's -----.................—’ üiniik'li(>rdlk’i’ MM MW ^WA SteWetiEK1 NML ^-ÄKE^S ;RjS?^P^Wi üffil Unterhaltungsdlatt zum Gießener Anzeiger (Oeneral-AnMger) Digitalis purpurea. Eine Erzählung nach dem Leben von A. Oscar Klaußmann. (Schluß.) Der Postenführer musterte Brettschneider einen Augen» blick, kam dann auf ihn zu und reichte ihm die Hand. „Hab' die Ehr'," sagte er, „Sie sind doch der Herr Professor aus Breslau, der in Ernstdorf wohnt. Habe schon einmal das Vergnügen gehabt, mit Ihnen dort zusammen zu sein. Es war vor ungefähr vierzehn Tagen. Mein Name ist Bundari." „Ah, Herr Postenführer, jetzt erkenne ich Sie. Ist mir außerordentlich angenehm. Wollen Sie nicht die Güte haben, bet mir Platz zu nehmen." „Küß' die Händ, außerordentliche Ehre für mich, Herr Professor." In wenigen Minuten war Brettschneider mit dem eben so liebenswürdigen wie sür seine bescheidenen Beamtenverhält' nisse recht gebildeten Manne in einem interessanten Gespräch. Die Gendarmen waren auf einer Streife und hielten in der Schenke Mittagsrast. Auch Brettschneider erzählte von seinem kleinen Ausfluge, und es war eigentlich ganz selbstverständlich, daß er auch seiner Begegnung mit Brinkmann»Kecskemet Erwähnung that und dem Postenführer erzählte, auf welch sonderbare Weise er mit dem Manne schon im Leben zusammengekommen sei. Der Postenführer hörte aufmerkiam zu, dann machte er sich einige Notizen in seine Brieftasche und sagte: „Den Mann müssen wir uns schon einmal näher an- schauen." „Ich will den Mann nicht weiter verdächtigen, Herr Postenführer!" „Bitte, das hat keinen Anstand, ich will mir nur diesen einsamen Kurgast in Ladna anschauen ganz von Weitem, ohne daß er etwas merkt. Wissen Sie, Herr Professor, der Mann hat Sie schon angelogen. Wer lügt, der macht auch schlimmere Sachen- In ein paar Täg' kann ich Ihnen vielleicht schon sagen, was das für ein Cadett ist. Ist er ein harmloser Kerl, nun, um so besser für ihn- Hab die Ehr', küß' die Hand, Herr Professor, wir müssen schauen daß wir weiter kommen." Die Gendarmen brachen auf und auch Brettschneider machte stch auf den Weg nach der Station, von der er noch eine mehrstündige Eisenbahnfahrt bis nach Ernstdorf zurückzu» legen hatte. Es waren ungefähr vierzehn Tage vergangen. Brettschneider hatte seine Sachen schon gepackt, um nach Breslau zurückzukehren, da die Univerfitätsferien zu Ende gingen. Da erhielt er unmittelbar vor der Abfahrt einen Brief des Bezirksgerichtes in Tefchen, in welchem er aufgefordert wurde, in einer Criminalangelegenheit nach Tefchen zu kommen. Unkosten würden ihm selbstverständlich vergütet werden. Erbeschloß, dieser Aufforderung Folge zu leisten, obgleich er sich nicht erklären konnte, um was es stch handle- Die Angelegenheit BrinkmanN'Kecskemet hatte er schon vollständig vergessen, zumal er den Mann gar nicht wieder gesehen hatte- Er fuhr mit dem nächsten Morgenzuge nach Tefchen und meldete sich hier im Bezirksgericht- Er wurde vor den „staatsanwaltlichen Functionär" geführt, einen Herrn, der trotz seiner Uniform ein sehr liebenswürdiger, jovialer Mann war- „Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Herr Privat- doeent! Wirklich eine außerordentliche Ehre! Ihr Herkommen ist im letzten Augenblicke gegenstandslos geworden, denn der Mann hat ein umfassendes Geständniß abgelegt, allerdings erst heut früh. Nun Sie einmal da sind, kann ich Ihnen doch gratuliren, von ganzem Herzen gratulirenl" „Ist danke bestens!" entgegnete Brettschneider, trotzdem er nicht wußte, wozu ihm der staatsanwaltliche Beamte gratulirte. „Es freut mich sehr, Herr Privatdocnt, daß Sie gerade unseren Bundari auf die Sache aufmerksam gemacht haben. Der Mann ist ein unbezahlbarer Executivbeamter- Ein Anderer wäre gar nicht zu solchem Resultat gekommen. Die Hauptsache aber war doch, daß Sie ihn aufmerksam machten, und bet der Verkeilung der Gelder wird auch genügend darauf Rücksicht genommen werden. Ich kann es Ihnen jetzt schon verrathen, daß auf Ihren Antheil über achttausend Gulden kommen. Sie können das Geld schon in einigen » 386 - Tagen in Empfang nehmen. Ich freue mich, daß Sie das Glück gehabt haben. Sie machen gewiß mit dem Gelbe eine große Studienreise, und so hat halt die Wissenschaft wieder einen Vortheil davon. Nochmals meinen besten Glückwunsch!* Brettschneider wurde ganz verwirrt. Er sollte achttausend Gulden bekommen? Soviel Geld hatte er sich ja noch nie auf einem Haufen denken können, und wofür sollte er denn die riesige Summe erhalten? Er machte wohl ein sehr erstauntes Gesicht, der Beamte lächelte und sagte, nachdem er geklingelt hatte: „Sie können sich den Mann gleich ansehen. Sie haben ja auch schon in Breslau mit ihm zu thun gehabt." Wenige Minuten später brachten zwei Gendarmen den Brinkmann-Kecskemet in das Zimmer geführt. „Kennen Sie diesen Herrn? Erinnern Sie sich, diesen Herrn da schon einmal gesehen zu haben?" „Nein!" entgegnete der Arrestant. Der Staatsanwalt erzählte in raschen Worten den Vorfall im botanischen Garten zu Breslau, und der Verhaftete sagte mit mattem Lächeln: „Ach Sie sind es, Herr Doctor I Nun erkenne ich Sie." BrinkmanN'Kecskemet wurde abgeführt, und Brettschneider erklärte: „Nun, Herr Staatsanwalt, bitte ich Sie um gütige Aufklärung über die ganze Angelegenheit, denn ich verstehe kein Wort davon." Der Staatsanwalt nahm ein Aetenstück zur Hand, blätterte in demselben und sagte dann: „Hier ist die erste Anzeige de» Postenführers Bundari, in welcher er mittheilt, daß Sie ihn auf einen verdächtigen Mann in Ladna aufmerksam gemacht haben. Hier ist einige Tage später eine zweite Meldung desselben Beamten, in welcher er mittheilt, er glaube einem Verbrechen auf der Spur zu sein. Der Verdächtige sammle Giftkräuter und gebe Thee davon der weiblichen Person zu trinken; es sehe aus, al» beabsichtige der Verdächtige eine langsame Vergiftung der Frauensperson, die ihm vielleicht irgendwie im Wege sei. Gleichzeitig bat Bundari mit dem letzten Bericht um die Zusendung einiger alter Nummern von Späheblättern, durch welche Verbrecher steckbrieflich verfolgt werden, weil ihm die kranke Schwester des Verdächtigen selbst sehr verdächtig vorkam. Mit dieser Sache hat nun Bundart einen großartigen Griff gemacht. Vor länger als zwei Jahren ist auf ihrem einsamen ungarischen Schlöffe die reiche Gräfin Miskolos verstorben. Bald nach ihrem Tods entdeckte man, daß nicht weniger als neunmalhunderttausend Gulden in Staatspapieren fehlten, die zugleich mit der Kammerjungfer der Gräfin verschwunden waren. Man nahm an, die Kammerjungfer sei nicht die Diebin, sondern sei zu dem Diebstahl von einem entfernten Verwandten der Gräfin, einem verkommenen Sub- jecte, angestistet worden. Da das Mädchen spurlos verschwunden war, nahm man an, daß dieser Verwandte sie mit Gewalt bei Seite geschafft habe, zumal auch er nicht zu entdecken war. Es wurde von den Erben der Gräfin die Summe von zwanzigtauend Gulden auf die Wiederbeschaffung des verschwundenen Geldes ausgesetzt; aber alle Nachforschungen waren vergeblich. Da brachten Sie Bundari auf die Spur. Der angebliche Brinkmann mit seiner angeblichen Schwester ist der entfernte Verwandte der verstorbenen Gräfin und deren Kammerjungfer. Die Beiden haben stch gut verborgen gehalten, und der angebliche Brinkmann hat dem Mädchen nach dem Leben getrachtet, nicht nur, um die Mitwisserin los zu werden, sondern um auch in den Alleinbesitz des gestohlenen Geldes zu gelangen, welche» verstegelt unter falschem Namen bei einem Wiener Bankier deponirt war- Die Kammerjungfer war brustleidend und wird wohl an der Schwindsucht sterben. Angeblich um ihr zu helfen, in Wirklichkeit aber um ihren Tod zu beschleunigen, hat ihr der Verbrecher wochenlang schwache Abkochungen der Blüthen und der Blätter von digitalis pur- purea beigebracht. Das Mädchen hat dieses angebliche „Hausmittel" willig genommen, da es stch wegen etwaiger Entdeckung fürchtete, einen Arzt zu consultiren. Als das Frauenzimmer erfuhr, daß ihr Mitschuldiger ste vergiften wollte, hat sie aus Rache ein vollständige« Geständniß abgelegt und auch verrathen, wo sich die deponirten Werthpapiere befinden. Der angebliche Brinkmann hat bis heut' geleugnet, aber stch jetzt doch zu einem Geständniß entschlossen. Das ist der Zusammenhang. Die Prämie für die Wiederbeschaffung des Geldes kommt nun zur Vertheilung, und wie ich Ihnen bereits mittheilte, kommen auf Ihren An« theil gegen achttausend Gulden, der Rest wird unter die Gendarmen vertheilt." Ein halbes Jahr später saß Brinkmann »Keerkemet zu fünfzehn iJahren schweren Kerkers verurtheilt in Haft, während seine angebliche Schwester, die schon während der Untersuchung an der Schwindsucht verstorben war, im Grabe ruhte. Der Privatdocent Brettschneider aber befand sich auf einer Studienreise nach Südamerika, wohin zu gehen er sich schon zeitlebens gewünscht hatte. Der Prämienantheil für die Beschaffung der verschwundenen neunhunderttausend Gulden hatte ihm diese Reise ermöglicht. Wenn er zurückkommt, wird er wohl ordentlicher Pro« feffor werden. Ein Besuch im Kaukasus. Reise-Erinnerung von L. v. Persinky. —---- (Nachdruck verboten.) Bei einem Aufenthalte in Odessa hatte ich zufällig die Bekanntschaft des Lesghiersürsten Turak Bey gemacht und war von ihm auf das Freundlichste eingeladen worden, ihn in seinem Aul zu besuchen, wenn mich je einmal mein Weg nach dem Kaukasus führen sollte. Diese Gelegenheit war nun gekommen und da mich der alte, aber noch sehr „schneidige" Herr ungemein interessirte, so beschloß ich, von der Eisenbahnstation P. aus einen Abstecher nach seinem mehrere Meilen von letzterer entfernten Wohnsitze zu unternehmen. Da P. zugleich Militärstation war, so ersuchte ich den Commandanten, Capitän Usipoff, mir einen der Gegend kundigen Kosaken al» Führer und Begleiter zu stellen, welchem Wunsche auch in liebenswürdiger Weise entsprochen wurde. Am Morgen nach meiner Ankunft in P. ritt ich in Begleitung Iwans, meines Kosaken, ab. Es war ein prächtiger Septembertag und noch recht warm lag die Sonne auf der romantischen, beinahe noch in sommerlicher Pracht erprangenden hohen Hügellandjchaft, welche sich ringsum ausbreitete. Lustig galoppirten wir auf der vortrefflichen breiten Straße dahin, welche von P. aus nach dem höher in den Bergen gelegenen Fort Z. führte, und dem wir eine Zeit lang zu folgen hatten, der Weg nach Balachulgho, dem Aule Turak Beys, abzweigte, wie mir der Kosak mittheilte. Wir mochten etwa eine halbe Stunde abwechselnd in Galopp und flottem Trab zurückgelegt haben, als wir an eine Stelle gelangten, von welcher ein ziemlich primitiver Weg in westlicher Richtung die Hauptstraße verließ; es war die Route nach Balachulgho, wie ich von Freund Iwan hörte- In die Betrachtung der sich vor meinen Augen ausbreitenden pittoresken landschaftlichen Scenerie versunken, ritt ich dahin; plötzlich schreckte mich aus diesem beschaulichen Zustande der hinter uns ertönende Klang eiliger Hufschläge auf. Rasch wandte ich den Kopf und blickte zurück, um nun zu meiner Verwunderung zu gewahren, daß eine Schaar von mindestens fünfzig bis sechzig Reitern auf prächtigen Rossen dahergesprengt kam. Es mußten vornehme Lesghier sein, denn sie trugen zwar die übliche Landestracht, aber alles in kostbaren Stoffen, wie ich beim Näherkommen der Reiter sehr wohl bemerkte, auch waren die als Kopfbedeckung dienende Pelzmütze, die gebogenen Säbelscheiden der Reiter und da« Sattel- und Zaumzeug der wirklich herrlichen Pferde reich mit Edelsteinen - 88t ■-* verziert. In stolzer Haltung, mich gemessen, aber durchaus nicht unfreundlich, grüßend, galoppirten die Lesghier an mir und meinem Begleiter vorbei, allen voraus ein kühnblickender Jüngling in besonders reicher Tracht und auffallend vor» «ehmer Haltung. Ich schloß mich den letzten der fremden Reiter an', und da mir der kürinische Dtaleet der lesghischen Sprache einigermaßen geläufig war, so gelang mir rasch eine leidliche Verständigung mit denselben. Zu meinem nicht geringen Erstaunen erfuhr ich jetzt von den neben mir hintrabenden Lesghiern, daß der stolze Jüngling an der Sitze der stattlichen Cavalkade Niemand anders al« der älteste Sohn Turak Beys, Jasstsch Suleiman war, der sich nach langem Fernsein vom väterlichen Aul auf der Heimkehr zu letzterem befand. Die Reiter, die ihn ^begleiteten, waren Usden Edelleute, aus Balachulgho und aus den benachbarten Auls und holten nun nach alter tscherkessischer Sitte den Sohn ihres Fürsten oder Häuptlings bei der Heimkehr nach dem Vaterhaus ein. Kaum hatte ich mich als feinen Freundj Turak Beys zu erkennen gegeben, so sprengte einer der Reiter mit verhängten Zügeln nach der Spitze desjZuges, um Jasstsch Suleiman die soeben erhaltene Nachricht zu übermitteln. Der junge Fürstensohn, der ein gutes Stück Weg uns Anderen vorausgeeilt war, erwartete mich an einer Biegung der einfachen Straße und begrüßte mich, meinen Namen nennend, mit ungezwungener Herzlichkeit, versichernd, er kenne mich bereits aus den Mitthellungen seines Vaters. In seiner Gesellschaft legte ich den noch übrigen Thetl de» Weges nach Balachulgho in angeregtem Gespräch zurück: Hierbei will ich eiuschalten, daß bei den vornehmen Tscherkeffen - Familien theilweise noch heute der Brauch besteht, daß die Söhne gewöhnlich schon im zarten Kindesalter aus dem Hause gegeben und einem Erzieher, dem Atalik, der ost in einem ganz entfernten Theil des Kaukasus wohnt, anvertraut werden. Der Atalik braucht keineswegs aus angesehenem Hause zu stammen, aber er muß körperliche und geistige Vorzüge aufwetsen und namentlich in den ritterlichen Uebungen der tscherkessischen Stämme ein Meister sein. Wenn der Atalik das Werk der Erziehung bei dem ihm übergebenen Jüngling für vollendet hält, so bringt !er denselben dann nach dem väterlichen Aul zurück, während die Verwandten und Bekannten der Familie den Heimkehrenden unterwegs jubelnd „einholeu." So war es auch mit Jesstsch Soliman geschehen, und getreulich hielt sich sein Atalik, eine krastvolle Männergestalt mit ungemein ausdrucksvollen Zügen, immer dicht hinter seinem bisherigen Pflegebefohlenen, erlischt doch auch die Verantwortlichkeit des Atalik« für seinen Zögling erst in dem Moment, in welchem derselbe wiederum die Schwelle des väterlichen Heims überschreitet. Der wettere Weg nach Balachulgho wurde ohne irgend welchen Zwischenfall zurückgelegt Schier wie im Triumph ritt unsere Gesellschaft in den Aul ein, von dem Freudengeschrei der zusammenströmenden Bewohnerschaft, von lärmender Musik und den obligaten Freudenschüffen empfangen. Vor dem Hause Turak Beys stand bereits der Fürst, seinen Sohn erwartend und ihn nun mit fichtltchem Stolz begrüßend; der Empfang des Atalik durch den Herrn des Hauses trug einen sehr ausgezeichneten Character. Ich hatte mich zuletzt etwas im Hintergrund gehalten, aber jetzt entdeckte mich der Adlerblick Turak Beys, in seinen kühngeschnittenen Zügen spiegelte stch freudiges Erstaunen wieder, und rasch winkte er mich zu sich heran, mir kräftig die Hand schüttelnd und ungekünstelt seine Genug- thuunz über mein unvermuthetes Erscheinen in dem Aul Ausdruck verleihend. Nachdem ich in dem Hause Turak Beys zunächst ein Bad genommen, begann das Festmahl anläßlich der glücklichen Heimkehr Jesstsch Solimans, welches für die vornehmeren Gäste und die Verwandten der Familie des Hausherrn in einem großen Saale zu ebener Erde vor stch ging, während die geringen Gäste, zu denen auch Freund Iwan zählte, an laugen einfachen Tischen vor dem Hause gespeist wurden. Unser Mahl bestand aus zahlreichen, sehr schmackhaft zubereiteten Fleischgerichten, welche m>t süßen Speisen abwechselten, dazu wurden Scherbet und andere kühle Getränke getrunken, gegen Schluß der Tafel reichten die Diener den starken Thee in vergoldeten Miniaturtaffen herum. Nach dem Essen wurde bi» zum Abend geruht, dann holte mich Jesstsch Soliman aus dem Gemach, das mir angewiesen worden war, zu einem mir ganz neuen Schauspiele ab, das im Vorhause alsbald in Scene ging. Hier war eine nach europäischen Begriffen allerdings sehr anspruchslose Musikcapelle aufgestellt, bestehend aus zwei Flötenspielern — Dudukys — und zwei Männern, welche mit dünnen Stöckchen auf einem von einem anderen Manne gehaltene kleine Pauke, den Dimeplipito, schlugen. Auf dem Teppich aber, der die Mitte de» Estrich» bedeckte, producirten sich drei persische Bajaderen, ein dichtgedrängter Zuschauerkceis umgab dieselben; die ganze Scene wurde durch auf Stöcken getragene Lampen erleuchtet. Die drei Bajaderen waren in kostbare Gewändter gekleidete, die langen golddurchwirkten Schleier und die langen Gewänder aus weißer Seide gaben ihnen fast das Aussehen von Vestalinnen. Alle drei tanzten mit außerordentlicher Anmuth und Grazie nach dem Rythmus eines eigenthümlichen halblauten Gesanges der drei Tanzenden und beschrieben hierbei die elegantesten Drehungen und Wendungen, dabei in allen ihren Bewegungen eine bemerkenswerthe Decenz beobachtend. Als der Tanz beendet war, warf Turak Bey den Perserinnen einige Geldstücke zu, auch die anderen Zuschauer kargten nicht mit klingenden Zeichen der Anerkennung. Am folgenden Tage verließ ich mit Iwan wieder die gastliche Stätte, obwohl Burak Bey meine Wiederabretse durchaus noch nicht zugeben wollte. Indessen Soliman ließ es sich jedoch nicht nehmen, mir bis zu der Eisenbahnstation, von welcher ich meine Reise fortzusetzen gedachte, dar Geleits zu geben. _____________ Gemeinnütziger. Ernts und Aufbewahrung des Sommerobstes. Wir haben hier vor allem die gegenwärtig in vielen Gärten in großer Menge zur Reife kommenden Sommerund frühen Herbstbirnen vor Augen, welche einmal reif geworden, rasch dem Verderben unterliegen und zu keiner Ver- werthung gelangen: es empfiehlt sich daher, dieselben, wenn sie für den Markt oder anderweitige Verwendung bestimmt find, vor ihrer vollen Baumreife, also beim Beginne ihrer Färbung, zu pflücken, sie in kühlen Räumen aufzubewahren und nachreifen zu lassen, wodurch insbesondere da« häufige Mehligwerden, infolgedessen der Wohlgeschmack bedeutend leidet, verhindert wird. Die meisten Sommerbirnen erhalten' sogar bei der Nachreife in der Obstkammer erst die volle Ausbildung ihres Wohlgeschmackes; eine Ausnahme hiervon macht nur die bekannte Salzburger Birne, die am jBaume fast vollkommen gelb geworden, an Wohlgeschmack bedeutend gewinnt- * e Woran lassen sich giftige Pilze erkennen? Von Kennzeichen, welche den Verdacht der Giftigkeit erwecken, können nur zwei berücksichtigt werden: Pilze, deren Fleisch nach dem Brechen unter Zutritt der Luft alsbald blau wird, sind zu meiden, ebenso solche, deren Fleisch blasig und schwammig ist. Ein zweites Kennzeichen ist folgendes. Wenn die nach Entfernung der Schale mit einem goldenen Ring geriebene Stelle gelb oder bräunlich erscheint, so ist der Pilz verdächtig. Eßbare Pilze haben derbes Fleisch und die Äruchfläche behält ihre natürlichere Farbe. Einfluß der Todesart auf die Haltbarkeit der Fische. Es ist für die Conservirung der Speisefische nicht gleichgiltig, ob man dieselben, wie so vielfach geschieht, außer Wasser einfach ersticken läßt, oder ob man ihnen durch einen Schlag auf den Kopf da» Gehirn zertrümmert. Er- 388 — stickte Fische gehen früher und schneller in Fäulntß über als abgeschlachtete. Was das Abschlachten der Fische betrifft, so ist die holländische Sitte die beste, weil man dort die Thiere nie langsam zu Tode quält, sondern sie schlachtet und dadurch nicht allein die Fischspeise gesund und ihrem Werth angemessen zu erhalten sucht, sondern auch zugleich einen Act der Humanität ausübt. In Holland trennt man mit einem scharfen Messer mittelst eines einzigen tiefen Schnittes das Gehirn vom Rückgrat, wodurch man den Fisch sofort tödtet. Die Vorzüglichkeit, welche den holländischen Fischspeisen nachgerühmt wird, dürfte damit zusammenhängen. ♦ • Reinigung gebrauchter Rothweinflaschen. Eine der größten Unanehmlichkeiten für Weir Händler und Wein- consumenten besteht in der Schwierigkeit, den durch eine unlösliche Verbindung gewisser Extractivstoffe des Weines mit dem Farbstoffe desselben bei längerem Lagern sich bildenden Belag der Flaschenwandungen zu entfernen, da in den meisten Fällen der zu einer mechanifchen Reinigung erforderliche Zeitaufwand nicht durch den Werth der Flasche ausgewogen wird und die Anwendung auflösender chemischer Mittel nur von mangelhaftem Erfolge begleitet ist. Eine schnelle und gründliche Reinigung der beschlagenen Flaschen kann daher allein durch vollständige Zerstörung der fraglichen Substanz bewirkt werden. Am leichtesten und wohlfeilsten geschieht dies durch Verdunstung von Salpetersäure, doch muß hierbei mit Vorsicht verfahren werden, da andernfalls Hände und Kleider empfindliche Beschädigungen erleiden können. Man füllt mit Hülfe eines Glastrichters die Flasche mit der genannten Säure, gießt hierauf den Inhalt derselben in eine zweite, dann aus dieser in eine dritte Flasche und so fort, so daß sämmtliche Flaschen auf ihrer gesammten Innenfläche mit Salpetersäure benetzt werden, worauf man ste mindestens vierundzwanzig Stunden lang stehen läßt und schließlich mehrmals mit Wasser gut ausspült. Bei Flaschen, in denen der Beschlag eine beträchtliche Stärke erreicht hat, muß das Aus- schwenken mit Salpetersäure wiederholt werden. Die Aufbewahrung der Salpetersäure hat stets nur in mit Glasstoppeln versehenen Flaschen zu geschehen. ♦ ♦ Gegen die lästige Ausdünstung der Vogelkäfige und Volieren bestreut man die Böden der Käfige zuerst mit einer Schicht Feldgyps, hauptsächlich da, wo sich die Trink- und Badgefäße befinden. Ueber diese Gypsschtcht streut man den gewöhnlich verwendeten Sand. Dasselbe Mittel ist auch auf Taubenböden und in Hühnerställen mit bestem Erfolge anzuwenden und umsomehr, als der Gyps die Dungkraft des Vogelmistes erhöht und vermehrt. O ♦ O Vertilgung des Schimmels in Kellern. Ein sicheres Mittel zur Beseitigung des Schimmels in den Kellern ist ungelöschter Kalk. Derselbe wird in Form eines feinen Pulvers mittelst eine» Blasebalges an die Wandungen des Kellers und in die Fugen und Ritzen geblasen oder auch mit ? der Hand gestreut. Die Wände müssen feucht sein, trockene ' Keller werden vorher tüchtig durchnäßt. Der Kalk löscht sich mit dem den Wandungen anhaftenden Wasser ab und tödtet alle Organismen. Am folgenden Tage läßt man die Wände abwaschen. Humoristisches. Verrätherisch. Mutter (nach der Schlittenparthie): „Das war das letzte Mal, daß Du mit dem Asseffor zusammen gefahren bist . . . Du hast Dich von ihm küssen laffen!" — Tochter: „Aber Mama ..." — Mutter: „Leugne nicht, alle anderen Herren hatten Eis im Schnurrbart, nur er nicht!" Schlechtes Renommee. Erster Gauner: „Du Karl — wat meenste zu dem Rechtsanwalt Müßer?" — Zweiter Gauner: „Mit dem is nifcht ... der hat mich schon mal zu drei Jahren Zuchthaus vertheidigt!" ♦ * * Galanterie. Fräulein (in der Sommerfrische): „Ach, wie köstlich das Heu duftet!" — Bauer: „Darf ich Ihnen vielleicht a Sträußerl z'sammenbinden, gnä' Fräul'n?" * * * Unter Gymnasiasten. A.: „Ich hätte sehr gern unter der Regierung von Chlodwig gelebt." — B.: „Warum?" — A.: „Weil man weniger französische Geschichte hätte lernen müssen." ♦ • Wink. Herr: „Ihre Frau Mama stottert?" — Fräulein: „Allerdings — aber „ja" kann sie fließend sagen." * ♦ * Devot. Bedienter (zu seinem Herrn, der stark zu schnupfen gewohnt ist): „Gnä' Herr, die gnä' Ras' tropft!" * • * Praktisch. Frau: „Du solltest Dir doch endlich einen Schirm kaufen, wo es jetzt alle Tag regnet!" — Mann: „Ach wo, ich bringe morgen den Professor Meier mit, der läßt den seinigen gewiß wieder 14 Tage bei uns stehen!" * • * Feiner Unterschied. Diener: „Da hat Jemand einen Brief an Herrn Lieutenant abgegeben." — Lieutenant: „Gewiß von einem meiner Gläubiger?" — „Dem Geruchs nach, Herr Lieutenant, ist er von einer Gläubigerin." • Aus der Kinderstube. Mutter: „So, Kinder, jetzt spielt artig zusammen,: Emma ist das Kind und Linchen da« Kindermädchen. Was willst Du fein, Karlchen?" — Karl: „Ich bin der Soldat." ♦ Größenwahn. „Du, Sepp, Deine Kuh schaut aber stolz drein!" „Wundert mich nöt! Wir haben jetzt eine Gräfin in der Sommerfrische bet uns und für die wird sie täglich gemolken!" ♦ Er tappt. Köchin (zum Gefreiten nachdem Willkommkuß): „Willem, Du betrügst mir! Dein Kuß schmeckt nach italienischen Salat — und den haben sie heute drunten bei Geheimrathr." * , ♦ Unterschied. „Sie fahren zweiter Klasse?" „Wegen meines Ranges! . • Und Sie?" „Dritter Klaffe — wegen meiner Rangen!" * * ♦ Natürlicher Vorgang. „Wer war denn der Herr, den Ste soeben grüßten; der sah ja so heruntergekommen aus?" „Das war ein ehemaliger Luftschiffer." Literarisches Ein herrliches, stimmungsvolles Gemälde von Carl Zwey: „Für die Mutter Gottes," schmückt in kunstvoller Reproduction