenhof ist kein Platz für einen entlassenen Zuchthäusler." Bei den harten Worten zuckle Lisbeth zusammen- „Er begehrt auch keinen Platz in Eurem Haus, Vater, er geht nach Amerika." „Das ist verständig," nickte Widmer. „Ich und das Kind gehen mit ihm," sagte Lisbeth mit fester Entschlossenheit. Der Bauer starrte sie wie betäubt an, als sei ein Blitz vor ihm niedergefahren. „So hart es mir wird, von Euch zu scheiden, Vater, ich verlasse den Frieder nicht . . ." „Bist Du toll geworden?" donnerte jetzt der Bauer. „Du bleibst hier, ich will dem Frieder ein Stück Geld geben, daß er drüben was anfangen kann." „Gr nimmt kein Geld von Euch," fiel Lisbeth -ein, „er will nur, was ihm gehört, sein Weib und Kind.' Und ich weiß, was meine Pflicht ist, ich habe vor Gott gelobt, ihm treu zu sein in guten und bösen Tagen, und das will ich halten." „Du gehst in's Elend mit dem Frieder, Du undankbare, ungehorsame Tochter I" „Und ging ich in den sicheren Tod, ich verlasse ihn nicht!" Des Bauern Brust arbeitete heftig; Röthe und Bläffe wechselten auf seinem Gesicht. t »So geh'," stieß er keuchend hervor, „aber laß mir das Kind!" „Ich kann nicht, es ist Frieders Kind! ... Um Gott, Vater, flucht mir nicht zum zweiten Mal!" schrie sie nützlich auf und sank auf ihre Kniee, als sie sah, wie die Adern auf Widmers Stirn schwollen und seine Augen funkelten. „Euer Fluch hat sich an uns so schrecklich erfüllt." Der Bauer blickte sie einen Moment schweigend an, seine Lippen zuckten, aber ohne ein Wort zu sprechen, stand er auf und ging in seine Kammer, deren Thür er dröhnend hinter sich zuschlug. — Zehn Minuten später stand Lisbeth, ein Bündel tragend und ihren Knaben an der Hand führend, vor Frieder. „Du kommst wirklich?" sagte er und zog, Thränen im Auge, das Kind an seine Brust und drückte es heftig, , a »Das ist ja der Vater, für den Du jeden Abend gebetet hast, sagte Lisbeth, als der Knabe, vor dem fremden Mann sich fürchtend, zu weinen begann. „Ich will nach Haus, ich will zum Großvater," schluchzt« der kleine Peter, ließ es sich aber doch gefallen, daß Frieder ihn auf den Arm nahm. „Wo gehen wir jetzt hin?" wandte dieser sich an Lisbeth. „Steht unser kleines Häuschen noch?" „Gewiß, aber es wohnen Andere darin, der Vater hat es gleich verkaufen laffen und das Geld für den Jungen in einem Staatspapier gut angelegt, die Zinsen habe ich jedes Jahr aufgehoben, die Obligation und das Geld steckt in dem Bündel hier, es wird zur Ueberfahrt für mich und das Kind reichen und drüben noch ein Nothpfennig uns bleiben. Komm' jetzt, der Weg zur Stadt ist nicht zu weit für den Buben, er kann ihn laufen, wir bleiben dann dort über Nacht und morgen fahren wir weiter." „Lisbeth, wird es Dich auch nicht gereuen, daß Du die Heimath und den Vater um mich verläßt und vielleicht mit mir in Noth und Elend gehst?" fragte er zagend. „Nein," sagte sie, die Lippen fest aufeinanderpressend, „ich gehöre zu Dir. Aber sprich jetzt nicht von meinem Vater es war eine böse Stunde, die ich eben durchlebt!" Wieder waren viele Jahre vergangen. Der Birkenhofbauer hatte nach Lisbeths Weggang dem Sohn den Hof über- gebe«, der denn auch bald die Bauerntochter, um dis er länge vergeblich gefreit, heimgeführt hatte. Aber es ruhte kein Segen auf feiner kinderlosen Ehe; Unfrieden herrschte im Hause, die Frau war zänkisch und unordentlich, Valentin saß allabendlich im Wirthshaus und bekümmerte sich wenig um die Wirthschaft, so ging denn Alles rückwärts auf dem Birkenhof, zum großen Kummer des alten Widmer. Von Lisbeth und Frieder hatte man im Dorf nichts mehr gehört; wohl hatte Lisbeth mehrmals an ihren Vater geschrieben, aber in seinem Trotz und Grimm hatte er die Briefe immer uneröffnet zurückgesandt. Elf Jahre waren verflossen, seit Lisbeth sein Haus verlassen; ein alter, gebeugter, vergrämter Mann, ging Widmer eines Morgens in das Dorf, wo heute der Oedhof, der durch die Nachlässigkeit und Verschwendung von Heinrich Rohnert, Lisbeths ehemaligem Verlobten, in die Gant gekommen war, öffentlich versteigert werden sollte- Fast scheu schlich Widmer unter den Fenstern des Auetions- locals vorbei; es war ihm, als sähe er im Bilde das Schicksal de» eigenen Hofes sich dort vollziehen, denn er wußte nur zu gut, daß Valentin sich nicht lange mehr auf dem Birkenhof würde halten können. Da trat aus der Thür des Wirthshauses eine städtisch gekleidete Frau, die einen etwa siebenjährigen Knaben an der Hand führte und von einem hochaufgeschossenen Burschen begleitet wurde. Als die Frau den alten Widmer gewahrte, faßte sie ihn scharf in'» Auge und rief: „Vater, Vater, erkennt Ihr mich nicht mehr? Ich bin ja die Lisbeth I" Der alte Mann lehnte sich schwankend an dieMauer des Hauses. „Lisbeth," stammelte er, „Wes möglich, Du hier?" »Ja," sagte sie, seine Hand fassend, „wir sind Alle hier und da drinn hat eben der Frieder den Oedhof gesteigert. — Es ist uns drüben gut gegangen," fuhr sie hastig fort, als der Vater sie stumm anstarrte, al« traue er seinen Sinnen nicht, „unsere Farm gab reiche Ernten und als der kleine Nachbarflecken im Laufe der Jahre eins große Stadt wurde, stieg ihr Werth um das Dreißigfache. Wie uns nun jüngst ein hoher Preis dafür geboten wurde, habe ich den Frieder gebeten, die Farm zu verkaufen und in die Heimath zurückzukehren. Er wäre gern drüben geblieben, aber er thut mir ja Alles zu Liebe und da er wußte, daß ich nie ganz froh werden konnte, bis ich Eure Verzeihung, Vater, erlangt, so erfüllte er meinen Wunsch. Gestern kamen wir in der Hauptstadt an und wie wir dort in der Zeitung lasen, daß hier heute der Oedhof versteigert werden sollte, beschlossen wir, ihn zu kaufen." „Ihr den Oedhof," murmelte Widmer und faßte sich an die Stirn wie Jemand, der sich vergewissern will, ob er wacht oder träumt. Da fiel sein Blick auf den kleinen Knaben, der eben die Mutter am Rock zupfte und neugierig fragte: „Mutter, ist der alte Mann der Großvater?" „Peter, lieb’« Peterle," rief er, sich zärtlich zu dem Knaben beugend, „habe ich Dich wieder!" „Nein, Vater," sagte Lisbeth, „das ist der Lorenz, der drüben geboren ist und den wir nach Euch genannt haben; hier der große Bursche ist Euer Peterle von ehedem." Dieser schüttelte mit herzlichen Worten dem Großvater, dessen er sich noch ganz gut erinnerte, die Hand; aber der hochgewachsene Jüngling mit seinem etwas ausländischen Deutsch war dem Alten fremd, er beugte sich wieder zu dessen Bruder, in welchem er das Ebenbild des Knaben wiederfand, an dem einst sein ganzes Herz gehangen und dessen Weggang er noch schmerzlicher empfunden, als den der Tochter. Jetzt trat Frieder, ein Papier in der Hand, aus dem Haufe und stutzte, al» er die Grupps gewahrte. „Der Oedhof ist unser, Lisbeth," sagte er, zu ihr gewandt, «da ist der Kaufbrief." „Vater — Frieder, gebt Euch die Hände und seid's Freunde," rief Lisbeth, zwischen die beiden Männer tretend, die sich mit ernsten Blicken maßen. Einen Augenblick zögerte Frieder, dann reichte er dem Alten die Rechts und sagte: „Wir wollen Frieden machen, Birkenhofbauer, um der Lisbeth willen." Widmer nahm zögernd die Hand feines Schwiegersohnes und es kostete ihm sichtlich einen Kampf, den Mann, den er so lange tief gehaßt, durch den so viel Leid über ihn gekommen war, einen freundlichen Willkommengruß zu bieten. Er that es aber dennoch und dankbar sah ihn Lisbeth an. „Birkenhofbauer darfst mich aber nicht nennen," sagte er dann, „das ist der Valentin jetzt und ich sitz' auf dem Altentheil." „Und wie geht'« Euch, Vater?" fragte Lisbeth, sein vergrämtes, eingefallenes Gesicht und feinen abgetragenen Rock mitleidig betrachtend, „haust denn der Valentin ordentlich und ist die Söhnerin gut gegen Euch?" „Gut?" wiederholte der Alte grimmig. „Sie mißgönnt mir den Bissen, den ich in den Mund stecke; ich lebe ihr zu lange; und der Valentin haust so, daß der Birkenhof wohl nächstens auch in die Gant kommt." „Das sind ja böse Nachrichten, Vater," sagte Lisbeth. „Ich will Euch einen Vorschlag machen? zieht zu uns auf den Oedhof. Keine größere Freud' könnt' ich haben, als wenn ich Euch in Euren alten Tagen pflegen dürft'. Gelt, Frieder der Vater soll zu uns kommen?" Ein Strahl des Triumphes brach au» Frieders Augen, es war ein stolzer Augenblick für ihn, da er dem Birkenhofbauer eine Heimath auf feinem eigenen Hof bieten konnte. „Gewiß, Dein Vater soll uns von Herzen willkommen fein," nickte er Lisbeth zu. Aber in Widmer regte sich der alte Stolz und Trotz. „Nein," sagte er barsch, „ich will kein unnützer Brod- esser bei Euch sein." Frieder verstand seine Gefühle, und mit dem Taet des Herzens, den oft die schlichtesten Menschen besitzen, sagte er: „Das werbet Ihr nicht, so Ihr zu uns kommt, ich könnte Euren Rath gut brauchen, denn drüben treiben sie die Land- wirthschaft ganz anders als bei uns und da ich hier nur ein armer Tagelöhner war, weiß ich wenig Bescheid, wie so ein großer Hof bewirthschaftet werden muß." „Da hört Jhr's, Vater," fiel Lisbeth ein, „wir haben Euch recht nöthig. Komm', Lorenz," fuhr fie fort, als sie sah, daß Widmer mit sich kämpfte, „hilf Du den Großvater bitten, daß er zu uns zieht." Eben kam das Bernerwägelchen des Wirthe», das Frieder bestellt hatte, um nach dem Oedhof zu fahren. „Jetzt, Vater, steigt gleich mit uns ein," bat Lisbeth. Der Knabe aber faßte zutraulich die Hand des noch immer zögernden alten Mannes und sagte: „Ja, Großvater, fahr' mit und dann mußt Du auch bei uns bleiben und ich darf mit Dir die Pferde in die Schwemme reiten, wie der Peter erzählt, daß Du es ihn hast thun lassen." Widmer hob den Knaben auf feinen Arm und sah mit feuchten Augen in das lachende Kindergeficht. „Ganz mein Peterle," murmelte er, „da muß ich Dir wohl den Willen thun." „Und jetzt fahren wir nach dem Oedhof, den der Vater gekauft," rief der Knabe, „und ich darf neben dem Großvater auf dem Bock sitzen, gelt, Mutter?' Widmer wandte sich zu Lisbeth und sagte mit einem Lächeln, in welchem sich die verschiedensten Empfindungen stritten: „Sieh', Lisbeth, nun bist Du dennoch Oedhofbäuerin geworden, wie ich es gewollt." — Hochzeit, Hochzeitsreise und erstes Einlebefi daheim. (Schluß.) Von feinem etwas spöttischen Tone abgesehen, kann es nicht« Wahreres als diesen Ausspruch geben. Immer auf dem Gipfel eines Berges zu verweilen, geht nicht an, auch wenn es noch so schön da oben ist, das Hinabsteigen aber in das sonnenbeglänzte, weite Land zu unseren Füßen braucht deßhalb nicht weniger angenehm zu sein. Welch' neuvermähltes Paar wüßte nicht, wie das Verlangen nach der eigenen Häuslichkeit erst leise, dann immer lauter in die froheste Reiselust hinein« klingt, bis Herz und Fuß sich endlich, wie von unsichtbaren Händen gezogen, der Heimath zuwenden. Der eigene Herd! Welch' unnennbarer Zauber liegt für Ihn und für Sie in diesem Worte, gleichwohl ob Eltern und Schwiegereltern ihr Daheim bis zur geringsten Kleinigkeit ausgeschmückt und eingerichtet haben, oder ob ihrer zuerst eine Zeit reizender Unordnung wartet, in der sie auf Koffern statt auf Sesseln sitzen und den Kaffee je nachdem der Zufall es fügt, aus Töpfen, Gläsern oder Eierbechern trinken. Aber auch diese romantische Zeit vergeht und das lang zurückgedrängte Alltagsleben tritt in feine Rechte ein- Er muß Zeit und Aufmerksamkeit, die bisher ausschließlich Ihr ge- widmet waren, wieder auf seinen Beruf richten und Sie muß es lernen, für den größten Theil des Tages sich selbst über, lassen zu bleiben, und nur mehr die zweite Stelle in seinen Gedanken einzunehmen. Sie steht ein, daß es fo sein muß, aber es fällt Ihr schwer, stch daran zu gewöhnen; und das Bedauern, die Poesie der Flitterwochen so schnell mit der nüchternen Prosa der Werktage vertauschen zu müssen, ver- leitet Sie wohl dazu, ungerecht gegen Ihn zu sein und den Grund dieser Wandlung in einer Verminderung seiner Liebe zu suchen, statt in der durch den gewöhnlichen Lauf der Dinge hervorgerufenen, ganz natürlichen Veränderung der äußeren Verhältnisse. In den langen Stunden, da Amt ober Geschäft Ihn von Ihr ferne halten, kommt Sie sich vereinsamt und verlassen vor. Sie war nie so viel allein, Sie vermißt das laute, lustige Treiben der Geschwister, den traulichen Verkehr mit Jugendgespielinnen und Schulgefährtinnen, die neu eingerichtete kleine Wirthschaft gibt Ihr wenig zu thun, und — was Sie noch vor Kurzem für völlig unmöglich gehalten hätte, — Sie langweilt sich. Ueber die unnütze Stickerei in ihren Händen hinweg schweifen ihre Gedanken zurück zu ihrer fröhlichen Mädchen, zeit, in der kein Tag verging, ohne irgend eine heitere An. regung oder angenehme Abwechselung zu bringen. Jetzt foll Sie auf dies Alles verzichten, soll nur für den Einen da sein, aber dieser Eine nimmt stch nicht einmal immer Zeit, auf Sie zu achten. Der Abstand zwischen dem Leben eines gefeierten, viel, begehrten Mädchens und dem der jungen Frau, die ihr Glück einzig und allein in dem des Gatten suchen soll, der, wenigstens in feinen äußeren Liebesbezeigungen von Tag zu Tag kühler wird, ist in der That ein großer. Unwillkürlich fragt Sie sich, ob er das Glück, das Sie Ihm gewährt, auch in seinem vollen Werthe zu schätzen weiß, ob Sie nicht zu eilig in ihrer Wahl war, und ein Anderer sich vielleicht dankbarer für ihre Liebe erwiesen hätte. Das ist eine gefährliche Zeit für Sie, einer der Wendepunkte ihres Lebens, und auf ihn kommt es jetzt an, ob Sie es lernen wird, die stillen Freuden der Häuslichkeit allen anderen vorzuziehen, oder ob Sie sich gelangweilt von diesen abwenden und ihr Glück draußen suchen wird. Versteht Er es, Sie mit sanfter zärtlicher Hand von der seligen Höhe hochzeitlichen Glückes hinabzuführen in das All« tagsleben, weiß Er Ihr dies durch stets gleich bleibende Güis lieb zu machen, zeigt Er Ihr durch fein Vertrauen, durch die Theilnahme, die Er Ihr an seinen Arbeiten und Bestrebungen gestattet, daß Er mehr in Ihr sieht, als nur ein Spielzeug müßiger Stunden, daß Er Sie geistig als zu seinem Geschlecht gehörig erkennt, in Ihr seine Freundin und Ge- hülfin, seine Stütze und seinen Trost sieht, dann braucht Er nicht zu befürchten, daß Sie vom rechten Wege abtrren wird. Fühlt Sie stch mit Ihm Eins in ihrem ganzen Sein und Denken, dann wird Sie gern auf die Tändeleien der ersten Flitterwochen verzichten, und nicht erwarten, daß Er die Liebe, von der sein ganzes Wesen zeugt, immer von Neuem mit 183 - Worten betheuern soll. Ohnmächtig werden sich die kleinen Wellen täglicher Unannehmlichkeiten an dem Felsen brechen, auf dem Sie ihre Liebe gebaut weiß. Gern wird Sie Ihm glauben, wenn Er mit dem Dichter sagt: „Was Du mir bist? hör' ich Dich fragen, Du meinst, ich liebte einst Dich mehr l — So komm, leg an mein Herz Dich her, Und laß Dir's seine Schläge sagen." Und nachdem Er Ihr zugeflüstert, daß Sie Stern, Licht, Athem und Krone seines Lebens ist, mit den Worten schließt: „So schlägt mein Herz, so schlug es immer! O glaub' der treuen Purpurfluth Und birg beschämt der Wangen Gluth An meiner Brust und zweifle nimmer!" Aber auch für Ihn ist diese Zeit ersten Einlebens und Zusammenlebens nicht ohne Gefahren. Dickens läßt einen jungen Ehemann die Erfahrungen dieser Zeit höchst anschaulich berichten. „Es kam mir," sagte derselbe, „ganz außerordent» lich vor, meine kleine Frau immer um mich zu haben. Es war mir so ungewohnt, nicht mehr aurgehen zu müssen, Sie zu sehen, keinen Grund zu haben, mich ihretwegen zu ängstigen und unglücklich zu fühlen, keine Listen und Jntriguen mehr anwenden zu dürfen, um für Augenblicke mit Ihr allein zu sein. Manchmal des Abends, wenn ich von meiner Schreiberei aufblickend Sie mir gegenüber sitzen sah, lehnte ich mich in meinen Sessel und dachte darüber nach, wie sonderbar er sei, daß wir hier ganz allein mit einander waren, als ob sich das so von selber verstünde und keinem Menschen in der Welt etwas anginge, daß es mit aller Romantik unserer Brautzeit so ganz und gar vorüber sei, als hätten wir sie so fein säuberlich eingepackt und an einen sicheren Ort zur Aufbe. Währung fortgesetzt, daß wir Niemanden mehr zu gefallen brauchten, als nur uns Beiden, uns Beiden ganz allein und für's ganze Leben." Welcher jung verheirathete Gatte hätte sich nicht gelegent. lich ähnlichen Betrachtungen htngegebsn, die neben der schönen auch ihre bedenkliche Seite haben. Ist es doch, als ob in die Zeilen leise ein anderes Dichterwort hineinklänge: „Glück ist die Goldfrucht Hinterm Gitter, die Schranke sinkt und sie verlockt nicht mehr." Auf die Freude über die Erreichung des langerstrebteu und heiß ersehnten Zieles ist eine gewisse, selten ausbleibende Ernüchterung gefolgt. Noch sind Ihm die neuen Verhältnisse nicht zur zweiten Natur geworden, noch haben die häuslichen Gewohnheiten noch keinen so festen Halt über ihn gewonnen, daß Er sich nicht manchmal der früheren erinnern und Ver» gleiche anstellen sollte, welche nicht immer zum Vortheile der gegenwärtigen ausfallen. Wenn er an der Ungebundenheit und Sorglosigkeit früherer Tage denkt, wenn Ec sieht, wie seine College» und Freunde, sobald sie die lästigen Geschäftsstunden hinter stch haben, an nichts zu denken brauchen, als an ihr eigenes Vergnügen, wie sie überall die Gerngesehenen und Willkommenen sind, während Er nicht umhin kann, zu bemerken, daß der Nimbus, der Ihn früher in den Augen von Müttern und Töchtern umgab, gewaltig abgenommen hat, feit Er verheirathet ist; oder wenn durch eine Zufälligkeit erweckt, der alte, un« ruhige Wandertrieb, dem Er um Ihretwillen entsagte, plötzlich so mächtig in Ihm wird, daß der Gedanke, für immer an die Scholle gebunden zu sein, Ihm fast zum körperlichen Schmerze wird, dann kann es wohl kommen, daß ein Seufzer seine Brust hebt und Er der jungen Fran, welche sehnsüchtig auf Ihn wartet, kühl und wenig liebenswürdig erscheint. In Ihre Hand ist es in solchen Augenblicken gegeben, ob die Entfremdung eine flüchtig vorübergehende bleiben oder eine dauernde werden soll. Dann muß Sie, statt stch ihrer Empfindlichkeit hinzugeben und durch Schmollen und Kälte Ihm seine Häuslichkeit zu verleiden, Alles aufbieten, Ihm dieselbe lieb und angenehm zu machen. Dann ist es Zeit, alle Waffen Ihrer Liebenswürdigkeit aufzuwenden, all' die kleinen Künste hervorzusuchen und aufzufrischen, mit denen sie 184 — krzählmi stoßen. * Linst sein Herz gewann; und wenn Er Sie vor der Hochzeit umwarb und umschmeichelte, so ist jetzt die Reihe an Ihr, dies zu thun, und zwar nach allen Regeln der Kunst. Hält Sie das unter ihrer Würde, meint Sie seine Zärtlichkeit und Liebe als Ihr gutes Wort fordern, und sich nicht um etwas bemühen zu dürfen, was Ihr fchon von Gesetze» wegen zu- kommt, dann darf Sie sich eben nicht beklagen, wenn die Temperatur ihre» häuslichen Lebens allmählich eine so geringe wird, daß die Herzen, die erst so heiß für einander schlugen, darin erkalten und erstarren. Französischer Kartoffelsalat. Man verrührt 8 bis 4 harte Eidotter mit mehreren Eßlöffeln Olivenöl, einem Theelöffel Senf, einer fetngehackten Schalotte, etwas Zucker, Pfeffer, Salz, zwei Eßlöffeln Weineffig, einer Tafle aufgelösten Liebigs Fleifchextract und einigen Löffeln Bur» gunder- Mit dieser Sauce vermischt man in dünne Scheiben geschnittene, noch warme Salatkartoffeln, stellt den Salat mehrere Stunden kalt und garnirt ihn mit Kresse, die mit Essig und Oel angemengt wurde. * Billige Suppen von Roggenmehl. Man setzt 11/2 kg frische Knochen, auch Abfall von Fleisch mit 5 Liter Wasser aufs Feuer, schäumt es sorgfältig, fügt dann 1,4 kg gute» Roggenmehl und 1 Eßlöffel Salz hinzu; läßt dies zusammen 2 Stunden kochen, dann gießt man durch ein feines Sieb, läßt die Flüssigkeit noch einmal aufkochen und rührt Vorsichtig mit dem Gelb von Eiern an; V nachdem man die Suppe dick oder dünn liebt, kann man Wasser hinzuthu», nur muß es ordentlich damit aufkochen. Das angegebene Quantum reicht für drei Personen au». Rrdaction: A. Schetzda. — Druck und »erlag der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und Eteindruckerei (Pietsch & Tcheyda) in Gießen. „Ui für eine geklärten Ein Klange i herausfo Streit z durch nii Uni Worte ü mit zah worden t scher, ui nach jer höchst m In um dera sippi in weg Scl auf dem keinem P diesem, Wallung Wohlbefi „S Mister H fragte fd mernden soll über zu bleibe gedacht l „Si verdient Sprecher Nachdenk GsineiniMtziges. Zum Einölen der Fußböden hat sich folgende Mischung sehr gut bewährt: Auf l'/r Kilogramm rohes Leinöl nimmt man 500 Gramm Terpentin, rührt beides durcheinander und reibt den Boden mit einem wollenen Lappen tüchtig ein. 2—3 Tage lang darf das Zimmer nachher nicht betreten werden. D ese Mischung harzt nicht, und es kann für die Zukunft der Boden ganz wie Parquet be- handelt werden. Will man die» nicht, so bestreiche man ihn später wieder einmal auf obige Weise- Zerbrochenes Glas kann auf folgende Weise ausgebessert werden: Man nehme einige Zehen Knoblauch, binde sie in einen Lappen, lege sie in eine zinnerne Pfanne und stampfe sie mit einem Hammer, um den Saft auszupreflen. Man befeuchte die zerbrochenen Ränder des Glases mit diesem Safte und binde sie fest aufeinander, stelle den Artikel auf eine Platte oder sonstige horizontale Fläche und lasse ihn so 13 Tage lang ruhig stehen. * Schirme wasserdicht *zu machen. Ein Theil Paraffin zu 10 bis 15 Theilen Benzon oder ein Zoll lange» Stückchen einer Parasfinkerze wird geschabt und in ein Gla» mit 120 Gramm Benzon gebracht. Das Paraffin löst fich beim Schütteln sofort. Nun spannt man den Sckirm auf, versichert sich, daß kein brennendes Licht in der Nähe und übergießt rasch, in Spirallinien anfangend den ganztn Schirm. Spinat. Nachdem derselbe gelesen und mehrere Male gewaschen ist, wird er i« kochendem Wasser aufs Feuer gesetzt. Wenn er weich, gibt man ihn in einen Durchschlag, übergießt ihn mit kaltem Wasser, drückt ihn gut au» und hackt ihn fein. Jetzt gibt man ihn in bräunlich mit Butter geschwitzter Mehl und Zwiebeln, gießt Bouillon zu, reibt etwas Museal und Salz daran und läßt ihn noch einige Mal auf- Litevarnsches „Hinaus in die freie Gottesnatur!" so ruft schon jetzt von allen Seiten der herrliche Frühling den erholungsbedürftigen Menschenkindern zu. Gerade jetzt ist die Zeit da, wo die Damenwelt daran denken muß, ihre Garderobe re. für die Reise in den Stand zu setzen! In allen Toilette-Angelegenheiten maßgebend ist die im vornehmen Groß-Folio- Format erscheinende „Groß« ModtUWell^ mit bunter Fächer- Vignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin "W. 35. Jede 14tägige Nummer enthält: Erste Pariser, Wiener und Londoner Modelle, einen großen, doppelseitigen Schnittmusterbogen und von allen Modejournalen die meisten Schnitte. In der neuesten, reich illustrirten Belletristik erscheint eine hochinteressante Novelle des beliebten Autors Max Kretzer. Mehr als 50 herrliche Moden-Genrebilder, die das Auge jedes Kunstfreundes fesseln, mehr als 120 ausgeprobte Schnitte, ein farbenprächtiges Stahlstich-Moden-Colorit, eine große Extra-Handarbeitenbeilage, ein fein stylisirter Modenbericht, reich illustrirte Belletristik, Hausfrauenzeitung re. umfaßt diese herrliche, vom Frühling auf den Sommer überleitende neueste Nummer. 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Sie: „Sage 'mal, Männchen, was ist denn das eigentlich mit dem großen Aerolithen?" — Er: „Das ist ein enormer Himmelskörper, der nach der Voraussage eines spanischen Gelehrten demnächst über der Erd« zerplatzen soll, und dessen Trümmer Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland verwüsten werden." — Sie: „Was soll ich denn dazu anziehend" ♦ * ♦ Falsch verstanden. Vater (zu seinem Sohn, einem Studenten): „Schämst Du Dich nicht, einen Anzug, den Du schuldig bist, zu tragen?" — Sohn: „Host Recht, ich werbe ihn versetzen." * , Zerstreut. Professor:*„Jch bin eigens hieher gereist, um ihre berühmte Münzsammlung zu bewundern." — Händler: „Gerade diese ist mir heute Nacht gestohlen worden!" — Professor: „O, wie fatal! — — Und die Adresse der Diebe könnten Sie mir nicht sagen?" * Anzüglicher Wunsch* Bei einem Festmahl, das zu Ehren eines Possendichters anläßlich de» jüngsten Kinde» seiner Muse gegeben wurde, erhob einer der Theilnehmer sein Glas und rief aus: „Der Herr Verfasser lebe hoch I Möge er so alt werden wie — seine Witze!" ♦ » Der Knallprotz. „. . . Das Wort „Geldnolh" kennen der Herr Commerzienrath wohl nicht?" — „O, was glauben Sie! — Bei diesen schlechten Zeiten habe ich manchmal keine — tausend Mark in der Tasche!"