Samstag den 14. März Nr. 31 LtMOWNsk Anzeiger (General-Anzeiger) Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. -- (Fortsetzung.) „War es der Baron wirklich?" fragte Mrs. Graham, die, mit ihrer Tochter von Riva kommend, im Hotel Austria Wohnung bestellt hatte. „Kein Zweifel, Mama!" „So hätte wirklich nicht viel gefehlt und wir wären mit dem neugebackenen Ehepaare Gäste desselben Hauses ge- worden." ,, M Q„ , . „Hast Du Dir seine Frau angesehen, Mama? fragte Adeline, ohne auf die Bemerkung der Mutter zu achten. „Diese simple bürgerliche Erscheinung! Und neben diesem Manne, dem die Vornehmheit auf der Stirne geschrieben steht!" „Ich habe nur den Baron gesehen," entgegnete die Mutter kühl, „und fand ihn sehr verändert und krank aus» foTtPtih " Der Wagen hielt!; der Wirth mit seiner stattlichen Ehehälfte stand vor der Thüre des Hotels, die neuen Gäste zu bCQtfi&SH* „Nicht wahr," bemerkte Adeline ganz beiläufig gegen die Wtrthin, die sie und die Mutter persönlich nach ihren Zimmern geleitete, „das war der Baron von Wenzelen-Gattersberg mit Gemahlin, die gerade fortfuhren, als wir ankamen? „Ganz recht! Kennen die Damen die Herrschaften?" >tn wenig, aus Gesellschaften von Berlin her. Der Baron hat im Frühling bei einem Duell eine schwere Wunde davongetragen, er ist noch immer leidend." „Das scheint so, die Herrschaften sind kaum von ihren Zimmern heruntergekommen. Und die Frau Baronin ist so besorgt um ihren Gemahl, sie läßt ihn keinen Augenblick allein; wie uns der alte Diener erzählte, eine Seele von Warum blieben sie nicht länger hier?" warf jetzt Mrs. Graham fragend ein. „Gries ist doch gerade ein berühmter Curort für Lungenleidende." „Der Diener sagte, der Arzt habe ein noch südlicheres Klima verordnet. Sie gehen von hier direct nach Corfu, wo sie den Winter über bleiben werden." „Ach so," sagte Adeline, „Corsu soll ja herrlich sein." „Das wohl," meinte die Wirthin, „doch schöner als hier wohl kaum, selbst was das Klima betrifft; aber der Baron soll zugleich stärkende Seelust einathmen und die haben wir hier freilich nicht-" , c „Mama," rief Adeline, als die Wirthin das Zimmer verlaffen hatte, „für wie lange hast Du hier Wohnung be- stellt?" „Für eine Woche vorläufig. Doch warum fragst Du?" „Weil es mir hier gefällt und ich den Wunsch hege, längere Zeit hier zu bleiben." „Es gefällt Dir hier, obwohl Du noch kaum etwas ge« sehen hast? Das ist ja wunderlich. Ich denke, wir wollten von hier nach Wien und dort die Wintersaison verleben." „Aber, Mama, begreifst Du denn nicht, daß fich letzt Alles ändern muß? Ich möchte Wien aufgeben und dafür eine Reise nach dem intereflanten Corfu in's Auge fassen. „Adeline!" schrie die Mutter auf. „Du willst nach Corfu, vielleicht gar diesem Baron nachreisen? Bedenke „Alles, Alles bedenke ich! Da der Zufall es so fügt, darf ich mir nicht dis Gelegenheit entgehen lassen, ihn über die Umstände aufzuklären, die mich zu der unglücklichen Verlobung mit Axel drängten." Um Miß Grahams Lippen zuckte es fpöttifch. „Und wohl auch über die, die Dich zur Auflösung dieser Verlobung bestimmten? Ich gestehe, daß ich Dich durchaus unbegreiflich finde. Indessen —" „Du willigst ein?" unterbrach Adeline sie rasch. „Wie kann ich Deinem Eigensinn gegenüber wohl anders? Auch hoffe ich bestimmt, daß diese Wiederbegegnung am ersten Dich von der thörichten Neigung curiren wird, die Du für den durch feine Verwundung und abenteuerliche Verheiratung Dir doppelt interessant Gewordenen zu hegen Dir einbildest; ja, schüttle nicht den Kopf, ich wiederhole es: Dir einbüdest- Verwöhnte Kinder müssen nun einmal ihren Willen haben. Und die Cur hat ja keine Gefahr, da Baron Wolf nicht mehr frei ist." Adeline antwortete nicht; aber auf ihrem Gesichte lag 122 könnte, was ihr Herz bis zum Zerspringen füllt. Aber sts ist allein mit ihrem überströmenden Gefühl- Zur Weihnachtszeit fliegt aus dem Phäakenlande ein Brief in das Pfarrhaus zu Hsrtheim. Die Familie sitzt bei der Lampe am warmen Ofen, draußen heult der Wind und dichte Schneeflocken klatschten an die gefrorenen Fensterscheiben- Alle horchen dem Vorlesen des Pastors wie einem Sang aus einer andern Welt. „Ich habe versprochen, den Lieben daheim meine Reiss zu beschreiben und nun sitze und sinne ich und sage mir, daß aller Beschreiben unnütze Mühe wäre- Denn wer nicht mit Augen geschaut hat den Zauber dieser Farben, dieses Lichtes und Aethers, der kann es sich doch nicht vorstellen, so viel ich darüber auch sagen möchte. Ich schreibe diesen Brief auf der sonnenbeschienenen, weinumrar.kten Terrasse unseres Hotels, vor mir die Esplanade mit ihren mächtigen Ptniengruppen, ihren Lorbeer» und Myrthenbüschen, den mit prächtigen Arkaden geschmückten Palästen ringsum und dem Meere, dem j stündlich anders schimmernden Meere, das hinter den Gärten austaucht und aus dem so stolz und finster die schwarze Füs- wand mit ihrem Castell auf der Spitze emporsteigt- Fern schimmern röthliche Felsenbuchten, Schlösser und V-llen inmitten von Orangen- und Lorbeerhainen, von olivenbedeckten Hügeln, und gerade gegenüber jenseits der Meerenge heben sich dis majestätischen Bergreihen des Festlandes mit ihren fchnee- bedeckten Gipfeln in scharfen Conturen vom klaren Winterhimmel ab. „ ,, i Doch was rede ich vom Winter? Giebt es hier denn einen Winter? Kalte, regnerische Tage wohl zuweilen, steht aber die Sonne am Himmel, so durchdringt sie auch Alles mit ihrer Wärme. Mein Gemahl erholt sich hier sichtlich. Bei klarem Wetter gehen oder fahren wir täglich hinaus in die herrliche Umgebung, nach den Klöstern und Kirchen, der Villa Reale mit ihrem ausgedehnten, auf einer Halbinsel in'» Meer sich erstreckenden Parke, in dem Palmen und Orangen, I Bananen und Kaffeebäume gedeihen. Der Arzt, deffen Adreffe Doctor Balzer uns gegeben hat und der meinen Gemahl hier behandelt, erklärte sich neulich sehr zufrieden mit den Fort- schritten von deffen Gesundheit. Die Lunge sei im Heilen begriffen und das beweist nun auch der von Tag zu Tag mehr abnehmende Husten. Wir haben hier einige sehr angenehme Leute getroffen, unter denen mir ein deutscher Archäologe, Professor Riefenthal aus München, mit dem wir auf demselben Schiffe von Brindisi herfuhren, besonder« gut gefällt. Er ist ein sehr gelehrter Mann und dabei doch so bescheiden und mitthetlsam. Ich höre und lerne viel von ihm und bin entzückt, wenn mein Gemahl sich dazu herbeiläßt, mit ihm eine oder die andere der nahe liegenden Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Anfangs zog Wolf sich gänzlich von allem Verkehr im Hause zurück und mochte mit Niemand sprechen; seitdem er sich aber wohler fühlt, weicht schon die Menschenscheu etwas von ihm und wenn er erst wieder ganz im Vollgefühl des Lebens sich befinden wird, wird auch die Schwermuth und Verbitterung von ihm weichen. So hoffe ich zu Gott! Wer könnte auch beim Anblick solcher Natur schwermüthig bleiben ? Alles freut sich hier des Lebens, de» Sonnenschein», der Luft, der Schönheit, Jedem geht da» Herz dabei auf. Sollte das Alles auf meinen Gemahl allein unwirksam bleiben i Manchmal ist er jetzt recht gut und lieb zu mir, aus Dank- barkeit für meine gute Pflege, wie er stets mir wiederholt. । Ach, begehre ich denn des Dankes? Ihn wieder gesund zu sehen, das muß und wird mir Ersatz für alles Andere ge- ■ währen, für Alles I i Doch genug von mir. So gern hörte ich, wie es allen , Lieben im trauten Deutschland geht. Von meiner Mutter : und meinem Bruder erhalte ich so sparsam Briefe, daß ich , sehr wenig von ihnen weiß. Doch theilte mir Mama mit, ; daß Bruno zur Centralrurnanstalt nach Berlin commandirl I wäre und daß sie deshalb auch für einige Wochen dorthin zu - 1 gehen gedenke. Ist sie schon fort? Andernfalls bitte ich Sie, ein siegesgewisser und übermüthiger Zug, als habe sie es doch l l nicht aufgegeben, trotz Allem das Spiel noch zu gewinnen. Trotz Allem! Ist heute denn noch der Ehebund etwas Unzerreißbare», das nicht zu trennen wäre? Scheidung ist ja nichts Ungewöhnliches mehr! Und wo gäbe es unüberwindliche Hindernisse, wenn zwei Menschen sich lieben und den Willen und die Mittel haben, den gegenseitigen Besitz sich zu erkämpfen? Ja, wenn sie den Willen haben! Freilich, gesund muß er erst werden, einen kranken Mann mag sie nicht; denn zur barmherzigen Samariterin fühlt sie keine Ader in sich. Deshalb auch will sie in Gries so lange warten, bis es entschieden ist, ob er leben, gesund leben wird. Lebt er aber, so soll er für sie leben. Dieses Ziel zu erreichen, koste es, was es wolle, das hat sie sich zugeschworen in dieser Stunde. XIII. Ilse lehnt neben Wolf am Schiffsranbe des Lloyddampfer«, den sie in Brindisi bestiegen haben, als er in den Hafen des olivenreichen Phäakenlandes einfährt. Es ist Nacht, aber ein sternklarer Himmel wölbt sich über ihnen und die Mondesfichel, wagerecht wie sie die Alten auf dem Haupte Selenens gebildet haben, schwebt goldig leuchtend, durchsichtig im klaren Aether- Ein Leuchtthurm wirft sein Licht von einer schwarzen Felsenmasse herab, eine zweite erhebt sich ihr zur Seite aus dem Meere- „Die Zwillingsklippen," bemerkt ein Deutscher, der neben dem Paare steht, in dem er Landsleute erkannt hat. „Die weltberühmten Koryphäen der Byzantiner, die allein dem Ansturm der Muselmänner getrotzt haben, als ganz Griechenland ihrer Macht verfallen war-" Wolf antwortete nicht, ihm ist jede Berührung mit Fremden unangenehm. Der Andere jedoch in seiner Begeisterung beim Anblick der sich ihm öffnenden Wunderwelt fährt in feiner Beredtsamkeit fort. „Welch' ein Zauber der Natur verwebt sich hier mit der | Erinnerung! Hier landete Odysseus, als Aphrodite ihn aus den stürmenden Meereswellen gerettet hatte, hier trat er, ein Schiffbrüchiger, unter die ballfpielenben Mädchen, vor dis Fürstin Nausikaa, die Tochter des Königs Alkinoos, die schützend die Hand über ihn breitete. Die ganze Homerische Mythenpoesie entfaltet sich vor uns, hier werden wir sie erst ganz verstehen lernen." Die heranschießsnden Barcarolen mit ihren teppichbelegten Sitzen am Steuer und ihren in allen Sprachen zum Einsteigen einladenden Führern unterbrechen die Unterhaltung. Alles hastet mit Gepäckstücken beladen der niedergelassenen Schiffsbrücke zu. Ilse kommt erst wieder zur Besinnung, als sie neben Wolf im leise schaukelnden Nachen sitzt, der fast lautlos an schlummernden Villen und Palästen vorüber dem Hafen zuglettet. Wolf hat von Brindisi aus einen Wagen an den Landungsplatz bestellt. Ilse fühlt sich wie in einem Traum, als würden die Märchen aus „Tausend und Einer Nacht" um sie lebendig. Wie köstlich ist diese Nachtfahrt durch die sanft aufwärts führenden stillen Straßen bis zu der Spaniata, dem Hauptplatz der Stadt Corfu, wo ihr Hotel liegt, in dem sie Wohnung genommen haben- Ein schlaftrunkener Kellner empfängt sie vor der Thüre des palastartigen Gebäudes und führt sie zu ihren mit aller europäischen Eleganz eingerichteten Gemächern. Wolf ist abgespannt, er läßt sich von Georg sogleich entkleiden und geht zur Ruhe. Ilse tritt noch einmal auf den Balkon hinaus. Unter ihr, rings um den Hafen sich breitend, liegt die schlummernde Stadt; mit goldigem Schein, anders wie in der Heimath, ruht der Mond auf dem leise bewegten Meere. Ein würziger Duft von Myrthen und Orangenblüthen zieht zu ihr herauf. Eie athmet beklommen und doch füllt ein namenloses Gefühl der Seligkeit ihre Brust. So bewegt ist sie und so dankbar I Ach, hätte sie nur eine Menschenbrust, in die sie ausschütten 123 verehrter Herr Pastor, ihr meine Grüße zu bringen und ihr zu sagen, wie sehr ich Nachricht von ihr ersehne." Schon in der Woche darauf beantwortete der Pastor Ilses Brief. „Mein liebe», gute» Kind!" schrieb er. „Du ahnst gar nicht, wie viel Freude Du durch Deine Mittheilungen uns Allen hier bereitet hast. Wir sorgten uns um Dich; denn Deine Mutter ist seit einigen Wochen in Berlin und so konnten wir nicht einmal bei ihr nach Dir fragen. Wie gut, daß Du so froh und mit offenen Augen und offenem Herzen genießest, was die schöne Reise Dir bietet, Benetdenswerthe! Wie Viele sehnen sich ihr Lebenlang in jene Welt, die dem Knaben schon, der seinen Homer in der Schule liest, werth und theuer ist. Wie Wenigen aber wird es zu Theil, ihre Sehnsucht befriedigen zu können. Wenn man so erzählen hört von jenen sonnigen Landen, von Italien» und Griechenlands Kunstschätzen, dann hebt sich wohl auch einmal beklommen die Brust und man sehnt sich gleich Faust hinaus aus dem Wust der täglichen Arbeit, nach des Lebens goldenem Baum. Da heißt es aber dann, sich zu beschränken auch in seinen Wünschen und das Glück da zu suchen, wo es doch allein im Grunde zu finden ist, in der Arbeit und treuen Pflichterfüllung an der von Gott uns zugewiesenen Stelle. Denn wahre Befriedigung erwächst schließlich doch nur aus dem Bewußtsein erfüllter Pflicht- Und dieses Bewußtsein, meine liebe Ilse, hast Du Dir errungen und das wird Dir bleiben, wie sich Deine Zukunft auch gestalten möge. Daß der Baron sich erholt, freut mich herzlich und mit Dir glaube und hoffe ich, daß mit dem Körper auch seine Seele genesen werde. Männer, wie er, die am Uebermaß des Guten leiden, das ihnen geworden ist, pflegen zuweilen einer schweren Prüfung zu bedürfen, ehe sie das richtige Gleichgewicht zu erringen vermögen- Und geprüft ist er wahrlich genug. Mich sollte es wundern, wenn seine kaum gehoffte Genesung ihn nicht zu einem glücklicheren und befriedigteren Menschen machte, als er je vorher im vollen Genuß seines Lebens und seiner Gesundheit gewesen ist. Zu meiner Ueberraschung erfuhr ich neulich beim Grafen Melden, daß die Verlobung des Affeffors von Menzelen sich wieder gelöst haben soll. Die schöne Amerikanerin hat mit ihrer Mutter Berlin verlaffen, wie man sagt, um nach Amerika zurückzukehren- Der Affessor hat seine Festungsstrafe bereits abgebüßt, da sie durch die Gnade Seiner Majestät bedeutend verkürzt wurde. Sein Schicksal hat allgemeine Theilnahme erregt und man sagt, daß er sehr wohl angeschrieben bei seinen Vorgesetzten sei und Sortiere machen werde. Er soll sehr gefaßt und durchaus nicht niedergedrückt, wie man nach dem unerwarteten Rückgang seiner Verlobung gefürchtet hatte, aus der Festungshaft zurückgekehrt sein. Der vermeintliche große Reichthum der schönen Amerikanerin wird übrigens sehr an- gezweifelt, so daß auch nach dieser Seite hin der Affeffor nichts eingebüßt hat. In Rüdnitz lernte ich auch eine junge Verwandte Deines Gemahls, Fräulein Käthe Altweil, kennen, eine Künstlerin von Fach, die sich im Schlöffe zum Besuch aushält und dort die junge Comteß Helene malt. Sie hat in Berlin ein Bild ausgestellt, zu dem dis schöne Miß Graham gesessen und das sie „Sirene" genannt hat. Dieses Bild soll großes Aufsehen gemacht haben, so daß die jungen Damen von Welt jetzt danach angeln, von ihr gemalt zu werden. Ich habe mich viel und interessant mit ihr unterhalten. Sie ist ein kluges, denkendes Mädchen, wenn auch für meinen Geschmack ein wenig zu selbstbewußt. Das Gespräch lenkte sich natürlich auch auf den Baron und Dich und da kannst Du Dir denken, daß ich Dein Lob nach Kräften sang. Sie machte ganz erstaunte Augen dazu, meinte aber dann, sie könne nicht glauben, daß ein Wesen wie Du für den tollen Wolf passe. Ueberhaupt seien im Allgemeinen die Männer einer Frau, wie ich Dich ihr geschildert habe, nur in Ausnahmefällen werth. „Haben Sie so schlechte Erfahrungen gemacht, mein Fräulein?" fragte ich dagegen. Sie erröthete und das stand ihr gut. „Macht man nur Erfahrungen an sich selbst? Ich lerne vom Leben, so weit es sich meiner Beobachtung erschließt —* „Und da haben Sie so viele unwürdige Männer kennen gelernt?" „Genug," sagte sie entschieden, „um die Lust zu verlieren, in der Ehe allein das Glück des Weibes zu suchen. Ich habe mich daher auf eigene Füße gestellt und fühle mich wohl dabei." „Weil Sie als Künstlerin Erfolg haben. Ich verstehe das, sage Ihnen aber trotzdem voraus, daß die Stunde kommen wird, wo Sie sich dennoch nach Liebe, nach einer eigenen Häuslichkeit sehnen." Sie lächelte ungläubig, brach aber das Gespräch ab, da die Comteß zu uns trat. Ich lud sie beim Abschied ein, mich in meinem Pfarrhause zu besuchen, und sie versprach es auch. Wenn sie kommt, werde ich ihr etwas aus Deinem Briefe vorlesen und ich denke, sie wird sich freuen, wenn sie hört, daß es dem Baron so viel besser geht. Und nun, Gott mit Dir! Mögen diese Zeilen Dich so froh und heiter antreffen, wie Du es beim Schreiben Deines letzten Briefes warst und dis Genesung Deines Gemahls weiter fortschreiten." Mit einem befriedigten Lächeln faltete der Pastor den Brief zusammen. „Es geht doch Alles besser, als ich vorausgesagt hatte," dachte er, „und so Gott will, findet die gute Ilse in dieser so seltsam geschlossenen Ehe doch noch das Glück, das keine Frau mehr verdient als sse." XIV. Wolf befand sich in eigenthümlicher Gemüthsverfaffung. Der Frühling war auf der lieblichen Insel eingezogen, eine Blüthenfülle hatte sich über sie ergossen, die Sinne und Auge blendete- Ueberall, selbst auf Ruinen, sprießte und blühte es in farbiger Pracht, ein Rosenmeer lag über dem Garten der Esplanade gebreitet, bis zu den höchsten Spitzen der Bäume kletterten sie in blühendem Geranks hinauf, kröisten sie mit buntfarbig duftendem Schmuck. In der Villa Reale stieg die Blüthe der Aloe in mächtigen Bogen empor, da leuchtete der Judasbaum in feinem dunklen Roth und an den schlanken Stämmen der Palmen rankten sich blühende Cacteen hinauf. Orangen und Myrten sandten, vom Meereshauch überstrichen, würzige Düfte in die Luft, die seltsam klar und durchsichtig die fernen Berge de» nur durch eine Meerenge getrennten Epirus so nahe rückte, daß man sie ost mit Händen greifen zu können meinte. Und wie die Erde, schmückte sich Abends auch der Himmel; da glühte der Abendschein, bis zum Zenith feine Strahlen werfend, mit in die Nacht hinein, Meer und Land mit zauberhaftem Licht umwebend, wie es unser Norden nicht kennt. Dazu der süße Gesang der Nachtigall, die hier sich nicht darauf beschränkt, Abends ihre Weisen zu flöten, sondern auch am Tage an stillen Orten ihr schmelzendes Lied ertönen läßt, das bewegte Leben und Treiben auf der Esplanade, der Zufluß von Fremden, die herbeiströmten, auf dem weltberühmten Eiland das nahende Osterfest mitzufeiern. Leben, Freude, Schönheit überall, wer sollte solchen lockenden Mächten gegenüber sein Herz verschließen, zumal, wenn mit den sanften Lüften des Frühlings auch da« Gefühl der Gesundheit, der Kraft in es einzuziehen beginnt? Wolf wurde sich von Tag zu Tag mehr bewußt, daß er kein Kranker mehr fei; der Husten hatte aufgehört, feine Wangen fingen an, sich zu runden und lebhafter zu werden, sein Gang wurde elastischer, kraftvoller. „Ich werde Sie bald als Genesenen entlassen können," meinte der dort ansässige Arzt, in dessen Cur er sich gegeben hatte, bei einem seiner letzten Besuche, als er Wolf und Ilse am Morgen des Charfreitages auf der Terrasse de« Hotels Dank ad." * Verlag der Brühl'schm UmverfiMs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Gch-Y da) M G'-ßM- Redaction: A. SchkYda. - Druck und Wenn Schuhe oder Stiefel außer Gebrauch an einem feuchten Orte stehen, so überziehen sie stch leicht mit Schimmel, der das Leder angreift, während an trockenen Orten das Leder einschrumpft und hart wird. Man nehme beim Frühstück begrüßte. „Sie sehen prächtig aus, Herr I Baron, ich gratulire aufrichtig." „Wenn man einem Menschen überhaupt zum Leben aratuliren kann," entgegnete Wolf mit süß-saurer Miene. (Fortsetzung folgt.) GEerMnritziges. Fleischkuchen. Vier Semmeln werden in Wasser ge- weiLt ausaedrückt und zerpflückt, dann nimmt man /r ms 3/ Pfund übriges Ochsen- oder Kalbfleisch, etwas Speck oder Schinken, Zwiebeln, Petersilie - a^s fein gemiegt-, nebst einem Stück zerschmolzener Butter, Salz und Muskatnuß und 4 bis 5 Eier dazu- In einer stachen Pfanne wird Butter- schmalz heiß gemacht, die Masse eingefüllt und auf beiden Seiten braun gebacken. Wird mit Kartoffelsalat zu Trsch aeaeben — Will man lieber eine Buttersauce, mit Eigelb abgezogen, dazu reichen, so backt man die Wto einem mit Butter bestrichenen kleinen Kuchenblech im Backofen. Als Gemüsebeilage sormt man mit gestoßenem Weckmehl kleine Würstchen, welche auf allen Seiten braun gebacken werden. Reinigung der Fensterscheiben. Trüb und farbig gewordene Fensterscheiben reibt man mit fein geschlämmter Kalkerde aus welcher man alle Sandtheilchen entfernt hat Md" trocknet sie ab. Hilft dies nicht, so wäscht man die Fensterscheiben mit verdünnter Salpetersäure und spült mit Regenwaffer nach. e , Anstrich, um Tapeten abwaschbar zu machen. Man überziehe dieselben mit folgendem Lack: 35 Gramm unt) 35 Gramm Stangenlack oder Schellack, oder Körner- inS»t 8«ä werben in 400 ®rawm heiiem Wasser aufgelöst. Hat man diese Lösung durch ein seines S-ibtuck gepreßt, so werden die Tapeten entweder vor oder nach der Betteidung der Wände mit diesem Lack überzogen und nach dem vollständigen Trocknen mit einer weichen Bürste aebürstet"wodurch ein seine« Glanz erzielt wird. Das Hebet* ziehen geschieht zweimal und zwar so, daß, wenn der, erste Ueberzug trocken geworden ist, der zweite mit einem Pmsel in gewöhnlicher Welse aufgetragen wird. Wascheu der Spitzenschleifen und Krausen. Dieselben werden unzertrennt in Benzin gewaschen.^ Man drückt sie darin vorsichtig hin und her, windet stei n einem CT'..*» ««a und zieht die Spitzen dann möglichst gleichmäßig yÄM »eiter "einer SH>n«tur. Rn- Sp»-n. taschenMcher, welche glatt aufliegen, werden auf der linken Seite mit einem nicht zu heißen Bügeleisen geplättet. Die durch längeres Tragen entstandenen Glanzstellen aus schwarzen Kleiderstoffen entfernt man, indem man ein nasies Tuch auf dieselben legt und mit dem herßen Plätt eisen darüber fährt. # , Glosse wasserdicht zu machen. Jn^anderthalb Eimer heißen Wassers wird V2 ÄU^tftnim^ailaun und 125 Gramm Bleizuckergift aufgelöst. Dieses läßt man a kühlen und schüttet die klare Flüssigkeit sehr vorsichtig von dem Bodensatz ab. In diese klare Flü stgkeit taucht man die betreffenden Stoffe, welche man wafferdicht zu machen wünscht. Daraus läßt man dieselben glatt aufgehangen, abtropfen und trocknen, ohne sie zu glätten. * Terpentinöl, träufele etwas auf einen wollenen Sappe«, über- fahre damit das Schuhwerk und laffe es stehe«. Es hält auch Ratten und Mäuse ab. * «ähes Fleisch rasch* weich zu kochen. Wenn das Fletsch abgeschäumt und im stärksten Aufwallen ist, so gieße man ungefähr auf drei Pfund Fleisch zwei Kaff^löffel voll guten Kornbranntwein. Das Fletsch, wäre es auch von einem alten Thlere, wird schnell weich, und von dem Gerüche des Branntweins bleibt nicht die geringste Spur übrig. Eine neue Art der Theebereitung Man wasche dünnen, weißen Baumwollstoff gut au», darmt nichts von der Appretur daran zurückbleibe und mache daraus Beutelchen, die mit einer Schnur zugezogen werden könne» Fn ein solches Beutelchen lege man die Theeblatter, man hänge daffelbe in das siedend heiße Masset der Theekanne und nehme es nach drei Minuten wieder heraus. Da der Baumwollstoff einen sehr großen Theil der Gerbsäure- absor- ! birt, so schmeckt der auf diese Weise zubereitete Thee seh mild. Die Beutelchen müssen nach jedem Gebrauch recht gut | ausgewaschen werden; öfter als zehn- bis höchstens fünfzehn Mal können ste aber nicht mit Erfolg angewendet werden. V-imMehtes. ,Das hätte ich nicht erwartet." Einer Dame die zwar nicht mehr auf Jugend und Schönheit Anspruch machen konnte, wohl aber diese durch Geist und Verstand reichlich ersetzte, begegnete in einer Gesellschaft die FatalM, einer ihrer eingesetzten Zähne zu verlieren. Die Dame machte, durchaus kein Geheimniß daraus; das ganze Zimmer wurde durchsucht - das Kleinod war nicht aufzufinden. Tags darauf langte ein Packetchsn bei der Dame an, begleitet von einem zierlichen Billet des als losen Vogel sehr bekannten Hausherrn, worin er feine Freude ausdrückte, so glücklich gewesen zu sein, ihren verlorenen Zahn wiedergefunden zu haben, der beifolge. Das Packetchsn wurde geöffnet und sich da: Es enthielt einen gewaltigen Zahn eines Esels. D e Dame, ohne sich beleidigt zu Men oder die Fassung im Geringsten zu verlieren, ergriff die Feder und schrieb dem ga- lauten Briefsteller: „Ich habe zwar von leher Bew r e Jh großen Freundschaft für mich gehabt; daß Sie dieselbe aber | so wett treiben, und sich einen eigenen Zahn aurziehen lassen würden, um meinen Mangel zu ersetzen, habe ich ninE ; mehr erwartet- Ich statte Ihnen hiermit meinen verbindlichsten Mess' das Herz voll ist u. Gouvernante:Groß- artig ist der Hasen in Kiel, in Hamburg! . . . Wissen Sie mir sonst noch einen interessanten Hafen zu nennen? - Emmy: „Der Hafen der Ehe!" * Der langsame Dichter. Fräulein: „Ich mW gern die achte und die neunte Lieserung der Goethe schen £te‘ -®.W. .Th? mir leib «««»•■ gäbe ist erst bis zur siebenten Lieferung erschienen I Fräulein: „Gott, dichtet der Mann aber langsam! Literarisches . i Frühlingstoiletten. Die englischen J°ckch°ntaill°n w« st- seit Jahren in Wien in graciösen Formen hergestellt werden, s ' die heurige Frühlingsmode charcteristisch sein. Wir sahen solche in Directoirfaron, einige originell mit Spencerthei en combmirt, d«. wieder einige mit Schulter- und Klappenkragen, mit theilschnitt, mit Spangenwesten und viele offene Formen. O b schienene Heft 12 der SÄOM* enthalt dieser kleidsamen Toiletten, zahlreiche audere reizend.G°^ero° sowie kunstvolle Handarbeiten. Einzelne Hefte dieser vorMUch - eitung sind in allen Buchhandlungen zu haben, wo auch Äbonnem a 2 Mk. 50 Pf. entgegengenommen werden.