Nr. 56 Donnerstag den 14 Mai 1896, e V -v- V e e V v amilKfiPkikr »ökekök UnterlMltungsblatt Mm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) 'S' 4MD WcrndrvLrist! Es blinkt der Helle Morgenschein So freundlich mir in's Kämmerlein; Die Schwalben zwitschern schon auf dem Dach, Heraus du Schläfer — aus dem Gemach: „Die Zeit ist gekommen zum Wandern!" Den Wanderstab nimm jetzt zur Hand, Mit ihm kommst Du durch's ganze Land; Die Quellen und Flüsse munter voran, Sie zeigen Dir alle die rechte Bahn: „Zum Wandern, zum fröhlichen Wandern." Ade nun, liebes Heimaththal, Set noch gegrüßt viel tausendmal! Die Vögel zogen vom fernen Strand, Sie hielten Rast an dem Waldesrand „Und sangen von Liebe und Wandern." Im Krug winkt mir die holde Maid: Kehr' ein — und rast' zur Mittagszeit! Sie ladet zum Mahl mich freundlich ein, Im Becher blinket der gold'ne Wein: „Hoch lebe das herrliche Wandern!" Vom Rhein bis zu der Oder Strand Hab' ich bereist das ganze Land; Doch zieht's zurück mich zum Vaterhaus, Daß oft ich gedacht in der Ferne drauß': „Dort will ich ausruhen vom Wandern " Ein Lied von deutscher Wanderlust Stimm' ich nun an aus voller Brust: Grüß Gott dich, du treugeliebts Maid! Run will ich mit Dir in Freud und Leid „Durch das irdische Dasein wandern." Bald gebt die höhere Wanderung an, Vollendet ist die irdische Bahn: Die Haare ergraut, die Wangen sind bleich, O, lieber Gott, mach' den Abschied leicht „Zum Wandern, zum ewigen Wandern!" Gießen, im Mat 1896. Louis Roloff. Unter dem Patriarchen. Erzählung aus dem amerikanischen Westen. Frei nach Sealsfield. Von W. H. G e i n b o r g. (Schluß.) X. Am nächsten Morgen um die siebente Stunde sahen die dreizehn Männer des Ayunkamiento wieder wie am verflossenen Tage am Tische des Alcalden, nur daß heute weder Flaschen und Gläser, noch Eßwaaren und Cigarren vor ihnen standen. Ein düster r, feierlicher Ernst lag auf ihren Gesichtern und mit einem stummen Kopfnicken erwiderten sie den halblauten, beinahe demülhtgen Gruß des eintretenden Bob. Für Jemanden, der erst in diesen letzten Tagen seine Bekanntschaft gemacht, wäre der Mörder kaum wieder zu erkennen gewesen; denn er trug einen sehr anständigen schwarzen Tuchanzug; das strupp ge Haar war kurz geschoren und der verwilderte Bart voll,räudig verschwunden. Und mit de» anderen Kleidern schien er auch einen anderen Menschen angezogen zu haben. Sein wildes und verstörtes Wesen war einer stillen Resignation gewichen. Und als ihm nun der Alcalde nach ku'zsm Zaudern seine Hand entgegenstreckte, schimmerten sogar Th'änen in seinen Augen. „Ein häßlicher Tag für Euch und für mich, Bob!" sagte der Squire. „Hättet Ihr Euch doch sagen lassen, was Euch so oft gesagt worden ist! Ließ Euch die Kleider da eigens von New-Orleans bringen, um wenigstens an den Sonntagen einen respectabel aus'ehenden Mann aus Euch zu machen. War das nicht ohne Urlache, Mann! Hättet Ihr das Zeug nur zweiundfünfzrg Mal tm Jahre angezogen, wäre vielleicht alles anders gekommen. War meine Absicht eine gute. Brachte 222 Dank' Euch, ©entfernen!" murmelte der Vsrurtheilte. । Dann blieb es eine Minute lang still, bis der Alcalde ! nach einem tiefen Alhemzuge das Zeichen zum Aufbruch gab. - „Laßt uns denn in Gottes Namen gehen 1" Ohne daß noch viele überflüssige Worte gemacht worden wären, verließen die Mitglieder des Ayuntamiento in der Gesellschaft der Mörders das Haus. Der Alcalde ritt neben Bob an der Spitze des Zuges. Er hatte ein Neues Testament mitgenommen, aus dem er ihn für die Ewigkeit vorzubereiten schien. Anfänglich hörte der Verbrecher ihm geduldig zu; dann aber trieb er seinen Mustang zu einer so raschen Gangart, daß die Vorlesung wohl oder übel ein Ende haben mußte. „Hollah, Ihr wollt uns doch nicht zu guterletzt noch aus. reißen, Bob?' rief der Procurator. Der Gefragte aber drehte sich im Sattel nach ihm um und schüttelte den Kopf. , „Nicht vor Euch, Mister Mythe — aber vor dem Fieber- Wird in einer halben Stunde da sein und möchte, daß wir bi» dahin fertig wären — mit Eurer Erlaubniß." Nun ließen auch die Anderen ihre Pferde ausgreifen und binnen kürzester Zeit hatten sie den Patriarchen erreicht. Sie hielten im Kreise unter den weit ausragenden Aesten des Baumes, darunter für mehr als hundert Reiter Platz genug gewesen wäre, und einige von ihnen schwangen sich au» de« Sätteln. t , L ,. Bob, der in den letzten Minuten wieder sehr unruhig geworden war, hielt die Augen starr auf den kleinen Erdhügel Der Alcalde, der mit so großer Begleitung ausgeritte« war, kehrte allein in sein Haus zurück. Drei gesattelte Mustang«, von denen indessen nur einer einen Damensattel trug, standen im Hofe, und in der Thür trat ihm Mister Burnet reisefertig entgegen. „Ist es geschehen, Alcalde?" fragte er ernst, geschehen!" lautete die lakonische Antwort. ",So erlaubt mir, Euch Lebewohl zu sagen. Meine Tochter läßt sich nicht bewegen, länget zu bleiben und ich mag sie nicht allein mit dem Jäger reiten lasten, wie zuverlässig der Mann auch ist." Der Alcalde nickte zustimmend. Und Euer Schützling — die Tochter dieses armen Teufel» aus Kentucky, dem unser Texas so schlecht bekommen ist — sie wird Euch nicht begleiten? ' Sie beharrt darauf, bei dem Kranken zu bleiben nn° ihn zu pflegen. Ich habe es endlich aufgeben müsten, ste anderen Sinne» zu machen." ... „Gott segne ste dafür! Ich denke, Ihr werbet mir glauben, daß sie gut aufgehoben sein soll unter meinem Dache. Hat ihren Vater geliebt, die Kleine, wie nur ein Kind seinen Vater lieben kann. Und hat die Schreckensnachncht doch ° tapfer ausgenommen, daß es einen Mann hütte beschäm n können. Weint nicht und klagt nicht - und fühlt sich in all' ihrem Kummer stark genug, dem Tode ein anderer arm Menschenleben abzutrotzen. Ich liebe solche Frauen, Mm | Burnet! Möchte der Himmel unferm Lande viele von solchem I Sch^Si^ist^ein seltene» Geschöpf, diese kleine Ellinor - das habe auch ich in den letzten vierundzwanzig Stande« m Bewunderung erkannt. Ich fürchte nur, daß all ihre 9 falt und Liebe dem bedauernswerthen Houston nicht wie wird auf die Beine helfen kö men.* ,, :g | „Sie wird ihm aufhelfen l Verlaßt Euch darauf! Er “ geheftet, unter dem sein Opfer ruhte. Er zitterte am ganzen Leibe und seine Augen begannen sich unheimlich zu verdrehe«. Von den einfachen Vorbereitungen für die Exeeutio« nahm er offenbar nicht das Geringste wahr. Sie vollzogen sich, ohne daß es dazu irgend welcher Anweisung oder einer Verständigung zwischen den Männern bedurft hätte. Einer von ihnen hatte den Laffo von Bobs Sattel ab« geschnitten und ihn mit großer Geschicklichkeit an einem der niedrigeren Aeste befestigt, fast unmittelbar über dem Haupte des Mörders. Dann warf er Bob die Schlinge über den Kopf, ohne daß jener dabei auch nur noch mit den Wimper« gezuckt hätte, und ein anderer zog ihm gleichzeitig die Füße aus den Steigbügeln. Der Alcalde nahm seinen Hut ab und faltete die Hände. Alle im Kreise thaten es ihm nach. „Bob! Wir wollen für Eure arme Seels beten, die jetzt scheiden soll von Eurem sündigen Leibe." „Betet!" stöhnte er. „Werde es brauchen." Der Richter betete langsam und laut, während ein Ausdruck aufrichtigen Schmerzes auf feinem Gesicht erschien: „Unser Vater, Der Du bist in dem Himmel!" Bob sprach ihm jedes Wort nach und bei der Bitte Vergieb uns unsere Schuld!" kam das Gebet in so erschüttern- I den Lauten von seinen Lippen, daß wohl Keiner war, de« er nicht im innersten Herzen gepackt und ergriffen hätte. „Gott sei seiner Seele gnädig!" schloß der Alcalde und wieder antwortete ihm ein zwölsfaches „Amen I" Einer der Corregidoren war mit der Peitsche hm« Bobs Pferd getreten- Auf einen Wink des Richters ließ er sie wuchtig um die Hinterbeine des Mustang klatschen. Das erschrockene Thier machte einen fürchterlichen Satz Unwillkürlich suchten die Fäuste des unglücklichen Reiters den Zügel zu erha chen- Aber es war zu spät. In den letzten Todeszuckungen hing sein Körper zwischen Himmel und Erde. Er hatte seine Schuld gesühnt - er. war gerichtet- - Euch aber nur dreimal in diese Kleider, den heutigen Tag mit eingerechnet. Habt e» eben nicht ander« gewollt. Habe Alle» für Euch gethan, was in meinen Kräften stand — Me»!" „Das habt Ihr!" bestätigte Bob erschüttert. „Und Gott soll e» Euch lohnen." „ „Run setzt Euch, Bob! Und Ihr, Mister Mythe, habt Ihr als Procurator etwas vorzubringen?" „Ja, Alcalde! Habe vorzubringen, daß ich mich kraft meines Auftrages und Amtes an den von Bob Rock wie er genannt wird — angedeuteten Oct begeben und da einen geiSdteten Mann gefunden habe; getödtet durch einen Schuß au» dem Gewehr Bob Rocks — oder wie er fönst heißt. War der Mann ein amerikanischer Bürger, Namen» George < Real aus Kentucky, nach Texas gekommen, um vom Obersten Austin Land zu kaufen. Fand seinen Geldgürtel bei ihm mit sechstausend Dollars und überdies alle seine Papiere. „Und Ihr, Corregidor Mister Heart, habt Ihr etwas 3a,9 habe vorzubringen, daß der sogenannte Johnny und seine Mulattin au» ihrem Hause entwichen sind. Habe mit drei Männern ihre Spur verfolgt; sind wohl an die fünfzig Meilen nachgeritten, haben aber nicht» von ihnen entdecken können." , „ , ,r „ . . .A. „Bob Rock oder wie Ihr sonst heißen möget, tretet vor ! Bekennt Ihr Euch schuldig, den Mann, bei dem diese Brief, schasten und Gelder gefunden worden sind, meuchlings durch edle« Schuß getödtet zu haben?" „Schuldig!" sagte Bob mit fester Stimme. „©entfernen von der Jury — wollt Ihr abtreten, Euer ^^Die^Zwölf erhoben sich und verließen das Zimmer. Rur Bob und der Richter blieben zurück. Die Berathung war kurz, denn nach Verlauf von kaum fünf Minuten schon traten ste wieder ein. „Schuldig!" erklärte lakonisch der Procurator. Der Alcalde erhob sich von seinem Stuhl. „Bob Rock — oder wie Ihr sonst heißen mögt — Eure Mitbürger und Pairs haben Euch für schuldig erkannt und ich spreche da» Urtheil aus, daß Ihr beim Halse aufgehängt werbet, bis Ihr tobt fett). Gott fei Eurer armen Seele gnädig!" „Amen!" sagten die zwölf Beisitzer wie au» einem 223 rus kernigem Holz geschnitzt und er wird'« Überstehen. Aber ich muß mich nach den Beiden umschauen. Entschuldigt mich bei Eurer Tochter, daß ich ihr nicht zuvor meine Aufwartung machen kann. Eilige Leute soll man nicht aufhalten. — ♦eod bye!“ tf Drei Monate später war es, als Ellinor zum letzten Mal vor dem kleinen Grabhügel unter dem Patriarchen stand, um ihm für immer Lebewohl zu sagen. Wohl war es eine herrliche Ruhestätte inmitten der weiten, einsamen Prairie und in dem ewigen Halbdunkel unter diesem Baumriesen, der schon Jahrhunderte hatte über sich dahinrauschen sehen und der noch Jahrhunderte überdauern würde. Kein Dichter hätte sich ein schöneres Plätzchen für seinen letzten Schlummer erträumen können. Ellinor aber weinte heiß und bitterlich bei der Erinnerung an all' die zärtliche, aufopfernde Liebe, die man da unten gebettet und bei dem Gedanken, daß sie nun bald um Hunderte von Meilen von ihres geliebten Vaters Grabe getrennt fein würde- Wohl hatte sich der Alcalde bereit erklärt, ihr diesen Vater zu ersetzen und sie zu halten, wie er seine eigenen Töchter hielt; doch ihr Herz hatte eine andere Entscheidung getroffen. In Begleitung einer schwarzen Dienerin und unter Fred Houstons Schutze sollte sie morgen die Rückreise nach den Bereinigten Staaten antreten. Nur an der Seite dieses ge- liebten Mannes, dessen Leben sie wirklich, wie der Alcalde es treffend genannt hatte, dem Tode abgetrotzt, konnte fortan ihr Platz sein, nur an seiner Brust konnte sie allgemach den großen, grausamen Schmerz verwinden, den die rohe Faust eines Verbrechers ihrem jungen Dasein bereitet- So lehnte sie denn auch jetzt, al« er, auf die sinkende Sonne deutend, sanft zum Aufbruch mahnte, ihr thränen- überströmtes Gesichtchen an seine Schulter und sagte leise: »Ja, ich folge Dir, mein Geliebter! — Und dies Grab wird nicht verlassen sein, auch wenn wir in weiter Ferne weilen. Unsere Dankbarkeit und unsere Liebe werden ja immer — immer bei ihm sein — nicht wahr?" „Immer, mein theures Mädchen! — Mir aber mußt Du'« schon verzeihen, daß ich eben ein stilles Gebet verrichtet Habe für die ewige Ruhe des Unglückseligen, der hier unter diesem Baume gerichtet wurde. Ec hatte es um mich verdient, wie schwer er auch gefehlt. Und auch Du, mein Lieb, auch Du solltest ihm nicht mehr fluchen." «Nein, ich fluche ihm nicht," erwiderte sie innig. „Wie dürfte ich auch, da er mir doch Dein Leben gerettet hat! Gott sei seiner armen Seele gnädig!" Minutenlang noch standen sie Seite an Seite in andächtigem Schweigen; dann kehrten sie zu ihren harrenden Begleitern zurück und ritten hinaus in die von goldenem Abendsonnenschein überflosiene Prairie, dem neuen Leben entgegen und dem neuen Glück. — GettreinnÄtziges. Ueber ein neues Mittel gegen Mückenstiche wird der „Starg. Ztg." geschrieben: „Vor einigen Jahren las ich als wirksamstes Mittel gegen Mückenstiche das Bestreichen der betreffenden Stelle mit gewöhnlicher Wasch- und Toiletteseife. Ich habe dieses Mittel seitdem stets mit dem besten Erfolge angewendet, da eine Anschwellung nicht eintrttt und da» Jucken nach kurzer Zeit aushöct, was nach Anwendung »o« Salmiakgeist, welchen ich früher auf meinen vielen Jagdausflügen stets bet mir führte, keineswegs der Fall zu sein schien. — Die Seife wird etwas angefeuchtet und so dick aufgestrichen, daß der Aufstrich sichtbar ist. Sollte man von einem besonders giftigen Thiers gestochen sein, dann wird der Ausstrich später noch einmal wiederholt, nachdem der erste sich verloren hat. Dieser Mittel hat außerdem den Vorzug, daß ein Stück Seife in der Tasche weniger incommodirt, al« ein Flälchchen mit Salmiak, und daß man es leichter zur Hand hat, als Salmiak." ♦ * • Müsfigen Dünger für einen kleineren Obstund Gemüsegarten auf einfache Art zu bereiten, darauf verstehen sich die französischen Gärtner vorzüglich- Sie mischen in ein Faß, welche» im Garten eingegraben ist, Holzasche, Geflügel-, Kaninchen- und anderen Mist, wie sie ihn eben haben können, Urin, der Inhalt der Aborte, Seifen- brühe, Ruß, Spülwasser der Küche, kurz, alle Abfälle zusammen, und setzen einige Pfund Eisenvitriol, welcher nicht nur ebenfalls Düngerstoffe enthält, sondern auch die üblen Gerüchte verhütet, in so viel Wasser aufgelöst zu, daß da» Faß vollständig gefüllt wird. Sodann wird da» Ganze unberührt 14 Tage lang der Gährung überlassen, worauf e« zur Verwendung geeignet ist. Dies geschieht in der Weise, daß man in der Nähe der Pflanzungen Grübchen macht, um dieselben mit dem Düngewasser anzugießen. Die Menge richtet sich nach der Größe der Pflanze, sie überschreitet aber selten 1/2 Liter, da man durch die Erfahrung belehrt ist, daß kleinere Mengen, öfters angewendet, sich wirksamer erweisen al» größere, die nur ein oder zwei Mal zur Verwendung kommen. Unmittelbar nach dieser Düngung wird für den Fall, daß nicht gerade Regen fällt, jedesmal stark mit Wasser nachgegossen. Daß die in den Fässern verbrauchten Stoffe immer wieder ersetzt werden müssen, versteht sich von selbst. — Wer es nicht gesehen, hat kaum einen Begriff davon, wie kräftig dieser Dünger auf das Wachsthum etnwirkt- Für den Gärtner von Beruf sind sie eine wahre Goldgrube; al» solche werden sie wenigstens von den französischen Markt- gärinern betrachtet. Daß auch die Landwirthschaft vielfach davon Gebrauch machen könnte, sei nur nebenbei erwähnt. ♦ ♦ • Zur Frage des Gießens und Düngens der Obstbäume. E» ist fast unglaublich, ein wie großes Wasserquantum unsere Culturgewächse bedürfen. Abgesehen von dem Wasser, welche» sie zu ihrem Ausbau verwenden, verdunsten die Pflanzen durch ihre Blätter ungeheuere Wassermengen, und zwar um so mehr, je mehr Blätter vorhanden sind. So verdunstet beispielsweise ein 10 jähriger Spalierobstbaum in 10 Stunden etwa 7 kg Wasser und ein mit Obstbäumen bepflanzte« Hectar Land in 12 Tagen fast 20000 kg. Schon au« diesem Grunde müssen Gewächse, die wir zur höheren Entwickelung bringen wollen, große Mengen Wasser zugeführt erhalten. Im heißen Sommer, wenn die Verdunstung de« Wassers aus dem Boden durch die erwärmenden Sonnenstrahlen oder durch Wind schon an und für sich eine große ist, muß mit diesem Umstande noch besonder» gerechnet werde«. E» wird nicht nöthig sein, täglich zu gießen, auch im heißen Sommer nicht, aber wenn gegossen wird, muß da» Wasser das ganze Erdreich, in welchem die Wurzeln sitzen, durchdringen, als die Wurzeln gehen. Man steht oft, wie große Bäume dicht am Stamm gegossen werden. Es hat dies gar keinen Zweck, denn die jungen, nahrungsaufnahmefähigen Wurzeln befinden sich nicht dicht am Stamme, sondern weit entfernt von diesem. jDort muß da« Wasser dem Baume zugeführt werden durch eingesetzte Röhren, durch Löcher, welche mit Spaten oder Erdbohrer gemacht werden, und zwar bei regelmäßig gewachsenen Bäumen senkrecht unter dem Umfange der Krone, beim Formobst je nach dem Alter 60 bis 180 cm vom Stamme entfernt. Aus dem Umstande, daß alle Nahrung von den Pflrnzen nur flüssig ausgenommen werden kann, erhellt ferner die große Bedeutung des flüssigen Düngers in allen jenen Fällen, wo man eine schnelle, unmittelbare Wirkung de» Dünger» zu erzielen wünscht; nothwendtg ist aber hierbei die Anwendung reichlicher Mengen Flüssigkeit, damit der Dünger auch wirklich von den Wurzeln ausgenommen werden kann und nicht von den oberen Bodenschichten festgehalten wird. Bei größeren Bäumen ist diese Düngung eigentlich die 224 Literarisches Vern Echtes etwas allentl Satyr. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmversiMS-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen. trat c gestell walke, Suget Cigar bcquei Befiel Wend damit sie eli daß e Belril in da hatte daß d Frau wahr: Wirkt Ist der Staar schädlich? Nein; denn die Staare fallen nicht etwa wegen der Körner in die Getreidefelder ein, sondern um Würmer, Maikäfer, Engerlinge, Ackerschnecken, Raupen und anderes Urgeziefer zu erhaschen. Man kann sich hiervon durch Untersuchen des Mageninhaltes eine« frisch geschossenen Staates, ja selbst durch aufmerksames Beobachten dieser Thiere im Felde leicht überzeugen. Beruhigend. Ein Amerikaner, der in Ceylon ein Bad zu nehmen wünschte, bat einen Eingeborenen, ihm eine Stelle zu zeigen, die von Krokodilen frei wäre. Der Eingeborene führte ihn an eine Stelle nahe der Mündung des Flusses und hier erfreute sich der Amerikaner am Luxus eines Bades. Als er wieder herauskam, fragte er feinen Führer, weshalb diese Stelle von Krokodilen frei wäre. „Krokodil fürchtet fick vor Haifisch I" antwortete der Singhalese. „Zn viel Haifisch' hier!" einzige überhaupt nubbringende, denn alles Untergraben von Dünger flach unter die Erdoberfläche hat wenig Zweck, wenn nicht große Regen-, Schnee- oder künstlich zugeführte Waffer- mengen, die Nahrungsstoffe des Dünger» auflösen und in die Liese führen. Recht sonderbare Hochzeitsgeschenke scheint man in dem nordameri^anischen Staate Dakota zu machen. So erhielt jiingst ein den besten Gefillschastskreisen angehörendes «euvermähltes Paar folgende Geschenke: eine Bulldogge, einen gelben Wachtelhund und ein spanisches Hündchen, eine Pfeife und einen Tabaksbeutel, ein Jagdgewehr, einen Dolch und eine Reiterfl.nte, drei zottige schwarze Hande, einen Dampf- Hohn, eine Violine, eine Mandoline, ein schwarz- und weiß- geflecktes Hündchen, einen englischen Schafhund und ein Paar filberbeschlagene Sattelpistolen. Sprossen von grünem oder braunem Winterkohl. Nachdem dieselben (im Frühjahr) verlesen und gewaschen, werden sie in Wasser und Salz abgekocht und auf einen Durchschlag gelegt. Dann wird selbiger auf einer Schüssel angerichtet, mit fein gestoßenem Zwieback und Muskat bestreut und eine saure Eiersauce dazu gereicht. Beilagen: Kalbsleber, Kalbsbrust, Nierenschnitten, Eierkuchen, Bratwurst.__ Das Stechen des Spargels. Der Spargel muß in seiner Mehrheit schon geerntet werden, ehe er auf der Oberfläche des Bodens sich zeigt. Auf gut gewalztem Boden kündigt sich das Hervorbrechen einer Spargelstange schon mehrere Stunden vorher durch Bildung einer kleinen Erderhöhung an. Vor dem Abschneiden der Spargelstange ist es unbedingt nothwendig, dieselbe so weit blorzulegen und von Erde zu befreien, als die Länge beträgt, zu der sie gestochen werden soll, also im Allgemeinen 18 bis 22 cm tief. Zu diesem Bloslegen der Stange darf man sich niemals des Messers bedienen, sondern nur der Finger der rechten da sonst die Stangen verletzt werden. Das Stechen des Spargels muß mindestens zwei Mal täglich vorgenommen werden, und zwar in der frühen Morgenstunde gegen 5 bis 6 Uhr, und Nachmittags von 4 bis 5 Uhr beginnend, und wird fortgesetzt, bis alle Beete abgefucht sind. Man rechnet im Allgemeinen eine Arbeiterin für Vi ha, da die Arbeit möglichst zu beschleunigen ist. einnta' Dir - er der und a II besorg Landwirthschaftliches. Großstädter: „Die Leute sagen, daß nebliges Wetter den Pflanzen schädlich ift." — Gutsbesitzer: „Sehr richtig! Mir sind neulich in einer nebligen Nacht acht Scheffel Kartoffel gestohlen worden." M o d e st o f f e. Da die weiten Röcke nicht zu verdrängen fin^ bleiben die steifen Wollstoffe stark begehrt; Mohair, Mpacca und Lustre werden diese Saison das Feld behaupten. Man muß jedoch in ihrer Verwendung sehr vorsichtig sein und nur hiezu componirte Fa^ons wählen. Im eben erschienenen Heft Nr. 16 der »Wiener Mode* finden wir aparte Promenade- und Gartepkleider, die für diese Stoffe berechnet sind. Das Heft enthält außerdem englische Toiletten, Lawn- Tennis- und Bicycle-Costüme, originelle Hutformen, sowie dazugehöriges Aufputzmaterial und zahlreiche andere geschmackvolle Garderobestücke. Das Heft ist in jeder Buchhandlung einzeln zu 45 Pfg. zu haben. — Abonnement 2 Mk. 50 Pfg. pro Quartal. Verjüngung. Am Auferstehungstage geht Kein altes Weib — spricht Mohamed — Ein in das Paradies. Und so erklärt er dies: Weil Allah sie vorerst verjüngt. Sie mit den Reizen neu beglückt, Die ihre Jugend einst geschmückt Und so in seinen Himmel bringt. Zumuthung. Student (in das Prosessorenzimm-- tretenb): „Sie entschuldigen gütigst, wer von Ihnen ist Herr Professor Müller?" — Professor: „Der bin ich. Was wünschen Sie?" — Student: „Ich nöchte Sie bitten, mir den Besuch Ihrer Vorlesungen bescheinigen zu wollen!" Rovellen-Bibttolhi» der gCnfltitün Zeitung. Sammlung ausgewählter Novellen. Achtzehn, r Band. Preis 2 Mark, in Original-Leinenband 3 Mark Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Der so oft gehörte Vorwurf, daß in Deutschland zu wenig Bücher ge kauft würden, ist jetzt durchaus nicht mehr ganz zutreffend, denn heutzutage besitzt jede gebildete Familie ihre eigene Hausbibliothek und setzt ihren Stolz darein, dieselbe alljährlich um so manches gute Werk z« vermehren. Allerdings läßt sich die Anschaffung kostspieliger Bücher nicht gut mit jesem Einkommen ermöglichen, um so dankbarer wird es jedoch von allen Seiten anerkannt, wenn ein wirklich gediegenes und gehaltvolles Werk für einen überaus mäßigen Preis geboten wrrd. Und die Vereinigung dieser Vorzüge läßt sich wohl kaum irgend einem andern Unternehmen in so gerechter Weise nachrühmen wie der „Novellen- Bibliothek der Jllustrirten Zeitung". -kr Von dem bekannten Prachtwerke „Meisterwerke der Holz schneidekunstE (Verlag von I. I Weder in Leipzig, Preis jeder Lieferung 1 Mark) sind die ersten sechs Lieferungen des 18. Bandes erschienen. Das Unternehmen hat sich im Laufe der Zeit zunehmend vervollkommnet und die vorliegenden Hefte bieten unbestritten das Beste unter dem Guten, was die Gegenwart in der Holzschneidekunst leistet. Aber nicht allein das, auch die Auswahl ist mit vortrefflichem Kunst- verständniß getroffen und auch der Druck ist eine vollendete Leistung. Wir glauben nicht fehl zu gehen in der Annahme, daß die Freunde des verdienstvollen Unternehmens mit seinen Fortschritten immer zahlreicher werden. * * * Der Erziehung der Taubstummblinden ist in jüngster Zeit wiederholt gedacht worden auf Grund von Mittheilungen über in Amerika beobachtete Fälle. Im neuesten Heft von „Bom Ael» zom (Stuttgart, Union Deutsche Verlagsgesellschast, Preis des Heftes 75 Pfg.) wird nun über die Erziehung eines taubstummen und blinden Mädchens berichtet, das in der Familie eines deutschen Taubstummenlehrers, Herrn Otto S. Wolf in Würzburg, Ausnahme gefunden hat und gegenwärtig eine höchst erfreuliche geistige Entwicklung aufzuweisen hat. Der in schlichtem Tone gehaltenen Schilderung des mühsamen Erziehungsweges sind zwei Bilder beigegeben, die dem Leser die Art des Verkehrs der Lehrerin mit dem jungen Mädchen veranschaulichen. Aus dem sonstigen reichen Inhalt des Heftes sind neben bey Romanen „Die Bacchantin" von L. Ganghofer, „Moderne Jugend" von Bianca Bobertag und „Kußwirkungen" von Helene Bühlau eine größere Anzahl von Artikeln zu erwähnen, die der Vielseitigkeit des Blattes das beste Zeugniß ausstellen. Wir nennen die amüsanten und in farbigem Druck originell illustrirten Künstlerfahrten in der Heimath, die mit Bildern reich versehenen Aussätze „Auf heimischer Scholle" von Dr. G. Ruhland, Josö Gallegos von v. Grävenitz, Ein Schweizer Volkstrachtenfest, Die Wiener Congreßausstellung, Pariser, Venetianer Plaudereien :c. — Literarischer und künstlerischer Inhalt zeigen vornehmen Geist und die Ausstattung ist einfach mustergiltig.