x eigenen, UN» HL als Neben» deren Ländern, hon längst er» h immer dem i werden kann samkeit. „So kann es auch thschaften noch b ihres großen jt der Enten, schon Veran« oeit mehr be» rch nicht dieser bietet, wir er» m Thieren, je ahrhafter al- mack derselben Natur aufs nach Möglich» nt bisher der lehen. Es ist ach oder Teich rch Herstellung Brunnens sehr it mit frischem »rrichtung zum mer muß das i untertauchen t grobem Kies zu den Alles» urr finden und ie die Fleisch» gut ernähren rett Oberfläche t von allerlei haben die Geitau die Enten Morgen, bevor enden so lange im Ausbrüten Puten (Brüte» nach dem Aus» >, hartgekochte gekochten und mengt. Nach :bfenschrot, ge» Rilch gefüttert :age geschehen, sorgen. Zum »wie Gerste zu Weichfutter zu ,r Nacht wird je Raffen sind tsehen. ► Man salzt ebenem Brode, er Sauce an: /4 Liier Pro- icker Auflösung agonessig, dem viegten feinen : stellt und sie in Gießen. **** erstatt den 12. Marz Nr. 80 9 L iöksnek UntrrlMmgsblaU ;um Gießener Anzeiger (Generck-AnBger). rrmcj MMMK Mi 8$ (Fortsetzung.) Schwester Ilse. Roman von Clarissa Lohde. Sie an die Liebe nicht glauben, warum wollen Sie denn heirathen?" Sie blickte Käthe von der Seite an. „Will ich'« denn? Man will mich heirathen." Käthe war eben dabei, Farben und Pinsel in ihrem Malkasten zu ordnen. „ , _ „ „Um's Himmelswillen, Miß Adeline," rief sie, ganz er» schreckt bett Kasten schließend, „was reden Sie denn da für Dinge? Wenn Axel fo etwas zu Ohren käme? Ich weiß, es ist ja nichts als Scherz und Uebermuth, was aus Ihnen spricht, ihn aber würde es dennoch kränken." „Sind Sie so besorgt für Ihren Freund?" fragte Adeline mit etwas spöttisch verzogenem Munde. „Uebrigens täuschen Sie sich, Fräulein Käthe, wenn Sie meinen, ich spräche anders, al» ich denke. Es ist meine ganz felsenfeste lieber» »eugung, daß all' das Geschwätz von ewiger Liebe und Freund» schäft — verzeihen Sie, Fräulein Käthe, wenn ich jetzt auch Ihr für Freundschaft begeistertes Herz kränke — Nonsens ist, nichts als Nonsens. Es giebt nur ein Wahres, ein Un» besiegbares, und das ist die Leidenschaft, das heiße Verlangen nach dem Besitz des begehrten Gegenstandes, was man fo ost mit dem Worte Liebe bezeichnet. Diese Liebe aber ist vergänglich, wie die Leidenschaft vergänglich ist." Käthe fand es am besten, auf diese Paradoxa, in denen Miß Adeline sich in letzter Zeit mit Vorliebe zu ergehen gefiel, nicht zu antworten. , M ,r „ , Da sie in den nächsten Tagen eine Reise nach München beabsichtigte, um sich die dortige Kunstausstellung anzusehen, nahm sie gleich auf längere Zeit von den Damen Abschied. „Aber auch Sie wollen reisen?" rief Adeline überrascht. „Wie schade für Axel; denn auch wir gedenken, in den nächsten Tagen schon Berlin zu verlassen." „Wie, auch Sie, Miß Adeline?" „Ja," fiel die Mutter jetzt ein, „Adelinen, Gesundheit ist sehr angegriffen und der Arzt wünscht eine südliche Lust für sie." In Wahrheit hatte Miß Graham« Bruder sich doch erweichen lassen und nicht allein noch einen Reifezuschuß, sondern auch seine Einwilligung in die Auflösung von Adelinen» Verlobung geschickt. „Weiß Axel schon davon?" stotterte Käthe ganz ver» Adelinen» Bildniß war vollendet, Käthe nur eben noch dabei, die letzte Hand anzulegen. Die Staffelei stand im Erker, aus dem seitwärts gerückten hölzernen Tritt saß Adeline, die reizenden Züge wie jetzt oft etwa» abgespannt und müde, die Augen halb wie zum Schlafe geschloffen. „Gott sei Dankl" sagte sie, al» Käthe erklärte, endlich fertig zu sein und von dem Tritt herunterstieg. „So bin ich endlich erlöst." , t . „Ich bebaute, Ihnen so viele unangenehme Stunben bereitet zu haben," entgegnete Käthe, die e» am besten fand, die wenig verbindliche Form der Amerikanerin möglichst gleichmüthig aufzunehmen. „Leider ist die Herstellung eine» Porträt» nicht ohne Sitzungen möglich." „Ja, leider. Doch kaffen Sie mein Conterfei mich nun einmal ernstlich betrachten." Sie stellte sich mit unter geschlagenen Armen vor ihr Bild und blickte e» mit halb zugekniffenen Augen an. „Ich fürchte, ich fürchte, Fräulein Käthe, Sie haben mich doch ein wenig idealifirt und da» ist ja nicht modern." „Jdealisirt? Durchaus nicht. Als Sie mir da» Ver» gnügen machten, da» erste Mal zu sitzen, sahen Sie so au», etwa» verklärt, al« wären die Augen von einem inneren Feuer durchleuchtet. Jetzt freilich — „Stimmt da« nicht mehr," sagte Adeline lachend. „Das Feuer ist verpufft, Fräulein Käthe, e« kann doch nicht immer brennen." „Ich meine doch, wenn die Liebe es nährt — „Die Liebe! Glauben Sie denn, die Sie das Heirathen, wie Sie mir so oft wiederholten, eigentlich abgeschworen haben, an eine ewige Dauer der Liebe? Ach nein! Sie als Künstlerin wissen ja ganz gut, daß das nichts als ein Dichtertraum ist, gegen den die Herren Dichter und Künstler selbst am meisten sündigen, wie so viele Beispiele beweisen." „Aber, mein Himmel," rief Käthe etwas brürk, „wenn 118 »tat Wußte sie doch gar nicht, was sie von dem Allen I Überraschung das Bild seiner Braut in ihrer Wohnung vor- - - p 1 gefunden habe; ob er das so bestimmt habe. Wäre V Käthe sagte nichts mehr. Wozu auch das Herz dem Armen noch schwerer machen, als es vielleicht schon war? In München erhielt sie noch einen Brief von Axel aus Magdeburg, der auch durchaus ruhig und gefaßt erschien. Er theilts ihr mit, daß er seine Braut und deren Mutter noch selbst auf den Bahnhof gebracht habe. Sie seien direct nach Riva am Gardasee gegangen, wo sie sich einige Wochen auf- zuhalten gedächten. Er selbst benutze jetzt seine freie Zeit zu einer wiffenfchastlichen Arbeit, für die er schon lange den Plan in sich getragen habe. So würden denn auch diese bitteren Tage der Trennung wohl vorübergehen. Als sie heimkehrte und nach Begrüßung von Tante und Cousine in ihr Zimmer trat, war das Erste, woraus ihr Blick traf, das Bild Adelinens, auf der Staffelei, uneingerahmt, wie sie es am letzten Sitzungstage in der Wohnung der Grahams zurückgelaffen hatte. „Wer hat das Bild hierher geschickt? Ich glaubte, es sollte in einem von mir schon ausgesuchten Rahmen Axel zugesandt werden?" wandte sie sich fragend an Elly, die sie begleitet hatte, um ihr beim Auspacken ihrer Sachen behilf- li$ ^DaAxel nicht hier ist," entgegneteElly, „haben es die Graham» wohl hierher geschickt. Uebrigens kam es erst vor wenigen Tagen an. Ein Dienstmann brachte es mit der Karte der Dame, bet der sie gewohnt haben, und jenem Briefe von Adeline selbst." Käthe erbrach den letzteren sogleich und las die wenigen Worte kopfschüttelnd. Sie verstand nichts. „Mit bestem Danke sende ich Ihnen Ihr Meisterwerk zurück, da ich unter den obwaltenden Umständen nicht glaube, er behalten zu dürfen!" „Unbegreiflich," rief Käthe. „Da muß etwas Besonderes vorgefallen fein. Ist denn von Axel keine Nachricht vorhanden?" „Nein, keine." Käthe dachte in diesem Augenblick gar nicht daran, daß diese Zurücksendung des Bilde» an sie einen großen Verlust für sie bedeutete. Das Bild sollte, wie ihr bei der Bestellung gesagt worden war, ein Geschenk für Axel sein. Sie erwartete ein ihrer Arbeit entsprechendes Honorar dafür und sie, die von dem Ertrage ihrer Kunst lebte, hatte sich feste Rech- nung darauf gemacht. Ihre Sorge drehte sich nur um den Freund. Sie sandte sogleich einige Zeilen nach Magdeburg mit der Nachricht, daß sie heimgekehrt sei und zu ihrer denken sollte. t , .. „Noch nicht; doch werden wir es ihm heute noch mittheilen. Der entscheidende Ausspruch des Arztes fiel erst heute Morgen." u Mit schwererem Herzen als je verließ Käthe heute das Haus der Amerikanerinnen. Sie ahnte Unheil für den Freund; dieser indessen nahm den unerwarteten Entschluß seiner Braut sehr gelassen auf. Als er am anderen Tage kam, um Käthe Lebewohl zu sagen, erklärte er sich ganz einverstanden damit, daß die Grahams, während er seine Strafhaft in Magdeburg abbüßte, nicht in Berlin blieben. „Und wenn Du wieder frei bist ?" warf Käthe fragend ein. „Dann hoffe ich, meine Ernennung zum Consul in Porto Allegre hier vorzufinden, und wir können an unsere baldige Hochzeit denken." „Adeline mag aber nicht nach Porto Allegre gehen, sie hat es mir ost bei unseren Sitzungen wiederholt. Du solltest diese Idee fallen lassen." Axel runzelte die Stirn. „Wie Du nur sprichst, Käthe. Bleibt mir etwas Anderes? Ich muß mich glücklich schätzen, wenn ich überhaupt so bald schon eine feste Anstellung erhalte. Und ich meine, eine Frau, die ihren Mann liebt, folgt ihm überall hin, wo es auch sei. Das Glück liegt doch nicht in dem Ort, in dem wir wohnen, wir tragen es in uns. Traurig genug, wenn es nicht so Die Antwort erfolgte prompt. „Lies einliegenden Brief von Adeline, den ich am selben Tage wahrscheinlich erhalten habe, als das Bild an Dich ab- gesandt worden ist. Er sagt Dir Alle». Käthe, ich war ein Thor! Die Leidenschaft hat mich blind gemacht. Ich wähnte hinter diesem schönen Antlitz, hinter dieser süßen Miene, diesem versührerischen Lächeln eine Seele. Maske, alles Maske! Ich bin geheilt sür alle Zeit; aber die Wunde brennt und der Schmerz wird bleiben, so lange ich athme. Wie bevorzugt ist der Wolf und wie kann er seinem Schöpfer danken, daß er vor einer Erfahrung, wie ich sie gemacht habe, befreit geblieben ist. Und er glaubte so sehr mein Glück mir neiden zu müssen, daß e» ihn nicht ruhen ließ, ehe er Blut fließen sah. Jetzt wünschte ich lieber, die Kugel in der Brust zu tragen, als so mit dieser nie heilenden Wunde fortleben zu müssen, ein um den Glauben an Liebe und Treue für immer Betrogener. Bitte, vernichte ihren Brief. Möchten die Flammen auch die Erinnerung an diese Sirene auslöschen, die anzog, um zu verderben. Auch Du, arme Käthe, hast unter der elenden Gesinnung dieser Fremden zu leiden. Monats lange Arbeit umsonst! Aber nein, nicht umsonst! Dein Porträt ist ein Meisterwerk, nimm ihm das Individuelle und schicke es in die Welt, es wird Dir einen Ruf machen, davon biu ich überzeugt." Käthe legte aufseufzend den Brief fort und entfaltete dann ein zweites Blatt, das mit der langgezogenen englischen Schrist Adelinens bedeckt war. „Mit bekümmertem Herzen, mein guter Axel, setze ich mich nieder, um Dir diesen ersten Brief aus der Fremde zu schreiben, der leider auch der letzte sein muß. Ich habe Dir ein Geständniß zu machen, das mir, weiß Gott, nicht leicht wird. Aber weder meine Mutter noch ich wagten Dir münd- lich zu sagen, was doch gesagt werden muß. Wenige Tage, ehe wir Berlin verließen, erhielten wir eine Nachricht aus New-York, die uns beinahe zerschmetterte. Unglückliche Spreu- lationen haben uns beinahe um unser ganzes Vermögen gebracht. Wir sind jetzt arm und es bleibt uns nichts, als sobald wie möglich den Heimweg nach Amerika anzutreten, um zu retten, was noch zu retten ist. Nur so lange bleiben wir noch in Europa, bis der Ausenthalt in der milden Lust des Südens meine sehr angegriffene Gesundheit wieder gekräftigt haben wird. Ich setze dem nichts hinzu. Du wirst mir mit Deinem bedächtigen Sinn zustimmen, daß ein Band, unter dem wir Beide uns gedrückt fühlen würden, wenn es weiter festgehalten würde, gelöst werden muß. Denn Axel, auch Du bist ja vermögenslos, wie Du es neulich erst meiner Mutter auseinandergesetzt hast," — hier hatte Axel mit einem Bleistift an den Rand geschrieben: Das ist des Pudels Kern I — „weder ich noch Du sind aber gewöhnt, uns einzuschränken; wir bedürfen eines gewissen Luxus, um das Leben erträglich finden zu können. So giebt es für uns nichts Anderes, als von einander zu scheiden. Möge es von Deiner Seite ebenso ohne Groll geschehen, wie von der meinen. Das ist der letzte Wunsch, die letzte Bitte von Adeline." Es dauerte lange, ehe Käthe mit dem Lesen des Briefes fertig war. Immer wieder überflog sie die Zeilen. Giebt es denn keinen Ausdruck von Gefühl, von Wärme in ihm, der, wenn auch nur ein wenig, mit dieser eiskalten Absage an einen Mann versöhnt, von dem sie sich wahr und aufrichtig geliebt weiß? — Nein, sie fand einen, nur wohlgesetzte, mit Bedacht ausgeklügelte Worte. Axel hatte Recht, dieses Schriftstück mußte vernichtet werden. Jedes Wiederlesen würde den Schmerz ja nur verschärfen, die Wunde wieder aufreißen. Mechanisch fast zündete sie die auf ihrem Nachttisch stehende Kerze an und hielt das Papier an die aufblitzende Flamme. Dann trat sie vor das Bild Adelinens hin und betrachtete es lange nachdenklich. _ „Sirene," murmelte sie leise. «Ja, Axel hat Recht, sie I ist eine Sirene, die anlockt, um zu verderben. Unter keinem 119 besseren Titel werde ich dieses unselige Werk meiner Hände in die Welt schicken können." XII. Ilse lebte wie im Traum. Noch nie au« der engeren Heimath herausgekommen, sah sie plötzlich eine Welt vor ihr sich öffnen. Erst die großartige Alpennatur, al« sie über den Brenner fuhren, dann da» im Kranze seiner herrlichen Berge wie in einem blühenden Nest ruhende Bozen. Wolf fühlte sich angegriffen und machte für einige Tage Rast in dem nahen- Gries, wo der Wein eben in üppigster Fülle in dichten Trauben in den Rebengärten hing und der heitere Herbst seine ganze Farbenpracht entfaltete. Im großen Hotel Austria wurden einige der besten Zimmer belegt, von denen sich die herrlichste Aussicht bot, die man sich denken kann. Selbst Wolf, welcher außer der Schweiz und der Riviera noch nichts kennen gelernt hatte, konnte sich eines Ausrufes der Bewunderung nicht enthalten, als er am Morgen auf dem an feine Zimmer stoßenden Balkon das Frühstück nahm und das weite, vom Talferbach, der Etsch und Eisack wie von einem Silberband durchzogene Thal zu seinen Füßen sich ausbreiten sah, da» die wildzackigen Häupter der Dolomiten, die in blauen Dunst gehüllte, sanft abfallende Mendel so malerisch umschließen. Mit einem Gefühl de» Behagens, da» ihm bisher fremd gewesen, lehnte er sich in seinen Stuhl zurück und ließ den Rauch der Cigarette, die Georg ihm in silberner Büchse gereicht hatte, nachdenklich in die Luft ziehen. Ilse, wie immer sorgend um ihn beschäftigt, legte eine Decke über seine Füße, um dann in'» Zimmer zu gehen und mit Georg an dem Gepäck zu ordnen. Wolfs Blick folgte ihrem stillen Walten nicht ohne Rührung. „Wie gut Du bist!" sagte er, al» sie zu ihm zurück- kehrte, in einem warmen Ton, wie sie ihn nur selten von ihm hörte und faßte mit leisem Drucke ihre Hand. „Sei überzeugt, daß ich es voll anerkenne, was Du mir alles Liebes thust. Ja, wenn ich nicht wüßte, daß ich Dich nicht mehr zu lange quälen werde, könnte ich mir Vorwürfe machen, Dich an mich gefesselt zu haben." Sie schüttelte mit leichtem Erröthen den Kopf. „Wie Du nur sprichst!" entgegnete sie, ihren guten blauen Augen warm zu ihm aufschlagend. „Dich zu pflegen macht mich glücklich, ich verlange nichts Anderes und bin zufrieden, wenn Du zufrieden bist." „Und hättest doch so viel Grund, mir zu zürnen. Du, da« selbstloseste Geschöpf der Erde, hast den allerschlimmsten Egoisten neben Dir, der, alle Zeit gewöhnt, an sich allein zu denken, oft recht rücksichtslos und unleidlich ist." „Kranke find stets wechselnd in ihrer Stimmung —" „Ja, Du hast immer eine Entschuldigung sür Alle», Ilse," sagte er lächelnd, „selbst für Deinen bösen Mann. Das aber ist'» gerade, was mich Dir gegenüber in's Unrecht fetzt. Indessen, es ist nichts daran zu ändern." „Daß Du so empfindest," sagte sie ernst, „ist ja doch der beste Beweis dafür, wie wenig Du der eingefleischte Egoist bist, al» den Du Dich darstellst." „Doch, doch, ich bin'« durch Natur und Gewohnheit. Wer kann über seinen eigenen Schatten springen? Vielleicht wäre mir bester gewesen, der Onkel hätte mich nicht als Universalerben seines Vermögens und seiner Güter auferzogen. Die gute Mutter, deren Einziger ich war, liebte mich abgöttisch. Alle», was ich that und dachte, fand sie gut und herrlich, alles Unangenehme, das oft durch eigene Schuld über mich kam, legte sie dem bösen Willen Anderer, einem ^«glücklichen Zufall zur Last. Statt mich zu strafen, mir mein Unrecht vorzuhalten, beklagte sie mich und bestärkte mich in meinem Eigendünkel, der mir das Gefühl gab, über den gewöhnlichen Begriffen von Recht und Unrecht zu stehen. Dann starb sie und der Onkel suchte die erschütterte Kindesseele von ihrem Leid abzuziehen, indem er mich zum Genüsse meiner Jugend anspornte. Und was ist das Ende von dem Allen? Uebersättigung, Enttäuschung und zuletzt Groll über das ganze Leben, das jo viel verspricht und so wenig hält." „Du wirst anders denken, wenn Du erst wieder gesund sein wirst." „Was ich nie werden kann, wie Du ja am besten weißt." „Im Gegentheil, Doctor Balzer hoffte viel von dem Einfluß der milden, stärkenden Luft des Südens." Er wehrte mit einer ungeduldigen Bewegung der Hand. Als wenn das Leben ihm so, wie es nun einmal war, so sehr wünschenswerth sein konnte. War's denn überhaupt Leben, war es nicht nur ein Vegetiren? Daß Ilse da« nicht begriff! Ach, sie begriff es nur zu gut. Seit jener Unterredung mit der Mutter war der Schleier von ihren Augen gefallen. Sie empfand es täglich auf's Neue mit Schmerz, sie war ihm nichts, seinem Herzen nichts! Hätte er sie bester beobachtet, ihm wäre der Zug von Melancholie, der sich in letzter Zeit um ihren Mund eingegraben hatte, nicht entgangen. Aber sie zeigte ihm geflissentlich nur heitere Mienen und er fing an, zu glauben, daß sie in ihrer Natur genug vom Engel habe, um auch mit dem Wenigen, das er ihr gab, zufrieden zu fein. Zwei Tage darauf, an einem kühlen, aber heiteren Morgen, traten sie ihre Weiterreise an. Gerade als sie die nach der Hauptstraße führende Allee hinunterfuhren, begegneten sie dem von der Bahn zurückkehrenden Hotelwagen, der neue Gäste brachte, zwei Damen in grauen Reifemänteln und blauen, wehenden Schleiern. Weder Wolf noch Ilse achteten der neuen Ankömmlinge; dagegen hatten diese mit neugierigen Augen die Vorüber» fahrenden gemustert. Mit einem unterdrückten Schrei fuhr die jüngere der Damen von ihrem Sitze empor. „Wolf — Baron Wolf von Menzelen!" kam es überrascht von ihren Lippen. (Fortsetzung folgt.) Urber die Eitelkeitspflege im deutschen Volke läßt sich der bekannte Rechtslehrer Prof. Dr. F. v. Schulte in Bonn im Märzheft der „Deutschen Revue," herausgegeben von R. Fleischer (Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart), folgendermaßen aus: Der Kenner unserer deutschen Zustände kann keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß es kaum möglich ist, das Aeußerlichs mehr zu cultiviren, als es geschieht, die Eitelkeit im Nachästen des Fremden, im Copiren der Gewohnheiten von „Höheren" Gesellschaftskreisen weiter zu treiben. Die Pariser Mode bleibt maßgebend für die Frauenwelt, mag sie auch noch so lächerlich und absurd sein wie vor Jahren die Krinoline und heute andere Dinge. Er kommt auch heute noch vor, daß die Damen nach Paris reisen, lediglich um sich dort Kleider u. s. w. zu kaufen; wie viele Kaufleute wisten noch jetzt nichts Höheres zur Empfehlung ihrer Maare anzuführen als „echt französischer, englischer Stoff." Und damit können sie auch in jenen industriellen Kreisen ankommen, welche für ihre Artikel längst die Ueberlegenheit des Auslandes beseitigt haben. Selbstverständlich ist der fremde Schliff noth- wendig. Die Töchter müssen einige Zeit von Hause fort, damit sie als Backfische aus den Augen verschwinden und als fertige Damen mit siebzehn oder achtzehn Jahren in die Gesellschaft eingeführt werden. Natürlich imponirt'« am meisten, wenn da« Fräulein in einem belgischen oder schweizerisch-fran- zösischen Pensionats oder auch in einem holländischen Nonnenkloster mit französcher Umgangssprache ein Jahr oder noch länger zugebracht hat. Sie spricht dann französisch, englisch und so weiter. In den meisten Fällen ist der Nutzen nicht groß, einige Jahre ohne Uebung lassen die Fertigkeit bald verschwinden, aber die Liebe zum Fremden bleibt; gerade in dem Alter, wo da« Mädchen unter der Mutter Obhut sich zur einstigen Hausfrau aurbtlden sollte, lernt'« leichte Unterhaltung, leichte Lectüre nnd andere Dinge als Lebensaufgabe erfassen. Nationaler Sinn wird dadurch nicht erweckt und - 120 gestärkt. Niemand wird gegen bas Erlernen fremder Sprachen I - an sich etwas sagen, aber welchen Nutzen er hat, daß sehr i viele Mädchen mit Französisch und Englisch geplagt werden, : die kaum in die Lage kommen, Gebrauch davon zu machen, i ist nicht abzusehen. Und jedenfalls sollte dar Deutsche obenan < stehen. Es darf einen wahrlich schmerzen, wenn man Damen flüssig fränzöstsch und englisch reden, beim Deutschsprechen aber i womöglich in jeder Minute die ärgsten Schnitzer machen hört. Wir wollen keineswegs loben, daß der Engländer und Franzose als selbstverständlich annimmt, daß er mit fe tter Sprache überall durchkomme. Aber ein stolzes, patriotisches Gefühl liegt darin; der Engländer kümmert sich nicht darum, daß man ihn auf den ersten Blick erkennt, er bleibt bei fernen Sitten. Aber der Deutsche äfft am liebsten nach und ist glücklich, wenn er einem Franzosen, Engländer den Beweis liefern kann, daß er seine Sprache spricht. Für den Geschäfts' mann ist das natürlich, sür jeden andern nicht. Der Deutsche, der in Frankreich oder England und so weiter reist, ist übel daran, wenn er die Landessprache nicht kann, in Deutschland richtet man womöglich den ganzen Ton in den Gasthöfen darauf ein, es den Engländern mundgerecht zu machen, obwohl die große Mehrzahl der reisenden Engländer keineswegs zur „distingenten" Gesellschaft gehört. Aber das ist nun einmal nicht anders. Selbst das Nationalgesühl muß der Vorliebe zum Fremden, die auf Eitelkeit beruht, Platz machen. 8 Eitelkeit treibt zahllose Eltern, ihre Kinder Dinge lernen zu lasten, sür die sie keine Anlage haben. Womöglich Ms Mädchen muß Clavier klimpern, malen lernen, auch singen. Es ist ohrenzerreißend, im Sommer in manchen Orten die künstlerischen Mustkleistungen der bei offenen Fenstern übenden Schömn wunderbar, falls die Eitelkeit nicht auch dahin I strebte, die eigene Perfon mit einem Nimbus zu umgeben, der sich durch Zusätze zum Namen durch Abzeichen kund gibt. In alter Zeit blieb jeder bei feinem Namen, nur der Beamte hatte den dem Amte genau entsprechenden Titel. Abzeichen trug nur der Büttel, der Ritter, der Fürst bei feierlichen Ge- legenheiten, der Ordensritter und so weiter. Heute ist« anders. Man schafft sie sich zunächst selbst. Der Bäcker, Metzger und so weiter, der sich zur Ruhe gesetzt hat, wird „Rentner", „Privatier"; dieser Titel „Hausbesitzer", „Grund- besitz»" ziert die Karte, steht bei allen Familienanzeigen in den öffentlichnn Blättern. Wer einen Verein leite, wird „Director" ober „Präsident", der Leiter des Geschäfts ebner Fabrik oder Actiengesellschaft wird „Generaldirector". Alle diese Titel werden nicht etwa bloß im Geschäftsverkehr, sondern stets gebraucht, sür den Mann und die Frau, sie sind soziale Auszeichnungen. Mit großer Sorgfalt muß man sich hüten, einen folchen Titel zu vergeffen. Das hat zu einer Unsitte geführt, welche in Deutschland allein herrscht, zu den prunken- den Adressen auf Briefumfchlägen und zu den Anreden in Briefen, Eingaben und dergleichen. Hat es einen Sinn, auf Briefumfchlägen Wohlgeboren, Hochwohlgeboren, Hochgeboren und dergleichen oder gar Ritter des und des Ordens zu schreiben? Der Empfänger kennt seinen Titel, der Briefträger sieht nur auf den Namen und die Wohnung, diese anzugeben genügt. Es herrscht die Unsitte in den meisten deutschen Staaten, daß nicht schlechtweg alle Eingaben an> die Behörde geleitet werden ohne jede weitere Bemerkung. Welchen Sinn hat das „ergebenst", „ganz ergebenst", gehorsamst , „ganz gehorsamst", „gehorsamster" und dergleichen? Man erinnere sich, wie bisweilen die öffentlichen Blätter über die entsetzliche That berichteten, daß einer Behörde gegenüber nicht „gehorsamst" gebraucht war. Diese Dinge kosten überflüssig Papier, Tinte und Zeit. Von oben herab sollte ein striktes Verbot ergehen. Der Einzelne kann nicht dagegen ankämpfen, er muß die Redensarten brauchen. Phrasen stnd's, sonst nichts; denn wenn man den Adreffaten nicht „hochschätzt" an „höhere" Behörden halbbrüchig zu schreiben, Anreden zu machen wie „Hochzuverehrender Herr Präsident I Ew. Hochwohlgeboren", „Hochzuverehrender Herr Staatsminister", „Hochzuverehrender, hochgebietender Herr Staatsminister! Sw. Ex- cellenz" und dergleichen? Ist eine Stsmpelgebühr vorgeschrieben, so hat der Fiscus Nutzen, wenn möglichst wenig auf die Seite geht, wo nicht, keinen. Wahrer, einfacher und besser würde der Schriftverkehr, wenn man diese Dinge abschaffte, die Würde des Amts würde nicht leiden, weil der Angeredete recht gut weiß, daß er der „Chef" ist. . r Mit besonderer Vorliebe strebt der Deutsche nach Titeln, er zeichnet sich dadurch, vielleicht von Rußland abgesehen, nicht vortheilhaft aus. Der Engländer, Franzose, Italiener kennt nur Amtstitel, bezeichnet die Frau mit des Mannes Namen, redet gesellschaftlich einen Mann auch nur mit seinem Namen , . an. Welches Gesicht würde aber in Deutschland ein Mmister > oder Präsident und so weiter schneiden, wenn ihn ein ihn ' 1 kennender Herr nicht auf der Amtsstube oder in Amtssachen, sondern auf der Gasse im Wtrthshaur, in einer Gesellschaft .Herr Schwarz" anredete, eine Exellenz-Geheimrathsfrau einfach „Frau Schwarz" titulirs. Ja das geht so weit, daß man in Ermangelung des Titels, oder wenn der Titel des Mannes nicht vornehm genug klingt, sich mit „Gnädige Frau hilft. Es ist zu verwundern, daß man sich nicht auch bei Töchtern des väterlichen Titels bedient. Wie schön würde zum Beispiel Fräulein Excellenz-Geheimrath lauten, oder Ex- cellenz-Geheimrathstochter! Das wäre doch noch schöner als „Gnädiges Fräulein." L Ä F . In Deutschland haben, wie sich aus den Hof- und Staatshandbüchern und den Amtsblättern feststellen läßt, ohne die militärifchen Abzeichen aller Art (Eisernes Kreuz, Verdienstkreuz und so weiter) und ohne den Johanniter- und Malteserorden und ohne nichtdeutsche Orden gegenwärtig über 50 000 einzelne Deutsche einen von einem deutschen Landesherrn (Regenten) verliehenen Orden, über 12,000 einzelne andere Deutsche ein nichtmilitärisches Ehrenzeichen, dis Rettungsmedaillen nicht gerechnet. Es giebt rund 11 Millionen Deutsche über 25 Jahre, es kommt also ein Orden auf 220, eine Decoration auf 150. Da aber Orden an Arbeiter, Dienstboten, kleine Handwerker und dergleichen, Unterbeamte nicht verliehen zu werden pflegen, bleiben nicht über zwei Millionen deutsche Männer übrig, es kommt also ein Orden auf je 40 Männer. Wir haben für jeden Ordensbesitzer nur einen in Ansatz gebracht, würde man jeden Orden zählen, so käme eine wett höhere Zahl heraus. Sehr viele Deutsche legen, das ist unzweifelhaft, auf alle diese Dinge kein Gewicht; Niemand wird irgend eine Ordens- ober Titelverleihung zu tadeln sich herausnehmen dürfen. Aber weil solche Auszeichnungen regelmäßig nicht vom Landes. Herrn aus eigenem Antriebe erfolgen, stellt sich leicht ein Vergleich ein. A. erhält mit 30, 35, 40 Jahren, B. in gleicher Stellung mit 50, 55, 60 Jahren oder beim 50iährigen Amtsjubiläum den ersten Orden, einen höheren Titel; gewisse Beamtencategorien werden periodisch bedacht, andere nicht. Man begreift, daß Mißvergnügen die Folge lst. Zu leicht bewirkt also die Auszeichnung des Einen bei dem Andern ein Gefühl, welches mindesten» nicht als wünschenswerth bezeichnet werden darf. Der Grund der Verleihungen bezw. der äußere Anlaß wird in manchen Fällen allgemein angegeben, regelmäßig beim Verleihen aus Anlaß der Ausscheidung au» dem Amte, des Amtsjubiläums, besonderer Ereignisse, regelmäßig nicht. Treue Amtserfüllung, außergewöhnliche Leistungen, Verdienste um die Person des Landesherrn, um das Gemeinwohl, zu belohnen, ist ein schönes Vorrecht, dessen Uebung nur gute Wirkungen haben kann. Damit da» stattfinde, muß Jeder, welcher in der Lage ist, dessen Bethätigung herbeizuführen, auf'» Gewissenhafteste ohne Gunst und Vorliebe nur die Unwahrheit.' Hat es einen vernünftigen Sinn, alle Eingaben ! entzogen, Characterfestigkeit und wahrer Patriotismus g f WebacHon: A. Schtyda. - Druck und Verla» der Brühl'schm UniverftMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Gch-Hda) m G'-ßm.