Mehl, dann in verschiedene Ge» t Wasser, dann ltnuß daraufge« ein, Gelberüben, ng, Erbsen und KansLasten von ; „Was macht r ich Ihnen da» ich war früher (zum Rekruten, it beiden Armen Rostnante ooch il" Papa, ich weiß, — Vater: „To, Höne» Bierglas." — Elia: „3a, >n bei der Er» r gezeigt, Frau : verletzt habe», ßte ja gar nicht, it drei Stunden äre es." Sie confultiren: — Arzt: „Sehr auf Ihr Selben ne Karl (trotzig b): „Du kannst la: „Aber Karl, annst Du nicht Hospital- Lin von Th. Billroth. )r. R. Gsrsuny in ruck, 7 Figuren im en 8° in Original- :odor Billroth nach er auf der Höhe ragensten Chirurgen ns allen Welttheilen, eutung haben sollte, -npsiege zu dienen; n Krankenbett, eine m, welch' liebevoller lichten dachte, deren dies Buch ist ein vurden einige Vsr- geinrich Obersteiner Geisteskranker. Das enschlichen Körpers" g wurde besondere rttung dieser fünften aben werden. Die Rudolfinum, vom >«) in Siehe«. Dienstag den 14. Januar SMilkSkßl'ällSk k'ßeKcr Unterhaltungsdlatt MM Gießener Anzeiger (General-AnMger) MS SS®»« ■ W Ein Dämon. Novelle von I. Pia. (Schluß.) Auf der Schwelle des Salon» blieb Liffa unwillkürlich stehen, als fie bei der schwachen Beleuchtung eine ihr nur zu bekannte Männergestalt erblickte- „Herr St. Clairl" stieß fie heftig hervor. „Wo ist Valerie?" „Fräulein Dönhoff? — Die suchen Sie vergebens hier, die ist zu Hau» und unterhält ihre Gäste," ward ihr in größter Ruhe zur Antwort. Voll Befremden und Entrüstung begegnete fie seinem Blick. „Belügen Sie mich nicht!" sprach fie verächtlich. „Ich weiß, daß fie hier ist, vor kaum einer Stunde schrieb fie mir und bat mich, zu ihr hier auf die „Möoe" zu kommen." Noch während sie sprach, kam Bewegung in da» Schiff, über ihnen wurde viel hin» und hergelaufen, die Taue gelöst — jetzt hörte man, wie das Schiff die Fluthen durchschnitt. „Wohin fahren wir? — Was soll das heißen!" rief Liffa, von plötzlicher Angst ergriffen. „Wir fahren hinaus in die weite See! — Wohin? — Auf wie lange? — Das hängt von Ihnen ab." In wahrem Entsetzen starrte das Mädchen ihn an. „Sind Sie von Sinnen?" stieß sie athemlos hervor. „Wo ist Valerie? — Antwort will ich haben!" Ihr Peiniger stieß ein wildes, heiseres Lachen aus. „Ich sagte Ihnen ja bereits, daß Fräulein Dönhoff sich nicht hier befindet, weshalb wollen Sie mir nicht glauben?" Einen Moment verwirrten sich fast der Armen Sinne vor Schreck und Angst, doch schnell faßte sie sich wieder, und sich zu ihrer vollen Höhe aufrichtend, traf ihn em vernichtender Blick ans ihren zornfunkelnden Augen. Lodtenbleich, aber mit fester, klarer Stimme fragte fie: „Und Valerie» Brief?" „War nur eine kleine List, mit welcher Fräulein Dönhoff mich bei der Ausführung meines Plane» liebenswürdigerweise unterstützte. Sie ist heil und gesund!" „Elender Wicht! Und zu welchem Zweck wägten Sie eine« solchen Streich?" „Weil ich Sie liebe, Liffa! Und weil ich Sie genugsam kenne, um zu wissen, daß Sie nur durch Gewalt zu erringen find!" „Ich . . . ich verstehe Sie nicht!" stieß Liffa zornfunkelnd hervor. „Nicht?" entgegnete er mit teuflischem Lächeln. „Mein sollen Sie werden, zur Frau will ich Sie haben!" „Wahnfinnigerl" murmelte sie zwischen den geschloffene« Zähnen hervor. Äug' in Auge standen sie einander gegenüber — dasselbe heiße Blut schoß gleich glühender Lava durch ihre geschwollenen Adern, au» Beider farblosen, fest entschlossenen Zügen sprach gleich heftige Erregung — während des Mannes Seele in jäher Leidenschaft entflammte, verzehrte des Mädchen- Brust ein unbezwinglicher Haß. Da plötzlich, wie er feine Rechte nach ihr ausstreckte, entrang sich ihren Lippen ein wilder Schrei. Bet der Be» wegung hatte fein Aermel sich weit zurückgeschoben und ihr Auge entdeckte die runde, bläuliche Narbe, die ihre kleinen, spitzen Zähne ihm in der furchtbaren Nacht, al» das Schiff scheiterte, beigebracht hatte. „Teufel!" stieß sie entsetzt hervor. „O, jetzt weiß ich Alles — jetzt kenne ich Sie! — Barmherziger Himmel, befreie mich aus diesen mörderischen Händen! Sie — Sie habe« da» Schiff in'S Unglück gestürzt!" Bei dieser Anklage sank St- Clair» Hand schlaff herab, sein Gesicht wurde erdfahl. Kurzes, beängstigendes Schweigen folgte. „Nun Sie mich jetzt kennen," brach Jener, Liffas eigene Worte gebrauchend, die minutenlange Stills, „werden Sie mir wohl glauben, wenn ich hiermit gelobe, daß Sie binnen dreimal vierundzwanzig Stunden meine Frau sind! — Was Geschehenes anbelangt, so wird die Zukunft Ihnen Aufklärung bringen I" Mit diesen Worten wandte er ihr bett Rücke«. Liffa hörte, wie er den Schlüssel im Schlosse drehte — fie war seine Gefangene — und dann — Barmherziger Himmel! Wa» bedeutete der furchtbar« Lärm über ihrem Kopfe? Die wilden Flüche? Das Wuth- gehen!? Der heftige Stoß gegen die Thüre? Eine Secunde lang war Liffa wie vor Schreck gelähmt, bis sie die Wahrheit in ihrer ganzen Furchtbarkeit ahnte. Der Bluthund hatte sich losgeriffen, und feine Beute witternd, war er herbeigesprungen, bereit zu dem letzten furchtbaren Kampfe. Mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften riß und rüttelte Liffa an der Thür, aber dieselbe war fest verschlossen und den Schlüffel hatte St- Clair- Sie lief nach den Fenstern, aber auch hier bestegelte St. Clairr Bo. sicht sein eigenes Schicksal, fie waren vergittert und gaben nicht die schwächste Hoffnung zur Rettung. Ein lauter Angstschrei entrang sich ihren farblosen Lippen. Sie lief nach der Thüre zurück, sank auf die Knies und wollte Leone eben durch das Schlüffelloch zurufen, als ein Blick durch dasselbe ihr das ganze entsetzliche Bild vor Augen führte. Auf Deck lang hingestreckt gewahrte sie St. Clair» geschmeidige Gestalt im letzten Todeskampfe; da» große, zottige Thier lag halb auf ihm, die Zähne fest in dis Gurgel seine» menschlichen Feinde» eingebiffen, während des Sterbenden Rechte noch Kraft genug hatte, dem tapferen Vertheidiger seiner Herrin mit einem langen, schmalen Meffer den Todesstoß zu geben. Schrei auf Schrei von Liffa» Lippen, dann ward all- mälig Alles um sie still und dunkel, und bewußtlos brach sie zusammen. Al» fie wieder zu stch kam, beugte» der Steuermann und einer seiner Leute fich mit angstvollen Mienen über fie. Mühsam richtete fie fich auf und da» Erste, da» ihrem Blick begegnete, waren die zwei Todfeinde in ihrer letzten tbdtlichen Umarmung, Beide starr und kalt! „Wie, wie ist da» geschehen?" stammelte Liffa verzweifelt. Nun die Dinge einen so schrecklichen Verlauf genommen hatten, wußte der Steuermann recht gut, daß e» einzig und allein in Liffa» Händen lag, ob er der Mitschuld an dem Verbrechen angeklagt wurde oder nicht. Er begegnete ihr deshalb mit größtem Respect und berichtete genau der Wahrheit entsprechend. Auf eine noch unaufgeklärte Weise hatte Leone fich au- feiner Kerkerhaft befreit; in demselben Moment, wo die Mannschaft fich nach rechts und links vor dem stchtlich wüthenden Thiers flüchtete, war St. Clair die Treppe heraufgekommen und sofort hatte der Hund stch auf ihn gestürzt und ihn zu Boden geworfen. Auf Ltffas Bitte steuerte man ohne Säumen dem Lande'zu. Tiefschmerzlich zuckte es um ihre Lippen. Wie hätte fie diesen letzten schändlichen Verrath ignoriren, mißverstehen können? — Wie Schuppen fiel e» ihr mit einem Male von den Augen, plötzlich erinnerte sie sich an allerhand Momente und Situationen, wo, wie sie jetzt genau wußte, Valerie absichtlich gesucht hatte, fie zu kränken und bloßzustellen. XI. r „So ist nun endlich nach langen Jahren durch den Tod diese» Elenden und die Papiere, die man bei ihm gefunden hat, das Geheimniß aufgeklärt. Ich wußte ja, Liffa, daß die Unglückliche, die wir in jener Nacht bei um aufnahmen, in irgend welcher Beziehung zu Dir stand. Sonderbar, baß ich fie nicht erkannte, al« ein eigenthümlicher Zufall fie mir ein zweiter Mal zuführte." Der alte Velten und sein kleiner Maat saßen auf ihrem Liebling-Plätzchen vor der Thüre. „Und wenn ich denke, daß dar kleine, hilflose Geschöpf- chen, da« ich damals zu mir «ahm, von so vornehmer Herkunft ist," fuhr der alte Seemann mit ernster Miene fort, „und daß ich meinen kleinen Maat verliere, während die Welt eine reiche Erbin gewinnt! Ja, ja, Liffa, der Gedanke, meinen kleinen Maat zu verlieren, ist bitter, es bedarf der geif# mich daran zu gewöhnen," schloß er mit unsicherer iS —* Stimme und strich dann mit der Rückseite seiner braune»,' schwieligen Hand über die Lider. Liffa sprang auf und stellte sich mit flammenden Augen in strammer Haltung vor den alten Invaliden. „Capitän!" rief fie in lautem, strengem Tons. „Was gisbt's, Maat?" kam dis unsichere Antwort. „Der Herr Capitän haben fich einer unverzeihlichen Kränkung schuldig gemacht!" wetterte der kleine Maat. „Sie haben Ihrem Asststenten, der stch stet» treu bewährt hat, eine grobe Beleidigung zugefügt, ich habe Sie dabei überrascht, wie Sie seine Treue in Zweifel stellen. Sie haben hierfür um Verzeihung zu bitten und wenn ich je wieder ein ähnliches Wort aus Ihrem Munde höre, so ... so übergebe ich Sie dem Gericht. Wohlverstanden, Herr Capitän? Jetzt Kopf in die Höhe und mir in die Augen gesehen 1" Langsam hob der alte Seemann den struppigen grauen Kopf; und wie die jungen, feurigen Augen den seinen begegneten, blickten fie in ein thränenüberströmtes Gestcht. Wo war mit einem Mals des kleinen Maats Manner- würde geblieben? Den soeben noch voll Stolz zur Schau getragenen Muth in alle Winde streuend, brach er in heiße Thränen aus, warf stch seinem geliebten Eopitän an dis Brust und klammerte sich mit einer Innigkeit an ihn, die aller Reichthum der Welt nicht hätte erschüttern können. „Mein Schatz! Mein Liebling! Mein bester aller Väter! Konntest Du wirklich, auch nur eine kurze Secunde lang, glauben, daß dieser Wechsel irgend etwas zwischen uns ändern könnte?" stieß sie schluchzend hervor. Eine Minute lang hielten die beiden treuen Kameraden einander krampfhaft in den Armen- Dann ließ der alte Seemann seinen Liebling los, richtete stch auf seinem einen Beine auf und gewaltsam seine Rührung bekämpfend, meinte er: „Möchtest wohl 'mal sehen, wer da draußen ist!" Aber schon auf halbem Wege lief Liffa dem Kommenden fast in die Arme. „Ah, Herr von Asten!" hauchte das Mädchen, indem s«, dunkelroth erglühend, einen Schritt zurücktrat. Er aber zog die zitternde Gestalt innig an stch und feine treuen grauen Augen tauchten stch mit einer ganzen Welt von Innigkeit und Liebs in dis ihren. „Liffa!" flüsterte er mit vor Liebe zitternden Lippen- Der Ton dieses einen Wortes lehrte da» Mädchen, wie fie diesem Mann Alles in Allem war, bett fie selbst im Stillen von der Stunde an liebte, in der fie ihn bei flackerndem Fackelschein unten am Strande zum ersten Mal gesehen hatte. „Liffa, Sie find plötzlich eine vornehme, reiche Dame geworden und würde ich deshalb wohl nicht wagen, vor Sie hinzutreten und Ihnen zu sagen, wie heiß, wie innig ich Sie liebe, wenn ich nicht schon, bevor ich eine Ahnung von der glücklichen Wendung Ihre« Leben» haben konnte, alle Vorsicht und Vorurtheile in den Wind schlagend, Ihnen Herz und Hand geboten hätte. Sie erbaten stch Bedenkzeit! Liffa, einzig geliebtes Mädchen, find dis Bedenken, die vor wenig Tagen in Ihnen gegen unsere Verbindung ausstiegsn, nicht mit der unerwarteten Wendung Ihres Schicksale« geschwunden? In Ihrem lieben Gestcht, in Ihren schönen Augen glaubte ich etwa« zu lesen, da« für mich sprach. Sprich, Geliebte, habe ich mich getäuscht?" Mit leidenschaftlich zärtlichem Blick suchte er in ihren Zügen zu lesen, aber sie wandte ihr Gesicht von ihm ab und barg dasselbe unter Lachen und Schluchzen an seiner Brust. „Ach, Curt, geliebter Curt!" hauchte fie. „Wie wunderbar hat fich Alle» sür mich gestaltet! Und daß dieser unglückliche St. Clair mir verwandtschaftlich so nahe stehen mußte! Aber weißt Du," fuhr sie erregt fort, „am schwersten trifft mich der Verrath Valeries, ich hatte fie so lieb, baute so fest auf sie!" Thränen de» Kummers fülltet» ihre Augen. Asten« Gestcht wurde sehr ernst. „Denk' nicht weiter an sie, Geliebte," sprach er, „laß die Erinnerung an sie au» Deinem Gedächtnis schwinden, wie 19 sie selbst geschwunden ist. Eie wird Dir keinen Kummer mehr bereiten." ~ „ „War soll das heißen?" fragte Liffa besorgt. „SDie Vergeltung hat sie schnell ereilt- Au» Furcht, al« St. Claire Mitschuldige entdeckt zu werden, ist sie vergangene Nacht freiwillig in dm Tod gegangen. Zuvor hat sie mir reuig bekannt, wie schwer sie sich an Dir vergangen hat." Momentan war Liffa stumm und regungslos, dann sah sie mit bleichem, tiefbekümmertem Gesicht zu dem Geliebten empor. „Ach, könnte ich doch fort, weit, weit fort von dieser Un- glückrstätte, die in den letzten Wochen nur Tod und Jammer brachteI" „Ja, e« waren zu viel der Anstrengungen für Dich, mein arme» Lieb!" suchte Asten sie zärtlich zu trösten. „Du mußt bald die Meine werden, dann machen wir vorerst eine schöne Reise. All' das Neue, Dir Unbekannte, das Du da zu sehen bekommst, wird das Traurige, das Du in jüngster Zeit erlebt hast, schnell in den Hintergrund drängen. Onkel Martin und Guilda müffen dann mit in unser Heim ziehen, sie dürfen uns nicht mehr verlaffen. Komm', Geliebte, faffe Muth. Liegt die Zukunft doch klar und sonnig vor uns." „Halloh! Was ist denn das? Maat, was soll ich von Dir denken?" Dieser unerwartete Ausruf rief Liffa schnell in die Gegenwart zurück. Schuldbewußt, mit dunkelroth erglühendem Gesicht stammelte sie etwa» Unverständliche«, doch kam Asten ihr schnell zu Hilfe. .Da» soll heißen, daß Ihr erster Osfizier einen zweiten Maat an Bord gebracht, um die Lebensreise mit ihm zu wagen! Herr Capitän, Liffa hat versprochen, die Meine zu werden, wenn Sie un» Ihren Segen geben wollen." Lang und durchdringend ruhte der Alten Blick auf Curt von Asten, dann fanden ihre beiden Hände sich zu einem warmen Freundschaftsbund, dem sie treu blieben bi» an ihres Lebens Ende. „Ich heiße Sie willkommen!" sagte der alte Seemann mit biederem Händedruck und fuhr dann, zu Liffa gewendet, fort: „Maat, nicht Dein Hilfsoffizier, sondern Deine ganze Mannschaft für'» Leben macht er un», steh' Deinem Schiffe stet» treu zur Seite, wohin e» geht, folge ihm und finkt es, so finke mit ihm. Je heftigere Stürme kommen, je höher die Wogen gehen, um so fester steht zu einander, bi« die Reise feinem Ende naht und Ihr den letzten großen Hafen vor Euch seht." .Zu Befehl, Capitän I" gelobte der kleine Maatßfeierlich. Die Küche des Sultans. Die Blutthaten in Armenien haben die Aufmerksamkeit von ganz Europa auf die Türkei und ihren Souverän gelenkt und e« wird gewiß viele unserer Leser interesstren, über den letzteren einiges Nähere zu erfahren. An seinem Hofe, da« heißt im Palast von Dolma-Bagdsche, nehmen Tag für Tag nicht weniger (eher mehr) al« sechstausend Personen ihre drei Mahlzeiten ein! E» ist wahrlich keine Kleinigkeit, da« Räderwerk einer solchen Maschine „einzufetten". Die Aufgabe wäre schwierig und eomplicirt genug, wenn jeder zu einer regelmäßigen Stunde und nach'einem ein für allemal festgesetzten Speisezettel effen würde — aber es muß immer mit den Launen de« Souverän» oder denjenigen seiner Favoritinnen gerechnet werden, und mag nun da» Verlangte noch so unvernünftig, unerwartet und geradezu unmöglich sein — man erwartet jede»mal, daß ihm sofort entsprochen werde. Beim geringsten Verzug, beim bescheidensten Einwand entladet fich die Schale der kaiserlichen Ungnade Über dem Haupte de» verantwortlichen Angestellten, und wenn dieser auch nicht immer den Verlust der Freiheit bedeutet, so bedeutet fie doch stet» den der Stelle, oft auch die Confiscation der Güter in der Türkei — denn beide» ist sozusagen solidarisch verbunden. Die Art, wie der Sultan bedient wird, ist wahrhaft wunderbar, und e« kann kaum eine Lücke oder ein Verstoß im Dienst eintrete«. Jede» Departement steht unter der Leitung einer verantwortlichen Oberhaupte», welches über ein ganze« Heer von Dienern oder Sclaven gebietet, seinerseit« aber dem Schatzmeister streng untergeben ist. In diesen verschiedenen Zweigen der Verwaltung ist kein einzige« Weib thätig. Die im Palaste angestellten Weiber stehen jede im persönlichen Dienste ihrer Herrin und haben nur für diese zu sorgen. Im tUfcfgen ist die Theilung der Arbeit im kaiserlichen Hause so seit getrieben, daß sich Niemand braucht zu überanstrengen, außer dem Großkammerherrn und dem Schatzmeister. Der Großkammerherr ist der offizielle Dolmetsch aller Wünsche und Befehle seine» Herrn, darum steht er auch zu jeder Stunde de« Tage» und der Nacht zu dessen Verfügung. Was den Schatzmeister betrifft, so hat auch er in seiner Eigenschaft als oberster Chef de» ganzen im Hause beschäftigten Dienstpersonals eine schwere Last auf seinen breiten Schultern. Schon seine „Einkäufer," die Jeder mit einer ganz bestimmten Specialität betraut find, bilden ein förmliche» Heer. Der Eine z. B. beschäftigt sich mit dem Ankauf der Fische, und alle Tage den Fischvorrath für sechstausend Mäuler zu besorgen, zumal in einer Stadt, welche keinen ordentlichen Fischmarkt besitzt, ist nicht gerade eine Sinekure; die Rotten der Einkäufer müffen ein bi» zwei Dutzend Straßenoiertel durchwandern oder direct mit den Fischern unterhandeln, und jeder von ihnen ist von zwei Mann begleitet, welche seine Einkäufe nach dem Palast zu bringen haben. Wöchentlich sind ungefähr zehn Tonnen frischer Fische für die Palastküche nöthig. Täglich werden im Palast achtzehntausend Pfund Brod verspeist; eher mehr al» weniger, denn die Türken sind starke Brodeffer. Da» Brod wird in coloffalen Oefen, die (tote an anderen Orten die Küchen) außerhalb des kaiserlichen Palastes aufgestellt sind, gebacken. Ein gar.zes Regiment von Bäckern knetet den Teig, andere bringen das Gebackene in den Palast, andere kaufen da« Mehl und das Brennmaterial, welche» von einer Karawane von Kameelen vor den Palast gebracht und dort abgeladen wird. Uebrigens rst da« türkische Brod sehr schmackhaft, leicht verdaulich und in jeder Beziehung vortrefflich, fein Hauptbestandthetl ist Weizen-, welchem Roggen- mehl beigemischt wird. Die speciell für den Sultan bestimmten Speisen werden von seinem Leibarzte zubereitet und niemand sonst darf daran rühren. Die Schüsseln find von gediegenem Gold oder Silber und mit einem breiten Streifen verstegelten Papier« zuge- schloffe«, welches der Großkammerherr vor den Augen seiner Majestät aufbricht, um von jeder Speise zu koste», bevor der Herrscher sie zum Munde führt. Die Speisen werde» immer in demselben Behälter servirt, in welchem sie gekocht worden sind, außer wenn ein itbene« Gesäß gebraucht werden mußte, in welchem Falle es zum Zwecke de« Servicen« in eine Art goldener Glocke eiugeschloffen wird, welche ein Sklave hält, während der Sultan speist. Jede» Gericht erfordert seinen besonderen Dienst und daneben muß ein zweiter Sklave da» Brod oder sonstige» Backwerk auf einer goldenen Platte aufwarten. Für jeden „Gang" braucht er also mindesten« zwei Sclaven — und diese Gänge find zahllos. Gewöhnlich setzt sich der Sultan zum Essen auf einen Divan, der an einem dem Bosporus zugekehrten Fenster steht. Dabei ist er fast immer in Hemdärmeln, und wen» er satt ist, streckt er sich der Länge nach auf dem Divan au», um im Friede» seine Pfeife zu rauchen und dazu einige Taffen Kaffee zu schlürfen. Wehe dem, der fich unterstehen würde, ihn in diesem selige» Momente zu stören! Zum Effen bedient er sich niemals eines Tellers oder einer Gabel; er langt direkt mit den Fingern in die Schüssel, höchstens nimmt er einen Löffel, wenn er Confitüre auf fein Brod träufeln will. 20 Was dar Hauspersonal betrifft, so ißt diese» zu jeder Zeit, wie er jedem gerade beliebt; den niederen Angestellten wird auf einem Tafelbrett, mit Zuthat eine» großen Stück Broder, serviert; einzig die hohen Beamten haben da» Recht zu feinerem Backwerk. Um den Bedürfniffen an Geflügel, Obst und Gemüse für die Küchen zu genügen, läßt der Sultan mehrere große Domänen in der europäischen wie in der astatischen Türkei be- wirthschaften. Zwei davon, nämlich die von Tchachaldia und von AH'Bey-Kani find nahe bei Konstantinopel gelegen, die von Kutschuksch-Kmedge und Boynkchuksch-Kmedge sind nicht weit davon entfernt; die anderen liegen jenseits de» Bosporus. Aus diesen Domänen stammt auch zum größeren Theil die Gerste, der Hafer und das übrige Futter für die kaiserlichen Marställe. Lange Zeit hindurch wurden sie von den Bulgaren gestellt, welche durch eine Art von Conscription zu diesem Dienst ausgehoben waren; der Dienst war ein Frohndienst und mußte gratis geleistet werden. Die Bulgaren waren dabei zu zweien aneinander gekettet, und wurden wie Vieh behandelt; das dauerte für jeden mehrere Monate lang. Da der Boden in der Türkei sehr ergiebig ist, so werden ganz enorme Quantitäten von Gemüse, Obst, Geflügel, Eiern, Butter und Käse gewonnen, welche theils auf der Achse (von Eseln gezogen), theils auf kleinen Schiffen nach dem Palast trans« portirt werden. Reis' wird keiner auf diesen Domänen gebaut, man muß ihn also kaufen, um jeden Tag ein große» Faß mit dem „Piaff" zu füllen, der im Palast confumirt wird, nebst sechs Centnern Zucker und einem gleichen Gewicht von Kaffee (um vom Fleisch, Gewürz und anderer Zubehör gar nicht zu sprechen). Reis und Schaffleisch bilden den Hauptstock der türkischen Nahrung; speciell für den Hof de» Sultans ist täglich obendrein eine halbe Tonne Kalbfleisch erforderlich; dazu kommen noch die Fische, das Gebäck, das gedörrte Obst rc. Der gesammte, für bett Sultan bestimmte Wasservorrath stammt aus den beiden Quellen „Baicon" und „Kanil-Korak" welche, nicht weit vom Schwarzen Meere weg, in den Bos» porus fließen; es wird dort in Fässer geschöpft und dann in den Palast geführt. An dieser Hausordnung im Palast wird nichts geändert, wenn ihn der Hausherr auch zeitweise mit einer andern feiner „Residenzen" vertauscht. Er verlangt, daß man überall und zu jeder Stunde aus seine Ankunft gefaßt, daß folglich alle» für ihn in Bereitschaft sei. Wenn es ihm einmal beliebt, mitten in der Nacht zu kommen — was durchaus nichts seltenes ist — so darf sich niemand überraschen lassen, und er will jeden seiner Befehle sofort vollzogen wissen. Au» diesem Grunde muß ein gesatteltes Pferd und ein bespannter Wagen jederzeit zu seiner Verfügung stehen für den Fall, daß er eine Wohnungsveränderung vornehmen wollte. Sein Lieblingsaufenthalt ist übrigens Mdtz-KMk. Er braucht kaum gesagt zu werden, daß diese» System von Haushalt ganz enorme Verschwendungen und Verschleuderungen verträgt und daß Tag für Tag eine solche Masse von Lebensmitteln unbenützt verloren geht, daß sie zur Speisung von hunderten von Familien genügen würde. Allerdings fällt für die Bettler etwas ab, aber der größere Theil kommt den Hunden zu gut, von denen die Straßen wimmeln. Man schätzt die täglichen Ausgaben für das kaiserliche Haus auf eine durchschnittliche Jahressumme von nahezu 200 Millionen, nämlich: Erneuerung des Mobilars, Bettzeug und Teppiche 15 Mill. Kleider, Pretiosen, Kosmetika rc. für die Fraue« 50 „ Diverse Liebhabereien 65 „ Geschenke und Löhne 20 „ Gold- und Silbergeräth 12*/2 „ Ankauf und Unterhalt und 474 Wagen und Gespannen 2‘/s „ Küchenbedarf 25 „ Wahrscheinlich ist diese Totalsumme noch unter der Wirklichkeit, denn man muß auch die Launen und Gelüste der Favoritinnen in Anschlag bringen, und diese Launen find unberechenbar. (Barl. Nachr.) Z Gemeinnütziges. Ist ein Local feucht? Die Beantwortung dieser Frage, die oft genug an den Arzt herantritt, ist nicht leicht. Denn ein Raum kann auch feucht sein, wenn nicht gerade der Salpeter auf den Wänden blüht oder die Pilze in den Ecken sprossen. Hier eine leicht auszuführende Probe: Man giebt in den verdächtigen Raum genau ein Kilogramm frisch gelöschten Kalk, schließt dann hermetisch Fenster und Thüren. Nach 24 Stunden wiegt man den Kalk von neuem. Wenn bis Gewichtszunahme mehr als 10 Gramm, d. h. mehr al» ein Proeent beträgt, dann ist der Raum als seucht und gesundheitsschädlich zu erklären. — Um Wohnungen trocken zu halten, ist e» unbedingt nöthig, die Fenster längere Zeit offen zu halten. Wo die» nicht geschieht, entsteht durch in Küchen und anderen Räumen sich ansammelnden Wafferdunst Feuchtigkeit an Wänden und Fenstern, an der Decke und auf dem Fußboden. Die Klagen Über feuchte Wohnungen würden seltener, wenn die Fenster mehr geöffnet und der Wafferdunst nicht an seinem Entweichen in'» Freie gehindert würde. Das Keimen der Spetsekartoffekn wird häufig im Frühjahr beklagt, was jedoch nur möglich ist, wenn die Kartoffel fest liegt, d. h. so liegen bleibt, wie sie im Herbste eingebracht worden ist. Ein Umschaufeln mit einem hölzernen Geräthe alle 14 Tage vorgenommen, verhindert da» Keimen. Literarisches So sehr auch die Erziehung des modernen weiblichen Geschlechts berechtigter Weise dem Erwerbsleben zudrängt — unbestritten ist es, daß der wahre Berus der Frau im Hause liegt. Die Erziehung für das Haus sollte deshalb schon früh beginnen, ehe diejenige für einen Beruf überhaupt in Frage kommt. Diesem wichtigen Princip huldigt die Monatsschrift: »M«i« Ha«S tWtltt« Wett", herausgegeben von Johanna von Sydow (Verlag von Max Pasch, Berlin SW., Ritterstr. 50). Der Inhalt des vorliegenden Januarheftes ist wieder ein so reichhaltiger und practischer, daß wir das Blatt nur auf das Wärmste empfehlen können. — Eingeleitet durch einen tief poetischen Meujahrsgruß von Frida Schanz, beginnt der neue Jahrgang mit einer stimmungsvollen Novelle von Zoo von Reuß: „Alle z'sammen". W. von Gehren bespricht die „Gesellschaftliche Repräsentation", W. Gleim: „Hygiene und Hausfrau"; I. Berger plaudert über „Ordnungsliebe und Sauberkeit", A. Ludwig über den „Damenhut im 19. Jahrhundert." Der practische Theil enthält: den „Einkauf im Januar" von H. Ort; „Eine gastronomische Plauderei über die Auster"; „Speisezettel" von Marianne Bremer; „Englische und amerikanische Recepte" von S. Olden; „Neuheiten für Küche und Haus", sowie den Ansang einer Serie: „Wie soll die junge Hausfrau kaufen ? Zur Kenntniß der Maaren und ihrer Verfälschungen" von Louise Holle, ein Artikel, den kerne Hausfrau ungelesen lassen sollte. Eine reiche Auswahl von practischen Notizen beschließt das interessante Heft. Der Preis ist 50 Psg, vierteljährlich Mk. 1,50. Probenummern werden gratis von der Ber- lagshandlung geliefert. * * * Die höchste Frseude der Mutter, ihr ganzer Stolz, ist das Wohlergehen ihrer kleinen Lieblinge. Wer könnte dies wohl besser fördern, als das in erster Linie darauf bedachte, practische Modenjournal: (Verlag von John Henry Schwerin, Berlin W. 35), mit doppelseitigem Schnittmusterbogen zu jeder Nummer und der Beilage „Für die Jugend". Dieses, in 108,000 Familien heimische, große Ersparnisse erzielende Blatt lehrt Selbstanfertigung der Kindergarderobe durch die Mutter, sowie Selbstanfertigung des Spielzeuges durch die Kinder, letzteres aus sonst werthlosen Abfällen des Haushaltes. Es giebt auch Anleitung, wie aus der Garderobe Erwachsener gut sitzende Kindersachen angefertigt und letztere umgeändert werden können. Modellirbogen, Bilderbogen zum Austuschen, Gesellschaftsspiele, illustrirte Märchen rc. rc. bringt „Kindergarderobe" in buntem Wechsel und kostet doch nur 60 Pfg. vierteljährlich. Gratis-Probenummern und Abonnements durch alle Buchhandlungen und durch den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. Abonnements auch durch die Post. Redae^on: A. Schehda. — Druck und 8 erlag der Brühl'schm UniversiMS-Buch- mi» Steindruckerei (Pietsch & Scheyd«) in Gieße«.