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(Fortsetzung.) auf Schritt und Tritt beobachtete und sobald das Abendläuten erklang, eilte sie nach dem Walde, durch den Frieder der Heimweg führte, um ihm, umbekümmert darum, wer sie mit ihm etwa sehen könnte, zu sagen, welche Gefahr ihrer Liebe drohte und bei ihm Rath und Trost zu suchen. rock an, nahm seinen Dreispitz und Stock und machte sich auf den Weg, ohne daß Lisbeth Muth und Gelegenheit gefunden hätte, zu sagen, was ihr auf dem Herzen brannte. Ruhelos ging sie vom Haus in den Garten, vom Garten in die Ställe in scheinbarer Geschäftigkeit und doch keine Arbeit verrichtend, und sehnte die Zeit herbei, wo Frieder, der bei dem Bau einer Chauffee beschäftigt war, Feierabend „Wenn der Vater Dich nur so kennte wie ich!" sagte Lisbeth ost, während sie mit stolzer Zärtlichkeit in die von Glück und Liebe strahlenden Augen des hübschen Burschen blickte, „Du wärst so recht ein Sohn nach seinem Sinn und könnte ihn nur Einer von dem Verdacht abbringen, Du seist ein Pascher, so gäbe er uns am Ende do h seinen Segen." „Ich schwör' Dir's bei meiner Seligkeit, ich hab' nie Gemeinschaft mit den Paschern gehabt!" versicherte Frieder. „Meine Mutter — Gott geb' ihr eine fröhliche Urständ! — hat nie gelitten, daß der Vater mich auf seinen heimlichen Wegen mitnahm, so oft er auch verlangte, daß ich, wie die Buben seiner Kameraden, einen Packen tragen sollte. Und als sie den Vater mit durchschossener Brust heimbrachten und die Mutter voll Jammer ihr Haar an der Leiche raufte und doch noch Gott danken mußte, daß durch den Tod ihm die Schande des Zuchthauses erspart wurde, da habe ich mir selbst gelobt, daß ich nimmer ein Schmuggler werden will." „Ach, ich glaub'- Dir ja, wenn's nur mein Vater auch glauben möchte," seufzte Lisbeth. So war allmälig der Frühling herangekommen und wie lein Blitz aus heiterem Himmel traf es Lisbeth, al« eines Tages gerade vor dem Essen der Vater zu ihr sagte: „Der Oedhosbauer hat mir Nachricht geschickt, sein Aeltester sei zurückgekommen und ich möcht' heute bei ihm einsprechen, um die Sache mit Dir und dem Heiner nun gleich in Ordnung zu bringen. Nächsten Sonntag, denk' ich, soll also Versprach sein und in drei Wochen die Hochzeit." Lisbeth war so erschrocken, daß ste kein Wort heraus» bringen konnte; gleich darauf trat auch Valentin mit den Ehhalten ein, man setzte sich zu Tisch und sobald der Bauer die letzten Bissen gegessen, stand er auf, zog seinen Sonntag»' Als Frieder, der mit anderen Arbeitern ging, Lisbeth kommen sah, ließ er jene unter dem Vorwand, er habe sein Messer auf der Chaussee liegen lassen und wolle es holen, allein vorausgehen und wartete, stch hinter einem Gebüsch versteckend, auf das Mädchen, dessen verstörtes Gesicht ihn nicht« Gute« ahnen ließ. „O, Frieder," rief sie weinend, als sie ihn erreicht hatte, „nächsten Sonntag soll mein Verspruch mit dem Heiner sein, und ich springe lieber in'« Wasser, wo e« am tiefsten ist, ehe ich den nehme und von Dir lasse." Frieder legte erschreckt den Arm um sie und hielt sie so fest, al« stände schon Jemand vor ihm, der sie ihm entreißen wolle; aber einen anderen Rath wußte auch er nicht, al« nur den, sie müsse dem Vater sagen, daß sie nimmer den Heiner heirathen könne und werde. Lisbeth aber meinte, das habe sie ja längst gethan und der Vater bestehe doch auf seinem Willen, nun wisse sie nicht mehr, was zu thun sei. So redeten die Liebenden hin und her, ohne zu einem Entschluß zu kommen, da stand plötzlich Valentin vor ihnen, der der Schwester nachgeschlichen war und, durch das Gebüsch gedeckt, das Paar schon länger belauscht hatte. Mit einem Schrei fuhr Lisbeth aus Frieders Arm. „Brauchst nicht so zu erschrecken," sagte Valentin freund' licher, als es sonst seine Gewohnheit war, „bin dem Frieder nicht feind und glaub' gern, daß er Dir lieber ist al« der Heiner Rohnert." • Erstaunt, ihren Ohren nicht trauend, sah ihn Lisbeth an. Dennoch. Erzählung von Franz Eugen. Den Liebenden aber erschien trotz Sturm und Schnee bie^„„„ fc.,lVk V6|WU|ttHl dunkle, kalte Winternacht wie von Frühlingslüften durchweht,^ ^machen würde. Sie achtete nicht darauf, daß Valentin sie wenn sie Hand in Hand eifrige Zwiegespräche pflegten und .....- — -- sich die Zukunft in den rosigsten Farben ausmalten. 114 - „Ihr dauert mich eigentlich, Ihr zwei Liebeslsut', die Ihr weder aus noch ein wißt, jetzt, wo Euch die Noth an den Kragen geht," fuhr Valentin fort. „Wäre der Frieder ein Bursch', der rechte Schneid hat, so fände er gleich einen Ausweg." „Wie meinst Du das?" fragte Frieder, die ehrlichen braunen Augen weit öffnend. „Ganz einfach, Ihr laßt Euch gleich trauen," versetzte Valentin lachend, „ist die Liese erst Deine Frau, so kann sie nicht mehr die des Heiner werden; das ist doch klar wie der Tag." Frieder und Lisbeth starrten ihn verständnißlos an. „Seid Ihr aber schwer von Begriffen," fuhr Valentin fort, „hast Du vergessen, Frieder, was Dir der Pfarrer versprach, als Du ihm den Aloys aus den Flammen geholt? Geh' zu ihm und sage, j.tzi sei der Augenblick gekommen, sein Versprechen zu erfüllen und Dir die Schuld des Dankes heimzuzahlen, indem er Dich sofort mit der Lisbeth traut- Was der Pfarrer einmal zusammengegeben, kann kein Mensch mehr scheiden, und wie ich unfern Alten kenne, wird er sich nach einigem Toben und Schelten bald in das Unvermeidliche finden; es bleibt ihm ja auch nichts anderes übrig." Dnmit ließ er die Beiden allein. „Dein Bruder hat Recht," jubelte Frieder, „daran hab' ich noch nicht gedacht; aber so geht's, daß Du meine Frau wirst, trotz Deinem Vater und dem Heiner." Aber Lisbeth scküttelte den Kopf; die Sache schien ihr doch zu gewagt, sie fürchtete des Vater« Zorn und sträubte sich, dem Rathe des Bruders zu folgen; aber das leidenschaftliche Drängen und Bitten Frieders, den die Vorstellung, so plötzlich am Ziel seiner heißesten Wünsche zu stehen, förmlich berauscht hatte, trug doch endlich den Sieg über ihre Bedenken davon und sie willigte ein. „Stehenden Fußes geh' ich zum Pfarrer," sagte Frieder, einen Kuß auf die rothen Lippen drückend, deren „Ja" ihn eben so glücklich gemacht, „und ich bin gewiß, daß er mir um des Aloys willen meins Bitte nicht abschlagsn wird. Sei Du nur morgen Abend, wenn's dämmert, an der Kirche, da warte ich auf Dich und ist das Glück gut, führe ich Dich gleich zur Trau." Hastig nahm er Abschied von Lisbeth und eilte nach dem Dorf. Er fand den Pfarrer allein in feiner Studierstube; aber das freundliche Gistcht, mit welchem ihm dieser empfing, wurde sehr ernst, als er sein Anliegen vorbrachte. Man nahm es zwar in damaliger Zeit nicht so streng mit den Heirathsformalrtäten wie heutigen Tags, und namentlich auf dem Lande traute der katholische Geistliche in dringenden Fällen auch wohl ein paar ohne Aufgebot und elterliche Einwilligung und die letztere war in diesem Fall nicht einmal gesetzlich nöthig, da Lisbeth, wie der Pfarrer wußte, vor einigen Tagen 25 Jahre alt geworden, also majorenn war. Dennoch widerstrebte es ihm, im directen Widerspruch mit dem Willen des Vaters die Tochter mit ihrem Liebsten zu trauen, mochte auch der Birkenhofbauer keinen stichhaltigen Grund für diesen Widerspruch haben; denn Friedrich Mattern war das Muster eines braven, fleißigen, soliden Menschen. Er ermahnte deshalb den jungen Burschen zum Aurharren und zur Geduld, zwingen würde der Birkenhofbauer doch nimmer zu der Heirath mit dem Anderen und so gelte ee, abzuwarten, bis die Standhaftigkeit der Lisbeth den Widerstand des Vaters überwunden haben werde; aber einer Ehe ohne elterlichen Segen fehle immer das Beste- „Ach, Hochwürden, Ihr kennt den Birkenhofbauer nicht," rief Frieder außer sich, „der zwingt die Lisbeth zu der Heirath mit dem Heiner und sollt' er sie mit Gewalt zum Altar schleppen, und dann thut sie sich ein Leids an. Erbarmt Euch und erfüllt meine Bitte, Ihr macht sonst zwei Menschen unglücklich für Zeit und Ewigkeit!" „Lieber geistlicher Ohm, thu' doch, was der gute Frieder bittet, der mich aus dem Feuer geholt hat," bat jetzt eine kindliche Stimme, und der kleine Aloys, der eben hereingekom- meu war und die letzten Worte Frieders gehört halte, kletterte auf die Knies des Geistlichen und sah ihn bittend an- Der Pfarrer drückte den blonden Kopf des Knaben an feine Brust und fein Herz wurde weich, als er daran dachte, daß ohne Frieders muthige That diese strahlenden Kinderaugen in qualvollstem Tode gebrochen sein würden und diese goldenen Locken, diese rosigen Wangen jetzt Asche wären. Nein, dem Manne, der mit Gefahr seines Lebens ihm diesen Schatz gerettet, durste er seine Bitte nicht abschlagsn! „Um dieses Knaben willen," sagte er dann, sich zu Frieder wendend, „soll Deine Bitte gewährt sein. Gott walte, daß es zu Eurem Glück ist." „Dank, Dank, Hochwürden!" stammelte Frieder, die Hand des Geistlichen küssend. „Es wird gewiß Alles gut werden, wenn nur erst die Lisbeth mein Weib ist; der Valentin meint auch, daß der Vater ihr schon verzeihen wird, wenn er sieht, daß nichts mehr zu ändern ist." „Soll mir sehr lieb sein, wenn's so ist," sagte der Pfarrer ernst. Das Herz voll Seligkeit, eilte Frieder nun fort, um sein kleines Häuschen rasch ein wenig in Stand zu setzen für die Ausnahme seiner jungen Frau. Fast die ganze Nacht scheuerte und putzte er, bis der ärmliche Hausrath ebenso blitzblank und Küche und Kammer so nett und sauber aussahen, wie zu Lebzeiten seiner Mutter. Während des folgenden Tags war er trotzdem einer der Ersten und Fleißigsten draußen bei der Arbeit und sang so fröhlich in den grünen Wald hinein, daß die Kameraden meinten, ihm müsse wohl schon in aller Frühe ein großer Glück begegnet sein. Lisbeths Stimmung war dagegen nicht fo sroh; sie hatte am Morgen den Vater noch einmal kniefällig gebeten, von dem Vsrspruch mit dem Heinrich Rohnert abzustehen; aber so zornig, wie sie ihn selten gesehen, hatte er ihr zugeherrscht: Der Bauer vom Oedhof habe sein Wort und keine Macht der Welt werde ihn bewegen, dasselbe zu brechen. Nun erwachte auch in ihr der Trotz; , zwingen lassen wollte sie sich nicht zu diesem verhaßten Ehebund; der Valentin hatte Recht: War sie erst dem Frieder angetraut, so konnte von einer Heirath mit dem Heiner wenigstens nicht mehr die Rede sein und was auch kommen mochte, diesem größten Unglück war sie dann doch entgangen. , Als der Abend kam, schlich sie sich still aus dem Hause, und das Kopftuch tief in die Stirn gezogen, ging sie in’« Dorf nach der Kirche, in deren Schatten Frieder ihrer harrte. Wie im Traum ließ sie sich von ihm in die Sacristei führen, wo der Pfarrer schon bereit stand, die heilige Handlung vorzunehmen; wie im Traum ging sie durch die Ceremonie der Trauung, sprach sie das bindende „Ja"; erst als sie wieder draußen stand und Frieder sie sein Weib, sein angetrautes Eheweib nannte, kam sie zum vollen Bewußtsein der Wirklichkeit. , , Für einen Moment drängte das Glücksgefühl, mit dem Geliebten nun untrennbar verbunden zu fein, alle die Sorgen und Bedenken, die sie während des Tages gequält, zurück, selbst die Furcht vor dem Zorn des Vaters wich einer frohen Zuversicht. Erröthenb und lächelnd Frieders ungestümer Zärtlichkeit wehrend, sagte sie: „Ich gehe gleich nach dem Birkenhof, der Vater soll der Erste sein, der erfährt, was geschehen ist." „Ich komme mit Dir," sagte Frieder, „jetzt bin ich Dein Schutz und Schirm und Du sollst nicht allein dem ersten Zornesausbruch Deines Alten gegenüberstehen." „Nein," wehrte Lisbeth, „Du bleibst am Hofthor stehen, dem Vater muß ich's allein sagen, Deine Gegenwart kann mir nichts helfen und könnte ihn leichtlich immer noch mehr reizen." Flieder sah ein, daß sie Recht hatte; so begleitete er sie denn nur bis an den Birkrnhof. „ , „Hier warte ich, bis Du mich holst," sagte er, sie noch einmal in seine Arme ziehend, ehe sie in dem Hof verschwand. Das Herz klopfte ihr doch mächtig, als sie in die Stube trat, wo ihr Vater, eine Pfeife rauchend, am Lisch faß und mehrere Papiere vor sich liegen hatte. „Kommst mir gerade recht, Lisbeth," rief er ihr entgegen, „habe eben zusammengestellt, was ich Dir an Hausrath und baarem Gelds mitgebe; der Oedhofbauer wird schmunzeln, daß er eine so gut ausgestattete Söhnerin bekommt." „Vater," begann Lisbeth mit bebender Stimme, „ich hab's Euch gesagt, Arber als daß ich den Heiner freie, geh' ich in's Waffer; aber weil ich doch noch so jung bin und am Leben häng', hab' ich gedacht, ich will's Euch unmöglich machen, mich zu dem verhaßten Ehebund zu zwingen und mich heute Abend vom Pfarrer mit dem Friedrich Mattern trauen kaffen." Der Bauer stierte sie an, als könne er den Sinn ihrer Worte nicht faffen. „Bist Du verrückt geworden, Mädchen?" fragte er end« lich mit stockendem Athem. „Ich bin ganz bei Sinnen, Vater, vor einer Viertelstunde hat mich Hochwürden mit dem Frieder zusammen gegeben. Vergebt mir, daß ich Euch so ungehorsam war, aber es blieb mir keine Wahl; Ihr selbst habt mich zum Aeußersten getrieben." Der Bauer schlug mit der Faust so schwer auf die Tischplatte, daß sie krachte, seine Augen traten blutunterlaufen aus ihren Höhlen, die Adern auf seiner Stirn schwollen dick an und eine dunkle Röthe bedeckte sein Gesicht. „So sei verflucht!" schrie er heiser. „Fort aus meinen Augen oder ich erwürge Dich!" „Vater, Vater, vergebt," stammelte Lisbeth zitternd. Die Augen des Bauern sprühten Blitze. „Fort, fort, sonst giebt's ein Unglück," schäumte er. Von Schrecken und Grauen überwältigt, floh Lisbeth aus der Nähe des wüthenden Mannes, ihre zitternden Füße trugen sie kaum bis zu der Stelle, wo sie Frieder verlaffen hatte. In dem bleichen Weib, das, Entsetzen im Blick, mit entgeisterten Zügen sich schluchzend an seine Brust warf, erkannte der junge Gatte kaum noch die rosige, glückstrahlende Braut, die ihn vor wenigen Minuten verlassen hatte. „Um Gott, Liesel, wie sichst Du aus, was ist geschehen?" fragte er hastig. Sie konnte vor Schluchzen nur die zwei Worte: „Vater . . - Fluch . . ." herausbringen, und seinen Arm krampfhaft umklammernd, zog sie ihn eiligen Laufes fort. Eine wahnsinnige Angst vor dem Vater hatte sie erfaßt, es war ihr, als ob Tod und Verderben vom Birkenhof her ihr drohe und nur rasche Flucht sie retten könne. Alles beruhigende Zureden, alle zärtlichen Trostworte Frieders vermochten das Grauen nicht aus. ihrer Seels zu bannen- Es war ein trauriger Anfang ihrer Ehe. ♦ * * Für den Birkenhofbauer war von jenem Tage an die Tochter wie eine Gestorbene, nie mehr nannte er ihren Namen; und wenn er in das Dorf ging, machte er einen weiten Umweg, um nicht an dem Häuschen Frieders vorüber zu müssen. Das Erste, was er that, war, daß er sich auf das Amt begab und dort ein Testament niederlegte, worin er Lisbeth enterbte. Valentin triumphtrte, fein Anschlag war ihm noch über Erwarten gelungen; die vielbeneidete, schöne Schwester, der bisherige Liebling des Vaters, war gänzlich aus deffen Haus und Herzen verdrängt, und er, der stets 'zurückgesetzte Sohn, war nun der alleinige Erbe. Er trug auch Sorge, dies Lisbeth baldigst zu hinterbringen, während er sich sehr hütete, irgend Jemand merken zu lassen, daß es sein Rath gewesen, der die Schwester zu dem raschen, folgenschweren Schritt getrieben und das junge Paar, das still füv sich lebte, sprach auch nicht darüber. Trotz ihrer gegenseitigen heißen Liebe war indeß der Himmel ihrer Ehe doch nicht ganz wolkenlos geblieben, denn 173 dis Sorge um das tägliche Brod hatte balo an ihre Lhüre geklopft. Lisbeth, gewöhnt, in ihres Vaters Haushalt aus dem Reichen und Vollen zu wirthschaften, hatte trotz des besten Willens große Mühe, sich in die kleinen, ärmlichen Verhältnisse der eigenen Wirthfchaft zu finden und es wurde ihr sehr schwer, immer daran zu denken, daß sie jeden Kreuzer zwei Mal in der Hand umdrehen mußte, ehe sie ihn ausgab. Run war Frieder zwar doppelt fleißig, und neben der Arbeit am Chausseebau und später dem Holzfällen im Walde suchte und fand er noch manchen Nebenverdienst; aber die Ernte war schlecht gewesen, alle Lebensmittelpretse stiegen, der Winter war lang und hart und so war Schmalhans oft Küchenmeister in seinem Hause. Für sich selbst hätte er es nun leicht ertragen, daß die Kost so karg war, aber daß Lisbeth als sein Weib so viel entbehren mußte, während sie daheim in Fülle und Ueber- fluß gelebt, war ihm ein großer Kummer und er fürchtete immer, sie möchte denken, sie habe das Glück, mit ihm vereint zu sein, doch zu theuer erkauft. Das war nun aber nicht der Fall, denn Lisbeth» Liebe war echt und treu, und wenn auch die enge Stube mit der niedrigen, verräucherten Decks und dem dürftigen Hausrath ihr manchmal gar ärmlich und unwohnlich erschien, sobald der Frieder mit seinem heiteren Gesicht heimkam und seine gute, freundliche Rede in ihr Ohr klang, vergaß sie, was sie noch eben vermißt hatte und war mit ihrem Loos vollkommen zufrieden. Als jedoch bald nach dem neuen Jahr der Storch in dem kleinen Häuschen erschien und der Arzt, da Lisbeth nach der Geburt eines Knaben sich nicht erholen konnte, kräftige Kost und starken Wein für durchaus nöthtg zu ihrer vollen Genesung erklärte, faßte Verzweiflung Frieders Herz, weil es ihm mit aller Anstrengung nicht möglich war, das herbeizuschaffsn, war die geliebte Frau so dringend bedurfte. So kam es, daß er dem Versucher, der in Gestalt des Bachmüllers, dem Haupt der Schmugglerbande, an ihn herantrat, ein williges Ohr lieh. Seit vielen Jahren schon trieb der Müller sein gefährliches Handwerk; aber seine Schlauheit und Gewandtheit war so groß, daß es den Zollbeamten, die ihn längst im Verdacht hatten, noch nie geglückt war, ihn auf der That zu ertappen. Wohl waren öfters bei nächtlichen Streifzügen der Grenzer Genossen von ihm gefangen worden; aber dem Müller war es stets gelungen, sich in Sicherheit zu bringen und keiner der Letzteren hatte ihn je verrathen, weil er im Verkehr mit ihnen stets loyal verfuhr und wenn ein guter Coup geglückt war, eine offene, freigebige Hand hatte. Auf den Frieder, der ein sehr flinker und anstelliger Bursche war, hatte er schon lange ein Auge gehabt, doch hatte sich dieser allen Lockungen und Versprechungen gegenüber immer durchaus ablehnend verhalten, jetzt aber überwog die Sorge um Lisbeth jedes andere Bedenken und der Müller fand es diesmal leichter, ihn zu bereden. (Fortsetzung folgt.) Unsere Kleidung im Frühjahr. Eine hygienische Betrachtung von Dr. Otto Gotthilf. ------- (Nachdruck verboten.) „Die Kleidung ist vor allem ein wesentliches Hilfsmittel der Wärmeregulation unseres Körpers und steht nicht nur im Dienste des Behaglichkeitrgesühls der Haut," sagt sehr richtig Professor Rumpel. Dies empfinden wir besonders im Winter. Wird dann die äußere Luft kühler als unsere Haut, so müßten wir eigentlich stets frieren; da wir aber über unsere empfind- -liche Haut eine empfindungslose Kleidung legen, so friert nicht unser Körper, sondern die Kleider werden kalt, sie frieren für un». Die Luft von außen tritt zwar auch durch die Poren 176 - bet Stoffe hindurch, abe? Re wird dabei erwärmt und trifft in wärmerem Zustande auf die Haut. Wenn wir da« Be« dürfniß fühlen, die kalte Außenluft noch langsamer und in noch erwärmterem Zustande an unseren Körper gelangen zu lasten, so ziehen wir über dar erste Kleidungsstück noch ein zweites oder gar ein drittes. In der jetzigen Jahreszeit dagegen, wo oft plötzliche Regengüffs uns überraschen, muß man sich namentlich davor hüten, durchnäßte Kleidungsstücke noch anzubehalten, sobald man sich nicht mehr in Bewegung befindet. Denn nasse Kleider entziehen dem Körper sehr viel Wärme und find sehr oft die Ursache von heftigen Erkältungskrankheiten. Wasser ist bekanntlich ein sehr guter Wärmeleiter. Ein warmer Körper, also auch der menschliche Leib, gibt an nasse Stoffe sehr rasch und in großen Mengen Wärme ab- Daher ist durchnäßte Kleidung für das Wohlb finden stets sehr nach« theilig, es sei denn, daß wir durch energische Bewegung immer wieder die nöthige Wärme erzeugen. Professor Rumpel hat durch genaue Untersuchungen festgestellt, daß der Wärmeverlust des Körper» durch nasse Bekleidung dreimal so groß ist, als wenn man ganz unbekleidet wäre. In höchst anschaulicher Weise erläutert dies auch Professor v. Pettenkofer. Er sagt: Wenn wir im Freien nasse Füße, oder besser gesagt nasse Strümpfe bekommen, und dann in ein warmes Zimmer mit trockner Luft gehen so hebt eine bedeutende Verdunstung des aufgesogenen Wassers an. Wenn man an der Fußbekleidung nur 3 Loth Wolle durchnäßt hat, so ist zur Verdunstung des darin aufgehäuften Wassers so viel Wärme erforderlich, als man nöthig haben würde, um ein halbes Pfund Wasser von 0 Grad bis zum Sieden zu erhitzen, oder um mehr al» ein halbe» Pfund Eis zu schmelzen. Diese Wärmemenge wird fast ausschließlich geliefert von der ausstrahlenden Blutwärme der Füße. So gleichgültig manche Menschen gegen durchnäßte Fußbekleidung sind, so sehr würden sie sich sträuben, wenn man ihre Füße zum Schmelzen von ein halb Pfund Ei« in Anspruch nehmen wollte. Und doch ist die GesundheitSgefähr« lichkeit dieselbe. Es darf daher auch als vollkommen erwiesen angesehen werden, daß die durch nasse Kleidung veranlaßte Abkühlung des Körpers in dirctem Zusammenhangs steht mit den vielen sogenannten rheumatischen Affectionen und mit den Catarrhen der Schleimhäute. In dem lobenswerthen Bestreben, das Eindringen des Regens in unsere Kleidung zu verhindern, hat man wasser, dichte Stoffe fabricirt. Diese dürfen aber nicht auch, wie es häufig der Fall ist, luftdicht sein, sonst beeinträchtigen fie die Ausdünstung der Haut, erschweren durch Luftdruck das Athmen und wirken somit hygienisch höchst schädlich. Die Stoffe dürfen eben nicht mit einem wasserdichten Ueberzug versehen, sondern müssen nur imprägnirt sein. Dann aller, ding» können sie sehr gute Dienste leisten. So werden dichtere Tuchgewebe durch die Jmprägnirung in einem solchen Grade waflerfeindlich, daß fie fast einen ununterbrochenen, mittelstarken Landregen von zwei und einer halben Stunde Dauer aushalten ohne durchnäßt zu werden. Bei einer nassen Kleidung kommt auch noch der Uebel« stand hinzu, daß sie an der Haut meist anklebt und dadurch Bewegung und Athmung erfchwert. Auch hat man an den klebenden Stellen das Gefühl empfindlicher Kälte, da die sonst zwischen Kleidungsstoss und Haut lagernde Luftschicht verdrängt wird- Allerdings verhalten sich die verschiedenen Stoffe in dieser Hinsicht recht ungleich. Die glattgewebten Leinen« und Baumwollstoffe sowie Seide, legen sich dicht an, weniger die Tricotbaumwolle und am wenigsten die tricot- und flanellgewebten Wollstoffe. Letztere sind daher namentlich zu Unterkleidern bei regnerischem Wetter sehr geeignet. Ueberhaupt ist es gerade im Frühjahr, der launischen und wetterwendischen Jahreszeit rathsam, wollene Unterkleider zu tragen. Zwischen den vielen Härchen und Fäserchen der Wolle, besonders wenn fie noch nicht ost gewaschen ist, sammelt sich eine große Menge erwärmte Luft an und bildet einen trefflichen Schutz gegen die von außen andringende kalte Luft. Selbst bei Durchnässung bleiben in der Wollkletdung noch viele Poren mit Luft gefüllt und gestatten daher eine freiere Athmung und Ausdünstung der Haut, als z. B. in Leinenstoffen. Hoffentlich wird es aber nicht den ganzen Frühling hindurch regnen, sondern heißer SonnenschOn wird uns wohl manchmal auf den Rücken brennen. Daher dürfen wir unsere Kleidung auch nicht zu dick und zu schwer wählen. Denn sie ist schon im allgemeinen viel schwerer als die natürliche Kleidung der Thiere. Bei diesen, z. B. Hunden, macht dar Gewicht ihres Pelzes meist nur iy2 Procent des Gesammt. körpergewichtes aus, bei anderen, wie Kaninchen, noch weniger. Im Vergleich damit tragen wir geradezu ein Panzerkleid; denn unsere Winterkleidung beträgt gut 10 Procent bei Körpergewichtes, ohne deßhalb erheblich mehr zu leisten als der Haarwuchs eines Thieres. Somit ist es nur ein ganz natürliches Verlangen, die schweren Winterstoffc möglichst bald abzulegen. Schwere und dicke Kleidung beengt auch die Brust, beeinträchtigt die Athmung, erschwert Gehen und Be» wegung. Daher soll man in jetziger Jahreszeit, namentlich beim Spazierengehen über dichtere Unterkleider leichte Ober« kleider legen. Und gegen etwaige Aprillaunen schützt ein Ueberrock am Arme oder ein Sonnen« oder Regenschirm in der Hand. „Eines schickt sich nicht für Alle«, gilt besonder» auch von der Bekleidung. Starke, wohlgenährte Personen können viel leichter gekleidet gehen als hagere und magere, denn sie besitzen an dem Fettpolster unter der Haut eine sehr warm haltende Schutzdecke. Für magere Leute dagegen ist es nicht zuträglich, bei nasser Witterung oder kühler Temperatur leicht gekleidet zu gehen und sich überhaupt den Wetterlaunen ungeschützt preirzngeben. Trotzdem findet man auch bei diesen solche Abnormitäten. Bei näherer Bekanntschaft mit diesen Personen gelingt es meist, eine Erklärung dafür zu finden. Oft ist ein lebhaftes, unruhiges Temperament die Ursache, Hast, Aufgeregtheit, gewohnheitsmäßige Unruhe, welche den Körper stets in größerer Thätigkett erhält, als eigentlich nothwendig wäre. In vielen Fällen sind hagere, leicht gekleidete Personen auch Vielesser, die den erhöhten Wärmeverlust der ungenügenden Kleidung auf diesem anderen, aber viel teuereren Wege wieder ausgleichen. Das ist aber keineswegs practisch oder der Natur gemäß. Ueberhaupt wird die Bekleidung noch viel zu sehr von der Nachahmung und der Ueberlieferung bestimmt. Dies steht man am deutlichsten gerade jetzt, beim Uebergange von einer Jahreszeit in die andere. In manchen Landestheilen sind er geradezu gewisse Tage, z. B. der Osterfeiertag, der Himmel« fahrtstag, an welchen die Sommerkleidung zum ersten Male getragen werden muß, gleilchgiltig, wie auch immer die Witterung fein mag Viele Menschen fühlen erst die Berechtigung zum Kleiderwechsel, wenn sie Andere in der Sommerkleidung gesehen und den ersten Strohhut erblickt haben; und im October an kalten Tagen zöge Mancher gern den Winterüberzieher, der zu Hause im Schranke hängt, an, wenn er nur erst einen Bekannten entdeckt hätte, der mit dem guten Beispiel vorausginge. Dies Schablonisiren bringt Vielen an ihrer Gesundheit Schaden. Man soll vielmehr gerade bei der Kleidung indi« vidualisiren; Jeder muß nach seiner individuellen Constitution und Köcperanlage eine der Jahreszeit und seinem Wohlbefinden entsprechende Kleidung anlegen- Eine unzweckmäßig gewählte Bekleidung kann unzweifelhaft eine Quelle zahlreicher Erkrankungen werden; ja wenn man die vielen kleinen Leiden und unangenehmen Stunden, welche eine unzweckmäßige Kleidung mit sich bringt, summiren und als eine Größe verrechnen könnte, dann würde man erst sehen, welch große Rolle eine richtig und naturgemäß gewählte Bekleidung spielt. Sebartion: T. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen- Einer erkrankt, c über die ( dessen Rech zu einem 1 einen auß Müller, 1 Träger hc der nächst! Die t sich in Fr beth und Wangen 1 kräftig roe Der das Geld kannte, hä ist es übli zahlen, D fein darar künftig m Fried wenn der Lisbeth di wie er m< Sie und gab 1 zubringen Entschluß. »Der entgegnete ihm noch gleich gefa dafür kav wirst Du