örenzimms^ en ist He» ich. Was bitten, mir len!* »rängen sind, a und Lustre doch in ihrer nitte Fayons litt Mode« ' diese Stosse etten, Lawn- mzugehöriges irderobestücke. zu haben. — Itfl. Sainm- 2 Mark, in t Leipzig. — g Bücher ge- , denn heut- ihek und setzt ;ute Werk z« eliger Bücher arer wird es oiegenes und n wird. Und einem andern r „Novellen- t der Holz Preis jeder S. Bandes er- nehmend oer- rn das Beste >ekunst leistet, slichem Kunst- dete Leistung. Freunde des ter zahlreicher in jüngster ngen über in t AelS zum is des Heftes : und blinden Laubstummen- zefunden hat g anfzuweisen s mühsamen Leser die Art "anschaulichen. VW Romanen von Bianca ößere Anzahl tes das beste irbigem Druck mit Bildern . G. Ruhland, chtenfest, Die reien re. — Seist und die Satyr. (gießen. UnterlMungsb!«« zum Gießener Anzeiger (General Anjeiger) k 4 WM AMMWA DB*KB8»GWB8 Gesühnt? Novelle von Zoö von Reuß. ----— (Nachdruck verboten.) I. „Du läßt heute lange auf Dich warten, Bernhard!" „Verzeih' Mutter, aber ich begleitete den Jnspector noch einmal auf seiner Tour durch die Felder! Nun gehöre ich Dir — Euch ganz!" sagte Herr Bernhard Wülpert, indem er den am Theetisch bereit gestellten Fauteuil zur Seite schob und auf einem Rohrstuhl Platz nahm. „Soll ich klingeln, oder willst Du uns selbst den Thee besorgen, Meta?" frng die Amtsräthin. Statt der Antwort stand die junge Dame sofort auf und trat an den Servirtisch, wo die silberne Theemaschine bereit gestellt war. Bald brodelte das Wasier und aus der Dunst« wolle, die sich darüber gebildet hatte, blickten zwei freundliche Augen nach dem Hausherrn hinüber. Dieser hatte sich eine Cigarre angezündet und seine langen Beine etwas amerikanisch ■ bequem von sich gestreckt. Die Ruhe that ihm sichtlich gut- „Wo warst Du am Nachmittag," frug die Amtsräthin etwas lauernd. Die Frage schien unbequem. „Wo? Nun eigentlich — allenthalben!" antwortete er darum ausweichend. „Auch in Gröpelingen?" „Allerdings auch dort, in Geschäften!" Es entstand eine drückende Pause, bis Fräulein Meta Nessel der Unterhaltung durch Theilnahme eine allgemeinere Wendung gab. Es war, als wenn sie instinktiv ahne, daß damit dem Hausherrn ein Gefallen geschehe. Wirklich lohnte sie ein dankbarer Blick — unbefangen, aber doch so sprechend, daß er der Mutter nicht entging, und ihr ein Lächeln der Befriedigung entlockte. Als Meta Bessel vor einem Monat in das Haus des Rittergutsbesitzers Bernhard Wülpern kam, I hatte man sehr bald von einer Verlobung gesprochen. Und ■ daß das Gerücht der Mutter des Hausherrn, der verwittweten i Frau Amtsräthin Wülpern, nicht unwillkommen, war leicht . wahrzunehmen. Anscheinend erwartete sie davon eine fördernde Wirkung ihres Wunsche». Da sie den Sohn bei guter Laune sah, nahm sie sich vor, ihn noch heute Abend etwas auf den Zahn zu fühlen. „Wir haben uns gut miteinander eingelebt, ich hoffe, es soll ein gemüthlicher Winter werden!" begann sie demnächst, als die junge Dame das Zimmer verlaffen hatte. „Wie gefällt Dir Deine Cousine?" „Cousine? Die Verwandtschaft ist etwas weit! Aber ich will sie gern gelten lassen," lächelte der Sohn- „Nun?" „Ausgezeichnet 1“ „Siehst Du? Ich habe also nicht zuviel gesagt," meinte die Mutter befriedigt. „Keineswegs!" Es trat eine Pause ein. Dann sagte der Sohn: „Darf ich Dir etwas vertrauen, Mutting?" Die Amtsräthin spitzte die Ohren in hoffnungsvoller Vorahnung. Sie ahnte, was kommen würde. Ihr Lieblings« wünsch sollte schneller in Erfüllung gehen, als sie gedacht hatte- Eine willkommenere Schwiegertochter als die wohlerzogene, reiche Meta, die Tochter einer Verwandten und lieben Freundin, konnte sie sich überhaupt nicht denken. „Versteht sich!" sagte sie freudig. „Ich sehe, daß Du Dir Meta Beffel zur Schwieger« tochter wünschest und finde den Wunsch begreiflich. Aber ich liebe, bin verliebt — nenne es wie Du willst — genug, er ist eine andere, die ich Dir zur Schwiegertochter geben werde." „Wer ist es?" frug die Amtsräthin athemlor. „Die kleine Dora Röffing!" sagte der Sohn, und schien eine Erleichterung zu fühlen, darüber, daß dar Bekenntniß geschehen war. „Bernhard ist das Dein Ernst? Das — Kind?" „Ja, das achtzehnjährige Kind ist der Gegenstand meiner heißen Liebe, und ich werde es heirathen, — das heißt, wenn es mich haben will." Die Amtsräthin rang nach Athem. „Das ist ein dummer Streich!" sagte sie endlich. „Möglich. Alter schützt eben nicht vor Thorheit! Dennoch bin ich entschlossen. Mutter, nicht wahr, Du wirst mir Widerspruch ersparen? In diesem Falle würde ich mich auch nicht daran kehren .... Verzeih', aber e« ist besser, daß Du der Sache gleich klar gegenüberstehst. E» ist über mich gekommen, 226 das Gefühl, ich weiß selbst nicht wie — es scheint mir das höchste Glück, Alle« was ich erworben, der kleinen Dora, dem Kinde, in den Schooß zu schütten. Ich will glücklich oder elend fein; aber ich will sie besitzen. Ich will, ich kann nicht anders!" Die Mutter hatte den leidenschaftlichen Gefühlserguß ruhig angehört und wußte, daß sie verloren habe. War dar ihr ruhiger, verständiger Sohn, der aus dem verkommenen Erbe des Vaters das große blühende Besitzthum geschaffen hatte, das er jetzt sein eigen nannte ? Er war zu klug, zu klar denkend, um zu wissen, daß er möglicherweise eine Thorheit begehe. Und dennoch ... er war die Natur, das Schicksal, das aus ihm sprach I Darum streckte sie ihm als einzige Antwort die Hand entgegen und sagte: „Du bist entschlossen, und ich achte Deinen Willen I Du sahst Fräulein Dora wohl heute in Gröpelingen? Ich vermuthete es fast . ..." „Du irrst, ich war wirklich nur in Geschäften dort. Aber ich werde es morgen nachholen. Gute Nacht, Mutting!" empfahl er sich, indem er der Mutter die Hand küßte. Anderntags schon hielt Herr Bernhard Wülprrn, Besitzer des Rittergutes Almenhausen nebst den dazu gehörigen Zucker, und Stärkefabriken, bei dem Steuer- und Forstkassenrendanten Rössing um die Hand der jüngsten Tochter Dora an, zum nicht geringen Erstaunen des Vaters, dem die Werbung wie ein großer Lotteriegewinn erschien, bei dem er sogar den Einsatz gespart hatte- Er nahm den Brief und trat damit ins Wohnzimmer hinüber. Da er die Tochter nicht fand, ließ er sie rufen. Die kleine Dora war ein hochgewachsenes, bildschönes Mädchen mit jungfräulichen, aber vollkommen entwickelten Formen, die sogar bereits etwas zu frauenhafter Ueppigkeit neigten. Der schöne Körper trug einen feingebildeten Kopf mit einem Kindergesicht, dessen herrliche dunkelblaue Augen wie Sterne leuchteten. Da« Kolorat war von bezauberndem Schmelz und erinnerte an Psirsichblüthe. Das Hauskleid war sauber, aber etwas ausgewachsen; überhaupt zeigte die ganze Erscheinung etwa« Nachlässigkeit, welche die Trägerin zwar allerliebst kleidete, aber doch einen gewissen Tadel heraus- forderte. In der Hand trug sie ein Butterbrod, von dem die kleinen, fest wie Backsteine ineinandergeschichteten Zähne tüchtige Brocken abbtssen. „Nun, Papa ? Wa« giebts? Wollen wir spazieren gehen? Was machst Du denn für ein feierliches Gesicht? — Es ist zum todtlachen l" „Ich habe einen Heirathsantrag für Dich." „Für — mich? Das ist herrlich! Ich bin die erste im Kränzchen, die einen Heirathsantrag erhält. Sie werden bersten vor Neid." „Du fragst nicht einmal, wer es ist?" „Natürlich, ich bin schrecklich neugierig! Nun?" „Herr Bernhard Wülpern! Das Glück ist mir selbst unfaßbar." „Der — Alte? Aber Papa!" „Alt? Er ist höchstens zweiundvierzig Jahre. Sei verständig, Dora!" Das junge Mädchen hatte sich gesammelt. „Er ist ein guter, lieber, prächtiger Mann," sagte sie mit aufrichtiger Anerkennung, „einen lieberen Gast haben wir niemals gehabt, auch mein Pudding schmeckte ihm ausgezeichnet . . ." „Du wirst also seine Braut werden?" Ein thränenüberströmtes Gesichtchen, ein kurzes, konvul« stoisches Schluchzen war die Antwort. „Sprich offen. Er versteht sich von selbst, daß Du voll- ständig Deinen freien Willen hast. Wie sehr ich Herrn Wülpern hochschätze, weißt Du — nur aus diesem Grunde bin ich so erfreut. Darf ich ihm das Jawort geben?" Als Antwort hing sich Dora an den Hals de» Vaters und bedeckte fein Gesicht mit Kliffen. Dann lachte sie ausgelassen. „Noch immer Lachen und Weinen in einem Sack?" tadelte der Vater den schroffen Gsfühlsübergergang. „Ich bin ganz verständig," sagte Dora jetzt mit wirk- lichem Ernst. „Ich begreife jetzt erst mein Glück. Ach, nun kann ich Euch immer etwas Schönes schenken, Alles, was Ihr Euch wünschet, Dir und Therese." „Du giebst also Dein Jawort!" „Natürlich, schon au« diesem Grunde. Ich werde ihn auch schrecklich lieb haben, vielleicht sogar ebenso lieb als Dich. Nur fürchte ich mich . . ." „Du fürchtest Dich? Vor wem?" „Vor der Frau Amtsräthin, vor feiltet Mutter — wirklich sehr!" „Sie ist eine ausgezeichnete Dame, und wird Dir, der mutterlosen Waise, sicherlich Mutter sein. Also die Sache ist abgemacht. Dann soll der Freier auch nicht lange auf Antwort warten. Zehn Minuten später lag Dora am Halse der fünf Jahre älteren Schwester und verkündete ihr die Verlobung, trotzdem Therese einen Rosinenkuchen einmengte, und — ahnungslos über die Ursache der plötzlichen Zärtlichkeit — mit Händen, in denen der Teig Schwimmhäute bildete, eine energische Abwehr versuchte. Die Neuigkeit rechtfertigte freilich den Gefühlsausbruch. „Du bist verlobt? Aber Dora! Und der gute Wülpern? Unmöglich!" „Freilich ist'S wahr, Therese!" „Du bist immer ein Glückskind gewesen," sagte die Schwester in einem Ton, der nicht ganz frei war von Neid. „Schämst Du Dich nicht, daß Du Deine Schuhe schon wieder niedergetreten hast," schloß sie scheltend. II. Der glückliche Freier meldete sein Erscheinen schon für den Abend. Dora schwankte zwischen dem rosa Brttistkleide und dem blauen Mohairkleide; entschied sich aber für da» erstere. Eine schwarze Sammtschleife im blonden Haar, eine Rose vor dem Busen, und sie sah wirklich au» wie eine Braut. „Ich wünschte, er könnte mich sehen, ich meine den bewußten Herrn, von dem ich Dir erzählte. Erinnerst Du Dich? Wir reisten in voriger Woche miteinander, al« ich von Tante Bertha kam. Er hatte einen feinen Geschmack, wir sprachen nämlich auch von den Moden! Weißt Du, wen ich meine, Therese?" „Hast Du nicht schon tagelang von der Geschichte geschwatzt?" „Es war aber auch sehr drollig! Ich hatte ein Billet dritter Klaffe und suche ein Coupöe für Nichtraucher. Da wird vor mir ein Coupve geöffnet, eine Hand streckt sich mir entgegen und hilft mir einsteigen. Al« ich mich umsehe, bemerke ich, daß ich in zweiter Klasse sitze. Aber es war zu spät — der Zug rollte davon. Der Herr beruhigte mich und bat sich mein Billet aus, um ein Zuschlagsbillet zu lösen, und ließ die Sache durch den Schaffner besorgen. Erst war mir die Sache fatal, dann aber habe ich auch gelacht. Er war eine reizende Fahrt I ... Ich hätte doch besser gethan, blau zu wählen, ich bin heute roth wie ein Truthahn vor Aufregung. Wahrhaftig, dort ist der Herr Wülpern! Da hält der Wagen schon!" schloß sie, au« dem Spiegel auf die Straße blickend." Die Verlobung geschah feierlich und machte anscheinend liefen Eindruck auf Dora. Zitternd und gerührt empfing sie den Brautkuß, thränenschluckend hing sie lange am Halse der Bräutigam«. Dieser war äußerlich ruhig und gesetzt, innerlich war alle« in freudigster Erregung. Ein Jahr lang hatte er gekämpft gegen die Liebe zu diesem „Kinde." Er war ihm lieb gewesen, al» Cousine Meta in sein Hau» kam, denn er hatte gehofft, daß er in ihrem Umgang Dora Rössing vergessen werde. Umsonst! Nur immer heller, verzehrender brannte die heimliche Flamme. Und er war Mann genug, feinen Glückrantheil zu fordern, selbst wenn er damit sein Schicksal herausforden sollte. Als die Feierlichkeit vorüber war, aß man mit gutem 227 Appetit zu Abend. Bernhard Wülpern aß sogar zweimal Pudding, als er vernahm, daß Dora die Kochkünstlerin sei. Dann wurden die nothwendigen Formalitäten erledigt, als das Bestellen der bindenden Goldreifen und das Aufsetzen der Verlobungsanzeigen. Sogar der Hochzeitstag ward vorläufig festgesetzt. Anderntags ward Dora der Amtrräthin als Schwiegertochter vorgestellt. Sie durfte sich über den Empfang nicht beklagen. Die Schwiegermutter zog das Brautpaar stumm, aber segnend an ihr Herz; von der hohen, vorahnungsvollen Bewegung, die sie empfand, trat Äußerlich wenig zu Tage. Meta war liebenswürdig wie immer, aber still und todtenbleich. Es kam nun eine laute, fröhliche Zeit im Hause des Rendanten, in der das altmodische kleine Haus, eine Dienstwohnung, von Lachen und Scherzen wiederhsllie. Man hatte sich immer darin wohlgesühlt, die beschränkten, aber wohlge- ordneten Verhältnisse hatten die Gemüthliä keil fast noch erhöht. Jetzt war jeder entzückt von der Behaglichkeit, welche es athmete; selbst die Knixvisiten, welche zur Verlobung kamen, dehnten die Zeit ihres Aufenthalts über die gebräuchliche Zeit au». Der Bräutigam kam natürlich täglich und schien um zehn Jahre verjüngt, selbst die etwas gebückte Haltung war verschwunden. Dazu blickten die Augen so hell, freundlich und gewinnend, daß man ihm gern ins Gesicht sah. Selbst die Zerstreutheit, an welcher er, gleich den meisten sorgenden, vielbeschäftigten Menschen litt, war verschwunden und hatte einer freundlich gesprächigen Theilnahme Platz gemacht. So kam nach schnell verstrichenen drei Monaten der Hochzeitstag heran. Die Amtsräthin war nach der nächsten Großstadt gezogen und hatte Meta mit sich genommen. Sie hatte ihre Uebersiedelung etwas übereilt, und dieselbe glich fast einer Flucht, was den Sohn unter andern Umständen geschmerzt hätte. Jetzt schien er sogar darüber erfreut. In vier Wochen schon war die Wohnung durch die geschicktesten Handwerker vollständig neu und nach neuestem Geschmack hergestellt und wartete der Herrin. Auch das Hau» des Rendanten in Gröpslingen sah zur Hochzeit au» wie ein Schmuckkästchen. Die kleinen Zimmer waren sauber tapeziert und gestrichen worden und mit blüthen- weißen Mullgardinen und vielen allenthalben verstreuten ge- häkelten Deckchen verziert. Therese empfand sich ganz als Brautmutter, ward als solche hochgeschätzt und hatte jeden kleinen Neid vergessen. Dora hatte alle ausgewachsenen Kleider verschenkt und sich vier Wochen lang täglich geputzt, als ob es zum Ball ginge. Dann hatten Tact und angeborener Geschmack gesiegt. Sie ging einfach, aber chic ge- kleidet und sah trotz des lachenden Kindergesichtes wie eine wohlerzogene junge Dame aus. Die Brauttoilette war aus Berlin verschrieben worden und zeigte etwas von dem Reich- thum des zukünftigen Gatten. „Man möchte Dorschen immer ans Herz ziehen," sagte Tante Bertha oder das „Bischen," wie sie in der Familie genannt wurde. Sie war eine jüngere Schwester von Doras verstorbener Mutter und eine kleine bucklige Person. Im Ge- fühl ihre« körperlichen Fehlers hatte sie sich selbst immer zurückgesetzt — so lange, bis es Andere auch thaten- Doch war ihr Jedermann von Herzen gut. Das liebe Kind! Aber.auch.solch ein Glück! Es ist wirklich - ein bischen „Ob sie den Bräutigam auch recht lieb hat?" frug dis Frau Steuerräthin spitz, die in der guten Stube al» Hoch, zeitsgast auf dem Sopha saß, indem sie die Falten der Brokat- robe herunterstrich. „Es wäre schrecklich, wenn Herr Wülpern um sein Glück betrogen würde. Der edle Mann! Wenn ich eine Tochter hätte und sie wäre ein Engel an Schönheit, würde ich dennoch glücklich gewesen sein, wenn —" In diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre und da» Brautpaar trat ein, um die Hochzeitrgäste zu begrüßen, bevor sie zur Kirche fuhren. Sie sahen Beide strahlend glücklich au», aber nicht glücklicher al» der Vater, der die Amtsräthin führte. Auch sie schien befriedigt und zeigte sich voll inniger Zärtlichkeit gegen die Schwiegertochter. Dann folgten Meta und Therese als weißgekleidete Brautjungfern. Die Traurede war herzlich wohlgemeint, aber etwas nüchtern. Dennoch machte sie einen tiefen Eindruck auf Dora und enthüllte eine unerwartete Leidenschaftlichkeit ihrer Natur. Die Amtsräthin schien davon betroffen und Dora erschien ihr plötzlich nicht mehr als das Kind; sie wußte aber nicht recht, ob sie sich über die Entdeckung freuen oder betrüben sollte. Das Hochzeitrmahl fand in dem besten Gasthofe statt und war von ausgesuchter Feinheit. Rendant Rössing hatte das B-streben, seiner Freude Ausdruck zu geben und hatte es sich etwas kosten lassen. Dafür war er der fidelste seiner Gäste. Nachdem die Gesundheit des jungen Ehepaare« getrunken war, nebst unzähligen anderen Toasten, erhob sich der strahlend glückliche junge Ehemann, um für sich und seins „Frau" zu danken. Dann verschwanden Beide, um die Hochzeitsreise anzutreten. III. Zwei Jahre wären vergangen und hatten alle Bedenken der Klatschmäuler und Sensationsbedürftigen zu Schanden gemacht. Das junge Ehepaar schien gegenseitig vollkommen befriedigt und lebte in Harmonie mit aller Welt. Bernhard Wülpern war nach einem kurzen, natürlichen Liebesrausch zu seiner altgewohnten Thätigkett zurückgekehrt und schien fast ein Streber in seinem Fache werden zu wollen. Er hatie vor Jahren ein paar Semester Nationalöconomie studirt und versuchte nun mit Glück, seine Kenntnisse practisch zu verwerthen. Bet seinen verschiedenen Unternehmungen reichten sich Landwirthschaft und Industrie verständnißvoll die Hand zum Bunde. Dora war noch schöner geworden durch die Vereinigung einer frauenhaften Formenschönheit mit dem holden Kinder- gesichtchen. Durch ihre gute geistige Veranlagung hatte sie bald ihre neuen Pflichten begreifen gelernt und ihr Herz zwang sie, denselben nachzukommen, selbst wenn sie ihr schwer, das heißt langweilig erschienen. Rendant Rössing und Schwester Therese waren sehr oft Gäste in Almenhausen und auch die Amtsräthin war anscheinend bei ihren jährlichen Sommerbesuchen von der Schwiegertochter befriedigt. Eine» Tages war Dora bei ihren Streifereien innerhalb der Wülpern'schen Besitzungen auch in den Volkskindergarten geralhen, den Bernhard Wülpern für die Kinder seiner Arbeiterfamilien hatte anlegen lassen, hauptsächlich auf Veranlassung der Amtsräthin und Cousine Meta. Eine Diaconifstn war mit der Pflege betraut. Da» heitere Spiel der Kinderschaar entzückte Dora, die sehr kinderliebend war. Bei ihrem Weggehen hing sich ein zweijähriges Blond, köpfchen, das auf der Erde faß, an die Falten ihres Kleide», als ob es mit ihr gehen möchte. Und als sie sich zu ihm niederbeugte, machte es mit den dicken Händchen: „Bitte, bitte!" Welches Frauenherz kann da widerstehen? Dora nahm die Kleine auf den Schooß, ließ sie das Ticken der Uhr hören und erzählte dem Gatten am Abend von der Begegnung. „Am liebsten hätte ich das Kind mit mir genommen, Bernhard," schloß sie. „Es muß so reizend sein, für da» liebe kleine Wesen sorgen zu können! Es schmiegte sich auf meinen Schooß wie ein Kätzchen, das endlich das richtige Plätzchen gefunden hat. Und diese Aurtkelaugen! — Wollen wir es nicht adoptiren?" „Das würde sehr voreilig sein, Kleine!" lachte der Gatte. „Dazu müßtest Du erst fünfzig Jahre sein - wer weiß, was bis dahin geschieht . . ." »Die Kleine ist eine Waise; nur die Mutter lebt noch, wie mir die Schwester erzählt hat," berichtete Dora weiter. „Der Vater war der junge Arbeiter, der im vorigen Jahre bei Dir verunglückte. Er hieß Meyer, erinnerst Du Dich noch?" „Allerdings! Es war eine Ungeschicklichkeit, meine Maschinen haben beinahe Verstand," meinte Wülpern kopfschüttelnd. „In eine Adoption würde ich niemals einwilligen; — 228 -*• wenn Du die Kleine aber als Spielzeug nehmen willst, ohne weitere Eonsequenzen, soll er mir recht sein." Dora besorgte nun eine Kinderausstattung für Lenchen Meyer und ließ sogar die Puppe nicht fehlen. Aber leider war Frau Meyer nicht zu einer Trennung von ihrem Töchterchen zu bewegen. Trotzdem sie anscheinend tief leidend war, erklärte sie bestimmt, sich nicht von dem Kinde trennen zu wollen. Betrübten Herzens theitte Dora dem Gatten die Nachricht mit- „Ich habe Zeit in Ueberfluß, oft will der Tag nicht enden," sagte die junge Frau mit schlecht verhaltenem Gähnen. „Ja, es ist recht einsam hier!" „Du möchtest lieber viel Gesellschaft sehen? Mir scheint auch, daß Du ein Recht darauf hast. Ich bin bequem geworden als Junggeselle. Ja, es taugt wirklich nichts, erst mit vierzig Jahren zu heirathsn — noch dazu eine Frau wie Dich- Woher ich nur den Muth genommen habe?" Als Antwort schmiegte sich Dora an den Gatten mit wirklich fraulicher Zärtlichkeit. Sonst geschah es gewöhnlich mit kindlicher Neckerei. „Apropos, Frau, wir haben auch einen neuen Gutr- nachbar bekommen." „Wer ist es?" „Der alte Mülverstedt, der Sonderling, hat seinen Besitz einem Neffen aus einer Seitenlinie vermacht, der kürzlich an» gekommen ist. Ich sprach den Inspektor des Gutes . . . In diesem Augenblick überreichte der Diener eine Karte. Wülpern las: „Lieutenant von Mülverstedt auf Mülverstedt." „Wahrhaftig, Dorschen, da ist unser neuer Gutsnachbar schon als Wolf, von dem man spricht! Willkommen!" setzte er aufstehend hinzu, um dem Gaste entgegenzugehen. Dora bedauerte einen Augenblick, im Hauskleids zu fein, ohne Ahnung, wie herrlich die dunkle, genau „im Loth sitzende" Robe ihre anmuthvolle Schönheit zur Geltung brachte. Zu einem Toilettsnwechfel wäre es auch zu spät gewesen , denn Lieutenant von Mülverstedt trat schon ein. Ein Aufblick, ein gegenseitiges freudiges Erschrecken — und man hatte sich wiedererkannt al» einstige Reisegefährten. Der Gast schien sogar die Eisenbahnfahrt vor zwei Jahren noch weniger vergessen zu haben als Dora, für welche sich die Ereignisse zusammengedrängt hatten. Aber er schien nicht recht zu wissen, ob er sie daran erinnern dürfe. Sie kam ihm zuvor mit lautem Lachen. „Freilich — wir sind alte Bekannte 1 Glauben Sie, daß mein Gedächtniß so kurz ist ober daß ich die Begegnung vergeffen will? Behüte! O, es war reizend!" Dann theilte sie dem Gatten die Begegnung auf ihrer letzten Mädchenreise mit, damals, als sie von Tante Bertha gekommen war. „Ich Habs also das Glück, in dem gnädigen Fräulein, pardon, in der gnädigen Frau meine nächste Nachbarin zu begrüßen? Almenhausen und Mülverstedt stoßen hart zusammen . . ." „Auch ich bin überrascht und erfreut!" gestand Dora jetzt ein. „Solche Gunst des Schicksals habe ich keineswegs erwartet! Ich bin meinem alten, griesgrämigen Onkel nun doppelt dankbar, daß er sich meines Namens und meiner Schulden erinnert hat!" fuhr Lieutenant von Mülverstedt lachend fort, indem er die weiße, kräftige Hand ehrfurchtsvoll küßte, die ihm Dora entgegenstreckte gleich einem alten Freunde. (Fortsetzung folgt.) GsinsrnnÄtziges. Die Zwiebel enthält viel Nährkraft, reizt die Nerven bet Verdauung an, regt die Darmbewegung und die Absonderungen an, wirkt blähungs» und urintreibend und befördert die Thätigkeit der Schleimhäute. In Uebermaß genoffen, wird sie aber schädlich. Fetten, schlaffen und phlegmatischen Personen bekommt sie bester al» reizbaren, mageren und schwächlichen. Die Zwiebel wird auch zu allerlei Euren, gegen Husten, Brustschmerzen, Bienen- und Ins ctenstiche, Nasenbluten u. s w. benutzt und im Orient soll sie schon seit Jahrtausenden auch gegen das Ausfallen der Haare Verwendung finden- ♦ Eine sorgfältige Pflege der Haut verlanget» auch die Ziegen. Allerdings darf hierbei nicht der bekannte Kuhstriegel oder ähnliche scharfe Instrumente angewendet werden, um den Thieren nicht ohne jNoth Schmerzen zu bereiten. Ja den meisten Fällen genügen eine gute Bürste und ein Kamm zur Reinhaltung der Haut von Schmutz und Staub, besonders wenn die Reinigung regelmäßig geschieht. Erleichtert wird die Hautpflege der Ziege durch sorgfältiges Reinhalten des Stalles, durch trockene«, reines Lager und eine frische, gesunde, durch zweckentsprechende Ventilation stets erneute Stallluft. Auch bei Ziegen unterstützt die Hautpflege die Fütterung wie bei unseren übrigen Hausthieren. Es gilt auch hier der Spruch: „Gut geputzt ist halb gefüttert." ♦ Falsche Zunge. Man läßt ein gutes Kuheuter 10 Tage pökeln und 4 bis 5 Tage räuchern. Sodann legt man es in kochendes Master, läßt es so lange kochen, bis es sich ganz welch sticht und läßt es hierauf in demselben Master erkalten. Es gibt einen billigen, kalten Ausschnitt und wird meistens für Zunge gehalten. OeviiMehtes. Modernes Familienleben. Fremder: „Ist jemand bei euch zu Hause?" — Die kleine Emma: „Ach nein, Mama hat Vorlesungen auf der Universität, Anna ist im Gymnasium, Bertha hat Dienst auf der Post und ich muß gleich in die Fechtstunde gehen. Wollen Sie vielleicht mit Papa sprechen?" — Fremder: „Wenn ich nicht störe . . . ." — Die kleine Emma: „Durchaus nicht, er kocht,nur!" Mißverstanden. „Jch'meecht gern e Wanzetinctur." — „Für wie viel?" — „Ja, gezählt hab' ich des Oosevreh- zeig nit, awwer e Sticker zwähunnert wer'n 's immerhin fein!" ♦ Aus dem Gerichtssaal. Richter: „Haben Sie denn nie das Bedürfniß empfunden, zu arbeiten und eine nützliche Rolle in der menschlichen Gesellschaft zu fpielen?" — Strolch: „Na, wie kann ick eene nützliche Rolle spielen, wenn Sie mir immer insperren!" Ein hübscher Denkspruch wird den „M. N. N." von einem ihrer Mitarbeiter zur Versügung gestellt. Mir stehen nicht an, ihn zu Nutz und Frommen unserer Leser hier abzudrucken. Er lautet: „Präge Dir beim Streite — Zorn'ger Eheleute — Nur die Regel ein: — Zankt da» Masculinum — Mit dem Femenlnurn — Mußt Du — Neutrum fei«!" ♦ * ♦ Wenn man zerstreut ist. Staatsanwalt (in der Anklageschrift gegen den Rentier Pechmüller wegen Spielen» in einer auswärtigen Lotterie blätternd): „Da finde ich eben, daß in Ihrem Protokoll als Loosnummer 35 709 angegeben ist, während das den Acten angeheftste Loos die Nummer 99 694 trägt. Wie kommt das, Herr Rath?" — Untersuchungsrichter (sich vor die Stirn schlagend): „Zum Teufel, das ist ja die Nummer, die ich selber spiele!"