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(Fortsetzung.) „Aber Herr Doctor," erwiderte Aennchen tief gekränkt, „ich schaue gewiß keinem jungen Mann jemals zu tief in die Augen, und taub und blind bin ich auch nicht; ich habe es längst gemerkt, wie es um den Aermsten steht und daß die schöne Gräfin ein böses Spiel mit dem unglücklichen Maler getrieben hat." „Still, still, Aennchen, keine Namen nennen !" unterbrach sie der Doctor und verabschiedete sich dann, ihr aus dem Wagen noch lachend zurufend: „Wirst auch noch an die Allgewalt der Liebe glauben lernen, kleine Spröde; gerade solche kaltherzigen, klugen Mädchen werden oft am ärgsten davon gepackt." „Nie! Niemals!" rief Aennchen und eilte in's Haus. Graf Tannen hatte in höchster Erregung dieser Gespräch, ohne daß er es eigentlich beabfichtigt hatte, seitwärts stehend belauscht. Jetzt trat ii näher an das Haus heran und blickte durch die weit geöffneten Fensterscheiben gerade auf das Krankenbett. Da lag.E,dem weißen Kissen das blaffe, bis zur Unkenntlichkeit Gefallene Antlitz Herberts Brands; und so traurig, so erschütketyd dieser Anblick auch war, dem edlen Grafen Tannen brachte er doch Erlösung, Befreiung von all' seinen quälcuden Gedanken und Vorstellungen. De: Kranke schien zu schlafen und der Mann, der dort .:ben dem Bette saß, hatte wohl die Nachtwache übernommen. „Das ist ja Hagen," murmelte der Graf betroffen, al« er das feingeschnittene Gesicht des neben Brands Bette sitzenden Mannes näher in Augenschein nahm. So waren also die Beiden vereint, über deren Lebensweg Jsold ?« leichte, gaukelnde Gestalt geschwebt, ihnen beiden zum Verovrben. Wie wunderbar doch oft das Schicksal waltet! Aus Freundes Mund wird Herbert nun wohl erfahren, wie wenig Isolde seiner Liebe werth gewesen, und dieser Freund, um dessen Lippen so ein herber, weltverachtender Zug spielte, wird den Genesenden auch heilen von aller irrenden Schwärmerei und ihn auf andere, festere Bahnen leiten. Aber die mit solch' idealem Schwung begonnenen Wandgemälde in seinem Muflksaal? Herbert Brand wird sie schwerlich vollenden! Dieser letzte Gedanke betrübte den kunstsinnigen Grafen. Aber Brand lebte! Er würde genesen von seiner Krankheit Dieser Gedanke überwog doch alle anderen. Mit Freude im Herzen kehrte daher sofort der Graf heim auf sein Schloß, denn er hielt es nicht für gut, jetzt dem kranken Maler einen Besuch zu machen und bei demselben böse, seine Gesundheit wieder schädigende Erinnerungen zu erwecken. Sechstes Capitel. Mit Freuden vernahm auch Isolde die Kunde, daß Brand noch lebe, denn so leichtsinnig die schöne Comteß auch sonst in ihrem Herzen sein konnte, so hatte sie doch dieses Mal ihrs frevelhafte Schuld an Brands Unglück erkannt und bitter bereut. Sie athmete deshalb förmlich auf, als sie des Vaters Bericht hörte. „Er lebt und Du hast ihn gesehen, krank, — o, dann will ich zu ihm eilen und für seine Pflege besten« sorgen," tief sie. „An seinem Krankenbette saß fein Freund Hagen," sagte Graf Tannen sehr ernst, „und da denke ich, wirst Du gut daran thun, die Wege der Beiden nicht wieder zu kreuzen. Uebrigen« ist ja auch Dein Hochzeitstag für nächsten Monat festgesetzt und Du wirst nun alle Thorheiten meiden," schloß der Graf streng. „Ach ja, und dann wollen wir die Hochzeitsreise antreten, sie wird hoffentlich recht schön werden." „Nun, bist Du Deines Verlobten auch schon wieder überdrüssig?" fragte der Graf in erregtem Tone. „Aber Papachen, zürne mir nicht, ich muß Dir ein Ge« ständniß machen. Herbert Brand war doch ein ganz anderer Mann, als Baron Wettern. Brand war so lebensfroh, so natürlich, so unverdorben, so edel, man konnte förmlich sein Gemüth an ihm erwärmen, während in der Nähe des Barons von Wettern es mich oft wie Eifeshauch anweht. Aber allerdings, er ist reich und mir ebenbürtig, und der Maler ist nur ein armer Beamtensohn. Es ging doch nicht, daß ich Brand «= 2W — heiratheis, es war unmöglich — unser Stand erfordert Opfer, zumal auch von dem Herzen!" „Er erfordert aber auch edle, adelige Gesinnungen und Handlungen, noblesse oblige! Das bedenke, mein Kind. Wer fo wie Du handelt, der erntet Verachtung," sagte der Graf ärgerlich. Isolde zuckte zusammen. Verachtung hatte sie erweckt- Das war ein hartes Wort. Herbert sollte sie verachten I Der Gedanke war ihr unerträglich. Verzweifelt, trostlos, krank, in seinen Fieberphantasien ihren Namen rufend, so sich ihn vorzustellen, das wurde ihr nicht schwer, aber sie verachtend, nein, das war nicht denkbar, so schnell kann sich die Liebe nicht wandeln und etwas war doch wohl wahr an dieser so ost verspotteten Dichterliebe, sie empfand es jetzt an der Leere in ihrem Innern. Was waren all' die klugen, philosophischen Reden ihres Bräutigams gegen solch' ein warmes, tiefes Empfinden, das aus dem Herzen kam! Manchmal war es Isolden, als müsse sie wandern, so weit sie ihre Füße trügen, nur ein Ziel vor Augen, und dann niedersinken an Brands Krankenbett, seine Verzeihung erflehend. Und wenn er Dir verzeiht, was dann? War das nicht Wetterns Stimme, die die kalt und höhnisch an ihre Ohren klang. — Ja, was dann? Sollte sie die Seine werden, aus den Kreisen, in denen sie bis jetzt gelebt, herabsteigen, das zweifelhafte Loos eines Künstlers theilen, damit es ihr vielleicht ebenso erginge wie ihrer ehemaligen Freundin, der jungen Baronesse Walden, die einem jungen Schriftsteller die aristokratische Hand zum Bund für'« Leben gereicht, Frau Doctor Böhm geworden war und nun schon seit Jahren mit dem geliebten Gatten auf die Stunde harrte, wo dessen Werke endlich Anerkennung finden und er zu den Berühmtheiten des Tages gezählt werden würde. Diese Stunde aber schien nicht zu kommen! Die einstige Baronesse lebte nun in ziemlich dürftigen Verhältnissen, sie behauptete aber, trotzdem glücklich zu sein, weil sie ihren Gatten über Alles liebe. Sollte man der Liebe wirklich Alles opfern können, sich zur Magd erniedrigen, selbst am Feuerherd stehen, kochen, plätten? Nein, nein, ihr wäre das unmöglich. Von solcher Alltäglichkeit und Sorge würde ihre Liebe, da würde sie selbst zu Grunde gehen, sie gehörte eben nicht zu den opferfreudigen Frauennaturen. Welt und Menschen sich dienstbar machen, das hatte Isolde immer verstanden, aber selber dienen, sich selbst demüthigen, das lag ihr ferne, das konnte sie nicht. Als Comteß Isolde glücklich zu dieser Schlußfolgerung gekommen, da war es ihr wieder, als vernähme sie des Barons Wettern Stimme, als riefe er ihr triumphirend zu: „Wie freue ich mich über Dich, meine gelehrige Schülerin, es wird mir nicht schwer werden, Dich ganz zu meinen Ansichten zu bekehren, und dann wandere ich doch wenigstens nicht mehr allein in dieser trostlosen Lebenswüste, dann habe ich doch eine kühle, verständige Lebensgefährtin!" Ein leise« Frösteln ging durch ihre Gestalt und dann lachte sie in ihrer leichten, losen Weise und flüsterte: „Närrin, die ich bin, es ist das Beste, wir treten die Hochzeitsreise so bald wie möglich an, es ist der einzige Weg, mich selber wieder zu finden und all der dummen Gedanken Herr zu werden. Die große Welt und ihre Zerstreuungen, das war doch schließlich Isoldens Lebenselement, und Baron Wettern würde ihr doch sicher alle Freiheiten gestatten, sich zu amüsiren, zu kokettiren und zu intriguiren. Hier die ländliche Stille allein, die war an Allem schuld gewesen, schwamm sie erst wieder mit allen Segeln im vollen Lebensstrom, dann war sie wieder sie selbst, die schöne Gräfin Isolde, die doch allein dazu auf der Welt war, zu glänzen, gefeiert zu werden, zu leben und zu genießen. Siebentes Capitel. Es ^fügte sich, daß Herbert Brand» Genesung so weit fortschritt, daß er an Isolden« Hochzeitstage in Begleitung seines Freundes Hagen den ersten weiteren Spaziergang machte. Im eifrigen Gespräch hatten sie Beide nicht auf den Weg geachtet, bis Herbert plötzlich betroffen stehen blieb. „Hier war es, hier saßen wir," rief er, „die Gräfin und ich; sie sang: Wie heißt König Ringels Töchterlein? Rothtraut, schön Rothtraut! Und dann —" »Ja, ja, ich kenne das Alles, das ganze bethörende Liebesspiel dieser schönen Dame," unterbrach ihn Hagen plötzlich. „Wenn das Schicksal uns Künstler stählen und für höhere Aufgaben reif machen will, dann führt es uns eben eine solche Frauenerscheinung in den Weg, die mit uns spielt, uns betrügt, uns an den Abgründen der Verzweiflung vorüber führt und schließlich auf's Krankenlager wirft. Sind wir dann erstanden, dann ist diese Welt allerdings eines großen Theiles ihres poetisches Zaubers entkleidet, aber unser Blick ist geschärft, wir dringen ein in die Tiefen des Daseins, sehen Welt und Menschen, wie sie sind und nicht, wie wir sie in unfern Bildern verkörpern, idealifirt, oft in ganz unmöglicher Schönheit." „Und werden so allmältg wohl gar zum Realisten in unserer Kunst!" rief Herbert. .Wer aber löst die Frage, ob da« das Rechte, das Wahre ist," setzte er sinnend hinzu und begeistert rief er: „Sollte es nicht die wahre Aufgabe der Kunst fein, die ideale Schönheit zu erfassen und darzustellen?" Die Künstler schwiegen beide und ihr stilles Nachdenken schien die Frage zu bejahen. Der weiche Septemberwind trug von dem nahen Schloß die Klänge des Hochzeitsmarsches aus der Oper Lohengrin zu ihnen herauf. „Man feiert wohl Hochzeit dort drüben im Schloß," sagte Hagen und wies auf ein rothes Fähnchen, das von der Spitze des Thurmes wehte, in welchem Herbert vor noch nicht allzu langer Zeit die seligsten Träume geträumt. Prüfend fixirte ihn der Freund. Würde er nicht weich werden, der kaum überwundene Schmerz von neuem losbrechen bei diesen wunderbar süßen Klängen und in dieser eigenartigen Situation? Nein, Brand blieb fest, nur um seine Lippen, da zuckte es hohnvoll und verächtlich. „Die Schlange," murmelte er und wandte dann mit dem Freunde dem Schlosse den Rücken. Langsam gingen sie den Hügel hinunter und kehrten zurück nach dem einsamen Forsthause. Nach wenigen Tagen reisten sie von dort aus nach der Residenz; das hübsche Aennchen, de» Försters Tochter, gab ihnen noch eine Strecke Weges dar Geleit und schied dann von ihnen mit herzlichem Händedruck. Sie hatte des alten Doctors Warnungen beherzigt und ihr junges Herz gewahrt; recht stolz und glücklich aber war sie doch, als nach einiger Zeit ihr wohlgetroffenes Bild, von Brand und Hagen gemeinsam sehr schön gemalt, im Fv'st- hause anlangte, auf welchem Aennchens braune Schelmenaugen so recht lustig in die Welt schauten- Ein launiger Brief begleitete das Bild, die Maler gelobten darin, das trauliche Forst haus bald einmal wieder zur Sommerfrische aufzusuchen, dann aber sollte es lustiger darin hergehen wie in jenen angstvollen Septembertagen. Auf diese lustige Zeit, da freute sich schön Aennchen nun doch unbeschreiblich. Achtes Capitel. Zwei Jahre find vergangen. Graue Herbstnebel umwallen das Schloß in den Bergen, es liegt dort so einsam, so weltverlassen, als hätte nie frisches, frohes Leben in seinen Mauern gewohnt, als wären nie die Musen hier aus- und eingegangen und hätte nie einer ihrer Jünger hier ein hoher Kunstwerk erstehen lassen und dabei seinen ersten Liebestraum geträumt, dem ein schreckliches Erwachen folgte. Die Vorhänge im Mustkfaale sind heruntergelassen und aus dem grauen Dämmerlichte, da hebt sich das Wandgemälde Herbert« mit seiner Farbenpracht, seinen lebensfrohen Gestatten wunde das ni r Gänge hänge Augen Heilig! erhebt, ß Manu lange, das B für sie Welt, genösse £ vermö, jetzt, a mehr ■ heimisc suchte spinnt, treibt, kicher. freier, 3 Nichten Er ist junge alten S schen ü mich I Brand 5 -Ach: // er sie $ wohl i ständig hat un schöpft C kennt Schrif! welche« hat ni geblieb 3 aber si geblieb wieder E junge ! mit ih ruft I fl Nr. 1l eben i muß a leben." sagt st geschw! abgezel In bei Haurv -- 283 Wnderbar heraus, gleich einer Offenbarung der ewig Schönen, dar nicht zu Grunde geht im Erdenstaub und Erdenstreit. Von Zeit zu Zeit aber huscht er leise durch die stillen Gänge der Schlaffes, dann zieht eine zarte Hand dis Vorhänge im Musiksaale in die Höhe und ein paar große, müde Augen starren auf das Wandgemälde, als wäre dasselbe ein Heiligenbild, zu dem dis Seele sich in frommer Andacht erhebt. Es ist Isolde, die da öfter von dem Rittergute ihres Mannes, des Barons von Wettern, herüberkommt und lange, einsame Stunden hier verträumt. Die Tage, in denen das Bild hier erstanden, es blieben doch unvergessene Tage für sie, trotz aller Reisen, aller Zerstreuungen der großen Welt, die sie in den letzten zwei Jahren bis zum Ueberdruß genossen. O, wer nun eine Stunde aus jener Zeit zurückzurufen vermöchte, wie unendlich reicher dünkte sie ihr, als ihr Dasein jetzt, an der Seite ihres blesirten Mannes, der sich für nichts mehr zu begeistern vermochte, auf dessen Lippen die Ironie heimisch war und der sie immer mehr und mehr hineinzuziehen suchte in diese dunklen Kreise, in denen er sein Leben hinspinnt. Es ist wie eine Flucht daraus, die Isolde hierher treibt, als wäre hier allein noch Rettung zu finden vor gänzlicher Herzensleere und Oede. Hier athmete sie leichter und freier, und fühlte sich wieder jung und lebensfroh. Ihr Gemahl freilich begrüßt sie in der Regel mit vernichtendem Spott, wenn sie von solch' einem Gang heimkehrt. Er ist ein feiner Menschenkenner und ahnt es längst, was die junge Frau nach dem unbewohnten Schlosse zieht. „Willst Du nicht auch einmal ein neueres Werk Deiner alten Liebe bewundern?" fragt er sie heute mit einem ironischen Lächeln. „Die Ausstellung in der Residenz ist eröffnet, mich dünkt, ich habe in der Zeitung gelesen, daß Herbert Brand auch ein Gemälde ausgestellt hat." Isolde erröthete, es leuchtete hell auf in ihren Augen. „Ach ja, laß uns hinfahren!" bat sie- „Dein Wunsch ist mir Befehl," erwidert Wettern, indem er sie prüfend anschaut. Wie jugendlich sie auf einmal aursieht. Es lebt doch wohl noch etwas in ihrem Innern, etwas Eigenes, Selbstständiges, was mit seinen Lebensanschauungen nichts gemein hat und was aus dem Born einer süßen Erinnerung Nahrung schöpft. Er hat keine solche Erinnerung, nicht eine einzige. Er kennt die Philosophen alter und neuer Zeit, Dichter und Schriftsteller aller Sprachen, aber ---Dat olle schöne Lid, Wat einmal sung — und teu rechte Tid, Dörch't ganze Minschenlewen klingt, welches auch ein plattdeutscher Dichter so trefflich singt, das hat nie an seine Ohren geklungen, darum ist sein Herz leer geblieben trotz alles Wissens, aller Kenntnisse. Isolde hat es wohl einst vernommen, det olle schöne Lid, aber sie har es nicht selbst gesungen und nun ist ihr nichts geblieben davon als die Sehnsucht, es nur ein einziges Mal wieder zu hören. Einige Tage später sührt der Baron Wettern seine junge Frau in der Kunstausstellung herum und bleibt dann mit ihr vor einem Gemälde Herbert Brands stehen. „Das soll von ihm sein, von Herbert! Richt möglich!" ruft Isolde betroffen. „Bitte, willst Du Dich überzeugen, hier im Katalog steht Nr. 1800 „Pfändung" von Herbert Brands- Man kann eben nicht ewig tanzende Elfen und Zigeuner malen, man muß auch einmal hineingreifen in das volle, wahre Menschenleben." „Aber wozu soll er solch' herzbrechendes Elend malen," sagt sie und starrt auf das düstere Bild, auf die rauchgeschwärzten Wände des armseligen Zimmers, auf die elende, abgezehrte Frauengestalt, die in dem dürftigen Bette liegt. In der Thür steht der Gerichtsdiener und mustert den wenigen Hausrath, und auf einem Schemel neben dem Bett sitzt ein Mann und starrt finster vor sich hin, die ganze bittere Gr- gebung hilfloser Armuth liegt in seinen Zügen ausgeprägt. Ein paar Kinder blicken mit scheuen Augen auf den Gerichts- diener, nur das Kleinste, mit dem Hemdchen und einem rothen Röckchen bekleidet, kommt auf feinen nackten Füßchen zutraulich zu dem fremden Mann heran und streckt ihm mit dem süßesten Kinderlächeln ein paar Feldblumen entgegen. Das ist der einzige Lichtstrahl auf diesem düsteren, streng natura» listisch gehaltenen Bilde. Da« Kind ist draußen gewesen in Gottes freier Natur, wo Blumen stehen, und hat nun einen Hauch lauer Frühlingsluft hineingetragen in das Elend hier, das wirkt versöhnend, mildernd, Kindeslächeln und Kindesunschuld, das Heiligste, was die Erde trägt, es erhellt auch die Hütten der Armen. Hat der berühmte Maler solchen Gedanken gehabt, als er die lichte Kindergestalt in dieses Gemälde verwoben? Oder war es nur eine geniale Laune gewesen, gedankenlos hingeworfen ? Ueber Isoldens Wangen rinnen zwei große, echte Thränen, in diesem Kinde allein, da erkennt sie den früheren Herbert wieder, so wie dieses Kind so sorglos und glücklich, hat er auch einst zu lächeln verstanden und lächelnd und heiter, getragen von einer idealen Weltanschauung, war auch seine Kunst gewesen und nun malt er das bitterste Elend, naturwahr bis zum Erschrecken. Wer aber soll Freude haben an diesem Bilde? So fragt sich die junge Frau, während sie sinnend weiter schreitet und zerstreut auf die verschiedenen Kunstwerke blickt. Wer soll Freude daran haben? Der Künstler, welcher e« gemalt? Unmöglich! Wer ein solches Bild malt, der ist selber arm und freudlos, der hat sein Bestes verloren, die Freude am Schönen! Und sie, sie ist es gewesen, die den Künstler so arm gemacht, ihn aus der Welt seiner Ideale vertrieben. O, wenn sie ihn zurückführen könnte in diese Welt des ewig Schönen, in welcher die hohen Vorbilder der plastischen Kunst, die griechischen Künstler, gewandelt, in welcher ein Rafael, ein Tizian geweilt. Mit wahrer Begeisterung erfaßte Isolde den Gedanken, Herbert aufzusuchen, ihn für die ideale Kunst wieder zu gewinnen. — Das wäre eine Aufgabe, bei der es sich lohnte, all' ihre Kräfte daran zu fetzen. Wie ein frischer Lebensstrom ging es durch ihre Adern, es war ihr, als hätte ihr leeres Dasein plötzlich Inhalt und Zweck bekommen. Der Baron Wettern schaute seine Gemahlin verwundert an, als sie am nächsten Tage zum Ausgehen gerüstet vor ihn hintrat. „Was ist mit Dir geschehen?" fragte er. „Du siehst au«, als wäre über Deinem Leben ein leuchtender Stern aufgegangen, als hättest Du gefunden, was uns Beiden fehlt, ein Lebenszweck und Ziel, die tödtliche Langweile zu verscheuchen." „Ich glaube etwas Derartiges entdeckt zu haben!" erwiderte Isolde. „Und was ist es?" „Das kann ich Dir jetzt noch nicht sagen, vielleicht später!" „Nun, wohl Dir," sagte Wettern mit seinem müden Lächeln. „Hoffentlich kommt die Enttäuschung nicht so schnell, denn aurbleiben wird sie schwerlich." Galant geleitete er Isolden dann die Treppe hinunter und hob sie in den Wagen, der die junge Frau in kurzer Zeit ihrem Ziele zuführte. Herbert Brand lag in seinem Zimmer auf einem Divan, vor ihm stand eine Flasche funkelnden Rheinweins. Er hatte fleißig gearbeitet in den ersten Morgenstunden und hielt nun eine kurze Ruhepause, seine Lebensgeister mit dem edlen Saft der Trauben auffrischend. So lag er sinnend, träumend, trinkend, bis er plötzlich erregt aufsprang. — Was war das ? Gesang erklang draußen vor seiner Thür! Aeffte ihn ein Spuk aus vergangenen Tagen? — Das war Isoldens Stimme, ihr Lied von schön Rothtraut. (Schluß folgt.) 284 — * Geineiiinntziges. Junge Erbsen einznmachen. Frisch gepflückte junge Erbsen werden mit Salz tüchtig vermengt. (Auf ie einen Liter eine Hand voll Salz). „Nachdem man sie einige Stunden stehen gelasien hat, füllt man fis alsdann in gut gereinigte trockene Flaschen mit möMst weitem Halse, wobei man die Flasche immer wieder schüttelt, bis sie bis obenhin gefüllt ist. Nun verkorkt und verpicht man die Flasche und bewährtste, mit den Stöpseln nach unten gekehrt, an einem trockenen, kühlen Orte auf. Man> kann sie uf trockenen Sand in den Keller legen. Auf diese Art eingemacht und aufbewahrt, halten sich die Erbsen lange Zeit- Will man sie verbrauchen, so kocht man sie wie frische Erbsen, nur wäffert man sie Abends zuvor in Wasier und wäscht sie des Morgens nochmals ab. e , Das Conserviren der ganzen Erdbeeren. Man nimmt nicht zu große, recht festfleischige Beeren. Die KrüLte müssen reif, aber za nicht unreif sein und dürfen vorher nicht gewaschen werden. Sie werden entstielt und dann sogleich in die Einmachgläser gelegt. Durch leichtes Schütteln vertheilt mansie mit klarem, gelautertem Zuckersyrup (1 Kilogramm Zucker mit reichlich Vr Liter Wasfer gekocht) und kocht sie etwa 10 bis 15 Minuten irn Wasierbade. Früchte, die viel Regen während der Reife erhielten, Saite« sich nicht gut. Ueberhaupt gehen die Erdbeeren leicht in Gährung über. Man thut deßhalb gut, dem Zuckersyrup eine geringe Menge Salicyl (auf 1 Liter Syrup '/r Gramm) zuzusetzen. * • Erdbeerwein. Auf je 1 Liter zerquetschte Erdbeeren aiefct man 1 Liter heißes Wasser, läßt die Masie 2 Tage und zu je 20 Liter Saft die zerriebenen Schalen und den Saft einer Citrone und einer Pomeranze, sowie 2 Liter Franz branntwein bei. Der Wein ist trinkbar, wenn man ihn in dieser Zusammensetzung vergähren.läßt. Erdbeer-Törtchen. Aus 300 Gramm feinem Mehl, 150 Gramm in Stückchen gepflückter Butter, 100 Gramm Zucker, der abgeriebenen Schale von einer Citrone, einem ganzen Ei, zwei Eidottern und einem hartgekochten, durchge. strichenen Eidotter nebst einer kleinen Prise Salz, bereitet man einen guten Mürbteig, rollt ihn mit untergestreutem Mehl zu einer zwei Messerrücken starken Platte aus, sticht runde Scheiben davon ab, legt dieselben in kleine runde Tortenförmchen von Kupfer oder B ech, kneipt den Rand rings herum mit dem Eisen faltig ein, bäckt sie schön hell braun, stürzt die Törtchen au« den Formen und belegt sie noch warm bis zum Rande herauf mit Erdbeeren, die entweder nur mit dickgekochtem Zuckersyrup übergossen, eine Stunde kalt gestanden haben, oder man verrührt ^ Erdbeeren mit dem Schnee von 5 Eiweißen, der mit 250 Gramm Zucker gemischt ist, streicht die Beeren mit dem Schnee auf den Kuchen, besiebt denselben mit Zucker und läßt die Törtchen in mäßig warmen Ofen nochmals leicht überbacken. Ebenso schlägt man anstatt die Eiweiße 1 Liter süßen Rahm zu Schnee, den man auf einem Siebe abtropfen läßt und über die Erdbeeren streicht, mit Zucker bestäubt und im Ofen fest werden läßt. gelbe Stachelbeeren, so nimmt män Weißwein, zu rochen Beeten dagegen nimmt man Rothwein) und richtet sie über würfelig geschnittenen Biscuit an.* Duitstkirschen. Saure abgestielte Kirschen werden ausgesteint, mit dem dabei ausgelaufenen Saft in trockene, geschwefelte Flaschen gefüllt, diese fest verkorkt und mit feinem Bindfadenfestgebunden. So verschlossen, verpackt inan die Flaschen mit Heu, stellt sie in einen Kesiel oder hohen Tops, gießt kaltes Wasier hinein und setzt ihn aufs Feuer. Von dem Augenblick des Kochens an müsien die Kirschen V2 Stunde ununterbrochen kochen, dann nimmt man den Kessel oder Topf vom Feuer und läßt die Flaschen darin stehen, bis das Wasser wieder erkaltet ist. Alsdann trocknet man sie ab und verpicht dieselben sehr sorgsältig. * e ♦ Kirschen mit Franzbranntwein. 3 Pfund süße Glaskirchen, 750 Gramm bester Zucker, 12 Liter Franzbranntwein, Zimmt und Nelken. — Die Kirschen werden, nachdem sie abgeputzt und die Stiele zur Hälfte abgeschnitten, in ein Einmacheglas gelegt. Dann läutere man den Zucker, laste ihn abkühlen, rührt den Branntwein durch, fülle ihn mit einigen Stückchen Zimmt und Nelken über die Kirschen und binde das Glas mit einer.Blase zu. Das Einmache« der Früchte ohne Zucker besteht darin, daß man die gut gereinigten Früchte in Büchsen oder Gläser süllt, bis an den Rand in einem Kesiel in« Wasier stellt (die Gläser müsien hierzu mit Heu umwickelt werde«) und im Wasier über dem Feuer nun so erhitzt, daß die Früchte in den Gefäßen anfangen zu kochen, ist dies der Fall, dann sind die Blechbüchsen so rasch a s mog ch mit Deckeln zu versehen und zu verlöthen, die Gläser mit Kork- deckeln und Prasstn oder Siegellack zu verschließen. Schwarzer Joh annisbeershrnp wird aus schwarzen Johannisbeeren, die auch in sumpfigen Wäldern wachsen, au folgende Weise bereitet: Man zupft die Beeren ab, zerdrückt sie und stellt sie an die Wärme, bis der Saft sich herausge- zogen hat. Man kann sie auch auskochen. Zu einem Liter Saft nimmt man 1V2 bis 2 Pfund Zucker, läßt den Zucke, bis er Fäden zieht, und dann den Saft etwas mitkochen und füllt ihn in starke Flaschen. - Dieser Syrup ist sehr erfrischend und auch bei Krankheiten nützlich. — Johanni«' b e e r e n 0 h n e Z u ck e r a u f g e k 0 ch t, geben einen vorzüg' lichen Syrup, der kühlend und heilsam ist und bei Kindern gute Dienste leistet. Beim Gebrauch wird er mit heißem Wasier übergosien. Literarisches Die Schriftenvertriebsanstalt zu Weimar läßt m weiterer Folge ihrer wohlfeilen Armand-Ausgaben einen Roman erscheinen der sich die Gunst des Lesepublikums im Fluge erringen durst^ M meinen das fesselnd geschriebene Werk .De« «rSsus V-N Ph - delvtzta*. In leicht fließendem Erzahlerton fuhrt uns der Versaper in den Wirkungskreis eines sehr genau calculirenden Großkaufmanm und läßt uns hier die Bekanntschaft des eigentlichen Heldm^d-S !R°m°n-s, eines jungen, mittellosen Commis machen. Dieser«weißJ auch gewissenlos, wie er ist, die Bahn zu schnellmügüchst r Erlangung großen Reichthums einzuschlagen. Durch em ungeheueres Verb e« gelangt er rasch zu diesem Ziele. Der Verfasser weiß nicht nur Chara s solch düsteren Gepräges vortrefflich zu schildern, auch die edelsten?tz.rz^ und große Thaten, die wahrhaften Seelenadel bezeugen, fuhrt er Leser in gewinnendster Weise vor. Ww ehen "ut Spannuv -- weiteren Entwickelung der einesthecks unglücklichen Verhaltnipe, and.^ theils der unvermessen herzlosen Handlungsweise der dann vorg fh Personen entgegen. Jedenfalls coustat.ren w.r, daß d.es alles, vern den mit packender Darstellung der Handlung des Romanes, e kern läßt, daß der beliebte Erzähler - Armand — in fernem Werk „ i Krösus von Philadelphia" eine seiner vortrefflichsten Schilderungen ! Land und Leuten in Amerika geschaffen hat Der Roman rschnnt m : Lieferungen ä 40 Pfg. und wird von jeber Buchhandlung, m 9 | auch Probehefte erhältlich sind, geliefert. _________ Stachelbeer - Kaltschale. Ein Kilogramm reife Stachelbeeren werden gelesen, gewaschen, auf einem Sieb mit kochendem Wasier gebrüht, dann mit 2 Liter Wasier, etwas Zirnrnt und Citronenschale völlig weichgekocht, durch ein Sieb gestrichen und nochmals mit ’/a Kilogramm Zucker verkocht- Man läßt die Flüssigkeit nun auskühlen, vermischt sie mit ’/a Liter Wein (verwendet man zur Kaltschale grüne oder __________________ ^ti^^H^HermannElle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m M«' vlvUUVllvi»' iQ* * Sb