vrmstag den 18. Januar icsciicr UntrrhaUungsblaU ;um Gießener Anzeiger (Grnrrai-Anzeiger) >yda) in Bietzen, LWWAK-MUU n1 Feuchtigkeit bei wäre gewiß ein onsbeamte, sooft Kreis der Seinen i der Nähe seine» ä Zeichen freund« nmer den Vorzug; sschenbaum, dessen rlbst die Kirschen« und als Infusion beim Katarrh ab. die des Wallnuß« inferen Vorfahren He» Leiden; heut« ußblätter, wie die ur in der Behand- Negrier, Arzt in r die Behandlung die Lindenblüthe chs ist hier noch agra beseitigt, die Zahnstein von den ohannisbeeren ein nn, den echten Geheimniß. Daß düng findet, habe der Hausgarten lüht, wenn auch irr den köstlichen ibetrunk, er dient rrven auf, er gibt Er ist die Milch em ausgeschafften ige Weine machen eifer, erfreut des >rach ein Anderer, on; er rückt die Magnet, er zieht tut dann erst sitzt Darum schätzen r bei seinem Ge« nselixir betrachten, nach dem alten ;orpora sann, Venus!“ kehrsblättern“.) en Pflanzen ist unter lersetzliches Mittel ; Jahren ist in den ußland stammend, zu seiner Vollkommenheit st°, Lungen- und churg 6. Harz ange- ilchen, steh' einmal Karlchen (zurück« isch drauf I" „Nein, Otto, mir steht zu viel im Wege/' versetzte Lieu» tenant Rosenau mit feierlichem Ernst, „der Dienst, die Rück» sichten gegen meine Mutter und die übrige Familie verbieten mir einen solchen Schritt, auch trage ich mich schon mit einem anderen Plan. — Du aber bist frei wie die Luft in den Ge« birgen, keine DiSciplin beengt Dich mehr, keine Familie be« wacht Deine Schritte, kannst Deine Zukunft selber bestimmen al« unbeschränkter Herr Deine» Willens. — Versuch'» also, der Spaß wird Dich erheitern und den kecken Muth Dir neu beleben. Wenn die Nacht der Sorgen zu finster wird, muß man sich selber eine Sonne verschaffen." „Alle guten Geister, Han« Rosenau wird poetisch," rief Waldmann lachend und der joviale Rosenau lachte mit. „Na, Du sollst Deinen Willen haben," fuhr Ersterer er« heitert fort, „war kann'« am Ende schaden? Will die namenlose Correspondenz mit der heirathslustigen Schönen einleiten, ich müßte aber in diesem Falle ja hier am Platze bleiben." „Ei wo, lieber Sohn, sie kann Dir ja ebenso gut postlagernd Wien schreiben, wird Dir auch dort Herz und Muth erfrischen und Dir die Hoffnung grün erhalten, denn etwa» hoffen und etwa« sorgen, sagt, glaube ich, Göthe —" „Muß der Mensch für den kommenden Morgen, sagt Schiller," fiel Waldmann lächelnd ein. „Meinetwegen Schiller. — Wie steht'« aber mit der Reise nach Wien, hast Du Moneten?" „Ich muß mich von allem überflüssigen Luxus befreien," erwiderte Waldmann etwa« gedrückt. „Hier dieser werthvolle Rubinrtng, das einzige Werthstück außer meiner Uhrkette, die man dem Findling gelassen, — vielleicht ein Andenken von meiner geliebten Mutter — nein, davon kann ich mich nicht trennen. Lieber mag die Uhr springen —" „Recht so, diesen Ring darfst Du um keinen Preis veräußern. Wer kann wissen, welche Hoffnungen sich für Dich daran knüpfen. Aber ohne Uhr zu sein, ist für unser Einen ganz undenkbar. Du behälft natürlich Beide«, Uhr und Ring, dieser kostbare Reif giebt Dir schon draußen ein bestimmte« Relief und sicheres Auftreten. Ich, Dein Bruder, strecke Dir die nöthige Summe vor." „Ich danke Dir, Hans, aber in Geldsachen hört bekanntlich die Gemüthlichkeit, also auch die Freundschaft auf. Ich besitze viele «erthvolle Bücher, welche Hauptmann —" dar war Ihr in netter Mensch!" Madame, da habe Der Sohn des Regiments. Erzählung von E. Heinrichs. (Fortsetzung.) Waldmann reichte ihm dar Blatt. Rosenau überflog dasselbe. „Zweimalhunderttausend Mark," ssagte er langsam, „Donner und Doria I Otto, das wäre ja eine famose Aussicht für Dich. Besitzest doch ein Bild von Dir in der Uniform?" „Leider, bedauere diese unnütze Ausgabe, würde es aber doch nicht einsenden und mich selber an den Pranger stellen " „Ja so/' nickte Rosenau, „da» ist richtig, Du würdest Dich damit sozusagen selber preisgeben. — Aber halt, da habe ich eine famose Idee, Otto! — Schreib' an diesen Goldfisch anonym, ohne Bild und ohne Namen, unter der hier genannten Chiffer 777. — Wird wohl eine dreifache böse Sieben fein.* „Und meine Herkunft?" schaltete Waldmann ein. „Hier muß ich ihDdoch reinen Wein einschenken." „Hm, 'meinetwegen, bist ja ein unheimlich kluger Kerl, der den rechten Vers schon finden wird. Also nur gleich da« Eisen schmieden „Nein, Hans," unterbrach ihn der Freund, „es ist kein ganz sauberes Geschäft, ein widerwärtiger Handel, lassen wir die Hände davon." „Herr Gott, ist da« ein langweiliger Mensch," rief Rosenau im komischen Zorn, „wer verbietet es Dir, an eine unbekannte Dame einen anständigen, noch dazu anonymen Brief zu richten, um mit ihr in Correspondenz zu treten? Liegt denn darin etwa« Unehrenhaftes? — Die reiche Schöne liebt ein wenig Romantik, die sie auf der staubigen Heerstraße des Leben« nicht findet. Ein Mann mit Deinem prächtigen Aeußeren, Deiner stolzen Ehrenhaftigkeit, mit Deinem Reich« thum an Kenntnissen, wissenschaftlicher Bildung und Talenten isi seine zwetmalhunderttausend Mark unter Brüdern werth. Auch wirst Du naich ihrer ersten Antwort schon beurtheilen können, weß Geiste« Kind sie ist." „Dann versuche Du Dein Glück bei dem Goldfisch, mein bester Han«," sagte Waldmann trocken. ff „Lu willst da» Geld nicht als Darlehen von mir annehmen?" „Nein, glaube mir, daß es so bester ist, lieber Hans I — Wenn Du mir die nöthigen Empfehlungen mitgeben willst, bin ich Dir schon genug verpflichtet." „O gewiß, die würde ich auch meinem Burschen geben," rief Rosenau, sich ungestüm erhebend und nach Mütze und Degen greifend. „Im Nebligen sind wir miteinander fertig." „Aber Hans, ich bitte Dich —" „Willst Du das Geld annehmen, Findling?" „Mein Gott, wenn es so gemeint ist, ja, ja!" „Das war Dein Glück, Du mathematischer Pedant!" Und Rosenau umarmte ihn freudig. IV. Der Bahnzug, der über Dresden nach Wien ging, stand zur Abfahrt bereit. Die Paffagiere waren eingestiegen, der Schaffner revidirte die Fahrkarten und schloß die Wagen. Lieutenant Rosenau reichte seinem Freund Waldmann, welcher in einem Coupee 2. Klaffe saß, noch einmal die Hand. Er warf einen letzten Blick auf eine junge Dame, welche in der entgegengesetzten Ecke lehnte und gleichgiltig aus dem Fenster schaute. „Glückliche Reise!" rief er dabei. „Bist doch allemal noch ein Sonntagskind, lieber Sohn, ganz allein mit einem solchen Paffagier! — Zum Anbeißen hübsch, wenn der Schleier nicht trügt —" „Adieu, Hans!" unterbrach Otto seinen halblauten Redestrom, ihm kräftig die Hand schüttelnd. „Ich werde Dir sogleich schreiben." „Das bitte ich mir aus, adresstre aber direct nach Metz. — Vergiß auch nicht, mir eine etwaige Antwort auf die begonnene Correspondenz mit 777 —" Waldmann machte eine unwillige Bewegung, indem er einen raschen Blick auf die junge Dame warf, welche indeß keine Notiz von der Unterhaltung der beiden Herren genommen zu haben schien, sondern fortwährend aufmerksam aus dem entgegengesetzten Fenster schaute. In diesem Augenblick setzte der Zug sich in Bewegung und Rosenau trat auf den Bahnsteig zurück, dem scheidenden Freund noch den letzten Gruß mit der Hand zuwinkend. Waldmann lehnte sich mit einem unterdrückten Seufzer zurück und starrte unverwandt vor sich hin. Da« letzte Band, das ihn mit dem deutschen Vaterlande, mit Kaiser und Reich, denen er mit warmer Liebe, mit patriotischer Begeisterung gedient, verknüpft hatte, war nun, da er in eine fremde, ungewisse Zukunft hinauszog, für immer zerriffen. Mit Leib und Seele seinem Berufe und absonderlich seiner Waffe ergeben, fühlte er sich augenblicklich wie ein Fisch auf dem Trockenen, wie ein steuerloses Schiff auf weitem Meere und schauerte fröstelnd bei dem Gedanken zusammen, einem fremden Staate dienen, oder es gar erleben zu müssen, achselzuckend abgewiesen zu werden, sobald man den eigentlichen Grund seines Abschieds erfahren hatte. Vor einer solchen Möglichkeit konnte ihn Hans Rosenau mit seinen Empfehlungen auch nicht bewahren. Endlich fuhr ihm die Zahl 777 durch den Sinn. Er er# röthete bei dem Gedanken, daß er sich von dem leichtherzigen Freunde zu einer Beantwortung jenes Heiraths-Jnserats bereits hatte verleiten lassen und seine Adresse post-restante Wien bezeichnet hatte. „Er ist weit genug mit Dir gekommen, Freund Otto!" ironifirte er sich in Gedanken, „daß Du auf da« Geld einer Fremden zu hoffen, Deine werthe Person für 200,000 Mark anzubieten wagst. Eine schmähliche Geschichte!" Diese letzte Bezeichnung seiner neuesten Thailen schien er ziemlich laut gedacht zu haben, da die junge Dame eine rasche Bewegung machte und ihren sonderbaren Mit-Passagier erstaunt ansah. Dieser fuhr au« seinem quälenden Brüten erschreckt empor. Er schien sich jetzt erst wieder darauf zu besinnen, daß er 26 - nicht allein war, blickte sie verwirrt an und lüftete den Hui zum Gruß, den sie freundlich erwiderte. „Ich habe mir erlaubt, das Fenster hier zu öffnen," sagte sie mit einer außerordentlich melodisch klingenden Stimme, „es geniert Sie doch nicht?" „Nicht im Geringsten, mein gnädiges Fräulein!" erwiderte Waldmann, nun ebenfalls lächelnd, weil ihm, dem gegen Wind und Wetter abgehärteten Soldaten, eine solche Frage doch zu komisch erschien. „Meinethalben würde ich auf Ihren Wunsch auch dieses Fenster hier öffnen." „Nein, lieber nicht," wehrte sie fast ängstlich ab, „Zugluft war mir stets verhängnißvoll." Sie schlug bei diesen Worten den grauen Schleier zurück. Er blickte sie wie verzaubert an, da er diese« süße Antlitz mit bett schelmisch blitzenden Augen in seinen schönsten Träumen schon gesehen zu haben glaubte. Erröthend senkte sie vor seinem Blick die Augen und wandte stch dann dem offenen Fenster wieder zu. „Verzeihen Sie, mein gnädiges Fräulein!" stotterte er. „Ihre Züge kommen mir bekannt vor, vielleicht haben wir uns in 3E. gesehen?" „Wohl möglich," meinte sie, sich wieder zu ihm wendend, „ich war dort als Lehrerin in einem Mädchen-Pensionat und führte meine Zöglinge allwöchentlich spazieren." „Ah so, ich erinnere mich in der That, einer ganzen Heerde schneeweißer Schäfchen zuweilen begegnet zu sein, hab' mir indessen die Hirtin nie ander« al« in der ehrwürdigen Gestalt des Alter« mit blauer Brills und derlei Attributen vorstellen können. Daß zu einer solchen respectheischenden Stellung eine so junge Dame wie Sie, meine Gnädige —" „Tauglich sein könnte, meinen Sie?" fiel diese mit silber» Hellem Lachen ein und Waldmann lachte ebenfalls. „O," fuhr sie, ihn forschend anblickend, fort, „ich habe gefunden, daß man sich in meinem Alter ebenso gut der Jugend gegenüber Respect verschaffen kann, al« mit fünfzig ober sechzig Jahren. Da« müssen Sie als junger Offizier doch am besten wissen" Waldmann sah sie überrascht und erschreckt an. Er erblaßte. „Sie kennen mich also, mein gnädige« Fräulein?" brachte er mühsam hervor. „Ich sah Sie zuweilen, hörte auch von Ihnen durch eine Pmsionsfreundin, der Mündel de« Herrn Werner, bei dem Sie wohnen. — Sie sind doch Lieutenant Waldmann? ' „Mein Name ist Waldmann, augenblicklich Lieutenant außer Dienst." „Ach richtig," rief die junge Dame lebhaft, „ich hörte davon." Eine kleine Pause entstand. Er blickte, von ihr abgewandt, bleich und düster aui dem Fenster, während sie ihn verstohlen beobachtete. Plötzlich wandte er sich wieder ihr zu. „Frau Fama beschäftigte sich also recht angelegentlich mit meinem Schicksal, wie er scheint," sagte er nicht ohne Bitterkeit. „Das weiß ich nicht," erwiderte die junge Dame ruhig. „Ich hörte es von meiner Freundin, welche behauptete, daß man Ihnen schmähliches Unrecht zugefügt habe." „Sehr liebenswürdig von Ihrer Freundin, meine Gnädige!" sagte Waldmann, wehmüthig lächelnd. „Es thut mir im eigenen Interesse leid, diese Behauptung zurückweisen zu müssen, da mir kein Unrecht zugefügt worden ist. Ich hatte wie ein Thor gehandelt, durfte aber nicht das zweite Unrecht hinzusügen, mich mit meinem Vorgesetzten, einem alten Herrn, zu schlagen, mit ihm, der mir stets so väterlich gesinnt gewesen war." „Nun, davon abgesehen," meinte die junge Dame mit einer sehr weisen Miene, „so hätten Sie stch an den Kaiser wenden und Ihrem höchsten Kriegsherrn die Sache vortrage« sollen, anstatt Hals Aber Kopf zu qailtiren." „Um Verzeihung, mein gnädige« Fräulein, Sie sind.'gewij eine ausgezeichnete Lehrerin, aber in puncto militärischer Diseiplin und Ehre scheinen Sie nicht sehr unterrichtet zu fein. — Lassen wir deshalb diese« unerquickliche Thema und d lüftete den Hui hier zu öffnen," ingenden Stimme, äulein!" erwiderte , dem gegen Wind che Frage doch zu auf Ihren Wunsch igstltch ab, „Zug, en Schleier zurück. :s süße Antlitz mit chönsten Träumen ! die Augen und er zu. ein!" stotterte er. elleicht haben wir zu ihm wendend, >ew Pensionat und m." -at, einer ganzen ignet zu sein, hab' der ehrwürdigen derlei Attributen respectheischenden eine Gnädige —" et diese mit silber- nfalls. „O," fuhr i6e gefunden, daß Jugend gegenüber >et sechzig Jahren, im besten wiffen" erschreckt an. Er •räurein?“ brachte von Ihnen durch iertn Werner, bei aant Waldmann?' blicklich Lieutenant -bhast, „ich hörte ch und düster au» obachtete. t angelegentlich mit cht ohne Bitterkeit, unge Dame ruhig. ie behauptete, daß zabe." ndin, meine Gnä« d. „Er thut mir g zurückweisen zu en ist. Ich hatte das zweite Unrecht einem alten Herrn, terlich gestnnt ge- junge Dame mit sich an den Kaiser : Sache vortrage« H in, Sie sind -gewiß mcto militärischer >r unterrichtet z« ckliche Thema und erzählen —" ,, „Gewiß, Herr Waldmann," fiel die Mge Dame rasch ein. „Sie müffen mir fest versprechen, mich aufzusuchen, auch bann, wenn alle Erfolge und Hoffnungen, Ihren Leben-plan zu verwirklichen, wider Erwarten fehlschlagen sollten. Wollen Sie mir da« geloben?" „ ' I „Mit Wort und Handschlag," erwiderte er, ihr freudig die Hand reichend, in welche sie erröthend die ihrige legte. Dann lachte sie plötzlich laut auf. „Es ist zu komisch," sagte sie. „zwei wildfremde Men. scheu, welche zuvor niemals ein Wort miteinander gewechselt haben, deren Lebenswege bis heute so grundverschieden gewesen sind, werden in weniger als einer Stunde gute Kameraden, als ob sie sich jahrelang gekannt hätten. Woher kommt da», Herr Waldmann?" Der junge Mann sah sie mit einem Blick an, vor dem sie rasch die Augen senkte. „Natürlich einzig und allein von der Theilnahme, welche meine Freundin für Sie empfunden," setzte sie ein wenig verwirrt hinzu, „ich hoffe, Sie werden mich nicht für unweibltch halten, Ihnen diese Theilnahme so offen gezeigt zu haben." „O, mein gnädiges Fräulein, wenn Sie ahnen könnten, wie diese Theilnahme meinen Lebensmuth erhöht, mir den Glauben an die Zukunft wiedergegeben hat, Sie würden nicht so kleinlich von sich selber denken. Mich dünkt, daß der Himmel zwei Waisen zusammengeführt hat zu einem Bündniß —" „Fester Kameradschaft oder Freundschaft, wenn Ihnen das Wort vielleicht besser gefällt," ergänzte Cäcilie rasch seine Rede, die auf ein gefährliches Terrain zu führen drohte. , Wir sind zwei arme Waisenkinder, — ich wenigstens besitze keine Schätze, wonach Diebe graben könnten, vielleicht verfügen | Sie darüber, Herr Waldmann „Ja, spotten Sie nur," seufzte er mit einer so kläglichen Miene, daß sie laut auslachte. „Also auch ein arme» Waisenkind," fuhr sie mit drolligem Humor fort, „dar" von seiner Lieutenantsgage leben muß." „Notabene, wenn ich Glück habe, meine Gnädige!" „Hoffen wir es," sprach Cäcilie mit warmer Theilnahme im Blick und Ton. „Sie würden im Civilrock sich stet« unglücklich sühlen." ,, , . „Ich wüßte auch in der That nicht, was rch alsdann beginnen sollte," bemerkte der junge Mann, sie nachdenklich anblickend. , , „ ,,, '„Ihre Kenntnisse verwerthen," rief sie eifrig, „Sie verfügen doch sicherlich über einen Sprachschatz —" „Dar wohl," gab Waldmann zu. ,, „Neber mathematische Kenntnisse und was dazu gehört.' „Allerdings — indessen —" „Wollten Sie im Civilrock verzweifeln? Da« brauchen Sie wahrlich nicht, Herr Waldmann! - Sie können sich mit einem solchen Schatze überall Ihr Brod verdienen, haben also durchaus keinen Grund, zu verzweifeln, wen» Ihr Plan sich nicht verwirklichen sollte, obwohl ich dies in erster Reihe für Sie wünsche und hoffe." „Sie find mein guter Engel," rief Walomann tiesbewegt, „und ob ich damit Ihren Spott wieder heraussordern sollte, so bin ich doch dem Himmel dankbar, daß er Sie mir als Reisegefährtin gegeben hat —" „ „So, jetzt find wir auf einer Hauptstation," sagte Cäcilie, ihm lächelnd zunickend, „wir werden nun jedenfalls Gesellichaft bet°m,/S’nn erlauben Sie, daß ich mich an Ihrer Seite • niederlasse, mein gnädiges —" „Ich habe nichts dagegen, Herr Waldmann, obwohl „Fräulein Stern" darselbe thäte. Am besten ist'-, wenn wir gar keine Namen nennen in fremder Gegenwart. Ich hatre mich auf ein wenig Bewegung gefreut," fuhr sie rasch fort, „ziehe es nun aber doch vor, hier zu bleiben." „Darf ich Ihnen eine Erfrischung besorgen, Fräulein Cäcilie?" Er sprach ihren Namen mit einer so eigenthümlichen Betonung aus, daß das junge Mädchen tieferröthsnd die Augen - 27 deMcken Sie mich lieber durch die Nennung Ihre» Namens, I - damit ich die Erinnerung an diese Reise wie eine glückbringende Vorbedeutung mit mir nehme in meine dunkle, ungewtffe Rulunft*I „Ich heiße Cäcilie Stern," erwiderte sie zögernd, wobei eine leichte Röthe ihr blaffe», geistreiche» Antlitz überzog. Cäcilie," sprach Waldmann, sie wie träumend anbltckend, „ein schöner Name, er soll mir als Stern auf meinem Wege voranleuchten. Sie lächeln über den armen Lieutenant außer Dienst, der sich zu einer poetischen Wortspielerei versteigt - O nein, nein, Herr Waldmann!" fiel Cäcilie hastig ein, „denken Sie nicht so niedrig von mir. Auch ich bin arm und elternlos, muß mein Brod bei Fremden suchen und gehe ebenfalls einer ungewiflen Zukunft in Wien entgegen, wo ich eine neue Stellung antrete. Was aber gedenken Sie an- zufangen, wenn ich mir diese Frage erlauben darf?" Ich?" tief er mit ausleuchtendem Blick- «O, hoffentlich in die österreichische Armee einzutreten, da ich einen regelrechten Abschied und einige Empfehlungen befitze. — Aber daß auch Sie nach Wien gehen, sogar dort bleiben, da« freut mich unsagbar," setzte er mit erregter Stimme hinzu, „und, nicht wahr, — ich darf in der großen fremden Stadt auf ein Wiedersehen hoffen? Darf Ihnen von meinen Erfolgen fctttte '„Ja, bitte um eine Taffe Bouillon," erwiderte sie, ihre Befangenheit rasch bemeisternd. Dann will ich doch nur, um etwaigen Uebersällen zuvor- zukomme i, von diesem Platze erst Besitz ergreifen," meinte Waldmann, eine kleine Umhängetasche neben Cäcilie legend. „Sie erlauben es doch?" „Selbstverständlich, man hat lieber einen guten Kameraden zur Seite, al« einen wildfremden Menschen." Wie Cäcilie vorausgesagt, so geschah e». Das Coupee wurde gedrängt voll und unsere beiden jungen Bekannten erfreuten sich bis Wien keine» Allein-Beisammen- seins mehr. (Fortsetzung folgt ) Die Standvögel. (Vortrag in einer Ansschußsitzung des Gießener Thierschutzverems.) Die Vögel werden, wie bekannt, in Zug-, Strich- und Standvögel eingetheilt. Die Zugvögel (Wandervögel), zu denen unsere lieblichsten und vorzüglichsten Sänger, wie Nachtigallen, Feldlerchen und noch viele andere gehören, ver- laffen un» im Herbste, treten weite, gefährliche Reifen über da« große Meer an, um in Ländern, wo Schnee und Eis unbekannte Dinge sind, ihre Nahrung zu suchen. Die Strich- vögel streichen, um ihr Leben zu fristen, beständig von einer Gegend zur andern; aber die Standvögel bleiben auch in der strengen Winterszeit bei un«, sie gewähren gewiß dadurch, wenn auch meistens ohne Gesang und mit kümmerlicher Nahrung, doch immer unseren öden, winterlichen Gegenden ein freundlicheres, lebendigeres Aussehen, und ich möchte daher schon aus diesem Grunde die Aufmerksamkeit der Menschen ganz besonders aus dieselben lenken. Ein jeder gefühlvolle, mitleidige Mensch, der sich nicht von rohem Muthwillen oder gar von thierischer Eßlust beherrschen läßt, der wird sicherlich die armen, hungrigen, Überwinternden Vögel, die nicht nur bei Sonnenschein und Blüthenduft bei uns wohnen, sondern auch im strengen Winter bei uns ausdauern, schonen und liebreich behandeln; et wird denselben, wenn sie durch Kälte, Schnee, Eis, Dust und Reif in Hungersnoth gerathen sind, von feinen Voträthen aus christlicher Gesinnung ein Almosen, das aus Brodkrümchsn, Frucht- und Hanfkörnchen, Fleischbröckchen, gequellten Kartoffeln u. s. w. bestehen kann, verab- reichen. Die hungrigen Vögel nehmen im strengen Winter, um sich vor dem Hungertode zu retten, mit allem fürlreb, was nur eßbar ist. Jnsecten können wir freilich denselben zur Nahrung nicht darbieten, denn diese haben sich so verkrochen, daß sie für unsere Augen nicht sichtbar find, aber ich bitte dringend i I alle Menschen, doch endlich einmal genau in Betracht zu LJ 28 ' 1....." ziehen, wie höchst emstg besonders im Winter die Meisen, Spechtmeisen und Baumläufer die Rinde unserer Obstbäume von unten bis zu den höchsten Spitzen gründlich nach schädlichem Ungeziefer durchsuchen, und wie sie da, selbst aus den kleinsten Ritzen, Millionen und abermals Millionen Larven, Puppen und Raupen - eier herauspicken und gierig verschlingen. Dadurch erweisen sie doch gewiß uns und auch den Bäumen eine überaus große Wohlthat, die ja sonst in keinem Jahre zu gesunden Blättern, Blüthen und Früchten kommen könnten. Beobachten wir im strengen Winter ferner die Gold« ammern, mit ihrem schönen, gelben Gefieder, die grauen Haubenlerchen und die Schwarzamseln, so werden wir wahrnehmen, wie hungrig sie fast ohne Scheu vor den Menschen auf Straßen und Höfen in Gemeinschaft herumhüpfen und jedes Körnlein aussuchen, um ihren gräßlichen Hunger zu stillen. Dieselben werden gewiß auch bei allen guten Menschen nicht allein das größte Mitleid erregen, sondern sie werden sich wohl auch ernstlich bemühen, durch Futterstreuen ihrer großen Roth zu steuern. Der possierliche Staar kann in unserer Gegend auch zu den Standvögeln gerechnet werden; er besitzt zwar einige unliebsame Eigenschaften, gilt aber doch für die Feld- und Gartenwirthschaft als ein ungemein nützlicher Vogel, ja manche genaue Forscher halten ihn für den nützlichsten aller unserer einheimischen Vögel. Im Winter kommt er nur bei hohem Schnee in die Nähe der Menschen und bittet traurig und hungrig um Nahrung, die ihm gewiß auch gerne von allen guten Menschen gereicht wird, denn er verdient ja in hohem Maße gepflegt zu werden. Sobald der Schnee geschmolzen ist, fliegt er nach dem Feld zurück, beginnt da wieder seine nutzbringende Thätigkeit, indem er die Felder zum Kriege gegen die schädlichen Ackerschnecken überzieht. Auch die immer noch so sehr verfolgten Raben, die doch sonst die höchst schädlichen Mäuse, Ackerschnecken, Engerlinge und Maikäfer in zahlloser Menge zum Nutzen der Menschen au» der Welt schaffen, kehren, wenn tiefer Schnee die Erde bedeckt, hungrig aus dem tiefen Walde ganz in die Nähe der Städte und Dörfer zurück; sie legen ihre sonst so große Vorsicht bei Seite, bleiben oft in geringer Entsernung vor Menschen fitzen und verschlingen mit einem wahren Heißhunger jede« eßbaren Brocken. Man sollte aber dann doch auch keine von ihnen tödten oder fangen; denn dem Hungrigen muß man sein Brod brechen, nicht in seiner Roth ihm Fallen stellen, Schlingen legen oder gar vergiftetes Fleisch darbieten, wie dies im vorigen Winter an verschiedenen Orten unsere« sonst so humanen Heffenlande« geschehen ist, was aber doch ganz entschieden die größte Mißbilligung verdient. Bemerken will ich nun noch, daß ich bei meinen regelmäßigen Spaziergängen in unseren schönen Anlagen und nach dem nahen Walde die traurige Beobachtung gemacht habe, daß leider unsere nützlichen Standvögel und auch noch andere nützlichen Sänger in der Abnahme begriffen find, wa» auch von anderen Seiten bestätigt wird, und es dürfte wohl hoch an der Zeit sein, dem Grunde diese» Uebel» nachzuforschen. E» ist nicht zu bezweifeln, daß die schon seit vielen Jahren betriebene Landwirthschaft in einer Hinsicht zur Verminderung der Vögel beiträgt. Der Landmann glaubt nämlich, jede» anscheinend unnöthig daliegende Fleckchen Erde für sich zu bedürfen, um seine Erträge zu erhöhen, und er läßt daher Gebüsche, Hecken, Dornsträucher, Gestrüpp an den Rainen, Grenzen und Zäunen vernichten, und durch diese Vernichtung sowie durch da» Fällen jeden hohlen Baumes werden vielen nützlichen Vögeln die Nistplätze geraubt und damit die Bedingungen der Vermehrung und der Daseins entzogen. Durch die oben erwähnten landwirthschaftlichen Verhältnisse drängt der Mensch seine treuesten Freunde, die Vögel, immer mehr zurück, und er wird e» sicherlich zu bereuen haben, wenn dieselben sich immer noch mehr vermindern; denn sie führen ja doch einen unablässigen Kampf, wie ich oben gezeigt, gegen die für uns so höchst schädlichen Jnsecten oder Kerbthiere. Auch die grausamen Äaubthiere trage« zur Verminderung unserer Vögel wesentlich bei, denn namentlich die räuberischen Katzen, die Marder, Wiesel, Füchse, Eichhörnchen, die Häher, Elstern, Sperber, Habichte und Falken, denen alle Herren Jäger fleißig zu Leibe gehen mögen, verschlingen eine Unzahl Eier und zerfleischen massenhaft die Alten und Jungen. Zu diesen unvernünftigen Raubthieren gesellen sich nun noch die Menschen, die doch erkennen sollten, welch' großen Schaden sie durch Vertilgung der nützli hen, gefiederten Welt im Hau»« halte der Natur verursachen, und die doch auch wissen müßten, daß der rechte Vortheil der Menschen verlangt, die Vögel, die schädliche Jnsecten verzehren, zu schützen. Rohe und gefühllose Menschen legen dies alle» bei Seite, denn häufig noch rauben böse Buben und große und kleine Strolche in Feld und Wald die wenigen noch vorhandenen Nester au», und die herrlichsten Sänger werden überall noch massenweise theil» zu verwerflichen Modezwecken auf Frauenhüten, theil« zum Verspeisen, gefangen. Auch bei dem beständigen Kriege gegen die Sperlinge, von denen bi» zu dieser Stunde noch nicht entschieden ist, ob sie mehr nützlich oder schädlich sind, verlieren viele andere nützliche Sänger durch die mangelhafte Kenntniß gar mancher Schützen ihr Leben. Im Frühling werden durch da» heftige Schießen nach Spatzen viele Vögel beim Brüten oder Füttern der Jungen von ihren Nestern verscheucht; sie verlassen dieselben, und die Eier und Jungen gehen dann jämmerlich zu Grunde. Die traurigste Zeit für unsere Standvögel ist unstreitig der Winter, allein wenn derselbe nicht zu heftig auftritt, so schlagen sich dieselben mit einiger Hilfe der Menschen glücklich durch, war aber leider im vorigen überaus kalten, langen Winter durchaus nicht der Fall war, denn derselbe hat auch den Vögeln großen Schaden zugefügt. Waren doch alle Bäche und Flüsse lange Zeit mit dickem Eis bedeckt, Feld und Wald mit tiefem Schnee, die Bäume und Sträucher mit Duft und Reif überzogen; es fehlte demnach den armen Vögeln an Wasser zum Trinken, Nahrung konnten sie absolut keine mehr finden, und die Folge war, daß nach dem Abgänge des Schnee« recht viele tobte Vögel gefunden wurden. Die Verminderung unserer Standvögel muß doch wohl bei allen Naturfreunden großes Bedenken erregen, und sie müssen sich daher veranlaßt fühlen, überall dahin zu wirken, daß die Menschen dieselben immer mehr hegen und pflegen und ihnen eine recht thatkräftige Bejchützung und Hegung angedeihen lassen. Gießen, im Januar 1896. H. Curschmann, Lehrer i. P. Verii Echtes. Zeichen der Güte. „Haben Sie eine gute Waschfrau?" — „Eine ganz ausgezeichnete. In der letzten Woche brachte sie mir außer meinen eigenen sieben Kragen, die mir nicht gehörten, und alle paßten für meine Halsweite." * * ♦ Beschönigung. „Ist das wahr, Herr Angstvoll, Ihre Frau soll Ihnen ja gestern dis Kaffeekanne an den Kopf geworfen haben?" — „Hm, ja, aber es war eine mit Goldrand 1" ♦ ♦ ♦ Noch mal. Bräutigam. „Mit diesem Kusse, Engel, habe ich Dir Alles gesagt." — Braut: „Ich hab'» nicht recht verstanden; bitte, sag' mit’« noch einmal." ♦ ♦ » Der magnetische Gänsebraten. Hausfrau (zur Köchin): „Machen Sie doch endlich die Küchenthü«e zu; der Gansbratengeruch ist ja über die ganze Straße zu spüren, — eben war der dritte Soldat schon da, der Sie zu sprechen wünschte." Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversikatS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen,