s, Ihr Mann verschreiben, es Patienten: «geben?" — ir Siel" Deutlich eines enn ein Licht piegel fällt?' gement eines h bin manch« d'ger Herr!" bfch waschen, - Kind: ;r, daß wir das neueste :s gegenwärtig r Schriften« t aus den er- 'effante Roman ,Pester Lloyd' „Der unter gehört zu den Beweis hierfür inb. Armands eichnet werden, Lrlebnissen des 30 Jahren in verschiedensten der Eisenbahn ich beobachtet, getheilt. Aren Charactere, ze Schilderung vande bestens 24 Lieferungen Liebe Lohn", rls Fortsetzung Philadelphia", in vier Bogen n wird Jede von Armands weitere Hefte, id Myliusschen Testament« ifagen, daß sie Sorgfalt ver- i von hervor- ßeren Vorzüge s Myliusschen gung wünschen eitksten Volks- i 10 Pfennig- fewisse littera- rromane) mit lt es sich aber eine so span- mit großem i Weimar, die reitung guter wirklich einen "chen, daß sie ben oder Das zeichnen kann, e Lage gesetzt, ächten unseren Gediegenheit i Gießen. LeimerStag im 16. M -S'V -e- V V V SMtltSMlkNS!' NökSkök Untrchattungsblatt yim Gießener Anzeiger (Ornrral-Anfriger) 8WWWA M WWAW Die Töchter des Popen. Roman von Marguerite Poradowska. Dmtsch von M. Pillet. (Fortsetzung.) „Nun," fragte die Wtrthin besorgt, „finden Euer Gnaden die Speise nicht gut? Ganz frische Sahne und Früchte aus unserem Garten!" „Ja, ehrwürdige Frau, sogar ausgezeichnet," entgegnete der Graf, rührte wieder in der Sahne und wollte eben sein unwiderstehliches Gelüste befriedigen, als Pavel, der seinen Rundgang um den Tisch beendet hatte, mit einer Schüssel Pfannkuchen zu ihm trat und ihm in's Ohr flüsterte: „Der Hund hat in der Küche an der Schlagsahne geleckt, Excellenz, und nur so viel zurückgelassen, als hier auf dem Tische ist." Vor Schreck ließ Graf Wladimir den Löffel klirrend fallen und murmelte: „Dummkopf, Du hättest viel besser gethan, mir nichts zu sagen!" Jetzt stand man von der Tafel auf; die Männer langsam und ungern, noch zögernd, wenn sie eben eine Unterhaltung begonnen hatten oder im Begriff waren, sich eine Pfeife an« zuzünden; die Damen lebhaft und froh, ihre Glieder rühren und ihre Röcke, die wie zerknittertes Papier rauschten, auf« plustern zu können. Sie gingen in dem überfüllten Saal auf und ab und schielten seitwärts vergebens nach einem Spiegel. Während der allgemeinen Unruhe hatten die Ehrenjungfern der Braut den Myrthenkranz fortgenommen; aber die kluge Sofronya war schnell in den äußersten Winkel des Gartens geflüchtet und weigerte sich, das niedliche Häubchen aufzusetzen, das ihr eine dicke Bürgersfrau aus Stry der die Rolle der Matrone zugefallen war, überreichte. Die kleine Widerspenstige wurde jedoch bald von den Brautführern und Brautjungfern in's Haus zurückgebracht und da sie nun willig Alles mit sich geschehen ließ, nahm ihr Vater seierltch ihre Hand, legte sie in die des Thierarztes und sagte: „Vincenz Rayski, hier ist Deine Frau." Dann übergab er ihm ganz gerührt den Myrthenkranz, den das junge Mädchen den ganzen Vormittag getragen hatte und umarmte sie alle Beide. Diotyma, die auf der Höhe der Situation stand, verging indessen schluchzend in ben Armen ihrer fünf anderen Töchter bi? übrige, durch die kleine Familienscene aufgeregte Ge« sellschaft überließ sich einer allgemeinen Rührung. Einige Flaschen alten Tokayers wurden gebracht, welche Thymoftäus selbst sorgfältig entkorkte. Dann begann er stockend und mit unsicheren Blicken: „Ehe ich Sie bitte, auf die Gesundheit des jungen Paares, dessen Hochzeit wir heute feiern, anzustoßen, will ich Ihnen von einem Ereigniß Mitthetlung machen, das dem Glück unserer Familie die Krone aufsetzt, nämlich von der Verlobung unserer Binia mit dem hier anwesenden Seminaristen Harastm Piesek, welcher eines Tages der ruthenischen Geistlichkeit zu Ruhm und Ehre gereichen wird." Diese unerwartete Erklärung wurde von den Popen und Popadias mit jubelnden Bravo« und Hurrarufen begrüßt, während die übrige Versammlung entweder gar nichts sagte oder ihre unverhohlene Verwunderung an den Tag legte. — Trotzdem trank man nun gleichzeitig auf die Gesundheit beider Paare. Aufgeregt von dem berauschenden Ungarwein, welchen sie heute zum ersten Male gekostet hatte, warf sich die ungestüme Sofronya mit koketter Hingabe in die Arme ihres Gatten und küßte ihn zärtlich. Beide Schwestern gingen nun von einem Arm in den anderen, um sich beglückwünschen zu lassen; die bestürzte Binia war, als sie sich so plötzlich au's Licht gezogen fand, ihrer Schwester gefolgt, deren belebte Züge einen scharfen Gegensatz zu ihrem eigenen blutlosen Antlitz bildeten. Sie that, als sähe sie ihren Bräutigam nicht, der mit ausgebreiteten Armen auf sie zukam, und es gelang ihr, seinem Kuß zu entgehen. . Zn diesem Augenblick halte sich Thaddäus ihr genähert und flüsterte ihr leise in's Ohr: „Sie haben mir nichts von diesen Aussichten gesagt, Binia! Darf ich Ihnen gratuliren?" fügte er zögernd hinzu. Eine unaussprechliche Angst malte sich in dem Gesicht des armen Mädchens. Sie warf dem Oberförster einen ent« setzten Blick zu und wollte etwas sagen; aber als sie den Kopf hob, um zu sehen, ob man sie nicht beobachtete, fühlte sie das Auge Harastms auf sich ruhen und der gehässige Aus« druck seiner Züge, der außergewöhnliche Glanz der Augen und das herausfordernde Lächeln auf seinen Lippen jagten ihr 326 - Furcht ein. Sie begnügte fich damit, Thaddäus schmerzlich zuzulächel« und verschwand unter der Menge der Gäste. Die Tische waren schnell fortgeräumt worden; der Fuß» boden wurde mit Wasser besprengt und ein altmodischer Flügel von der Art, die vor Zeiten unter dem Namen Pantaleon bekannt wär, in eine Ecke des Saales geschleppt; er hatte einst zu Diotymas Ausstattung gehört und Jvanickis Entschluß, ste zu heirathen, damals wesentlich beeinflußt. Einer der Brautführer ging mit Kennermiene darauf zu, gab einige Accorde an, die wie aus einer alten blechernen Kasserolle herauftönten, und erklärte verächtlich, daß das Instrument sehr verstimmt sei, daß er aber trotzdem spielen werde. Dann rief er: „Eine Franeaise l" Die Paare traten an, die Braut an der Spitze. Der Lärm war geradezu betäubend. Bon einem Ende des Saales zum anderen wurde mit furchtbarem Eifer getanzt. Die Stiefel der Männer dröhnten auf dem feuchten Fußboden; zuweilen kreischte eine Dame laut auf, wenn ihr Tänzer gar zu ungestüm wurde. Jung und Alt, Thymoftäus voran, Alle geberdeten fich wie unsinnig, rasten an einander vorüber, stießen und drängten sich in wirrem Durcheinander. „Chaine des dames!“ schrie ein alter Pope, der ganz außer Rand und Band war, — „dames ä places“, rief ein Anderer, — „colonne — promenade“, so tönte es von allen Seiten. Der Pantaleon schwieg, der Künstler wischte sich den Schweiß, aber schon umschlangen fich neue Paare und er mußte weiter spielen. „Polka tremblante,“ rief er, kräftig auf die Tasten schlagend. Binia, die fich von dieser lärmenden Fröhlichkeit angewidert fühlte, war er gelungen, fich aus dem Hause zu schleichen. Todtmüde sank ste auf eine Bank neben der Hecke im Schatten eines dichten Gesträuches nieder. Ach, wenn ste nur einen Augenblick mit Thaddäus hätte reden können, um ihm ihr übervolle» Herz auszuschütten und ihn zu fragen! Das war jedoch unmöglich; denn ste fühlte stch bewacht und die sonderbare ungewohnte Haltung ihres Verlobten jagte ihr Schrecken und Furcht ein. , , „ Aber die Worte, welche heute früh Sofronya in ihrer Aufregung entschlüpft waren! Der Heirathsantrag, den der Oberförster gemacht haben sollte und für wen — für Hans, für ihren Hans, war es denn möglich? Ja, es mußte so fein! Die ganze Abschiedsscene in der Kirche stand ihr jetzt mit wunderbarer Klarheit vor der Seele. Er war also nicht gleichgiltig und grausam; er liebte ste noch, da er ste hatte heirathen, zu seiner Frau machen wollen! Der Schleier zerriß plötzlich vor ihrem Geiste; jetzt verstand ste, warum er aus- wandern wollte, warum er mit dem düsteren Ausdruck eines Menschen gesprochen hatte, der stch unter das unabänderliche Schicksal beugt und zu stolz ist, um zu klagen. O Hans, Hansl Und ihre lang zurückgedrängten Thränen flössen jetzt wie ein warmer Regen über ihre Wangen. Vor ihr dehnte sich die Ebene in dem grauen Dämmerlicht des finkenden Tages. Kaum konnte man am Fuße des Hügels noch den schillernden Wafferstreifen de» Stry erkennen, der vom Widerschein der Wolken stlbern erglänzte und auf dem die schwarzen Flöße nach Bessarabien hinabschwammen. Jener dunkle Fleck dort in der Ferne war der Wald, der unendliche, geheimnißvolle Wald mit seinen rauschenden Bäumen und wunderbaren Pflanzen, mit seiner Welt von Vögeln und Käfern; der Wald, der Zeuge so vieler süßer kindlicher Freuden; der Wald, der ihr jetzt fast heilig war, well Han» ja dort lebte, weil sie da, ohne e» zu wollen, angefangen hatten, einander so innig zu lieben! Plötzlich durchblitzte ihren Geist ein furchtbarer Gedanke, der ihr bisher in dem Wirrwarr ihrer Gefühle nicht klar geworden war. Heute, gerade heute unterzeichnete Hans ja sein Engagement. In diesem Augenblick entstand ganz dicht neben ihr ein leise» Geräusch und zu gleicher Zeit streifte ein heißer, nach Wein duftender Athem ihr Gesicht, während ein starker Arm ihre Taille umfaßte. Sie stieß einen Schrei au» und erkannte bei dem Strahl >e» aufgehenden Monde» da» aufgeregte Gesicht ihre» Ver» obten, de» Seminaristen. „Was machen Sie hier? Ich suche Sie schon überall, Sie müssen die Polka mit mir tanzen!" Sie runzelte die Stirn und versuchte fich loszumachen. Er tanzen, was für ein Scherz! „Ich bin müde," flüsterte ste und sah ihn mit flehenden Blicken an, aber der Ausdruck seine« Gestchts erschreckte sie. Seine Augen waren trübe, sein ganzes Benehmen schien so herausfordernd und seine Stimme klang ganz verändert. „Ich sehe wohl," suhr er fort, „daß Sie stch schämen, eine Pfarrersfrau zu werden; Sie hätten lieber wie Ihre Schwester einen edlen Polen im Japan und mit der rothen Confederatka geheirathet I Denken Sie nur nicht, daß ich nicht i längst bemerkt hätte, wie er mit Ehren überhäust wird, während ich wie ein Paria behandelt und unter dem Vor. wände der Politik nur Abends empfangen werde, in Wirklichkeit aber aus Angst, die Gefühle jenes Herrn zu verletzen. Glauben Sie denn, daß unsere Verlobung heute veröffentlicht worden wäre, wenn ich es nicht besonders verlangt hätte? Ich habe sehr wohl die verlegene Miene Ihres Vaters ge- sehen, als er sich dazu bequemen mußte, und dar verächtliche Gesicht der Leute aus der Stadt." Seine Heftigkeit erschreckte Binia. „Sie sind ungerecht," stotterte sie zitternd und stch so weit als möglich von ihm abwendend. „Im Gegentheil, mein Vater achtet Sie sehr und nur die Furcht, der Verheirathung meiner Schwester hinderlich zu fein, hat fein Betragen beeinflußt ; ich kann Ihnen versichern, daß er sehr viel Werth auf Ihre Person und die Verbindung mit Ihnen legt." Sie sprach mit abgebrochener Stimme. Noch nie in ihrem Leben hatte ste so viel zu ihm geredet. Aber er sagte, ohne ste loszulassen: „Warum haben Sie mich denn vorhin nicht küssen wollen? Ihre Schwester hat sich nicht so bitten lassen, um stch ihrem Thierarzt in die Arme zu werfen." Die fassungslose Binia antwortete nichts, sondern preßte nur beide Hände auf ihr Herz, um das furchtbare Klopfen desselben zurückzudrängen. „Warum, sagen Sie, warum? Ich will es endlich wissen," donnerte er und drückte ihre Handgelenke, als ob er ste zerbrechen wollte. „Warum, ach Gott," dachte sie, indem sie mit Entsetzen in sein gewöhnlich so starres Antlitz sah, das jetzt von Leidem schäft verzerrt war, nun, weil sie ihn nicht liebte, weil er ihr Abscheu einflößte, weil ihr ganze» Herz, ihre ganze Seele einem Andern gehörten- — Die Worte brannten ihr aus den Lippen; sollte sie e» wagen, ste auszusprechen? Aber ste war zu schüchtern, zu sehr zum Gehorsam geschult- Errieth er, was in dem Kopfe des armen, unterdrückten Geschöpfs vorging? Ein gehässiger Ausdruck trat auf feine Züge. Der Wein, an den er nicht gewöhnt war, verwirrte feine« ascetischen Geist, er konnte sich nicht mehr bemeistern. „Ich bin der Herr," sagte er, „Sie müssen gehorchen; kommen Sie zur Gesellschaft zurück und tanzen Sie mit mir!" Er hielt ste mit brutaler Heftigkeit fest und trug sie in feinen Armen bis an die Hausthür. Heber eine solche Gewaltthat empört, wehrte sich Binia ans vollen Kräften mit Händen und Füßen gegen diese rohe Willensäußerung, wagte aber nicht zu schreien, weil sie fürchtete, die ganze Hochzeitsgesellschaft in Aufregung zu versetzen- „O, ich werde Sie schon bändigen, ganz gewiß," sagte der Seminarist, wahnsinnig vor Wnth. In diesem Augenblick fiel ihm seine Brille auf die Erde und er bückte sich suchend danach. Da machte Binia schnell wie der Blitz eine heftige Anstrengung, glitt ihm zwischen den Armen durch, stürzte, einer Wahnsinnigen gleich, durch den Garten und verschwand in der finsteren Nacht. Einen Augenblick war er ganz versteinert; dann richte« er sich langsam auf, befestigte die Brille auf feiner Nase und 327 i dem Strahl it ihres Ver- schon überall, loszumachen. mit flehenden erschreckte sie. men schien so erändert. ; sich schämen, der wie Ihre üt der rothen daß ich nicht »häuft wird, ter dem Vor« cde, in Wirk- it zu verletzen. i veröffentlicht »langt hätte? :es Vaters ge» a« verächtliche d und sich so gentheil, mein Verheiratung Betragen be» hr viel Werth en legt." Noch nie in mm haben Sie Schwester hat ierarzt in die sondern preßte htbare Klopfen ill es endlich nke, als ob er e mit Entsetzen tzt von Leiden- te, weil er ihr :t ganze Seele en ihr aus den Aber sie wat i, unterdrückten trat auf seine oar, verwirrte :ef)r bemeistern. ffen gehorchen; Sie mit mir!" rnd trug sie in hrte sich Blnia egen diese rohe weil sie sürch- ag zu versetzen, j gewiß," sagte le auf die Erde :e Binia schnell m zwischen den eich, durch den ; dann richtete -inet Nase und sagte mrt einer Geberde vollendetster Gleichgiltigkeit: „Nun, der Teufel hole sie!" Hierauf kehrte er zur Gesellschaft zurück. XV. Es war Mitternacht. Walzer und Polka ertönten noch immer in lautem Taet zu dem Stampfen und Scharren der unermüdlichen Tänzer. Endlich hielt der Künstler erschöpft inne, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. Rund herum um den Saal saßen die Damen auf Bänken, fächelten sich mit ihren Taschentüchern Luft zu und nahmen bereitwillig von bett Rosenconfitüren und dem Eiswaffer, das die jungen Popadias umherreichten. „Haben Sie Binia nicht gesehen?" hatte Dioiymä schon mehrmals gefragt, indem sie die naschhaften Fliegen wegjagte, die mit lautem Gesumme in Schneckenlinien zur Decke emporflogen. „Binia? Mir kommt es vor, als hätte ich sie vorhin in Begleitung ihres Bräutigams draußen bemerkt," sagte eine dicke Pfarrersfrau mit vielsagendem Lächeln. Und Niemand kümmerte sich weiter darum. Die meisten Herren hatten sich jetzt in Thymoftäus Zimmer zurückgezogen, um zu rauchen und zu trinken, und man hörte durch die Thür das verworrene Geschwirr ihrer Stimmen. Plötzlich verwandelte sich dasselbe in ein dumpfes Grollen, das von heftigen Zurufen, von schneidenden, zündenden Worten und Ausbrüchen der Wuth unterbrochen war- Stühle wurden lärmend umgeworfen und dann übertönte plötzlich eine mächtige, furchtbare Stimme das wilde Geschrei. Die entsetzten Frauen hatten sich nach der Thür gedrängt. „Das ist Vincenz Stimme," schluchzte Sofronya, „Herr Jesu», wie zornig er ist! Sicher haben sie jetzt über Politik geredet!" „Ich höre eben Harasim sprechen," rief Diotyma. Abgebrochene Sätze wurden durch die Thür deutlich ver- nehmbar. „Die Zukunft der Unirten liegt in der Orthodoxie." „Durchaus nicht," schrie einer der Popen, „sie liegt in ihrer Autonomie. Vereinigen Sie Galizien mit der Ukraine und schaffen Sie ein unabhängiges Ruthenien mit der Hauptstadt Kiew." „Was Sie da sagen, ist abgeschmackt. Ruthenien hat seit lange keine eigene Aristokratie mehr; diese ist vielmehr ganz zu Polen übergegangen. Was wollen Sie mit einer Nation ohne Adel? Besser ist es, sich mit dem Schisma zu verbinden; die griechischen Schismatiker haben wenigstens ihre Aristokratie behalten." „Wie können Sie ee wagen," schrie die leidenschaftliche Stimme de« Thierarztes, „da» verwünschte Schisma in einem Hause zu predigen, dessen Oberhaupt dem Papste treu ergeben ist?" „Dem Papste!" rief der Seminarist ironisch. „Ich gebe beit Unirten nicht zehn Jahre, bis sie zu ber alten, wahren Kirche bes Orient» zurückgekehrt find, ber sie nie hätten untreu werben sollen." „Eine Religion, welche bie Simonie, bie Erpressung gestattet, in ber ein Metropolit bem Patriarchen seine Bestätigung abgekaust hat, in ber bie Absolution käuflich zu erwerben ist!" fuhr Vincenz fort. „Sie lügen!" „Sie — Sie finb ein Feigling, eine Canaille, Sie unb alle Diejenigen, welche mich in biesen Hinterhalt gelockt haben!" Bet biesen Worten schlug ber Thierarzt so gewaltig mit ber Faust auf den Tisch, baß ein Präsentirteller voll Gläser mit furchtbarem Klirren umfiel. Die weinerliche Stimme Jvanicki», bie man bazwischen hörte, begleitete biete Reden wie eine schmerzliche, in Moll gehaltene Melodie. „Meine Kinder, meine geliebten Schwiegersöhne, um der Ehre des Hauses, bet Religion willen kommt zu Euch, versöhnt Euch! Es ist ja nur ein Mißverstänbniß, gebt Euch ben Friedenskußl" Plötzlich öffnete sich krachenb bis Thür und die drei Männer erschienen auf ber Schwelle; hinter ihnen brängte sich bet Strom bet Anderen. Vincenz war bunkelroth unb seine porzellanblauen Augen traten fast au» ihren Höhlen. Er schrie und gesticulirte. — Wofür wurde er denn gehalten, er, ein Pole, ein Edelmann, der sich mit einer rechtschaffenen ruthenischen Familie zu verbinden glaubte, welche seine politischen und religiösen Ansichten theilte? Und nicht genug, daß man diese höllische Comödie mit ihm gespielt und ihn in dieses Nest von Orthodoxen gelockt hätte, nun muthete man ihm noch zu, mit dem Feinde zu unterhandeln, ihm, diesem Apostaten, die Hand, sogar die Wange zum Kuß zu reichen! Aber so ginge es nicht. Gott sei Dank, noch wäre nichts verloren! Die Ehe wäre eigentlich noch gar nicht giftig, es wäre ja bis jetzt nur eine ideale, nicht eine wirkliche Ehe; er würde sie für nichtig erklären lassen, er würde zum Bischof, nach Wien, wenn nöthig nach Rom gehen und sein ganze» Vermögen bi» auf den letzten Kreuzer dafür hingeben. Bei diesen Worten schlug er noch einmal mit seiner gewaltigen Faust auf den „Pantaleon", der einen grabesdumpfen, wimmernden Ton von sich gab. Da».unterdrückte Schluchzen Sofronyas antwortete darauf. Voll Verzweiflung versuchte die Aermste, mit ihren rundlichen Händen die Bänder be» Frauenhäubchen» zu lösen, ba» sie erst vor wenigen Stunben nach so vielem scheinbaren Sträuben aufgesetzt hatte. „Ich habe es ja immer gesagt," stöhnte sie, sich zu bett Füßen ihrer Mutter windend, die selbst einer Ohnmacht nahe war. Der entsetzte Vater sah mit irren Blicken um sich, als verstände er nichts von dem, was vorging. Nein, es konnte ja nicht wahr sein, er träumte I Mitten im schönsten Erfolg ein solcher Schlag! Und er wiederholte bie unzusammen- hängenben Worte: „Nach Rom gehen, zum Bischof, bie Ehe für ungiftig erklären!" Der Seminarist, ber wohl kurz zuvor etwa» vom Wein berauscht gewesen, war jetzt vollständig ernüchtert und hatte seine gewohnte steife Haltung angenommen. Et maß hinter seinen blauen Brillengläsern mit einer gewissen Verachtung alle diese aufgeregten Menschen von oben bis unten. „Pavel," schrie endlich Vincenz mit Donnerstimme, „lassen Sie anspannen'" Sicherlich war dies an dem Tage der erste Befehl, den der schlaue Kammerdiener mit Vergnügen ausführte. Die energische Weise des Thierarzte« hatte seinen Beifall gewonnen; das war doch wenigstens ein Mann! Und triumphirend kehrte er nach einigen Minuten zurück, um zu melden, daß bie Pferbe Seiner Gnaden vor der Thüre warteten. Die nun folgende Scene war unbeschreiblich. Sofronya und ihre Mutter hatten sich dem jungen Mann zu Füßen geworfen und flehten ihn mit herzzerreißendem Geschrei an, sie nicht zu verlassen- Die übrigen Frauen unterstützten sie soviel wie möglich, hingen sich an seine langen Rockschöße und versuchten gleichfalls, ihn zurückzuhalten. „Herr Rayrki, erbarmen Sie sich! Ein solcher Scandal, das arme junge Mädchen!" (Fortsetzung folgt.) Eisenhaltige Nahrungsmittel. Von Dr. Hans Fröhlich. ------- (Nachdruck verboten.) Während man früher eisenhaltige Substanzen nur als Heilmittel gegen Blutarmuth (Bleichsucht) anwandte, hat die neuere Physiologie bewiesen, daß Jedermann eine beständige Zufuhr von Eisen für bie normale Beschaffenheit seine« Blutes nöthig hat, baß also Eisen ebenso gut zu unfern — 828 ”** Nahrungsmitteln gehört wie Eiweiß, Kohlehydrate und Fette. Beträgt doch bei einem erwachsenen Menschen die Ausscheidung an Eisen täglich mindestens 20 Milligramm. Außerdem wird es auch noch vielfach im Körper abgelagert, namentlich in Leber, Milz und Knochenmark, von wo dann in Zeiten der Noth, z. B während einer längeren Krankheit, das Blut seinen Etsenbedarf zu decken sucht. Daher muß schon der gesunde, ausgewachsene Mensch täglich eine verhältnismäßig beträchtliche Menge zu sich nehmen. Diese muß aher noch bedeutend gesteigert werden bei Kindern, Jünglingen und Jungfrauen, die im WachSthum begriffen find, bei denen sonst aus Mangel an Eisen Bleichsucht entsteht. Sehr wichtig ist die Zufuhr von Eisen auch besonders bei Reconvolescenten, bei Säuglingen blutarmer Mütter, skrophulösen rachitischen Kindern, Leuten mit häufigen Blutverlusten und bei Lungenkranken. Nun glaubte man früher, daß der Mensch mit der Nahrung seinem Körper schon genügend Eisen zuführe. Dies ist aber nicht der Fall. Denn es geht von dem in der Nahrung enthaltenen Eisen immer nur ein ganz außerordentlich kleiner Theil in das Blut über, so daß nach den neuesten Berechnungen des Professor Ködert der Mensch täglich mindestens 50 Milligramm zu sich nehmen muß, um seinen Etsenbedarf hinreichend zu decken, d. h. um nicht blutarm zu werden. Diese beträchtliche Menge ist aber keineswegs in jeder beliebig zusammengesetzten Nahrung vorhanden, sondern muß durch besondere Auswahl dem Körper verschafft werden. Unterziehen wir daraufhin die eisenhaltigen Nahrungsmittel einer genaueren Betrachtung. Von den Pflanzen haben: 100 Gr. (wasserfreie Substanz) weiße Bohnen 8,3 100 „ „ „ Erdbeeren 9 ICO „ „ „ Linsen 9,5 100 „ „ „ Aepfel 13 2 100 „ „ „ Spinat 36 Von hierher gehörigen Flüssigkeiten enthalten: 1 Liter Weißwein 1,4 Milligramm Eisen, 1 , Rothwein 2,3 „ „ 1 „ Apfelwein 20,6 „ „ ®'. Eisen, ff ff ff ff ff ff ff ff Wir sehen also, daß manche Pflanzen (Spinat) und Getränke (Apfelwein) einen ganz bedeutenden Eisengehalt aus- weisen- Daher unterliegt es keinem Zweifel, daß der gesunde erwachsene Mensch mit richtig gewählten Vegetabilien seinen Eisenstoffwechsel decken kann- Dies beweisen ja auch täglich von neuem die Vegetarianer. Ob aber bei Krankheiten das vegetabilische Eisen leicht genug vom Blute ausgenommen (resorbirt) wird, ist nach den bisherigen Erfahrungen sehr unwahrscheinlich. Deshalb kommt es auch bei Blutarmuth nicht zur Verwendung. Nur von den Tartaren berichtet Sljuni m, daß sie gegen Bleichsucht eine pflanzliche Substanz gebrauchen, nämlich die Wandernuß (Trapa natans), deren Aschs 23 bis 30% Eisenoxyd enthält. Von den thierischen Gebilden kommen als stärker eisenhaltig nur vier in Betracht, nämlich Milch, Eier, Leber und Blut. Die Milch hat nicht so viel Eisen, als man gewöhnlich glaubt, in 1000 Gramm nur 3 bis 9 Milligramm. Zur Deckung des Eisenbedarfes der bleichsüchtigen Patienten genügt also die Milch nicht. Auch ist festgestellt worden, daß der das Eisen enthaltende Eiweißbestandtheil der Milch nur äußerst schwer von den Verdauungssäften angegriffen wird, also fast ganz unverdaut und unverwerthet den Körper wieder verläßt. Das Volk pflegt daher in Rußland und Deutschland den Eisengehalt der sür Bleichsüchtige bestimmten Milch vielfach dadurch zu „verbessern", daß es rostige Nägel hineinwirft und die Milch dann sauer werden läßt. Dabei bildet sich allerdings Milcheisen, welches aber keineswegs die Eiweißstoffs der Milch mit Eisen bereichert. Als ein in dieser Beziehung sehr werthvolles Nahrungsmittel glaubte man das Eidotter ansehen zu müssen, da ja das sich bildende Hühnchen seinen ganzen Bedarf hieraus allein bezieht. Theoretisch ist das auch ganz richtig, sür die praktische Ausnützung aber stellt sich ein großes Hinderniß in den Weg. Diese Eisenverbindung des Eidotters, Hämatogen genannt, gelangt nämlich nur selten zur Aufnahme in das Blut, weil sie durch Schwefelwasserstoff, welcher sich im Darmkanal meist in erheblichen Mengen vorfindet, sehr leicht zersetzt wird. Viel günstiger verhält es sich mit den aus Leber bereiteten Gerichten. Vorhin wurde schon erwähnt, daß sich da» Eisen in einigen Organen, namentlich in der Leber, ablagert. Natürlich ist die« nicht nur beim Menschen, sondern auch bei den Thieren der Fall. Dieses Lebereisen nun, von Professor Zaleski als Hepatin bezeichnet, geht bei der Verdauung zum weitaus größten Theile in unfein Körper über. Daher sind alle Arten von Leberspeisen für Blutarme, Bleichsüchtige, Reconvalercenten u- s. w. sehr zu empfehlen. Bei weitem am günstigsten aber, sowohl war die Menge al» die Resorbierbarkeit betrifft, steht es mit den Eisenverbindungen des Blutes. Hiermit sind schon von jeher Versuche, und zwar meist mit Erfolg, an Bleichsüchtigen gemacht worden. Man hat sie große Quantitäten Blut trinken, oder rohe« blutiges Fleisch effen lassen, auch noch mit Blutclyflieren nachgeholfen. Eine solche „Raubthierkur" dürfte aber nicht nach Jedermanns Geschmack sein. Deshalb sind mehr zu empfehlen die bluthaltigen Gerichte, wie Blutsuppe, Blutwurst und Blutkuchen, welche man in den Ostseeprovinzen Palten nennt und welche, falls sie mit Hülfe von Grütze bereitet sind, als große Delikatesse betrachtet werden. Während heutzutage die Roth- oder Blutwurst ein Nahrungsmittel ist, welches seiner Billigkeit wegen namentlich von den ärmeren Klaffen massenhaft genossen und von niemand verdammt wird, hat diese Wurst früher zu den aufregendsten ©eenen Anlaß gegeben. Der morgenländtsche Kaiser Leo IV. (886 — 911) sah sich veranlaßt, gegen dieselbe folgende Verordnung zu erlassen: „Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die Menschen so toll geworden sind, theil« des Gewinnes, theils der Leckerei willen, Blut in eßbare Speise zu verwandeln! Es ist uns zu Ohren gekommen, daß man Blut in Eingeweide wie in Röcke eingepackt und so als ein gewöhnliches Gericht dem Magen zuschickt. Wir können dies nicht länger dulden und nicht zugeben, daß die Ehre unseres Staates durch eine so frevelhafte Erfindung blos aus Schlemmerei freßlustiger Menschen geschändet werde. Wer Blut zu Spessen umschafft, — er mag nun dergleichen kaufen oder verkaufen, — der werde hart gegeißelt und zum Zeichen der Ehrlosigkeit bis auf die Haut geschoren- Auch die Obrigkeiten der betreffenden Städte sind wir nicht gesonnen, frei ausgehen zu lassen, denn hätten sie ihr Amt mit mehr Wachsamkeit geführt, so hätte eine solche Unthat nicht begangen werden können. Sie sollen ihre Nachlässigkeit mit zehn Pfund Goldes büßen!" Gott sei Dank, daß heutzutage wir Alle, Blutarme und Blutreiche, ungestraft Rothwurst essen dürfen! Ein großer Fehler wird bei der Herstellung dieser Wurst häufig dadurch begangen, daß man sie zu'stark räuchert, wobei d!e Eisenverbindung (Hämatin) unter Einwirkung der Rauchsubstanzen zu steinharten Klumpen verklebt, welche völlig unverändert und unverdaut wieder abgehen. In England und Amerika, wo die Blutwurst nicht dieselbe Popularität genießt, bereu sie sich in Deutschland erfreut, hat man aus Blut die verschiedensten „Patentmedicinen" nach meist geheim gehaltenen Methoden hergestellt. Bei uns' aber wird stet» Blutwurst, ebenso Leber und Apfelwein, zu den besten, erfolgreichsten Nahrungsmitteln für alle Blutarme gehören. Auf die überaus zahlreichen, künstlich dargestellten Eisenpräparate in Verbindung mit Nahrung«- und Genußmitteln, wie Eisenchokolade, Etsencacao, -bier, -bisquit, wollen wir nicht näher eingehen, denn dabei spielt die geschäftliche Reklame eine sehr große Rolle. Ob Einzelnen dieser Präparate wirklich ein heilkräftiger Werth innewohnt, darüber befrage man jedesmal vor dem Einkäufe den Arzt, sonst wird man sein Geld vielfach ganz unnütz aurgeben. Mdaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ erfiMS-Buch- und Steivdruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. 3 Roman vo Abei stand nac zum Gesp ließe und einer Fa» Anhänge, »Ne Gott, da war. Jö habe das Bei von den ' seine Bit! Ein dieser @n beeilten st Fuhrwerk noch die sprechen I wohin sie bei der Diotymo Halbdunk« der Want und die f| verschiede» Aufnahme waren. Al« dem groß so glänze, stummem Kummer« Sos, vergehend