rei "s k S l j? j , U s? |s* ^MKMW MW MWKWKKL"' WREsNMUxMM W§'ANiW?W ^-■MB^tsS^»saäs*Ä'SJÄ?3W «m, BWWMKssHL^jKWA^jS ^V ßED^^W Ein Dämon. Novelle von I. Pia. (Fortsetzung.) Ohne, wie er schien, St. Clairr Worte zu beachten, sagte die Frau plötzlich in gedämpftem Tone: „Weißt Du, Armand, seit wie vielen Jahren wir uns nicht gesehen haben?' „Wie ungalant, mich so an mein Alter zu erinnern!* spottete er. „Du bist noch jung — noch nicht ganz vierzig," ent» gegnete sie; „aber wer weiß, ob die Zeit so spurlos an Dir vorübergegangen wäre, hättest Du die letzten vier Jahre wie ich in — einer Irrenanstalt verbracht." „Es wäre mir ganz interessant, zu erfahren, welchem glücklichen Umstand Du es zu verdanken hast, daß Du jetzt nicht mehr dort bist," bemerkte St. Clair gelassen. Mit seltsamem, halb bekümmertem, halb staunendem Ausdruck ruhte das Auge der Frau auf ibm. „Du hast Muth!" klang es unwillkürlich von ihren Lippen. „Kein zweiter Mensch würde mir wohl so ruhig in's Auge sehen können! Aber ich will Deine Frage beant- warten. Ich habe, wie Du siehst, endlich einen Freund gefunden, der mich vor Deiner Verfolgung rettet, bald wird diese verzehrende Krankheit mich ganz von Dir befreit haben." „Erkläre Dich deutlicher. Noch verstehe ich nicht, was das mit Deinem Hiersein zu thun hat," versetzte ihr Begleiter ruhig. „Mit der Zunahme meiner Schwäche und meines leidenden Zustandes ließ die Wachsamkeit der Wärter nach," entgegnete sie gepreßt; „dadurch bot sich mir eine» Tages eine günstige Gelegenheit, die ich schleunigst ergriff, um endlich der verhaßten Kerkerhaft, die ich Dir zu verdanken habe, zu entfliehen!" Verächtlich zuckte St. Clair die Achseln. „Du vergißt, daß mir bei Deinem Eigensinn kein anderes Mittel übrig blieb," sprach er. „So? Weil ich nach zwölf Jahren der Sündenlast, die Du mir aufgebürdet hattest, müde war und begangene schwere Schuld wieder gut machen wollte — deshalb sperrtest Du mich ein." „Dazu war e» zu spät — dazu ist es zu spät!" stieß St. Clair heftig hervor. „Und ich sage Dir, er ist nicht zu spät!" gab Jene trotzig zurück. „Wie thöricht von mir, Dir von meiner Flucht, von meiner Absicht zu schreiben und Dich dadurch zu warnen. Aber trotz dieser Thorheit ist mein Geist stark und völlig klar; und meine Sünde lastet so schwer auf mir, daß ich nicht ruhe, nicht roste, bi« die Schuld gesühnt ist! — Dann sollst Du auch wissen, daß ich Dein Geheimniß kenne Du warst es, der sich heimlich Zugang in den Leuchtthurm verschaffte — der die Laterne verhängte, damit das unglückliche Schiff scheitern mußte, weil Du wußtest, daß ich mich auf demselben befand und hofftest, mich so auf dein Meeresgrund für immer zum Schweigen zu bringen!" Bei dieser furchtbaren, mit krampfhaft bebenden Lippen hervorgestoßenen Anklage zog St. Clair heimlich eine Pistole hervor. Der Frau aber entging nicht die kleinste Bewegung. „Wage er, mir nur ein Haar zu krümmen und die ganze furchtbare Wahrheit wird der Welt kund," rief sie. „Mein einziger Freund, den ich noch aus dieser Welt besitze, hat einen wortgetreuen Bericht der ganzen Angelegenheit tu Händen und hat Weisung, denselben den Gerichten vorzulegen. — Glaubtest Du, ich würde mich Deinen Händen anvertrauen?' Einen Moment zuckte es wuthentbrannt über St. Clair« wild erregtes Gesicht, dann aber umspielte dasselbe wieder jenes beängstigende kalte Lächeln. „Demnach ließe sich nicht« mehr geheim halten," sagte er und verbarg die Waffe wieder. „Nein," antwortete sie ruhig- — „Kein Mensch ahnt die Wahrheit betreffs de« Schiffbruchs, ich durchschaute aber sehr bald, wer sich hinter dem lothköpfigen Fremden verbarg. — Armand St. Clair, wozu sollen wir Zwei noch gegenseitig die furchtbare Wahrheit zu bemänteln suchen? — Vor achtzehn Jahren gelobte ich, die Deine zu werden — damals warst Du eTn heiterer, liebenswürdiger, wenn auch unbemittelter junger Mann — ich die Erzieherin im Hause Deiner Verwandten. Dein Vetter, nur wenige Wochen älter als Du, ward als der Heitere Erbe de« Majorat« — und Du voll« ständig abhängig von ihm." „Roch hat mein Gedächtniß nicht gelitten — wozu führst 14 Du mir die ganze alte Geschichte vor ?" bemerkte St, Statt kurz auslachend. Ohne seine Warte zu beachten, fuhr Martha unbeirrt fort: „Deine letzte Hoffnung auf bas Majorat, falls Dein Vetter starb, schwand, als derselbe stch vermählte und ihm nach kaum Jahresfrist eine Tochter geboren ward. Deiner Versicherung nach machte das eine Verbindung zwischen uns zur Unmöglichkeit. Bekümmert, doch nicht verzweifelt, beglei« tcte ich die Familie als Erzieherin ihres Kindes auf eine Reise nach S ..... . Auf dem Wege hierher, kaum eins Meile vom Hafen, scheiterte das Schiff und sank mit Mann und Maus — ich und das Kind waren fast die Einzigen, die mit dem Leben davonkamen — Dein Vetter sowohl als dessen Frau sanken vor meinen Augen. — „Armand, so wahnsinnig wie ich Dich liebte, so wenig sicher fühlte ich mich Deiner Liebe und trotz aller Schrecken und Aengsten in jener furchtbaren Stunde gedachte ich gewisser Briefe von Dir, die Dich gesetzlich verpflichteten, mich zu hei« rathen- So griff ich hastig noch nach meiner Handtasche, bevor ich in das Rettungsboot stieg. Zu spät erst gewahrte ich meinen Jrrthum — statt meiner Tasche mit Deinen Briefen hatte ich eine der meinen ganz ähnlichen von meiner Herrin erwischt. — „Ein wunderbarer Zufall hatte es gefügt, daß das Kind unter demselben Dache mit mir Schutz gefunden harte. Zwei von Denen, die hindernd zwischen Dir und Deinem Glücke standen, waren tobt — ohne dieses kleine, gebrechliche Geschöpf war das ganze große Vermögen Dir. Dieser Gedanke ließ einen verzweifelten Plan in mir reifen. Ich verleugnete jedwede Kenntniß über die Kleine und verließ während der Nacht heimlich das Haus- — „Seitdem betrachtet die Wett Dich als den rechtmäßigen Erben; wir Zwei aber — Du und ich — wissen, daß Randolf St. Elairs Tochter lebt und daß sie die gesetzliche Erbin ist, Zwölf Jahre bewahrte ich das Geheimniß, allmälig aber beschlichen mich Reue und Gewissensbisse über meine böse That. Das theilte ich Dir mit — ich bat Dich, mir zu helfen, begangenes Unrecht wieder gut zu machen; Du aber schlugst mir meine Bitte ab und aus Furcht, ich würde unser Geheimniß verrathen, sperrtest Du mich vier Jahre in ein Irrenhaus ein l — Aber ich bin Dir entschlüpft," fuhr die Redende immer leidenschaftlicher fort, „trotz Deiner verzweifelten Anstrengung, mich für immer unschädlich zu machen, werde ich meine Seele entlaste«, wird unsere Sünde an's Licht kommen." Noch zuckte St. Clair mit keiner Wimper, noch verriet h er durch keine Bewegung, was sein Inneres empfand. Erstaunt über Liffas elegante Toilette, hatte er sich auf dem Wege hierher bei Capitän Wolzogen, einem alten Freund von Belten, erkundigt und von diesem über Liflas Herkunft gehört, was von diesen Allen aber Keiner wußte, das verrieth ihm die kleine Brillantbrojche, die er erkannt hatte. Sin spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen. „Ich muß Dir für heute Gute Nacht sagen," sprach er, als Jene schwieg. „Thu' in der bewußten Angelegenheit, die Dich hierher geführt hat, was Du für gut hältst. Viel Glück dazul Vor Allem möchte ich Dir aber rathen, nach Haus zu gehen und Dich zu Bett zu legen!" Mit bitterem Hohnlachen wandte er ihr den Rücken und ging von dannen. In tiefes Sinnen verloren, schritt er dahin. Unglück und Verderben starrten ihm in's Gesicht. Der Geist jener alten Sünde, so tief und seit lange begraben, war wieder aufgetaucht, ihn zu quälen und zu martern. Ein Wort von jener Frau und er war zu Grunde gerichtet! Sie konnte ihn in's Zuchthaus bringen; in ihrer Macht lag es, ihn zum Bettler zu machen und dieses Mädchen als reiche Erbin der St. Elair'schen Besttzthümer ein» zusetzen. Schon der bloße Gedanke hieran brachte ihn halb von Sinnen. Er knirschte mit den Zähnen, ballte die Fäuste und wußte sich vor Wuth kaum zu fassen. Gr sah nur ein Mittel, nur eine Rettung aus dieser schwer drohenden Gefahr: Marthas Tod! — Tine Stunde später stand er vor dem . Leuchtthurm. Vor der Thür desselben saß der alte Velten. Geschmeichelt, daß ein so vornehmer Herr vor seinem bescheidenen Hause Halt machte, lud er ihn zum Niederfltzen ein. „Meine Lissa," bemerkte er lächelnd, „ist freilich nicht daheim. — Kusch Dich, Leone! Was soll denn das heißen?" wandte er stch barsch nach dem Hunde, welcher beim Nahen St. Clairs aufgesprungen war und jetzt mit bösen Augen zum Angriff bereit stand, aber er lag an der Kette. „Hier in der Nähe konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, Ihnen einen guten Abend zu wünschen," versetzte St. Clair mit liebenswürdigem Lächeln. „Lassen Sie das Thier nur, es scheint mir nicht besonders gewogen. Apropos, wie geht es Ihrem Patienten?" Veltens Gesicht wurde sehr ernst. „Ach, ich mag's meiner Nichte gar nicht sagen — aber ich fürchte, die Stunden der Armen sind gezählt." „Wieso? Vor kaum einer Stunde meine ich, aus deren Munde gehört zu haben, es gehe besser mit der Kranken?" „So war es auch in der That. Sie fühlte stch so wohl, daß sie einen Ausgang wagte — der erste, seit sie hier ist — vor einer halben Stunde aber kehrte sie von demselben kreidebleich zurück." „Sie wird stch übernommen haben," meinte St. Clair mitleidig. „Nein, nein," meinte kopfschüttelnd der Alte, „es muß ihr auf dem Spaziergang irgend etwas sehr Aufregendes zugestoßen sein." „Wieso?" „Sie kehrte halb von Sinnen, wie verzweifelt zurück. Morgen werde ich es ja wohl erfahren. Sie meinte, sie müsse mich für morgen um eine lange Unterredung bitten, sie habe mir etwas von höchster Wichtigkeit mitzutheilen." Kein Schatten auf St. Clairs ruhjgem Gesicht verrieth, von welcher Bedeutung diese Worte für ihn waren — und doch wußte er genau, daß es sich hier nur darum handeln konnte, der Tochter Randolf St. Clairs die ihr gebührenden Richte einzuräumen. VII. Inzwischen ging es in der Dönhoff'schen Gesellschaft sehr heiter her. Da wurde geplaudert, gesungen, getanzt, gelacht, nur Valerie blieb ernst und in stch gekehrt- Sie mußte stch selbst gestehen, daß Ltffa die Königin des Festes war, und das Herz voll Reid und Bitterkeit, beobachtete sie, wie Asten sich um die besondere Gunst des am heutigen Abend geradezu bestrickend schönen Mädchens bewarb und wie dieses trotz Valeries Einflüsterungen, welche Jenem nicht zur Ehre gereichten, denselben immer weniger Glauben schenkend, mit dem vorschreitenden Abend die Liebenswürdigkeiten des jungen Mannes stch sichtlich gern gefallen ließ. Kein Blick, keine Bewegung der Beiden entging Valeries eifersüchtigem Auge. Ingrimmig preßte sie ihre schmalen Lippen zusammen, bang klopfte ihr Herz in Wuth und wilder Leidenschaft, sie wäre momentan vor keinem Mittel zurückgeschreckt, das das gegenseitige Wohlgefallen dieser Zwei in ewige Feindschaft umgewandelt hätte. VIII. Was war es, das Lissa ganz in der Frühe, als noch tiefe nächtliche Ruhe über der Erde lagerte, schreckte, daß sie sich hastig aufrichtete und angstvoll lauschte. Aber Alles war still, kein Laut ringsum außer dem tiefen, gedämpften Geheul des Hundes. Lissa ließ es aber keine Ruhe. Wie, wenn Onkel Martin etwas zugestoßen war? Hastig warf sie ein paar Röcke über und öffnete leise die Thüre. Ihre nackten Füßchen verursachten kein Geräusch, als sie den schmalen Corridor kreuzte und in die Kammer des alten Seemanns guckte. is Ker Mond leuchtete hell durch das Fenster und schien voll auf da« wettergebräunte Gesicht de« Alten, der sichtlich in friedlichem Schlafe ruhte. Behutsam zog Liffa die Thürs wieder zu. Eben wollte sie sich zurück in ihre Kammer begeben, als sie Martha« gedachte, und wie von böser Ahnung erfaßt, durchzuckte e« sie. Lautlos suchte sie deren Zimmer auf, sie öffnet die Thüre — da, ist e« ein Trugbild ihrer Sinne» ein Gaukelspiel der mondhellen Nacht? Wie sie sich dem Lager nähert, ist ihr, al» husche ein Schatten an ihr vorüber und zerfließe gleich einem Nebelbild dort an der kleinen Thüre, die nach einem unbenutzten Schuppen führte. Unwillkürlich strich ihre Hand über die Augen, dar Phantom ihrer aufgeregten Sinne zu verscheuchen, dann trat sie dichter an das Bett heran, beugte sich über die Kranke, aber mit einem unterdrückten Schreckensschrei prallt sie zurück, was sie sah, ist da» Gesicht einer Tobten. Da liegt sie, ihr fremder Gast, ohne Athem, ohne Leben, mit offenen Augen und bläulichem Gesicht, Mund und Lippen von einem schmalen Blutstreifen befleckt, der ihrem Leben wohl ein plötzliche» Ziel gesetzt hatte. IX. Der nächste Morgen findet Valerie blaß, verstimmt, mit dunklen Schatten unter den Augen. Forschend ruhte St. Clair« Blick auf ihr. Al» sie sich vom Frühstückstisch erhebt und hinau» auf die Veranda trat, folgte er ihr. „Fräulein Valerie!" Erschreckt fuhr sie au» ihrem Sinnen auf. „Sie sind ernst, verstimmt," Hub er an- Eine heiße Blutwelle strömte ihr in'» Gesicht. „Verstimmt? — Ich wüßte nicht, we«halb!" erwiderte sie, spöttisch die Achseln zuckend. „Nicht?" sprach er und sah ihr lächelnd in die Augen. „Sollten Sie selbst sich so wenig kennen, wo ich al» Ihr Freund Sie doch durchschaue? — Sie lieben Asten I" Ihre Zunge war wie gelähmt — sie brachte kein Wort der Ablehnung gegen diese Annahme hervor, bleich und kraft« lor sank sie auf den nächsten Stuhl. „Und wiffen, daß er nicht Sie, daß er Liffa Velten liebt," fuhr St. Clair erbarmungslos fort; „bitte, erregen Sie sich nicht!" Valerie wollte aufspringen, aber beschwichtigend legte er seine Hand auf ihren Arm. „Warum sollten wir Zwei uns nicht gegen sie verbünde« ?* Kurzes Schweigen. »Auf welche Weife?" murmelte Valerie mit zitternden Lippen. „Helfen Sie mir und ich befreie Sie von Ihrer Neben« buhlerin." „Reden Sie — was soll ich thun?" „Das Boot, die „Weiße Möve", ist Ihr Elgenthum?" Valerie nickte stumm. „Und soll heute Nacht absegeln?" „Ja." „Würde mich auf Ihre Fürsprache hin der Steuermann mit an Bord nehmen?" „Gewiß." «Und könnten Sie veranlassen, daß da» Schiff die Segel ein paar Stunden früher lichtet — sagen wir um sieben?" »O ja." „Gut. In diesem Falle verpflichte ich mich, Ihnen Ihre Freundin aus dem Wege zu räumen. Eine solche Segelfahrt, denke ich, soll ihr jeden Gedanken an Curt von Asten au» dem Sinn schlagen. Nur um Eines muß ich noch bitten, wenn mein Plan vollständig gelingen soll." „Und da» wäre?" »Sie müssen noch in dieser Stunde ein Briefchen an Liffa Velten schreiben, in welcher Sie ihr mittheilen, gelegent« lich eine« Besuche» auf der „Weißen Möve" hätten Sie sich Ihren Fuß derart verstaucht, daß Sie nicht fort könnten. Sie möchte Sie doch auf dem Schiffe besuchen. Sie wird kommen und wenn sie Sie oben nicht findet, Sie unten im Salon suchen — dort bin ich statt Ihrer. Da» Wettere ist meine Sorge." „Aber die Mannschaft wird sich wundern, wenn Liffa kommt." „Die hat ja nichts weiter damit zu thun und meine Menfchenksnntniß müßte mich sehr trügen, «en« de» Steuer« manns Gewissen sich nicht durch klingende Münze beruhigen ließe." „Das glaube ich selbst," entgegnete Valerie, von den widerstreitendsten Gefühlen bewegt, „aber Sie? Welches In« tereffe haben Sie dabei, daß Sie sich so für mich bemühen?" forschte sie. „Das ist mein Geheimniß," antwortete St. Clair mit seinem gewohnten räthselhaften, kaltblütigen Lächeln, „Eie sollen nur sagen, ob Sie auf meinen Vorschlag eingehen und thun wollen, wa» ich von Ihnen verlange." „Alle» soll geschehen, wie Sie e» wünschen, punkt sieben Uhr ist da» Schiff zum Abfahren bereit und Liffa an Bord." So blaß und traurig wie wohl noch nie in ihrem Lebe« saß Liffa in dem kleinen Wohnzimmer am Fenster, al» OM Martin ihr einen Brief von Valerie brachte. „O, die Arme!" rief sie, nachdem ihre Augen das Briefchen überflogen hatten. „Denke, Onkel Martin, die arme Valerie hat sich auf dem Schiffe den Fuß verstaucht und bittet mich, zu ihr zu kommen und über Nacht bei ihr auf der „Möve" zu bleiben, soll ich gehen und Dich allein lassen?" „Gewiß, Kind, geh' ohne Säumen, die Abwechselung wird Dir gerade heute eine gute Zerstreuung sein." Nach zehn Minuten schritt Liffa dem Strande zu. Sie mochte die Hälfte de» Wege» zurückgelegt haben, al» sie, den Kopf halb wendend, plötzlich ihren großen Hund neben sich sah. Erstaunt hemmte sie ihre Schritte. „Habe ich Dir denn erlaubt, mich zu begleiten?" sagte sie. Das Thier blieb stehen. Seine für jeden Anderen so bösen Augen sahen stumm bittend zu Liffa auf. Dieser Blick besiegte de» Mädchens weiche« Herz. Sie erreichte das Schiff. Halb lächelnd bemerkte sie de« Steuermann» Schreck über ihren Begleiter. In der nächsten Minute aber wurden ihre Züge ernst. Kaum war der Hund auf Deck, so zeigte er sich eigen« thümlich unruhig; mit wildem Blick, gleichsam al» wittere er Böse«, drehte er sich langsam ringsum, bi« er, an allen Gliedern wie in mörderischer Gier erzitternd, plötzlich regungslos stehen blieb und leise», aber um so beängstigendere« Knurren ausstieß. Des Thieres feiner Jnstinct ließ ihn die Nähe feine« Feindes ahnen. Doch war Niemand sichtbar außer dem Steuermann. Dieser kam Liffa entgegen, während er deren Begleiter scharf im Auge behielt. ' „Sie werden unten erwartet," Hub er an, „was aber soll mit dem Hunde werden?" „Der ließ sich nicht zurückhalten," versetzte Liffa lächelnd. „Kusch' Dich, Leone! — Hörst Du nicht? Du sollst Dich legen. Was fällt Dir denn ein?" ' Diese letzte Frage bezog sich auf das merkwürdige Ge« bahren des Hundes; ganz wuthentbrannt wollte derselbe die teppichbelegten Stufen nach dem Salon hinabjagen, doch Llssa eilte ihm nach, hielt ihn mit fester Hand zurück und zwang ihn fast gewaltsam, sich oben auf dem Deck hinzustrecken. »Ich weiß gar nicht, was das Thier feit einiger Zeit nut hat," wandte sie sich wie entschuldigend zu dem Steuermann, „kann ich ihn nicht unten im Schiffsraum einschließen?" „Je eher das geschieht, um so besser, meine ich," lachte Jener unbehaglich. 16 « Nicht ohne Mühe brachte ste de» sichtlich widerstrebenden Hund in Sicherheit. „ , . Ganz in Sorge um die Freundin erfüllt, ahnungslos der schändlichen Falle, die man ihr gestellt hatte, eilte sie nun die schmale Treppe hinab. (Schluß folgt.) GeineinnRtzig-s. Um die Eisbildung bei der jetzigen Temperatur an den Schau- und Wohnungssenstern zu verhindern und gleichzeitig auch dem Schwitzen und Beschlagen der Fenster vorzubeugen, gibt es ein gut bewährtes, einfaches Mittel. Man löse 55 Gramm Glycerin in einem Liter verdünnten (63 pCi.) nickt denaturierten Spiritus auf, dem zur Ver- besierung des Geruches Bernsteivöl zugesetzt werden kann. Sobald die Mischung waflerklar geworden ist, reibt man die innere Fläche des Fensters mit einem Fensterleder oder Lein- wandlappen, die mit der Flüssigkeit angefeuchtet sind, ab. Praktischer Sägebock. Man gräbt zwei recht breite Holzkloben zur Hälfte in die Erde, schneidet dann oben mit der Säge aus jeder Klobe ein Dreieck au«, damit man da« Holz hineinlegen kann, und der Säge- ock ist fertig. Derselbe hat den Vorzug der Billigkeit, denn er kostet nichts; den der Haltbarkeit, denn er ist unverwüstlich. Er steht unverrücksar fest, weßhald sich gut auf ihm arbeiten läßt. Er kann ferner weder gestohlen noch verborgt werden (ebenfalls nicht zu unter- schätzende Vortheile). Die bei den bisher gebräuchlichen beimgen Sägeböcken im Wege stehenden vier Arme oben fallen weg, was der Sägende sehr angenehm empsindet. Benutzt man aus diesem Bock noch die neuen in jedem größeren Laden für 3 Mk. käuflichen Sägen mit eisernem Bügel, der die Säge immer sehr straff gespannt hält, so schaffen zwei Arbeiter in einem Tage mehr, als sonst in drei. Reinigen verstaubter Oelgemälde. Verstaubte Oelgemälde reinigt man am besten mit einem kaltgewordenen Absud von Seifenwurzeln in Waffer, den man mit einem sehr weichen Schwamm aufträgt. Da ältere Bilder meist dick mit Firniß überzogen sind, genügt e«, ihnen den alten Glanz durch einige Tropfen Mohnöl wiederzugeben, die mit dem Ballen der Hand oder einem feinen Zeugballen so dünn wie möglich auf der Bildfläche verrieben wird. Fischen den schlechten Geschmack zu nehmen. Um Fischen au« stehenden Gewässern den unangenehmen moderigen Beigeschmack zu nehmen, lege man dieselben vor dem Kochen einige Stunden in frisches Brunnenwasser, dem etwas Salz und Weizenkleie zugesetzt wurde. Ehe die Fischs in den Kessel kommen, müssen sie indessen gut abgespült werden. Auch empfiehlt es sich, eine Brodrinde oder einige glühende Holz- lobten in das Fischwasser zu werfen und sie mitkochen zu lassen. e , Esfigsteisch. Rindfleisch (Rippenstück, ausgebefot) wird tüchtig geklopft und drei Tage in Essig mit allen Gewürzen grl gt. Darnach wird es in Butter, Zwiebeln, Gelbe- rüden, ganzen Pfeffer und Nelken halb gar gedämpft, ein Teigchen mit Wein angerührt, daran gegossen, mit Fleisch- brühe verdünnt und fertig gedämpft; zuletzt muß es aber ausgedeckt bleiben. Sodann wird eü wieder erkalten lassen, in Mehl, dann ist Ei umgewälzt und paniert., * * Französische Suppe. Es werden verschiedene Gemüse länglich geschnitten, zuerst einige Z-it in Wasser, dann in Fleischbrühe gekocht, angerichtet, Muskatnuß daraufgerieben und serviert. Man verwendet Kartoffeln, Gelberüben, Blumenkohl, Sellerie, Lauch, Bohnen, Wirsing, Erbsen und Spargeln. ___________ VermMehtes. Beweis Feldwebel (der mit den MansSaften von der Entfernung der Fixsterne gesprochen hat): „Was macht der Kerl für ein ungläubiges Gesicht? Wenn ich Ihnen da» sage, Meier, können Sie'» ruhig glauben ... ich war früher bei der Luftschifferabthetlung." * Unglückliche Liebe. * Unteroffizier (zum Rekruten, der in der Angst den Hal« feine« Pferde» mit beiden Armen umklammert hält): jetzt geben Sie der Rostnante ooch jleich noch ’n Kuß . . - Sie oller.Don Juan!" Auf Umwegen. Die'kleine Ella: „Papa, ich weiß, wa» ich Dir zu Deinem Geburlstag schenke " — Vater: „So, was denn, mein Kind?" - Ella: „Ein schöne« Bierglas." — Vater: „Aber Kind, ich habe ja ein«." - Ella: „Ja, das habe ich eben zerbrochen." ♦ Schlagfertig. Richter: „Sie haben bei der Er- greifung des Einbrechers fich ja recht tapfer gezeigt, Frau Wuchtig, aber daß Sie ihn gleich so schwer verletzt habe», war doch nicht recht." - Zeugin: „Ich wußte ja gar nicht, daß e« ein Einbrecher war! Ich wartete seit drei Stunden auf me nen Mann und da glaubte ich, er wäre es." ♦ ♦ Vorsichtig. Patient:*,Ich möchte Sie consultiren: ich leide an äußerst schwachem Gedächintß." — Arzt: „Sehr wohl; dann muß ich Sie aber in Rücksicht auf Ihr Leiden bitten, da« Honorar vorher zu entrichten." Vornehme Erziehung. Der kleine Karl (trotzig zur Gouvernante, die ihm einen Verweis gab): „Du kannst mir am Buckel 'naufsteigen!" — Die Mama: „Aber Karl, wer wird sich denn so roh ausdrücken — kannst Du nicht „Rücken" sagen?" Literarisches Di« Krankenpflege im Haus« und im Hospitale. Lin Handbuch für Familien und Krankenpflegerinnen von Th. Billroth. Fünfte vermehrte Auflage. Herausgegeben von Dr. R. Gersuny in Wün. Mit einem Porträt Th. Billroth's in Lichtdruck, 7 Figuren im Text und 49 Abbildungen auf 32 Tafeln. 20 Bogen 8° in Original- Leinwandband. - Am 6. Februar 1894 starb Theodor Billroth nach einem Leben, reich an Arbeit, reich an Ehren. Als er auf der Höhe des Ruhmes stand, anerkannt als einer der hervorragensten Chirurgen der Gegenwart, aufgesucht als Lehrer von Aerzten auS allen Welttheilen, schrieb er dieses Buch, das keine wissenschaftliche Bedeutung haben sollte, das bestimmt war, dem Unterricht in der Krankenpflege zu dienen; Billroth gab darin eine Fülle von Erfahrungen am Krankenbett, eine Menge von Rathschlägen, aus denen man ersehen kann, welch' liebevoller Arzt er war, wie er an alle großen und kleinen Pflichten dachte, deren Erfüllung das Loos der Kranken erleichtern kann; dies Buch ist ein Denkmal seiner Menschenliebe. Im Text wurden einige Veränderungen vorgenommen. Herrn Professor Dr. Heinrich Obersteiner verdankt das Buch Rathschläge für die Pflege Geisteskranker. Da» XL Capital: „Vom Bau und den Leistungen des menschlichen Körpers wurde theilweiss umgearbeitet. Auf die Ausstattung wurde besondere Sorgfalt verwendet und kann die künstlerische Ausstattung dieser fünften Auflage als mustergiltig und vollendet hervorgehoben werden. Die Original-Zeichnungen sind von August Roth in Rudolflnum, vom Director der Anstalt überwacht, ausgeführt worden. Kalbsbriesel. Da« Stiefel wird mit kaltem Wasser solange aus dem Herd erwärmt und immer wieder abge- schüttet, bi« da« Briefe! ganz weiß ist una sauber gehäutet werden kann- Dann wird e« abgekocht und zwar in Wisset, welche« mtt Essig, Zwiebeln, Gelberüben, Citronenschale, Salz, ganzen Pfiffet, Nelken und Lotbeerblältet kalt beigesetzt wurde. Mdaction: A. Scheyda. - Druck und »erlag ber »rühl'schm und Eindruck«« iPietfch 4 in