Pflege ihm geholfen hatte, sich wiederzugewinnen, dankte es ihr nicht, weil es ihm an ihrer Seite nicht lieb geworden war. Ach, sie sagte es sich ja jeden Tag, sein Wohlwollen, seine Achtung, ja, die besaß sie, aber seine Liebe? Die sich zu erringen schien ihr vom Geschick versagt zu sein. Wenn Liebe Liebe erwecken soll, hier bestätigte sich dies« allgemeine Regel nicht. Für sie war er Alles, ihr Glück, ihre Sonne, und wie sie damals dem Kranken ohne Besinnen ihre Tage hingegeben hatte, nur in dem Bemühen, für ihn zu sorgen, für ihn zu leben, so würde sie es auch heute noch dem Ge- sunden thun. Aber der Gesunde bedurfte ihrer nicht, der Gesunde sah . in ihr nur eine Fessel und eine Fessel durfte sie ihm nimmer werden I Wolf kehrte zurück, Ilse zwang sich zu einem Lächeln, so schwer ihr auch um's Herz war. Hätte Wolf genauer auf sie geachtet, ihm wäre nicht entgangen, wie die Ruhs und der Frieden aus diesem sanften Antlitz gewichen, wie es sich in dem Jahr der Beisammenseins gewandelt hatte. Er aber sah es nicht; ihm war sie ja immer die gleiche, freundlich liebevolle Gefährtin und er glaubte, sich und ihr genug zu thun, wenn er sie mit dem Respect eines Cavaliers behandelte und sie mit der äußeren Zuvorkommenheit umgab, die ein Mann seiner Gattin schuldig ist. Daß sie etwas entbehrte, das ahnte er kaum und hätte er es geahnt: konnte er ihr mehr geben, als er zu geben? „Professor Riefenthal wirb uns begleiten," rief Wolf ihr schon von Weitem entgegen. „Seine Führung wird uns sehr nützlich sein. Uebrigens habe ich nicht ohne Mühe den Wagen erhalten. Die Hotel-Equipage ist schon von Neuangekommenen Gästen mit Beschlag belegt worden, die denselben Ausflug wie wir beabsichtigen und bereits fort sind. Doch versprach der Wirth, so rasch als möglich ein anderes Gefährt herbeizuschaffen. Bitte, mache Dich fertig!" Es war eine köstliche Fahrt, unvergeßlich sür Ilse; die letzte, die sie in äußerer friedlicher Gemeinschaft mit dem Gatten unternahm. Der Professor war fehr heiter gelaunt, ihn muthete Alles an wie ein Sang aus alter Zeit, und sein Mund floß über in Dithyramben der Begeisterung. Auf der Spaniata wandelte das Volk schon in festtäg- i Lappe«, über- ehe«. Es hält ocherr. Wenn afwallen ist, so ;«ei Kaffeelöffel re es auch von in dem Gerüche pur übrig. itttttß« Man i», damit nichts mache daraus werden können. ;eeblätter; man der Theekanne eraus. Da der Serbsäure absor- reitete Thee sehr brauch recht gut öchstens sünszehn lenbet werden. Einer Dame »önheit Anspruch äst und Verstand ast die Fatalität, )ie Dame machte, ;e Zimmer wurde mden. Tags dar- n, begleitet von >l sehr bekannten :e, so glücklich ge- siedergefunden zu geöffnet und siehe eines Esels. Die ;e Fassung im Geld schrieb dem gr- 1er Beweise Ihrer Sie dieselbe aber n ausziehen lassen habe ich nimmer- nen verbindlichsten livernants: „Grob- I . . . Wissen Sie zu nennen?" - ein: „Ich möchte ; der Goethe'fchen äulein, diese Aus- lg erschienen!" - angsam!" zäckchentaillen, wie ft Mt werden, sollen sm r sahen solche Mod-N- eilen combinirt, dann, tut neuartigem Wen formen. Das eben «' alt eine große Anzahl i-ende Garderobe«-, fer vorzüglichen wo auch AbynnemeB leyda) in Gießen- UnrerlMmrgsdLM pnn Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) Rr. 82. vj-,, _ '■ WW-WWMLS zeWNKKHUMLSWWßMS '.s-M-WAI-*,k'i' .lF. ° Y WMMWMM Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. (Fortsetzung.) „Hoho," rief der Arzt, „so etwas darf man eigentlich hier in Corfu, in dieser Umgebung, unter solchem Himmel gar nicht aussprechen. Sacrilegium, Herr Baron, bet Gott, Sacrilegium!" „Ja, wie länge dauert aber diese Pracht hier?" widersprach Wolf. „Man erzählte mir, nach Mitte Mai schon würde es hier unerträglich, dann kommt der Sirocco mit seinem heißen Athem und macht die Luft dick und nebelig, treibt die Menschen in die schützenden Mauern der Häuser zurück und wer da kann, entflieht der drückenden Gluth." „Ja, ja, auch Corfu ist dem Wechsel unterworfen, Herr Baron, wie Alles in der Welt. Vorläufig kann man es dreist noch als Jsola beata bezeichnen, auf der man in Wahrheit den Götterhauch der Seligkeit einathmet. Genießen Sie noch die schönen Tage hier, so lange es geht, und sehen Sie sich mit Ihrer Frau Gemahlin das griechische Osterfest an. Als etwas ganz Eigenartiges kann ich Ihnen heute eine Fahrt nach dem hylläifchen See und den Inseln empfehlen, wo man daran ist, die Kapellen zum Feste zu schmücken." Damit war der kleine, behäbige Doctor auch schon fort, ehe Wolf noch eine Antwort ertheilen konnte. „Hast Du Lust zu der Fahrt?" fragte er, ohne Ilse anzusehen. „Gern, wenn e« Dir Vergnügen macht." „Dann muß ich sofort einen Wagen bestellen. Zu lange dürfen wir nicht zögern, denn Alles fährt heute; ich glaube, das ganze Hotel ist fast leer." Ilse stützte den Kopf in dis Hand und blickte dem Forteilenden in Gedanken verloren nach. Wie lange wird's noch dauern, und das Alles liegt wie ein Traum, ein kurzer, schöner Traum hinter mir, ging's ihr durch den Sinn. Wie weh ihr wieder Wolfs Worte gethan hatten: „Wenn man einem Menschen überhaupt zum Leben gratuliren kann!" Er dankte ihr nicht einmal das Leben, das sie mit ihrer ~ 126 — effen versäumen-" , „ Und wieder trägt da» leichte Gefährt sie weiter, das schattige Berggelände hinunter, .durch stille Gründe, in denen muntere Quellen sprudeln, von Myrten, Oleander- und Granatbüschen umsäumt. Tiefer noch, wo der Weg zum See führt, springen lachende Kinder den Fahrenden entgegen, Blumensträuße und Lotusfrüchte zum Kaufe bietend. Der Profeffor und Wolf nehmen ihnen eine Anzahl ab. Wolf steckt selbst ein Sträußchen an Ilses Brust, es ist eine der ersten Aufmerksamkeiten, die er ihr erweist und die sie innerlich erzittern macht. In Wahrheit steigt es warm in Wolfs Herzen auf, als er sieht, wie die sanften Züge Ilses in Verklärung beim Anschauen all' dieser Schönheit leuchten. So viel ist er ihr ja an Dank schuldig. Vielleicht wäre er ohne sie gar nicht im Stande, das Alles zu sehen I gehen.' hinausziehend. t m „Lasten Sie uns fortgehen von hier!" ruft er dem Pro- f ff „Um Himmelswillen, was haben Sie?" fragt dieser von ihren Lippen. „Wolf — Baron von Menzelen!" Es ist ihre Stimme; sie ist es, Adeline, und nun hebt sie, wie Kühlung suchend, den Schleier und er sieht einen Moment in ein paar rehbraune, bittende Augen, — Augen, die ihn schon einmal berückt haben, die ihm zum Verderben geworden sind. Mit brüsker Bewegung dreht er sich um und faßt Ilses Arm, die ihm mit dem Profeflor gefolgt ist, sie mit sich erstaunt. , c ... „Nichts, der Dunst des Weihrauchs; es wird vorüberund zu genießen. Er sagt sich !das täglich und sucht sich hl das stille, ruhige Leben an ihrer Seite hinein zu gewöhnen. Wenn nur das heiße, verlangende Blut mit der zunehmenden Gesundheit nicht wieder so begehrlich in ihm aufwallte! Kleine Häuschen, von Gärten umgeben, leuchten zur Seite auf. Weiße Lämmer grasen dort unter schattigen Olivenbäumen. , , Am Ufer des hylläischen Sees, vor einem schmalen Landstreifen, der das kleine Eiland mit dem Kloster Vlacherena und dem Festlande verbindet, hält der Wagen neben mehreren anderen. „Die gute Athanasia hat schon Besuch," ruft der Pro- feffor, eiligst aus dem Wagen springend. „Sie werden da ein Unicum kennen lernen," wendet er sich zu den hinter ihm Herschreitenden, denn man kann nur im Gänsemarsch die Landzunge passiren. „Ein Kloster, das so klein ist, daß nur eine einzige Nonne darin Platz hat, die zugleich Priesterin, Hausverwalterin und Herzensvertrauts aller Frauen und Jungfrauen der Umgegend ist, dis gern zu ihr gepilgert kommen, I um ihr nicht allein zu beichten, sondern auch Rath und Hilfe von ihr erbitten. Eine merkwürdige Alte, die weit und breit geliebt und geschätzt wird. Sehen Sie nur, wie sie heute umringt ist von jungen, hübschen Mädchen, die ihr Helsen, ihr Kirchlein zum Fest mit Myrten zu schmücken? Mit freundlichem Gruße tritt die alte Nonne den Neuangekommenen entgegen. In der That, eine merkwürdige Alte. Welch' mildes Antlitz! Menschenliebe und Lebensfreude sprechen aus diesen edelgeformten Zügen von echt griechischem Typus, in denen die zahlreichen Falten und Runzeln dis einstige Schönheit nicht zu verwischen vermögen. „Wie glücklich," denkt Ilse, „wer so wie diese Nonne alt werden kann, so in treuem Schaffen, ohne Groll, ohne Wünsche und Begehren, nur der Liebe waltend, im Dienste I li Der Professor macht sie auf den Kirchhof aufmerksam, der dicht neben dem kleinen Häuschen der Nonne liegt, ebenso klein wie Kirche und Kloster selbst. „Hier wird sie ruhen, die gute Alte, neben ihren Vorgängerinnen, ein einziger Stein trägt die Namen Aller; noch ist Platz für einige, die nach Athanasia ihres Amtes hier in dem meerumrauschten Eiland walten werden. Ist er gefüllt, so wird ein zweiter aufgerichtet, bis dereinst vielleicht das Meer kommt und Alles wegspült, Haus und Kirche und Stein." Wolf ist vorangegangen nach der Capelle. Eine Anzahl von Fremden, Inhaber der vor der Landenge wartenden Wagen, die, anders als Wolf, zuerst das Mönchskloster besucht haben und deshalb schon auf dem Rückwege begriffen sind, beschäftigen sich eben damit, bunte Osterkerzen vor dem Bilde der heiligen Pulcheria, der Schutzpatronin des Klosters, anzuzünden. , ,r ,r Zwei Damen sind darunter in grauen Reisekleidern, mit dichten, blauen Schleiern vor dem Gesicht, deren Gestalten Wolf auffallen. Etwas in den Bewegungen der Einen erinnert ihn ziemlich erregend an Adeline. Unruhig tritt er ihr näher, : nun wendet sie ihm ihr Antlitz zu, ein leiser Schrei löst sich kicher Stimmung, Griechen und Albanesen itt ihren Feier- i Neidern, Männer mit dunklen, verbrannten Gesichtern, in . Weißen, faltigen Ueberröcken mit Gamaschen und Schnabelschuhen, den rothen Fez auf dem schwarzlockigen Haa^ stolz einherschreitend, sorglos und vornehm wie antike Helden, Frauen in prächtigen, goldgestickten Gewändern, Ketten von Silbermünzen um den Hals, Mieder und Schuhe roth mit Gold gestickt, um den Kopf ein feines, gelbliches Schleiergewebe, unter dem gvldene Münzen auf die schmale, gebräunte ^ch,^Du"schöne Insel, daß ich Dich so bald verlassen muß!" rief der Professor, dessen Urlaub mit dem Beginn des neuen Semesters erlosch, emphatisch aus. „Sehen Sie nur dort! Ist es nicht, als ob die antiken Chöre, die einst zu den Eleusinnen sich um den Altar des Bacchus schlangen, wieder lebendig geworden wären? Haben Sie je etwas Schöneres gesehen, lieber Baron, als die Augen dieser Frauen? Die sammetbraune Farbe, der edle, mandelförmige Schnitt und der von dunklen Wimpern halb verschleierte Blick, die feingezeichneten Brauen, die die"Alten Bogen des Eros nannten. Ach, gnädigste Frau, halten Sie das Herz Ihres Gemahls fest, hier könnte es wirklich in ernste Gefahr gsrathen." Ueber Ilses Züge huschte ein trübes Lächeln. «Kann man verlieren, was man nie besessen hat?" tönte es in ihr. Ach, baß sie eifersüchtig fein dürste I Man fuhr die von den Engländern angelegte schöne Via Marina entlang, durch die venezianischen Bastionen nach der Villa Reale und weiter an den entzückenden Villen vorbei, die dort vornehme Griechen und reiche Ausländer errichtet haben, alle von blühender Rosenpracht, von Erikabäumen, Orangen und Palmen umgeben. Dann hinauf nach dem kleinen, anmuthigen Weiler Hagia Analipsis mit seinen prächtigen Olivenhainen. Hier bewegen sich fröhliche Gruppen, bekränzte Jünglings und Jungfräuen Arm in Arm beim Klangs einer Flöte dahin- fchreitend, dort drehen sich kräftige Männergestalten im Tanze, das lockige, schwarze Haar bacchantisch im Winde flatternd, geborene Ballettänzer, an Grazie ihre geschulten Collegen bei un» weit übertreffend. Tief unten zwischen dunklen Höhenzügen blinkt der Hyl- kätsche See auf, dahinter das Meer und die Berge von Epirus, von Duft umfchleiert, ein Bild von so berückendem Reiz, wie es wenige in Europa giebt. Schweigend schauen Wolf und Ilse von der Anhöhe, auf die sie der Professor geführt hat, darauf hinab. Dieser selbst trippelt aufgeregt hin und her und immer wieder stößt er die Frage hervor: „Run, habe ich zu viel gesagt? Ist das nicht der richtige Hintergrund für die herrliche Odyssee ? Und wenn die Gelehrten auch noch daran zweifeln wollen, daß dieses die Phäakeninsel gewesen ist, wo Osyffeus landete, vermag irgend eine andere der jonischen Inseln den Dichtertraum Homers so zu verwirklichen, wie dieses wundervolle Eiland? Sehen Sie dort, wo der See nach dem Meere zu sich öffnet, jene jäh emporsteigenden schmalen Klippen. Dort stehen die beiden Klöster, zu denen ich Sie führen will, das eine ein Nonnen-, das andere ein Mönchskloster. Doch brechen wir auf, damit wir nicht zu spät dorthin kommen und daheim das Mittag- - 12s - Ker Professor ruft sofort das andere Eiland an. Der Fährmann dort löst seine Barke und kommt eiligst herbei, die Besucher herüberzuholen. , , Die Klippe Pantokrator, bedeutend vornehmer als die Wohnstätte Athanastas, wenn auch nur zwei Mönchen Wohnung gebend, erhebt sich über einem mit Gartsnanlagen gezierten, terrassenförmigen Ausbau. Eine Weinlaube überdacht die Plattform vor der Kirche, Lorbeer, Rosen und Cactus blühen um die Mauern des Klosters, das schlanke Cypressen einrahmen. „Ein so sreundlicher Empfang wie drüben von der guten Schwester Athanasia wird uns hier nicht zu Theil werden," meint der Professor. „Die heiligen Väter hier zeigen sich sehr verschlossen gegen die Fremden, wenn sie es auch zulassen, daß das Eiland besichtigt wird; betitf dis Büchse an der Kirchenmauer, in die hauptsächlich die Fremden opfern, muß das nöthigs Geld zum Unterhalt des Klosters liefern. Sonst würde man wohl kaum Zutritt haben." Auch hier sind die Mönche mit dem Ausschmücken ihrer Kirche beschäftigt, zwei hochgewachsene Männer mit edelge. schnittenen Gesichtern, der hohen Priestermütze auf dem zu einem Knoten geschürzten üppigen Haupthaar, das, da es nicht abgeschnitten werden darf, gelöst oft bis zum Gürtel hinab- wallt. Sie grüßen die Ankömmlinge schweigend, ohne sich in ihrer Arbeit stören zu lassen. Wolf ist nicht mehr recht bei der Sache und steht zerstreut aus. Nur halb hörte er auf die Erklärungen des Professors, so daß Ilse sich doppelt aufmerksam zeigte, obwohl auch sie sich durch ihres Gatten verändertes Wesen beunruhigt fühlte. Sie hat den Vorgang in der Capelle der heiligen Pulcheria wohl bemerkt, ohne sich jedoch eine Erklärung dafür geben zu können. „Wissen Sie denn, wie man diese Insel getauft hat?" fragt der Professor, als sie draußen in der Weinlaube zu kurzer Rast auf eine dort stehende Bank sich niedergelassen haben. „Schauen Sie sich einmal ihre Form an. Woran erinnert sie?" Weder Wolf noch Ilse finden eine Antwort. „Sie rathen es nicht," fährt der Professor fort. „Nun, denn, die Sage glaubt, in dieser Klippe das durch Poseidon versteinerte Phäakenschiff des Odysseus zu sehen. Und gleicht das Plateau hier in seiner Form nicht wirklich dem Verdeck eines Schiffes? Aber ich sehe," fügte er ein wenig verstimmt durch die sichtlich abnehmende Aufmerksamkeit seiner Begleiter hinzu, „die Herrschaften sind müde. Ich will nur eine griechische Inschrift, die mir eben an der Mauer in's Auge fiel, durchlesen, dann wollen wir aufbrechen." Ilse faßt, als Beide allein sind, besorgt des Gatten Hand. „Du fühlst Dich doch nicht unwohl, Wolf?" „Nein, nein," wehrt er ungeduldig. „Die Begegnung war's nut. Ahnst Du, wer die Damen sind, die mit uns in der Capelle der heiligen Pulcheria waren, wie sie hierher kommen?" „Wie sollte ich? Du kennst sie?" „Es ist die Braut Axels und deren Mutter." „Die Braut?" fragte Ilse mit einem leisen Erstaunen. „Hat man Dir nicht aus der Hsimath geschrieben, daß die Verlobung zurückgegangen ist?" „Die Verlobung zurückgegangen?" ruft Wolf und über sein Gestcht fährt es wie ein jähes Erschrecken. „Woher weißt Du das?" „Pastor Seiffard schrieb es mir schon vor längerer Zeit, doch scheute ich mich, darüber mit Dir zu sprechen, da Du mich direct gebeten hast, den Namen Deines Vetters nie vor Dir zu nennen." Wolf ließ den Kopf in die Hände stnken. „Ja, ich scheute mich, von seinem Glück zu hören," sagte er leise, „und nun?" Er verstummt, als fürchte er stch, weiter zu sprechen, etwas zu sagen, was besser ungesagt bliebe. Ilse beobachtet ihn voll steigender Angst. Eine Ahnung erfaßt sie, Worte, Andeutungen der Mutter werden wieder n ihr lebendig: Nicht allein die Beleidigung der Mutter Wolfs ei Veranlassung zum Duell gewesen, eine höchst Lebendige iecke dahinter. Wenn diese höchst Lebendige die damalige graut Axels gewesen wäre? Und ste ist hier, ihm vielleicht nachgereist, und frei, frei I Ihr ist, als würde ihr der Athem benommen, sie wendet ich ab, ihre heftige Erregung vor dem Gatten zu verbergen, )er bleich, mit verdüsterter Stirn und verstörtem Blicke regungslos vor sich hinstarrt. Sie ist frei, so tönt es schmerzvoll auch in ihm — für mich zu spät, zu spätl Des Professors zum Aufbruch mahnende Stimme schreckt beide Gatten aus tiefer Versunkenheit empor- So lebhaft und heiter die Herfahrt gewesen, so still und werthlos wird die Heimfahrt. Vor Wols« erregter Phantasie gaukeln verlockende Bilder einher, die sein Blut zum Sieden bringen, Ilse denkt bangenden Herzens der Zukunst; nur der Professor schaut heiter genießend um sich, bis auch ihn die laue Luft, die wiegende Bewegung des Wagens in Träume versenkt, die ihn der Wirklichkeit entrücken und ihn in jene alte, Poesie umrauschte Zeit versetzen, in der die Gestalten Homers noch auf Korfus Gefilden wandelten. XV. Nur mühsam gelangte der Wagen, sobald er das Weichbild der Stadt berührte, vorwärts. Alle Straßen waren von einer dichtgedrängten Menge durchfluthet. Hier wurden in den zum Feste aufgefchlagenen Buden allerhand Vorräthe, Backwerk, Maisbrod und Orangen gekauft, dort trieb ein Eseltreiber sein mit Körben voll Rosen, Erika und Myrtenböschen beladenes Thier unter lautem Schreien und Aufforderung zum Kaufen mitten in den sich stauenden Menschenschwarm. Daneben drängten sich Männer hindurch, die Osterlämmer über den Rücken geworfen ober Steinkrüge auf dem Kopfe tragend. In der Nähe der Spaniata, wo die Processton vorüber gehen sollte, wurde das Gewoge noch dichter. Hier mischten sich zwischen die Bewohner Korfus noch eine Anzahl von Fremden aller Nationen, um die Ausschmückung des Platzes, die Deco« ration der Häuser, die Fahnen und Lampions zu betrachten, die zur Jllimination an der Balastrade, den Kaffeehäusern und Stanbildern angebracht waren. Die table d’höte hatte bereits angefangen, als der Wagen endlich vor dem Hotel hielt. Wolf erklärte sich für zu angegriffen, um mit Andern sprechen zu können, und befahl, das Diner auf dem Balcon feiner Wohnung zu servieren. Der Professor verabschiedete sich. Er wollte das Vergnügen, an der table d’höte zu speisen, nicht entbehren, versprach aber, nachher die Freunde noch auszusuchen. Es dauerte lange, ehe die vielbeschäftigten Kellner Zeit fanden, Wolfs Befehl nachzukommen. Schon füllten sich die Nebenbalcone mit Zuschauern für die Procession, als die Speisen ausgetragen wurden. Da mitten beim Essen, fiel Wolf plötzlich die Gabel aus der Hand. Auf dem zunächstliegeuden Balcon wurde gesprochen, eine melodische Frauenstimme ließ sich in englischer Sprache vernehmen, auf die eine rauhe Männerstimme antwortete. Er war der Fremdenführer, der die beiden Damen schon auf dem Ausflug begleitet hatte, nun hier seine Erklärungen fortsetzte, und auf das Interessanteste der Umgebung, wie der Vorgänge auf dem Platze, aufmerksam machte. ,,Schon wieder siel" stieß Wolf finster hervor, „auch hier nicht allein I" Ilse sah auf ihren Teller nieder, sie that, als habe ste nichts gehört; aber ihr Herz klopfte heftig und sie athmete erst erleichtert auf, als der Professor freundlich grüßend, und heiter wie immer, zu. ihnen trat und Über feine Erlebnisse an der table d’höte berichtete. „Es ist wirklich schade, lieber Baron, daß Sie gerade heute fehlten," sagte er, stch an Wolfs Seite niederlassend. „Eine solche exquistte Gefellschaft haben wir noch nicht gehabt, und diese schönen Frauen! Aber, was sehe ich?" fügte er, Mutter ist." Ein Gebildeter. Vergeßlich. (Professor zu seiner Gattin): „Elise, ich soll übermorgen um 7 Uhr Abends einen populären Vor- trag über die rationelle Uebung des Gedächtnisses hallen • • . Sei so gut, laß mich nicht daraus vergessen!" tüchtig ab. Gelb gewordene Gegenstände aus Elfenbein bleicht man, indem man sie im feuchten Zustande unter Glas der Einwirkung der Sonne aursetzt. uwlifcfcttb* Vom Ufer des Meeres her begannen Raketen aufzusteigen, hier und da blitzten bengalische Flammen auf. Nun wurde die ganze Front des Hotels plötzlich vom Licht übergossen. Nebenan war das Gespräch längst oer» stummt, der Fremdenführer hatte sich zurückgezogen. Die beiden Damen, schwarze Schleiergewebe um den Kopf ge« schlungen, lehnten bequem in amerikanischen Schaukelstühlen. Das reizende Profil Adelinens sah in der hellen Beleuchtung wie von einer Glorie umwoben aus. Unwillkürlich lenkte sich Ilses Blick auf fie hin. Wie schön sie wart Ja, sie begriff jetzt. wie ihr Anblick schon Wolfs leicht erregbares Blut in Wallung bringen mußte. Und auch sie war irden- falls ihm gegenüber nicht kalt geblieben. Wandte sich nicht ihr Kopf in diesem Augenblick, wie magnetisch angezogen, nach der Seite hin, wo Wolf stand? Und er? Ilse zuckte zusammen. Sie hatte gesehen, wie Beider Blicks sich trafen, in einander versanken. , Unten wurde Gesang hörbar. Die Procession zog von der nahen Kathedrale des heiligen Spiridion heran, voran n,fp(„n9„ Knab-n mit Rosengewinden, die mit hellen Stimmen das des Vesuvs gelesen? Kurie Eleyson in die Nacht hinausschmetterten, dann unter eingesperrt worden? goldenem Baldachin das von Priestern in blinkenden Pracht- • aewändern getragene Christurbild, von Blumen fast verdeckt, dahinter in langer, unabsehbarer Reihe, brennende Kerzen in den Händen, die Behörden, das Militär, die Geistlichkeit, die Bürger und das Volk Wie ein Heer von Leuchtkäfern wälzte es sich heran. Raketen zischten auf und sandten Schwärme bunter Leuchtkugeln in die Luft. Auch auf den Balkonen blitzte es jetzt auf, Jeder steckte seine Osterkerze an. Der Oberkellner reichte auch den Gästen des Hotels welche hin, Adeline hatte sich erhoben und stand mit der brennenden Kerze in der Hand an die Balustrade gelehnt. „Ein Bild zum Entzücken. Sehen Sie doch nur Ihre reizende Nachbarin an, Baron," flüsterte der Professor in Ekstase dem neben ihm stehenden Wolf zu. „Ein Heiligenbild, wie kein Maler es besser erfinden kann. Sind Sie denn ganz aus Eis geformt? Oder fürchten Sie die Gegen- wart Ihrer Gemahlin? Aber nein, die Frau Baronin ist zu vernünftig, sie gibt solchem Wunder der Natur gegenüber Ihnen Absolution für Alles, ich wette darauf." (Fortfetzung folgt.) Anders gemeint. Herr: „Nach dem Braten zu ur- theilen, sind Sie verliebt, Anna!" - Köchin (erschreckt : „Ist er versalzen?" - Herr: „Nein, aber das beste Stück ist herausgeschnitten l" Doppelsinnig. Bräutigam: „Ich bin morgen leider verhindert; willst Du nicht zum Zoologischen Garten gehen und Dir die neuen Affen angesehen?" — Braut (zärtlich): „Ach, Adolf, wenn Du dabei bist, habe rch sür Affen gar kein Interesse!" Klassisch citirt. A.: „Ich finde keine der Töchter des Bankiers Goldmann geistreich, aber mit ihrer großen Mitgift werden sie manchen Lebemann vom Untergang retten. — B-: „Ja, die reinen Gänse des Kapitals." seinen Blick gespannt auf den anstoßenden Balcon richtend, leiser hinzu, „wenn ich nicht irre, haben Sie den Vorzug, Nachbar der reizenden Amerikanerinnen zu sein, mit denen wir schon bei der guten Athanasia zusammen waren, freilich, ohne hinter den häßlichen blauen Schleiern die verborgene Anmuth und Schönheit zu ahnen. Die Damen erzählten übrigen», daß sie Bekannte von Ihnen seien, Herr Baron? Wolf suchte den Unbefangenen zu spielen. „So, sprachen sie wirklich von unserer Bekanntschaft? Sie ist flüchtig genug!" , , r „Nun, bei so hervorragender Erscheinung haben Damen wohl das Anrecht, daß man auch nach flüchtiger Bekanntschaft fie nicht vergißt. Die junge Miß besonders kann sich selbst hier im Lande Aphroditen» sehen lassen, ohne zu sehr die Concurrenz zu fürchten." ‘ Wolf, aus's Peinlichste berührt von dem harmlosen Geplauder des Professors, faltete mit nervös zitternden Händen die Serviette zusammen und trat an die Brüstung des Balkons, sich scheinbar ganz in den Anblick des festlichen Gewühls unten Erbrachter Beweis. Sie: ,Au, die Mama hat sich heute wiegen lassen, sie wiegt 125 Kilo. — Er: „Jetzt wirst Du mir endlich einmal glauben, welch eme Last Deine Ein aufmerksamer Führer. „Hier, meine Herr- schasten, haben Sie die herrliche Aussicht! Außerdem finden Sie hier Bänke, Schatten, Lauben, Quellengemurmel . . . . Ich trete auf eine Viertelstunde hinter jenen Felsen zurück! - „Aber warum denn?" — „Weil sich die Herrschaften hier gewöhnlich verloben!" Aus der Jnstruetionsstunde. Lieutenant: „Unter Tirailliren versteht man die zerstreute Gefechtsweise bei der Infanterie. Also, Füsilier B umski, was heißt tirailliren ? — Bumski: „Wenn — wenn Jemand aus Zerstreutheit bei der Infanterie fechten geht." „Haben Sie schon vom Ausbruch „Nein, weshalb war denn der.Kerl • * Vor dem Verlobungswalzer. „Laß mich noch einmal tanzen, Papa! Es ist der letzte Tanz!" — ^Das kennt man schon, und dann kommt der allerletzte! „Nein, Papa, dies ist wirklich der letzte, ich weiß es ganz bestimmt; geseufzt hat er schon!" Gsm-innNtziges. Elfenbein zn reinigen. Die Reinigung geschieht, indem man mit einem leinenen Lappen eine Mischung von flüchtigem Salz, Baumöl und Schlemmkreide aufträgt und mit weichem Leder abreibt. Bei sehr schmutzigem Elfenbsm läßt man die Masse etwas sintrocknen und bürstet sie dann BeimMittagessen. Meisterin: „Thu Mz so, als ob Du zu Hause wärst." — Neuer Lehrling: „Denn möcht ick noch um 'n Stück Fleesch bitten." - Meisterin: „Dummer Bengel, bet habt Ihr doch zu Haus nicht jehabt." — Lehrling: „Nee, aber wir durften et fordern." VermÄehtes. Auf den Busch geklopft. Kaufmann (zu einem jungen Brautpaar, das seine Ausstattung bestellt): „Werden die Herrschaften auch einen Geldschrank nöthig haben? — Bräutigam (zu dem zukünftigen Schwiegervater): „Was meinen Sie, Papa?" * * Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverflMS-Buch- und Siemdruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®ie®