Nr. »4 1896. DsrmerStag bett 13. August ■ smiliskßl'äUsk löKSKSk i_r> tnxv-.'v'- % UiltrrhaUmgMatt ;um Meßmer Anzeiger (General-Anzeiger) Der Doppelgänger. Novelle von I. Piorkowska. (Schluß.) Rasch trat Oswald hinzu, um ihr bet dem vergeblichem Bemühen, sich wieder loszumachen, behülflich zu sein. „Sie gestatten, mein gnädiges Fräulein I" Diese einfachen Worte berührten eine verwandte Saite in ihrer Brust. Wo hatte sie dieselben schon einmal von seinen Lippen gehört? „Ah, jetzt weiß ich es!" sprach sie und sah lebhaft zu ihm auf. Oswald erblaßte. Wußte sie es wirklich? Was bedeutete der muthwillige Blick in ihren schwarzen Augen? „So erinnern Sie sich wirklich, wo Sie mich — oder vielmehr meinen Doppelgänger gesehen haben?" fragte er. „Ihren Doppelgänger — Sie entschieden nicht," erwiderte sie lachend, „Ihre Cousine — Frau von Trebnitz ist doch wohl Ihre Cousine? — sie hat den komischsten Kutscher, den meine Augen je gesehen haben!" „Und diesem komischen Kutscher soll ich ähnlich sehen?" „Ich will Sie nicht beleidigen," fuhr Helene munter fort, „aber wahrhaftig, diese Aehnlichkeit ist ganz wunderbar! — Uebrigens knüpft sich eine kleine Geschichte an diesen Kutscher — wenn Sie wollen, erzähle ich sie Ihnen." „Wie Sie soeben sagten," fuhr Helene fort, nachdem sie mit ihrer kleinen Geschichte zu Ende war. „Sie gestatten, mein gnädiges Fräulein," mußte ich unwillkürlich daran denken, wie er vom Bocke sprang und mir den Klingelknopf aus der Hand zog. Sein übergroßer Eifer machte mich ein wenig stutzig, doch flößte mir seine ganze Erscheinung solche Furcht ein, daß ich nichts zu sagen wagte. — Vor Ihnen braucht man sich sicher nicht zu fürchten? — und doch," sprach sie wie sinnend weiter, „haben sowohl Ihre Züge wie Ihre Stimme eine ganz wunderbare Aehnlichkeit mit dem Kutscher. Es darf Sie das wirklich nicht kränken, denn wie ich schon sagte, war es ein Kutscher ganz außergewöhnlicher Art." Wieder derselbe Blick! War das Bosheit, die aus diesen schönen dunklen Augen sprach? „Wissen Sie," Hub sie, müßig mit ihrem Fächer spielend, nach kurzer Pause in unschuldigem Tone wieder an, „noch nie in meinem Leben habe ich aber auch eine so wunderliche Livree gesehen, wie die Trebnitz'sche!" „Ich habe darauf wirklich noch nicht geachtet," versetzte Oswald, geflissentlich ihrem Blicks ausweichend, „warum aber machen Sie Frau von Trebnitz nicht darauf aufmerksam? Sie find ja wohl sehr befreundet mit ihr?" „Sehr — wir haben überhaupt kein Geheimniß vor einander." Wieder schaute sie schalkhaft lächelnd zu ihm auf. War es nun der eigenthümliche Ausdruck seine« Gesichtes oder ein spaßiger Gedanke, der ihr durch den Kopf fuhr, genug, plötzlich brach sie in ein heiteres Lachen aus und sagte dann: „Da fällt mir noch etwa« höchst Komischer von dem Kutscher ein, was ich Ihnen zu erzählen vergaß; er grüßte nicht wie ein Kutscher, sondern nahm wie ein feiner Herr den Hut vor mir ab. Das Wunderbarste aber kommt noch. Denken Sie," und wieder suchte ihr muthwilliger Blick seinem ausweichenden Auge zu begegnen, „denken Sie, beim Abschied reichte der Mensch mir die Hand!" „Wie? Soweit hat sich der Mensch, dieser dreiste Kutscher, vergessen!" stieß Oswald unwillkürlich hervor. „Das muß ich meiner Cousine, Frau von Trebnitz melden, und wenn sie ihn nicht über diese Dreistigkeit zur Rede setzt, so werde ich e» thun." „O, Herr von Burgstedt, ich bitte, strafen Sie den Kutscher nicht, denn er war in jener Nacht mein treuer Beschützer und hat es sicherlich gut gemeint, als er mir herzlich die Hand reichte. Sicherlich hat der Kutscher ein gutes Herz!" „Meinen Sie!" kam es jetzt mit seltsamer Betonung von Oswald» Lippen und verlegen und doch innig hing sein Blick an den Augen des schönen Mädchen». „O, gewiß hat dieser Kutscher ein gute« Herz, denn er konnte e» nicht über sich gewinne», mich so allein an der verschlossenen HaMhür stehen zu lassen," entgegnete Helene und ihre Stimme wurde wärmer. „Also Sie versprechen mir, Herr von Bsrzstedt, daß Sie Ihrer Frau Cousine nichts vLvo« daß deren Kutscher sozusagen au» Edel« muth, au» Nächstenliebe eine kleine Taktlosigkeit beging." „Ja, ich verspreche es Ihnen, und zwar sehr gern," er« widerte Oswald von Burgstedt aufathmend, denn es wäre ihm ja sehr fatal gewesen, mit seiner stolzen Cousine die Kutscher-Affair«, in welcher er seine Roll« zuletzt so bedenklich ungeschickt gespielt hatte, nun in diesem Sinne zu verrathen." „Und Sie sollen erfahren, daß ich für Ihre Verschwiegen- heil nicht undankbar bin," bemerkte Helene von Pellheim lächelnd. Wenn Sie wollen, Herr von Burgstedt, so lasse ich Sie durch meinen Onkel, den Baron von Rudorf, zu seiner letzten großen Jagd einladen." „O, diese Einladung werde ich mit großem Danke an- nehmen, denn di« Jagden des Barons von Rudorf sind sehr berühmt, und ich hatte noch nicht die Ehre, bei ihm Jagd- gast zu sein. Und nun möchte ich mir eine Frage gestatten, verehrtes Fräulein. Sie find doch hier bei Ihrer Coustne Frau von Pellheim nur zu Besuch. Wann werde ich wohl die Ehre haben können, Sie wieder einmal zu sehen?' „Ich bin eine Waise, meine Eltern find leider längst tobt,' sagte jetzt das schöne Mädchen ernst. „Seitdem ich voriges Jahr die Pension verlassen habe, lebe ich meistens im Haufe meines Vormundes und Onkels, des Barons von Rudorf. „Nun, so werbe ich also zur Jagd Ihres Onkels das Vergnügen haben, Sie in dessen Schloß zu sehen." „ «W hoffe es," erwiderte das schöne junge Mädchen mit leichtem Erröthen und erhob sich von dem Divan, auf welchem sie neben Oswald gesessen hatte. „Unser längeres Verweilen hier könnte von meiner, Cousine mißliebig vermerkt werden, Herr von Burgstedt," flüsterte Helens da«, noch, „und heute verweile ich gerade nicht gern in ihrer Nähe, den« ste scheint es zu wünschen, daß ihr ältlicher Bruder, der Regierung,rath von Wurmb, mir den Hof macht, und offen gestanden, ich kann ältere Herren als Verehrer nicht leidrn." Diese letzten Worte trafen Oswald von Burgstedt, welcher eben zum Abschied eine Verbeugung vor Helene von Pellheim machte, wie ein elektrischer Schlag. Mit seinem scharfen Verstände übersah er sofort die ganze Situation des jungen elternlosen und wahrscheinlich reichen Mädchens, welches unter der Protection ihrer Coustne, der Frau von Pellheim, ohne Zweifel an deren Bruder verheirathet werden sollte, ohne daß man auf dar Herz der jungen Dame, die diesen Freier nicht leiden mochte, irgend welche Rücksicht nahm. ,,O, wenn Sie gestatten, so werde ich Sie heute Abend vor diesem unliebsamen Verehrer einigermaßen schützen, gnädiger Fräulein," erklärt« Oswald keck. „Ich bitt« noch einmal um Ihre Tanzkarte. Darf ich die Ehre haben, die beiden noch unbesetzten Tänze mit Jhnen?zu tanzen,? Es wird sich auf diese Weise schon Gelegenheit finden, daß Herr von Wurmb nicht allzuviel in Ihrer Näh« weilt." , »IS n^me Ihre Freundlichkeit an," flüsterte das junge Mädchen und reichte Oswald ihre Tanzkarte. Aber kaum hatte er dieselbe in die Hand genommen und noch zweimal seinen Namen darauf geschrieben, als auch schon hinter ihm die laute Stimme der Frau von Pellheim erklang «n -Helene', Helene!" rief die stolze Dame des Hauses. „Wo steckst Du denn nur? Du hast ja noch gar nicht mit meinem Bruder getanzt. Rundtänze liebt er nicht mehr, aber einen Contre wird er sehr gern mit Dir tanzen. Komm Kind, wir müssen eilen, eben soll die Quadrille a la cour beginnen." „Ach verzeihe, liebe Coustne," bat Helene vor, „ich glaubte wirklich, daß der Herr Regierungsrath gar nicht gern tanze, er hatte ja nur die Polonaise sich von mir aus- gebeten, und da habe ich inzwischen die anderen Tänze vergeben." 0 , . Eine dunkle Blutwelle schoß der Frau von Pellheim Antlitz, aber ihr Aerger dauerte nur einen Augenblick, dann beherrschte ste sich und sagte: m «'Das ist aber schade, sebr schade, Helene. Aber wenn die Quadrille vorbei ist, werde ich Dich mehr in meine Obhut nehmen müssen. Du bist noch zu sehr Schmetterling und die müssen gehütet werden." Mit einem bösen Seitenblicke auf Oswald von Burgstedt rauschte Frau von Pellheim davon, und dieser bot lächelnd Helene den Arm und führte ste zur Quadrille. Siegreich zog an diesem Abende di« Liebe zu Helene in Oswald» Herz, aber damit packte ihn auch zugleich der Zweifel, ob er, der junge Referendar, der erst nächste» Jahr sein Affessorexamen machen wollte, wirklich mit Erfolg um Helenens Hand freien und den Nebenbuhler, den offenbar von den Verwandten begünstigten Regierungsrath, verdrängen werde. IV. Zwei Wochen nach dem Ballfeste im Hause der Frau von Pellheim erhielt Oswald von Burgstedt richtig eine Ei», ladung von Baron von Rudorf zu dessen Jagd. Oswald schwelgte über diese Einladung, deren liebenswürdige Ursache er ja nur zu genau kannte, in den schönsten Hoffnungen auf sein nahes Liebesglück, und nur der Gedanke, daß auf Veranlassung der Frau von Pellheim, die ja jedenfalls mit dem Baron von Rudorf verwandt war, auch deren Bruder, der ältliche Regierungsrath zur Jagd erscheinen und dann im Hause des Barons als Freier Helenens auftreten werde, störte zuwellen die Glücksträume des jungen Mannes. Aber frisch gewagt, ist halb gewonnen, das war jetzt Oswalds Wahlspruch, und er beschloß daher, sich bei Helenen, Onkel sowohl als Jäger, wie auch als Freier um die Hand von dessen schöner Nichte in das beste Licht zu setzen. Bald hatte Oswald auch noch von zwei bekannten Herren erfahren, daß sie ebenfalls zu der Jagd «ingeladen waren, und sofort wurde zwischen ihnen verabredet, gemeinsam in einem Wagen nach Schloß Rudorf zu fahren. Da der junge Referendar von Burgstedt au» Klugheit,- gründen kein Freund unnöthiger Geldausgaben war, so schlug er sofort vor, sich zu der Jagd den Wagen seiner Cousine, der Frau von Trebnitz zu leihen, und er wußte auch ganz genau, daß ihm diese Bitte erfüllt wurde, denn Herr von Trebnitz weilte noch immer wegen einer schwierigen Erbschaft,- angelegenhett in Oesterreich und dessen Kutschpferde hatten wenig zu thun. Zu der Jagd nahm Oswald aber nicht den Landauer seiner Cousine, sondern er wählte dazu den ele- ganten neuen Jagdwagen, welchen Herr von'Trebnitz «st letzten Herbst gekauft hatte. Oswald lenkte stolz, wie es bei Jagdfahrten üblich ist, den Wagen selbst, hinter ihm saßen die beiden bekannten Herren, die mit ihm zur Jagd fuhren, und ganz hinten auf dem Wägen mußte al» Diener der alte Kutscher Martin Platz nehmen. fuhr an dem schönen Wintermorgen Oswald nach Schloß Rudorf zu. Kräftig hieb er einige Male auf die etwa« faulen Pferde ein, sodaß dieselben schneidig mehr im Galopp als in sanften Trabe die Strecke zurücklegten. Oswald wollte an diesem Tag« in jeder Beziehung einen guten Eindruck in Rudorf machen. Wie die wilde Jagd donnerte der Wagen in den Schloßhof ein, gewandt und keck sprang Oswald vom Wagen und warf dem schwerfällig herbeieilenden Martin die Zügel zu. Herzlich wurde Oswald von dem ehrwürdigen Jagdherrn, Baron von Rudorf, begrüßt und nebst den anderen Jagdgästen in «inen großen Saal zum Frühstück geleitet. Vergeblich sah er sich aber nach der Angebeteten seines Herzen» um, Helene, die schöne, liebenswürdige und geistreiche Nichte des Baron, war nirgends zu erblicken, und Oswald wagt« es nicht, nach ihr zu fragen. Zu seinem großen Aerger bemerkte er aber bald den Regierungsrath, Frau von Pellheims Bruder, unter den Jagdgästen und schwarz« Gedanken stiegen nun in Oswalds argwöhnisch gewordenem Herzen auf. Gewiß war Frau von Pellheim auch auf Schloß Rudorf anwesend und wußte dafür zu sorgen, daß er Helenen nicht sah. Wenig« Mimten später wurde da« Signal zum Aufbruch zur Jagd gegeben, aber Oswald beellte sich heute nicht, der Erste zu fein, der da« Schloß verließ, denn noch immer hoffte er Helenen zu sehen und wenigstens einen Blick von ihr zu erhaschen. Er lief sogar zu diesem Zweck« noch einmal in die Vorhalle des Schlosses zurück, als bereit» alle Jäger aufgebrochen waren. Und da hatte er das Glück, - M - Helenen zu scheu, wie ste langsam die Treppe herabstleg. Höflich zog er den Hut und machte eine tiefe Verbeugung. Aber da» junge Mädchen starrte ihn staunend mit ihren großen dunkeln Augen an und sagte kein Wort. »Gnädige« Fräulein, St» erkennen mich wohl nicht gleich," rief er erstaunt. »D doch, Sie find der höfliche Kutscher der Frau von Trebnitz," antwortete fie kühl und versuchte zu lächeln. Oswald schoß da» Blut nach dem Kopfe- Die graue Joppe, di» Gamaschen und der kleine grüne Hut hatten ihn in de» Augm der Angebeteten wieder seiner verwünschten ehemalige» Kutscherrolle ähnlicher gemacht, al» er voraurgesehen. S^erehrt» Fräulein, Sie täuschen sich," rief er erregt, der leibhaftige Oswald von Burgstedt und nicht der Kutscher meiner Cousine." »Aber diese ganz unverkennbare Aehnlichkeit, ja voll» ständige Gleichheit des Gesichts und der Stimme bei Ihnen und dem Kutscher," entgegnete das junge Mädchen, „und Sie lenkten doch auch vorhin die Pferde des Wagens als Kutscher." »Aber verehrtes, liebe» Fräulein, erkennen Sie mich denn nicht vom letzten Balle bei Pellheims her noch." „Ich weiß das Räthsel nicht zu lösen," entgegnete die junge Dame, „denn nach meiner Ansicht find Sie und der sonderbare Kutscher, der mich in jener Nacht zu Hause fuhr, dieselbe Person/ Oswalds Nulfe hämmerten und der AHzstfchweiß trat ihm vor bi» Stirn aus Verlegenheit. Sollte « das Räthsel durch ein offene« Eingeständniß der Thatsachs lösen, daß er damals seiner Cousine zu Liebe den Kutscher gespielt hatte? Aber dies« Affaire kam ihm doch zu lächerlich vor und schließlich glaubte ihm die heute sehr mißtrauisch angelegte Helene doch nicht, und dann hatte er sich umsonst blamirt. Auch fürchtete er noch immer den Zorn seiner Coufinen, wenn er sich selbst verrathe und diese und sich lächerlich mache. „Also Sie glauben und vertrauen mir, dem ehrbaren Oswald von Burgstedt, nicht mchr, Fräulein Helene," frug er dann in wehmuthsvollem Tone. „Nein!" erklärte sie kurz und scharf. „Erst muß bas seltsame Räthsel gelöst sein, ehe ich Ihnen wieder mit Ver- trauen begegnen kann." Oswald seufzte tief und suchte verzweifelt nach einem Auswege. „Es kann ja fein, daß ich das Räthsel später Ihnen vollständig lösen kann, aber heute ist es mir unmög' lich," stotterte er dann verlegen. „Nun, so kommen Sie später einmal wieder, wenn das Räthsel gelöst ist," bemerkte fie ablehnend und wandte sich mit einer leichten Verbeugung zum Gehen. Oswald biß sich vor Aerger dis Lippen wund. Diese Worts Helenens klangen ja wie ein Korb und er stand nun ohnmächtig und abgchlitzt da. Da eilte auf einmal vom Schloßhofe der Kutscher Martin daher und rief mit lauter Stimme: „Herr von Burgstedt! Herr oon Burgstedt! Der Herr Baron läßt bitten!" Diese Worte trafen Oswald wie ein electrischer Schlag, aber auch Helene wandte sich plötzlich um und den dicken Martin schwerfällig herbeispringen sehend, sagte ste: „Also Sie sind der Kutscher der Frau von Trebnitz." „Jawohl, gnädiges Fräulein!" antwortete Martin prompt und zog nach der Art der Diener den Hut. „Sind Sie schon lange in Ihrem jetzigen Dienste?" frug Helene weiter. „Ja, gnädiges Fräulein, schon viele Jahre." „Warum fuhren Sie aber da neulich, als die Baronin von Sagan einen Ball gab, Ihr» Herrin nicht?" forschte da» junge Mädchen peinlich wie ein Untersuchungsrichter. „Weil ich den Fuß vertreten hatte." „Wer fuhr denn da Frau von Trebnitz zum Balle und holt» auch mich mit dem Wagen ab?" „Herr von Burg .... nein, darüber muß ich ja schweigen," stotterte der alt» Martin und wurde ganz roth vor Verlegenheit, daß er sich »erschnappt hatte. „Ich danke Ihnen," entgegnete Helene und fügte freund» lich hinzu, „melden Sie meinem Onkel, dem Herrn Baron von Rudorf, daß Herr von Burgstedt gleich kommen wird." Oswald verstand den zarten Wink und blieb «och einen Augenblick. „Bin ich denn nun endlich gerechtfertigt," sagte er lrise zu Helenen, „und erkennen Sie mich nun vollständig al» den Referendar von Burgstedt an." „Ja, ich thue es vollkommen, Sie stolzer, hartnäckiger Mann, der mir nicht zutraute, daß ich ihm die allerliebste Kutscherrolle verzeihen würde," erklärte Helen» und reichte Oswald die Hand. „Aber Fräulein, liebst» Helene, ich bin nicht stotz und hartnäckig, ich hatte aber meiner Cousin» Verschwisg«cheit gelobt und ein Mann darf sein Wort nicht brechen." „So achte ich Sie nun um so mehr." „Achten, nur achten," bemerkte Oswald mit einem wehmüihigen Tone. „Ich glaubte, daß sich unser» Herzen zu einem schönen Bunde für» Leben füdan würde«. Darf ich nicht mehr hoffen, Helene?" Da» schöne jung» Mädchen senkt» in holdseliger Verwirrung die Augen unb Oswald zog sie stürmisch an sein Herz und jubelte: „So bist Du nun mein und sch«» morgen werde ich osficiell Deinen Onkel um seinen Segen für un» bitten." Der Mensch lebt nicht vom Brod allein. ——- (Nachdruck nerßetee.) Die Bewohner Europas verzehren in einem Jahre nicht weniger al« 6,470,000 Ton« (1 To« =— 1015 Ktlogr.) von Rind«, Schaf- und Schweinefleisch, ungerechnet da» in neuerer Zeit immer mchr in Gebrauch kommende Pferdefleisch. Paris allein schlachtete im letzten Jahre 11,862 Pferd» für menschlichen Gebrauch, Amerika »xportirte nach Europa in derselben Zeit 514,000,000 Pfund Speck, 84,000,000 Pfund Schinken und 81,000,000 Pfund Schweinefleisch. Auf jeden gesunden Europäer kommen tm Durchschnitt 61 PfuM Fleisch pro Jahr. An Zucker verbraucht er ungefähr 29 Pfund. England importirte letztes Jahr 3,556,000,000 Pfund fremden Zuckers, ungeachtet des Produktes der englischen Colonien. Die Austernfischereien der Welt produziren jährlich 4,439,000,000 Austern, die mehr als die Hälfte frisch verzehrt werden müffen, und Frankreich allein erzeugt und verbraucht 350,000 Fäßchen anderer eßbarer Muscheln und 2000 Tonnen Wetnbergaschnecken. 18,000 Dutzend Froschschenkel ist der jährliche Verbrauch der Pariser Restaurant». Der Verbrauch von Radieschen ebendaselbst beträgt 5000 Tonnen das Jahr. Zur' Würze zunserer Speisen dienen 5000 Tonnen von Gewürznelken unb für etwa 600 000 Pfund Sterling schwarzer Pfeffer. Italien exportirte im letzten Jahr 480,000,000 Dutzend Eier- Für unsere Kuchen und andere Backwaaren werden 56,000 Tonnen Korinthen, sämmtlich griechische» Gewächs, verbraucht. An Orangen exportirt Italien 2,500,000,000 Stück, Spanien 1,400,000,000, Portugal 80,000000, Paraguay und Florida 60,000,000 jährlich. 95,000 Tonnen «epfel sendet Amerika nach England. Der Werth der alljährlich erzeugten Coeurnüffe wird auf 12,000,000 Pfund Sterling geschätzt. Frankreich und Spanien versenden jährlich, zumeist nach England und Amerika 93,000 Tonnen Sardinen- 140,000,000 Gallonen (1 Gallone ■=• 4’/2 Liter) Olivenöl kommen in den Handel. Vieles davon ist nicht echt, und es ist erwiesen, daß allein über 500 Tonnen Baumwollensamenöl raffintrt und al« Olivenöl verkauft werden. Unter allen europäischen Nationen verbraucht di» englische das meiste Salz, nämlich etwa 40 Pfund jährlich pro ~ 376 Gemeinnütziges <$«• tocttidctt Wtinutcn ist jede Haussrau täglich in der Lage?*einsn*klaren Überblick über ihre Wirthscha sts- ausgaben, über den Stand der Finanzen zu gewinnen, wenn ste sich mit Sophie Müllers Haushaltungsbuch für alle Tage des Jahres regelmäßig befaßt So trocken und prosaisch eine solche Beschäftigung vielleicht mancher Dame auf den ersten Blick erscheinen mag, so interessant wird sie für jede denkende und sorgende Hausmutter, die au« den von ihr in die Rubriken eingetragenen Zahlen herausliest, wo cs noth thut, im Haushalt für die Folge zu sparen, und wo es das Budget erlaubt, sich noch Mehrausgaben r» gestatten. Die practifche Seite, ja die Unentbehrlichkeit eines solchen Hilfsmittels für Führung eines geordneten Hauswesens be. darf wohl keiner besonderen Erläuterung. Es erübrigt somit zu betonen, daß das uns vorliegende „Haushaltungsbuch von Müller (aus dem Berlage von Otto Msier, Ravens- bürg) in zweckdienlicher Einrichtung, in überfichtltcher und vollständiger Anordnung, in leichter Anwendbarkeit nichts zu wünschen übrig läßt- Auch ist die Ausstattung des eartonirten Merkchens eine recht hübsche, und bei dem billigen Preise (60 Pfg.) kann es selbst gleich als ein Muster der Monom e gelten. Für zwölf Monate des Jahres zum täglichen Ge- brauch eingerichtet, wird Müllers „Hausholtungsbuch' in lebet« Hausstande, in welchem Sinn für Sparfamkett und Ordnungsliebe heimisch sind, als guter Rathgeber und Führer wohl willkommen sein und sicher großen Nutzen stiften. Das „Haushalturigsbuch" ist, wie uns mitgetheilt wird, in der A Ricker'schen Buchhandlung, Südanlage Rr.5, vorräthig. Kopf. Die Amerikaner mit 39 Pfund kommen ihr am nächsten. „ Im Verbrauch von Käse steht der Däne mit 22 Pfund jährlich obenan. t Ein Statistiker hat herausgesunden, daß e n Mensch während seiner Leben« nicht weniger als sieben vi rspännige Wagenladungen mehr Nahrung verbraucht, als er bedarf oder ihm gut ist. Rudolph Schück. kühlen und gießt sie noch warm in einen leinenen Beutet, einen Filz- oder Flanellfilter ober ein Haartuchsteb, in das tnan vorher ein Flanelltuch gedeckt hatte. Der Saft soll langsam, ohne daß gerührt ober gedrückt wird, abtropfen. Nun wird derselbe in einem Kessel wieder auss Feuer gesetzt und nah dem der nöthige Zucker hinzugethan (pro Liter 125 Gram» i/ Stunde gekocht und geschäumt. Dann füllt man ihn mß heiß in ganz reine, vorher ausgetrocknete und etwas angd wärmte Flaschen, die sosort sorgfältig verkorkt und verladt werden. Der Saft hält sich an kühlem Orte fahrelang uni ist von vorzüglicher Qualität. ♦ ♦ * Apfelmus. Der im Beutel oder im Filter zurüt bleibende Brei wird nun portionsweise in ein HaartuW geschüttet und mittels energischen Rührens dmchgericki Dabei wird das Fruchtmark abgesondert und auf^faW und es bleiben nur die wenig wohlschmeckenden Theile (Schm Kerne, Gehäuse) im Siebe zurück. Ist der Brei allzu trod« geworden, so muß er mit kochendem Wasser vermischt, ch etwas verdünnt werden. Das durchgeriebene Mus bri^ man mit etwas Zuckerzusatz ebenfalls aufs Feuer , läßt« unter fortwährendem Rühren kochen, bis es st zu puffen beginnt, nimmt, es dann Anell ab und füll « bald in Häfen, die man mit Salicplt nktur (5 Gramm SM auf 50 Gramm Alkohol) ausgespült hat. Auf die M legt man ein mit obiger Tinktur getränk es Löschblatt u. bindet dann die Häfen mit Pergamentpapier zu. Das U zeichnet sich durch feinen Wohlgeschmack aus, hält sich-- Jahr und sollte erst im Winter und Frühjahr, sobab i- Aepsel knapp find, verzehrt werden. ♦ ♦ Stachelbeervermehrung aus Stecklingen geltz im August ans krautartigem Holz am besten. Gegen den Mehlthau auf Roseu wurde bich als wirksamstes Mittel Schwefelpulver angewendet, wm die von Pilzwucherungen befallenen Pflanzen bestreut wurta Neuerdings hat nun ein fra ösifcher Rosengärtner ein neu» einfaches Mittel vorgefchlazen, da, sich als sehr wirksam !» weisen soll. Dasselbe besteht darin, daß man die Blätter w Zweige der ergriffenen Pflanzen mit einer Auflösung i- Küchensalz in Wasser (im Verhältniß von 3 Klg. Sah: 100 Liter Wasser) tüchtig bespritzt. Dieser ersten Anwendu soll man nach 12 Stunden eine zweite mit einer schwäch» Salzlösung 1 Klg. Sal, aus 100 Liter Wasser) folgen last Das Bespritzen sollte bei trüber Witterung oder Abends «o genommen werden- Literarisches Hebet das Benehmen der Radfahrerin. Jeder « fahrer hat das Recht, die Fahrerin mit „All Heil" zu begrüßen, » sie zur Erwiderung verpflichtet Fremde Radfahrerinnen gruß° in der Stadt nie, es ist jedoch üblich, bei Begegnungen auf w» Touren den Sportgruß zu wechseln. Auf der wenig befahrene M straße eröffnet die Dame den Rergen, in der Stadt fährt em ge Fahrer voraus. Damen sollen möglichst nie bergauf fahren un| so forciren, daß sie abgehetzt aussehen Eine Dame darf m Ge eil, w eines Verwandten oder nahestehenden Freundes allem ausfahren, wohl es nicht unschicklich ist, eine kleine Besuchsfahrt und ohne 1 Begleitung zu unternehmen, soll dies doch möglichst vermieden , Bei Unfällen, Belästigungen durch Kutscher, Passanten re darf I Radfahrerin auch fremde Sportgenossen um Hilfe angehen, ü Altersgrenze für die Radfahrerin ist dieselbe wie für anderen V, Wer noch eislauft oder das Pferd besteigt darf auch radelrn D'l Sentenzen entnehmen wir einem ausführlichen Artikel der > Modr-, Heft 22. Dieses eben erschienene Heft enthalt autzer prachtvolle Kleider und Handarbeiten und ist besonders s»ner farW ! Toiletten wegen sehenswerth. Jede Abonnentin erhalt Schn tte^ i Maß gratis in der Schnittmusterabthellung der „Wiener \ Wien, Wienstraße. Galläpfel werden in den seltensten Fällen verwerthet; ste bleiben entweder unter dem Baum liegen und verfaulen ober werden den Schweinen vorgeworfen. Beides ist unökonomisch. Der Futterwerth ist sehr gering unb bas Ver- faulenlaflen ist nur im Interesse der in den Fallfrüchten meist enthaltenen Obstmaden, die dabei Gelegenheit finden, sich zum vollständigen Jnsect auszubilden und ihr Zerstörungswerk im nächsten Jahr w.eder — und zwar in vermehrter Zahl — zu beginnen. Daß man die Falläpfel bislang wenig oder gar nicht beachtete, hatte darin feinen Grund, weil man keine zweckmäßige Verwerthung für dieselben kannte. Als man aber vor 10 Jahren bei dem Erscheinen des S e ml e r scheu Obstbuches begann, der Obstverwerthung mehr Beachtung zu schenken, wurden auch Versuche gemacht, das Fallobst nutzbringend zu verwerthen. Diese Versuche sind erfolgreich ge- wefen, denn es ist nachgewiesen, daß selbst noch ganz> »«- rel e Früchte zu Gelve, Saft und Mus verarbeitet werden können und ein sehr wohlschmeckendes Product geben. Wir find in der Lage, den Sefaia hierzu nach dem soeben in neuer Auflage erschienenen Werke eine kurze Anleitung zu geben: Apfelsaft. Man nimmt einen Korb mit recht verschiedenen Falläpfeln, wäscht sie, falls sie schmutzig, ober reibt sie einzeln ab, falls sie nur sanbig sein sollten. Dann schneidet man jeden Apfel in mehrere Stücke, wobei die Wurmstellen und in der Hauptsache auch die Kernhäuser ausgestochen werden unb wirst die Schnitze in einen Kessel oder glasierten Topf. Geschält werden die Früchte nicht. Nachdem sie dann mit soviel Wasser übergossen sind, daß dasselbe die Früchte bedeckt, kocht man ste gar, läßt die Masse etwas ab- ______________________ Reboction: N. Scheyda. — Druck unb Verlag der Brühl'schm UniversiMS-Buch- unb Steindruckerei lPictsch & ©djet)1»11)