L&r D\. ■ Mg WLid Nr. 108 T~ AenSlag de« 15. September <&■---- ... .... AM AOK . Falsches Spiel. Roman von E. v. Linden. (Fortsetzung.) „Du wirst dem Sohne meines Bruders doch kein Ver- brechen zutrauen? Das wäre fürchterlich!" erwiderte er leise, „nein, Liebe, sei deshalb unbesorgt," setzte er tiefathmend hinzu, „seine Eltern waren freilich leichtfinnig, aber keiner Verbrechen fähig, ja, was seine Mutter anbetrifft, so war ihr einziges Vergehen die Liebe für meinen Bruder, die ihr Pflichtgefühl gegen andere ihr nahestehende Personen verschlang. Ich muß mit Hans Justus sprechen, das bin ih mir und —" Er brach ab, nickte ihr zu und ging in sein Zimmer. Hier setzte er stch schwer seufzend vor seinen Schreibtisch nieder, stützte den Kopf in die Hände und murmelte: „Ja, ich bin es mir und meinen Freunden schuldig, diesen unwürdigen Zweig meines Stammes wieder zurückzuverpflanzen in jenen Boden, der ihn zu dem erwachsen ließ, was ihn für immer von mir und meinem Hause scheidet-" 8. Capitrl. Ebba Regina. Das schöne Rittergut Ltndenhagen war durch die leichtfinnige Verschwendung des früheres Besttzers, eines jungen Freiherrn von Below, in die wucherischen Hände des Herrn Melwig übergegangen, der es verstanden hatte, ein kleine» Capital im Handumdrehen so ungeheuerlich zu vergrößern, daß er jetzt für den reichsten Grundbesttzer der ganzen Gegend galt. Wie eine Kreuzspinne hatte er seine Opfer umgarnt, bis kein Entrinnen mehr möglich und der Ruin derselben bestegelt war. Curt von Below hatte zum Revolver gegriffen. — Wie viele andere seiner unglücklichen Opfer dieses Schicksal getheilt, oder am Bettelstäbe ihrem Verderben fluchten, darüber stand allerdings noch nichts in den Gerichts-Acten, desto mehr aber im Gedächtniß der Betheiligten und ihrer Freunde, während feine Geheim-Bücher die beste Aufklärung hätten geben können. Herr Lars Melwig war kein Vollblut - Däne, sondern aus Apenrade gebürtig. Sein verstorbener Vater war ein echter Deutscher, seine Mutter aber eine echte Dänin gewesen, welche dem Sohne ihre Gestnnung eingeflößt hatte. Lars aber entwickelte sich nach und nach zu einem famosen Schlaukopf, der rasch den Grundsatz: „Die Welt will betrogen sein 1" sich zu eigen machte, und seine bei einem Krämer erworbenen kaufmännischen Kenntnisse nicht hinter dem Ladentisch, sondern in lohnender Weise zu verwerthen wußte. Wie er seine politischen Ansichten und vaterländischen Gefühle je nach seinem Interesse umgewandelt hatte, so war er auch jetzt ein guter Deutscher, wie auch seine schöne Nichte, die Tochter seines jüngeren Bruders, der in Kopenhagen als Subaltern-Beamter eines dortigen Gerichts sich natürlich auch als echter Däne fühlte. Nun, Fräulein Ebba Regina, welche ein sehr gutes Deutsch sprach und sich von Rechtswegen für die Erbin ihres reichen, u'nverheiratheten Onkels halten durfte, verstand es ebenfalls wie dieser ganz vortrefflich, ihre eigentliche Gesinnung, wo es nöthtg war, zu verbergen, und sich als echte Schleswig- Holsteinerin aufzuspielen. Doch war es trotz ihrer auffälligen Schönheit, ihrer Geschmeidigkeit und glatten Formen, sowie ihrem scharfen Verstände bislang nicht gelungen, Aufnahme in jene Kreise zu finden, wonach ihr ganzes Sinnen und Trachten stand, um durch eine Heirath sich den stolzen Töchtern des Adel» ebenbürtig zu fühlen. Der unglückliche Curt von Below hatte zwischen Lindenhagen und den Rittergütern der weiten Umgegend eine Scheidemauer errichtet, welche der wucherische Eindringling nicht niederzureißen vermochte. Er hatte sich deshalb schon zum Verkaufe de» Gute» entschlossen, als Hans Justus von Alting auf der Bildfläche erschien und ihm neue Aussichten erschloß. Ebba Regina war eine kühne Reiterin, deren tolles Wagen die Bewunderung aller Sportsmänner herausforderte. Ihr Onkel war stolz auf sie, er hielt ihr die besten Pferde und nichts war zu kostbar für seine schöne Nichte, welche den Gesprächsstoff der ganzen ritterlichen Jugend bildete. Mancher Junker hätte sich ihrethalben gar zu gern über die ver- vehmte Schwelle von Ltndenhagen gewagt, wenn ihn nicht die Furcht zurückgeschreckt hätte, in den gleichen Verruf zu gerathen. Selbstverständlich erfuhr Han» Justu» schon in der - 430 ersten Stunde seines Beisammenseins mit der adeligen Jugend von der schönen Ebba Regina und ihrem vervehmten Onkel Die Geschichte wurde dem Amerikaner so unverständlich, die Furcht der Junker ihm so belustigend, daß er in ein laute» Gelächter ausbrach und hierauf mit ihnen wettete, ste sämmtlich innerhalb acht Tagen im Lindenhagener Herrenhause um sich versammelt zu sehen. Die jungen Herren gingen die Wette ein, die auf fünfzig Doppelkronen lautete und von den acht Junkern zusammen gegen Hans Justus gehalten wurde. Wovon letzterer die Summe bezahlen wollte, falls er verlor, wußte er selber nicht, da der alte Baron ihm zwar ein anständiges Taschengeld ausgesetzt hatte, doch an solche hohen Summen niemals denken würde. Er mußte also gewinnen und zweifelte auch keinen Augenblick daran. Ohne Säumen lenkte er seinen Fuchs schon am nächsten Nachmittag nach Lindenhagen, um dort seinen Besuch abzustatten. Herr Melwig, der von seiner Ankunft bereits genug gehört hatte, war höchst überrascht und erfreut über den unerwarteten Besuch, und bot seine ganze Liebenswürdigkeit auf, um den jungen Herrn so lange zu fesseln, bis die Nichte von ihrem Spazierritt zurückkehrte, was allerdings, da jener hauptsächlich nur ihrethalben erschienen war, nicht schwer hielt. Bei einer Flasche echtem Johannisberger, wovon noch eine lange Reihe im Keller lagerte, die Melwig einem Weinhändler hatte abpfänden lassen, sowie einer ebenso echten Havana plauderte es sich sehr gemüthltch in dem elegant ausgestatteten Raum, den der Gutsherr al» sein Privatzimmer bezeichnete. „Ihr Vorgänger hat fich ja wohl mit einem Loth Blei absentirt,? wie?" fragte Han» Justus, dem es diesen Mann gegenüber zum ersten Male wieder ganz wohlig wie drüben in der Heimath wurde. «Bah, er war ein Narr!" erwiderte Melwig wegwerfend, „wenn die Herren Aristokraten für ihre verschwenderischen Genüsse und Pasfionen das Geld des soliden Bürgers brauchen, dann ist dieser ein guter, lieber Mann, ein Freund in der Roth. Will er aber sein sauer erworbenes Geld nicht umsonst riskiren und es endlich auch wieberhaben, dann schimpft man ihn einen Wucherer, Halsabschneider und Gott weiß was!" — Pardon, Herr Baron, ich vergaß, daß auch Sie zu diesen Aristokraten gehören, — aber ich frage Sie, ob es gerechtfertigt ist, mich für den Tod eines solchen Verschwenders noch schließlich verantwortlich zu machen? Ich habe das Gut übernehmen müssen, um zu meinem Gelbe zu kommen, denn Jeder ist fich selbst am Ende doch der Nächste." „All right Sir!" rief Häns Justus, mit dem menschen- freundlichen Herrn Melwig kräftig anstoßend, ich hasse diese deutschen Aristokraten, und freue mich, daß Sie den dummen Junker aus diesem warmen Nest geworfen und sich selbst htneingesetzt haben- Goddam Sir, wir müssen Freunde werden, Sie gefallen mir, diese ganze Sippschaft verdient, daß ihr die Goldfedern ausgezogen werden und wir Beide, calculire ich, wären die rechten Männer dazu." Melwig sah ihn prüfend an, er hatte sich diesen Amerikaner, der so mitten in die aristokratische Gesellschaft hineingeschneit war, schon gleich aufs Korn genommen, weil Mes, was von drüben kam, andere Ansichten und Ideen über Standesvorurthelle befaß. Der geriebene Menschenkenner hatte sich, wie er sah, auch nicht getäuscht, der junge Baron von Atting gehörte zu ihm. „Ich glaube, Ste haben recht, Herr Baron," erwiderte er, „und e» streut mich; aufrichtig, daß wir un» in einer Sympathie begegnen, die auf beiderseitige Interessen sich gründet. Darin ist Amerika uns weit voraus, obgleich sich bei uns auch schon kluge Leute finden, die ihren irdischen Borthell, den sie greifen und festhalten können, höher stellen, al» die ganze Gefühlsduselei und Verhimmelung, womit sich die Menschen selbst betrügen und von Anderen um ihren Lebenszweck geprellt werden." «Goddam, Mr. Melwig, das nennt man wohl deutsche Philosophie?" rief Han» Justus laut lachend. „Sie find mein Mann, diese Philosophie gefällt mir. Lassen Sie uns an- stoßen auf gute Kameradschaft!" Die Gläser klangen zusammen. Der schöne Bund dieser beiden edlen Seelen sollte bald seine Früchte tragen, wie wir bereits aus des alten Herrn von Römhilds Klagen erfahren haben. Hans Justus begann mit den Sportwetten, dis ihm seine adeligen Genossen zuerst ins Netz trieben und zu seinen Schuldnern machten. Um seine eingegangene Wette hinstchtlich de» Lindenhageners zu gewinnen, fing er es schlau an, indem er diese ganz vergessen zu haben schien und die darauf hinzielenden Neckereien überhörte. „Oho," sagte Harald Römhild, „der amerikanische Fuchs will uns darum prellen, weil er die Wette verloren giebt, da werde ich ihn mal aus seinem Bau treiben. Der reiche Onkel kann zahlen, denn Wette bleibt Wette und für Jeden von uns eine Ehrensache." Als die Herren am selben Tage mit Hans Justus zusammen^ kamen, um eine Bootfahrt zu unternehmen, machte Römhild den ersten Angriff auf ihn. „In drei Tagen haben Sie fünzig Doppelkronen an un- verloren," sagte er mit starker Betonung. Der Amerikaner sah ihn mitleidig an. „Ach, Ste meinen damit die Ltndenhagener Wette, mein bester Herr von Römhild?" erwiderte er nachläsfig, „all right, ich will verlieren, — mir liegt nicht» daran, die Herren in meinem Jagd-Revier zu sehen. — Aber — Goddam, leid thun Sie mir allesammt. Zum Henker mit einem solchen Gängelbande, da» Sie sich selber au» Vorurtheilen, Hochmuth und — parbon — na, sagen wir Abhängigkeit gedreht haben." „Sie scheinen darnach Glück in Lindenhagen zu haben, Herr von Atting, bemerkte Römhild spöttisch, „nun, Jeder nach seinem Geschmack, Amerika ist in solchen Dingen nicht wählerisch. Wenn Ihr Onkel e» frellich erführe, er versteh in dieser Sache keinen Spaß." „Braucht er'» denn zu erfahren?" erwiderte Hm Justus, wie prüfend den Blick von Einem zum Anderen wandern lassend. „Ich denke nicht, daß einer von Ihnen er ihm verrathen wird." „Well ein solcher Gedanke eine blutige Beleidigung für uns wäre," rief einer der Herren achselzuckend, „womit sich aber nicht verbürgen läßt," setzte er langsam hinzu, „baß Ihre Besuche in Lindenhagen verschwiegen bleiben, mein lieber Atting! — Die Sonne wird'» bald genug an den Tag, und damit an Ihren Onkel bringen." „Die Sonne habe ich nicht zu fürchten," lachte Hans Justu« spöttisch auf, „ich warte stet«, bi» sie drüben bei meinen Landsleuten ist und was den Mond anbetrifft, so ist der bekanntlich ein verschwiegener Geselle, zumal ich als Nachtwandler zu seinen speciellen Freunden gehöre." Die Herren brachen in ein fröhliche» Gelächter au» und erklärten ihn für einen famosen Kerl und lustigen Kameraden. „Run müssen Ste aber beichten," rief Harald Römhild, „und zwar, bevor wir unsere Meerfahrt antreten. Wie ist er bei dem alten Halsabschneider? Wie stehen Sie mit der schönen Ebba Regina? — Ein prachtvolle» Weib, wie?" „Vor allen Dingen bitte ich, von meinem Freunde Melwig und seiner schönen Nichte achtungsvoller zu reden," erwiderte Hans Justus stirnrunzelnd. „Sie haben ihn in die Acht gethan, — aber weshalb? — Weil er sein Vermögen nicht so ohne Weiteres einem wüsten Verschwender hat opfern wollen. Ist das ein Verbrechen? — Goddam, meine Herren, ich unterfange mich gewiß nicht, über den vorletzten Herrn von Lindenhagen zu Gericht zu fitzen, weil ich selber dem vollen Lebensgenüsse huldige und mein Wahlspruch heißt: zur rechten Zeit die Jugend genießen. — Aber da heißt es auch ferner, die Folgen selber zu tragen und nicht Anderen, die ihm die Mittel zu einem lustigen Leben gegeben haben, die Verantwortung dafür aufzuladen, wie man's mit meinem Freunde Melwig gemacht hat. — Nennen die Herren da» vielleicht ritterlich?" „Erlauben Sie mal, Baron Alting," rief ein junger 431 Graf Brachdorf, „diese Geschichte hat Ihnen natürlich Ihr Freund" — er betonte das Wort sehr stark — „Melwig nach seiner corrigirten Auffassung erzählt, — sie liegt aber doch etwas anders und die Kehrseite derselben ist schwarz genug, um jenen Ehrenmann recht dunkel zu färben; hätte er landesübliche oder meinetweaen doppelte Procente genommen, dann wäre er jetzt nicht Besitzer von Lindenhagen, abgesehen von vielen anderen Existenzen, die durch ihn ruinirt worden find. Mit einem solchen Manne kann kein ehrlicher Bürger, geschweige denn ein Eavalier verkehren." „Solche Anstchten nennt der Amerikaner einfach Hum« bug," versetzte Hans Justus achselzuckend. „Bin ich nicht zu stolz mit ihm in Geldverkehr zu treten, dann ergiebt sich alles Uebrige von selber. — Doch wozu der Streit, mir ge- fällt'« ausnehmend in Lindenhagen, und ich gestehe offen, niemals besser gespeist, keinen besseren Wein getrunken oder Cigarren geraucht zu haben, dabei ein Spielchen gemacht, und was die sonstige Unterhaltung anbetrifft, — na, — wie gesagt, meine Herren, ich bezahle die verlorene Wette mit Vergnügen. Wollen wir jetzt unsere Ruderfahrt beginnen?" setzte er, seine ausgerauchte Cigarre fortschleudernd, ruhig hinzu. Die Junker nickten. Sie folgten in sehr nachdenklicher Stimmung dem kecken Amerikaner, der ihre Standes - Vor- urtheile „Humbug" nannte, bei dem Lindenhagener und seiner schönen Nichte sich wundervoll amüfirte, und dem Onkel ein Schnippchen schlug, indem er die Nacht zu dem verbotenen Ausfluge benutzte. Die jungen Herren bewunderten und beneideten insgesammt, doch nur im Stillen, den famosen Yankee, der sich trotz aller Verbote und Schranken zu amüsiren und sein Leben zu genießen verstand. Keiner wagte es, mit seiner Meinung hervorzutreten, aus Furcht, sich vor seinen Standesgenoffen zu blamiren, Hans Justus aber kannte seine Pappenheimer, und wartete jetzt ruhig der Dinge, die nach seiner Berechnung unzweifelhaft kommen mußten. Und sie kamen in der That auch genau, wie er geplant hatte, das heißt, die Herren Junker, einer nach dem anderen, um ihm im Vertrauen seinen Verlust - Antheil der Wette anzubieten gegen die Bedingung, ihn unter dem schützenden Schleier der Nacht nach Lindenhagen mitzunehmen. Hans Justus nahm das Geld und gab sein Wort, ben Freunden nichts davon zu verrathen. Er gab es Jedem von ihnen und hielt sein Wort, da die Herren, welche zu verschiedenen Zeiten nach Lindenhagen beordert wurden, sich dort erst zu ihrer maßlosen Ueberraschung, welche sich bald in ein schallende» Gelächter auflöste, versammelt sahen. „Ein famoser Kerl, der Alting, uns so heillos zu überlisten!" So lautete der Ausspruch dieser jungen Herren, die auf dem Lande, unter den Augen der Väter ein ziemlich lang- weiliges und nach allen Seiten hin eingeschränkte« Leben führen mußte und ihre Brüder, die als Offiziere oder flotte Studenten sich draußen in der großen Welt amüsiren konnten, krampfhaft beneideten. Dafür waren sie ja auch die Erstgebornen, folglich die Erbherren, die auch einige Jahre das flotte Studentenleben gekostet haben, und nun damit fertig sein mußten, wie die Väter, welche ihre liebe Noth mit den wachsenden Ansprüchen ihrer späteren Nachkommen hatten, kurzweg decretirten. Da» Haus des Lindenhageners, wo sie fortan Alles finden konnten, was Lebemänner erfreut, die Unterhaltung eines schönen koketten Weibes, da» es mit den burschikosen Ausdrücken nicht genau nahm, auserlesene Tafelfreuden, deren Kosten sie schließlich selber tragen mußten, und ein kleines, vorzügliches Hazardspiel, dem Hans Justus selbst- verständlich als Bankhalter präfidirte, während Herr Melwig „mitmachte" und lachend hohe Summen verlor, die schöne Nichte aber dasselbe mit perlendem Sect als verführerische Hebe gar trefflich zu würzen verstand. Wir wissen aus dem Munde des alten Herrn von Röm- bild, wie verhängnißvoll das Haus des Wucherer» diesen Mgen genußsüchtigen Herren und ihren Familien werden sollte, und wie Han» Justus und sein würdiger Spießgeselle sich die Taschen füllten, da der Raub selbstverständlich getheilt wurde. Diese beiden Gleichgesinnten wußten sich ein» in ihren Plänen, die zunächst in einer Verbindung zwischen Ebba Regina und dem Erben von Altinghof, wofür Melwig natürlich, wie alle Welt es that, Hans Justus hielt, bestand, eine Verbindung, die von dem Letzteren mit Leidenschaft erstrebt und auch von der schönen Nichte, die ihr Herz stets der berechnenden Vernunft unterordnete, ungeduldig ersehnt wurde. (Fortsetzung folgt.) Wirkung des Alkohols bei den Biertrinkern. Von Dr. Otto Gotthilf. (Nachdruck verboten.; In der jetzigen Jahreszeit, wo die Abende kühler und länger werden, pflegt sich bei vielen Vertretern des männlichen Geschlechts das Verlangen etnzustellen, Abend» wieder länger, leider oft nur zu lange, im Stammlocale zu verbringen und einem größeren Biergenuß zu huldigen. Deshalb dürfte es angezeigt sein, den Nutzen und Schaden des Bieres, und hauptsächlich seines auf den Organismus wirksamsten Bestandtheiles, des Alkohols, einmal genauer zu besprechen. Der Alkohol (al cohol, arabisch: das Feinste) ist für den Stoffumsatz in unsrem Organismus zwar von Vortheil, kann freilich auch, im Uebermaß genossen, ebenso gefährlich und schädlich wirken. Er ist es hauptsächlich, welcher dem Biere seine berauschende Wirkung verleiht. Er wirkt in dieser geringen Menge, wie er im Bier vorhanden ist, auf unser Nervensystem anregend, und vermag den Körper vorübergehend zu größerer Leistungsfähigkeit anzuspornen. Im Magen erzeugt der Alkohol zunächst ein gewisses Wärmegefühl, hervorgerufen durch den größeren Blutandrang, welchen er in der Schleimhaut desselben bewirkt. Dieses Wärmegefühl dehnt sich, wie jeder Biertrinker schon erfahren haben wird, allmählich über den ganzen Körper aus. Namentlich werden die Hautpartien äm Kopfe, am Gesicht und überhaupt am oberen Theile des Körpers für die Empfindung wärmer und können eine röthere Färbung annehmen. Die Herzthätigkeit wird gesteigert, das rascher strömende Blut führt den Organen mehr Nahrung und Sauerstoff zu und entzieht die verbrauchten Stoffe (Ermüdungsstoffe), wodurch die Nerven angeregt, das Krastgefühl, die Energie der Be- wegungen und die Geistesthätigkeit, besonders der Muth und das Spiel der Einbildungskraft gesteigert werden. Ein Gefühl von Gehobensein bemächtigt sich de« ganzen Menschen, Fröhlichkeit und Geschwätzigkeit stellen sich ein. Thut man aber des Guten zu viel, und ist das Bier namentlich sehr alkoholreich, so steigern sich die Erscheinungen der einfachen Aufregung, es stellt sich eine Art fieberhaften Zustandes ein, ohne daß die innere Körpertemperatur vermehrt ist. Der Mensch ist weniger Meister über seine Gedanken, Willensäußerungen und Bewegungen. Der eine wird sehr mittheilsam, ein andrer erotisch aufgeregt, ein dritter heftig und zanksüchtig, ein vierter entwickelt eigenthümliche Theorien, zeigt perverse Triebe: ein jeglicher nach seiner Art. Glücklicher Weise geht in höheren Graden mit diesen Erscheinungen eine Schwächung der Muskel- kraft einher. Schließlich stellt stch Schlafbedürfniß ein, und dem gewöhnlich lang dauernden Schlafe folgt ein Erwachen mit einem gewissen Grade von Unwohlsein, Kopfschmerz, Appetitlostgkeit, schlechtem Geschmack im Munde und Depresstons- erscheinungen. ®as sind allerdings sehr unangenehme Eigenschaften, die durch den Alkohol dem Biere zuertheilt werden. Wie schützt man stch nun dagegen? Zunächst muß ich hier darauf hin- weisen, daß, wie Jeder aus Erfahrung weiß, bei ein und remselben Menschen ein und dasselbe Bier sehr verschiedene Wirkung ausübt. Habe ich, bevor ich mich an den Stammtisch zum gewohnten Trünke begebe, mit einigen Bekannten unter heiterem Gespräche einen netten Spaziergang gemacht, so kann ich schon einige Glas Bier mehr vertragen; bin ich - 432 dagegen sehr aufgeregt, sehr erzürnt warben, find meine Nerven von Aerger, Sorgen oder einem Unglück sehr gereizt, so können mich schon zwei Glas von demselben Biere in einen bedenk» ltchen Zustand versetzen. Oder mit anderen Worten: befinden sich meine Nerven in einem gesunden, normalen Zustande, so ist mir das Bier zuträglicher, als wenn fie stch in einem ungesunden, anormalen Zustande befinden. Also auf die Nerven muß sich unsere Fürsorge zunächst erstrecken, d. h. wir dürfen sie nicht überanstrengen, durch zu große und allzu einseitige Arbeit, aber auch nicht verweichlichen und lähmen durch ein ewiges dolce far mente, wir müssen dafür sorgen, daß bei uns im Allgemeinen in wohlthuender Harmonie miteinander abwechseln Arbeit und Ruhe, Thätigkeit und Erholung, Stuben» sitzen und Spazierengehen, und, wenn auch zuletzt genannt, so wahrlich nicht am unwichtigsten, immer einmal warme Bäder und recht ost kaltes Ueberspülen des ganzen Körpers. Und im Speciellen wird Jeder gut daran thun, wenn er aus seinem Zimmer, seinem Bureau, seiner Werkstatt nicht direct ins Stammlocal geht, sondern einen größeren Umweg macht, und dabei in der frischen Luft öfters recht tief ein und ausathmet, um durch die Lungen seinem Blut mehr Sauerstoff zuzusühren und dadurch daffelbe gesünder, die Nerven widerstandsfähiger zu machen. Auch schlafe man stets in einem kühlen Zimmer, in welches freie, frische Außenlust ungehindert eindringen kann. Aber noch ist etwas dabei zu berücksichtigen, nämlich das Esten. Wir wissen, daß, wenn wir ein alkoholreiches Getränk, z. B- Branntwein, genießen, dieser im nüchternen Magen eine viel intensivere Wirkung ausübt, als im gesättigten. Ein tüchtiger Schluck Branntwein, nüchtern genommen, erzeugt im Magen energische Wärme, ja sogar Brennen, lähmt und betäubt unsre Magennerven, während er nach einer kräftigen Mahlzeit nur ein angenehmes Gefühl, ein Wohlbehagen hervorruft. Dies muß uns auch ein Wink fürs Btertrinken sein. Biertrinken ohne krästiges Essen wirkt entschieden schädlich aus unsre Magen» nerven, ja auf unfern ganzen Organismus. Ist der Magen leer, d. h. haben die Nerven desselben Nichts zu thun, nicht die Verdauungsthätigkeit zu regeln, so kommt der Alkohol in zu direkte Berührung mit ihnen, übt ungehindert seine schädliche Wirkung aus, wir sagen: das Bier bekommt uns nicht. So mancher junge Mann, namentlich so mancher Student, hat dies schon an sich erfahren. In unbegreiflichem Leichtsinn geht er, ohne etwas Ordentliches zu essen, vom Frühschoppen zum Kaffeescat, Dämmer» und Abendschoppen über, schließlich werden die Magennerven so abgestumpft, daß sie gar nicht mehr nach Speise verlangen, er fühlt sich ganz kaput, kommt ganz herunter, und eine vollständige Wiederherstellung findet oft erst statt, wenn er in den Ferien zu Hause aus liebevoller (Muß»?) Rücksicht für die Seinigen wieder die regelmäßigen Mahlzeiten einhält. Daher sollte doch Niemand beim Biertrinken das Essen außer Acht lassen I Vor dem Trinken eine kräftige Fleischspeise, und, wenn man länger beim Bier fitzt und mehr trinkt, dazwischen immer einmal ein Stück Käse, oder, was leider noch nicht überall, namentlich fast gar nicht in Süddeutschland etngeführt ist, ein Soolei, oder auch eine Salzbretzel, oder einen Rettich. Das regt auch zugleich wieder zum Durst an. Schon aus dem Alterthum wird uns gemeldet, daß man den Rettich als Reizmittel des Durstes nicht verschmähte. Nach jeder zu großen Erregung folgt eine Erschlaffung, nach jeder Ueberreizung eine Ermattung. So verhält es stch auch bei dem übermäßigen Genuß alkoholischer Getränke, m diesem Falle des Bieres. Daher ist am folgenden Morgen, wenn wir am Abend des Guten zu viel gethan haben, unser Nervensystem erschlafft, unsre Magennerven verweigern jede Verdauungsthätigkeit: wir haben auf nichts Appetit. Da hat uns denn schon der Instinkt und die Erfahrung gelehrt, nerven» reizende, den Appetit befördernde Mittel anzuwenden; wir genießen Häring, saure Gurken, Caviar mit Citrone und dergleichen, und trinken kohlensaures Wasser- Letztere« darf aber nicht zu kalt genossen werden, sonst schadet es mehr als es nützt. Besser ist es daher im Allgemeinen, in der eigenen Rebaction: A. Scheyda. — Druck unb Verlag der Brühl'schen Häuslichkeit ein Brausepulver zu nehmen mit mehr temperirtem, abgestandenem Wasser. Um den übermäßigen Blutandrang vom Kopfe auf die übrigen, von leichtem Frostschauer durch, schüttelten Glieder und namentlich auf die Verdauungsthätigkeit abzulenken, wasche man fich den ganzen Kopf anhaltend mit recht kaltem Wasser. Die große Müdigkeit taffe man nicht Herr über stch werden, sondern stehe zeitig auf und mache in der frischen Morgenluft einen tüchtigen Spaziergang. Wie wohl besonders Bewegung im Freien in solchem Zustande thut, wird Jeder, der Soldat gewesen ist, erfahren haben. Eine halbe Stunde langsamen Tritt üben oder Griffe machen, hat dabei noch nie seine heilsame Wirkung verfehlt. Die Aufbewahrung des Obstes. Das Winterobst mit, muß Ausnahme der grauen Reinetten, ehe man es in die Aufbewahrungsräume bringt, in einem luftigen Raume ausschwitzen. Vor dem Einbringen des Obstes lüste man dis Aufbewahrungsräume gründlich, schließe Hann die Fenster unb schwefle durchdringend — pro Cubtkmeter Raum 1 Gramm Schwefel auf glühende Kohlen gestreut — und halte Fenster und Thüren einige Tage geschlossen. Durch das Schwefel» werden alle vorhandenen Pilzsporen vernichtet. Gleichviel in welchen Räumen wir Obst aufbewahm, sie sollen frostfrei, gleichmäßig kühl, trocken und dunkel sck. Feuchte Räume erzeugen Schimmelbildungen, deren übler Geruch sich dem Obste mittheilt; einströmendes Licht befördert die Vergänglichkeit des Obstes. Das gelagerte Tafelobst ist spätestens alle 14 Tage genau nachzusehen; das lagerreife Obst wird verwendet, etwa angefaultes entfernt, denn es steckt die benachbarten Früchte an. Lagerretfes Obst erkennt man am Geruch und der geänderten Färbung. Die in den Lagerraum zu bringenden Früchte sind nicht etwa abzuwischen, denn sie werden dadurch jener schwachen, wachsartigen Hülle beraubt, welche ihre Haltbarkeit bedeutend fördert. Trauben kann man recht lange frisch erhalten, wenn man sie am Rebholze, dessen oberes und unteres Ende man mit Siegellack luftdicht verschließt, frei im Obstraum aufhängt, sie halten sich dann, waren sie recht süß, bis zum Frühjahr. Frische Zwetschen und Pflaumen halten sich in weithalsigen, festverkorkten Flaschen, welche man ca. Vz Meter tief in die Erde eingräbt, bis nach Neujahr. Die Aufbewahrung de» Schalenobstes soll an sehr trocknen luftigen Orten geschehen, denn sonst werden die öligen Kerne recht leicht ranzig. Kleinere Posten Kernobst conserviren sich ganz prächtig, wenn man fie in reinem, weichen Löschpapier eingewickelt, schichtweise in kleinere Fässer legt, diese mit einem Deckel gut verschließt und fie in einen kühlen Raum stellt. Gewöhnliches Gebrauchsobst in Wtntersorten hält sich ganz vorzüglich, wenn man es nach dem Schwitzen gleich den Kartoffeln über der Erde an trockener Stelle einmtethet, durch ein leichtes Dach und gezogene flache Gräben vor dem Eindringen von Regen» und Schneewaffer schützt. Ein strenges Ausscheiden aller irgendwie geschädigten Früchte vor dem Einmietheu ist unbedingt geboten, damit nicht von einzelnen faulenden Früchten die ganze Miethe angesteckt wird. Erkannt. „Herr Director, hier bringe ich Ihnen ein Schauspiel, einen Act habe ich schon selbst gestrichen! * e « Variante. Jung gekneipt, alt gekneippt. ekstMS-Buch- und Steindruckerei (Piets» & Schet,da) in ENeßcll.