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Artikel der »Wie«« 5eft enthält außerde sonders feiner farbig« ; erhält Schnitte n» der „Wiener Mod- Heyda) in Gießen. Gamstag bt# 15. August Nr. «S. smNskMUsk k'Reiier &<■ » * Untechaltungsdlatt Mmi Gießener Anpiger (General-Anzeiger). 's Asgard. Eine isländische Erzählung. ------- ^Nachdruck verboten.) Frühling war es geworden, Frühling auch auf Island, der so weltentrückt an den Grenzen des Polarmeeres gelegenen Insel, die den letzten Hort der Civiltsation auf ihrem Wege von Europa direct nach dem Nordpol bildet. Man durfte demnach in der Hauptstadt Reykjavik alsbald der Ankunft des ersten Schiffes von Europa entgegensehen, welches den Bewohnern Islands nach der langen winterlichen Abge- schloffenheit neue Nachrichten und jedenfalls auch frische Vor- räthe brachte. Täglich spähten daher eine Menge Leute von den neuen Hügeln in der Umgebung Reykjaviks über die vom warmen Maienlicht durchfluthete Meeresbucht, ob stch noch nichts von dem erwarteten ersten Vermittler zwischen Island und der Außenwelt sehen ließe. In der That ward dies Bestreben bald belohnt, denn eines Morgens wirbelte am Horizonte im Westen eine Rauchwolke auf, es mußte also ein Dampfer in der Auffahrt begriffen fein, vielleicht war es sgar der dänifche Regierungsdampfer, welcher um diese Zeit, wenn die Witterungsverhältnisie die» gestatten, von dem fernen Kopenhagen herüberzukommen pflegte. Dem war wirklich so. Al« der Dampfer in Sicht der zahlreich auf dem Strande versammelten Bevölkerung kam, bemerkte ste mit Genugthuung, daß zum Gruß die wohlbekannte Flagge mit dem weißen Kreuze im rothen Felde am Gaffel in die Höhe stieg, und von den zurückkehrenden Schiffern, die dem Schiffe in ihren scharfgebauten flinken Booten entgegengefahren waren, erfuhr man, daß es der Regterungsdampfer „Hödur" sei. Derselbe fuhr, soweit ee sein Tiefgang gestattete, in die Bucht hinein, ließ die Anker fallen und setzte dann die Capitainsjölle aus. In derselben nahmen außer dem Capitain des „Hödur" und den zum Rudern kommanbirten Matrosen die wenigen mit dem Dampfer angekommenen Paffagiere Platz. Sie bestanden aus ein paar Regierungsbeamten, einigen Handelsleuten aus Kopenhagen, welche mit dem „Hödur" auch wieder die Heimreise anzutreten beabstch- tigten und endlich aus einem noch ziemlich jungen , hübschen Manne, dessen Aeußeres auf einen Künstler hinzudeuten schien. Das Aeußere täuschte in diesem Falle nicht, denn Knut Estrop war ein talentvoller Maler aus der dänischen Hauptstadt, der stch vorgenommen hatte, die großartigen Gletscherlandschasten Islands zu studiren, um ihnen Motive für neue Bilder abzulauschen. Schon lange hatte er aus dem Deck des „Hödur" gestanden und die allmälig auftauchenden Eisspitzens Islands betrachtet, und je näher ihn nun der Dampfer dem sagenumwobenen Eilande zutrug, desto lebendiger wurde das Interesse des jungen Künstlers an demselben. Als das Boot des „Hödur" landete und Knut Estrup nun den Strand von Reykjavik betrat, sah stch der junge Däne inmitten eines Menschenstromes, von dem er sich weiter tragen ließ, bis die ersten Häuser von Reykjavik erreicht waren. Hier erkundigte sich Estrup nach einer paffenden Wohnung, die auch bald im Hause eines angesehenen Grundeigenthümerr, Namens Larssen, gefunden wurde, und nicht lange dauerte es, so hatte sich der Maler mit seinen mitgebrachten Habseligkeiten in der von ihm bezogenen freundlichen Stube behaglich eingerichtet. Mit seiner Mappe wanderte der junge Däne, wenn es das Wetter halbwegs gestattete, nun täglich hinaus ins Freie und stellte seinen Malstuhl hart am Strande, bald weit drinnen im Lande am Fuße eines der gewaltigen Eisgletscher oder am Ufer eines der wild daherbrausenden Bergwäffer. Anfangs war Knut Estrup mit voller Seele bei der Arbeit, aber allmälig ließ fein Fleiß nach und er konnte dann wohl stundenlang angesichts der den jungen Mann umgebenden wilden, aber stets großartigen Natur da fitzen und träumen. Die Ursache dieser Träumereien bildete die blonde Asgard, die achtzehnjährige, älteste Tochter Larffens, die ihrem Vater an Stelle der schon seit Jahren Heimgegangenen Gattin treulich das Hauswesen leitete. Asgard war eine ächt nordische Schönheit; prachtvolles dichtes Haar von goldgelber Farbe krönte den feingemeißelten Kopf, in welchem unter einer stolzen Stirn zwei große tiefdunkle Augen hervorleuchteten; die Nase war von geradezu klasstscher Form, der frischrothe Mund klein, über dem ganzen Antlitz aber lag ein Schimmer unbeschreiblichen Liebreizes, einer Seelenschöne, der jeden Beschauer unwillkürlich sofort anziehen mußte. Zuerst Hatte Knut Estrup die schöne Asgard nur mit dem kundigen Auge des Malers betrachtet, bald aber geschah dies mit anderen Gefühlen, der junge Mann merkte, wie ihm das holde Nordlandskind mit jedem Tage theurer wurde. - SW — Vergeblich versuchte er die in seinem Herzen mächtig auf» sproffende Liebe zu Asgard ntederzukämpfen, indem er es so viel wie möglich vermied, mit dem geliebten Mädchen allein zu sein und seine Ausflüge in die Umgebung Reykjaviks verlängerte. Aber wo immer er auch weilte, stets stieg vor seinem Auge da« Bild Asgards auf und ihr seelenvolles Lächeln folgte ihm selbst bis in den Schlaf. Da faßte Knut den Entschluß, bei der ersten Gelegenheit Asgard seine tiefe Neigung zu gestehen und als er die Geliebte eines Abends allein im großen Wohnzimmer des Haules antraf, da führte er fein Vorhaben aus. Tief senkte Asgard den schönen Kopf, als die glühenden Liebesworte des jungen Malers an ihr Ohr fchlugen, nachdem er jedoch mit der Frage geendet, ob er auch auf Gegenliebe rechnen dürfe, da richtete fich das Mädchen auf und reichte Knut wortlos, aber mit einem strahlenden Blicke, beide Hände, und mit einem stürmischen Jubelrufe zog er Asgard an feine Brust, der Herzensbund zweier Liebenden war geschloffen. Da Asgard indessen darauf bestand, daß ihr Vater sofort um das Vorgefallene wissen müsse, fo theilte der Maler noch spät am Abend, als sich Asgard mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, der fünfjehnzährigen Milka und dem zwölfjährigen Björne, zur Ruhe begeben hatte, und Knut mit dem alten Larssen allein am Tische saß, dem Vater Asgard« Alles mit. Zur Ueberraschung des jungen Manne» bemerkte jedoch Larssen lächelnd, er erfahre eigentlich von seinem Gaste kein Geheimniß, denn daß demselben Asgard nicht gleichgültig sei und daß auch Asgard den fremden Maler mit Wohlgefallen betrachtete, das habe er alter Kerl schon längst gemerkt. Dann meinte der Isländer jedoch weiter: „Meine Asgard gebe ich Dir von Herzen gern, Knut, Denn Du bist ein braver, tüchtiger Junge und ich hoffe, daß Du mir in meiner Wirthschaft ein tüchtiger Beistand werden wirst, zumal ich doch anfangs, alt zu werden." „In Deiner Wirthschaft, Vater Larssen?" rief da Knut erstaunt aus und schüttelte den Kopf, „nein, nein, das geht nicht. Ich kann meine Kunst, meine Bilder nicht im Stich lassen, Asgärd muß mir darum nach Kopenhagen folgen und Du darfst versichert fein, daß ich ihr ein traute» Heim bereiten werde und daß meine Verwandten sie liebevoll ausnehmen werden." „So?" entgegnete Larssen und es legte sich wie ein Schatten auf sein ehrlich derbes Gestcht- „Da wird also wohl Milka in meinem Haushalt für ihre Schwester einzutreten haben und ich werde zusehen müssen, wie ich auch fernerhin mit der Leitung meiner Angelegenheiten fertig werde. Freilich, leicht scheidet Asgard gewiß nicht von Island, das weiß ich, aber sie wird dem Manne ihrer Wahl übers Meer nach der neuen Heimath folgen, wo dem guten Kinde hoffentlich nur glückliche Tage beschieden sind. Ich denke aber, Ihr laßt Euch bald trauen und werde ich deshalb gleich in den nächsten Tagen mit dem Bischof Rücksprache nehmen. Dann bleibt Ihr bis zum Abgänge des Regierungsdampfer» im Herbst noch unter meinem Dache, so daß ich Asgard wenigstens noch etwas genießen kann. Und nun komm, wir wollen auch zur Ruhe gehen. Ueber Deine Verhältnisse kannst Du mir morgen nähere Ausklärung geben." Dies geschah denn auch am nächsten Morgen, und erfuhr Larssen hierbei von seinem zukünftigen Schwiegersöhne, daß derselbe bemittelt sei und seinen Malerberuf nur au» Liebe zur Kunst ausübe. An einem der folgenden Tage ging dann Larssen zum Bischof von Reykjavik und vereinbarte mit ihm das Nähere wegen der Trauung Asgards mit Knut. Dieselbe fand, nachdem alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen worden waren, Ende IM statt, und bei der sich anschließenden Hochzeitstafel zeigte der alte Larssen, daß er für isländische Verhältnisse ein recht vermöglicher Mann sei, wofür die Zahl der bewirtheten Gäste und das ausgezeichnete Hochzeitsmahl sprachen. — Der Spätherbst war gekommen und mit ihm die Zeit, da Asgard Abschied von der geliebten Heimathsinsel nehmen und dem Gatten nach dem fernen Kopenhagen solgen sollte. Jeden Tag spähte man nach dem „tzödur" entgegen und wirklich lief auch an einem heiteren Novembertage das Regierungsschiff wieder in die Bucht von Reykjavik ein, jedoch nur zu achtägigem Aufenthalte, wie der Capitän des „Hödur" beim Landen erklärte; dann blieb also Island auf Monate hinaus wieder ohne Kunde von der Außenwelt. Knut Estrup ließ sofort für sich und seine junge Gattin Plätze auf dem „Hödur" für die Ueberfahrt nach Kopenhagen belegen und nur allzurasch verstrich die kurze Woche bis zu dem bestimmten Abfahrtstage. Endlich schlug für Asgard die Stunde der Trennung vom Elternhause, weinend küßte st« immer und immer wieder Bruder und Schwester, um dann im nächsten Augenblick schluchzend an der Brust der Vaters zu liegen, dessen mildem Zureden es endlich gelang, die Erregte einigermaßen zu beruhigen Kurz, aber ebenfalls herzlich, war der Abschied zwischen dem alten Larssen und seinem Schwiegersöhne. Zuletzt überreichte der Isländer dem Maler ein schweres Kästchen, das äußerlich sehr einfach aussah; wie erstaunte aber Knut, als ihm aus dem Kästchen, nachdem Larssen den Deckel zurückgeschlagen hatte, goldenes Geschmeide, alte goldene und stlberne Münzen, Perlenschnüre, Brillanten und andere Edelsteine entgegenfunkelten! Larssen weidete sich einen Augenblick an der Ueberraschung des jungen Mannes, dann aber sagte er erläuternd: „Du weißt, Knut, daß mein Hauptvermögen in meinen Ländereien und in meinen Heerden besteht, und daß ich nur über ein wenig baares Capital verfüge, von dem ich meiner Asgard nicht» mitgeben kann. Dennoch soll man bei Euch zu Lande nicht sagen können, Asgard Larssen h rbe von ihrem Vater keine Mitgift bekommen. Wie ich in meinen jüngeren Jahren ein eifriger Seefahrer war und von meinem Aufenthalt an fremden Küsten manche Schätze mit nach Hause gebracht habe, so waren auch schon meine Vorfahren in ihrer Jugend Seeleute und brachten von ihren Fahrten ebenfalls mancherlei Kostbarkeiten mit heim. So hat sich auf diese Weise bei den Larssen» ein ziemlich stattlicher Familienschatz angesammelt, den ich jetzt zum ersten Male angreife, indem 'ich einen Theil davon Dir in diesem Kästchen al» Mitgift für Asgard überliefere. Still," wehrte Larssen die Dankerbezeugungen des jungen Dänen ab, „dis Sache ist abgemacht — und nun wollen wir zum Dampfer gehen!" Bald standen Knut Estrup und feine junge Gattin, umgeben vom alten Larssen und den beiden Geschwistern Asgards, am Strande von Reykjavik- Es folgte eine nochmalige Abschiedsscene, dann bestiegen die Gatten das Boot, welches fie hinüber zum „Hödur" trug, der schon „Dampf" aufgemacht hatte, sodaß mächtige schwarze Rauchwolken seinen zwei Schloten entquollen. Es war eigentlich alles zur Abfahrt bereit, man wartete nur noch auf den Capitän, der noch nicht von seinem letzten Besuch in der Stadt Reykjavik an Bord zurückgekehrt war. Jetzt stieß indessen die Capitänr» jölle mit dem Befehlshaber des „Hödur" vom Lande ab, um, gerudert von kräftigen Matrosenhänden, in der nächsten Minute am Dampfer anzulegen. Flink stieg der Capitän die Falltreppe herauf an Bord, wo ihm schon der erste Steuermann mit der Meldung entgegentrat, daß das Schiff zur Abfahrt fertig sei. Der Capitän gab das Abfahrtszeichen, die Maschinen begannen zu arbeiten und unter den Zurufen der am Ufer versammelten Menge verließ der „Hödur" die Bucht. Knut und Asgard standen auf dem Deck des Dampfers, mit ihren am Lande zurückbleibenden Lieben Zeichen und Grüße tauschend, bis endlich nicht» mehr vom Strande zu entdecken war. Nachdem der „Hödur" Cap Skagi passtrt, blieb nur noch die Rauchwolke des Hekla sichtbar, bis auch diese am Horizont verschwand, indeß das Schiff rastlos feine Bahn weiter verfolgte. O ♦ Nach einer ohne besondere Zwischenfälle zurückgelegten Ueberfahrt von zehn Tagen langte der „Hödur" in Kopen- , Hagen an, wo Knut und Asgard von den Verwandten des ersteren bei der Landung empfangen wurden. Asgard sah 879 - sich in ungemein herzlicher Weiss von den Verwandten ihres Gatten und auch sonst begegnete man der reizenden Irländerin in der neuen Heimath mit großer Freundlichkeit, während Knut Estrup der jungen Frau jeden Wunsch von den Augen abzulesen bemüht war und sie mit allen erdenklichen Be- quemlichkeiten, mit allem Comfort umgab. Aber wenn auch Asgard all diese liebende Fürsorge des Gatten und das herzliche Entgegenkommen seiner Verwandten dankbar anerkannte, so fühlte sie sich doch von Anfang an in der neuen Heimath nicht so recht behaglich. Zu sehr hing sie mit allen Fasern ihre« Herzen« an ihrer weltentrückten Insel, als daß ihr die dänische Hauptstadt trotz all ihren Glanzes einen genügenden Ersatz hätte bieten können. Sie wurde daher immer stiller und trauriger und vergebens bemühte sich Knut, seine junge Gattin, die sich ängstlich hütete, Aeußerungen über die wahre Ursache ihrer seelischen Verstimmung fallen zu lassen, zu zerstreue«, indem er mit ihr Bälle, Concerte, Theater u. s. w. besuchte und während der Wintersaison häufig Einladungen zu größeren Gesellschaften ergehen ließ. Asgard bemühte sich allerdings, nach außen möglichst heiter und unbefangen zu erscheinen, aber im Innern ihres Herzens nagte das Heimweh fort und fort. Auch eine größere Reise, welche Knut auf Anrathen seines Hausarztes beim Beginne der sommerlichen Jahreszeit durch einen Theil Deutschlands, die Schweiz und Oberttaltens mit Asgard unternahm, vermochte die melancholische Stimmung Asgards nicht zu ändern, sie blieb auch nach der Rückkehr nach Kopenhagen still und in sich gekehrt. Da sprach einmal der langjährige ärztliche Berather der Estrup'schen Familie Asgard eindringlich zu und nun enthüllte die junge Frau dem Arzte, wie die Sehnsucht nach der fernen Heimath, nach deren wilbtosenden Gießbächen, ihren grünen Matten, auf welche unmittelbar gewaltige Gletscher niederschauen, nach der ganzen isländischen Natur sie förmlich verzehre und sie sich in Kopenhagen trotz allen sie umgebenden Comforts nun und nimmermehr glücklich fühlen könne. Der Arzt, welcher hinlänglich wußte, wie sehr der Isländer an seiner Heimathrinsel hängt, nahm infolgedessen Rücksprache mit Knut und da« Ergebniß war, daß der Maler eines Morgens in das Gemach seiner Gattin trat und lächelnd zu ihr sagte: „Asgard, ich habe eine Neuigkeit für Dich — wir verreisen nächstens wieder!" Asgard schüttelte indessen das schöne Haupt und erwiderte leise: „Ich bitte Dich, Knut, laß mich hier, ich fühle in der That nicht die geringste Neigung, schon wieder in die Ferne hinauszuziehen; es ist ja auch noch nicht lange her, daß wir erst unsere Sommerreise beendigt haben." „Hm," meinte Knut, „und würdest Du auch dänn hier bleiben, wenn ich Dir sage, daß die neue Reise nach Deinem geliebten Irland gehen soll?" „Nach Island?" rief da Asgard aus und warf sich jubelnd an die Brust des Gatten, „wirklich nach meiner theueren Heimath? Und wann würden wir reifen können?" „In drei Wochen geht der Regierungsdampfer „Dane- brog" nach Reykjavik," versetzte Knut, „ich denke bis dahin können wir unsere Sachen eingepackt haben. Allerdings werden wir uns tüchtig rühren müssen, denn wir werden viele Kisten mitnehmen, da schließlich unsere Reise nach Island einer Uebersiedelung gleichkommt." „Aber das ist offenbar ein schweres Opfer, Knut, das Du mir hiermit bringen würdest," äußerte Asgard und sah den Gatten zweifelnd an, „ich kann und darf nicht verlangen, daß Du bloß mir zu Liebe Dich auf unserer einsamen Insel förmlich begräbst, der Du ja alle Bequemlichkeiten und Genüsse der Ctvilisation gewohnt bist, und darum —" „Beruhige Dich nur, Schatz," unterbrach Knut seine Gattin, einen Kuß auf deren reine Stirn drückend, „ich bin auch nicht gesonnen, das ganze Jahr über auf Island zu bleiben, sondern einige Monate davon mit Dir stets in Kopenhagen zu verleben. Und nun komm, wir wollen gleich das Nöthige wegen der mitzunehmenden Sachen besprechen." Nach vier Wochen warf der „Danebrok" an einem frischen, klaren Octobermorgen Anker in der Bucht von Reykjavik und landete sseine wenige Passagiere, unter ihnen auch Knut und Asgard. Nachdem die nöthigen Anordnungen wegen des Gepäcks getroffen worden waren, schritt das junge Paar der Wohnung des alten Larffen zu, der von der isländischen Reise seines Schwiegersohnes und seiner Schwiegertochter natürlich keine Ahnung haben konnte und darum dieselben hocherfreut begrüßte, auch Milka und Björne empfingen die unerwarteten Ankömmlinge jubelnd. Knut kaufte sich alsbald ein hübsches Häuschen in Reykjavik und verlebte mit Asgard, welche jetzt sichtlich wieder aufblühte, nicht nur den ganzen Winter, sondern auch die Zeit bis zum nächsten Herbst auf Island, theils sich seiner Kunst widmend, theils Larffen in dessen Wirthschaft helfend. Mit dem letzten im Spätherbst nach Kopenhagen abgehenden Regierungsdampfer verließ dann Knut die Insel abermals, um mit Asgard die Wintermonate in Dänemark zuzubringen, freudigen Herzens folgte aber diesmal Asgard dem Gatten nach Europa, wußte sie nun doch, daß sie im kommenden Frühjahr ihr geliebtes Island wiedersehen würde. Zauberin See. Von Klaus Menger. ------- (Nachdruck verboten.) Das Meer ist immer schön, wenn man auch sein Gestade betreten mag! Wer behauptet, daß hier Eintönigkeit herrsche, hat eben kein Verständniß für das wunderbare Naturschau- spiel, das sich vor seinen Blicken vollzieht. Ob nun die Wogen hochgehen, gekrönt mit Gischt, und sich krachend an dem Gestein des Ufers brechen — oder ob sie leicht auf- und niedertanzen, wie tändelnd miteinander, wie kosend mit jenem geheimen Willen, den der Mensch nicht wahrzunehmen, noch zu deuten vermag. Aber selbst die ruhige See ist reich an Abwechselungen aller Art. Denn so gleichmäßig sind die Wellen nicht, daß sich nicht die eine von der andern characte- ristisch unterschiede. Man muß nur ein Auge haben für die wunderbare Formation derselben, für die Art und Weise, wie sie sich bilden und schließlich mit leisem Gemurmel am Ufer verlaufen. Und selbst wäre die smaragdene Fläche unbeweglich, wie ein Gestein, so würde sie darum doch nicht der Abwechselung entbehren. Denn die Wolken droben am Himmel spiegeln sich ununterbrochen in ihnen, und wie sie selber niemals rasten und ruhen, so ist auch das Bild, welches die Wellen wiedergeben, fortwährend ein andere«, neues. Steigt aber der Mond auf und gießt er seine silbernen Fluthen über das All, so wird auch da« Meer davon befruchtet. Es glimmt und leuchtet, es flackert und glüht; es ist in einen Zauber getaucht, der unfern Blick fesselt — wir müßten denn so gefeit gegen die Schönheiten der Natur sein, daß sie von uns wie von einer „dreimal gepanzerten Brust" zurückprallen. Kein Wunder, daß die Menschheit so gerne hierher pilgert und die Fluthen, die so verführerisch murmelnd an sein Ohr tönen, zu ihrer Erholung und Kräftigung aussucht. Der hygienischen Wirkung, welche die See ausübt, wollen wir hier nicht weiter gedenken; sie ist allzubekannt und zu oft geschildert worden, als daß wir von Neuem darauf zurückkommen möchten. Allein nicht immer war die Heilkraft des Meeres dem Menschen so vertraut, wie es heute der Fall ist. Es gab Zeiten, wo man vom Meer durchaus nichts wissen wollte, wo man es verabscheute und jede Berührung mit ihm mied, weil man der Meinung wär, daß die Salzfluthen dem Meere allerhand bösen Zauber anzuhaften versuchten. Diese Anschauung dauerte mit eherner Gewalt während des ganzen Mittelalters an. Das Alterthum freilich hatte eine bessere, verständigere Ansicht von der See und ihren wunderthätigen Kräften. Den Hellenen war sie vertraut wie eine liebe Freundin. Die Stadt der Pallas Athene spiegelte sich in den azurblauen Fluthen de« Aegeischen Meere«. Delos und Salamis, Cppern und 880 Wo», diese so oft und vielbesungenen hellenischen Munde, konnten doch immer nur erreicht werden, wenn der Grieche das Meer mit dem Kiele durchfurcht hatte- Fern von ihm, empfand er stete Sehnsucht darnach. Um so freudiger jauchzte er auf und um so wärmer pulfirte das Blut in den Adern, wenn er der lieben trauten See ansichtig wurde. „Thalatta! Thalatta!" riesen jene zehntausend Griechen, die unter Xenophons Führung den Rückzug nach Hellas antraten, da zuerst die Gestade des Meeres vor ihren Blicken wieder auftauchten. Wenn der Hellene das Meer eher in idealem Sinne hochhielt, so wußte der Römer dafür schon seinen practifchen Nutzen zu schätzen. Er tauchte unter in die Salzfluth und suchte hier Genesung von manchem Gebrechen; er baute Landhäuser an das Ufer und sog den erfrischenden Odem mit seinen erschlafften Lungen ein. Er schuf jene bekannten Luxusbäder, von denen Geschichtsschreiber jener Zeit mit ebenso großer Bewunderung wie Entrüstung sprachen. In Bape war die „Saison" mindestens ebenso fashionabel wie in den vornehmsten Modebädern unserer Zeit. Die See war es, deren Zauber mit einer Allgewalt die Menschheit hier zusammen« flu^Das« Mittelalter büßte dafür die Beziehungen zu der See vollkommen ein. Ihm war das Meer ein Ort der Gräuel. Das Waffer wurde mit Abscheu betrachtet, die Winde, welche es peitschten, hielt man für böse Gewalten, die vom Himmel zum Verderben für die Menschheit entfeffelt waren- Die Anwohner des Meeres benutzten dieses denn auch zu Zwecken, die solcher Gesinnung entsprachen. Wie man anderswo die Menschen, wenn sie sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten, in die Gefängnifle warf oder peitschte, so begnügte man sich hier, sie in das Meer zu tauchen. Fünfzig Stock« streiche oder ein gleichgezähltes Untertauchen in das Salzwaffer bedeutete für die mittelalterliche Rechtspflege dasselbe. Da ereignete sich das Wunderbare, daß so ein armer Teufel, der dieser Strass theilhastig geworden war, dadurch Genesung vor langem Siechthum erfuhr. Er war so gebrechlich gewesen, daß er bereits dem Tode verfallen schien. Nach dem Untertauchen in das Salzwaffer gewann er Kräfte und Freude an dem Leben zurück. Diejenigen, denen er es erzählte, verlachten ihn zwar. Aber er kehrte sich nicht daran und ging immer wieder zurück an die See, um sich ihren Fluthen von Neuem anzuvertrauen. Man betrachtete ihn mit argwöhnischen Blicken, man glaubte, er sei mit dem Teufel im Bunde oder mindestens gestört in seinem Denken. Aber eines ließ sich nicht leugnen: der Mann gedieh vorzüglich dabei. Das welke Fleisch gewann Muskeln, die Brust weitete sich, sein Aussehen ward blühend. Schon damals wurde hier und da die Frage ausgeworfen, ob nicht das Meer in der That eine geheime Heilkraft besitze, und Männer der Wiffenschaft, die mit den Ueberlieferungen des clafsischen Alterthums vertraut waren, wiesen darauf hin, daß man auch schon in Rom die gleichen Wahrnehmungen gemacht hatte. Jahrhunderte rauschten weiter in dem Strom der Unenb. lichkeit. Das Mittelalter schwand, um der Neuzeit Platz zu gewähren. Die Dichter fingen von Neuem an, auf die Schönheiten des Alterthums aufmerksam zu machen. Sie besangen die rollenden Fluthen und die schäumenden Wogen und das Firmament, das sich in ihnen spiegelt. Der uralte Zauber begann seine Wirkungen von Neuem auf das Menschengeschlecht auszuüben. Hier und dort wurde auch eine Stimme laut, welche behauptete, daß die Salzfluth im Stande sei, dem Sterblichen Krast und Gesundheit zuzuführen. Allein erst dem vorigen Jahrhundert sollte es vorbehalten sein, das Meer wieder in seine alten Rechte zu setzen. Damals wurde die Menschheit von den Skropheln heimgesucht. Die Krankheit hatte sich durch Generationen vererbt; das Blut unzäh« licher Familien war verseucht; wie ein böser Geist schritt da« Leiden einher; es machte weder vor der Hütte der Armen, noch vor dem Palast des Reichen Halt- Die Arzneikunde wußte keine Hilfe: rathlos schaudernd mußten sie zuRedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverMiS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in sehen, wie die Krankheit immer größere Kreise um sich zog. Da wollte es der Zufall, daß Jemand im Salzwaffer Heilung suchte. Er trank die bittere Fluth und badete darin; er wusch die Wunden damit und verband sie mit Seetang. Die« Verfahren brachte ihm Genesung. Einer übermittelte diese wichtige Entdeckung dem Andern; bald wimmelte die ganze Küste von Badenden, und alle fanden Heilung von ihren Gebrechen- Damit war da« Signal gegeben zu der epochemachenden Entdeckung, die seitdem die See und ihre Fluth wieder zu hygienischen Zwecken verwendet. Die erste An- regung ging von England au«. Die Küsten Albion« bedeckten sich mit Landhäusern; wo ehedem Fischerhütten gestanden, wuchsen volkreiche Orte an, die allem Comfort des Babelebens gerecht zu werden bestrebt waren. Belgien und Frankreich folgten diesem Beispiel, Deutschland. blieb nicht Zurück. Der Zauber de« Meeres konnte wieder seine Wirkung ausüben, und er ist seitdem so nachhaltig geblieben, daß keine Gefahr vorhanden zu sein scheint, er könne je wieder in absehbarer Zeit erlahmen. Jawohl, da« Meer ist schön - immer schön - strah. lend in tausend Reizen I Aber niemals mehr als gerade in diesen Tagen des Sommers. Und unsere deutschen Küsten können sich getrost mit denjenigen anderer meffen. Wenn die Nordsee einen stärkeren Wellenschlag hat und mit fehlet Wiederkehr von Ebbe und Fluth schon an den Oeean gemahnt, zeigt die Ostsee dafür idyllischere Reize. Uralte Wälder senden ihre mächtigen Baumriesenlfast hart an den Strand, und auf dem weißen Dünensande läßt er sich gar lieblich ruhen mit Ausblick auf die crystallene Fläche, die zu unfern Füßen gebettet ist- Die Dichter besingen auch wieder die W bet See und den Zauber, den sie auf das Gemüth des Menschen ausübt. Wer es irgend vermag, eile zu ihr und netze sich in ihren Fluthen. Man braucht kein luxiösee Bad mit seinen geräuschvollen Zerstreuungen aufzusuchen. Wer- die Natur liebt, wird sich vielmehr dort am wohligsten fühlen, wo sie durch keine Nebeneindrücke in ihrem Walten und Wirken be- einträchtigt ist. Wir sagten schon oben: die Seezsei nicht so eintönig, so abwechselungsarm, wie so ost von denen, welche sie nicht verstehen, behauptet wird. Ebenso gut, wie dar feste Gerippe der Erde, hat auch sie ihre Vegetation und ihre Fauna. Auf dem Meeresboden wuchert Tang, bevölkert von purpurnen Seesternen. Anemonen^strecken ihre.^hundert in bunten Farben schillernden Fangarme ringsum, und kleine seltsamm gestaltete Fische durchstreifen bald lang am und be» dächtig, bald pfeilschnell die Fluthen. Welch Leben- wie bunt, wie anziehend - und doch nur einer vorben,vielen Reizen, mit denen „Zauberin See" die Menschheit zu feffeln weiß! Humoristisches. Richtige Bezeichnung- „Kamerad tragen Ver» lobungsring?" — „Ja, bin seit gestern mit der Tochter der reichen Bankiers Goldfuchs verlobt!" - „Also Rettungsring!" e , Neue Version. „Herr Pumphold, ich möchte Sie denn doch bitten, mir endlich die geliehenen dreihundert Mark zurückzuzahlen." — „O, sprechen Sie mit meiner Schwiegermutter !" * , Jägerlatein. Förster (mit recht krummen Beinen): „O, in meiner Jugend hatte ich eine tadellose Figur, die ich erst später durch — Unvorsichtigkeit verloren! Auf einem Pürschgange fiel ich nämlich in einen ziemlich tiefen Waldbach Triefend legte ich mich in die Sonne, um mich zu trocknen, schlief ein und merkte beim Erwachen zu meinem nicht-geringe» Schrecken, daß sich meine Beine - stark geworfen hatteni Eine Di zu Brer gerade im Dir eben ein Vorschri Br gange d und bei enthielt der in Garten Ei, erzählte: »I und er und vei besonder wie er merkt gl abschnitt nach «n wollte, und wii erfahren »S erklärte ,,J Dockor/ eine Pri Dr ,,K haben C Al« beugte st „M ansässig.