Sra skkiliskbMttsk ®^T!-<---r~^.,-_^—-"—^—--vt—-,< ".-!iK? -' -V,Z7ZJ ji-r» W - - N-Ä ',«■ »• VNM'' EWWMM MHML--HDWMMMMMWM MZ^.WKW^^W DvmmStag dm 17. Lerember UkLerhalLungsöLaLL zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). gggMmMK» Das Schäfchen. AeihnachtSerzühlung von ZoS von Reuß. ------- ^Nachdruck verboten.! Motto: Traum der eignen Tage, Die nun ferne sind, Sühnlein meiner Tochter, Du mein süßes Kind.' Wie ein wohlgehütetes Nest lag das stark verschneite Harzdorf unten im Thale; Schornsteins, Dachgiebel, hier und dort kahle Baumäste, waren die widerspenstigen Strohhalme, die aus dem gutgesügten Bau hervorragten. Daß aber dort unten volles, warmes Leben pulfirte, zeigten die leichten Rauchwolken, die fast kerzengerade in die Luft emporstiegen, und der abendliche Lichtschein, der stch jetzt hinter den kleinen, gefrorenen Fenstern entzündete. Auch im letzten, schon mehr an der Landstraße stehenden Häuschen blitzte letzt ein Lichtlein auf, nicht strahlend, aber freundlich und einladend. Das kleine Hans war früher das Hirtenhaus gewesen, in dem gleichzeitig die Gemeindearmen untergebracht wurden, da es aber gegenwärtig gerade kein „Bettelvolk" gab, hatte man das Häuschen an die Boten« Hanne vermielhet- Botenhanne war — die „Schnellpost" des Dorfes ; wenn Jemand irgend etwas prompt und schnell aus der Stadt besorgt haben wollte, wandte er stch, trotz ihrer stebzig Jahre, nur an Botenhanne — selbst bei Amt« mann» und Oberförsters war fle Vertrauenrperson. Daß ihr Tragkorb heute, zwei Tage vor dem Weihnachtsfeste, ganz besonders belastet gewesen war, ist erklärlich. Aber nicht nur Beine und Füße waren von der Wanderung er» müdet, sondern auch — der Kopf! Denn Botenhanne, die Geschriebenes auch nur schlecht zu lesen verstand, pflegte Alle» ihrem Gedächtniß einzuknüpfen, auch zeigte dasselbe bisher nur unbedeutende Löcher. Nach ihrer Rückkehr hatte sie die mitgebrachten Besorgungen im Dorfe vertheilt, und war dann in» Hirtenhau» zurückgekehrt, da» sie mit einer verwittweten Tochter und drei Enkelkindern bewohnte. Stark ermüdet, durchnäßt, saß sie im Lehnstuhl dicht am Ofen, der durch zwei riesige Holzscheite eine verschwenderische Wärme ausstrahlte, während die alternde Tochter die Abend» Mahlzeit besorgte- „Großmutter, hast mir auch vom Christkind ein Schäfchen mitgebracht? Ich will ein Schäfchen haben, ein» mit Glöckchen und rothem Bandl" sagte der dreijährige blonde Kraurkopf, indem er sich an Großmutter» groben, naffen Rock schob. „Das Schäfchen, Fritzchen? Richtig — Du hast Dir eins lbestellt beim Christkind, ich weiß wohl!" entgegnete Großmutter verlegen. Denn o Schrecken, sie empfand reu» miithig, daß ihr Gedächtniß diesmal doch ein bedenkliches Loch gehabt hatte. Das Schäfchen — sie hatte es wirklich vergessen! Wenn es einen Trost gab, so war es die That» sache, daß das verfügbare Geld auch zu dem Ankauf schwer» lich gelangt haben würde. Stotternd versuchte sie ein paar Ausflüchte- „Du wirst eine Pelzmütze vom Christkind morgen erhalten, Fritzchen," sagte sie tröstend, mit ihrer rauhen Baßstimme, die zu der robusten Gestalt paßte. Großmutter würde in ihrer Jugend einen guten Dragoner abgegeben haben! Aber auch als Botenhanne war ihre Rüstigkeit am Platze gewesen: e» galt etwa» durch Schnee und Regen, Sturm und Sonnenbrand zweimal wöchentlich al» Lastthier nach der Stadt zu wandern! Zu der Mannesgestalt und dem groben blatternarbigen Gesicht wollte freilich das Herz im Busen nicht paffen: es ging Botenhanne wie bett großen Hunden, die trotz ihrer Riesenstärke weit sanftmüihiger find, al» die kleinen Kläffer. So versuchte fie auch jetzt gegen den Liebling allerlei Trostesworte, Beruhigungsmittel und Zärtlichkeiten, ohne viel auszurichten — selbst ein gebratener Apfel wollte nicht vollständig seine Schuldigkeit thun .... Da ward, trotz de» späten Abend», die Hausthür aufgeklingt, und der Forstläufer von Obersörsterei Kukuk trat ein, schneebedeckt und dampfend von Feuchtigkeit, fast nicht weniger als aus der qualmenden Tabakspfeife. „Die Frau Oberförsterin möchte gern noch Mandeln und Rosinen haben, zum Christstollen, zwei Pfund, Botenhanne möchte e» besorgen!" sagte der Forstläufer. „Es soll der Frau Obersörsterin auch auf ein tüchtige» Stück Kuchen nicht ankommen!" Botenhanne hatte den alten müden Kopf an die Lehne de» Lehnstuhle» gedrückt; sie fühlte sich merkwürdig schwach. Aber ein Wunsch der Frau Oberförsterin war unmöglich zurückzuweisen; die Leute mußten ihre Mandeln und Rosinen 660 - haben, jedenfalls. Darum sagte ste sich aufrichtend: „'s ist böser Weg, sehr böse, und ich wäre lieber daheim geblieben morgen. Aber--" „Du gehst nicht, darfst nicht gehen morgen, Mutter," trat Frau Anna als Tochter verständig dazwischen. „Zweimal bist Du schon in der Stadt gewesen in dieser Woche, das ist genug für Deine Siebzig I Die Frau Oberförster mag fich diesmal ein Paar jüngere Beine besorgen. Ich letd's nicht!" Botenhanne wollte Einwendungen machen, aber ein plötzlicher Hustenanfall, der wie aus verwundeter Brust hervordrang, zwang sie zum Schweigen. Selbst der Förstläufer rieth von dem beschwerlichen Unternehmen ab und ging einen anderen Boten sufzufinden. Frau Anna begann nun die Abendsuppe auszutheilen, indem ste für fich und ihre beiden kleinen Mädchen einen Teller voll aus dem Kochtopfe schöpfte. Für die Mutter füllte sie eine irdne Schlüffel voll und stellte sie neben Botenhanne» Lehnstuhl. Botenhanne und Frttzchen, der an Großmutter« Rocksalten wie an einer Himmelsleiter emporgeklettert war, aßen immer zusammen. Als Beide gesättigt waren, schmiegte fich Fritzchen noch ein Weilchen still auf ihrem Schooße zusammen, wie ein Kätzchen, das endlich das richtige warme Plätzchen gefunden hat, dann trug die Großmutter das Enkelkind ins Bett. Aber auch aus den Federn heraus redete Frttzchen noch von dem „Schäfchen". Wie immer war Frau Anna am anderen Morgen die Erste aus dem Bette — vorausgesetzt, daß ihr Großmutter nicht zuvorkam, nach Altersart war ste manchmal schon beim ersten Hahnenschrei wach. 'Heute aber schlief ste infolge der gestrigen Ermüdung wie tobt — Frau Anna konnte ruhig da« Hau« beschicken. Bald nach Tagesgrauen wollte fie wieder als Näherin auf Arbeit, im Schulzenhofe galt es noch zwei schöne, bunte Kleider zur Weihnachtsbescheerung fertig zu machen, für das Zwillingspärchen des Bauern. Dafür durfte ste von der Wohlhabenheit der Leute erhoffen, daß dem kärglichen Arbeitslohn heute ein reichlicheres Weihnachtsgeschenk beigefügt werde. So war die Großmutter mit den drei Enkelkindern während de« Tages allein. Das war für die Vier jedesmal ein hoher Festtag, obgleich er im Kalender nicht roth angestrichen war. Großmutter ließ Alles mit sich machen, ließ mit sich spielen und ließ sich quälen nach Herzenslust. Und die Milchsuppe, die fie den Kindern dafür kochte, schmeckte durch ein heimlich bereit gehaltene« Stück Zucker jedesmal honigsüß. Wie konnte die Ziege nur mit einem Male so zuckersüße Milch geben? .... Und dazu verstand Großmutter auch von Hänsel und Gretel zu erzählen, heute freilich erzählte fie nur vom Christkinde. Gegen Mittag kam wie täglich der Postbote ins Dorf, war aber heute bepackt wie ein Kameel in der Wüste, Schachteln, kleine Kisten, Packele trug er an seinem Knotenstock befestigt, über der Schulter. Dazu war die umgehängte Geldtasche heute bis zum Rande gefüllt, während die Poststation sonst nur kleinere Geldbeträge durch den Briefträger übermitteln ließ, um denselben auf den einsamen Wegen keinen räuberischen Ueberfällen auszusetzen. Sogar ein Gewehr trug er bei sich, um Rothschüffe abgeben zu können, bei Schneeverwehungen und anderen Gefahren, denen er in winterlicher Einsamkeit hier oben ausgesetzt war. Zum Erstaunen der Leute auf der Dorfgaffe trat er auch heule in« Hirtenhaus ein — und brachte Großmutter einen fünffach gesiegelten Brief. Botenhanne war einen Augenblick starr vor Staunen, dann kam ein unsägliche« Glücksbewußtsein über ihr alte« Herz. Der Brief konnte nur von ihrem Carl kommen, der vor sechs Jahren nach einer deutschen Seestadt ausgewandert «ar. Es war ein geschickter, schmucker Bursche gewesen, hatte daheim aber nicht gut gethan, trotz seine« guten Zimmer- Handwerk«. Allmälich schien er aber besser zu Verstände gekommen zu sein. Gegenwärtig hatte er zwei Jahre ausgehalten bei seinem Meister und sogar jährlich ein paar Mal an die Mutter im Harzdorf geschrieben. Daß er aber sogar Geld schicken werde, das hatte Keiner von dem Carl erwartet! Mit zitternden Händen öffnete Botenhanne den Brief — ein neuer, guter, richtiger Zwanzigmarkschein fiel ihr entgegen. War das möglich? — Run, der liebe Gott hatte die alte Botenhanne doch nicht vergessen! .... Ueberselig reichte sie der ältesten Enkelin den Brief und sagte: „Lieschen, kannst Du schon lesen — ordentlich?" „Ja, Großmutter, in der Fibel und im Gesangbuch!" „Auch Geschriebene«?" «Vielleicht! — Ein Bischen!" Dann kannst mir helfen, Lieschen! Zusammen wird'« wohl gehen!" sagte die Großmutter erfreut. . Und wirklich hatte man nach einer Viertelstunde Folgende« glücklich zu- sammengestolpert: „Liebe Mutter! Ich will Dir diesmal zu Weihnachten schreiben, und gleich zum neuen Jahre gratuliren. Da« alte Jahr war gerade nicht schlecht. Ich weiß, ich habe Dir früher Kummer gemacht, aber jetzt ist'« besser und soll'« auch so bleiben. Fastnächten heirathe ich, und weil meine Guste eine Person ist, die sich die Butter vom Brods nicht nehmen läßt, schicke ich Dir heute zwanzig Mark. Später wird wohl nicht« mehr ab- fallen. Ich möchte aber gern gut machen, wa« ich Dir zu Leide gethan habe, und so ist'« wohl bezahlt. Bleib gesund und behalte lieb Deinen treuen Carl." (Schluß folgt.) Die Krankenträger. Eine Jagdgeschichte vom Mittelrhein. Von Fred Vincent. ------- (Nachdruck verboten.) Anfangs Deeember, wenn ein gelinder Frost Weg und Steg wieder gangbar gemacht, ein junger Schnee vielleicht Felder und Weinberge schon mit einer leichten Decke verhüllt hat, bann ist für die mittlere Rheingegend die Zeit der großen Hasentreibjagden herangekommen. Besonder« ergiebig find dieselben in der hessischen Rheinpfalz und namentlich in demjenigen Theile diese« gesegneten Ländchen«, da« drei Seiten von Rhein und Nahe eingeschloffen, mit seinen rebengekrönten, lieblichen Hügelwellen und seinen fruchtbaren Feldern das vorzüglichste Terrain für die Niederjagd abgiebt. Auf den üppigen Kraut- und Rübenäckern im Thale erreichen die Mitglieder der Familie Lampe bei unbegrenzter Aesung eine seltene Größe und Schwere und in den während der Traubenreife gegen jeden Verkehr abgesperrten Weinbergen an den Hügeln find fie stcher vor den Nachstellungen ihre« ärgsten Feindes, de« homo sapiens. Hier schlägt denn auch die ganze zahlreiche Familie ihr Standquartier auf und könnte nun in aller Rahe Fett ansetzen, wenn nicht auch der arge Räuber Reinecke Fach» mit feiner Sippe fich in diesem Schlupfwinkel festgesetzt hätte und bisweilen ihre stille Beschaulichkeit in zudringlichster Weise störte. Unter so günstigen Verhältnissen ist naturgemäß die Vermehrung der Gattung lepus timidus eine sehr große, so zwar, daß den meisten Jagdpächtern im Contract die Verpflichtung auferlegt ist, jede« Jahr vor Weihnachten mindestens drei große Treibjagden abzuhalten, um dem Ueberhandnehmen des genäschigen Nagers und des durch ihn verursachten Wildschaden» zu steuern. Da« Resultat dieser Jagden ist bei einigermaßen schönem Wetter meistens ein überraschend gutes und es ist durchaus nichts Seltene«, an einem Tage mehr als zweitausend Hasen zur Strecke gebracht zu sehen. Kein Wunder daher, daß Einladungen zu solchen Gelegenheiten gerne angnommen werden und auch ich habe e« bi» vor wenigen Jahren niemals verfehlt, der Aufforderung meines alten Wiesbadener Freunde», Maior Buddenberg, zur Theilnahme an diesen Treibjagden zu entsprechen. Das Jagdrevier, welches der Major in Gemeinschaft mit einem Hotelbesitzer in Bingen gepachtet hatte, gehörte - SSt - adir auH zu den besten des ganzen Landstriches und da es außerdem im Herzen der dortigen Weingegend gelegen war, so bildete dies einen weiteren Anziehungspunkt, sodaß ich gewöhnlich schon zur Eröffnung der Hühnerjagd, sowie während der Tage der Weinlese ständiger Jagdgast auf demselben war. Wie üblich, waren wir näheren Bekannten der beiden Jägdpächter auch diesmal bereits am Nachmittag vor dem Tretbjagen in Bingen eingetroffen und hatten uns im Jägerstübchen de» betreffenden Hotels versammelt, um Kriegsrath zu halten, d. h. die Reihenfolge der Triebe für den nächsten Tag, die Führer für die verschiedenen Abtheilungen der Jagdgäste — es waren über hundert Einladungen ergangen u. a. m. zu bestimmen. Das war bald genug geschehen und nun begann eine gemüthliche Sitzung, die um so gemüthltcher wurde, als wir einen Neuling, einen Engländer unter uns hatten, dem nach echter, fröhlicher, rheinischer Jägerart alles nur Erdenkbare aufgebunden werden mußte. Dieser dankbaren Ausgabe unterzogen fich die Anwesenden auch mit solcher Ausdauer, daß der arme Mr. Todd — ein Wiesbadener Kurgast, den der Major mitgebracht hatte, und der nur unvollkommen deutsch verstand, — fich nicht anders zu helfen wußte, als mit Jedem, der ihm einen „guten Rath" ertheilte, anzustoßen und ein Glas Rüdesheimer nach dem andern zu leeren mit der stereotypen Entgegnung: Oh yes. Ich sehe — thank you very much! Daß indessen der schwere Rheinwein besonders zur Klärung seines Verständnisses beigetragen hätte, wäre zu viel behauptet, doch hatte derselbe immerhin die gute Wirkung, den Engländer sehr heiter zu stimmen, sodaß er bereitwillig mitlachte und bald allgemein für einen „guten Kerl" erklärt wurde. Damit aber hatte er gewonnenes Spiel, und als Buddenberg, der inzwischen die Wagen für morgen bestellt hatte, wieder eintrat, konnten wir Beide es übernehmen, Mr. Todd einige kurze Verhaltungsmaßregeln zu geben, ohne daß fein Verständniß von der übrigen Gesellschaft durch „Erläuterungen" verwirrt worden wäre. Als Hauptsache prägte ihm der Major ein: Nicht in die Treiberltnie und nicht in die Schützenlinie hinein- schießen, überhaupt niemals auf weitere Distanz als 40 Schritt — „sonst arbeiten Sie für die Sanitätscolonne!" „Was ist Sanitätscolonne?" fragte verwundert der Engländer. „Ja so!" meinte Buddenberg, „Das können Sie natürlich nicht wissen. Ja, sehen Sie, dis Sanitätscolonne, da» sind . ... na, Sie werden ja morgen schon selbst sehen!" damit überließ er die Erklärung dem Zufall und der Zukunft. Allein Mr. Todd «ar neugierig geworden, und so sahen wir denn, wie er sich an einen der älteren Herren heran machte: „Plea ee, Mr. Schoeller, was ist Sanitätscolonne? „Sanitätscolonne?" entgegnete der Gefragte, „ach so, Sie meinen wohl die Krankenträger? „Krankenträger? "Well, was ist Krankenträger?" „Ja, sehen Sie, da» find Leute — Bauern — aber Sie werden schon selbst sehen . . ." „Das hat gesagt der Major auch. Ich werde also warten bi» morgen." E» war ein herrlicher Deeembermorgen, klar und kalt, al» wir, beschienen von den ersten rothen Strahlen der soeben am Horizont fichtbar werdenden Wintersonne, am nächsten Tage am Rendez-vous-Platze eintrafen, wo fich bereits eine ganze Anzahl von Schützen eingefunden hatte, sodaß wir nun über 90 Personen zählten. Allgemeines Aufsehen erregte hier Mr. Todd, der in ganz neuer Ausrüstung erschienen war und dessen hellgelbe Riemen an Flinte, Jagdtasche und Rucksack weithin in der Sonne leuchteten. „Na, wenn Sie heute nicht einen colossalen Anlauf haben," meinte der Major anzüglich, „dann weiß ich es auch nicht." „Warum? Was ist Anlauf?" fragte der Engländer dagegen. „Na die Hafen glauben eben, hinter einem neuen Flintenriemen steht auch ein neuer Jäger, und da ste nicht gerne getroffen sein mögen, so wollen ste alle gerade an diesem vorbei und laufen ihn an. Da» heißt Anlauf......Er ist nämlich ein sehr guter Scheibenschütze," fuhr er halblaut zu mir gewandt fort, „ich habe ihn auf dem Schießstand kennen gelernr. Ob er aber auf der Jagd etwa» trifft, das steht noch dahin, obgleich er in Schottland schon unendlich viel grouse geschossen haben will. Na, wir werden ja sehen. J-tzt aber ist e» Zeit, die Schützen anzustellen, die Treiber sind schon fort, wie ich sehe, also vorwärts, meine Herren. Waidmanns Heil!" Der erste Trieb sollte in den Feldern des Thales veranstaltet werden und unter vier Führern, zu welchen auch ich gehörte, bewegten sich die Jäger in vier Abtheilungen ihren Ständen zu. Diese Stände bestanden einfach in halb manns- tiefen Erdlöchern, in welchen der Schütze, sobald er auf seinem Jagdstuhl saß, fast vollständig verschwand und derart von den anlaufenden Hasen kaum bemerkt wurde. Er konnte auf diese Weise das Wild ruhig bis auf gute Schußweite herankommen lassen, sodann aufstehen, einen sicheren Schuß abgeben und wieder verschwinden. Da der erste Trieb sehr groß war und hin und zurück getrieben werden sollte, so konnten immerhin anderthalb bis zwei Stunden bis zu seiner Beendigung vorübergehen und es war daher recht wohl angezetgt, fich in dem Stand einzurichten, um sich gegen dis Kälte zu schütze«. Bei der Aufstellung meiner Abtheilung hatte ich Mr. Todd bis zuletzt bei mir behalten und ihm den Stand neben mir gegeben. Bevor ich mich nach dem meinigen verfügte, unterwies ich den Engländer nochmals kurz und schärfte ihm noch besonders ein, alle, die Schützenlinie passierenden Hasen bis zu einem gewissen Punkt hinauslaufen zu lassen, niemals aber auf weitere Distanzen oder dann zu schießen, wenn er seines Schusses nicht sicher sei, da er sonst nur für die Krankenträger arbeite. Damit zeigte ich ihm eine Anzahl dunkler Gestalten, die fich in ziemlich großer Entfernung hinter uns so gut wie möglich versteckt hielten. „Und was thun ste dort?" fragte Mr. Todd, indem er sich eine mächtige wollene Decks um seine langen Beine wickelte. „Das werden Sie bald sehen," entgegnete ich und eilte nach meinem Stand, denn soeben wurde das Huppenzeichen zum Beginn des Triebes gegeben. Die Treiber waren eingegangen, und bald entwickelte sich auf dem weiten Felde ein reges Leben, denn auf allen Ecken und Enden sprangen die Hasen aus ihren Lagern, um in eiliger Flucht ihr Heil zu suchen. Eine starke Hühnerkette stand auf und schwirrte nach den Weinbergen hinüber, von allen Seiten krachten die Schüsse, und aus der Treiberkette klang deutlich der Ruf zu uns herüber: „Harro, Fuchs, Fuchs!" (Schluß folgt.) GeMeinnütziges. Veilchen im Winter. Das Treiben der Veilchen wird noch viel zu wenig von Blumenfreunden geübt, und doch ist solche» sehr einfach und lohnt die kleine Mühe so reichlich. Man hat ja nichts weiter nöthtg, al« im H erbst die Veilchen in Töpfe zu pflanzen, sie in einen leeren Mistbeetkasten, oder in eine ausgeworfene Grube zu stellen und mit etwas L-ub zu umgeben und dann tm Wmter in die Stube an» Fenster zu stellen, wo sie zum Blühen kommen. Anstatt die Töpfe in einen Mtstbeetkasten oder Grube zu stellen, können ste einfach auch nur im Garten eingegraben werden, doch stehen sie hier nicht so warm, als wenn sie tiefer zu stehen kommen. ♦ * ♦ Arbeiten im Ziergarten. Immer grüne, sogenannte Kalthauspflanzen, gleich den Pelargonien, Primeln, Cmerarien, befinden sich am wohlstsn in südlich gelegenen Wohnräumen mit einer Durchschntttswärms von 8 brs 9° 0.; die blühenden, krautartigen und Fettpflanzen werden möglichst hell gestellt. Warmhaus pflanzen kommen auf den Blumentisch, bezw. hinter die Doppelfenster des Wohnzimmers. Fettpflanzsn und Cacteen werden fast gar nicht begossen, alls sonstigen nicht blühenden Gewächse vorsichtig, treibende und blühende Gewächse nach Bedarf, alle aber mit abgestandenem Wasser, welches wenigsten» die Höhe der Zimmertemperatur zeigt. Frühblühende Hyacinthen für den Äelhnachttstor Annen, falls sie ihre Töpfe durchwurzelten, in warmem Zimmer aufgestellt «erden. ♦ e Ein sehr gutes Verfahren, nm Meerrettig aufzubewahren, besteht darin, daß man die Wurzeln, die ja bekanntlich nur vom Herbst bi« zum Frühjahr gut find, in Stücke schneidet, diese auf einem Ofen schnell trocknet, dann zu Pulver stößt, und letzteres in einer gut verkorkten Flasche auibewahrt. Beim Gebrauch feuchtet man eine beliebige Portion davon mit Wasser oder etwa« Esfig an und läßt stö einige Minuten stehen, wodurch da» Pulver aufgeht und dann die ganze Stärke des Meerrettigs ^wieder erlangt. Kartoffel« von schlechter Qualität verbessert man beim Kochen auf folgende Weise: In da» Wasser gibt man ein Stück Kalk von der Größe einer welschen Nuß. Die Kartoffeln werden dadurch bedeutend mehliger. Mäuse kauu man* durch Terpentin aus Häusern vertreiben. Der Geruch de« Terpentinöls ist den Mäufen sehr zuwider. Man kann Lappen damit bestreichen und ste in die Löcher legen oder an solche Orte, wo man die Mäuse gern verscheuchen will. Nach Verlauf von 14 Tagen taucht man die Streifen von Neuem ein. Feine weiße wollene Shawls und Halstücher reinigt man, indem man fie in eine Schüssel oder ein anderes Gesäß legt und ste dann trocken recht sorgfältig mit etwa« Weizenmehl abreibt, wie wenn man e« waschen wollte, und darauf da« Mehl gut au«schüttelt. Ist da« Tuch hierauf noch nicht ganz rein, so wiederholt man da» Verfahren mit frischem Mehl. Waschledrrne Handschuhe zu wasche«. Man fülle eme Waschschüssel mit lauwarmem Wasser, lhue dazu einen Eierbecher voll Stearinöl, eben so viel Salmiakgeist, und rühre dieses mit der Hand schaumig. Ist dies geschehen, so ziehe man die Handschuhe an und wasche ste sauber Dann werden ste leicht ausgedrückt, links gekehrt und zum Trocknen aufgehängt. S nd sie trocken, so reibe man fie weich und ziehe sie einmal über die Hand. • ♦ Weiße holsteinische Küche«. Man lasse 1 Flasche Rosenwasser, 2 Kilogramm Zucker, 375 Gramm Butter, 15 Gramm Zimmt, 10 Gramm Kardamom, die Schale von 2 6 t onen zusammen auskochen, etwas abkühlen, gieße es als« dann über 2*/g Kilogramm Weizenmehl und verrühre es recht eben- Nun lhue man einen Theelöffel voll gestoßenes Hirschhornsalz dazwischen, rühre e» gut durcheinander und lasse den Teig eine Nacht im warmen Zimmer stehen. Am nächsten Morgen knete man den Teig gut durch (mit nicht zu viel Mehl, lasse ihn dann einige Minuten ruhen und rolle ihn alsdann au« (*/z Centimeter dick), forme ihn beliebig in kleine oder grobe Stücke und lasse ihn recht vorsichtig kochen, daß er weiß bleibt. @« bringt etwa 6 Platten- ♦ * Husarenbraten. Ein Rindrippenstück ohne Knochen salzt man, umwickelt es mit Speckstretfen und läßt es im Backofen in reichlicher Butter unter öfterem Begießen beinahe gar werden- Alsdann nimmt man das Fletsch au« dem Ofen, macht in dasselbe in regelmäßigen Abständen von ca. 3 Centimetern tiefe Einschnitte und streicht in diese eine Farce, die man hergestellt, indem man mehrere feinge- hackte Zwiebeln in Butter dünstet und ste mit geriebenem Weißbrode und Parmesankäfe, Pfeffer, Salz und einigen Eidottern zu einer steifen Masse verrührt. Hierauf brät man da» Fleisch völlig gar und verkocht das Bratenju« mit einem Theelöffel Liebig» Fleischextract und einem Glase Burgunder zu einer sämigen Sauce. Hirmsvistisches. Treffend. Erster Hausknecht: „Wo warst Du denn jetzt so lange Zeit?" — Zweiter Hausknecht: „Ich erledigte glänzende Geschäfte." — Erster Hausknecht: „Wie meinst Du das?" — Zweiter Hausknecht:. „Na, ich wichste Stiefel." • ♦ e Feinste Bildung. „Unsere Martha, Herr'Professor, 'muß bekommen die feinste Bildung. For de französische Sprache engagiren wir eine Gouvernante, und for de englische eine Miß!" — „Und wie halten Sie es mit dem Deutschen?" — „Das lerne wir sei" * • * Gefährliche Drohung. Bettler (der ein Stück Braten bekommen): „Vergelt'» Gott! Sie, gnä' Fräul'n, haben Sie den Braten selbst 'braten?" — Fräulein: „G-. wiß!" — Bettler: „Nacha geb'» s' mir noch 10 Pfennig', sonst geh' ich zu Ihrem Herrn Bräutigam und laß ihn den Braten kosten I" * « Nur immer schlau. Ein junger Ehemann kommt von einer Kneiperei erst gegen Morgen nach Hau». Al» er im Begriff ist, sich au«zuziehen, erwacht die junge Frau und fragt verschlafen: „Karl, willst Du schon ausstehen, e» ist doch erst gegen fünf Uhr!" — „Du hast aber auch recht," entgegnete schlau der Mann, zog sich völlig aus und legte sich in’« Bett. ' 11 . 1 .. ......■"jrrwHaiiwmw Weihnachtsbitte 1896. Nun nahen wieder jene Stunden, Wo schauert leis der Tannenbaum; Von Liebesgaben hold umwunden, Sieht er sich schon im süßen Traum. Bald schmücken ihn geschäft'ge Hände, Denn Liebe gönnt sich keine Rast; Er sehnt sich nach des Christkinds Spmde, Er trägt so gern die gold'ne Last. Holt sie herein, die Tannenbäume! Laßt strahlen sie im Kerzenschein! Sie woll'n des Hauses stille Räume Mit würz'gem Tannendufte weih'«. Sie wollen segnen jede Hütte, Erhell'« der Sorge düst'res Haus, — O, daß die Liebe wieder schütte Ihr Füllhorn auf die Erde auS I Die Hand, die freudig will empfangen, Empfängt noch froher, wenn sie giebt; Der ist den Weg zum Glück gegangen, Der selbstlos wie sein Heiland liebt. Das ist die reinste Lieb' auf Erde«, Die wandelt gern das Mein zum Dein; In solcher Liebe selig werden, Laßt uns're Werhnachtsfreude sein. Es ist die Zeit in ihrem Wandel Richt frei von Haß u«d Reid und Streit, O, deckt der Liebe Sternenmantel Aus dieser Erde Roth und Leid. Ihr werdet ihre Macht bezwingen, Uebt Ihr des Christen fromme Pflicht, O, laßt auch aus der Hütte dringen Der Liebe gottbegnadet Licht! Bald werden wieder Glocken tönen Ihm, den der Vater uns gesandt; Wollt Ihr das Fest der Liebe krönen, So öffnet liebend Eure Hand! Er, der für uns am Kreuz gelitten, Will, daß Ihr Euer Herz erweicht; Laßt nicht umsonst die Liebe bitten Und macht die schweren Herzen leicht! Hermann Pilz. Rtbartion; 1. Schrtzda. *» Druck und Verlag der Brühl'schm UrüversMktS-Buch- und Eteindruckerei (Pietsch & Scheyda) in SießM.